A e echte und die falsche Doralies Roman von Anny von Panhuys.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Derlag, -alle (6.)
23 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Regina Graven war es, als verlöre sie jetzt den letzten -alt, als zöge es sie jetzt in die Tiefe, und die wilden Wasser strudelten über sie dahin.
Sie saß mit fest zusammengeprehten Lippen da und mit gesenktem Blick, murmelte:
„Ich möchte auch aern gehen und danke Ihnen beiden für Ihre Rücksicht in Gegenwart von Fräulein -off."
Ihr Lider hoben sich langsam, begegneten einem kalten Blick Frau Eddas, einem forschend nachdenklichen Peter Konstantins.
Sie stand mit einem Ruck auf, sagte ganz leise: „Verzeihen Sie mir!"
Edda von Stöbnitz erwiderte in befehlendem Ton: „Bleiben Sie noch ein wenig! Ich möchte Ihnen noch etwas sagen."
Mechanisch fiel Regina wieder auf ihren Platz zurück, aber ihr Blick glitt vorbei an den Gesichtern der beiden.
Zum Glück stand ihr Tisch etwas abseits, und die nächsten Tische waren unbesetzt.
Peter Konstantin bat:
„Verehrte gnädige Frau! Wollen wir nicht lieber gehen? Sie wollten doch noch vieles einkaufen!"
Regina blickte ihn dankbar an. Er bemühte sich, ihr aus der peinlichen Situation zu helfen. Oh, wie warm ihm ihr -erz dafür entgegenschlug!
Aber Frau Edda von Stübnitz wehrte ab.
„Nein, bester Doktor! So mir nichts dir nichts soll mir die falsche Doralies Wolfram nicht davonkommen." Ihre Augen glitzerten vor Empörung. „Mein Fräu- lein! Ich weiß zwar Ihren Namen nicht, und es liegt mir auch gar nichts daran, ihn zu erfahren, aber ich möchte Sie darauf aufmerksam machen: Ich werde Sie vom erstbesten Schupo verhaften lassen, wenn ich Sie noch einmal, so wie heute, dabei ertappe, daß Sie weiter unter falscher Flagge segeln. Fräulein -off sah in Ihnen noch Doralies Wolfram. Sie wußte noch nicht über Sie Bescheid. Aber Sie besaßen kein Recht, sich ipit der hochachtbaren jungen Dame an einen Tisch zu setzen. Sie sind- eine..
Regina Gravens Gesicht hatte sich mit lichter Röte überzogen.
„Ich gebe Ihnen in allem recht, gnädige Frau, auch wenn Sie das häßliche Wort Betrügerin, das Ihnen wohl auf der Zunge schwebt, nicht aussprechen!" fiel sie der Aelteren ins Wort. „Was Sie, mir jetzt noch weiter sagen könnten, das habe ich mir längst schon selbst gesagt. Ich möchte mich auch I
nicht reinwaschen von Schuld. Ich beging eine große Torheit, vielleicht eine unverzeihliche Torheit, aber keine Gemeinheit. Ich sprang für meine Freundin Doralies Wolfram in die Bresche, weil sie sonst unj das Wiedersehen mit dem Manne gekommen wäre, den sie liebt, -eute, das Zusammentreffen mit Fräulein -off, kam mir so unerwartet — ich benahm mich deshalb ungeschickt. Seien Sie unbesorgt: Aehnliches wird sich nicht mehr wiederholen. Nochmals: Verzeihen Sie mir, gnädige Frau!"
Ein beinah flehender Blick streifte Peter Konstantin, als erhoffe sie, er würde ein freundliches Wort einschieben zwischen ihre Bitte um Vergebung und zwischen das spöttisch kalte Lächeln der Frau' von Stäbnitz.
Er aber dachte nicht daran, es mit der Frau des berühmten Verteidigers zu verderben, so sehr die Gegenwart der jungen falschen Doralies auch auf ihn wirkte.
Sie gefiel ihm sehr, und wenn sie Doralies Wolfram gewesen, hätte er ihr das vielleicht auch bald gesagt, aber unter den so veränderten Umständen brachte er den Mut nicht auf, sich vertrauend und schützend vor sie hinzustellen.
Schon war Regina Graven wieder aufgestanden, und da niemand Einspruch erhob, ging sie, mit einem letzten traurigen Blick die beiden am Tisch streifend.
Eine Minute lang herrschte Schweigen zwischen den beiden Zurückgebliebenen. Dann meinte Edda von Stäbnitz ärgerlich:
„Eigentlich hat sie mich sitzen lassen, als ob ich die Betrügerin wäre! Das ist doch geradezu empörend! Wir haben noch nichts bestellt, deshalb kommen Sie. Ich fühle mich gar nicht wohl hier und möchte nack -aufe. Das Zusammentreffen hat mich aufgeregt/
Sie schob sich so eilig durch die Tischreihen, daß Peter Konstantin Mühe hatte, ihr zu folgen.
