Dampfer „Dresden" gesunken.
Links: Der Lloyddampfer „Dresden". — Rechts: Eine Karte der Unglücksstelle.
w r NORWEGEN
Zwei Krauen ums Leben gekommen.
Bremen, 21. Juni. (DNB.) Vom Norddeutschen Lloyd wird zum Unfall der „Dresden" mitgeteilt, daß bei dem Schiffsunglück zwei Frauen gestorben finb. Sie sind nicht ertrunken, sondern auf dem norwegischen Dampfer, der sich bei den Rettungsarbeiten beteiligte, an Herzschwäche gestorben. Die übrigen Passagiere befinden sich alle in guter Pflege. Die norwegischen Behörden haben sich mit großer Fürsorge und Tatkraft ihrer angenommen. Vermißt wird keiner der Passagiere und keiner der Schiffsangehörigen. Die „Dresden" ist gesunken. Vierzehn Frauen und der Koch befinden sich mit leichteren Verletzungen im Hospital, der Koch hat Rippenbrüche davongetragen, eine Frau Arm- und Beinbrüche. Nach einem beim Norddeutschen Lloyd eingelaufenen Telegramm aus Stavanger handelt es sich bei den ums Leben Gekommenen um eine Frau Emma Erzheimer aus Otterberg (Rheinpfalz) und um ein Fräulein Cherdron; die Namen der verletzten Frauen sind folgende: K. Glaß, E. C h r i st - mann, G. Eugenie, M. Courturier, Frau M u e h l b a ui g, Frl. K. Zuter, A. Rahm, S. Herberg, E. Schmidt, E. Kaempf, H. Minas, L. Adam, E. Hack, I. Schleid. Der verletzte Koch heißt B e r r o t h. Das Telegramm enthält den Nachsatz: E. Kaempf und G. Eugenie müssen hier bleiben. Diese beiden Frauen sind also als einzige schwerer verletzt. Die Toten und die Verletzten stammen wahrscheinlich alle aus der Rheinpfalz.
Oie Rettungsaktion.
Das Ausbooten der Fahrgäste und die lieber- nähme durch den in der Nähe befindlichen und sofort herbeigeeilten norwegischen Dampfer „Kong Haakon" ging trotz des starken Seeganges und der großen Zahl der an Bord befindlichen Personen in voller Ruhe und Ordnung vor sich. Lediglich ein Boot erlitt einen Unfall, bei dem die Insassen ins Wässer fielen, die bis auf zwei Damen sämtlich mit Schwimmwesten versehen waren. Die beiden nicht mit Schwimmwesten ausgerüsteten Frauen konnten jedoch von sofort nachspringenden Stewards ebenfalls gerettet werden. Sofort nach Bekanntwerden des Unfalles am. Mittwochabend wurde der in Bremerhaven liegende Dampfer „Stuttgart" des Norddeutschen Lloyd beschleunigt ausgerüstet, um die Passagiere und die Besatzung des Dampfers „Dresden" abzuholen. Mit der Rückkehr des Dampfers „Stuttgart" nach Bremerhaven ist Samstagmittag zu rechnen. Die Urlauber werden in Bremer
haven ausgebootet und von dort aus die Heimreise antreten. Voraussichtlich wird die Abfahrt in die Rheinpfalz noch in der Nacht zum Sonntag oder im Laufe des Sonntagmorgen erfolgen.
Oie Reichsmarine greift ein.
Zum Zeichen der engen Verbundenheit zwischen der Reichsmarine und den Kameraden der Arbeit auf dem Dampfer „Dresden", der in den norwegischen Schären auf Grund gelaufen ist, hat der Flottenchef Admiral F o e r st e r, als er von dem Unfall des Schiffes Kenntnis erhielt, sofort den Befehl gegeben, den zur Kieler Woche in Kiel anwesenden Kreuzer „Leipzig" zur Unfallstelle zu entsenden. Da die Mannschaft des Kreuzers zum Teil auf Landurlaub war, wurde sie durch Streifen beschleunigt an Bord zurückgeholt, so daß die „Leipzig" um 3 Uhr morgens Kiel verlassen konnte, um sich mit höchster Fahrt zum Dampfer „Dresden" zu begeben.
Das Kommando der Marineftation der Nordsee hatte sofort nach Bekanntwerden des Unfalls der „Dresden" das bei den Shetlandinseln stehende Fischereischutzboot „W e s e r - E m s" durch Funkspruch an die Unfallstelle beordert.
Vorbildliches Verhalten von Jahrgästen und Besatzung.
