machungsprögramm für den Feldzug gegen die Ar- beitslosigkeit und für die Schaffung neuer Arbeitsstellen einzugliedern, haben den Gedanken an die Schiffbarmachung der mittleren Lahn wieder wachwerden lassen.
Jlun ist es Aufgabe der Akademikerhilfe, durch das Ergebnis ihrer Arbeiten zu beweisen, daß im Lahntal noch große Möglichkeiten verborgen liegen — oder aber, daß sie bereits alte aus- geschöpft sind.
Das Ergebnis soll sich vor allem durch seine große Sachlichkeit auszeichnen und von keiner irgendwie interessierten Stelle aus beeinflußt sein. Dabei spielt die Frage der Schaffung eines Wasserwegs von Oberhessen unter Ausnutzung der Lahn zu der Hauptverkehrsstraße des Westens, dem Rhein, eine wesentliche Rolle. Die Untersuchungen werden sich auf alle Wirtschaftszweige, auch die Landwirtschaft, ausdehnen, sie werden gleichzeitig auch die Rolle des Arbeitsdienstes beim Bau von Verkehrswegen im Lahntal au untersuchen haben. (Für technische Fragen wird Die „Jngenieurhilfe", die der Akademikerhilfe parallel läuft, eingesetzt werden.) Damit bekommt die LUademikerhilfe — wenigstens in diesem besonderen Falle — eine bedeutende Aufgabe zu- gewiesen.
Sie übernimmt eigentlich die strategischen Vorarbeiten für den Einsatz größerer Formationen der FAD. und bildet damit den „Generalstab" für die späteren Arbeiten.
Daß der „taktische" Einsatz zur Sache der Gauführer- und anderer Aemter des Arbeitsdienstes oleibt, ist selbstverständlich. Es läge aber durchaus im Bereich des Möglichen, daß bei allen größeren Projekten die Akademikerhilfe zuerst die notwendigen Untersuchungen über ihre Wirtschaftlichkeit durchführte und da- mit zu einem untrennbaren Bestandteil des Arbeitsdienstes würde. Vorläufig hat sie ihre Berechtigung zu erweisen und um Anerkennung ihrer Leistungen zu kämpfen.
Mit dem Aufbau der Arbeitsgruppe der Hof- arbeit 157 „Wirtschaftsforschung Lahntat" ist bereits begonnen worden. Die praktischen wissenschaftlichen Forschungsarbeiten werden in enger Anlehnung an das Institut für Wirtschaftswissenschaft der Landesuniversität Gießen ausgeführt. Ihre Leitung hat Professor Vechtel von der Rotgemeinschaft der deutschen Wissenschaft übertragen bekommen.
Die Gruppe wird geschlossen Unterkunft im Kame- radschaftshaus der Gießener Studentenschaft beziehen, u. U. wird sie, je nach den erforderlichen Arbeiten, ihren Standort wechseln. Die Dauer der Arbeiten beträgt vorerst 26 Wochen, die Zahl der Teilnehmer zwölf; unter ihnen sind Geologen, Geographen, Juristen, Land- und Forstwirte, vornehmlich jedoch Volkswirte. Bedingung für alle Teilnehmer ist natürlich abgeschlossene Hochschulbildung.
Während des Herbstes und des Winters wird der größte Teil der Arbeiten geleistet werden.
Wie in den andern deutschen Gebieten, wird auch hier die Akademikerhilfe unter Veweis stellen, daß sie ein treuer Mitkämpfer ist in dem Ringen gegen die Arbeitslosigkeit und den Platz, den mit ihr zugewiesen hat, in Ehren behaupten will.
In diesem Sinne reicht sie den Kameraden, die im erdfarbenen Rock mit schwieligen Fäusten im Dienst der Nation stehen, in brüderlicher Verbundenheit die Hand.
OasWerkwirdinGang gesetzt.
