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Chef der Kanzlei des Führers der NSDAP., die durch Verfügung des Führers und Reichskanz­lers jetzt errichtet wurde, ist Reichsleiter Philipp B o u h l e r. Ihm sind die Parteiadjutantur und die Privatkanzlei Adolf Hitlers unterstellt.

hinter der Absetzung einer volksfremden preußischen Regierung. Heute ist die Wehrmacht von so undank­barer Rolle frei. Sie ist aus dem innerpolitischen Kräftespiel herausgen o m m e n worden und kann sich wieder ihrer vornehmsten Aufgabe allein widmen, der Vorbereitung auf den Schutz der Grenzen. Für diese Aufgabe hat die natio­nalsozialistische Revolution der Wehrmacht neue Grundlagen geschaffen. Soldatisches Denken ist zum Grundsatz einer neuen Staatsführung erhoben; sol­datisches, nicht militärisches! Führerprinzip, Lei­stungsgrundsatz, Volksgemeinschaft sind Grund- elemente soldatischen Denkens. Das deutsche Volk hat wieder wehrhaft denken gelernt, ohne Kriegslust, aber in festem Abwehrwillen. Da­mit ist der Wehrmacht eine neue ideelle Grundlage geschaffen.

Durch den Eid auf den Führer in der persönlichen Form ist die seit dem Bestehen solda­tischer Verpflichtung und Gefolgschaftstreue ideale Lösung wieder gewonnen, die keinen Gewissens­zweifeln Vorschub gibt, wie sie der Eid auf eine Verfassung, die dehnbar und auslegungsfähig ist, mit sich bringt. Damit ist der Wehrmacht eine neue sittliche Grundlage geschaffen.

Die im Mai 1934 erlassenenSoldaten- pflichten" geben dem Soldaten Richtsätze für Beruf und Leben und damit seiner Arbeit eine neue moralische Grundlage durch die Feststellung: Der Dienst in der Wehrmacht ist Ehrendienst am deutschen Volk". Sie stellen die Wehrmacht zugleich mitten in das Leben der Nation durch den Satz: Die Wurzeln ihrer Kraft liegen in einer ruhm­reichen Vergangenheit, in deutschem Volkstum, deutscher Erde und deutscher Arbeit".

Vor allem aber ist eine wesentliche Veränderung der Grundlagen zu sehen in der vom Führer und Reichskanzler der Wehrmacht gegebenen Aufgabe, mit der Nationalsozialistischen Partei zusammen Träger des Staates zu sein undletzte auf unabsehbare Zeit wirkende Sicherung des neuen Zustandes". Damit ist der Wehrmacht die sichere politische Grundlage geschaffen.

Die Geschichte kennt manche Beispiele revoltie­render Armeen. Die Gründe dafür lagen nicht immer nur in den Armeen selbst. Oft hat sich in solchen gewaltsamen Entladungen die Vernachtässi- gung der Truppen durch die regierenden Gewalten gerächt. Die deutsche Wehrmacht ist in ihrem inne­ren Gefüge gesund. Sie pflegt nationalen Geist und lebt in straffer Disziplin. Sie weiß aber auch, daß in der Geschichte des nationalsozialistischen Deutsch­lands niemals ein Blatt zu finden sein wird, auf dem zu lesen wäre, daß die Führung des Dritten Reiches der Wehrmacht genommen habe, was zu ihrem Leben und Gedeihen not ist.

Die Stellung der Wehrmacht im neuen Staat gibt keinen Grund für Fragen und Zweifel.

Zum Tage -er deutschen Hausmusik.

Don Professor Or. Hans Joachim Moser, GOS.

