(ftiebener
Nachdruck verboten!
10 Fortletzuog
Toilettenti'
mit heißen Küssen.
Kundgebung derAG-Frauenschast auf dem Gchiffenberg.
Was mein einsi war...
Vornan von Klothilde von Etegmann Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag -alle (S.)
m * r;tpreife
nicht inmitten so fremder Menschen, nicht in einem Spielsaal, den er sei seinem wahnwitzigen Spiel damals nicht mehr betreten hatte. Und ein Gefühl kam aus der Tiefe seiner Seele, als wäre es ein böses Omen, daß er jetzt um ihretwillen wieder einen Spielsaal betreten sollte, obgleich er sich sein Wort gegeben, es nicht mehr zu tun. Aber was galten Worte? Was galt Vernunft, wenn man Lou wiedersehen konnte!
Er winkte dem Portier, der ihm einen Wagen besorgen wollte.
„Ich gehe erst ein paar Schritte zu Fuß!"
Dann durchschritt er hastig die glänzende Drehtür. Er mußte erst aus Sichtweite des Hotels kommen. Niemand brauchte zu wissen, wohin er feine Schritte lenkte — und keiner seiner Bekannten brauchte ihn zu sehen.
An der Ecke der Hauptstraße erst nahm er einen Wagen, gab die Adresse des Hotels des Anglais an. Ehrerbietig eilte sofort dort der Portier herbei, um dem eleganten Herrn den Wagen zu öffnen.
„Wo finde ich Madame de Lormes?" fragte Demidoff.
„Wenn Monsieur durch diesen Gang gehen wollen: links vom Grillroom befindet sich der Blaue Salon; dort wird Monsieur die Dame treffen!" bekam er zur Antwort.
Demidoff reichte, ohne hinzusehen, aus der Vein- kleidtasche dem Kutscher ein paar Lire, dann eilte er, von Sehnsucht getrieben, durch den kleinen, lichterhellten Gang, der vom Grillroom zu dem als Blauen Salon bezeichneten Raum führte.
Neuntes Kapitel.
Der Blaue Salon war nicht groß, aber überfüllt von Menschen, die sich um den grünen Tisch dräng» ten. An den Wänden, die mit lichtblauer Seide bespannt waren, hing trübe der Rauch der Zigaretten und mischte sich mit dem Duft von Parfüm und Blumen zu einer zähen, süßlichen Masse. Und in diesem Dunst kam noch etwas hinein. Demidoff fühlte es körperlich mit dem geschärften Sinne des Menschen, der lange in reinerer Atmosphäre gelebt, was hie wie ein giftiges und doch lockendes Etwas in dem Raum schwang: es war die Gier dieser Menschenherzen hier — es war die Gier nach dem Gold.
Er stand am Eingang hinter einer Reihe von Zuschauenden und sah die gebeugten Kopfe, sah in der Biegung der Schultern, der Neigung der Hälse diese Gier, die er nur zu gut kannte.
Wie von dieser Flamme herangeweht, schob er sich in eine Lücke und stand nun direkt vor dem grünen Tisch. Er blickte sich um.
Lou war nicht zu sehen. Nur andere Frauen, mit Perlen und Steinen behängt, beugten sich über den Tisch. Sie hielten Karten in den langen, schmalen Händen — und sahen mit gespannten und starren Augen auf ihren Gegenspieler.
(Fortsetzung folgt.)
„Alexander!" flüsterte sie vor sich hin, und plötzlich ergriff sie ein Bild, das von ihm auf dem T-'.I-.—Usch ihres Zimmers stand, und bedeckte es “ n Küssen. Dann mußte sie über ihre Tor
an diesem Aufbau mitzuarbeiten. Man glaube, Auf» bauarbeit sei Sache der Männer, man glaube, Aufbauarbeit werde durch Schaffung neuer Gesetze erfolgreich sein. Wer so schaue, sehe falsch.
wir brauchten nicht nur einen neuen Staat, sondern wollten vor allem Volk werden. Dazu gehöre wann, Frau und Kind, die gesamte Familie. Nur auf der Familie könne ein neuer
Staat erstehen.
DieNS.-Frauenschaft müsse eine Gemeinschaft bilden, die auch in die anderen Verbände ausstrahle.