Eine Besprechung mit den berufenen Vertretern der verschiedenen Institute unserer Universität, die bei der praktischen Durchführung der „Wiffenschaft- lichen Akademikerhilfe" wertvolle Dienste leisten kön-
ZweiMmer und Hilda
Vornan von Hermann W. Wölber.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 9 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
In den Geyerling-Werken herrschte Hochbetrieb. Der rumänische Auftrag spannte alle Kräfte bis zum äußersten an. Tag für Tag erfolgten Neueinstellungen, und die Werksleitung dachte auch bereits an Erweiterungsbauten.
Die rumänische Regierung hatte einen ansehnlichen Vorschuß gegeben, so daß keine Schwierigkeiten bei der Roymaterialienbeschaffung entstanden. Die weiteren finanziellen Sicherungen wollte die deutsche Regierung auf dem Wege der Garantieleistung bieten.
So war alles in Ordnung, und es fehlte nur der eine, dem man dies alles zu verdanken hatte, der so spurlos aus der Welt verschwunden war. Ein anderer saß an seiner Statt und genoß die Früchte der ungeheuren Erfolgsarbeit.
Seit zwei Stunden konferierte Hans von Kirchhofen mit dem Notar Althaus.
Immer mehr stellte sich nämlich die Notwendigkeit heraus, die Verantwortlichkeitsfrage zu überprüfen. Früher, da war die Geschichte einfach gewesen. Direktor Wolterstorff hatte alle Entscheidungen als alleiniger Verantwortlicher getroffen, vür die Zeit feiner Abwesenheit lagen besondere Anordnungen von seiner Seite nach dieser Richtung vor, die bis zur Stunde Gültigkeit hatten. Nun lagen aber die Dinge so, daß die amtlichen Kreise, die m dem rumänischen Geschäft als Garantiestellen steckten, klare Sicht haben wollten und mußten, und diesem an sich erklärlichen und finanzrechtlichen wohlbegründeten Verlangen mußte in irgendeiner Form Rechnung getragen werden.
„Also gut, Herr von Kirchhofen", erhob sich Notar Althaus, seine Akten zusammenpackend, „ich werde der Frau Geheimrat Bericht erstatten und ihr be- stimmt ausgearbeitete Vorschläge unterbreiten. Ich denke auch, es ist so das Richtige, wie wir es besprochen haben: Sie werden verantwortlicher Redakteur' und in dem notariellen Akt wird aus- drücklich festgelegt, daß die Kompetenzen eine Neuregelung erfahren, sobald Herr Wollterstorf zurück-
Hans von Kirchhofen fiel ein:
„Was ich fehnlichst auch wünsche! Ich werde selbstverständlich vor dem Tüchtigeren und Erfahreneren zurücktreten."
„Haben Sie keine neuen Nachrichten erhalten?" „Die letzten Meldungen der Polizeibehörden in Bukarest lassen nicht viel Hoffnung zu. Aber man hat uns zugesichert, daß in den Anstrengungen, dem Vermißten auf die Spur zu kommen, nicht nachgelassen werden soll. Die Belohnungen reizen
neri, diente Sine Zusammenkunft, die gestern Abend unter der Leitung des Universitätsprofessors Dr. Bechtel im Universitätsgebäude stattfand.
Prof. Bechtel zeigte dabei in einer aufschlußreichen Ansprache die hohen Ziele der „Wissenschaftlichen Akademikerhilfe" auf, die bezweckt, den stellungslosen Akademikern Fortbildungsmöglichkelten zu geben, die mit ihrem erwählten akademischen Beruf übereinstimmen, und ihnen dabei eine Tätigkeit zu eröffnen, von der sie nicht nur weitere wissenschaftliche Bereicherung, sondern auch innere Befriedigung erhalten. Die gesamte Tätigkeit der „Wissenschaftlichen Akademikerhilfe" wird sich in engster Verbindung mit der Universität Gießen, als dies sonst der Fall ist, abspielen. Die Leitung liegt bei dem Institut für Wirtschaftswissenschaft, das unter Führung von Professor Bechtel arbeitet.
