geheimnisvollen Winkel das Aufbauwerk zu stören. Mit einem Male behaupten sie: die Stimmung flaut ab.
Dir find es nie gewohnt gewesen, Politik mit Stimmung zu machen, und wenn das deutsche Volk heute nicht zu jeder Stunde Hurra schreit, so ist das nur ein Beweis dafür, daß es wieder arbeitet und keine Zeit zum Hurra- Schreien hat. (Lebhafter Beifall.)
Sie haben uns nicht an der Uebernahme der Macht hindern können, da wollen sie uns nun am Gebrauch der Macht hindern. Das find, so rief Dr. Goebbels unter stürmischem Beifall aus, lächerliche Knirpse. Sie bedauern nicht an sich, daß der Arbeiter einen schlechten Lohn bekommt, sondern sie hoffen nur durch ewige Hetzerei den Arbeiter dem nationalsozialistischen Staat abspenstig zu machen. Gottlob ist die Intelligenz nicht allein bei diesen Herren in den Klubsesseln zu Hause. Das Volk hat die Zeiten, da diese Herren regierten, noch nicht vergessen, und wenn sie damals zu schwach waren, die Macht zu erobern, wie sollten sie heute stark genug dafür sein? Das Recht zur Macht haben wir uns angeeignet, weil kein anderer da war, der auf dieses Recht Anspruch erhob, kein Kronprinz, kein Kommerzienrat, kein Großbankier und kein Parlamentshäuptling. Sie alle haben die Dinge schlittern lassen. Wir höben uns der Lawine des Zerfalls in den Weg gestellt und sie aufgehalten.
Wenn der Arbeiter manchmal Löhne bezieht, mit denen er ein der Kulturhöhe des deutschen Volkes entsprechendes Lebensniveau nicht mehr bewahren kann, so kommt das daher, daß wir vier Millionen Menschen wieder in Arbeit gebracht haben, und daß entsprechend das Lohnniveau auf einer gewissen höhe gehalten werden muß. Aber wir halten es für sozialistischer, daß man diesen vier Millionen auch etwas gibt, als daß man dem einen alles und dem anderen gar nichts gibt. Denn unsere Devisenvorräte knapp geworden sind, so deshalb, weil die uns vorangegangenen Regierungen in sträflicher Verantwortungslosigkeit Anleihen ausgenommen haben, die wir seht verzinsen und amortisieren müssen. Die nationalsozialistische Regierung hätte besser getan, alle diese Herrschaften hinter Schloß und Riegel zu sehen.
(Stürmischer Beifall.)
Denn wir müssen heute die Suppe auslöffeln, die sie eingebrockt haben. Wir haben einen verzweifelten Zustand der deutschen Finanzen übernommen. Wir haben ja nicht die Unterschrift unter den Dawes- und den P o u n g p a k t zu verantworten, sondern die, die uns vorangingen.
Diese Kümmerlinge sagen: Ja, Hitler ist gut, aber was sind schon die kleinen Parteifunktionäre, die keine Ahnung haben, die ungebildeten Menschen, denen wir uns unterordnen sollen! Nun, diese kleinen Leute, über die man heute den Stab brechen möchte, haben Deutschland erobert! Wenn wir uns auf die vornehmen Herren verlassen hätten, wären wir verlassen gewesen. Den Meckerern sind die S t e u e r n zu hoch. Das wissen wir auch. Aber wir verplempern wenigstens nichts. Steuergelder und jeder Pfennig wird benutzt, neue Arbeitsgelegenheit zu schaffen. Wir schmettern diese Kritiker am ehesten zu Boden, wenn wir uns auf unsere eigene Kraft besinnen. Das ist das Einzige, was sie fürchten, unseren unüberwindbaren Willen. Wir haben ein klares Ziel. Wenn wir die einzelnen Teile dieses Zieles nicht heute erreichen, so kämpfen wir morgen dafür, aber wir lassen uns nichtda- von abbringen. Darüber hinaus beseelt uns eine unüberwindbare Treue zueinander, die wir aus der Kampfzeit der Partei bewahren, Beständigkeit und Fleiß. Wir haben uns nie geändert, aber wir haben eine ganze Welt geändert.
