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legen. Tlad) der Parade fährt der Reichspräsident auf der nördlichen Fahrbahn der Straße Unter den Linden in feine Wohnung zurück.

E>G-Grupp mführer Seidel-Dithmarsch gestorben.

Berlin, 21. Febr. (DNB.) SS.-Gruppen- führer S e i d e l - D i t h m a r s ch, bis vor kurzer Zeit Chef des Führungsamtes der Reichsführung der SS. und zuletzt In- fpekteur-Mitte der Ober ft en S A. - Führung, MdR. und preußischer Staatsrat, ist nach kurzem schweren Leiden im 48. Lebensjahre verstorben. In Anbetracht der hohen Verdienste des Verstorbenen um die nationalsozialistische Revolution und das deutsche Volk findet am Frei­tag in der Luther-Kirche zu Berlin-Schöne­berg eine Ehrentrauerfeier statt, an der Vertreter der Regierung sowie Formationen der Polizei, SA. und SS. teilnehmen werden. Im Anschluß daran erfolgt die Beisetzung auf dem St.-Matthäi-Friedhof.

Berlin, 21. Febr. (DNB.) Der preußische Justizminister K e r r l erklärte in einer Unter­redung über die Referendarlager u. a.:

Von den etwa 7000 mir unterstellten Richtern gehörten am 30. Januar ganze 30 aktiv der NSDAP, an, so daß notwendig schon die Auswahl der Behördenchefs auf große Schwierigkeiten stoßen mußte. Umso notwendiger war es, dafür Sorge zu tragen, daß das junge Heranwachsende Geschlecht in das nationalsozialistische Gedanken­gut hineinwächst. Die Form des Gemein­schaftslagers wählte ich deshalb, weil man den einzelnen nur durch die Art, wie er sich im Zusammenleben mit anderen kameradschaftlich be­nimmt, charakterlich erkennen kann. Die­ser Zweck, den ich verfolgte, konnte nickt durch Ein­gliederung der Referendare in ein Arbeitsdienst­lager oder in die SA. erreicht werden. Der Vor­wurf, ich fasse die Referendare gewissermaßen klassenmäßig zusammen, ist lächerlich. Der Ncttio-

Brüssel, 21. Febr. (DNB.) Zur Teilnahme an den Beisetzungsfeierlichkeiten für den belgischen König ist heute vormittag der frühere deutsche Ge­sandte in Brüssel, von Keller, der den Reichs­präsidenten und die Reichsregierung als außer­ordentlicher und bevollmächtigter Botschafter in Brüssel vertritt, in Brüssel eingetroffen. Vom Außenministerium hatte sich der Gesandte Baron Traux de Wardin eingefunden, der den deutschen Vertreter im Namen der belgischen Regierung und des Außenministers Hymans begrüßte. Gesandter von Keller wird morgen an der großen Trauerfeier teilnehmen und am Freitag der feierlichen Eidesleistung des Thronfolgers vor dem Parlament bei­wohnen. Die Reichsregierung wird außerdem durch den deutschen Geschäftsträger vertreten sein.

Reichspräsident und Reicksregie­rung haben Kränze an der Bahre des Königs

Der italienische Unterstaatssekretär Suvich hat in Budapest die Aufgabe durchzuführen, eine Dreier- Begegnung in Rom oorzubereiten, aus der eine engere politische und wirtschaftliche Zusammen­arbeit Italiens, Ungarns und O e st e r - reichs erwachsen soll. Diese Tatsache ist eigentlich das einzige, worüber man sich einig ist; in welchen Formen sich diese Zusammenarbeit vollzieht, ist aber noch reichlich unbestimmt, da zunächst in Wien eine direkte Zollunion sogar von Dollfuß als nicht opportun- hingestellt wurde, weil Oesterreich Absatzmärkte in der Tschechoslowakei und in Deutschland habe. Das gilt natürlich auch für Ungarn, und andererseits ist Italien nicht in der Lage, wesentliche Mengen ungarischer Agrar­produkte auf^unehmen. Wieweit Suvich bei seinem Besuch in Wien dort das Feld geglättet hat, ist nicht zu ermessen, in Budapest dürfte er aber Er­folg haben, denn schon jetzt wird in etwas madja- risch-überschwenglicher Weise der Duce als der ein­zige und wahre Freund Ungarns hingestellt.