Die seit einigen Jahren bestehende Einrichtung eines besonderen Tages der deutschen Hausmusik, den man mit dem Fest der Musik­heiligen Sancta Caecilia verbunden hat, ist auch diesmal wieder da und wird hoffentlich im Bündnis mit Rundfunk und allerlei konzerthaften Veranstal­tungen immer mehr das ihr vorgesetzte Ziel er­reichen. Dies Ziel ist, das deutsche Haus wieder singend und klingend zu machen, und zwar nicht bloß durch das Anstellen von Radio und allerlei Musikmaschinen, sondern durch das Selbermusizieren. Ginge man bloß vom äußerlichen Klangergebnis aus und wollte man dieses sozusagen nur mit Konzertkritikerohren beurteilen, so würde wohl in der Mehrzahl der Fälle der übermittelten Fach­musik ein höherer Preis zuzusprechen sein als der tonkünstlerischen Hausleistung von Laien. Aber dar­auf kommt es eben nicht an, sondern auf die see­lischen Gewinne, die von dem einträchtigen und ernstlichen Gemeinschaftsbemühen der Haus­musikanten zu erwarten steht.

Welche Innere Beglückung ereignet sich immer wieder und unfehlbar, wenn Eltern und Kinder gemeinsam ein mehrstimmiges Tischlied und Abendgebet zu singen verstehn und sich dazu innerlich und äußerlich zusammenfinden! Welche Freude, wenn da Geschwister und Freunde Kam­mermusik machen und sei es bloß selbst ein schlichtes Violinduett und eine sauber und herzhaft gespielte Klaviersonate! Welche Bereicherung gar, wenn solche häusliche Musikpflege zum Streich­quartett, zum Klaviertrio, zum Klavierquintett der Wiener Klassiker emporwäckst, wenn man die herr­lichen Altmeister der Reformation mit Gesang, Blockflöten und alten Violen neu zum Klang zu erlösen versteht! Welch heitere Lust und echte Gesell­schaftlichkeit erwächst aus dem Kanongesang! Und was alles kann man sich mit gutem vier- bändigem Klavierspiel ins stille Zimmer yereinbannen von den deutschen Tänzen Schu­berts bis zu Bruckners himmlischen Sin­fonien ...

Freilich: sollen sich die Segenskräfte und die Beglückungsfähigkeit wahrer Hausmusik tatsächlich einstellen, so muß man über zweierlei Schwächen und Hemmungen hinauszugelangen wissen: über die Spießigkeit und über die Stümperei. Die Spießigkeit? Ja, seit den Biedermeierzeiten des sonst so hochverdienten Heinrich Wilhelm Riehl haftet an dem Begriff Hausmusik leicht ein gewisser, etwas muffiger Lavendelduft und Schnupftabaks­geruch. Hausmusik wäre dann eine künstliche, inner­lich etwas unwahre Zurückschraubung des Gefühls auf Jean Paul und S p i tz w e g (was übrigens ja noch gar nicht so schlimm wäre!), vielmehr noch auf das Allerphilisterlichste der Postkutschen- und Schlagbaumzeit, hätte also mit uns selbst und un­serem eigentlichen Fühlen so gut wie nichts mehr zu tun. Das darf nicht fein! Es gibt technisch und in der Ausdehnung durchaus bescheidene Musik

auch großer Meister und bester Kleinmeister voll freien Atems und von wahrer, starker, gegenwarts­naher Haltung, die dem Hausmusikantenkreis ein tüchtiger Fachmusiker immer mit Freuden namhaft machen wird. Kirchner und V o l k m a n n, Götz und Cornelius wären die Feinen, Kleinen, von denen man zu Schuberts und Beethovens kleineren Werken, zu Geeignetem von Bach und Händel, Mozart, Schu­mann, Brahms und Hugo Wolf empor­zuklettern sich bestreben mag.

