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Nr 94 Erster Blaff

184. Jahrgang

Montag, 23. April M4

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Eichener Anzeiger

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Der 1. Mai!

Achte Anordnung.

Barthous Besuch in Warschau.

Großes Arbeitsbeschaffungsprogramm für die not­leidenden Künstler anläßlich des Nationalen Feier­tages des deutschen Volkes am 1.2Ual!

Die ersten Trinksprüche auf das französisch-polnische Bündnis.

Die Not vieler schaffenden Künstler ist so groß, daß mit allem Nachdruck etwas geschehen muß, um wertvollste Kräfte vor dem völligen Ruin zu be­wahren. Auf ausdrückliche Anordnung des Gaulei­ters Pg. Sprenger gebe ich folgendes Arbeitsbe­schaffungsprogramm bekannt:

Alle Künstler im Gau Hessen-Nassau g e st a l t e n Motive, die sich aus de m Aufmarsch der gesamten schaffenden Bevölkerung ergeben, in Gemälden, Oelskizzen, Aquarellen, Zeichnungen, Radierungen usw. usw. In engster Zusammenarbeit mit dem Führer der Landesstelle Hessen-Nassau der Reichskammer der Bildenden Künste Pg. B l a t t n e r findet dann zu einem Zeit­punkt, der noch in der gesamten Presse bekannt­gegeben wird, zuerst in Frankfurt a. M. und spä­ter in den größeren Städten des Gaues eine ö f - fentliche Ausstellung dieser Kunstwerke statt. Die staatlichen und kommunalen Behörden, die Führer der Wirtschaft und des Handels, außerdem Rechtsanwälte, Aerzte, Zahnärzte, Dentisten sowie Geschäftsleute aller Zweige werden dann auf­gefordert, dieser Ausstellung besondere Aufmerksam­keit zu schenken und nach Möglichkeit ein Stück für die dem Publikum zugänglichen Räumen zu erwerben. Dadurch wird allen Künstlern die Möglichkeit geboten, wertvolle Ar­beiten zu zeigen und zu verkaufen und gleichzeitig erreichen wir, daß der künstlerische Niederschlag des 1. Mai Tausenden immer wieder sichtbar in Er­scheinung tritt.

gez. Müller-Scheld.

Diepilgersahrl nachWarschau

Don unserem A.-Äerichterstaiier.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Warschau, 19. April 1934.

Barthou, der französische Außenminister, kommt nach Warschau. Das ist zweifellos ein Thema, das die europäische Oeffentlichkeit lebhaft interessiert. Kein Wunder; denn seit Bestehen Neupolens ist das der erste Besuch eines französischen Außenministers in Warschau, und wenn es im polnischen Sinne noch deutlicher' gesagt wer­den soll, dann muß es heißen, daß trotz des 13jähri- qen Bestehens eines Freundschaftsbündnisses zwi­schen den beiden Ländern und trotz der saft jähr­lichen Besuche polnischer Außenminister in Paris ein französischer Außenminister e r st heute den Weg nach der polnischen Hauptstadt gefunden hat. Gerade diese Feststellung einer immerhin historisch beachtungswürdigen Tatsache gibt dem Besuch Barthous eine besondere Färbung., Diese Eigenart verleitet nicht nur zum tieferen Nachdenken über Sinn und Bedeutung dieses französischen Besuches und ferner zur Ueberprüfung des polnisch-französi­schen Verhältnisses der Gegenwart, sondern über­dies auch zu einem kurzen Blick in die weiter zu­rückliegende Vergangenheit, der vergleichende Rück­schlüsse gestattet. . .

Durch dieses Motiv angezogen, haben einige pol­nische Blätter in den letzten Wochen eifrige histo­rische Studien getrieben, die lebhaftes Interesse heroorriefen. Auch dem Unvoreingenommensten kann hierbei nicht verborgen bleiben, daß es Frank­reich wohl mit besonderer Vorliebe verstanden hat, polnisches Blut auf den verschiedensten Schlachtfel­dern zu verspritzen, wo es galt, die Gloire einer granbe nation zu vermehren. Die Fragen nach der Vergeltung wurden indes durch Gegenfragen, wie die find die Polen würdig, eine Nation zu sein?", gewöhnlich unbeantwortet gelassen. Dieser historische Ausspruch des Kaisers Napoleon hat auch in der dritten Republik seine Gültigkeit nicht eingebüht, als für die russische Heerfolge gegen Deutschland nicht zuletzt auch die heiligsten Traume einer un­terdrückten Nation geopfert wurden ...