So traruig die „Kraft durch Freude"-Ferienfahrt mit der „Dresden" in die norwegischen Fjorde auch endigte, so hat sie doch ein nicht zu unterschätzendes Gutes für das Ansehen unseres Vaterlandes gehabt. Sie hat deutschen Mannesmut, deutsche Disziplin und deutschen Humor gezeigt. Die Osloer Zeitungen bringen Berichte von einem Mann der Besatzung, der sich von der obersten Brücke ins Wasser stürzte, um eine ertrinkende Frau zu retten, von anderen, die unter Lebensgefahr unter Deck gingen und Rettungsgürtel holten, von der Ruhe, mit der die Fahrgäste nach dem ersten Schreck auf dem abschüssigen Deck promenierten, bis sie an die Reihe kamen, ans Land gebracht zu werden, von schwimmtüchtigen Frauen, die ihre Rettungsgürtel älteren Männern überließen. Besonders hervorgehoben wird in der Lokalpresse, wie ruhig und gelassen sich die Schiffbrüchigen, unter denen sich viele S A. - L e u t e befanden, aus dem Exerzierplatz Malde benahmen, wo sie in Militärbaracken untergebracht wurden. Die norwegischen Offiziere hätten eine wahre Freude daran gehabt. Nicht zu vergessen sei hier aber auch die altbekannte norwegische Opferwilligkeit, insbesondere Schiffbrüchigen gegenüber. Die Bevölkerung wie die Zi
vil- und Militärbehörden Haugesunds, Stavangers und Koperviks taten ihr Bestes, sofortige Hilfe zu leisten.
Der Norddeutsche Lloyd hat an die deutsche Gesandtschaft in Oslo telegraphisch die Bitte gerichtet, aus Anlaß des Unglücks, das den Dampfer „Dresden" betroffen hat, der norwegischen Regierung den Dank des Norddeutschen Lloyd für treue Hilfe aller amtlichen und privaten Stellen in Norwegen und für die von ihnen den Passagieren und der Besatzung erwiesene erste Gastfreund- schäft zu übermitteln.
Zuchthaus für Geldschrankknacker.
LPD. Darmstadt, 21. Juni. Dor der Großen Strafkammer hatten sich heute der 22jährige Joseph H u s s e ck aus Darmstadt und der 33jährige Joseph Schenza, sowie der 32jährige Richard Geisler, der zur Zeit in Heidelberg in Untersuchungshaft sitzt, wegen schwerer Einbrüche zu verantworten. So hatten sie u. a. um den Jahreswechsel bei der
Firma Hessenkauf in Darmstadt eingebrochen, den Kassenschrank aufgesprengt und etwa 5 0 0 Mark erbeutet. Husseck allein hatte außerdem einen fchweren Einbruch in einer Darmstädter Ledens- mittelfirma verübt und auch dort mit reicher Beut« versehen den Rückweg angetreten. Auch bei Butzbach hatte Husseck einen Einbruch verübt. Die Hauptangeklagten Husseck und Schenza sind bereits vorbestraft, und das Gericht verurteilte Schenza wegen Rückfallverbrechen zu 5 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust, Husseck zu 3 Jahren Zucht- haus und 5 Jahren Ehrverlust. Der Angeklagte Geisler wurde mangels Beweises freigesprochen.
Oer Juldaer Versicherungsmord
LPD. Fulda, 21. Juni. Der wegen Versicherungsmordes sechs Jahre steckbrieflich verfolgte und jetzt hier verhaftete H. Alberding ist nach der zuständigen Staatsanwaltschaft Weimar übergeführt worden. Bei seiner ersten Vernehmung hat Alberding kein Geständnis abgelegt.
Aus aller Welt.
Professor Paul hinneberg f.
Professor Dr. phil. Paul Hinneberg, Mit- glied der Preußischen Akademie der Wissenschaften, ist, wie der „Tag" meldet, in Berlin im 73. Lebensjahre geftorben. Mit Hinneberg verliert die deutsche Wissenschaft einen ihrer vorzüglichsten Organisatoren. Der Gelehrte, der aus der Schule Rankes und Treitschkes hervorgegangen ist, trat im Jahre 1892 auf den besonderen Wunsch Theodor Mommsens in die Schriftleitung der „Deutschen Literaturzeitung" ein, die er aus kleinen Anfängen zu jener vielbeachteten und einflußreichen Stellung geführt hat, welche dem Blatte den Ruf des bedeutendsten kritischen Organs der Gesamtwissenschaft einbrachte. In den vier Jahrzehnten seiner Schriftleitung bzw. der im Auftrage der Akademie der Wissenschaften von ihm besorgten Herausgabe hat Hinneberg die Erörterung aller wesentlichen Probleme durch Autoritäten auf allen Gebieten gepflegt. Weiten Kreisen ist der Gelehrte dann als Herausgeber des umfassenden Sammelwerkes „Kultur der Gegenwart" bekannt geworden, in dem ebenfalls Wissenschaftler von Rang Monographien aus ihrem Forschungsfach zu einer Gesamtschau der Geistesgeschichte vereinigten. Endlich sei noch die von Hinneberg begonnene Buchreihe „D a s wissenschaftliche Weltbild" erwähnt.
