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184- Jahrgang

Siebener Anzeiger

m. 145 Erstes Blatt 184- Jahrgang Zreitag, 22. Juni 1954

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MZM General-Anzeiger für Oberhessen ZW Frankfurt am Main 11686 druck und Verlag: Vrühl'sche UniverfitätsVuch- und Steinbrucferei R.Lange in Gießen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7 MengenabschMsie^tafftl's

Dawes und tzoung.

Die BIZ. in Basel gibt wieder ein Lebenszeichen von sich. Sie hat nämlich Einspruch oder Ver­wahrung gegen die vorläufige Einstel- lung des Zinsendienstes für die sog. Dawes- und Young-Anleihen erhoben. Die BIZ. ist Treuhänderin für die Young-Anleihe, aber für die Dawes-Anleihe ist sie nur damit be­auftragt, die Zinsen und andere Fälligkeiten einzu- ziehen und zu verrechnen. Die Dawes-Anleihe steht mit etwa 700 Millionen Mark zu Buch, wobei die Umrechnung von Dollar und Pfund zum ursprüng­lichen Wert erfolgt ist. Als die Dawes-Anleihe unter Führung des Bankhauses Morgan in Neu- york, sowie der Bank von England ausgeschrieben wurde, brachte sie ungefähr 855 Millionen Mark. Sie wurde in der Hauptsache dazu verwandt, den Goldbestand der Reichsbank 'wieder aufzufüllen, denn die Abzapfung durch die T r i b u t p o l i t i k, sowie die Ausplünderung durch die Inflation hatten 1924 schon einmal dazu geführt, den Goldbestand der Reichsbank fast völlig auszuschöpfen. Wenn wir heute überlegen, daß der Goldbestand der Reichsbank abermals erschöpft ist, nachdem 1930 ein Höchstbestand von drei Milliarden Mark erreicht war, daß aber die Ausschöpfung lediglich deshalb geschehen ist, um die Auslandsgläubiger z u f r i e d e n z u st e l l e n, so ist es an sich schon eine Leistung, die Schuldner an diese Dawes-An­leihe zu erinnern. Auch die sogenannte Young-An­leihe, deren Gesamtertraa etwa 1400 Millionen aus­machte, von denen Deutschland einen Teil überneh­men mußte, ist nur zu einem geringen Teil nach Deutschland gekommen. Der weitaus größte Teil, nämlich zwei Drittel, mußte für Tributzwecke aufgewandt werden, wobei der Löwenanteil an Frankreich fiel. Um erhebliche Summen handelt es sich also nicht, ganz abgesehen davon, daß ge­rade von diesen öffentlichen Anleihen Deutschlands gilt, was die englische Regierung in ihrer Note an die Reaierung der Union eingewandt hat, um die Nichtzahlung der Kriegsschulden zu begründen. Die englische Regieruna meinte nämlich, die Kriegs­schulden seien Ausgaben, die nicht Werbe­zwecken dienten, die also die Wirtschaft nicht be­fruchteten, sondern nur eine Ausgabe darstellten, die ohne volkswirtschaftliche Gegenlei­stung bliebe.