Die Volksgemeinschaft, die im Kern schon vorhanden ist, muh bis zum letzten durchgesührt werden. Der Wirtschaftsfriede, den. wir wollen, darf nicht eine Freistatt für Besitzende sein, sondern er muß wirklich die sozialen Gegensätze allmählich ausgleichen. Der konfessionelle Friede muh wirklich die Konfessionen untereinander versöhnen und darf ihnen nicht die Möglichkeit geben, unter scheinheiligen Beteuerungen den Staat zu sabotieren und zu bekämpfen. Darüber hinaus wollen wir dem deutschen Volke immer wieder sagen, dah sein heil in der eigenen Krasl und im Selbstbewuhtsein liegt. Unser Reich soll auf die Ewigkeit gestellt ein Reich der Stärke und der Kraft werden. Es soll in Deutschland nur ein Wille herrschen, der 66 Millionen beseelt und ihnen die Kraft gibt, das Leben zu verteidigen.
Im letzten Teil seiner Rede wandte sich Dr. Goebbels an die Parteigenossen. Er wies darauf hin, daß ihm rednerische Tätigkeit im Reiche und die Ueberladung mit Amtsgeschäften nicht mehr so oft wie früher die Gelegenheit geben, in Berlin zu sprechen. Aber täglich, so betonte er, bewegt mich unentwegt weiter die Sorge um euch. Wir werden uns auch in Zukunft durchsetzen, wenn wir uns selber treu bleiben und uns allein auf die eigene Kraft verlassen. Diese Menschen wagen ja nur zu kritisieren, wenn ihnen niemand entgegen- tritt. „Packt sie euch", so rief Dr. Goebbels aus, „tretet ihnen entgegen", und ihr werdet sehen, wie sie feige zurückweichen, wenn ihnen einer die Wahrheit sagt. Laßt euch nichts mehr gefallen! Ruft sie zur Ordnung! Stemmt euch dagegen, dah sich jedes hergelaufene Subjekt erlauben darf, am Aufbau unserer Bewegung herumzunörgeln. Wenn sie dann eine Zeit in die Mauselöcher gekrochen sind, kommen sie daraus als perfektuierte Nationalsozialisten wieder hervor! (Heiterkeit) Dieser Sorte imponiert nur Kraft, Selbstbewuhtfein und Stärke. Sie sollen sie haben. Sie haben unseren Großmut mißverstanden, jetzt sollen sie unsere Entschlossenheit verstehen lernen! Diese Menschen werden den Schritt eines Jahrhunderts nicht aufhalten können, sie werden Zurückbleiben, und es paßt auf sie das Wort, das für sie geprägt worden ist: Sie sind die Reaktion, der Rückschritt. Wir werden über sie hin- wegschreiten und die Geschichte wird nicht von ihnen, sondern von uns schreiben.
Mit Stolz können wir von uns behaupten: Dir find die bessere Jugend eines anderen Reiches und haben deshalb das alleinige Recht, dieses Reich zu präsentieren. Denn mit uns zieht die neue Zeit!
Anhaltender Beifall dankte dem Gauleiter für feine Worte, die der Menge aufs neue wieder Kraft und Kampfesmut gegeben haben.
Dr.Schachi über das Transf ermoraiorium
Oie Auslandspreise wird eingehend aufgeklärt.
Berlin, 21. Juni. (DNB.) Der Reichsminister für Dolksaufklärung und Propaganda, Dr. Goebbels, hatte zum Donnerstagnachmittag die A u s - landspreffe zu einem Tee-Empfang in die Feftfäle des Propagandaministeriums geladen^ womit die Reihe dieser Art von Presseempfängen fortgesetzt wurde. Der Einladung waren zahlreiche Vertreter des diplomatischen Korps, sowie verschiedene Mitglieder des Reichskabinetts und andere geladene Gäste in großer Zahl gefolgt.