Wenn sich die Frauenschaft nationalsozialistisch nenne, so bekenne sie sich zu den Grundpfeilern des heutigen Staates. Die deutsche Frau und Mutter sei in besonderem Maße mit der Politik verknüpft, sie könne am besten ermessen, wie durch schlechte Staatsführung das innige Band der Familie gestört und zerrüttet werde. Es sei das Verdienst der NS.-Frauenschaft, in Frauenkreisen immer wieder darauf hingewiesen zu haben, was deutsche Politik heiße. Es käme darauf an, zu empfinden, ob die Politik gut sei oder schlecht. Die Frau und Mutter habe die Aufgabe, zu hüten und zu pflegen, sie sei die Hüterin der Jugend. Sie habe die hei» lige Pflicht, dem Volk stets neue Kräfte zuzuführen. Die deutsche Frau ernte dafür zwar nicht Ruhm und Ehre, aber die Krone, die der Mutter gegeben werde, leuchte über der deutschen Frauen-
Alexander Demidoff zuckte zusammen und faßte ( sich mühsam.
„Verzeih, Sofia", sagte er zu seiner jungen Frau, • und begann ein etwas krampfhaftes Gespräch.
Aber er wußte nicht, was er sagte, denn seine 1 Gedanken waren weit, weit fort. Sie waren bei ’ jener dämonisch schonen Frau, sie waren drüben 1 bei Lou de Lormes, die er soeben nach Jahren wiedergesehen. Und wie mit einem Zauberschlag '■ war die Gegenwart fortgenommen.
Wieder erstand vor feinem geistigen Auge ein i wunderbarer Frühling an dem blauen Meere Venedigs; ein Abend, warm und blütenschwer, an dem er neben Lou gesessen, ihre Lippen einen heißen Augenblick auf den feinen gefühlt. Er biß die Zähne zusammen. Jetzt, noch nach Jahren, ließ schon die Erinnerung allein an jenen Kuß sein Blut in irrer Sehnsucht aufglühen.
Dieser Kuß war das erste und letzte Liebeszeichen gewesen, das er von Lou de Lormes empfangen.
Aig Tage darauf war man in jenen Spielklub gegangen, von dem der Portier in Lous Hotel ihm gesagt. Dort hatte er mit einem eleganten russischen Herrn, einem Emigranten aus dem Baltischen, gespielt. Und hatte verloren, so viel verloren, daß er gerade noch seine Hotelrechnung bezahlen und heimfahren konnte. Er hatte Lou nicht wieder- gesehen, denn als er am nächsten Morgen kurz vor der Abreise sich bei ihr melden ließ, war sie, wie der Portier sagte, auf eine Depesche hin abgereist, ohne ihre Adresse zu hinterlassen. Wie von Sinnen war Demidoff damals aus Venedig geflohen, die Sehnsucht nach Lou wie ein fressendes Feuer im Blut.
Allmählich glaubte er überwunden zu haben. Er vergrub sich in die Arbeit und rührte keine Karte mehr an. Er machte sich auch durch zähe und geschickte Tätigkeit daheim im Auswärtigen Amt un- entbehrlich.
Man schickte ihn auf verschiedene diplomatische Pasten. Allgemein wurde seiner Zukunft eine glänzende Prognose gestellt. Vor einigen Wochen hatte er sich mit der Tochter eines bulgarischen Ministers verheiratet und war nun mit seiner jungen Frau auf der Hochzeitsreise durch Italien.
Und hier, hier mußte er Lou wiedersehen. Als wäre ein dünner Schleier gerissen, der zwischen ihm und die Wirklichkeit gespannt. Er horte kaum, was seine junge Frau au ihm sagte; er antwortete ganz mechanisch. Er sah nicht, daß das Haus sich verdunkelte, der Vorhang sich hob, das Orchester in süßen und sehnsüchtigen Klängen aufrauschte. Er
notwendigen Umzuges am heutigen Donnerstag geschlossen. (Siehe gestrige Bekanntmachung.)
**EinSiebzigjähriger. Der städtische Arbeiter i.R. Karl Schäfer, Kugelberg 2, kann am morgigen Freitag, 22. Juni, in geistiger und korper- perlicher Frische seinen 70. Geburtstag feiern. Der Jubilar ist seit über 30 Jahren Leser des Gießener Anzeigers. f.. .