Das Gefüge der Politik im Donauraum ist bis­her wesentlich bestimmt worden durch die Kleine Entente, die ihr Schifflein an das Kriegsschiff Frankreichs hing und die unsinnigste Grenzziehung als unverrückbar aufrecht erhalten wollte, dabei aber wirtschaftlich in immer größere Schwierig­keiten geriet, weil die politische Richtung auf Frank­reich der geopolitisch gegebenen Struktur der Wirt­schaftsinteressen, die nach Mitteleuropa zeigt, wider­spricht. Es ist nicht gelungen, durch einen Bal­kan p a k t, der ein Rumpfpakt blieb, Bulga­rien mit den übrigen Balkanstaaten auszusöhnen, und die Kleine Entente hat vornehmlich gegen Ungarn eine Politik getrieben, die dieses i mm e r stärker an d i e Seite Italiens gezwungen hat. Man weiß in der Kleinen Entente genau, daß eine enge Zusammenarbeit Oesterreichs, Ungarns und Italiens in Wirklichkeit eine Dreieckbildung wäre, die zwischen die Kleine Entente, also der Tschechoslowakei und den Balkanstaaten' einen Riegel schöbe und auch wirtschaftlich die einzelnen Staaten der Kleinen Entente in neue Schwierigkeiten brächte, §umal es diesen Staaten trotz vieler Konferenzen niemals gelang, ihre wider­strebenden Wirtschaftsbelange auszugleichen.

Die italienische Aktivität ist als Gegenschlag gegen Frankreich und die Kleine Entente von Bukarest über Belgrad bis nach Prag empfunden worden, und wenn plötzlich sogar Der tschecho­slowakische Außenminister Dr. Benesch die ausge- zeichneten Beziehungen seines Landes zu Deutsch­land lobt und für ein neues System der Zusam­menarbeit eintritt, dann liegt hier schon die erste Wirkung der italienischen Aktion vor, die im Donauraum trennt, nachdem eine wirkliche

SS.-Gruppenführer Siegfried Seidel-Dithmarsch wurde 1887 in Pammin, Kreis Arnswalde (Neu­mark), geboren. Er besuchte das Louisenstädtische Gymnasium in Berlin und trat nach dem Abitur ins Heer ein. 1906 wurde er Leutnant im Infan­terieregiment Nr. 48 in Küstrin. Im Weltkriege stand Seidel-Dithmarsch überwiegend an der Front, ferner wurde er wegen seiner großen strategischen Begabung zeitweise zum Armeeoberkommando kom­mandiert. Er wurde schwer verwundet. Nach Kriegs­schluß war er im Reichswehrministerium tätig. 1921 schied er auf eigenen Wunsch als Major aus dem Heeresdienst aus. Er war bann in gewerb­lichen und industriellen Betrieben tätig und trat ferner durch schriftstellerische Arbeiten hervor. Er fand sehr früh den Weg in die NSDAP., wurde beim Aufbau der SS. in die Führung der SS. berufen und war maßgebend an dem gesamten Aufbau der SS. beteiligt. Seit 1932 gehörte er dem Reichstag an. Ferner wurde er zum Chef des SS. - Stabes ernannt. Er wurde auch in den preußischen Staatsrat berufen. Im Februar 1933 wurde er zum Inspekteur-Mitte der Ober st en SA. - Führung ernannt.

nalsozialismus verlangt, daß der junge Deutsche aller Berufsschichten seinen Weg nurch die HI. und die SA. nimmt. Es ist selbstverständlich, daß dereinst die Justizverwaltung von jedem jungen Richter verlangen wird, daß er diesen Organisationen angehört haben muß. Ich habe aber als Justizminister mir die Gewißheit zu verschaffen, haß meine jungen Staatsanwälte, Richter und Rechtsanwälte zu ihrem Berufe außer dem produktiven Wissen auch die charakter­liche Eignung besitzen, und zu diesem Zweck schaffte ich das Gemeinfchaftslager. Die bisher ge­machten Erfahrungen haben den Beweis erbracht, daß sich meine Idee des Gemeinschaftslagers als richtig und nutzbringend bewährt hat. Es ist selbstverständlich, daß das Lager mit der Ver- reichlichung der Justiz nicht verschwinden wird. Ich werde so schnell wie möglich die Entscheidung darüber herbeiführen, daß die Referendarlager Reichseinrichtung werden.

