m. 168 vierter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)
Samstag, 2l. Juli
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Historisches vomFnf.-Ngt. flr.llö
Das Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm Nr. 116 in Paradeaufstellung vor dem Kaiser bei seinem Besuch im April 1913.
Alte Uniformen des Gießener Regiments bei einer militärischen Vorführung bei dem Kaiserbesuch im April 1913.
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Blick in das Traditionszimmer der 116er in der Neuen Kaserne.
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Das schöne Fachwerkhaus.
Es ist eine der vornehmsten Aufgaben einer Stadtverwaltung, in Gemeinschaft mit der Bevölkerung danach zu streben, das Stadtbild so reizvoll und schön wie nur irgend möglich zu gestalten. Zu diesem Ziele führen mancherlei Wege. Man denke z. B. an den Schmuck der Häuser mit Blumen, an peinliche Sauberkeit der Bürgersteige und der Fahrbahnen, an geschmackvolle Herrichtung der Häuserfronten usw. In letzterer Hinsicht hat der private Hausbesitz eine besondere Verpflichtung gegenüber der Allgemeinheit zu erfüllen. Er mutz sich bemühen, bei der Herrichtung seiner Häuser den Kitsch und alles Schlechte des in öder Gleichmacherei gestalteten Hausanstrichs zu beseitigen, dafür aber der schönen und guten Gestaltung der Hausfront die Bahn freizumachen. Ein Mittel da- 3u — noch dazu ein sehr gutes und wohlgefälliges — ist die Wiederher st ellung alter Fachwerkbauten, sobald sich hierfür die Möglichkeit bei der Erneuerung der Hausfronten ergibt.
In unserer Stadt haben die Bestrebungen zur Wiederherstellung alter Fachwerkbauten immer besondere Förderung erfahren. Die Stadtverwaltung hat in jedem Jahre Mittel in den städtischen Voranschlag für diesen Zweck eingestellt, von denen erfreulicherweise in vielen Fällen — leider aber nicht in allen! — von den Hausbesitzern Gebrauch gemacht wurde. Mit Unterstützung aus städtischen Mitteln ist es auf diese Weise möglich gewesen, bei einer Reihe von Hauserneuerungen den
schönen Fachwerkbau wirkungsvoll zur Geltung zu bringen. Wie jeder auf Pflege und Vertiefung der Hennatliebe bedachte Mensch hat auch der „Gießener Anzemer" seine Spalten immer gerne für diese gute Volkstumsarbeit zur Verfügung gestellt, weil er darin einen wertvollen Aufbaudienst an Heimat und Vaterland erblickte. Viele Aufsätze in unserer „Heimat und Bild" zeugen für diese Arbeit. Aber auch noch m unserer Nummer 170 vom 24. Juli 1933 hat Regierungsbaurat Steinbach, ®,cBen' l5n.eienem vielbeachteten Aufsatz die gute und starke Wirkung des schönen alten Fachwerkhauses für unser Straßenbild überzeugend geschildert, und m unserer Nummer 173 vom 27. Juli 1933 hat der unermüdliche Vorkämpfer der Heimatpflege und des bodenständigen Volkstums, der ..zwischen ve^torbene Direktor unserer Universitätsbibliothek, Professor Dr E b e l, den Anregungen Steinbachs nachdrücklich zugestimmt und an unsere Hausbesitzer den Mahnruf gerichtet, d e n „s ch e u ß l i ch e n S p r l tz - bew urr an den alten Hausern zu beseitigen und dafür das schone Fachwerk wieder zur Geltung zu bringen.