Mit der wirtschaftlichen Erforschung des Lahngebiets wird diese Akademiker-Arbeitsgruppe im Sinne der nationalsozialistischen Auffassung von der Wissenschaft ein Werk bearbeiten, das für das ganze Lahngebiet und die angrenzenden Länderteile von größter Bedeutung fein wird. Dabei soll
unter der Leitung des Instituts für Wirtschaftswissenschaft an der Universität Gießen eine gründliche Untersuchung aller einschlägigen Fragen und Gebiete erfolgen, um nicht nur für ein Teilgebiet, etwa die Lahnkanalisierung, sondern für die G e - samtheit des großen Fragenkomplexes die erforderlichen miffenschaftlichen Grundlagen zu schaffen. Es soll, um es mit einem für» zen Wort zu bezeichnen, die Gemeinschaftsarbeit in der Forschung auf allen einschlägigen Gebieten mit aller Hingebung durchgeführt werden. Bei diesem Werk hat die Universität Gießen eine bedeutsame Aufgabe zu erfüllen, für die sie als Führer und Rückhalt der „Wissenschaftlichen Akademikerhilfe" gerne alle Kräfte einsetzen wird.
In der anschließenden Aussprache trat zutage, daß von allen zur Mitarbeit berufenen Instituten der Universität bei diesem großen Werk die vollste Unterstützung zur Verfügung steht, so daß die Gewißheit gegeben ist, daß hier unter der weitblickenden Leitung von Prof. Bechtel eine Aufgabe erfüllt wird, Die für unsere Heimat und für das deutsche Vaterland von großem Segen werden kann.
Oie Hitler-Jugend rüst!
Nationalsozialisten Oberheffens!
• Am Mittwoch, 18. Juli, hat der Reichsjugendführer Baldur von Schirach zur deutschen Jugend gesprochen. Durchdrungen von dem Bewußtsein dah die Hitler-Jugend die Trägerin des Dritten Reiches sein wird, haben wir in der Hitler-Jugend eine riesengroße Aufgabe vor uns. '
Erst haben wir in den Jahren des Kampfes einen Mehrfrontenkrieg geführt gegen Marxismus, Liberalismus, gegen Judentum und Freimaurerei. Wir haben gekämpft gegen marxistisch eingestellte Lehrer und oerspießte Lehrherren, gegen Jugend, die uns verhetzt bekämpfte, und die Bünbischen, die uns ablehnend gegenüberstanden.
And doch haben wir gefiegft
Das Jahr 1933 wurde das Jahr der Einigung. Unaufhörlich, ein kleines Rinnsal zuerst, dann stärker anschwellend, zuletzt in gewaltigem Strome, meldeten sich deutsche Jungens bei ihren Kameraden im Braunhemd an. Diese Bewegung in unserem Bereich ist so gut wie abgeschlossen. 98 v. H. der oberhessischen Jungen tragen heute das Braunhemd.
Wir sind im Jahre der Entscheidung!
Unser Reichsjugendführer hat das Jahr 1934 zum Jahre der Schulung erklärt. Das verpflichtet! Wir müssen erkennen, was für Folgerungen sich für uns ergeben! Einmal werden wir Hitler-Jungen die Macht im Staate übernehmen. W i r werden es sein, auf denen die Verantwortung liegt für die Zukunft unseres Volkes! Wir werden es sein, die die kommenden Generationen weiter im Geiste des Nationalsozialismus zu erziehen haben. Das Dritte Reich darf nicht ein Reich für Jahre oder wenige Jahrzehnte fein, nein, es muß Jahrhunderte und sogar Jahrtausende überdauern!
Politische und weltanschauliche Schulung kann deshalb nicht ernst genug bei uns in der Hitler-
Jugend behandelt werden!
Ein ungeheuer großer Plan ist aufgeworfen, der deutschen Staatsjugend, der Hitler-Jugend, das Rüstzeug mitzugeben, das sie als Öereinftige Trägerin des Staates dringend benötigt. Der erste Abschnitt dieses großen Schulungsplanes wird in diesen Tagen beginnen und im November enden. Deutsche Geschichte ist das Thema. Aus ihr heraus können wir die Grundlinien unseres Volkes verfolgen und für die Zukunft vorbauen.