niederlegen lassen. Der Kranz des Reichspräsidenten ist mit einer weißen Schleife geziert, die die Auf­schrift trägt:D e r deutsche Reichspräsi­den t". Daneben liegt der Kranz der Reichsregie­rung mit einer schwarzweißroten und einer Haken­kreuzschleife und der Umschrift:Die deutsche Reichsregierun g". Heute nachmittag werden Gesandter von Keller und Geschäftsträger Dr. Bräuer vom Außenminister Hymans emp­fangen.

Zur Beisetzungsfeier find ferner in Brüssel be­reits eingetroffen der Präsident der fran­zösischen Republik in der Begleitung der Minister Barthou und Marschall Petain, fer­ner der Prinz von Wales. Die Polizei hat strenge Maßnahmen für die Sicherheit des italieni­schen Kronprinzen getroffen, gegen den vor einigen Jahren von antifascistischen Elementen in Brüssel ein Attentatsversuch unternommen worden war.

Zusammenarbeit aus doktrinären Gründen und dem Antirevisionsprinzip gegenüber offensichtl­ichen Verrücktheiten der Friedensverträge bisher nicht erreicht werden konnte.

Die erste Besprechung in Budapest.

Budapest, 22. Febr. (DRV.) Gestern ist der italienische Unterstaatssekretär Suvich zum Be­such der ungarischen Regierung hier eingelroffen. Schon am ersten Tage des Aufenthaltes wurden die politischen und wirtschaftlichen Hauptfragen mit dem Ministerpräsidenten Gömbös und seinen Mitarbeitern durchgesprochen. Als Grundlinie aller weiteren Entschließungen soll grundsätzlich das abso­lute Festhalten an der geplanten italienisch- österreichisch-ungarischen Zollunion feslgelegl worden sein. Unter Berücksichtigung der gegenwärtig bestehenden technischen, vor allem aber wirtschaftlichen und politischenschwie­rig k e i t e n soll jedoch die endgültige Zu- standebringung der Zollunion einem späteren Zeitpunkt vorbehalten bleiben. Demgegenüber soll eine um so intensivere Vertiefung der gegenseitigen wirtschaftlichen Be­lange erfolgen, die auch vertraglich festgelegt wer­den soll. Vor allem sind die wirtschaftlichen Pro­duktionsgebiete aller drei Staaten genauestens zu untersuchen, um auf den gegenseitigen Be­darf abgestimmt zu werden, so daß sich die drei späterhin in einer Zollunion vereinigten Staa­ten möglichst restlos ergänzen können. Auch die politische Lage, die Lage Oesterreichs und die Haltung der kleinen Entente gegenüber dem in der Schwebe befindlichen Plan der drei Staaten waren Gegenstand der Beratungen. Die endgültige Beschlußfassung hierüber soll möglichst bald in Rom erfolgen.

Sämtliche Budapester Blätter begrüßen den italie­nischen Unterstaatssekretär Suvich mit einer über­schwenglichen Herzlichkeit. Das Regierungs­blatt betont, daß von Italien wie von Ungarn sowohl einzeln als auch zusammen eine ausge­sprochene Friede nspolitik betrieben werde, -ffienn diese Politik auch die Abänderung der gegenwärtigen Verhältnisse anstrebe, sich doch ausschließlich friedlicher Mittel. Auch der Besuch Suvichs stehe im Zeichen der Friedenspolitik. Gerade eine Bereinigung oer Frage des Donaubeckens fei an erster

Stelle geeignet, den europäischen Frieden zu sichern. Die Kleine Entente befolge Ungarn und Oesterreich gegenüber eine wirtschaftliche Absperrungspolitik. Es sei nur natürlich, daß Oe st erreich nach der Niederringung der Sozialdemokratie und im Be­griffe, seine inneren Verhältnisse zu festigen, den Wunsch habe, sich in das ungarisch-italie­nische Verhältnis einzuschalten.