Und Stümperei? Ja, zwischen fadem Nichts- fönnen und atemberaubendem Alleskönnen der Vir­tuosen liegt ein weites, liegt das eigentliche Feld. Ohne Fleiß kein Preis, und ohne Liebe zur Sache kein Gelingen. Gewiß ist es nicht leicht, gerade heute bei so viel anderweitiger Inanspruchnahme die Jugend beim Privatunterricht und beim instrumentalen Heben zu erhalten, und die Klage der Eltern ist nur zu bekannt, für den Klavier­unterricht und die Geigenstunde sei kein Geld da. Und doch, wo ein Wille ist, findet sich meist auch ein Weg. Manch einer hat doch immer noch das Geld für diese und jene eigentlich nicht so brennende Anschaffung und läßt darüber eine An­lage feines Kindes unausgebildet, aus deren Ent­faltung der junge Mensch dermaleinst eine Fülle von gesellschaftlichen Vorteilen und von Lebens­bereicherung ziehen könnte. Da gilt es, selbst wenn es im Augenblick einmal lästig und schwierig aus- sehn sollte, auf weite Sicht für die künstlerische Ausbildung der anvertrauten jungen Menschen etwas zu wagen. Wie oft hört man spater ver­einsamte und unfrohe Menschen, wenn andere fröh­lich und mit bescheidener Kunstfertigkeit doch hübsch im Hause musizieren, grämlich sagen:Ja, wenn mir meine Eltern solchen Unterricht gegönnt hätten oder wenn ich strenger beizeiten dazu angehalten worden wäre bann könnte ich das jetzt auch und wäre froh und glücklich versäumte Gelegen­heit ..." Die andere Form von Stümperei aber ist jener Hochmut eines f ch I e cf) t e n Dilettantentums, sich ohne entfernt zureichendes Können an die hohen Mufikwerte zu wagen, weil man alles Vorherige auch schon in oberflächlichen Kostproben durcheilt hat. Da gilt es, erst einmal Ehrfurcht zu lernen...

Wenn heute die allgemeine Sehnsucht wieder nach Beseelung und Verinnerlichung des deutschen Hauses und Familienlebens geht, so wird kaum ein zweites Gebiet so unerschöpf­lich reiche Möglichkeiten bieten, ihnen einen herz- erroärmenben und alle aneinanderbindenden Inhalt zu geben als gerade die Hausmusik. Opernkunst und Podiumskunst sind ganz gewiß entscheidend wichtig für den Fortbestand und die Weiterentwick­lung der großen deutschen Tonkunst. Aber ihr bestes Publikum, ihr unentbehrliches Parterre von wahren Liebhabern und Sachkennern erhalten auch sie nur von den aktiven Hausmusikanten her. Also auch unter solchem Blickpunkt kann man nur herzlich rufen:Alle Mann an die Pulte fanget an!"

Neues für den Büchertisch.

Cosima Waaner und Houston Ste­wart Chamberlain im Briefwechsel 188819 0 8. Herausgegeben von Paul Pretzsch, Bayreuth. Mit zahlreichen Bildern und Brief­wiedergaben. Preis: Geheftet RM. 9,00, in Ganz­leinen RM. 12,00. Verlag Philipp Reclam, Leipzig. (377) Die Veröffentlichung des Briefwechsels zwischen Cosima Wagner und Houston S. Chamber­lain umfaßt den Zeitraum von der ersten Bekannt­schaft der beiden bis zur Hebersiedlung Chamber­lains nach Bayreuth als Gatte der Tochter Cosima und Richard Wagners. Diese Jahre sind bezeichnet durch die rastlose schöpferische Tätigkeit Cosima Wagners um die Reinerhaltung und Förderung des Werkes von Bayreuth und durch die Ent­wicklung Chamberlains aus dem Naturwissenschaft­ler zum freien Schriftsteller und Denker. Gerade in diesem Zeitraum entstanden seine epochemachenden