Daß sich überhaupt noch ein großer Teil der Da­wes- und Young-Anleihe im Besitz privater Kapi­talisten befindet, ist wenig wahrscheinlich. Sowohl die Dawes-Anleihe, als auch die Young-Anleihe find seinerzeit von der internationalen Hoch­finanz unter Führung der Notenbanken über­nommen worden.,Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die Anleihen zum größten Teil wieder in die Tresors der internationalen Hochfinanz zurückge­wandert sind, wofür auch zeugt, daß die Kurse die­ser Anleihen im Auslande so niedrig stehen, wie sich das nur erklären läßt, wenn kein aufnahmefähiger Markt dafür vorhanden ist. Dann müssen die An- leiheftücke eben wieder dahin zurückwandern, wo sie eigentlich hergekommen sind, was in diesem Falle gleichbedeutend damit ist, daß die internationalen Großbanken für die Aufnahme, oder den Rückkauf sorgen müssen. Die internationale Hochfinanz ist aber auch mächtig und einflußreich genug, um die BIZ. zu veranlassen, irgendwelche Schritte zu unter­nehmen, denn die Vertreter dieser Hochfinanz sitzen im Verwaltungsrat der BIZ. Aber die BIZ. hat sich die Sache mit der Verwahrung doch nicht recht überlegt, denn sie muß wissen, daß nicht etwa ein schuldhaftes Verhalten der deut­schen Regierung vorliegt, sondern ein völ­liges Versagen der BIZ. selbst. Zu den Pflichten der BIZ. gehörte es, den internationalen Kapitalmarkt in Bewegung zu bringen, sowie dafür zu sorgen, durch Anleihen neue Absatzmärkte aufzuschließen. Diese Absatzmärkte sollten dazu die­nen, vor allem die deutschen Erzeugnisse aufzuneh­men, denn es galt bei den Verhandlungen über den Young-Plan als ausgemacht, daß finanzielle Ver­pflichtungen an das Ausland sich nur durch For­derungen auf Auslandsplätze übertragen ließen. Diese Forderungen mußten aber erst be­schafft werden, was in Hinsicht auf Deutschland nur möglich war, wenn seine Ausfuhr die Einfuhr erheblich überstieg. Andere Forderungen an das Ausland konnte Deutschland um so weniger mobili­sieren, als es eine der Folgen der Versailler Poli­tik war, alle deutschen Kapitalanlagen im Auslande sowie jeden deutschen Auslandsbesitz zu beschlag­nahmen, oder zu vernichten. Die BIZ. hat in den vier Jahren, seitdem sie besteht, nichts getan, sondern alles unterlassen, um neue Absatz­märkte aufzufchließen, wobei sie als Entschuldigung vielleicht Vorbringen kann, daß die internationale Wirtschaftskrise das unmöglich gemacht hätte. Aber auch da ist die BIZ. von Schuld nicht freizuspre­chen, denn sie hätte wohl versuchen können, durch eine großzügige Anleihepolitik die Krise überwin­den zu helfen. Sie hat das nicht getan, sie hat sich damit begnügt, die Zahlungen, die Deutschland solange leistete, als das angängig war, zu verwal­ten. Das ist nicht viel, das reicht vor allem nicht aus, um der BIZ. erlauben zu können, eine Ver­wahrung einzulegen.

Es ist schon wiederholt darauf aufmerksam ge­macht worden, daß die befristete Einstellung des deutschen Zinsendienstes nicht nur die inter­nationale Hochfinanz, sondern auch einen Teil der öfentlichen Meinung des Auslandes in Verwirrung gebracht hat. Das ist noch sehr höflich ausgedrückt, denn in Wirklichkeit leistet sich die öffentliche Mei­nung des Auslandes, die an dem Entschluß der Reichsbank, den deutschen Zinsendienst befristet auf- zirschieben, ärgerlich und unwirsch herumbastelt, eine schamlose Heuchelei. Gerade die Dawes- und die Young-Anleihe sind nicht regel­rechte Anleihen zu wirtschaftlichen Zwecken gewesen, sondern nur eine oer sch leierte Form der

Reichsminisler Dr. Goebbels über die deutsche Politik.

Eine große Rede auf der Sonnwendfeier des Gaues Groß-Berlin.