Der nationale ,Magyarsag" erklärt in ziem­lich scharfer Form, die Kleine Entente habe seit 14 Jahren eine engere Zusammenarbeit Ungarns mit Oesterreich 3U verhindern verstanden und damit den Wiederaufbau des Donaubeckens ver­eitelt. Bezüglich des Donaubeckens habe nur ein einziger Mann und ein einziger Staat eine groß­zügige Konzeption, und das fei Mussolini und Italien. Das Blatt will wissen, daß F r ank- reich die italienischen Donaubecken - Pläne zu unter st ützen bereit sei und die Führung Musso­lini überlassen wolle, als Gegendienst von Mussolini jedoch fordere, daß er sich den französischen Stand­punkt in der Abrüstungsfrage zu eigen mache. Das Blatt stellt fest, daß in der Frage des Donaubeckens sehr erhebliche politische und wirt­schaftliche Interessengegensätze bestünden. Ungarn müsse daher um so entschlossener handeln.

Das pariser Echo der italienischen Balkan offensive.

Paris, 22. Febr. (DNB. Funkspruch.) Die Reise Suvichs nach Budapest veranlaßt die Pariser Presse, sich mit der italienischen Politik in Mittel­europa eingehend auseinanderzusetzen. Italien führt den Reigen an, so schreibt derJour"

Wie die Landes stelle Hessen-Nassau des Reichs-Propagandaministeriums mitzuteilen bittet, hat der bekannte neutrale Jour­nalistSpectator" in Genf eine Veröffent­lichung herausgebracht, die unter dem Titel Deutschlands Erwachen von einem Ausländer gefehn!" zunächst in den fünf wichtigsten Weltsprachen erscheint und in der ganzen Welt verbreitet werden soll. Im Inter­esse der Wiederherstellung des deutschen Ansehens im Ausland sowie der deutschen Handelsbeziehungen ist es dringend erforderlich, daß gerade diese Schrift, die schon deshalb von besonderer poli­tischer Bedeutung ist, weil sie v o n e i n e m N i ch t- Deutschen für die sachliche Aufklärung des Aus­landes im Interesse einer besseren Verständigung der Völker untereinander bestimmt ist, m ö g l i ch st in vielen Hunderttausenden von E x e m- plaren an alle führenden Persönlich­keiten des Auslandes Diplomaten, Wirt­schaftler, Journalisten und Publizisten versandt wird. Es ist Aufgabe und nationale Pflicht eines jeden Deutschen, der hierzu in der Lage ist, durch weitere Verbreitung dieses überaus wichtigen Do­kuments, das noch durch zahlreiche Originalphota­graphien belegt wird, mit dazu beizutragen, daß die maßlose, absolut ungerechtfertigte und einseitig be­triebene Greuel- und Boykotthetze im Ausland durch eine Gegenpropaganda bekämpft wird, die den Stempel der Neutrali­tät und Objektivität trägt und durch die Nationalität des Verfassers und durch ihren Erscheinungsort im Ausland eine besondere Gewähr für den Erfolg einer solchen Aufklärungsarbeit biete. Die Un­terzeichneten fordern daher auf, diese für Deutsch­land wichtige Veröffentlichung des Auslandes in möglichst großer Zahl zu erwerben und selbst zu verteilen ober aber für die kostenlose Verteilung im Ausland zur Verfügung zu stellen, damit sie durch anerkannte Organisationen des Auslands­deutschtums u. a. in geeignet erscheinender Weise weiterverbreitet wird.

Der Aufruf ist u. a. unterzeichnet vom Zentral­komitee zur Abwehr der jüdischen Greuel- und

und führt ihn vielleicht sogar mit mehr Energie als seinen eigenen Interessen zuträglich ist. Wäh­rend es auf der einen Seite die Revifionsansprüche Ungarns unterstützt, fordert es in der österreichi­schen Frage die Achtung vor den Verträgen. Bei­des ist nur schwer miteinander zu vereinbaren. Es dennoch zu versuchen, ist ein geradezu akrobatisches Kunststück.

Anderer Auffassung istR e p u b l i q u e": Man könne einem italienisch-österreichisch-ungarischen Block 3 u ft i m m e n, nachdem die Kleine Entente zumindest in politischer Hinsicht ihre Festigkeit be­wiesen habe. Freilich dürfe die Politik dieses Blockes nicht gegen d i e Kleine Entente gerick» t e t fein. Eine Zusammenkunft zwischen Benesch und Mussolini und eine andere zwischen König Alexander und Mussolini würden die Fragen sicher­lich zur allgemeinen Zufriedenheit klären.