Werke:Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts", Kant" und viele andere. Aus den Schaffenskreisen der beiden strömt es unablässig in ihren Briefwechsel hinein, die Fülle ihrer Gedanken macht das Lesen ihrer Briefe zu einem anregenden Genuß. Zu spannenden Höhepunkten kommt es mehr als ein­mal, wenn beide sich im Widerstreit der Meinungen gegenübertreten. Die beherrschte, aber doch zäh kämpfende Art Cosima Wagners weiß die zuweilen vulkanisch anmutenden Ausbrüche ihres Briefpart­ners zu bändigen. So entsteht ein Buch von über­reicher Fülle im Geistigen und Menschlichen. Das Reinpersönliche, Unumrounbene verleiht diesen Brie­fen einen unvergleichlichen Zauber. Gleichzeitig tritt das ganze Zeitalter in helle Beleuchtung, auf viele bedeutende Zeitgenossen aus Kunst, Philosophie, Musik, Politik fällt neues Licht. Das Werk, das mit vielen Bildern und Brieffaksimilis ausgestattet ist,

gehört zu den wertvollsten - Briefsammlungen dir letzten Jahrzehnte.

Johannes Werner: Briefe eines baltischen Idealisten an seine Mutter. 1833/1875. Leipzig, Koehler & Amelang. In Gan- leinen 5,80 Mk. (375) Es sind Briefe eirvs Grenzlanddeutschen, des Dr. Georg von Schulz der, von Haus aus Mediziner und Poet ba^ später aus innerem Drange, gleichgültig ge^ äußere Ehren und Erfolge, ganz zum Schriftsteller und durch seineBaltischen Skizzen" einer der be­kanntesten Literaten des Baltikums wurde. Ein­drucksvoll tritt aus diesen Briefen das Bild dieses Idealisten aus dem Rahmen einer von Liebe Scholle und Kinderglück erfüllten Familiengeschichte hervor. Frisch und lebendig wirken diese alten Briefe, weil ihr Verfasser durch seine Begabung, Bildung und weiten Reisen über seiner Zeit stand und weit über sie hinausschaute. So haben diese Briefe auch außer dem Bilde einer vergangenen Zeit, die sie lebendig vor Augen stellen, uns noch viel zu sagen, und mit gutem Recht nennt sie ihr Herausgeber ein würdiges Seitenflück zu den Brie, fen Wilhelm von Kügelgens.

Totengräber der Kultur. Ein Buä über den Materialismus. Von Professor Dr. Willi, Müller. 120 Seiten. 1933. Broschiert RM. 2,50. Verlag von Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar. (291) Der Verfasser ruft mit Nachdruck nach einer Rückkehr zur Kultur, nach einer Besinnung des deutschen Menschen zur Heberwindung der Un­kultur und der materialistischen Denkweise. Hnnach. sichtlich werden die Schwächen der kulturhistorischen Entwicklung der letzten 150 Jahre ans Tageslicht gezogen, werden die sogenannten geistigen, wirt­schaftlichen und sozialen Kulturwerte zerpflückt. <5d umfaßt das Buch neben einer Analyse der kultu­rellen, ökonomischen und sozialen Schöpfungen und einer tiefgreifenden, psychologischen Wertung der größten Denker, eine Synthese dessen, was als Folge ihrer Wirksamkeit der deutsche Geist über­winden muß. Er weist auf einen Weg, der zur Abstreifung des Materialismus führt und dem Geist und Gemüt wieder die Stelle einräumt, die ihnen durch eine entartete Philosophie, Naturwissenschaft und Technik geraubt wurde, eine Tat, die den Ver­fasser als einen Vorkämpfer für eine wahrhafte Kultur auf der Grundlage einer echten Volksgemein­schaft erweist.