Berlin, 22. Juni. (DNB.) Auf der Sonn­wendfeier des Gaues Groß-Berlin der NSDAP, am Donnerstagabend hielt Gau­leiter Reichsminister Dr. Goebbels an die im Neuköllner Stadion versammelte riesige Volksmenge eine fast einstündige Ansprache. Er führte darin u. a. aus:

Wenn wir Berliner Nationalsozialisten uns am heutigen Abend wieder zu einer Sonnenwendfeier zufammenfinden, fo hat das eine' tiefere Bedeutung, als man gemeinhin solchen Festlichkeiten beizulegen pflegt. Wir feiern in der Tat eine Wende, denn zwischen dem Gestern und dem Heute liegt ein unüberbrückbarer Abgrund. Wie es seit je war, so ist es auch heute noch, daß Männer die Geschichte machen. Auch die Geschichte unserer Tage ist von Männern gestaltet worden.

Die Regierung ist eine Regierung des Volkes, und die Rationalsozialistifche Bewegung als die Trägerin der Macht ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Volkspartei.

Darum können dem neuen Regime auch alle die kleinen und lächerlichen Kritikastereien, die man aus den Winkeln und Ecken hört, gar nichts anhaben. Das Volk hat einen sehr fein reagierenden Sinn für wirkliche politische Leistung, und mit den Leistungen, mit denen wir vor das Volk hintraten, glauben wir vor der Gegenwart und vor der Zu­kunft bestehen zu können. Wenn bei unserer Macht­übernahme Deutschland noch in zwei Teile zerfallen war und der Klassenkampf das Volk zerriß, so können wir heute in der Tat feststellen, daß die Wirtschaft im Frieden der Arbeit liegt, und daß die inneren Auseinandersetzungen einer wirklich ehrlich gemeinten und in der Tatbereitschaft durchgeführten Volksgemeinschaft gewichen sind.

Dr. Goebbels wies bann darauf hin, daß im Gegensatz zur Zeit der Machtübernahme heute eine zentrale Führungsautorität vorhan­den ist.

Diese Ration verkehrt mit der Welt nicht mehr mit den Mitteln einer feigen Unterwürfigkeit, sondern sie hat den Mut, auch wenn sie keine Waffen besitzt, von den anderen Völker ihre Ehre und ihre gleiche Berechtigung zu verlangen.

Und nun frage ich euch, Männer und Frauen: Wer hat die Stirn, diesen gigantischen Wiederaufbau einer Nation in den Weg zu treten und mit seinen kleinen lächerlichen Kräften sich gegen einen Auf­bruch zu stemmen, der die Millionenmassen des gan­zen Volkes aufs tiefste ergriffen hat und sie bis ins Innerste erfüllt?

Die Welt hat diese Wandlung auch bemerkt. Sie ist sich heute im klaren darüber, daß sie mit einem anderen Deutschland zu rechnen hat als dem, das aus der Novemberrevolte hervorgegangen war. Sie weiß, baf> das Deutschland von heute eine Nation der Kraft, des Stolzes und der nationalen Würde ist. Eines macht uns den anderen Nationen überlegen: Die straffe Konzen­tration des deutschen Geistes und des deutschen Wil­lens und die einhellige durch nichts zu erschütternde Gemeinsamkeit in der Entschlaf sen- heit der Führung und der Gefolgschaft des Volkes. (Stürmischer Beifall.)

Wenn wir nun an die Welt herantreten und unseren unabdingbaren Anspruch auf die gleiche Berechtigung erheben, dann kann die Welt uns nicht entgegenhalten, wir wollten Waffen, weil wir einen Krieg wollten. Riemals gab es auf dem Erdball ein Volk, das fo tief von der Liebe und Bereitschaft zum Frieden erfüllt war, wie heute das deutsche. Riemals aber gab es auch eine Führung des Volkes, die fo wie die heutige klar erkannt hat, daß der Friede nicht beim Feigling, sondern beim Starken steht, (erneut stürmischer Beifall) und daß, wenn Deutschland den Frieden wirklich will, es ent­weder darauf dringen muß, daß die anderen durch Abrüstung dem deutschen Rüslungsniveau angeglichen werden, oder daß Deutschland Waf­fen bekommt, um seine Grenzen beschützen zu ' können.