Populaire" betont, Mussolini nehme nunmehr den zweiten Abschnitt seiner Offen- fine in Angriff, nachdem er sich des einzigen Hin­dernisses entledigt habe, das in der österreichi­schen Sozialdemokratie bestanden habe. Nachdem er in ihm einen ersten Erfolg erzielt habe, könne er auch mit dem Beistand Ungarns rechnen, um mit Erfolg den österreichisch-ungari­schen Block gegen die Kleine Entente auszuspielen. Die Erklärung der drei Mächte über die österreichische Unabhängigkeit lasse Mussolini freie Hand in D e ft e r r e i d). Er laufe jetzt keine Gefahr mehr, sich den nationalsozialistischen Bestrebungen allein gegenüberzusehen und könne deshalb seine ganze Kraft der Verwirklichung dieser zweiten Etappe widmen.

Boykotthetze (Reichsleitung der NSDAP.), Hans Biallas, Leiter des Presseamtes der Deutschen Ar­beitsfront und der NSBO., Deutscher Industrie» und Handelstag, Volksbund für das Deutschtum im Ausland, Reichsverband der Bankleitungen, Hansa- Bund, Bund der Ausländsdeutschen, Centralverband des deutschen Bank- und Bankiergewerbes e. V., Reichsverband des deutschen Groß- und Ueberfee- handels e. V., Reichsverband der Privatverficherung, Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.

Auslieferung: Ad. E. Kuhr, Organisation für sach­liche Aufklärung im In- und Ausland, Berlin- Halensee, Eisenbahnstraße 3. Preis 2,50 Mark je Exemplar deutsch oder fremdsprachig (französisch, englisch, spanisch oder italienisch).

Ein Emigrant in Holland wegen Beleidigung des Reichspräsidenten zu Gefängnis verurteilt.

Amsterdam, 21. Febr. (DNB.) Der marxisti­sche Schriftsteller Heinz L i e p m a n n, der kürzlich wegen Beleidigung des deutschen Reichspräsidenten hier verhaftet wurde, ist vom Polizeirichter z u einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Der Staatsanwalt betonte, daß die Auf­rechterhaltung guter Beziehungen zum Auslande die Notwendigkeit mit sich bringe, die Beschimpfung eines fremden Staatsoberhauptes nicht leichter zu bestrafen, als die Beleidigung der eigenen Königin. Liepmann fjabe sich als äußerst unzuverlässig er­wiesen. So habe er sich über seine Behandlung in der Polizeihaft wiederholt beklagt. Bei der Unter­suchung dieser Klagen habe man sich aber davon überzeugen können, daß sie keinerlei Berechtigung hätten. Dies sei der Mann, der als Paradepferd vor die rote Parteikutsche gespannt wurde. Es sei unbe­greiflich, wo er den Mut hergenommen habe, um den Namen eines Mannes wie des Reichspräsiden­ten von Hindenburg, der fein ganzes Leben für das Wohl und Wehe des deutschen Volkes hingegeben habe, zu besudeln. Der Polizeirichter schloß sich im wesentlichen der Ansicht des Staatsanwaltes an. Liepmann mußte seine Strafe sofort antreten.

Das Berliner Abrüstungsgespräch wird fortgesetzt.

Frankreichs mangelnder Abrüstungswille entzieht dem englischen plan den Boden

Berlin, 21. Febr. (DRV.) Die Vespre- chungen des Reichskanzlers mit dem Lordsiegelbewahrer Eden über die Abrüstungs- frage wurden heute nachmittag in Gegenwart des britischen Botschafters und des Reichsaußenminl- sters fortgesetzt. Die Unterhaltungen werden voraussichtlich Donnerstag zum Ab­schluß gelangen.

