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Vom Texiilarbeitersireik in LIGA.

Streikende, die in eine mit Streikbrechern besetzte Textilfabrik eindringen wollen, werden durch die Nationalgarde zurückgedrängt ein Bild, das die außerordentliche Spannung im amerika­nischen Textilarbeiterstreik wiedergibt.

Das Geheimnis der Lindbergh-EnWrer gelöst?

Verhaftung eines verdächtigen Ausländers.-Srößtes Aufsehen in ganz Amerika.

Keuporf, 20. Sept (9JIB.) Einer Meldung desJersey Journal" zufolge ist am Donnerstag in Reuyork ein seit 1923 in den Vereinigten Staa­ten lebender, nicht naturalisierter Ausländer ver­haftet worden, der mit der seinerzeitigen Ent­führung des Lindbergh- Kindes in Verbindung stehen soll. Die Polizei habe bereits In der Garage des Verhafteten im Veuyorker Stadt­teil Vronr die Summe von etwa 3 5 0 0 0 Dollar entdeckt, einen Pah soll der Verhaftete nicht be­sitzen. Das Statt meldet weiter, daß der Mann in der Rähe des Kirchhofs wohnt, über dessen Mauer hinweg seinerzeit den angeblichen Entführern die 50 000 Dollar ausgehändigt wurden. Die Verhaf­tung sei erfolgt, nachdem in den letzten Wochen in verschiedenen Stadtteilen von Reuyork 10-Dollar- Scheine aufgetaucht seien, die die Hummern der von Lindbergh bei Zahlung des Lösegeldes aus­gegebenen Scheine getragen hätten. Vach um­fangreichen Ermittlungen, an denen nicht weniger als 40 Detektive beteiligt ge­wesen seien, sei zugegriffen worden, nachdem ein solcher Schein für die Bezahlung einer Tankrech­nung benutzt worden sei. Der Besitzer dieser Tank­stelle halte auf Grund der Hummer Verdacht ge­schöpft und die Polizei benachrichtigt.

Die Mitteilung von der Verhaftung eines angeb­lich mit der Entführung des Lindbergh-Kindes im Zusammenhang stehenden Mannes hat im ganzen Lande größtes Aufsehen erregt. Der Polizei- chef O r i y a n erklärte, daß in der Garage des Verhafteten nur 13 750 Dollar gefunden worden seinen, die zweifellos von den seinerzeit von Lind- bergh bezahlten 5 0 000 Dollar Lösegeld stammen. Die Vernehmung sei noch nicht beendet. Bisher weise ber Verhaftete, ein 35jähriger Ar­beitsloser, der Frau und Kind habe, jeden Zusam­menhang mit der Lindbergh-Angelegenheit entschie­

den zurück. Demgegenüber könne jedoch, wie der Polizeichef weiter mitteilte, bereits jetzt gesagt wer­den, daß der Verhaftete als derjenige Mann er­kannt worden sei, der seinerzeit das Lösegeld für das Lindbergh-Kind an der Kirchhofsmauer in Empfang genommen habe. Die Polizeistation, wo sich der Verhaftete zur Zeit noch befindet, wird von einer großen Menschenmenge umlagert.

Jahrelange Kleinarbeit der Polizei führte zur Verhaftung.