Denttstifcher Nachwuchs
restlos in die H3. und S2L eingegliedert.
Durch die Anordnung des Reichsführers der deutschen Dentisten wird der dentistische Nachwuchs seinem Altersaufbau entsprechend, soweit er nicht schon seit Jahren der nationalsozialistischen Kämpferschaft ohnedies angehört, vollzählig der HI. bzw. als Fachstudenten der SA. zugeführt, um dort bestes deutsches Brauchtum anerzogen zu bekommen.
Selbstmord aus Angst vor der Zollkontrolle.
Der 20 Jahre alte Rudolf Hafner aus Augsburg, wohnhaft in München, hat sich nachts auf der Bahnstrecke Kapsweyer—Weißenburg in dem Augenblick durch einen Schuß in die Schläfe g e - tötet, als er von einem Grenzzollbeamten angerufen wurde.
Unglaubliche Methoden amerikanischer Banditen. — Nächtlicher Ueberfall auf eine kleine Stobt
Eine amerikanische Verbrecherbande verübte in einer der letzten Nächte einen Ueberfall auf die Kleinstadt Crescent (Oklahoma), um einen
großen Geldschrank zu rauben. Zu diesem Zweck hatte sich die Bande, die aus sieben Mann bestand, auf einem Lastautomobil einen Kran mitgebracht. Sie durchschnitten alle Fernsprechdrähte und nahmen alle zu dieser Zeit auf der Straße sich aufhaltenden Leute fest. Sodann fuhren sie zur Bank des Ortes und versuchten mit Hilfe des Kranes den Geld- schrank, der mehrere Tonnen schwer ist und über 2000 Dollar enthielt, durch das Fenster auf den Lastkraftwagen zu verladen. Etwa 100 Personen, die inzwischen zusammengeströmt waren, wurden mit Maschinenpistolen in Schach gehalten. Schließlich mußten aber die Räuber nach halbstündiger „Arbeit" den Geldschrank, der anscheinend doch zu schwer war, auf der Straße liegen lassen. Um sich gegen alle Möglichkeiten, insbesondere gegen eine Beschießung durch die Polizei zu sichern, nahmen sie sechs Personen als Geiseln mit, die sie jedoch etwa eine Meile vor der Stadt wieder freiließen. Die Verbrecher sind unerkannt entkommen.
Große Orkanfchäden in Mexiko.
Die Gegend um Ojitkan im Staate Ooxaca rourbd von einem schweren Orkan heimgesucht. Die weiten Bananenplantagen haben großen Schaden gelitten. Auch die Gebäude der Stadt, besonders das Rathaus, die Schulen und Kirchen wurden mitge« nommen.
Wettervo raussage.
Von den britischen Inseln bewegt sich ein kräftiger Wirbel ostwärts, an dessen Vorderseite sich eine langgestreckte Regenfront befindet. Bei dem Weiterzug des Tiefs gelangt von Westen her kühle Ozeanluft nach dem Festland, wodurch sich das Wetter veränderlich gestaltet und weiterhin schauerartige Niederschläge austreten. Die Temperaturen bleiben dabei für die Jahreszeit zu niedrig.
Aussichten für Samstag: Wechselnd-bewölkt mit zwischenzeitlicher Aufheiterung, kühl, bei um West drehenden Winden einzelne Niederschläge.
Aussichten für Sonntag: Wolkig, vorübergehend auch aufheiternd, kühl, zeitweise Regenschauer.
Lufttemperaturen am 21. Juni: mittags 19,1 Grad Celsius, abends 13,4 Grad; am 22. Juni: morgens 13,3 Grad. Maximum 19,3 Grad, Minimum 12,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 21. Juni: abends 18,6 Grad, am 22. Juni: morgens 15,7 Grad Celsius. — Niederschläge 0,7 mm. — Sonnenschsindauer 4,6 Stunden.
Annerod, den 22. Juni 1934.
3697 D
Statt Karten.
Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgänge unseres lieben Entschlafenen, für die Kranzspenden, sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Bönning und dem Vorsitzenden des Kriegervereins, Schmiedemeister Heb. Haas, sagen wir innigen Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Familie Karl Will
Unseren Mitgliedern machen wir die traurige Mitteilung, daß uns unser lieber Sportkamerad
Karl Philipp 3703 D
durch denTod entrissen wurde.— Mit ihm Ist einer unserer Treuesten von uns gegangen, dem wir stets ein ehrendes Gedenken bewahren.
V. f. B. Reichsbahn, Gießen
Die Beerdigung findet am Samstag, dem 23. Juni, vormittags 11 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Wir bitten unsere Mitglieder um zahlreiche Beteiligung.
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