Ein Warschauer Regierungsblatt verweist m diesem Zusammenhang auf eine polnische Chronik, die von einem interessanten diplomatischen Schar- mützel zwischen dem Außenminister Napoleons L, Tallevrand, und der damals wohl hervor- raaenbften Persönlichkeit bes Großherzogtums Warschau dem Fürsten Poniatowski, zu be­achten weiß. Es war im Jahre 1806. In einem der schönsten Herrensitze Warschaus, im Palais bes Grafen Potocki, gab Marschall Murat einen großen Empfang für feinen Kaiser Durch bie schone Gräfin Walewska gefesselt, vergaß Napoleon nicht nur Politik unb Krieg, sonbern auch das für ihn be fonbers veranstaltete Konzert. Indes führte in einem Seitengemach, wo bie Klange ber soeben gespielten Ouvertüre zur Zauber lote nonjlog nur gebämpft hinüberklingen, Talleyranb mit Fürst Poniatowski ein diplomatisches ,'®a9bej1}

Sie Durchlaucht, woher kommt bie Meinung, bie wr'von Euch haben, baß der Pole treu, aber unbeftänbig sei?" -Die Zeugen unserer Treue", erroiberte ber Fürst,sind f^ie J^fter Um Adler, wenn aber in unseren Dolkscharakter Un beftänbigteit eingebrungen ist, bann mar uns Hein- rich III. (ein französischer Prinz Da^lS) Vorbilds als er zum polnischen König gewählt (1574), nach dnigen Waten seiner Herrschaft Polen Wb verließ unb nach Frankreich geflohen iftWeil ibn bort bie herrlichste Krone (er würbe König von Frankreich) von ber Wett erwartet hatte, parierte

ber Dinge unb Lage mit ber politischen Wirklichkeit bes heutigen Tages in Einklang zu bringen.

Das ift ber Niederschlag reicher Erfahrung ver- gangener Jahre eines wechselvollen, aber konse­quenten Kampfes, den Polen um seine innere Festi­gung, um die äußere Freiheit unb Selbständigkeit geführt unb nicht ohne Erfolg beftanben hat. Der Weg, den Polen in diesen 13 Jahren zurücklegte, ift burch Etappen gekennzeichnet, die deutlich er­kennen lassen, daß er aus der Enge einer Abhän­gigkeit in bie Weite einer Selbstänbigkeit geführt hat. Wesentlich ift vor allem, baß biefer junge zum eigenen Machtbewußtsein gereifte Staat ge­willt ist, sich von beengenden, ja gar bebrütfenben Freundschaftsfesseln eines großmächtigen Protektors zu lösen unb die Wege zu beschreiten, dieber Raison des eigenen Staates unb ber Nation entsprechen." Ein bem Marschall Pilsudski beson­ders nahestehenbes Blatt hat bies viel unverblüm­ter zum Ausdruck gebracht; es erklärte:Die Po­litik des Außenministers Beck ift als Bestreben zu werten, sich von Frankreich unabhängig zu machen unb aus der Lage eines Vasallen her­auszukommen . . ." Frankreich, so sagt bas Blatt, Hobe auf einer falschen Voraussetzung be­standen, Polen sei verurteilt, nur einen einzigen Bundesgenossen unb zwar Frankreich zu be­sitzen. Polen aber Habs aufgehört, eih Vasall Frank­reichs zu sein ..."

Die verantwortlichen Männer in Warschau bürs­ten burch recht geringhaltige, aber oft teuer bezahlte Ergebnisse einer allzu genau genommenen Bünd- nistreue gewitzigt, auch von Herrn Barthou von ihrem enbgültig beschrittenen Weg kaum abzubrin- gen sein. Unb bie Frage, bie hier allen Ernstes auf­geworfen wird, welches Frankreich Barthou eigentlich vertrete, erscheint nur roenia dazu geeig­net, bie von ihm gewünschte gemeinsame Sprache zu finden, zumal auch der pompöseste Diplomaten- troß darüber nicht Hinwegtäuschen kann, daß Herr

Barthou im Blickfeld unaufhaltsamer Entwicklungen den Anforderungen einer neuen Epoche kaum noch Rechnung zu tragen vermag. Dieser Tatsache einer neuen Epoche ift man sich in Warschau vollends bewußt. Barthou dürfte wäh­rend seines hiesigen Besuchs wohl volle Klarheit darüber erhalten, daß Polen, in seiner Machtposi­tion gefestigt, nunmehr auch innerhalb bes fran­zösischen Bündnisses eine voll- unb gleichwertige Stellung beanspruchen kann unb will.