Die Berichte über die Verhaftung in der Lind- bergh-Angelegenheit füllen die ersten Seiten sämt­licher Morgenblätter, die spaltenlang nochmals die Ergebnisse der bisherigen Ermittlungen über die Entführung des Kindes wiederholen. Die Verhaf­tung ist das Ergebnis einer jahrelangen pein­lichst genauen Arbeit der Polizei. Diese hat seit meyr als zwei Jahren auf einem großen Stadtplan von Neuyork die Stellen, wo die zur Bezahlung des Lösegeldes ausgegebenen Noten auftauchten, genau eingezeichnet. Dabei wurde festgestellt, datz die Noten wiederholt an denselben Straßenkreuzungen auftauchten. Hierdurch konnte die Polizei die Nummer des Kraft- wagens ermitteln, der dem Verhafteten gehörte, lieber eine Woche beobachteten dann die Detektive den Festgenommenen, der auch unter ihren Augen die Noten aus dem Lösegeld in den Verkehr brachte. Erst hierauf griff die Polizei zu und nahm den Verdächtigen fest, der mitternachts nach dem Untersuchungsgefängnis im Stadtteil Bronx gebracht wurde, wo Anklage gegen ihn erhoben werden soll. Die Polizei hält an der Ansicht fest, daß seine Ver­haftung zur Aufklärung des ganzen Ver­brechens führen werde. Die 13750 Dollar, die in der Garage gefunden wurden, waren unter dem Fußboden und in den Wänden v e r st e ck t worden. Der Verhaftete ist von zwei Personen als der Mann wiedererkannt worden, der mit der lieber« mittlung des Lösegeldes seinerzeit zu tun hatte.

Die Neuordnung der evangelischen Kirche

Oer Nechtswalter Ministerialdirektor Jäger vor der presse.

noch unsere evangelische Kirche katho­lisch werden lassen, wir wollen nicht die freie theologische Wissenschaft gängeln und chre Wahr­heitsforschung einengen. Unsere christliche Verant­wortung führt uns zur Bejahung des Natwnal- ozialismus und unsere nationalsozialistische Ver­antwortung hält uns im Christentum. Mit Luther und Hitler für Glaube und Volkstum!

Eine Erklärung des Reichsbifchofs.

Berlin, 20. Sept. (DNB.) Der Reichsbischof Müller veröffentlicht folgende Erklärung:

In einigen Zeitungen wird behauptet, ich hatte bei meinen Ausführungen in Hannover Kampf dem Katholizismus angesagt. Eine der- artige Ausführung steht im Gegensatz sowohl zu dem Wortlaut meiner Ausführungen als auch zu meinem eigenen Wollen. Ich habe lediglich erklärt, Luther habe die Absicht gehabt, eine romfreie Kirche zu schaffen. Wir wollen in Deutschland nicht etwa einen Kampf gegen die katholische Kirche Im Gegenteil stehe ich auf dem Standpunkt, daß die beiden großen christlichen Kirchen nicht ge­geneinander zu arbeiten, sondern zur Erzie­hung des deutschen Menschen alle religiösen und ethi­schen Werte unserer Konfessionen ganz und gar einzusetzen haben.

Oer Führer bei der Beisetzung Edwin Bechsteins.

DNB. Berlin, 20. Sept. Auf dem Sophien- friedhof im Norden Berlins wurde am Donnerstag­nachmittag der Seniorchef der weltbekannten Pianofortefabrik C. Bechftein A G-, Edwin Bechftein, unter großer Anteilnahme zu Grabe getragen. Der Verstorbene gehörte xu den ersten Kämpfern für ein neues besseres Deutschland. Für ihn war der Nationalsozialismus eine Herzens­sache, die er stets in die Tat umzusetzen wußte. Dies wußte ihm heute der Führer und Reichs­kanzler Adolf Hitler $u danken, der dem stillen, opferbereiten Kämpfer für die nationalsozia­listische Bewegung die letzte Ehre erwies. Nach den Gedächtnisworten des Pfarrers in der Friedhofskapelle wurde der Sarg durch ein Spalier

des Feldjägerkorps zu Grabe getragen. Der Führer ging an der Spitze mit der Tochter und dem Sohn des Verstorbenen. Es folgten Reichsinnenminister Dr. Frick und viele Vertreter der Partei, der Kunst und Wissenschaft sowie Mitglieder der Beleg, schäft der C. Bechftein AG. Der Führer l,eß einen großen Kranz aus weihen Chrysanthemen und Lilien niederlegen mit der Inschrift:In treuer Freundschaft Adolf Hitler". Unter den zahlreichen wundervollen Gebinden, die das Grab bedeckten, sah man auch eine Kranzspende des Reichsminlsters Dr. Goebbels. Nach dem Verlassen des Fried­hofes stattete der Führer der Gattin des Verftorbe- nen einen Beileidsbesuch ab.