Regina Graven aber ging ziellos durch das Gedränge in den Verkaufsräumen, ging im Kreise herum, fand sich mehrmals auf derselben Stelle wieder. Sie hatte ihre Gedanken nicht beisammen. Ihr klang es noch immer in den Ohren: Ich möchte Sie darauf aufmerksam machen: ich werde Sie vom erstbesten Schupo verhaften lassen, wenn ich Sie noch einmal, so wie heute, dabei ertappe, daß Sie weiter unter falscher Flagge segeln...!
Wie demütigend war der Augenblick gewesen, als Frau von Stäbnitz das zu ihr gesagt. Und Peter Konstantin hatte dabei gesessen.
Ihr -erz schlug heftig. Sie spürte das starke rhythmische Pochen ganz oben im -alse.
Endlich befand sie sich auf der Straße, lief vorwärts, ohne zu überlegen, wohin. Einmal blieb sie an einem Schaufenster stehen. Ihr war schwindelig vor Aufregung, da klang eine Stimme neben ihr: „Ist Ihnen nicht wohl, Fräulein Graven? Darf ich Ihnen irgendwie behilflich fein?"
Sie blickte verstört zur Seite und sah Peter
Konstantin neben stch. Sie besann fich. Nein, nein, es war ja Doktor Meerhold, der sie mitleidia ansah. Sie kannte ihn jetzt genügend, um ihn nicht mehr mit dem anderen zu verwechseln. Er kam ja fast täglich zu Landgerichtsdirektor Doktor Freese, und sie hatte schon viele Seiten nach seinem Diktat geschrieben.
Sie versuchte zu lächeln.
,Lch komme von dort", sie machte eine bezeichnende Bewegung mit dem Kopfe nach Richtung des Warenhauses, „aber es waren so schrecklich viele Menschen dort, und es war sehr heiß. Da ist mir ein bißchen schwindlig geworden."
-olm Meerhold sah sie an. Wie war das schöne Gesicht so blaß! Regina Graven tat ihm leid. Er hatte sie gern, weil sie eine so überaus geschickte -ilfskraft war bei der gemeinsamen Arbeit mit Jobst Freese. Weil sie eine wirkliche Mitarbeiterin war, die keine unnützen Fragen stellte, die ganz selbstverständlich wagte, einen etwas komplizierten Satz in klares verständliches Deutsch zu übertragen, weil, wenn sie ein Wort einwarf, das Wort auch -and und Fuß hatte.
Er sagte freundlich:
„Darf ich Sie nach -ause bringen, Fräulein Graven? Aber ich glaube, es ist besser, wir suchen uns ein stilles Eckchen, und Sie erholen sich dort erst ein bißchen. Ganz nahe von hier kenne ich so eins, da können Sie ein wenig ausruhen."
Sie nickte nur. Ihr war alles recht. Sie konnte jetzt nicht mehr sprechen. Ihr war sterbenselend zumute.
Die abscheuliche Drohung, die ihr Frau von Stäbnitz so kalt entgegengeworfen, schmerzte noch immer überstark. Sie hatte das entsetzliche Gefühl: jeder Mensch müsse ihr die Schande vom Gesicht ablesen, die Schande der Worte, die sie hatte hinnehmen müssen in Gegenwart Peter Konstantins. Ihr Kopf war wirr, und ihr schien, als bewege sich der Boden unter ihren Füßen.
Doktor Meerhold fragte nichts mehr und machte auch keinen Versuch, sie zu unterhalten. Er schritt neben ihr her und führte sie in eine nahe kleine Weinstube. Niemand befand sich hier zu so früher Nachmittagsstunde.
Doktor Meerhold machte eine Bestellung, und bald standen ein paar belegte Brötchen und ein Glas Portwein vor Regina.
Sie nippte von dem Wein. Er schmeckte ihr und schien ihr neue Kraft zu geben.
-olm Meerhold riet:
„Trinken Sie aus, danach wird Ihnen sicher wohler."
Sie folgte seinem Rat, und wirklich — ihr wurde wohler. Ganz sonderbar leicht wurde ihr. Ihre Wangen färbten sich mit sanfter Röte, und ihre Augen fingen an zu glänzen.
Sie nahm das -ütchen ab, und Doktor Meerhold schien es, als sähe er erst jetzt so richtig, wie I wunderschön die rotblonde junge Sekretärin des |
allen Landgerichtsdlrettor« war. Der Weln war schwer, aber Regina fühlte sich leichter und wohler danach. Appetit machte sich bemerkbar. Sie griff nach einem Brötchen.
Auch Doktor Meerhold trank und beftettte noch einmal Wein.