So bars füglich behauptet werben, baß sich bas reichhaltige diplomatische Gepäck, mit bem sich Bar­thou nach Warschau begeben hat, in Anbetracht ber polnischen Wirklichkeit zu ber einzigen Hauptfrage oerbichtet, in welchem Ausmaß bas Bünb- nis zwischen Polen unb Frankreich noch b e ft e b t unb weiter bestehen kann. Der Zweifel darüber ift Ausgangspunkt, unb ber Wunsch nach Gewißheit ift gleichsam bas Ziel biefer ganzen Reise. Die Beantwortung ber Hauptfrage ergibt automatisch eine Klärung all ber übrigen Fragen, über bie bie französischen Blätter in ben letzten Tagen soviel zu berichten wußten. Alle from­men französischen Wünsche, Anspielungen unb Zu­mutungen, bie Barthou auf seinen Weg nach War- schau mitgegeben unb hier fleißig verzeichnet mür­ben, hat bie maßgebliche polnische Presse mit be­tonter Zurückhaltung entgegengenommen. Inwiefern biefer Fragenkomplex auf bem Wege ber üblichen diplomatischen Vorbesprechungen geklärt unb er- erschöpft würbe, unb was noch für bie Unterrebun- gen in Warschau übrig bleibt, entzieht sich jeber öffentlichen Kenntnisnahme. Die Hauptfrage aber, die für Polens Außenpolitik von beftimmenber Be­deutung ist, läßt sich in einem Wort zusammen- fassen: Friebe in Europa. Unb biefer Friebe ist vor allen Dingen ein Friebe zwischen ben bref Staaten: Deutschlanb, Frankreich, Polen. Zwischen Deutschland unb Polen ist ber Friebe hergeftellt unb gesichert. Die Reihe ist nun an Frankreich.

Warschau, 22. April. (DRV.) Der französische Außenminister B a r l h o u ist am Sonntag pro­grammäßig kurz vor 18 Uhr in Begleitung seines kabinetlschefs Rochal und des französischen Vot- chaflers Laroche, der ihm ein Stück Weges ent­gegengefahren war, in Warschau eingetroffen. Auf dem Bahnhof wurde Barthou im Namen der pol­nischen Regierung vom Protokollchef Graf Ro­mer und im Namen des Außenministers Beck vom Kabinettschef Dembicki begrüßt. Barthou begab sich vom Bahnhof unmittelbar nach der fran­zösischen Botschaft, wo er während seines hiesigen Aufenthaltes wohnen wird.

Der polnische Außenminister Beck gab zu Ehren des französischen Außenministers ein Essen, an dem u. a. der Staatssekretär des Auswärtigen, Szembek, der französische Botschafter in Warschau, Laroche, der Finanzminister Zawadzki und die Präsidenten der auswärtigen Ausschüsse der beiden Kammern teilnahmen. Außenminister Beck erklärte in seiner Begrüßungsansprache u. a., daß die polnisch-sranzö- ischen Abkommen eins der stärksten und dauerhafte st en Elemente der inter­nationalen Politik seien, denn siehätten lediglich den Zweck, den Frieden zu organisieren und zu festigen. Tief von der unveränderlichen Dauer des Bündnisses unserer Länder überzeugt, erhebe ich mein Glas, zu Ehren bes Präsidenten der französischen Republik, zu Ehren unseres Gastes und zu Ehren des Wohl­ergehens der befreundeten großen Nation."

In feiner Erwiderungsrede erklärte Barthou u. a.» daß er stolz sei, ganz Frankreich vertreten zu dürfen, das die Treue wohl zu schätzen wisse. Diejenigen, die bestrebt sind, Schwie­rigkeiten, die im Leben der Völker unvermeid­bar sind, auszunühen, wissen nicht, was zwei Wil­len vermögen, die im selben Ideal verwurzelt sind und sich zur Erreichung desselben Zieles fest ver­knüpft haben. Frankreich und Polen wollen niemanden angreifen oder bedrohen; sie achten jedes Recht. Inmitten all der europäischen Probleme stellt die französisch-polnische Freund­schaft einen Faktor des Friedens, der Ordnung, der Sicherheit und der Stabilität dar. Frankreich ist erfreut darüber, daß es durch nichts von diesem Lande getrennt wird. Die allgemeine Sicherheit ist bie uner­läßliche Bedingung für eine Herab­setzung der Rüstungen. Obwohl vom wirt­schaftlichen Standpunkt aus betrachtet die Inter­essen Frankreichs und Polens mitunter im Gegen­satz zu einander stehen könnten, so bemühen sich die beiden Länder sich in gleicher loyaler Weise wieder einander zu nähern.