Das stählerne Geheimni s." Zu­kunftsroman von Hans Dominik. Geheftet 3,10 Mk., Ganzleinen 4,50 Mk. Verlag Scherl, Berlin SW 68. (494) Dominik hat den starken Erfolg feiner Zukunftsromane zum großen Teil einer glücklichen Verbindung von fruchtbarer Phan­tasie mit dem geschulten Blick des Ingenieurs für technische Möglichkeiten zu verdanken. Sein neuer Roman, der nicht in phantastischer Zeitenferne, sou. dern in naher Zukunft spielt, zeigt noch stärker als frühere Werke die Erfindernatur, die den Versasstr befähigt, aus bekannten Naturgesetzen Wirkunge-n abzuleiten, deren kühne Begründung uns zugleich überrascht und überzeugt. Hnd welche Spannung weiß Dominik in seiner Darstellung zu entwickeln. Wir erleben alle Vorbereitungen mit, aber welchem Zweck sie dienen, bleibt dem Leser zunächst so un­klar, wie den Feinden des Hnternehmens im Roman, die sich vergeblich den Kopf zerbrechen und alle Mittel der Spionage spielen lassen.

Blodigs Alpenkalender 1935. 98 Blätter mit großen beschrifteten Bildern, darunter drei Vierfarben-Kunstblätter, Anstiegsblätter, geo­logische und meteorologische Beiblätter nebst interes­santem Dreisrätselbild. Verlag des Blodiqschen Al- penkalenders Paul Müller, München N\V 8. Preis 2,90 RM. (496) Auch der neue Jahrgang macht wieder den Eindruck einer bemerkenswerten Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt in der Auswahl der Bilder, die alle Gebiete der Alpenlandscha it umfassen einschließlich Tier- und Pflanzenwelt, Oe- brauche, Baukunst u. a. mehr. Der Kalender wind Hochalpinisten wie Tnlwanderer, überhaupt jeden Naturfreund im gleichen Maße befriedigen. Ein: Preisrätsel lockt zum Raten, bei dem wertvoll«! Preise zur Verteilung gelangen. Neben Altmeister Blodig, der die Bilder anregend beschriftet, bearbei­ten Mitarbeiter von Ruf vier Anstiegsblätter sowi.! meteorologische und geologische Eigentümlichkeiten der Alpenwelt.

Oie CRegenfbibe.

Von Joachim Lange.

Wenn die Novemberwinde über das Bruch pfif­fen und Tag um Tag rauschend der Herbstregen niederging, dann saßen wir zur Schummerzeit am liebsten oben in der Regenstube. Das war ein großes, niedriges Zimmer, in dem sonst nur Wäsche gelegt und geplättet wurde, das einzige übrigens auf dem Boden; mächtige Schränke standen darin, ein Tisch, so lang und breit wie eine Kammer, und alle Stühle aus der Wohnung, denen ein Bein, der Sitz oder gar die ganze Lehne fehlte. Wie alle Bodenräume lag dieses Zimmer gleich unter dem flachen Pappdach, das Haus und Stall, Fabrik und Schuppen bedeckte. Auf Pappdach aber, so häßlich es für das Auge ist, trommelt der Regen immer so schön.

Ein Fenster nur erhellte schwach den weiten Raum. Ohne aufzuhören rann die Feuchtigkeit an den Scheiben hinab und hinter den seltsamen Ge­bilden, die sie formte, verschwommen Himmel und Ebene in Dunst und Nebel. Manchmal, wenn der Wind sich plötzlich stärker erhob und den nassen Schwall wirbelnd über das Haus hinwegtrug, setzte für ein paar atembeklemmende Sekunden das gleich­mäßige Trommeln aus, heftiger rüttelte der Sturm am leichten Dach, gellender fuhr er um die Ecken der frei in Gärten und Feldern liegenden Gebäude. Aber nicht lange währte es und wieder trommelten unablässig auf das Dach die Tropfen.

Was wir dort oben taten? Nichts; wir faßen nur so herum auf den ramponierten Stühlen, lausch­ten dem Regen und lernten das Gruseln. Fiel auch Der eine ober andere von den ganz Kleinen biswei­len in Schlummer unter der eintönigen Musik der Tropfen wir Größeren wurden wacher und wa­cher, je dunkler es wurde, und unferee Kinderherzen taten ängstliche Schläge. Immer wieder schwuren wir uns, jeder sich ferner, kein einziges Mal mehr in die Regenstube zu gehen (und allein hätte es auch keiner gewagt), aber jeden Nachmittag trieb uns ein unbestimmtes Verlangen aufs neue hinauf in die unheimliche Dämmerung. Das blasse Licht im Fenster erlosch mehr und mefjr, weiter dehnte sich das Zimmer aus, drohender wuchsen die Schränke, tiefer und gefährlicher dunkelten die Ecken. Jemand räusperte sich plötzlich und wir schraken zusammen und horchten erschauernd in die trommelnde Stille.