Die Schulung erfolgt zentral von Berlin aus oder einer historifchen Ställe durch den Rundfunk.
Oberhessische Volksgenossen! Wir sind unserer Aufgabe, die ungeheuer ist, bewußt, wir wollen etwas lernen! Aber aus uns heraus ist das unmöglich! Wir können es uns nicht leisten, teure Heime zu bezahlen und die Gelder für wertvolle Apparate aufzubringen!
Leider sind die Verhältnisse so, daß auf dem Lande kaum eine Schar oder Gefolgschaft ein Heim besitzt. Meist kommen unsere Jungen in einem Schulsaal zusammen, der keinerlei persönliche Note hat, oder sie treffen sich im kleinen „Säälche" von einem Wirt. Dieser Zustand ist auf die Dauer unerträglich!
Wir wollen, daß jede Schar ihr Heim besitzt, in dem sich an jedem Wochentag die hitler- jungen treffen können. Lin eigenes Heim ist der
Wunsch einer jeden Schar.
Dieses Heim können wir dann auch wirklich zur Ausgestaltung unserer Heimabende benutzen. Dann können wir erst wirkliche Heim abenbe abhalten.
Und jetzt kommen wir mit einer Bitte an dich, oberhessischer Volksgenosse! Wir brauchen noch Heime!
Seht einmal genau nach, liebe Volksgenossen! Wir wissen, fast in jedem Dorf gibt es ein altes kleines Häuschen oder eine Baracke oder irgend etwas, das wenigstens ein Dach überm Boden hat. Mehr braucht es nicht zu fein! Unsere Jungen sind schon die Kerle, die etwas daraus machen können! Auch aus dem einfachsten Bau wird ein gemütliches HJ.-Heim werden! Wenn Sie etwas wissen oder einen derartigen Bau haben, den Sie uns überlassen wollen, dann schreiben Sie bitte an uns!
Auch in Gießen benötigen wir noch 2 Heime! Wer hilft hier mit?
„Sachdienliche Mitteilungen" nimmt unser Bannschulungsleiter Willi Hanke, Gießen, Asterweg 27, jederzeit gerne entgegen.
Und noch eins benötigen wir! Wir haben es bereits oben erwähnt. Selbst in unserem kühnsten Optimismus können wir nicht erwarten, daß wir Radioapparate schenkungsweise bekommen. Aber wie ist es denn leihweise? An einem einzigen Abend in der Woche, am Mittwochabend, wollen wir im Kreise unserer Kameraden die Schulungsvorträge hören! Deshalb bitten wir Sie darum, stellen Sie für diesen einzigen Abend Ihr Rundfunkgerät der Jugend 3 u r Verfügung. Sie können versichert sein, Daß wir nicht gerade mit Vorschlagshämmern Ihre
ja auch erheblich. Wolterstorff fehlt uns natürlich hier an allen Enden. Auch meiner Frau Schwiegermutter liegt sehr daran, hinter das Geheimnis zu kommen. Er hat doch sozusagen den Sohn des Hauses abgegeben..."
„Ja, ja, ich weiß", nickte der alte Notar, und er dachte daran, wie oft so manches anders kommt, als die Menschen es sich vorstellen. Sein Freund Geyerling hatteihm einst mehr als einmal gerade in bezug auf Wolterstorff von ganz anderen Plänen gesprochen...
Althaus verabschiedete sich.
Als sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte, stemmte Hans von Kirchhofen die Handrücken in feine Hüften, lachte leise höhnisch auf und sagte:
„Jawohl, mein Alterchen, und heute bin i ch der Sohn des Hauses, und auf euren geliebten Wolterstorff könnt ihr lange warten — jawohl — lange könnt ihr auf ihn warten..."
Er fetzte sich an den Schreibtisch und brannte sich eine Zigarette an.
Schade, Daß anderntags Sonntag war. Am Montag wurden die Papiere fertiggemacht. So mußte er noch bis Dienstag warten. Althaus war ihm ja hübsch auf den Leim gegangen — und die alte Geyerling, die würde schon hinterher hupfen.