Erfreulicherweise bringt die Liebe zur Hermat und die anregende Förderung durch die Stadtverwaltung immer wieder schöne Fruchte zur Gestaltung eines reizvollen Straßenbildes durch die Herrichtung von Fachwerkhäusern. Ein neues Zeugnis dafür bringen wir hier im Bild, das die Hauser Walltorstr. 35 und 37 zeigt, die dem Jnstallations-
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meister Rudolf Rüdiger bzw. dem Möbelhändler Ernst Rau gehören. Die beiden Häuser wurden in den letzten Wochen von dem früheren Verputz befreit und in anerkennenswerter Weise in ihrem alten Zustand wiederhergestellt. In verständnisvoller Zusammenarbeit dieser beiden Hausbesitzer mit dem Stadtbauamt sind damit wieder zwei sehr schöne alte Fachwerkbauten unserer Stadt freigelegt worden, die nach dem Urteil des Stadtbaüamtes von allen bisher freigelegten Häusern die s ch ö n st e n Beispiele alter Gießener Baukunst darstellen. Die um das Jahr 1600 errichteten Häuser sind gleichzeitig auch die ä l t e st e n aller freigelegten Bauten. Beide Häuser waren nach dem Zeugnis der städtischen Bauakten lange Zeit Gasthöfe der Tuchreisenden, die Häuser trugen die Namen „Zum Rappen" und „Zum Stern".
Man darf es mit Genugtuung begrüßen, daß hier wiederum durch finanzielle Unterstützung von
der Stadt zwei Gießener Hausbesitzern die Möglichkeit gegeben war, eine gute Tat für die Verschönerung unseres Straßenbildes zu tun. Mit dieser dankbaren Anerkennung für die Stadtverwaltung und für die beiden Hausbesitzer Rüdiger und Rau für ihr vorbildliches Handeln darf man auch den Wunsch verknüpfen, daß diese gute Tat anderen Hausbesitzern ein Ansporn sein möge zur Befreiung ihrer Häuser von dem jetzigen häßlichen Verputz und zur Wiederherstellung des unter diesem schlechten Kleid verborgenen ursprünglichen Fachwerks. Je mehr sich die Erkenntnis für die hohen Ziele dieser Stadtverschönerung ausbreitet und je mehr der Wille zur guten Tat sich verstärkt, um so mehr wird das Gesamtbild unserer Stadt zur Freude und zum Nutzen aller gewinnen. Mitbürger, auf zur Tat!
Wissenschastliche Akademikechilfe bei derAotgemeinschast der deuischen Menschast
Eine große Aufgabe in unserer engeren Heimat: umfassende Wirtschasts- forschung im Lahngeviet.
Im Kampf der Reichsregierung gegen die Arbeitslosigkeit hat sich bisher den beschäftigungslosen Akademikern — es handelt sich dabei in erster Linie um Jungakademiker — kaum die Möglichkeit geboten, ihr Können und ihre Leistungsfähigkeit der Gemeinschaft gebührend zur Verfügung stellen zu können. Wenn auch der Grundsatz, daß zunächst für jeden Volksgenossen Arbeit zu beschaffen sei und daß es erst in zweiter Linie darauf ankomme, jedem den ihm zustehenden Platz zu verschaffen, durchaus zu Recht besteht, so ist doch nicht zu verkennen, daß es von zweifelhaftem Werte ist, das Kapital von Wissen und Fähigkeiten, das in den vielen jungen Absolventen unserer Hochschulen steckt, brachliegen zu lassen. Und es liegt brach, wenn diese jungen geistigen Arbeiter vom Produktionsprozeß ausgeschlossen sind. Gewiß ist es in diesen Fällen wünschenswert, daß der Arbeitsdienst einen Teil jener Leute aufnimmt; ebenso wünschenswert ist es, daß aus Gründen der gemeinschaftlichen Erziehung und der Kameradschaftsbildung der Student — auch der ehemalige — in den Formationen des FAD. neben dem jungen Arbeiter und Kaufmann körperlich arbeitet und eine Zeit lang mit ihnen zusammen lebt. Gewiß machen sich die Auswirkungen dieser Erziehung schon jetzt auf unseren Hochschulen bemerkbar. Aber darauf allein kommt es ja schließlich nicht an. Durch die Einbeziehung der jüngeren Semester in die Arbeitsdienstpflicht und der Abiturienten in das Werkhalbjahr, ist jeder mehr oder minder durch das Erlebnis des Lagers hindurchgegangen und hat körperliche Arbeit kennengelernt.
hier fehl nun die wissenschaftliche Akademiker- Hilfe ein. Sie fußt auf den Grundsätzen des Arbeitsdienstes und fordert gemeinsame Arbeit einer festen Lagergemeinschaft. Ebenso verlangt sie die Znsätzlichkeit der Arbeiten, d. h. es muß sich um Arbeiten handeln, die in absehbarer Zeit ohne Förderung nicht ausgeführt werden könnten. Daß sie wissenschaftlicher Natur fein und ihr Ergebnis der Allgemeinheit mittelbar oder unmittelbar zugute kommen müssen, versteht sich aus der Grundhaltung der Nokgemein- schaft der deutschen Wissenschaft.