Reichsminister Darrs spricht am Montag im Rundfunk.

DNB. Berlin, 20. Sept. Reichsminister DarrS hält am Montag, 24. September, in der Zeit von 19 bis 19.25 Uhr über alle deutschen Sender einen Vortrag über das ThemaEin Jahr n a t i o n a l- sozialistische Agrarpolitik".

Oer Führer empfängt eine Abordnung der Saarfrauen.

Berlin, 20. Sept. (DNB.) Zahlreiche Frauen von der Saar, die zur Zeit in Berlin weilen, be­gaben sich am Donnerstag zur Reichskanzlei, wo eine Abordnung vom Führer empfangen wurde. Die Saarfrauen überbrachten dem Füh­rer die Grüße ihres Heimatlandes und das Gelöbnis unwandelbarer Treue aller deutschen Volksgenossen von der Saar zum Reich. Sie überreichten ihm dabei symbolhafte Angebinde ihrer Heimat. Der Führer dankte ihnen in herzlichen Worten und trug ihnen Grüße an das Saarvolk auf. Vom Fenster aus begrüßte der Führer dann die Saarfrauen, die in einem schnell formierten Zug an der Reichs- kanzlei vorbeizogen. Während des Empfanges spielte auf dem Wilhelmplatz ein SA.-Musikzua das Saarlied und den Badenweiler Marsch, und im Anschluß daran sangen die Saarfrauen und die Volksmenge, die sich rasch angesammelt hatte, dar Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied.

Die Kameradschastserziehung der Deutschen Studentenschaft

Eine Verfügung des Reichsschastsführers.

Berlin, 20. Sept. (DNB.) Auf Grund gegebe­ner Vollmachten hat der Reichsfachschaftsführer der Studierenden an den deutschen Hoch- und Fach­schulen mit Wirkung vom 20. September 1934 über d i e K a m e r a d s ch a f t s e r z i e h u n g der deutschen Studentenschaft eine Ver­fügung erlassen, in der es heißt:

Für das Wintersemester 1934/35 werden nach den vorliegenden Erhebungen der Deutschen Studenten­schaft nur etwa 4000 Abiturienten aus dem Arbeitsdienst auf die Hochschule kommen. Um eine einheitliche Erziehung des akade­mischen Nachwuchses im nationalsozialistischen Sinne zu gewährleisten, ist eine geregelte Vertei­lung auf d i e zur Verfügung stehenden hündischen Gliederungen innerhalb der Deutschen Studentenschaft notwendig. Ich verfüge daher betreffend Kameradschaftserziehung der Stu­dentenschaft folgendes:

1. Jeder Abiturient, welcher zum Wintersemester UL934/35 zu studieren beabsichtigt, ebenso jeder Stu­dent, welcher zum Wintersemester 1934/35 sein zwei­tes Studiersemefter beginnt, hat sich bis zum 1. Oktober 1934 bet der Studenten­schaft derjenigen Hochschule zu melden, auf der er studieren will.

2. Jeder Student, welcher zum Wintersemester 1934/35 das erste bzw. zweite Semester beginnt, ist verpflichtet, während der nächsten bei­den Semester in einem von der Deutschen Stu­dentenschaft anerkannten Kameradschafts­haus zu wohnen.

3. Laut Anordnung des Reichsführers der Deut­schen Studentenschaft ist es den Einzelstu - dentenschaften untersagt, sogenannte staatliche Kameradschaftshäuser der Studentenschaft neu zu errichten und

aufzubauen. Kameradschaftshäuser sind nach Maßgabe des vorhandenen akademischen Nach­wuchses vom Führer der örtlichen Studentenschaft aus den vorhandenen, eingerichteten W o h n k a m e r a d s ch a f t e n der Korpora­tionen und aus den bestehenden Kame­ra d s ch a f t s h ä us e r n der Studentenschaften aufzubauen. Sämtliche öffentlichen Kameradschafts- Häuser unterstehen einem örtlichen Führer.