Er stand feierlich auf, nahm Haltung an, machte dann eine formvollendete höfliche Verbeugung, als stände ihm jemand gegenüber, dem er sich vorstellen mußte: „Direktor von Kirchhofen!"
Und er lachte wieder — ein Lachen des Siegers!
Für den Nachmittag hatte er sich freigemacht und mit feiner Braut verabredet.
Punkt drei Uhr fuhr er mit feinem eleganten Wagen vor der Villa Geyerling vor. Er wurde zum Kaffee geladen.
Bevor man sich an den Tisch setzte, zog ihn die Frau Geheimrätin beiseite und teilte ihm mit, daß sie den notariellen Akt seiner Ernennung zum Werksdirektor am Dienstag gemäß den Älthaus- schen Vorschlägen unterschreiben wolle.
Er küßte der alten Dame die Hand und sprach ein. paar Worte von Dank und Vertrauenrechtfertigen, und bekräftigte, daß er den Posten nur interimistisch übernähme, mit den Worten schließend:
"?enn ich hoffe doch, daß wir unseren Wolterstorff bald wieder unter uns haben/
„Das wolle Gott geben!" antwortete die Frau Geheimrat und freute sich gleichzeitig über die eDlen Charakterzüge, die sie bei ihrem Schwiegersohn immer wieder feststellen konnte.
Eine halbe Stunde später fuhr er die beiden jungen Damen nach dem Grünewald hinaus. Frau Geyerling wollte eine Einkaufsfahrt machen und anschließend ihr Kränzchen aufsuchen.
In der stillen Ecke eines Gartenlokals, das auch mit Doktor Becker als Treffpunkt vereinbart war, ließen sich die drei nieder.
Weit ging der Blick über den herrlichen Wannsee,
auf dem sich jetzt wenig Leben zeigte. Die Außentemperatur war etwas kühl.
Hans von Kirchhofen offenbarte sich in seinem vollen Gesellschafterglanz. Er fühlt«- sich am Ziel, das ihm Reichtum und Glanz bot, und dieses Gefühl verlieh ihm einen inneren Rhythmus, der ihn selbst und feine Umgebung mit fortriß.
Hilda und Liesgreta waren gefesselt von dem Fluß und dem Witz seiner Reden, von dem Elan, mit dem er sich in diesem Augenblick über geschäftliche Dinge unterhielt, und dem sprudelnden Humor, den er im nächsten Augenblick an den Tag legte. Hilda insbesondere freute sich, war stolz auf den Geliebten, dessen Hand sie immer wieder drückte, mit dem vereinigt zu werden ihre heiße Sehnsucht war.
So verrann die Zeit schneller, als sie es sich bewußt wurden. Es fiel schließlich auch den anderen auf, daß Liesgreta andauernd auf ihre Armbanduhr sah und immer wieder den Blick nach der Straße richtete.
„Wo nur Walterchen bleiben mag?" neckte Hilda.
Liesgreta errötete.
„Ja, es ist beinah schon eine Stunde über die verabredete Zeit."
„Was wird's sein?" warf Kirchhofen ein. „Sicher ein Krankenfall ..."
Da nahte der Kellner.
„Fräulein Liesgreta Geyerling wird am Telephon gewünscht."
Das Mädchen stand eilends auf.
„Da!" sagte sie traurig. „Nun kommt er nicht." Nach kurzer Zeit war sie wieder zurück. Sie trug alle Zeichen der Aufregung auf ihrem Antlitz.
„Kinder, denkt euch nur! Walter kommt tatsächlich nicht. Wißt ihr, was passiert ist?"
„Na nun, spanne uns nicht länger auf die Folter!" meinte Hilda erwartungsvoll.
„Er hat sicher den Professorentitel erhalten!" warf Kirchhofen hin.
„Der kommt sowieso!" fuhr Liesgreta fort. „Aber ganz was anderes liegt vor. Also — der schwerverletzte Knauer ist wieder bei Besinnung. Er ist gerettet — sagte Walter."