* * Gefahren beim Blumenpflucken. Der Kinder höchste Freude ist das Blumenpflücken auf den Wiesen. Doch ist es mit Gefahren verknüpft, da viele Wiesenblumen Gifte enthalten, die bei zarteren Kindern Hautausschläge und Fieber, Erbrechen und sonstige Storungen verursachen Deshalb lasse man kleine Kinder nicht ohne Aufsicht beim Blumenpflücken und belehre die größeren über den Gistgehalt mancher Blumenarten. Da ist z. -ö. vor allem vor den Hahnenfußarten zu warnen. Sie haben einen ätzenden Saft, der Hautausschlage und Geschwüre verursacht. Tausendschönchen, Gold- kopfchen und Sumpfdotterblumen zählen auch zu dieser Art. Der ebenfalls gelbblühende Milchlattich wirkt durch seinen milchigen Saft btäubenb, erregt Schwindel, Erbrechen und Schlafsucht. Die reizende Waldanemone erregt durch ihren brennenden Saft auf zarten Händen Blasen. Als Gegengift kommt Zitronensaft oder Essig äußerlich oder Wein oder schwarzer Kaffee innerlich angewendet in Frage. Sehr giftig find die helmartigen blauen Bluten und Blätter des Eisenhutes. Sie erzeugen Fieber, Kolik und Delirien, ja selbst Krämpfe. Wein, Essig- wasser, schwarzer Kaffee lindern die Beschwerden. Beim gefleckten Schierling sind die Fruchtkapseln die Giftträger. Hiergegen wendet man Milch, Rhl- zinusol, Zitronensaft an, hole aber sofort den Arzt, wenn der Verdacht vorliegt, daß die Pflanzen in den Mund gesteckt worden sind: denn dadurch sind schon Todesfälle verursacht worden. Dasselbe gilt vorn schwarzen Bilsenkraut, den Blüten des Goldregens, sowie vor allem vom roten Fingerhut, der mit seinen prachtvollen traubenförmigen Blüten die Kinder entzückt. Sein Stengel birgt em starkes Gift, das eine nachhaltige Nervenschwache zeitigt. Schließlich sei noch vor der im Herbst blühenden Herbstzeitlose gewarnt, die man von Kindern niemals pflücken lassen sollte.
starrte wie gebannt hinüber in die Loge, wo sie saß, die Frau, die er nie vergessen konnte.
Torheit war es gewesen, zu glauben, daß er ihr Bild je in sich vernichten konnte. Torheit, zu denken, daß Arbeit und Erfolg, Ruhm und Aufstieg ihm Ersatz bieten würden für eine unerfüllte Leidenschaft. Wahnwitz, zu hoffen, daß an der Seite der kühlen, schonen Sofia ihm ein wahres Lebensglück
daß die Schule ein bewußtes Gied des völkischen Organismus werde, daß ihre Bildung volkhaftorganisch sei und daß sie ein ganz bestimmtes Ziel: die Formung des jugendlichen Menschen jum Volksgenossen vor Augen habe. Das humanistische Ideal wird abgelehnt: Wichtiger als „Bildung" im intellektualistischen Sinn ist die geistige Grundhaltung, die durch ein festes Zucht- und Ordnungs- system — auch im Zusammenhang mit dem Jugendbund — erzeugt wird. Methodisch hält die völkische Schule die naturgegebene Mitte zwischen Lern- und Arbeitsschule. Selbständigkeit und Urteilsvermögen der Schüler sind wesentlich; doch nur im Hinblick auf das völkische Ziel. Folgerichtig ergibt sich hieraus die Notwendigkeit einer Stoffbeschränkung auf das Wesentliche. Die Maßstäbe zu einer Scheidung des Wertvollen vom Wertlosen lassen sich unter völkischem Gesichtspunkt schon jetzt herausarbeiten und anwenden.
Tragischer Tod eines Kindes.
