läffigt werden darf, mit dem Wirken im Jungvolk? Das sind bestimmt ernsthafte Fragen von sorgenden, weitblickenden Eltern, denen wir uns nicht verschließen wollen. Vor kurzem sagte Gebietsführer Kramer, daß Schule, Elternhaus und Jugendorganisationen langsam eins werden müssen. Der Gegensatz, der naturnotwendig zwischen alter und junger Generation besteht, kann nur durch-gegenseitiges Verständnis überbrückt werden.
Diese Clternnot und dieses Denken ist auf eine alte Wahrheit gestützt. „Niemand kann zwei Herren dienen." In unserm Falle ist sie allerdings falsch angewandt. Es mag wohl so scheinen, als ob sich Iungoolkdienst und Schule gegenüberständen, zwei Einrichtungen seien, vielleicht, weil sie sich namentlich unterscheiden. In Wirklichkeit liegen sie aber in einer Ebene, in einer Richtung, eins Ergänzung
Deutscher Jungarbeiter!
Deutsche Jungarbeiterin!
Hast Du Deiner nationalen Pflicht schon genügt durch Deine Anmeldung zum Reichsberufswettkampf der deutschen Jugend vom 9. bis 15. April?
Letzter Anmeldetag am 2 4. März 1934 !
Die Hitler-Jugend und die Deutsche Arbeitsfront rechnen auf Dich!
zum andern. Es sind also tatsächlich keine „zwei Herren", denn unter diesen zwei Herren verstehen sich grundverschiedene, ja feindlich widereinander- stehende Richtungen. Und das vermag niemand von Iungoolkdienst und Schule zu sagen. So wird es also klar, daß unsere Jugend gar nicht „zwei Herren" dienen soll.
Und doch bleibt eine Zweiheit bestehen. Die Schule allein macht keinen Jungen aus! Erst Jungoolk- bienft und Schularbeit als eine Ganzheit formen den jungen Deutschen. Diese beiden Jugendeinrichtungen sind also zwei sich ergänzende Hälften.
Dies fordert natürlich, gemessen an früheren Jahren, Mehrarbeit. Und das soll ja unserer Jugend schon bewußt werden: Wir können uns nur retten aus der großen Verfahrenheit durch Mehrleistung, durch ganzen Einsatz, durch größere Vielseitigkeit, die dabei nicht die Güte der einzelnen Arbeitsgebiete vermindert.
Alle die genannten Bedenken sind Flucht vor der Mehrarbeit. Wir beobachten sie auch bei unseren Jungen und wissen, daß sie sich mit dem einen ein gutes Gewissen gegen das andre, das sie gerade vernachlässigt haben, zu schaffen versuchen. Das heißt, daß manche den Dienst gegen die Schularbeit ausspielen. Aber die Schule weiß, was von den Jungen im Dienst verlangt wird, und auch die Jungvolkführer sind unterrichtet über die Arbeit der Schule. Beide Einrichtungen sind sich klar, daß die Zeit straff ausgefüllt ist. Und das soll sie auch! Den sorgenden Eltern aber zum Trost eines: Es wird bestimmt nichts Unmögliches verlangt.
Willy Pommerening.
Der Sparer
im nationalsozialistischen Staat.
Die Ortsgruppe Gießen des Sparerbundes hielt unter der Leitung von Herrn Lorenz im Hotel Hindenburg eine gutbesuchte Versammlung ab, in deren Mittelpunkt ein Vortrag von Justizrat Brink (Berlin) über das Thema „Der Sparer im nationalsozialistischen Staate" stand.