Anwesend waren u. a.: Vizekanzler v. P a p e n, die Reichsminister Seldte und von Elz- R ü b e n a ch, die Staatssekretäre von Bülow und Funk, der Inspekteur der Nachrichtentruppen, Generalleutnant von Kluge, Generaldirektor Dr. Dorpmüller, der stellvertretende Gauleiter von Berlin, Staatsrat Görlitzer, Landesstellenleiter Schulze-Wechsungen sowie Oberbürgermeister Dr. G ö r d e l e r. Man sah ferner die Botschafter der Vereinigten Staaten, Japans und Spaniens, die Gesandten von Argentinien, Rumänien, Polen, Ungarn, Bulgarien, Südslawien, der Tschechoslowakei, der Schweiz, Oesterreichs, Lettlands, Griechenlands, Norwegens, von Venezuela und Bolivien, von Uruguay und Irland, sowie die Geschäftsträger der Sowjetunion, von Luxemburg, Kuba, Nikaragua und Panama.
Nach der Begrüßung der Gäste durch den Hausherrn, Reichsminister Dr. Goebbels, beschäftigte sich Reichsbankpräsident Dr. Schacht in feinem Bortrage über die mit dem Transf erproblem zusammenhängenden Probleme ausführlich mit den zahlreichen Einwendungen, die gegen die deutsche Devisen- und Schuldentilgungspolitik in der Auslandspresse immer wieder erhoben werden, und wies diese Angriffe mit absolut durchschlagenden Argumenten zurück, wobei er oftmals die ganze Haltlosigkeit der gegnerischen Betz a u p t u n ge n in der Auslandspresse mit sarkastischen Bemerkungen kennzeichnete.
Besonders energisch wandte er sich gegen das ewige Gerede von einer deutschen Inflation oder Devalvation der Dark, indem er eingehend begründete, daß solche Maßnahmen für Deutschland überhaupt nicht in Frage kommen. Eine Inflation oder Devalvation würde die Lebenshaltung des deutschen Arbeiters in unerträglicher Weise verteuern und im übrigen den Rohstoffbezug aus dem Auslande, auf den Deutschland angewiesen sei, noch mehr erschweren als bisher, da Deutschland mit einer entwerteten Mark noch viel weniger kaufen könne.
Der Reichsbankpräsident ging ferner näher auf die hier und da im Auslande aufgetauchten Pläne ein, durch ein Clearingsverfahren für die Gläubiger deutscher Anleihen die notwendigen Devisen zwangsweise einzubehalten und der deutschen Regierung die Zahlung an die Exporteure zu über
lasten. Dr. Schacht wies nach, daß durch diese Methode der Handel mit Deutschland schließlich völlig lahmgelegt werden müsse und die Störungen im gesamten Welthandel noch weiter verschärft werden würden. Diese Methode führte auf keinen Fall den beabsichtigten Erfolg herbei. Der Reichsbankpräsident betonte noch einmal sehr eindringlich die Tatsache, daß von den Schuldenbeträgen, die Deutschland im Ausland ausgenommen habe, nicht weniger als 10,3 Milliarden Mark für Reparationen, also zur Bezahlung politischer Schulden, an ausländische Staaten verwendet worden seien.
Da man Deutschland nach dem Kriege seinen gesamten Besitz im Auslande fortgenommen habe, hätten die Forderungen des Auslandes aus derartigen Guthaben nicht mehr beglichen werden können. Deutschland bemühe sich im Gegensatz zu anderen Staaten, seine Schulden ehrlich zu bezahlen. Die Voraussetzung hierfür sei allerdings, dah man zunächst von den für ein jedes Industrieland völlig unerträglich hohen Zinssätzen heruntergehe. Wenn Deutschland wieder Auslandsschulden und Zinsen in Devisen abtragen solle, so müsse man ihm entweder eine neue Rohstoffbasis geben, oder für feine Waren einen vermehrten Absatz in der Welt erschließen.
Dr Schacht wies schließlich noch den Vorwurf zurück, oaß Deutschland zuviel importiert. Deutschland brauche die Rohstoffe, um das gigantische A r - beitsbeschaffungswerk im Inlands durchzuführen, womit es wiederum in die Lage versetzt werde, zu exportieren und Schuld- und Zinsbeträge an das Ausland zu zahlen. Wie auch immer die Entwickelung weitergehen werde, niemals werde es die nationalsozialistische deutsche Regierung zulassen, daß eine neue Arbeitslosigkeit entstehe, die in erheblichem Umfange auf die d e f l a - tionistische Methode der früheren Regierungen zurückzuführen fei.