Nachdem erst gestern über einen tragischen Unglücksfall in unserer Stadt berichtet werden mußte, ereignete sich gestern gegen 15 Uhr wiederum ein sehr ähnlicher Unfall, dem das Leben eines adji* jährigen Kindes zum Opfer fiel. Das Töchterchen des Melkers Otto Klein aus der Dammstraße stand an der Mauer am Tore zum Botanischen Garten in der Senckenbergstraße und wartete darauf, daß ein Fuhrwerk, das aus dem Botanischen Garten heraus Abbruchmaterial fahren sollte, den Bürgersteig wieder freigab. Unglücklicherweise stieß aber das Fuhrwerk gegen eine der beiden nach innen geöffneten Eifengittertüren, die durch das Anfahren nach dem Pfeiler zugedrückt wurde. Der Pfeiler und ein Teil des anschließenden Mauerwerks gaben nach, stürzten auf den Gehsteig und die Mauerteile begruben das Kind unter sich. Der Tod des Kindes trat auf der Stelle ein. Die Schuldfrage ist noch nicht völlig geklärt. Die polizeilichen Ermittlungen find im Gange.
Stammesappett derGießener^Welfen"
Der Gebiets-Jungvolkführer hat im vergangenen Monat einen genauen Arbeitsplan herausgegeben. Durch diese einheitliche Regelung ist das Arbeiten auf lange Sicht möglich. In der Reihe der Besichtigungen war nun dieser Tage der Stamm 1/1/116 zum Appell angetreten.
Eine Besichtigung beim Jungvolk ist im Wesentlichen verschieden von den nationalsozialistischen Verbänden der Erwachsenen. Die Jungvolkeinheiten sollen nicht im Stehen, sondern in lebendiger Bewegung, in reger, mannigfaltiger Tätigkeit gesehen werden. Der Stamm Welfen hatte sich die Eisteiche zum Besichtigungsplatz ausgewählt. Dort zeigten die einzelnen Fähnleins, was sie in neuester Zeit in Schulungskursen und in Lagern erarbeitet haben. Ein reger Wettstreit zwischen den einzelnen Fähnleins hatte eingesetzt. Immer wieder muß der Zeltebau geübt werden. Mannigfaltige Aufbaumog- lichkeiten wurden da in kürzester Zeit entwickelt. Aber auch die Verständigung durch Zeichen muß geübt sein. Deshalb sah man Gruppen, die sich mit Ein- und Zweiflaggenwinken beschäftigten. Allerlei sonstige Fertigkeiten, die zum Fahrtenbetrieb unbedingt notwendig sind, wurden gezeigt.
Neben den technischen Voraussetzungen zu einem flotten Jungenleben wurden auch die sportlichen Seiten, die sowohl der Ertüchtigung als auch der Kurzweil dienen, bei dem Stammesappell berücksichtigt. Man sah da Lagerspiele, Reiterkämpfe, römisches Wagenrennen und Speerwurf. Zwischendurch wurde ein zackisches Lied gesungen.
Zu Ende der Besichtigung marschierte der Stamm au einem weiten Viereck auf und der Führer des Jungvolks am Gebiet, Rupprecht Hainer, richtete einige anspornende Worte an die Jungen. Er forderte sie auf, immer einsatzbereit au fein, jeder an feiner Stelle. In dieser Art offenbare sich das Zeichen unserer wirklichen Haftung. Unser Dienst und unsere Gemeinschaft seien für uns das Größte,
DieNS.-FrauenschaftGießen veranstaltete am Mittwochnachmittag in Gemeinschaft mit den ihr angeschlossenen Verbänden eine Kundgebung auf dem Schiffenberg, die außerordentlich stark be- sucht war. Infolge der au Anfang der Veranstaltung eintretenden ungünstigen Witterung, die aber sehr bald eine Besserung erfuhr, fand die Veranstaltung in der bis auf den letzten Platz besetzten Kapelle statt.
Nach einigen Musikvorträgen von Mitgliedern des SAR.-Musikzuges begrüßte die Ortsfrauenfchasts- leiterin Frau Wre de die Erschienenen und brachte ihre Freude darüber zum Ausdruck, daß auch die der NS.-Frauenschaft angehörenden Verbände sich so rege an der Kundgebung beteiligten. Sie sehe dies als ein gutes Zeichen der inneren Verbundenheit dieser Verbände mit der NS.-Frauenschaft an. Sie betonte weiter, daß für die Folge ein noch engerer Zusammenschluß notwendig sei, um die großen Aufgaben, die das Vaterland an die deutsche Frau stelle, erfüllen zu können.