Gütiger -immel! War das eine Feierstunde für ihn! Er erinnerte fick keiner, die der heutigen ähnelte. So ein Mädel, so ein wunderschönes rot« blondes Mädel hatte noch nie neben ihm gesessen. Immerzu hätte er Regina Graven anschauen mögen.
Mädchen waren ihm schon genug in den Weg gelaufen, für alle -aarfarben hatte er sich schon begeistert, immer war es ein lustiges Kennenlernen und ein leichtes Abschiednehmen gewesen. Sein -erz war noch ganz frei und unbeschwert, aber jetzt, mit einem Male, empfand er ein seltsames Frohgefühl — es glich ungefähr dem, das ihn als -alberwachsener an einem Christabend erfüllt, als er etwas ganz Besonderes geschenkt erhalten, auf das er gar nicht zu hoffen gewagt. Aber nein, so war das Empfinden von augenblicklich nicht. Viel größer war es, viel schöner.
Er hob sein Glas.
„Bitte, trinken Sie auch noch ein Schlückchen." Sie wehrte ab:
„Ein Glas ist für mich genug!"
Er lachte:
„Sie werden ja nicht gleich beschwipst davon. Tun Sie mir doch Bescheid. Wollen auf meine gemeinsame Weiterarbeit mit -errn Landgerichtsdirektor Freese trinken und auf Ihre Mitarbeit und auf das nahe Weihnachtsfest."
Regina Graven nippte. Nein, mehr durfte sie nicht trinken, sie war keinen Wein gewöhnt.
Doktor Meerhold lächelte: „Sie hätten eigentlich Juristin werden müssen! -err Doktor Freese meint das auch. Ihnen sitzt das Rechtsgefühl in den Fingerspitzen, auch ohne daß Sie sich den Kopf mit Paragraphen vollgestopft haben."
„Rechtsgefühl in den Fingerspitzen!" Fast mechanisch wiederholte sie es, und dann schüttelte sie heftig den Kopf. Der schwere Wein gewann erst jetzt richtig Macht über sie. Das Erinnern an die abscheuliche Drohung der Frau, die sie ein paar Wochen lang „Tante Edda" genannt, wurde wieder wach, wurde zur Qual.
Sie sah ihren Begleiter an, und ihr schien die Aehnlichkeit mit dem anderen mit einem Male grausam stark. So stark, daß es nicht zu ertragen war.
Sie wollte aufstehen. Doktor Meerhold legte ihr die -and auf den Arm.
„Allein lasse ich Sie nicht fort, wir fahren zusammen."
Sie sank auf den Stuhl zurück, zog die Brauen zusammen.
„Es ist aber bester, ich gehe allein. Denn so sehr ich Sie enttäuschen muß — das mit meinem Rechts» gefühl stimmt nicht." (Fortsetzung folgt.)
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in Kenntnis zu setzen.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 24. April, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. — Wir bitten alle dienstfreien Kollegen, sich recht zahlreich zu beteiligen. Der Vereinsftthrer.
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Gestern verschied nach kurzem Leiden
unser langjähriger Vorsitzender und Ehrenvorsitzender
Herr August Schwan
Wir verlieren in ihm einen unserer
Besten, den Mitgründer des Vereins, der in guten und schlechten Tagen treu zu unserer Sache gestanden hat. Unsere Dankbarkeit und Verehrung wollen wir dadurch bezeugen, daß wir alle dem Entschlafenen aie letzte Ehre
erweisen.
Treue um Treue!
Beflügel- und Vogelxuchtverein Gießen und Umgegend 18S7 e. V.
Gießen, den 23. April 1934.
Beerdigung: Mittwoch, 25. 4^ 11 Uhr Alter Friedhof.
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Die Beisetzung findet Mittwoch, den 25. April, vorm. 11 Uhr auf dem
Alten Friedhof statt. — Beileidsbesuche dankend verbeten.
In tiefem Schmerz:
Marie Schwan, geb. Breitenbücher Gertrud Scharff, geb. Schwan
Reg.-Med.-Rat Dr. Gustav Scharff
Oberst a. D. Moeller
In tiefer Trauer:
Frau Elisabeth Ohr, geb. Christ
Gießen, Grünberg, Harbin in Mandschukuo, den 20. April 1934.
Die Trauerfeier findet statt. Dienstag, den 24. April, nachmittags 2 Uhr,
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Todesanzeige
Teilnehmenden Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, daß
mein lieber Mann, unser lieber Schwager und Onkel
Herr Martin Ohr, Eisenbahnsekretär i. R.
heute von seinem Leiden erlöst wurde und sanft entschlafen ist.
Heute morgen entschlief sanft nach kurzem schweren Leiden mein
innigstgeliebter Mann, unser treuer Vater und Schwiegervater
August Schwan
im 76. Lebensjahr.