4. Für eine einheitliche Ausrüstung in diesen Kameradschaftshäusern ist die Deutsche Studenten­schaft verantwortlich. Sie hat das Recht, die Füh­rer der Kameradschaftshäuser ein- und abzusetzen. Die Deutsche Studentenschaft bestimmt eine ein- heitliche Tracht für die Belegschaft-n sämtlicher Kameradschaftshäuser. Die Kameradschaftshäuser dürfen nicht nach kon­fessionellen G e s i ch t s p u n k e n belebt und geleitet werden.

5. Laut Verfügung des Reichsführers der Deut­schen Studentenschaft vom 20. Januar 1934 unter­stehen die örtlichen bzw. zentralen Untergliederun­gen der Deutschen Studentenschaft wie Ver­bände, Korporationen, studentische Vereine ufro. dem Reichsführer der Deutschen Studen­tenschaft bzw. in seinem Auftrage den Führern der örtlichen Studentenschaften.

6. Ausführungsbestimmungen erfolgen demnächst.

Gez.: Feickert.

*

Hierzu können wir folgendes mitteilen:

Der Reichsführer der Deutschen Studentenschaft hat die Leiter der studentischen Verbände zur Be­sprechung studentischer Fragen auf Dienstag, den 25. September 1934, nach Berlin beru* f e n.

Berlin, 20. Sept. (DNB.) Heber die Bedeu­tung der Reichstagung derDeutschen Christen" am 21. und 22. September sprach vor der Presse der Rechtswalter der Deutschen Evangelischen Kirche Ministerialdirektor Jäger. Er verwies darauf, daß die Amtseinführung des Reichs- b i s ch o f s am kommenden Sonntag weit über das Persönliche hinaus von symbolischer Bedeutung sei; denn es dokumentiere sich hier der Schluß­strich, der unter die Gesamtentwicklung in der Deutschen Evangelischen Kirche gezogen werde. Die Entwicklung .habe allerdings damit noch nicht ihr E n d e e r r e i ch t. Es werde jetzt der in­nere Aufbgu einsetzen. Dr. Jäger erklärte wei­ter, daß weder die äußere, noch die innerliche Kirche Gegenstand eines Kirchenstreites sein könne. Bei dem Kirchenstreit handele es sich um die irdische Organisation. Der Staat habe nicht die Ab­sicht, in G l a u b e n s a n g e l e g e n h e i t e n einzugreifen, nur müßten d i e irdischen Formen und die sonstigen irdischen Ver­hältnisse gleichgerichtet sein. Das Wort Gottes werde in seiner ganzen Ausdehnung nicht gehemmt. Es herrsche vollkommene Frei­heit des Glaubens und der Verkündi­gung. Wenn aber die Freiheit mißbraucht werde, um Disziplinlosigkeiten zu begehen, könne dies im Interesse der notwendigen Ordnung nicht geduldet werden. Die Kirchenpolitik sei nicht eine Sache der Pfarrer und Bischöfe, allein verantwortlich sei die höchste Führung der Kirche. Kirchenpolitik habe nichts mit dem Wort Gottes und der Verkündigung zu tun, die Kirche müsse aber von dem absoluten Willen getragen sein, dem Worte Gottes und seiner Verkündigung bis ins letzte gerecht zu werden.