Nach einigen Musikstücken sprach
pg. Dr. A. Boeder,
Gießen, über „Anteil der deutschen Frau am A u f b a u w e r k". Der Redner. führte u. a. folgendes aus: Als vor anderthalb Jahren sich das deutsche Volk aufgerafft habe, ein neues Haus zu bauen, sei eine starke Bewegung fühlbar gewesen,
denn hierin erfülle sich der Wunsch des Führers, daß sich ein jeder für die Dolksgesamtheft emjefce.
Ausruf
an alle in Gießen und Umgebung wohnhaften abstimmungsberechtigten
Saardeutschen.
Ueberall im deutschen Lande, wo Saardeutsche wohnen, haben diese sich zu Ortsgruppen ^Stutzpunkten zusammengeschlossen, die unter Führung d-s Herrn Preuß. Staatsrat Gustav Simon den Bund der Saaroereine in Deutschland bilden. Der Sitz des Bundes befindet sich in Koblenz. Auch hier in Gießen wohnen sehr viele abstimmungsberech- tigte Saardeutschen, die noch außerhalb des Bundes stehen. Im Endkampf um die Rückgliederung unserer Saarheimat an das große deutsche Vaterland, wollen auch wir in Gießen nicht zuruckstehen und deshalb ergeht an euch der Ruf, schließt euch zusammen und bildet in Gießen auch eine Ortsgruppe des Bundes der Saarvereine. Bleibt nicht abfeits stehen, denn das ganze deutsche Vaterland schaut auf uns, und wir sind stolz, daß wir eine nationale Tat noch zu vollbringen haben. Wir wollen unseren Saarbrüdern und -schwestern, die 15 Fahre (anq dem Vaterland die Treue gehalten haben helfen, damit unsere Heimat im Abstimmungskampf hundertprozentig heimkehrt zur Mutter Deutschland. Aus diesem Grund werden alle hier ansässigen Saardeutschen gebeten, am Montag, dem 25.3unt 1934, um 20.30 Uhr, im Bürgerhof zu einer Besprechung zu erscheinen. Auch jeder andere Volksgenosse kann Mitglied des Bundes werden, um damit seine Verbundenheit mit den Brüdern und Schwestern an der Saar zu bekunden.
Heil Hitler!
Thum, Führer der Ortsgruppe Gießen des Bundes der Saarvereine.
Oer „Deutsche Liedertag" in Gießen.
Vom Deutschen Sängerbund wurde der Deutsche Liedertag für das ganze Reichsgebiet auf Sonntag, den 24. Juni 1934, feftgelegt. Demgemäß werden an allen Orten die Gesangvereine an diesem Tage auf den öffentlichen Plätzen einige Chöre zu Gehör bringen.
Die Gießener Gesangvereine singen am Sonntagvormittag 11 Uhr an folgenden Plätzen der Stadt:
Bauerscher Gesangverein: Ecke Plockstraße und Anlage.
Frohsinn-Quartettverein: Horst-Wessel-Wall, am Ausgang der Mühlstraße.
Großscher Männerchor: am Liebigdenkmal.
Liederkranz-Heiterkeit: am Heyerdenkmal, Wer- nerwall.
Daten für Freitag, 22. Juni.
1767: der Staatsmann Wilhelm von Humboldt in Potsdam geboren (gestorben 1835); — 1867: der Verleger Eugen Diederichs zu Löbitz bei Naumburg (Saale) geboren (gestorben 1930); — 1919: Gründung der Universität Köln a. Rh.; sämtliche Grenzschutzverbände erklären gegenüber dem Nachgeben der Reichsregierung, die Ostmark nicht freizugeben, sondern weiterzukämpfen; — 1933: Eingliederung des Stahlhelms in die NSDAP.; Verbot der SPD.; Bildung des Reichsjugendführer-Rates.
beeren 35, Stachelbeeren 15 bis 20, Johannisbeeren 20 bis 25, Erdbeeren 50 bis 55, junge Hahne 100, Suppenhühner 70, Tauben, das Stück 40 bis 60, Blumenkohl 10 bis 40, Salat 8 bis 10, Salatgurken 30, Oberkohlrabi 8, Suppengrün 5, Rettich, Bund 10, Radieschen 8 bis 10 Pf.
2Zornorizen.
— Tageskalender für Donnerstag: NSLB. Abteilung Höhere Schule, Fachgruppe Deutsch, 16 Uhr, Seminarzimmer der Oberrealschule, Sitzung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die vertauschte Braut". — Reichsschwimmwoche, 17 Uhr, Müllerfche Badeanstalt, Lehrschwimmen, Wasserballspiele.