Der Redner beschäftigte sich zunächst eingehend mit den Vorgängen, die zum Zusammenbruch der deutschen Geldwirtschaft in der Zeit der Inflation führten, er wies im engsten Zusammenhang damit auf die zersetzende Tätigkeit der marxistischen Parteien hin, denen es darauf angekommen sei, das deutsche Volk völlig zu verproletarisieren. Der Vortragende beschäftigte sich ferner mit der Aufhebung des Golddeckungszwanges und deren unmittelbaren Folgen. Das Inland-kapital sei vernichtet worden. Man habe dann zu Auslandkrediten gegriffen, die
ungeheure Zinsenlasten hn Gefolge hatten. Das gepumpte Auslandgeld fei aber in fast hemmungsloser Weise verschwendet worden. Regiebetriebe seien in den Städten geschaffen und damit der Korruption der Weg bereitet worden. Die Folgeerscheinungen im einzelnen seien hinlänglich bekannt. Run aber sei im deutschen Volke eine grundlegende Wandlung vor sich gegangen. An Stelle der Willkür sei eiserne Rechtspflege getreten. Ordnung und Sauberkeit herrsche wieder in den Herzen und im öffentlichen Leben. Die Regierung genieße das allgemeine Vertrauen. Gemeinwahl sei oberstes Gesetz Adolf Hitler und seine Regierung wolle die deutsche Wirtschaft wieder aus dem Jnlandkapital aufbauen. Das bedeute, daß der Sparer wieder zu Ehren komme. Die Regierung werde den Sparer auch zu schützen wissen. Einen wesentlichen Fortschritt bedeute es, daß die Regierung eine grundsätzlich andere Einstellung zur Rentnerfrage habe, als je eine Regierung zuvor. Das Reichsarbeitsministerium habe ein Rentnerversorgungsgesetz entworfen, das bereits dem Reichsfinanzministerium vorliege. Der Redner kam sodann auf das Thema Hauszinssteuer und deren Verwendung, sowie auch auf die Hypotheken- Aufwertung zu sprechen und betonte, daß der Führer alle damit verbundenen Fragen zum gegebenen und von ihm für richtig befundenen Zeitpunkt lösen werde. Primäre Frage sei aber gegenwärtig die Frage der Arbeitsbeschaffung. Alles andere werde sich selbstverständlich ergeben. Der Sparer und Rentner müsse sich dieses Jahr noch in Geduld fassen, er tue es aber unter veränderten und hoffnungsreicheren Umständen. Die Regierung verdiene alles Vertrauen und aus diesem Vertrauen müsse die Kraft zum Ausharren gewonnen werden. Mit der Aufforderung, dem Führer und Volkskanzler Adolf Hitler, die Treue zu halten und mitzuarbeiten am großen Werke, beschloß der Redner seine beifällig aufgenommenen Ausführungen.
Im weiteren Verlaufe der Versammlung wurden aus dem Kreise der Hörer noch verschiedene Fragen gestellt, die der Redner erschöpfend beantwortete. Mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf den Führer wurde die Versammlung geschlossen.
Lattich und Schlüpfer, der Frühsaiat der Gärtner.
Im Monat März bringen die Gärtner ihr erstes Frühgemüse an den Markt. Nach den Radieschen, die schon bald im neuen Jahre erschienen sind, werden jetzt in steigenden Mengen Lattich und Schlüpfer als erster deutscher Frühsalat angeboten. Das sind die Vorboten des einheimischen Kopfsalates, dessen Ernte erst nach Ostern einsetzen wird.
Die deutschen Gärtner fordern die Hausfrauen auf, ihren frischen, vitaminreichen, auf deutschem Boden gewachsenen.Lattich, dessen Zartheit und Wohlgeschmack nicht übertroffen werden kann, zu kaufen. Der rhein-mainifche Gärtner wird nur dann die nötigen Mittel für die Heizung und Heranzucht des Treibsalates beschaffen können, wenn er jetzt diese ersten Früchte seiner Arbeit wirtschaftlich verwerten kann. Der jetzt auf dem Markt angebotene Kopfsalat ist Freilandsalat, der aus fernen Gegenden nach hier geschafft wird. Demgegenüber ist der einheimische Fruhsalat von unübertroffener Frische.
Hausfrauen, kaust deutsche Gemüse!
Gietzener Wochenmarktpreise
* G i e ß e n, 22. März. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Landbutter, das Pfund 1,30 Mk., Kochbutter 1,10 bis 1,15 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische) 9, : Wirsing, das Pfund (gelb) 15, (grün) 20 bis 25, Weißkraut 12, Rotkraut 15, Gelbe Rüben 12, Rote Rüben 10, Spinat 20 bis 25, Unterkohlrabi 6 bis 8, Rosenkohl 35 Pf., Feldsalat 1,— bis 1,20 Mk., Zwiebeln 10 bis 12 Pf., Meerrettich 35 bis 40, Schwarzwurzeln 25 Pf., Kartoffeln, der Zentner 2,80 bis 3,- Mk.. Aepfel, das Pfund 12 bis 35 Pf., Birnen 15 bis 20, junge Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80, Tauben, das Stück 40 bis 60, Blumenkohl 40 bis 80, Salat 25, Endivien 10 bis 25, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 25 Pf.