Mit Bezug auf das Gesetz über den Diensteid der Geistlichen und Beam­ten erklärte der Vortragende, daß die Aufgaben, die an den Geistlichen gestellt werden, nur im Rahmen einer Ordnung erfüllt werden können, wie das auf der Erde unumgänglich not­wendig sei. Durch das inzwischen erlassene Reichs­gesetz überdie Vereidigung der öffent­lichen Beamten sei das Gesetz über den Dienst­eid der Beamten aufgehoben. Infolgedessen sei angeordnet wdrden,dah bis zum 21. September die Beamten der Kirche, wozu auch die Gemeinde­beamten und Geistlichen rechnen, die in einem Haupt- ober Nebenamt Beamte sind, vereidigt wer­den. Da die eigene Gesetzgebung der Kirche dadurch zu einem wesentlichen Teil aufgehoben fei, so fei

man zu der Auffassung gekommen, daß auch die Geistlichen den Beamteneid leisten müßten, allerdings in Verbindung mit einem Pfarrerpflichtgesetz, das die Pflicht des Pfarrers in feinem Amt klarstelle. Das Gesetz zur Sicherung des reformierten Bekenntnis st andes ist, wie Dr. Jäger wei­ter mitteilte, heute in Vollzug gesetzt worden, ebenso ist die Eingliederunader evangelischen Landeskirchen von Bayern und Würt­temberg erfolgt.

Die Arbeiten des Verfasfungsaus- f ch u s f e s werden voraussichtlich im Oktober einen gesetzlichen Niederschlag finden. Dadurch wird einmal das endgültige Verhältnis der Landes­kirchen ober Gebietskirchen zur Reichskirche georb- nct, zum anbern ber Aufbau ber Gemeinde als ber wichtigsten Grunblage ber Kirche in ihrem Verhältnis zur Gebietskirche unb zur Reichskirche.

Anschließenb erklärte Dr. Jäger, baß bie finan­ziellen Fragen in Zukunft nur noch ein­heitlich vom Reich zur Reichskirche ge­regelt würben. Die Ausbilbung ber Pfar­rer müsse anbers als bisher vorbereitet werben. Man werde eine gewisse Auslese für Stadt ober Lanb ober für höhere Ausbil­bung schon in früher Zeit treffen unb eine Hauptausbilbungsstätte für bie Gr­iefe n e n schaffen, wofür basAugustiner Kloster" in Erfurt ausersehen sei. Weiter seien zu bearbeiten bie Frage bes Reliaions - Unterrichtes unb ein umfaffenbes Diszipli - narredjt. Er hoffe, baß bie Irrungen unb Wir­rungen, bie so viele Kräfte in sinnloser Weise ver- schlungen hätten, halb ihr Ende finden möchten, und daß eine Zeit komme, in der Aufbauar­beit im Ginne des Führers geleistet werde.

Der Reichsleiler der Deutschen Lhristen Vizepräsident Dr. Kinder

verbreitete sich ausführlich über das Programm ber Reichstagung und betonte nachdrücklich, daß die BewegungDeutsche Christen" mit der Deutschen Glaubensbewegung in reli­giöser Beziehung nichtdas gering st e z u tun habe. Oberkirchenrat Langmann, Reichsschu- lungsobmann der Deutschen Christen, sprach über die theologisch-wissenschaftliche unb theologisch-prak­tische Arbeitstagung auf der kommenden Reichs­tagung. Wir wollen nicht ein neues Heiden­tum in die christliche Kirche eindringen lassen,

und

Ein gelungener Versuch

Von unserer Äerliner Redaktion

Besuch im Landjahrheim

Das große Erlebnis für 22000 Großstadtkinder.

tragen auf ihren Aermeln einen breeiecfigen Auf­schlag mit der Inschrift La n d j a h r h e i m ": Landjahrkinder sind es also, die im Frühjahr bie Fibel unb bas Schreibheft aus ber Hand legten, um sich irgenbeinem Beruf zuzuwenben. Ein freunb- liches Schicksal wollte es, baß sie als bie ersten 22 000 Landjahrkinder aus der stickigen Enge ihrer großstädtischen Heimat herauskamen. So viel Geld konnte Preußen nicht flüssig machen, um alle Ent­lassenen draußen unterzubringen, zudem sollte es nur ein Versuch sein, der aber dank ber Tüchtigkeit ber Leiter unb Leiterinnen unb nicht zuletzt auch bank ber Hellen Begeisterung, bie bas Leben auf dem Lande bei den Kindern selbst auslöste, als überaus gelungen angesehen werden muß, so daß nun die Ausdehnung auf das ganze Reich erfolgen kann.