Wir haben nun in den 17 Monaten, da wir regieren, die traurige Tatsache feststellen müssen, daß die Welt auch auf unseren ehrlichen Versuch, ohne jede Aggressivität das Land im Innern neu aufzubauen, großenteils nichts anderes antworten wußte als Haß, Lüge, E n t st e l - lung und Verleumdung. Wenn mir in Deutschland zu verhindern wissen, daß ausländische

Staatsmänner verleumdet und verunglimpft wer­den, dann verlangen wir von der Welt, daß sie unseren Staatsmännern ein Gleiches widerfah­ren läßt. (Starker Beifall.) Die Zeiten find vor­bei, daß man die Völker der Erde in zwei Ka­tegorien einteilen konnte, und daß Europa in das Lager von Besiegten und Siegern zerfiel. Wir geben zu, daß wir den Krieg verloren haben, aber wir wurden bei diesem Verlust nicht ehrlos, und ein Volk, das feine Ehre behauptet, kann auf die Dauer unter den anderen Völkern nicht minde­ren Rechtes fein!

So wenig wir uns in die inneren Verhältnisse anderer Rationen mischen, so sehr können wir auch verlangen, daß sich die anderen Völker nicht in die deutschen Angelegenheiten hinein­mengen. (Stürmische Bravo-Rufe.) Deutschland ist keine Satrapie der anderen, sondern ein freies und selbstbewußtes Volk, daß feine gleiche

Berechtigung unangetastet wissen will.

Wir nennen die Dinge beim Namen, und ich glaube, daß die Völker ein Anrecht darauf haben, daß ihre Staatsmänner so verfahren. Das sind allerdings neue Methoden der europäischen Po­litik.

Wenn wir aus dem Völkerbund austraten und die Abrüstungskonferenz verließen, so soll das nicht etwa heißen, daß wir uns jeglicher Akti­vität in der Außenpolitik begeben wollten. Wenn der Führer in Venedig mit dem großen Führer des italienischen Volkes Äuge in Auge Zwiesprache

hielt, und wenn diese Auseinandersetzung die Pro­bleme Europas wenigstens beim Namen nannte, so sind wir der Ueberzeugung, erklärte der Minister unter stürmischem Beifall, daß diese eine Zu­sammenkunft zweier Männer, die wirklich im Namen ihrer Völker sprechen, mehr ausmacht als ein halbes Dutzend internatio­naler Konferenzen. Von einem inter­nationalen Komplott kann gar keine Rede sein. Aber wir haben den Mut besessen, mit den verantwortlichen Staatsmännern anderer Völker über die Fragen zu reden, die uns und sie bedrücken.

Denn so weil ist es in Europa doch noch nicht gekommen, daß Frankreich überhaupt über ganz

Europa herrscht. Mr sind auch noch da!

Wir haben zwar keine Kanonen wie die anderen, aber wir hoffen, sie einmal zu bekommen! Im übrigen glauben wir, durch den Nationalsozialis­mus den anderen gegenüber einen so großen gei­stigen Vorsprung zu haben, daß es ihnen Mühe kosten wird, uns wieder einmal einzuholen. Und selbst wenn wir allein stünden wir sind es ja gewohnt, fest auf eigenen Füßen zu stehen. Wir haben niemals Krücken gebraucht, wir sind immer allein gegangen.

Während sich nun im Innern das grandiose Werk des Aufbaues vollzieht und Deutschland nach außen allmählich den Ring aufsprengt, den man uns legen wollte, machte sich im Lande selbst so ein kleiner Kreis von Kritikern auf den Weg, um im

Der Weg zum deutsche!! Einheitsreich.

Reichsinnenminister Or. $ricf über den Neuaufbau.

Berlin, 22. Juni. (DNB.) Reichsinnenminister Dr. Frick gewährte einem Mitarbeiter desVölki­schen Beobachters" eine Unterredung, in der sich der Reichsminister eingehend über die Reichserneu­erung auf Grund des Gesetzes über den Neubau des Reiches äußerte.