— Die neue Hessische Beamten- Sterbekasse Darmstadt hält am Sonntag, 24. Juni, im Hotel-Restaurant „Bayerischer Hof" ihre Mitgliederversammlung ab. (Siehe heutige Anzeige.)
heit lächeln.
„Wie ein Backfisch benimmst du dich, Sofia!" schalt sie sich selbst. Da küßte sie ein Bild und patte doch das Original zu eigen. Ob er sich ebenso nach ihr sehnte wie sie sick nach ihm? Ach!, auch er war zwar immer sehr lieoeooll; aber er hatte nichts von dem leidenschaftlichen Ueberschwang einer jungen Liebe. In allem war und blieb er doch korrekt. Zwar hatte Sofia bis jetzt Korrektsein, Beherrschung über alles geschätzt und auch in ihrem eigenen Leben walten lassen — nun aber wünschte sie plötzlich, Alexander möchte einmal alle Korrektheit vergessen und sie hineinreißen in den Glutrausch einer wahren Leidenschaft.
Da wurde sie rot. Was waren das für Gedanken?
Als die Zofe kam, um ihr behilflich zu fein, war sie ganz die kühle Dame von Welt.
Alexander Demidoff hatte sich kaum von Sofia getrennt, als er mit hastigen Bewegungen nach Hut und Mantel griff und in die Halle hinabeiltss. Auf der Treppe las er noch einmal hastig den Zettel:
„Madame de Lormes ist jeden Abend in dem kleinen Separöe im Hotel des Anglais zu finden, das von einem Baron von Liewen als Spielklub gemietet ist."
Immer wieder las Demidoff den kleinen Zettel, der für ihn die Erfüllung nach verzweifelter Hoffnungslosigkeit bedeutete. Er würde Lou Wiedersehen! Jetzt gleich wiedersehen. Lieber wäre es ihm ja allerdings gewesen, er hätte sie allein getroffen.
** Don der Landesuniversität. Ernannt wurde mit Wirkung von 1. Juni 1934 an der ordentliche Professor von der Universität Dorpat (Estland) Dr. Wilhelm Süß zum ordentlichen Professor für klassische Philologie an der Landesuniversität Gießen. — Dem Dr. phil. Fritz S t r o h wurde die venia legendi bei der Philosophischen Fakultät, 1. Abteilung, für das ßad) der Deutschen Philologie und Volkskunde erteilt.
♦ Evangelisch-kirchliche Personalien. Uebertragen wurde dem Pfarrer Rudolf Goethe zu Offenbach a. M. die evangelische Pfarrstelle an der Stadtkirchengemeinde zu Offenbach a. M., Dekanat Offenbach, und dem Pfarrer Wilhelm Kornmann zu Laubach die evangelische Pfarrstelle an der Markusgemeinde zu Darmstadt, Dekanat Darmstadt. Pfarrer Friedrich Müller zu Darmstadt wurde zum Dekan des Dekanats Darmstadt ernannt. — Mit der Führung der Dekanatsgeschäfte des Dekanats Alsfeld bis auf weiteres beauftragt wurde Pfarrer Karl B e r n b e ck zu Alsfeld. Ebenso Pfarrer Friedrich Engel zu Alzey mit der Führung der Dekanatsgeschäfte des Dekanats Alzey.
DieKassen des Elektrizitätswerks und des Gas- und Wasserwerks sind wegen des durch die Zusammenlegung beider Kassen
* G i e ß e n, 21. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Süßrahmbutter, das Pfund 1,40 Mark, Landbutter 1,30 bis 1,35, Matte 20 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier Klasse S 10'/-, Klasse A 10, Klasse B 9'/-, Klasse C 9, ®la\\e D 8, Wirsing (grün), das Pfund 15, Gelbe Rüben, Bund 10, Rote Rüben 20, Spinat, das Pfund 20, Römischkohl 10, Bohnen (grün) 25 bis 30, Spargel 30 bis 35, Erbsen 20, Tomaten 30 bis 35, Zwiebeln 15, Rhabarber 8, Kartoffeln (alte), das Pfund 4'/- bis 5 Pf., der Zentner 4,50 bis 5 Mark, neue das Pfund 12 bis 15 Pf., Himbeeren 50, Kirschen 20 bis 25, Heidel-
Chauffeur abspringen konnte. Während Demidoff seiner jungen Frau hineinhalf, steckte der Diener ihm blitzschnell und geschickt einen kleinen Zettel in den Handschuh. Demidoff verbarg das Papier und reichte dem Diener eine Note.