Landjahr bisher ein kaum gekanntes Wort, jetzt aber ein fester Begriff mit kostbarem Inhalt. Man muh einmal draußen gewesen sein in so einem Heim. Rund 400 Heime hat Preußen bereits geschaffen. Zu einem Drittel sind sie mit Mädchen, zu zwei Dritteln mit Jungens belegt. Etwas ge- mischte Gefühle mögen die Kinder beherrscht haben, als sie im Frühling den Weg in die Fremde an­traten. Aber Takt und Geschicklichkeit der Heim­leiter und -Leiterinnen brachten die Kinder über die Stunden des Heimwehs hinweg. Es dauerte nur Tage, dann war schon die Atmosphäre der Kameradschaft vorhanden, ein Zusammengehörig­keitsgefühl beherrschte alle. So konnte denn lang­sam Schritt für Schritt aufgebaut werden auf der

gemeinsamen Grundfeste, diese Kinder, die das Land vielfach nur vom Hörensagen ober aus dem Lese­buch kannten, in frische und fröhliche Menschen um- zuwandeln, sie im Geiste Adolf Hitlers zu erziehen, aus ihnen nützliche Glieder unserer Volksgemein­schaft zu machen, die sich zu beherrschen und einst­mals auch in jeder Lebenslage zu helfen wissen.

Was ist schon alles von ihnen in den wenigen Monaten abgefallen. Sie lernten den Gleichklang der Ordnung kennen und schätzen, sie sahen die Ar­beit unb bas Arbeiten mit freubigen Augen an. Es brauchte nur erst ber Heimleiter ober die Leiterin den Jungens unb Mäbels ein paar Tage hindurch Pflichterfüllung bis $um äußersten vor- gelebt zu haben, dann merkten sie schon, wie schön es ist, sich sein Haus blitzblank zu halten, mit dem Eimer und dem Besen herumzuhantieren, das Bett glatt zu streichen und bei ber Arbeit im Garten mit bem Nachbarn zu wetteifern. Die zarten zen aus ben Großstäbten ricyteten sich förmlich out, Farbe zog in bie blassen Gesichter ein, Blut wjB wieder durch bie Abern. Die gute Kost war es iw zuletzt, bie bie jungen Menschenkinder aufpulvene- Zwei Mark pro Kinb unb Tag sind bereitgesteui, fein Pfennig wird hier eingespart. Aber man muv auch einmal gesehen haben, was so ein Mädel ove Bursche in diesen Jahren der Entwicklung vertilgen kann. Da schmeckt es, da wird in das Brot hwein- gehauen und mittags wie abends immer noch ein­mal nachverlangt. Reichlich und gut ist bas Wie sagte boch ein Mädchen eines dieser petm ' in dem wir zu Gast waren: Sonntags gibt immer Braten unb wochentags ist bas Essen aua, nie schlecht! Das genügt wohl.

Ein Wort noch über das Landjahr selbst. vierzehnjährigen Jungen unterliegen genau wie v Mädchen einer straffen, aber keineswegs u schraubten ober brürfenben Disziplin. Das ßwen I auf bie Minute genau geregelt: morgens -tur unb Waschen, bann Frühstück, barauf $ ber Arbeit nach vorher bestimmtem Plan- LNS schen Vorbereitung ber Mahlzeit: im Madchenh durch bie kleinen Küchenfeen selbst, im Knadenh durch eine Köchin. Nachmittags Schlaf, von o

Mäbels in ihren fleibfamen weißen Blusen blauen Röcken, Jungens in braunen kurzen Hosen mit bem Tornister auf bem Rücken ziehen bie ßanb» straße entlang, weithin schallen ihre munteren Lie­ber, blank leuchten die Augen aus ben braun­gebrannten Gesichtern, Hitlerjugenb ist es, unb boch hat es mit biesen frischen, eben ber Schulbank ent­ronnenen Kinbern eine befonbere Bewandtnis. Sie