VornoNzen
— Tageskalender für Donnerstag: NS.:Frauenfchaft Gießen-Süd, 20.15 Uhr im Haus der Arbeit: Ortsgruppenabend. — Deutsche Bühne, 20 bis 22 Uhr im Stadttheater: „Hokuspokus". —
„Weite Welt und breites Leben .. /' 3u Goethes Todestag am 22. März
Von Hans Heßler.
Weite Welt und breites Leben, Langer Jahre redlich Streben ... Heitern Sinn und reine Zwecke: Nun! Man kommt wohl eine Strecke.
Goethe.
Von seinem Leben, das Goethe selbst als weit und breit empfand, sagt der greife Faust kurz vor seinem Tode: „Erst groß und mächtig, nun aber geht es weise, acht bedächtig", und G o e t h e hat sein Dasein wiederholt einer Schlittenfahrt verglichen. Wirklich, groß und mächtig und glatt und wehend wie eine Fahrt ist dieses Leben dahingegangen, seine Fülle war bisweilen so drängend, daß Goethe sagte: „Man kann dreihundert Jahre werden und darüber, wenn man nur alle Tage seine Sachen redlich macht." Der Raum eines solchen Daseins läßt sich in wenigen Zeilen unmöglich ermessen, wohl aber läßt sein Inhalt sich andeuten, seine Pole lassen sich bezeichnen.
Man hat gesagt, er sei ein Glückskind gewesen. Wirklich: er fand in jedem Augenblick seiner Lebensstrecke das fordernde Erlebnis, aber er erkannte es auch und wies Unfruchtbares ab: „Was euch das Jnnre stört, müsset ihr meiden." Aeutzere Nöte, mit öenen der zehn Jahre später geborene Schiller immer zu kämpfen hatte, blieben ihm erspart auch Krankheiten, die ihn in regelmäßigen Abständen heimsuchten, wirkten sich in seinem Wesen beinahe wie Quellen der Erneuerung aus; in jedem entscheidenden Augenblick begegnete er auch der äuße ren Wende, die er brauchte — Glückskind Ein Enkel des großen Lukas Cranach, Sohn begüterter Litern, die ihr patrizisches Haus am Frankfurter Hirfchgarten hatten, ein frühreifer, sorgloser Knabe; als otubent in Leipzig ganz im Bann französischen q t n5a er ’n Straßburg durch schicksalhaften Zufall Herder, der ihm die Quellen zu deutschem Wesen, zur deutschen Landschaft, zu sich selbst öffnet: Unter dem Straßburger Münster erlebt Goethe "Z.p o k es p ea r e" und die nordisch-deutsche Kunst, Berlichinben" erscheint ihm, die Umrisse » ; "U^ust nahen m schwankenden Gestalten. Die Jahre 1771 bis 1772 sind mit beruflicher Tätigkeit in Frankfurt und Wetzlar ausgefüllt „Goetz" erscheint, und der „Werther" (1774), der den Fünf unddreißigjahrigen berühmt macht, verschafft ihm jene Einladung an den Weimarer Hof, die zunächst
nur für eine begrenzte Zeit gedacht ist. Als er am 7. November 1775 dort eintrifft, ahnt er nicht, daß er nicht mehr von dort loskommen wird.
Es folgen die zehn „Weimarer Jahre": Goethe wächst als Freund des Herzogs Karl August in die Verwaltungsgeschäfte des Landes, denen er bis ins hohe Alter verbunden bleibt. Sehnsüchtiger schweift oft die Ahnung nach Italien, das sich ihm als erster Jugendeindruck durch die römischen Stiche und das Gondelmodell seines Vaters offenbarte; nach zehn Jahren, anläßlich eines Karlsbader Aufenthalts, entweicht er über den Brenner, hält sich in der ersten Oktoberhälfte 1786 in Venedig auf, erlebt den Süden und das Meer und trifft am Ende des gleichen Monats in Rom ein, ist im Frühling des fol- aenden Jahres in Sizilien, nimmt am 22. April 1788 Abschied von der ewigen Stadt und kehrt als Gewandelter im Juni nach Weimar zurück, aus dem er sich bis auf gelegentliche Reisen nicht mehr entfernt. Aber das sind die äußeren Daten.