Auf die verschiedenen ihm oorgelegten Fragen äußerte sich Reichsminister Dr. Frick u. a. folgender­maßen: Das Gesetz vom 30. Januar 1934 stellt das Verhältnis zwischen dem Reich und den Län­dern auf eine völlig neue staatsrechtliche Grund­lage. Es gibt der Reichsregierung die Macht, eine vollständig einheitliche Führung und Verwaltung des Reiches aufzubauen. Die vermeintlichenHoh^itsrechte" der Länder find keine Hindernisse mehr. Das Deutsche Reich der Vor­kriegszeit war ein Staatenbund, dessen Glie­der nicht nur staatliche Hoheitsrechte, sondern auch eigene Herrscherhäuser hatten. Auch die Weimarer Verfassung beseitigte diesen Charakter des Staaten­bundes nicht.

Von nun an aber gibt es nur eine Staats­gewalt und die liegt bei der Reichsregierung. Damit ist das Reich zum nationalen Einheits­staat geworden.

Die Länder bestehen als Gebietskörperschaften fort, aber Gliederung und Gebietsumfang bestimmt die Reichsregierung allein. Die gesamte Verwaltung er­folgt in den Ländern im Auftrag und im Namen des Reiches. Die Reichsregierung ist so­wohl in der Zielsetzung, wie in der Wahl des für die Neuordnung einzuschlagenden Weges von jeder Bindung frei. Sie kann aus eigenem Entschluß Verfassungsrecht setzen und hat damit eine so große und umfassende Vollmacht, wie sie noch keine Regierung zuvor hatte.

Das Reichsinnen mini st erium hatte bis­her schon ein sehr großes Gebiet des staatlichen Lebens zu betreuen. Mit dem Gesetz über den Neu­aufbau des Reiches wird das Reichsministerium des Innern jetzt jenen Unterbau erhalten, der ihm bis­her fehlte: Es wird der tatsächliche Mittel­punkt der gesamten Verwaltung und der Voll- zuasgewalt sein.

Auf die Frage, welche Hoheitsrechte der Länder sofort in Reichsregie genommen werden, erklärte Dr. Frick, unter dem Gesichtspunkt, daß d«s Reich eine lOOprozentige Einwirkungsmöglichkeit be­sitze, komme derVereinheitlichung" eines'Verwal­tungszweiges nur eine geringe Bedeutung zu. Welche Verwaltungszweige im einzelnen im Laufe der Zeit in reichseigene Regie übernommen werden, fei lediglich eine Zweckmäßigkeitsfrage. Der Minister wies in diesem Zusammenhang "darauf hin, daß anstelle der Staatsangehörigkeit in den einzelnen Ländern die einheitliche Reichsangehö­rigkeit getreten fei und fuhr dann fort:

Die Landesgrenzen sind nur noch verwallungs- lechnifche Gebietsgrenzen, nicht aber hoheits- grenzen. Der Reuauflage des Reiches wird na­türlich alle Verkehrs- und wirtschaftspolitisch zweckmäßigen Gebietseinheiten beachten und als Grundlage des Reichsbaues benutzen. Aber niemals mehr soll in der deutschen Geschichte die erfreuliche Mannigfaltigkeit der deutschen Stamme, die zur Bildung zahlreicher kultureller und wirtschaftlicher Mittelpunkte in den Län­dern geführt hat, zu politischen Gegensätzen mißbraucht werden. Richts liegt uns ferner als Zentralismus und Gleichmacherei. Gerade weil die Einheit der politischen Willensbildung auf allen Gebieten und für alle Zeiten sichergesiellt ist, kann und wird man dem Betäligungs- und Gestaltungsdrang in den deutschen Gauen weit­gehend freie Hand lassen. Wir Raiionalfozia- listen wollen, daß die Verwaltung dem Volke dienen soll und daß wir alle, die wir zur Ver­waltung und Regierung berufen sind. Diener am Volke sind.