Frankreichs Hoffnungen.

Pariser Stimmungsmache.

Paris, 23. April (DNB.-Funkspruch.) Ein gan­zes Heer von Berichterstattern schildert bie Aus­nahme, bie ber französische Außenminister Barthou in Warschau gefunben hat, in glühenden Farben unb versucht, der französischen Oeffentlichkeit klar zu machen, baß durch den begeisterten Empfang unb ___ -

bie zwischen Beck unb Barthou gewechselten Trink­sprüche eine außerordentlich günstige Atmosphäre für bie am Montag beginnenden biplomatischen Verhandlungen geschaffen worben sei. Dem nach Warschau mitgereiften Außenpolitiker bes Journal" ist es allerbings ausgefallen, baß ber polnische Außenminister B e ck in seinem Trinkspruch nicht mit einem Wort auf ben Völker- bunb angefpielt hat, so baß Barthou sich bar« auf beschränken mußte, beiläufig an dessen Rolle zu erinnern.

Die Absichten und Wünsche Polens glaubt die Sonderberichterstatterin desOeuvre" wie folgt umreißen zu können: Die polnische Regierung wünsche die Anerkennung Polens als gleichberechtigte Großmacht in der französisch-polnischen Allianz, die Abänderung des Vertrages von 1921 in seinen geheimen RMitärklauseln, die damals, als ein polnisches Heer noch nicht bestand, abgeschlossen wurden. Sie erwartet ferner, daß Frankreich die Kündigung der Winderheiten- verträge durch Polen in Genf zuläßt, wo es übrigens einen ständigen Rats- f i h verlangen werde, falls Sowjetrußland ein- treten sollte. Die Berichterstatterin will im übri­gen den Eindruck haben, daß das französisch- polnische Bündnis nur scheinbar eine

Lond on, .23. April (DNB.-Funkspruch) Der Tirnes"-Korrespondent in Warschau meldet: Eine Reihe von französischen Erkundigungen bei der pol­nischen Regierung, bie bem Besuch Barthous voran- gingen haben ergeben, baß es keine gründ- le genb en Meinungsverschiebenh eiten zwischen beiben Regierungen gibt, boch ift es deut- lich, baß in ber Stimmung ber polnischen Oeffentlichkeit gegenüber Frankreich im letzten Jahr eine Aenberung vor sich gegangen ist. Dies ist teilweise verursacht worben burch ben u n - stabilen Charakter ber Regierungen, bie ber Regierung Doumergues unmittelbar vorauf­gingen. Ferner burch ben schlechten Einbruck, ben bie Bekanntgabe bes Viermächtepaktes in Polen gemacht hat und burch bie weitverbreitete Neigung, bas Ausbleiben finanzieller unb wirtschaftlicher Hilfe seitens Frank­reichs währenb ber schwierigen Periobe ber letzten 2 ober 3 Jahre abfällig zu kritisieren. Auf eine solche Unterstützung glaubte Polen wegen seiner politischen Binbungen ein Recht zu haben.

Noch anbere Grünbe sinb für biese Aenberung ber Stimmung ber Oeffentlichkeit verantwortlich. Sowjetrußlanb unb Deutschlanb sind lebenswichtige Elemente in Polens auswärtiger Politik. Die Beziehungen zwischen Sowjet-Rußland und Deutschland haben sich im letzten Jahre zu Polens Gun st en verändert. Es herrscht das allgemeine Gefühl, daß das Bündnis mit Frank-

Schwächung erfahren habe, daß aber Warschall Pilsudski sich in keiner weiteren Frage als der rein französisch-polnischen zu binden wünsche. Barthou werde sehr offen darlegen, daß Po­len mit Frankreich in allen großen schwebenden Fragen Zusammen­gehen müsse, gerade in dem Augenblick, in dem man endlich eine TNachtpolitik ge­genüber Deutschland treibe (!). Das Er­gebnis der Reise werde wahrscheinlich in einer gemeinsamen Erklärung zum Ausdruck kommen, in der Frankreich und Polen ihr Bündnis bekräftigen würden.