Man muß ermessen, welche Ereignisse der Goethe- sche Lebensraum umfaßte: er erlebt den Verfall des Nationalismus, die Jahre des philosophischen Kritizismus, den Gipfel des Klassizismus, den Einbruch der Romantik in Dichtung und Kunst, Wissenschaft und Philosophie, die Mischung antiker und deutsch-mittelalterlicher Lebenskräfte: er erlebt Schiller — die „Räuber" erscheinen 1781, als Goethe am „Wilhelm Meister" schrieb, zwischen beiden Werken klaffen Welten! Hölderlin, Novalis, Jean Paul, Heinrich von Kleist; die Philosophen Kant, Friedrich Schlegel, Fichte, Hegel, die gesamte Kunst vom sterbenden Rokoko bis zu Easpar David Friedrich und Philipp Otto Runge; die Musik Mozarts — Johann Sebastian Bach starb einen Monat vor Goethes Geburt —, Beethovens, Schuberts, Carl Maria von Webers. In Goethes Lebensraum liegen die Anfänge technischer Entwicklungen, deren Mächte damals kaum zu ahnen sind: die erste Mont- golfiere steigt in die Luft, das erste Dampfschiff fördert sich mit Schaufeln durchs Wasser, und wenige Tage vor seinem Tode hört er von der Eisenbahn Liverpool—Manchester. Die Naturwissenschaften treten auf allen Gebieten in neue Anfänge: Botanik, Zoologie, Anatomie, Geologie und Mineralogie. Politisch betrachtet begreift Goethes Leben diese Ereignisse in sich: den Siebenjährigen Krieg, die Befreiungskriege Nordamerikas, die Französische Revolution mit Napoleons Sieg und Sturz und die deutschen Verfassungskämpfe bis zur Juli- Revolution. Völlig unübersehbar aber bleibt die UeberfüUe menschlicher Verbindungen, die Goethe in diesen Jahren anknüpfte; sie beginnen etwa mit
Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Hans Westmar". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Das Hotel auf dem Ozean" — Alice-Schule, Steinstraße, 10.30 bis 18 Uhr: Ausstellung von Arbeiten der Haushaltungsschule. — Handels- und Gewerbebank Gießen, 20.30 Uhr im „Hindenburg": 75. ordentliche Generalversammlung. — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz, 16 bis 17 Uhr: Ausstellung.
— Aus dem Stadttheaterbüro. Morgen, Freitag abend, die drei Akte „Hokuspokus" von Curt Goetz. (Siehe heutige Anzeige.)
— Eine musikalische Passionsan - dacht findet am morgigen Freitagabend in der Alten Friedhofskapelle statt. (Siehe Anzeige.)
*
** Von der Kraftpoftlinie Gießen — Hochelheim. Nach dem jetzt vorliegenden Ertragsergebnis der Kraftpostlinie Gießen—Hochelheim für das abgelaufene Vierteljahr Oktober—Dezember war in den Monaten Oktober und November ein Fehlbetrag zu verzeichnen, während sich für den Monat Dezember ein Uederschuß ergab.
** D i e Aushändigung von Steuergutscheinen betrifft eine Bekanntmachung der Bürgermeisterei in unserem heutigen Anzeigenteil. Anträge können nur noch bis 31. März gestellt werden.
** Schwerer Unfall eines Kindes. Das vierjährige Töchterchen des Arbeiters Schmidt (Alter Rödger Weg) erlitt gestern abend einen schweren Unfall. Das Mädchen zog eine mit heißem Kaffee gefüllte Kanne vom Tisch, deren Inhalt sich
dem bedauernswerten Kinde über Ober- und Unter- schenket ergoß, so daß es mit schweren Brandverletzungen in die Chirurgische Klinik eingeliefert werden mußte.