Zum Schluß äußerte sich der Minister über die Frage, welche Aenderungen die Uebernahme des preußischen Innenministeriums durch den Reichsinnenminister und die Ernennung des Reichsministers Rust brächten. Die Ernennung der Reichsministers Rust, erklärte Dr. Frick, ist ebenso wie die Unterstellung des preußischen In­nenministeriums unter meine Führung ein gro­ßer Sch ritt zur Verwirklichung des Einheitsreiches. Die Uebernahme des preu­ßischen Innenministeriums durch mich sichert die rascheste und reibungsloseste Eingliederung des großen politischen Verwaltungsapparates Preußens in die Reichsverwaltung. Nannte man bisher das Reichsinnenministerium scherzweiseDie Dame ohne Unterleib", weil ihm der Verwaltungsunterbau fehlte, so hat es jetzt durch Einbau der größten Verwaltung des größten Landes einen gewaltigen! Unterbau bekommen.

Die reichen Erfahrungen dieser Landesverwal­tung werden nunmehr dem Reich unmittelbar zunutze gemacht und finden im erleichterten Beamtenauslaufch sichtbaren Ausdruck.

Der Minister schloß die Unterredung mit fol­genden Worten: Auf allen Gebieten verwirklichen wir in ruhiger Entschlossenheit, ohne kunstvolle Kon­struktionen, einfach dadurch, daß wir praktisch gewordene Wirklichkeit jeweils in geeig­nete Formen gießen, Schritt vor Schritt die Jahr­hunderte alte Sehnsucht der Nation, die große Idee: E i n Führer, e i n Volk, e i n Reich!

Tribute. Wenn es nach der englischen Ansicht richtig ist, daß die Kriegsschulden nicht wirtschaft­lichen Zwecken gedient haben, dann gilt dies erst recht von den Tributen, die ihrem ganzen Wesen nach zu einer völligen Zerrüttung der internatio­nalen Wirtschaft führen mußten. Sie haben das auch getan, denn die Sachverständigen, die an der Entstehung des Young-Plans beteiligt gewesen sind, haben der Tributpolitik die Hauptschuld an der internationalen Wirtschaftskrise beigemeffen. Wenn auch der Dawes-Plan an die Zeit der tiefsten Er­niedrigung Deutschlands erinnert, so erinnert er auch daran, daß diebesten Köpfe" der internatio­nalen Wirtschaft und Finanz sich gründlich verrech­

net haben. Diese Köpfe hielten es für möglich, aus der deutschen Wirtschaft Jahr für Jahr drei Milliar­den Mark und mehr herauszuhvlen, ohne sich den Kops darüber zu-zerbrechen, wie diese drei Milliar­den Mark ohne völlige Zerrüttung der deutschen Zahlungsbilanz an die Gläubiger hätten ausgelie- fert werden können. Diese Gläubiger waren "aber nichts anderes als die Versailler wechfelsei- tige Versicherungsgesellschaft zur Ausplünderung Deutschlands, wobei die Tribute die Rolle spielen sollten, die deutsche Wirt­schaft vorweg zu belasten, um sie aus dem inter­nationalen Wettbewerb auszuschalten. Daß die BIZ. in Basel zu ihrem ohnedies schlechten Ruf

auch noch den gesellt hat, in einer Sache Einspruch zu erheben, die nur die Gläubiger schändet, aber nicht den Schuldner, das sollte eigentlich nichts anderes fein als die Anzeige d e r S e l b st auf­lös u n g der BIZ.

Ger Führer wieder in Berlin.

Berlin, 21.Juni. (DNB.) Reichskanzler Adolf Hitler ist von seinem Besuch beim Reichs­präsidenten in Neudeck zurückkehrend am Don­nerstagabend wieder in Berlin eingetroffen.