Die allgemeinen Bedingungen sind dieselben oder ähnliche wie beim Freiwilligen Arbeitsdienst: G e - schlossene Unterbringung, f e st begrenzte Arbeitszeit, halbjährige Dauer des Arbeitszyklus, Verpflegung und Tagegelder. Die Finanzierung geschieht durch die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung über die Notgemeinschaft.
Vor Jahren wurde von anderer Stelle aus schon einmal der Versuch gemacht, einen akademischen Arbeitsdienst aufzubauen. Unzulänglichkeiten und Unklarheiten in der Organisation führten sehr bald
dazu, daß die Väter des Gedankens nach kurzer Zeit ihr Kind kaum wieder erkannten. Junge Philologen wischten wochenlang Staub in den Bibliotheken, Althistoriker taten dasselbe in Museen; die Freiwilligen waren ein dankbares Objekt zur Ausführung unliebsamer Arbeiten, die kaum oder gar keinen allgemeinen Wert besaßen. Zudem wurden die einzelnen Kräfte damals einzeln eingesetzt. Die w issenschaftliche Akademiker Hilfe sieht heute andere Aufgaben. Es ist schon gesagt worden, daß der Einsatz der Arbeitskräfte nur g e» schlossen erfolgt und die Arbeiten die Merkmale gemeinsamer Forschung tragen. Unter den bisher von der Notgemeinschaft genehmigten Arbeiten — es sind im Ganzen bis jetzt 157 sog. Notarbeiten — wären u. a. zu nennen Herdbuchforschungen bei den deutschen Haustierrassen, Boden- untersuchungen in der Provinz Sachsen, Arbeiten zur Siedlungsplanung in Schlesien, Forschung über Volks- und Brauchtum in Schlesien, Durchführung sog. Dorfwochen, Standortuntersuchungen der Wirtschaft, Bereitstellung von etwa 60 000 Dubletten der Heeresbücherei für' neu zu errichtende Lehrstühle der Wehrwissenschaft, Zusammenstellung einer einwandfreien Bibliographie des Nationalsozialismus usw. Zeigt diese Aufzählung einmal, wie konkret die Aufgaben sind, die den Gruppen gestellt werden, so ist sie auf der andern Seite ein deutlicher Beweis für die Wichtigkeit und Notwendigkeit des Einsetzens wissenschaftlich geschulter Arbeitsgruppen für diese Art des Arbeitsdienstes, der zwar nicht mit der Hacke, dafür aber nicht minder ernst mit geistigem und wissenschaftlichem Handwerkszeug an seinen Aufgaben schafft.
Nachdem die Arbeitsgruppen der Akademikerhilfe in andern deutschen Landschaften erfolgreich gearbeitet und einer erheblichen Anzahl junger Philologen, Juristen, Volks- und Landwirken dankbare Arbeitsgebiete geboten haben, hat die Notgemeinschaft in jüngster Zeit den Einsatz einer Gruppe in Oberhes- s e n genehmigt. Es handelt sich bei den hier notwendigen Arbeiten um Forschungen über die Möglichkeit, das Wirtschaftsgebiet des Lahntals durch Ausbau von Verkehrswegen, vor allem einer Durchführung der Lahnkanalifierung bis Gießen, noch mehr aufzuschließen.
Das Projekt der Kanalisierung ist jahrelang ein dankbares Streitobjekt aller beteiligten Stellen gewesen; Mangel an Geldern und vor allem Mangel an geeigneten, wissenschaftlich einwandfreien Unterlagen haben die Entscheidung über den Bau dieses Wasserweges bisher verhindert. Die Notwendigkeit, alle Kräfte der deutschen Wirtschaft mobil zu machen, und das Erfordernis, auch die verborgensten Reste wirtschaftlicher Substanz in das Mobil»