** Zum Osterpaketverkehr. Man tut gut, auch vor Ostern die für das Fest bestimmten Pakete, Postgüter und Päckchen rechtzeitig einzuliefern, sie gut zu verpacken, die Aufschrift haltbar anzubringen und den Bestimmungsort besonders groß und kräftig niederzuschreiben. Auf den Sen- düngen darf die vollständige Anschrift des Absenders nicht fehlen. In Pakete und Postgüter muß em Doppel der Aufschrift gelegt werden. Auch für Päckchen empfiehlt sich dies. Hohlräume sind mit Holzwolle usw. auszufüllen, damit die Sendungen bei der Beförderung in Säcken und beim Stapeln nicht eingedrückt werden. Päckchen müssen deutlich als „Briefpäckchen" oder „Päckchen" gekennzeichnet sein. So hergerichtete und rechtzeitig eingelieferte Ostersendungen werden mit Sicherheit pünktlich zum Fest ihr Ziel erreichen und ihren Zweck erfüllen.
** Versuchsbetrieb bj> s Großrundfunksenders Mühlacker. Der umgebaute Großrundfunksender Mühlacker hat am 14. März mit dem Versuchsbetrieb begonnen. Er benützt zunächst nur den unteren Teil der neuen (Einturmantenne bis 120 Meter Höhe. Die volle Antennenhöhe von 190 Meter wird erst in einiger Zeit aus- genützt werden können. Dtzr Großsender wird jedoch schon jetzt planmäßig das ganze Programm des Süddeutschen Rundfunks senden. Der Ersatzsender Stuttgart-Degerloch ist stillgelegt worden. Ein gleichzeitiger Betrieb beider Sender ist nicht möglich.
Feuerwehr- Verbandstag in Gießen.
Der Kreisverband Freiwilliger Feuerwehren im Kreise Gießen hielt am Sonntag im Saale des „Frankfurter Hofs" zu Gießen seinen Frühjahrsverbandstag ab.
Der Vorsitzende, Brandinspektor Wenzel (Gießen), begrüßte die zahlreichen Abgeordneten der Wehren, insbesondere den Vertreter des Kreisamts, Kreisseuerwehrinspektr Bouffier, Branddirektor Braubach (Gießen) als Vertreter des Landesverbandes Hessen, sowie die Bürgermeister von Hungen, Göbelnrod, Villingen, Rodheim und Reiskirchen, ferner die im neuen Reich zum erstenmal, aus Anordnung des Kreisfeuerwehrinspektors, erschienenen Führer fast sämtlicher Pflichtfeuerwehren. Sodann erstattete der Vorsitzende den Geschäftsbericht, dem zu entnehmen mar, daß in verwaltungstechnischer und praktischer Hinsicht für die freiwilligen Feuerwehren das Bestmöglichste geleistet wurde. Die Rührigkeit des geschäftssührenden Ausschusses in Verbindung mit der Kreisfeuerwehrin- jpeftion verdiene alle Anerkennung. Wirtschaftsnvt und Arbeitslosigkeit hätten dank der Initiative der Reichsregierung unter der Führung unseres Volkskanzlers Adolf Hitler in den Reihen der Feuerwehren erheblich abgenommen, im Gegensatz zum Vorjahre, so daß manche Maßnahme zugunsten der Feuerwehren in Angriff genommen werden konnte.
Unter der zlelbewuhten Arbeit und Opferfreudigkeit des Führers der Feuerwehren war es möglich, weitere Verbesserungen im Auf- und Ausbau des Feuerlöschwesens der Feuerwehren durchzuführen.
Kamerad Wenzel gab dann einen eingehenden Rückblick auf den Landesfeuerwehrtag in Schotten und sprach die Hoffnung aus, daß es mit dem Beginn des Frühlings in unserem Vaterlande durch allerlei Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wieder aufwärts gehe, und jeder für seinen Teil, dazu beitragen müsse, unserem Führer bei feiner tiefschürfenden Arbeit nach Kräften helfend zur Seite zu stehen. Das Andenken verstorbener Kameraden wurde bann in der üblichen Weise geehrt.
Kreisfeuerwehrinspektor Bouffier überbrachte die Grüße des Kreisamtes und erklärte, daß das Kreisamt die Nöte und Sorgen der Gemeinden auf allen Gebieten kenne, besonders aber auf dem Gebiete des Feuerlöschwesens, wozu es durch den technischen Leiter jederzeit bestens unterrichtet sei.