Hans von Kirchhofen erbleichte.
Diese Nachricht war ihm zu plötzlich gekommen.
Mit hartem Griff faßte er mit beiden Händen die Tischkante, als befürchte er umzufallen. Der Ruck war so heftig, daß die Tischfläche sich neigte und ein Teil des Geschirrs zur Erde stürzte.
Kellner eilten herbei.
Der Lärm des zerbrechenden Porzellans brachte Kirchhofen wieder zur Besinnung.
Er bat um Entschuldigung. Man beschloß, aufzubrechen.
Er zahlte und begab sich mit den Damen zu seinem Wagen, um die Heimfahrt anzutreten.
Seine Braut und die Kusine schrieben sein Verhalten auf den Umstand zurück, daß er an dem UnfaU Knauers als Augenzeuge in besonderem Maße interessiert war und ihn das Glücksgeschick
Rohren behandeln werden! Wir werden bestimmt Ihren Apparat schonendst behandeln.
Unsere Losung lautet: Jeder Schar ein Heim, in jedes Heim ein Radio!
Wir werden unsere Pflicht tun, aber wir hoffen auch, daß Sie uns helfen werden!
Heil Hitler! Bannführung 116
Abteilung Schulung.
Preußen.
Waldbrand bei Friedelhausen.
Arn gestrigen Freitagmittag brach, vermutlich durch Funkenflug der Bahn verursacht, auf dem Gutsgelände F r i e d e l h a u s e n ein Brand auf einer mit Buschwerk und lichtem Baumbestand bepflanzten Fläche aus. Durch hohen Graswuchs und die starke Trockenheit begünstigt, konnten sich die Flammen rasch ausbreiten. Das Jungenschafts- Führerlager des Jungbann 1/116 griff mit großem Eifer das Feuer an, und dem tatkräftigen und wohlbisziplinierten Vorgehen der jungen Helfer ist es in der Hauptsache zu danken, daß ein Ueber- areifen der Flammen auf einen nahen Kiesern- beftanb verhindert und großer Schaden abgewendet werden konnte.
Saardeutsche Arbeiter als Gäste der Marburger Corpsstudenten.
11 Marburg, 20. Juli. In der Zeit vom 20. bis 23. Juli werden 30 Arbeiter aus dem Saarstädtchen Klarenthal, dessen Patenschaft zur Pflege volksdeutscher Beziehungen der Cosener Verband seit einigen Jahren übernommen hat, Gäste der Marburger Korps st udenten sein. Die Arbeiter wohnen in den Studentenhäusern, besichtigen unter Führung der Studenten die Sehenswürdigkeiten der Stadt, besuchen mit ihnen die Festspiele und werden sich am Sonntagabend gemeinsam mit Abordnungen der SA. und NSBO. zu einem Kameradschaftsabend vereinigen.
6ine Frankfurter Landsmannschaft geht in einer Burschenschaft auf.
LPD. Frankfurt a. M., 20. Juli. Die Freie Landsmannschaft Moenania ist in der Frankfurter Burschenschaft Arminia aufgegangen. Der Rektor der Johann-Wolfgang- Goethe-Universität hat daher die Löschung der Moenania aus dem Korporations- und Dereins- regifter der Universität angeordnet.
Kreis Wetzlar.