Die Welt könne Deutschland nicht einfach „abschreiben", weil damit die gesamte Weltwirtschaft in einen Zustand völliger Zerrüttung kommen mühte und die Gefahr des Kommunismus, die die nationalsozialistische Regierung beseitigt habe, für die anderen Kulturstaaten sofort wieder heraufbefchworen werden würde.
Man könne dem Auslande und der Auslandspresse gar nicht eindringlich genug vor Augen halten, was Deutschland mit der Beseitigung der kommunistischen Gefahr für die Kulturstaaten der Erde und für die volkswirtschaftlichen Beziehungen der Völker geleistet habe.
Die Ausführungen des Reichsbankpräsidenten wurden mit stärkstem Beifall ausgenommen.
Das Echo in Englan-.-Englische Zweifel an -er Nützlichkeit -es Elean'ng-Gyflems.
London, 22.Juni. (DNB. Funkspruch.) Die Ansprache, die der Reichsbankpräfident Dr. Schacht gestern in Berlin vor den Vertretern der Diplomatie und der ausländischen Presse gehalten hat, wird von der englischen Morgenpresse sehr stark beachtet. Dabei nehmen die Blätter gleichzeitig Stellung zu der englischen Vorlage über das Clearing-System, die gestern veröffentlicht worden ist. Obwohl es Deutschand gegenüber in manchen Artikeln nicht an Unfreundlichkeiten fehlt, sind die Meinungen über die Nützlichkeit der englischen Vorlage doch sehr geteilt.
„Daily S) er alb", das Blatt der Arbeiterpartei, hofft, daß in den acht Tagen, die noch für Verhandlungen übrig bleiben, ehe das britische Ultimatum und der „schlimmste Wirtschaftskrieg der modernen Geschichte" Tatsache werden, noch eine Einigung erzielt werden kann. Bei einem Handelskrieg mit Großbritannien allein wäre nach Ansicht des Blattes Deutschland in einer schwachen Stellung. Das britische Reich in seiner Gesamtheit verkaufe aber mehr an Deutschland, als Deutschland von ihm kauft. Alles in allem sei die E i n st e l - lung des Handels als Katastrophe zu betrachten, die Arbeitslosigkeit für Taufende in beiden Ländern mit sich bringen werde.
„M o r n i n g P o st" beschäftigt sich in sehr abfälligem Tone mit der Rede Dr. Schachts, dem das Blatt u. a. vorwerfen möchte, daß er Zwietracht zwischen dem britischen Mutterland und den Dominien zu säen versuche, indem er die Dominien mit der Einstellung des Handelsverkehrs bedrohe. An anderer Stelle behauptet das Blatt, daß ein Versuch vorliege, die britische Regierung einzuschüchtern.
Die „Times" -setzt sich mit der Rede nicht weiter auseinander, sondern beschränkt sich auf Informationen über die parlamentarische Behandlung der englischen Vorlage. Daraus geht u. a. hervor, daß die Arbeiterpartei und die liberale Opposition die Gesetzesvorlage für zu weit ausgreifend halten.
„Daily Telegraph" bedauert es, daß eine
neue Schranke für den schon so sehr behinderten internationalen Handel errichtet zu werden drohe. Im übrigen nimmt das Blatt für die Auffassung der englischen Regierung gegen die deutsche Auffassung Stellung. Großbritannien könne durch nichts von dem Entschluß abgebracht werden, Gerechtigkeit für sich selbst und für seine Staatsangehörigen zu fordern.
„News Chronicle" zweifelt an dem praktischen Wert des neuen Gesetzes. Die Gläubiger würden khr Geld auch auf diesem Wege nicht erhalten. Dagegen seien die Machtbefugnisse, die der Board of Trade durch das Gesetz erhalte, als erstaunlich zu bezeichnen.