Das Kreisamt werde im Rahmen des Möglichen nicht nur ideell, sondern insbesondere auch materiell den freiwilligen Feuerwehren, wie überhaupt den Feuerwehren in ihrer
Gesamtheit beistehen.
Er gab dem besonderen Wunsche Ausdruck, daß die Tagung in echtem Kameradschaftsgeist zum Wohle der Volksgemeinschaft ausklingen möge, und schloß seine mit großem Beifall aufgenommenen Worte mit dem deutschen Gruß!
Branddirektor Braubach (Gießen) sprach für den Landesverband Hessen in markanten Worten und wünschte der Tagung einen vollen Erfolg.
Schriftführer Kamerad Breither (Gießen) erstattete den Tagungsbericht vom letzten Herbst- oerbanbstag in Daubringen, dem zu entnehmen war, daß dem Verbände bis dahin 20 Freiwillige Wehren mit insgesamt über 2000 Mitgliedern angehörten. Der Bericht wurde genehmigt.
Den Kassenbericht erstattete Kamerad Heinrich (Lollar). Die Kasse wurde als sehr gut geführt bezeichnet, der Kaffenbestand ist befriedigend. Die Rechnung wurde geprüft, Anstände ergaben sich nicht, so daß dem Rechner Entlastung erteilt werden konnte.
Bei der Vorstandswahl war infolge Rücktritts der Kameraden Heinrich (Lollar) und Schäfer (Lang-Göns) Ersatz notwendig geworden. Hierzu gab Kreisfeuerwehrinspektor Bouffier einige Erläuterungen. Er betonte, daß im neuen Reich nur noch das Führerprinzip zu entscheiden habe und diesem Geltung zu verschaffen sei. Eine Wahl gebe es nicht mehr, sondern nur der Führer habe zu bestimmen, wen er als seine Mitarbeiter für besonders befähigt und würdig erachte, im Führerrat mitzuhelfen an den großen Zielen zur Erneuerung des Dritten Reiches? Hierauf bestimmte der Vorsitzende für den ausscheidenden Rechner Kamerad Heinrich (Lollar) den Kameraden Rohrbach 8. von der Freiwilligen Feuerwehr Lollar, für Kamerad Schäfer als Beisitzer den Kameraden Lang von der Freiwilligen Feuerwehr Lang-Göns. Anschließend wurde' Kamerad Heinrich (Lollar) durch Ueberreichung eines Geschenkes für seine seit Bestehen des Kreisoerbandes mustergültige Führung der Kasse und seine stete Hilfsbereitschaft und echte Kameradentreue besonders geehrt. In bewegten Worten dankte Kamerad Heinrich für diese Ehrung und gelobte, stets treu zur Feuerwehrfache zu halten und im
dem lächerlichen Besuch bei Gottsched in Leipzig, dem Vertreter einer absterbenden Generation, sie erstrecken sich über die Gesamtheit des „Sturm- und Drang"-Geschlechts, gipfeln in der Schillerschen Freundschaft, deren Dokumente — den Briefwechsel — er 1825 herausgibt, aber von den zahllosen Bekannten und Unbekannten zu berichten, die den Geheimrat in seinem Hause am Weimarer Frauenplan besuchten, verbietet sich bei der Fülle solcher Begegnungen von selbst.