Die Pariser Presse, von wenigen Ausnahmen ab­gesehen, versieht die Warschauer Reise mit entspre­chender Begleitmusik. Die Note Barthous, schreibt ,^2'Ordre", zwingt uns, alle unsere Verbün­deten um uns zu schar e n : Belgien, Polen unb bie Staaten ber Kleinen Entente. Das ift bie einzig logische, bie einzige realpolitische Politik. Gegen bie Scharfmacherei, bie allgemein in ber Presse zum Ausbruck kommt, roenbet sich ber sozialistischePo- pulaire": Man weiß, baß für ein Bünbnis zwei notroenbig sinb. Wir aber glauben nicht, baß Polen geneigt ift, bas Bünbnis mit Frankreich ober irgenb ein anberes Bünbnis enger zu gestalten. Polen will sich alle Möglichkeiten vorbehalten.

reich unter Berücksichtigung ber wichtigen Aenbe- rungen, bie feit feiner Unterzeichnung vor 13 Jahren eingetreten sinb, r e o i b i e r t werben muß. Polen hat beschlossen, in seiner auswärtigen Politik eine größere Unabhängigkeit zu zeigen unb sie auf birefte Verhanblungen im Gegen­satz zu ben Genfer Methoben zu grünben, bie in Polen nicht mehr gebilligt werben.

Der Genfer Sozialdemokrat Nicole darf nicht in Wallis reden.

Gens, 21. April. (DNB.) Die Sozialbemokra- tische Partei bes Kantons Wallis hatte ben Präsi- benten ber Genfer Regierung Nicole, ein geloben, auf ber Jahrestagung am Sonntag bas Wort zu nehmen. Die gesamte bürgerliche Presse bes zum größten Teil katholisch-konservativen Kantons Wal­lis hatte jedoch heftigen Einspruch gegen bas Erscheinen Nicoles erhoben. Deshalb hat bie Walliser Regierung beschlossen, bem Regie- rungspräfibenten Nicole ben Eintritt in ben Kanton Wallis zu verbieten. Damit ist ber in ber neueren Geschichte ber Schweiz wohl einzig ba- stehenbe Fall eingetreten, daß die Regierung eines Kantons einem Regierungshaupt eines anderen Kantons den Eintritt verbietet.

Das Bündnis mit Frankreich bedarf einer Revision.

Die Gründe für den Stimmungswandel in polen.

den Hieb der französische Diplomat.Und der Dolch des Mörders" blieb ihm der pol­nische Fürst die Antwort nicht schuldig...

Es bleibt der künftigen Geschichtsschreibung über­lassen, zwischen diesem diplomatischen Gespräch von 1806 unb bem bes Jahres 1934 eine vergleichenbe Untersuchung burchzuführen. Dieser historische Hin- tergrunb aber ist für ein besseres Verstänbnis ber Gegenwart mit all ihren mannigfaltigen Erschei­nungen in ben polnisch-französischen Beziehungen nicht wertlos. Als burch ben Zusammenbruch ber Mittelmächte unb Rußlanbs ein neues Polen ent­staub unb sich vor allem bank ber machtvollen Füh­rung Marschall P i l s u b s k i s behaupten unb kon- folibieren konnte, ba verstauben sich auch bie Sie­ger in Versailles zur Anerkennung ber Weichsel­republik. Frankreich aber nützte, auf eine mißver- ftanbe Vergangenheit pvcheub, biese Gelegenheit unb bie befonbere Lage Polens, besKörnchen zwischen zwei Mühlsteinen", aus, um sich als reicher unb machtvoller Protektor unb Buubesgeuosse besklei­nen, schwachen unb von allen Seiten bebrohteu" Polens eutscheibenbe Geltung an ber Weichsel zu verschaffen unb sich vor allen Dingen inber pol­nischen Wehrmacht ein unerläßliches Glieb in bem Versailler Kriegsbuub zu sichern. Jubesseu aber ist viel Wasser in bas Baltische Meer, wie in Polen bie Ostsee genannt wirb, geflossen, unb bie Zeiten haben sich geänbert. Aber nicht nur bie Zei­ten allein. Mit nachbrücklichster Uuzweibeutigkeit hat bie offiziöseGazetta Polska" anläßlich einer kur­zen Betrachtung über ben Besuch Barthous fest- stelleu müssen, baß kaum 13 Jahre seit Unterzeich­nung ber Vertrages von Versailles vergangen seien - unb welch anberes Bilb Europa bar« stelle, welch oeränbeter Stanb bes Kräftespiels bamals unb heute. Es seien fast zwei verschiebene Epochen. Don baher kommt bas Blatt bann zum folgerichtigen Ergebnis, baß barum auch eine un­erläßliche Notwenbigkeit bestehe, diese Aeuderung