Aeußerst scharfe Kritik an der englischen Regierungsvorlage findet sich im „Financial New s". An sich wäre das Blatt mit der Einrichtung eines Devisen - Clearing - Systems einverstanden. Es rügt aber das drohende Auftreten der englifchen Regierung und stößt sich besonders an den zweiten Teil des geplanten Gesetzes, an den Vergeltungsmaßnahmen für Einfuhrbeschränkungen. Wenn eine Drohung beabsichtigt sei, so müsse bemerkt werden, dah bei ihrer Durchführung die kommerzielle und finanzielle Lage Englands Deutschland gegenüber sich nicht verbessern, sondern im Gegenteil noch verschlechtern würde. Wenn keine Drohung beabsichtigt sei, so liege eine bedenkliche Entgleisung vor. Das Blatt wirst der Regierung vor, daß sie hinter dem Rauchschleier der Einrichtung eines Clearinghauses ver- suche, ihre direkten Machtbefugnisse zu erweitern. Das Handelsamt wolle Vollmacht, Kontingente nicht nur für landwirtschaftliche, sondern auch für industrielle Erzeugnisse einführen, was der gesamten englischen Wirtschaftspolitik eine völlig neue Wendung geben würde.
„Financial Times" tröstet sich mit der Tatsache, daß das letzte Wort am 1. Juli gesprochen werde. Bis dahin fei noch Zeit für den Sieg der Vernunft.
Dollfuß' Gewaltherrschaft.
Dollfuß läßt mißliebige Vereine auflösen.
Wien, 21. Juni (DNB.) Die Ankündigung des Bundeskanzlers Dollfuß in feiner Sonntagsrede, daß die Betätigung gewisser Vereine mit politischer Tendenz strenger Kontrolle unterzogen werden würde, hat nunmehr die ersten Folgen ge- aeitiat. Der Sicherheitskommissar für Wien hat die Auflösung zweier Vereine, und zwar die Ortsgruppe Prater-Teutonen des Deutschen Schulvereins sowie der Vereinigung deutscher völkischer Mittelschüler verfugt. Auch aus der Provinz liegen Mitteilungen oor, daß die Sicherheitsbehörden jetzt planmäßig an die Auslösung und das Verbot national eingestellter Vereine und Organisationen gehen. Das christlich-soziale „Linzer Bolksblatt" meldet, daß in Marschtrenk Turnvereine wegen nationalsozialistischer Betätigung ihrer Mitglieder aufgelöst wurden. Die Aktionen der Regie- rung ridjten sich nicht allein gegen die verbotenen Organisationen und Vereine, sondern auch gegen Gastlokale, die den Nationalsozialisten zur Ver
fügung stehen. So wurde in Braunau das Gast- Haus Pommer, wo Propagandamaterial der Nationalsozialisten von der Polizei beschlagnahmt wurde, gesperrt. Eine Reihe von anderen Gasthäusern ist gleichfalls geschloffen worden.
Sonnenwendfeier
nur für die Vaterländische Front.
Wien, 21. Juni. (DNB.) Das Bundeskanzler- Amt hat angeordnet, daß in diesem Jahre alle Sonnenwendfeiern außer denjenigen, die von der Vaterländischen Front veranstaltet werden, zu unterbleiben haben.
Der Heimwehr-Terror in Oesterreich.
München, 21. Juni (DNB.) Der Österreichische Pressedienst meldet:
Gemäß der Weisung des Bundesführers der Heimwehr, Starhemberg, derzufolge die Heimweh r I e u t e gegen alle Nationalsozialisten mit offener Gewalt vorzugehen hätten, häufen sich die Terrorakte in den letzten Tagen in besonderm Maße. In der burgenländischen Hauptstadt Eisenstadt durchzogen in der Nacht zum
19. Juni Heimwehrtrupps in der Stärke von 20 bis 30 Mann die Straßen und schlugen Passanten, die im Verdacht standen, Nationalsozialisten zu sein ober mit ihnen zu sympathisieren, wahllos mtt Ochsenziemern, Gummiknüppeln, Stahlruten und anderen Hiebwaffen nieder. Die Opfer wurden schließlich mit Sieben und Fußtritten b i s zur Bewußtlosigkeit bearbeitet. Auch Rad- und Motorradfahrer, die auf Anruf nicht sofort stehenblieben, wurden in der Fahrt von den Fahrzeugen gestoßen und verprügelt. Die Bevölkerung, die aus dem Schlafe geweckt, zu den Fenstern eilte, mußte diese rasch schließen, weil die Heimwehr zu schießen drohte. Beherzte Männer, die den Opfern zu Hilfe eilen wollten, wurden ebenfalls niedergeschlagen. Einige junge Leute, die aus einer bekannten christlichen Familie stammen, wurden auch verprügelt. Ein Trupp von Heimwehrleuten drang sogar in die Wohnung eines Zivilgeometers ein und holte diesen und einen zu Gast weilenden Versicherungsbeamten heraus, worauf beide in der Finsternis verprügelt und sodann zur Polizei geschleppt wurden, wen sie angeblich das Horst-Wessel-Lied gesungen hatten. Vier Schwer- und zahlreiche Leichtverletzte werden von der maßlos empörten Bevölkerung als Opfer dieses unmenschlichen Terrors beklagt.