Auch die inneren Entwicklungen Goethes auf dieser langen Strecke können nur von ungefähr angebeutet werden; eine kennen wir schon: die deutsche Wendung in Straßburg. Es folgt in den zehn Weimarer Jahren eine neue Evolution: die beiden Fassungen des „Wilhelm Meister" mögen für sie kennzeichnend sein; ist der „Urmeister" noch eine Gestaltung persönlichen und privaten Erlebens, so geht das Streben Goethes später dahin, vom Persönlichen zum Ueberpersönlichen zu gelangen. Bezeichnend hierfür ist die Stelle eines Briefes: „Ich möchte nun nichts mehr schreiben, was nicht Menschen, die ein großes und bewegtes Leden führen und geführt haben, nicht auch lesen dürften und möchten . Bezeichnend hierfür auch der Begriff der „Freundschaft , der sich in den Jahren wandelt: statt der leidenschaftlichen Hingabe ober Ablehnung ber Jugendjahre bie kühle Reserve, bie kritische Stellungnahme zu ben heranbrängenben Menschen, von benen nach Schillers Tobe nur wenige bleiben; etwa Zelter ober Knebel, ber „Urfreunb"’ ober Heinrich Meyer. Welche Wanblungen sich in Goethe vollzogen haben, mag ahnen, wer bie Anetten-Lieder der Leipziger Jahre mit ben letzten Worten bes zweiten „Faust", bem Chorus mysticus, vergleicht — dort die Rokoko-Tändelei, hier: „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis". Denn inzwischen hat sich Goethe abermals unendlich gewandelt: vorn „Klassizismus" zu der Haltung des Entsagenden — „Wilhelm Meisters Wanderjahre oder die Entsagenden" heißt ber Schluhteil bes Romans, ber mit dem „Urmeister" begonnen hat — wieder begrenzen zwei Pole eine Entwicklung. Und so auch in ber Lyrik Man lese „Es schlug mein Herz" unb vergleiche es mit dem „Vermächtnis" — wiederum sind verschiedene Welten in dem einen verschmolzen
Zweiundachtzig Jahre, von denen jede Stunde unter dem Leitwort gelebt war, das im östlichen Diwan" steht: " '
Und nun sei ein heiliges Vermächtnis Brüderlichem Wollen und Gedächtnis: Schwerer Dienste tägliche Bewahrung, Sonst bedarf es keiner Offenbarung.., I
Das wahre Gesicht der japanischen Geisha.
Wenn das japanische Leben sich auch immer mehr europäisiert und damit auch die japanische Frau zunehmend der unsrigen in Recht und Sitte gleichgestellt wird, so findet sich noch im Land der Chrysanthemen neben diesem modernen Frauen- leben noch ein anderes, in dem sich die Verbunden- heit des Japaners mit den alten Sitten und Ge- brauchen ostenbart. Dazu gehören auch die Geishas, die allerbings eine ganz andere gesellschaftliche Stel- 1IT?9 emnehmen, als wir es nach unseren Opern unb Operetten vermuten. Die Geisha hat einen eben|o ehrbaren wie anstrengenden Beruf, zu dem sie von früher Kindheit an sorgfältig ausgebildet wird. In behördlich überwachten Musikschulen wer- oen die Kinder im Singen und Tanzen unterrichtet, um im Alter von etwa 11 bis 12 Jahren zunächst 25 Anzerinnen und später als Unterhalterinnen Des (Safte des Teehäuses, in dem sie angestellt sind, aufzutreten. Sie kommen meistens nicht aus den untersten Schichten, denn sie müssen über eine weitreichende Bildung verfügen, um sich mit ben (Säften über Dichtung, Kunst ober Politik unterhalten 3U können. Sie bedienen den Gast zwar beim Tee, der nach einem bestimmten Zeremoniell gereicht wird, unb sie tanzen vor ihm. Aber dieser Tanz bat wenig mit unseren europäischen Tänzen gemeinsam unb ist eher eine Pantomime, ber eine bestimmte Idee zugrunde liegt, in ber Bilder und Erscheinungen aus dem Leben des Menschen und der Natur wie Schneeflocken, Frühjahrsregen, Sämann, Fischzug ober eine Dolksfage dargestellt werden. Die Geishas verlassen mit den Gästen niemals das Haus, sondern verabschieden sich, am Eingang bes Teehauses fnieenb, feierlich vor ihnen. Bei ihren Ausgängen werden sie von einem „Ha- foia" begleitet. Nach Gesetz und Herkommen gelten Die Geishas als unantastbar und stehen keineswegs in dem Ruf, den der Europäer ihnen fälschlicherweise zugesprochen hat. Wenn sie sich verheiraten, werden sie wegen ihres früheren Berufes keineswegs niederer eingeschätzt. Doch ist anzunehmen, daß die Geisha bald überflüffia sein wird; denn sie war die Unterhalterin der Männer, solange es nach nicht Sitte war, daß andere Frauen an Gesellschaften und Festen teilnahmen. Wenn die japanische Frau auch hier an der Seite des Mannes steht, werden die Geishas, „die zierlichen Blumen aer japanischen Feste", nur noch eine Erinnerung fein.