Unter der ÜberschriftNotwendiger Realismus" beschäftigt sich die Deutsche diplomatische Korrespondenz mit den Bemühungen um eine Verständigungs- und Verhandlungsgrundlage in der Abrüstungsfrage. Zu dem englischen Memo­randum vom 29. Januar schreibt die Korrespon­denz u. a.: Deutschland sieht in dem Plan an sich eine brauchbare Diskussionsgrund­lage. Es ist sogar mit den meisten seiner Einzel­bestimmungen einverstanden. Diese Zustimmung ist naturgemäß dadurch bedingt, daß die Voraus­setzungen des englischen Planes, so wie er sie selbst unmißverständlich bezeichnet, praktisch vorhanden sind. Der englische Plan will die Abrüstung, er lehnt ausdrücklich eine Lösung ab, die zwar die Begrenzung der Rüstungen vorsieht', aber nichts für ihre Einschränkung tun würde. An­gesichts der in den letzten Tagen wieder bestätig­ten Haltung Frankreichs wäre es leider eine nicht länger zu rechtfertigende Illusion, im gegen­wärtigen Augenblick irgendeine Art von Abrüstung, die diesen Namen verdient, zu erwarten. Deutsch­land hat, ebenso wie England, lange geglaubt, die unerfreuliche Tatsache nicht hinnehmen zu müssen, daß bis auf weiteres kein Abbau der kriegerischen Rüstungen in Europa zu erreichen ist. Sie kann aber jetzt, nach so vielen gescheiterten Versuchen, die Mitarbeit Frankreichs für ein internationales Abkommen zu gewinnen, nicht mehr ignoriert werden, wenn neue Verständigungsversuche nicht den gleichen Mißerfolg haben sollen.

Dem englischen Plan stellt dann die Korrespon­denz den italienischen Vorschlag vom

31. Januar gegenüber, der von Anfang an den Grundsatz vertrat, daß die hochgerüsteten Mächte entweder nicht den Willen oder die Möglichkeit haben, zu erheblichen gemein­samen Abrüstungsmaßnahmen zu gelangen und be­zeichnet ihn als die einzige realpolitische Lösung, die ihn in den Vordergrund des Inter- esseZ treten läßt. Um die Hoffnung auf weitere Fort­schritte so wenig wie möglich zu beeinträchtigen, wäre es angezeigt, die Vertragsdauer nicht, wie es das englische Memorandum vorsieht, auf Zehn Jahre festzusetzen, sondern die schon reichlich bemessene sechsjährige F r i st des Mussolini- Planes als Maximum zu betrachten. Innerhalb die­ser Frist müßte eine neue Behandlung der Ab­rüstungsfrage vorgenommen werden.

Wer ist Eden?

In den internationalen Debatten über die Fra­gen der Abrüstung hat sich eine neue diplomatische Methode durchgesetzt. Man hat die Frucht- und Er- folglosigkeit der großen Konferenzen eingesehen und verhandelt nun statt dessen von Land zu Land. So ist auch die gegenwärtig stattfindende Rund­reise des englischen L o r b f i e g e I b e wahrers Mr. Anthony Eden zu verstehen. Nachdem Eden Ende der Woche in Paris verhan­delt hat, ist er Dienstag in Berlin eingetroffen, um in den nächsten Tagen nach Rom 'weiterzu­fahren. Eden geht der Ruf eines überaus geschickten und routinierten Diplomaten voraus. Seine zu Be­ginn dieses Jahres erfolgte Ernennung vom Un* terftaatsfefretär zum Geheimen Lordfiegelbewahrer und Mitglied des Kabinetts war eine Überraschung, denn es ist ein für Großbritannien überaus seltenes Ereignis, daß ein Sechsunddreißigjähriger zum Mi­nister ernannt wird. Das durchschnittliche Alter der britischen Kabinettsmitglieder hat bisher immer 55 Jahre betragen und selbst der Benjamin unter ihnen hatte selten weniger als 40 bis 45 Lenze hinter sich. Die Ernennung Edens ist darum als Auszeichnung für eine besondere politische Bega­bung zu verstehen.

Eden wurde am Christ Church College in Oxford

Die Gemeinschastslager der Referendare künftig Reichseinrichlvng.

Die ersten Trauergäste in Vrüffel eingelroffen.

Gesandter von Keller legt für den Reichspräsidenten und die Reichsregierung Kränze an der Bahre König Alberts nieder.

AaliensZollvereinspläne im Donauraum.

Suvichs Besuch in Budapest.

Deutschlands Erwachen von einem Ausländer gesehen.

Gegen die Greuel- und Boykotthetze im Auslande.