Weitere Anschläge.
Wien, 21. Juni. (DNB.) Außer den bereits gemeldeten Anschlägen in Vorarlberg haben sich am Mittwoch in ganz Oesterreich noch zahlreiche Sabotageakte ereignet. So wurden zwölf Drähte der staatlichen Telefonleituna bei Matte r s b u r g im Burgenland durchschnitten. In das Haus eines Lederwarenhändlers in Greifenberg in Kärnten wurde durch das Fenster ein Sprengkörper geworfen, durch den ziemlicher Sachschaden angerichtet wurde. Bei Oberkappe l, Bezirk Rohrbach, wurden am Mittwoch Morgen drei Masten einer Lichtleitung gesprengt. Im Garten des Zollamtes in Schwarzenberg, Bezirk Rohrbach, wurde ein Sprengkörper zur Explosion gebracht, wodurch zahlreiche Fensterscheiben zertrümmert wurden. Infolge eines Sprenqstoffan- fchlages auf einen Lichtleitungsmast am Bahnhof Judenburg in Steiermark war ein Teil der Stadt Judenburg einige Zeit ohne Licht und Kraft. Mittwoch mittag explodierte vor der Wohnungstür des städtischen Kriminalkommissars Rofner in Innsbruck ein Sprengkörper, wodurch Sachschaden verursacht wurde.
Zweierlei Maß.
Wien, 21. Juni. (DNB.) In aufreizendem Gegensatz zu den fürchterlichen Standgerichtsurteilen der letzten Tage gegen Nationalsozialisten steht ein Urteil, das am Donnerstag von einem Schöffensenat gegen elf Schutzbündler gefällt wurde, die am 12. Februar einen Sabotageakt im Elektrizitätswerk Wien durchführten. Die Schutzbündler, Arbeiter des Elektrizitätswerkes Wien, hatten das Elektrizitätswerk in Explosionsgefahr gebracht und damit das Leben von Hunderten von Kameraden gefährdet, ferner Arbeitswillige am Leben bedroht, die Einstellung der Kesselfeuerung durchgesetzt und ein wahres Schreckensregiment aufgerichtet. Zwei Angeklagte wurden zu Kerkerstrafen von Vh Jahren, die übrigen zu Kerkerstrafen von 1 bis 5 Monaten verurteilt.
Neuer deutscher Botschafter in Moskau.
Berlin, 21. Juni (DNB.) Der Herr Reichs- Präsident hat den Botschafter in Moskau, Herrn Nadolny, in den einstweiligen Ruhe-
Gras von der Schulenburg.
kl
K. M
stand versetzt und den bisherigen Gesandten in Bukarest, Grasen von der Schulenburg, zum Botschafter in Moskau ernannt.
Wie wir hierzu von unterrichteter Sette erfahren, bedeutet die von Botschafter Nadolny erbetene Enthebung von seinem. Posten in keiner Weise eine Aenderung der deutschen Politik gegenüber der Sowjetunion. Ausländische Zeitungskombinattonen, die den Botschafterwechsel in Moskau mit bestimmten Fragen der deutsch - sowjetischen Beziehungen in Verbindung bringen wollen, entbehren jeder Grundlage.
Botschafter Nadolny.
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Europareise
des türkischen Staatspräsidenten?
Paris, 21. Juni. (DNB.) In hiesigen politischen Kreisen verlautet, daß der türkische Staatspräsident Mustafa Kemal Pascha Anfang Juli zu einem kürzeren Aufenthalt in Moskau eintreffen und sich von dort nach Warschau und weiter auch nach Paris und London begeben werde.