Dann stieg er schnell in das Auto ein, das ihn und seine Frau zum Speisen in eins der größten und elegantesten Lokale Roms führte.
Es war zwei Stunden später, als die beiden in ihr Hotel zurückkehrten, und die junge Baronin Demidoff, ermüdet von dem Tage, sich von ihrem Gatten verabschiedete, um sich in ihr Schlafzimmer zurückzuziehen. Alexander Demidoff küßte die Hand seiner Frau.
„Ich werde noch unten in der Halle einen Whisky trinken, liebe Sofia. Schlafe also gut! Morgen früh reiten wir, wie besprochen, in die Berge."
Sie nickte lächelnd und sah mit innigem Blick der schlanken, eleganten Gestalt nach, die da elastisch vor ihr ging. Wie liebte sie ihn, ihren Mann, den sie sich erwählt, und an dessen Seite sie einer glänzenden Zukunft entgegenging! Aber sie vermochte nicht, es ihm so zu zeigen. Ihm gegenüber blieb sie immer kühl und von einer letzten Reserve. Ihr Stolz litt es nicht, ihm ihre leidenschaftliche Zuneigung unverhüllt zu zeigen.
erblühen konnte.
Ein einziges Wiedersehen mit Lou und der heiße Atem der Leidenschaft fegte wie ein südlicher Samum über sein mühsam aufgebautes Leben. Mit einem fahlen Gesicht saß Alexander Demidoff da — und er wußte nur noch eins: daß er die Frau da drüben sprechen mußte.
Als die Oper auf ihrem Höhepunkt war, die Instrumente lauter und wilder auffangen, als er fah, daß feine Frau, von dem wundervollen Gesang der italienischen Künstler hingerissen, alles um sich her vergessen hatte, da erhob sich Alexander Demidoff ganz leife. Man horte es nicht, wie die Logentür klappte.
Draußen im Gang stand der Logenschließer gähnend an eine Säule gelehnt.
Der junge Diplomat trat rasch auf den Diener zu, der sich sofort aufrichtete und eine devote Haltung einnahm.
„Horen Sie!" sprach Demidoff leise, in tadellosem Italienisch, und ließ eine Banknote in die Hand des Dieners gleiten. „Drüben in der Loge mir gegenüber sitzt eine Dame in einem gelben Kleid. Ich mochte wissen, wo die Dame zu erreichen ist. Sagen Sie Ihrem Kollegen Bescheid ober setzen Sie sich mit dem Portier unten in Verbindung. Ich nehme an, daß die Dame ihren Wagen unten haben wird. Ich komme morgen hier vorbei und hole mir Ihre Nachricht."
..Sehr wohl, Exzellenz!" erwiderte der Diener, der an derartige Aufträge gewöhnt war, ehrerbietig. „Ich werde bis morgen alles erfahren haben, was Exzellenz zu wissen wünschen."
Demidoff nickte kurz und ging leise in die Loge zurück, deren Tür er unhörbar öffnete und schloß. Als die Vorstellung zu Ende war, vermochte er ruhig und heiter plaudernd mit seiner jungen Frau bie Breiten Marmortreppen der großen Oper hinunterzugehen. Er wußte, .er würde Lou wiedersehen.
Auf der Freitreppe der Oper standen die eleganten Frauen in schimmernden Brokatmänteln, die sie eng zusammengerafft über den weit herabfliehenden langen Abendkleidern zusammenhielten. Kostbare : Schleppen aus Chiffon, Samt, Seide, lagen wie glitzernde Bänder auf dem Boden. Herren in i schwarzen Abendumhängen, den Zylinder auf dem । Kops, standen neben ihren Damen. Chauffeure • hupten, und elegante Wagen wurden von der I winkenden Hand des Verkehrsschutzmannes dirigiert. > „Der Wagen Eurer Exzellenz!" sagte ehrerbietig i ein junger Diener der Oper und öffnete den Schlag : eines vornehmen, dunklen Wagens, ehe noch der