(D Krofdorf, 20. Juli. In der Straßen- und Wegeverbesserung unseres Ortes, bei der eine Reihe Erwerbsloser in der Gemeindewohlfahrt beschäftigt wird, ist in diesem Sommer schon mancherlei getan worden. Der Verbindungsweg zwischen Hauptstraße und Fohnbachsweg, der nunmehr auch als Baulinie in Frage kommt und an dem die Turnhalle liegt, in der die wichtigsten. Veranstaltungen unseres Dorfes stattfinden, ist chauffiert worden; desgleichen ein großes Stück des Fohnbachsweges bis an den Waldrand. Augenblicklich erhalten die Seestraße, ein Teil der Wiesen- unb ber Gießener Straße eine Teerbecke. Damit Hnbet ein alter Wunsch ber Anwohner Erfüllung, Die enblich von ber starken Staubplage burch bie Kraftfahrzeuge befreit werben. Demnächst soll ein Teil ber Rodheimer Straße kanalisiert werben. — Im Vergleich zum Vorjahre ist bie Bautätigkeit reger. Etwa ein halbes Dutzenb neuer Wohnhäuser sinb errichtet worben, barunter eins von einer Baugenossenschaft. An ber Seemühle am Abhang bes Wettenbergs ist ein schönes Anwesen entstauben, bas einem Gießener Gelehrten gehört. An zahlreichen Altwohnungen wirb ber Verputz erneuert. — Das Forst Haus Walbhaus im Krofborfer Forst, bas in trockenen Sommern stets starken Wassermangel hatte, erhält eine Wasserleitung, bereu Quelle am Abhang nach ber „Bäuerstäbt" au liegt. Diese Einrichtung bürste auch von ben Ausflüglern begrüßt werben.
bes Verunglückten in starke innere Erregung, bie ja nur Freube fein konnte, versetzt hatte.
Schweigsam saß er jetzt am Steuer. Nur bann unb wann neigte er sich nach hinten, um auf eine Frage Bescheid zu geben.
Hilba unb auch Liesgreta freuten sich über die Wiebergesunbung Knauers von ganzem Herzen.
Nur zwischendurch kamen Liesgreta Gedanken, warum wohl ihres Verlobten Stimme am Telephon so wenig froh geklungen haben mochte, und warum er so eigenartig gefragt hatte, ob Herr von Kirchhofen bei ihnen wäre... Daß dies der Fall war, wußte er, und deshalb war es doch überflüssig gewesen, danach zu fragen.
Heinz Wolterstorff hielt die Stunde zur Flucht für gekommen.
Sein Zerberus zeigte den ganzen Tag eine aufgeräumte Stimmung. Man merkte ihm an, daß er Dem Roten arg zugesprochen haben mußte.
Je weiter der Nachmittag vorschritt, um so wankender und schwankender wurde der Tritt des Bulgaren, der alle Augenblicke in dem Zimmer des Gefangenen erschien, offenbar, um sich zu vergewissern, ob alles in Ordnung sei. Gewiß war ihm das Trinken verboten worden, solange er Wacht- dienst zu verrichten hatte, und es mochte wohl das schlechte Gewissen sein, das ihn veranlaßte, immer wieder nach seinem Gefangenen zu sehen.
Er war auch geschwätziger als sonst, unb so erfuhr Wolterstorff schließlich, baß einer ber Burginsassen Geburtstag feiere unb er unb seine Freunbe bie Abwesenheit Santikoffs, ihres Herrn, bazu benutzten, bas Fest grünblich zu begehen. Sein Zerberus hatte ber Lockerung nicht zu wiberstehen vermocht.
Auf bie Trunkenheit bes Bulgaren baute Wolterstorff feinen Plan; er wollte enblich ben feit Tagen in ihm gereiften Fluchtentfchluß zur Ausführung bringen.
Er wollte aufs Geratewohl in bie Freiheit. Was blieb ihm anbers übrig! Jnbeffen — lieber umkommen als noch länger in biefer Schicksalsungewiß- heit schweben!
Er horchte.
Auf ber «Steintreppe näherten sich schwere Schritte. Das war er zweifellos roieber.
Jetzt näherte sich jemanb feiner Tür.
Schlüsselgerassel.
Dieses Schlüsselgerassel war in ber Eintönigkeit ber letzten Tage seine einzige Abwechslung gewesen.
Der Bulgare trat näher. Er schloß nicht, wie üblich, hinter sich die Tür ab.
Mit der Linken stützte er sich auf bie Tischkante. In ber Rechten schwenkte er eine stalbvolle Weinflasche.
Ein breites, gutmütiges Grinsen lag auf seinem Gesicht.
„Brüberchen, komm, trink mit mir!" lallte er.
(Fortsetzung folgt.) j