Dann begann wohl einer alle .hatten schon darauf gewartet von dem großen Brandstifter, Räuber und Mörder Stemickel zu erzählen, der einst das ganze Bruch mit Schrecken geschlagen hatte. Alles war uns deutlich gegenwärtig aus den Berichten

unserer alten Emma, die dem unerkannten Ver­brecher einmal ein Glas Milch gereicht hatte, und eine Viertelstunde später kam der Gendarm ange­prescht: die mond- und sternenlose Nackt, ein brennendes Gehöft irgendwo in der Landschaft, raschelndes Schilfdickicht am Strom, Polizei mit entsichertem Gewehr hinter Weiden und Heuscho­bern, leise Rufe und Pfiffe, die erhobenen Forken und Spaten in den Fäusten der ergrimmten Bauern als man das Untier abführte ...

Und, während nun einer den andern übertrumpfte mit schaudernd vorgebrachten Einzelheiten, immer denselben, trommelten die Tropfen rascher auf das Dach, heute der Wind gespenstischer, prasselte es dumpfer gegen die klirrenden Scheiben. Draußen lagen die einsamen Höfe und Loose, wir selbst waren allein im rauschenden Regen und auf der Welt jedem Räuber ausgeliefert und jeder Untat.

War es ganz dunkel geworden, rief man uns endlich zum Kaffee. Nun war noch der finstere Flur zu überwinden, wo hinter jeder Bodentür, hinter ledern Mauervorsprung ein Stemickel mit blitzen­dem Messer lauerte, nun die schwarze knackende Treppe bann empfing uns bie tröstliche Helle des Wohnzimmers und nie, nie wieder würden wir in die Regenstube, hinaufgehen.

Herr Kobin geht auf Abenteuer "

Nack längerer Pause wieder mal ein richtiger, interessanter, sehr spannender Kriminalfilm; so was kann bie Ufa, keine Frage. Die Vorlage bildete ein Roman von Hanns Marschall, ber auch zusammen mit Dr. Max Wa11ner bas Drehbuch schieb. Das Interesse bes Beschauers, bas bis zu­letzt unoerminbert anhält, wird übrigens baburch nicht beeinträchtigt, bah man währenb ber Ereig­nisse mehrfach Fragen stellen unb gewichtige Ein­wände vorbringen möchte. Darauf kommt es nicht so sehr an, weil es sich hier immerhin um ein Phantasieprobukt hanbelt, um einen Roman, nicht um eine Reportage; unb weil bie treibenbe Idee psychologisch geschickt angelegt ist: Herr Kobin ist ein Bankbeamter, ben eines Tages, ba ihm eine Erbschaft in ben Schoß gefallen ist, die wilde Sehnsucht ergreift, das enge unb abgezirkelte Einerlei seines täglichen Lebens von sich abzutun und auf Abenteuer auszuaehen, auf die Jagd nach dem Unerwarteten, dem Neuen, dem großen Er­lebnis. Dieser nüchterne Beamte entpuppt sich als ein Romantiker in dieser Zeit, und man muß sich freilich weniger über feinen jäh erwachten krimi­nalistischen Ehrgeiz wundern als darüber, wie ge­rade er mit dem Abenteuer fertig wirb, das sich schneller einstellt, als er selbst erwartet hat. Aoer

man barf ben Männern, die beim Baden Papier­schiffchen in ber Wanne schwimmen lassen, nicht über ben Weg trauen: sie machen lauter Dumm­heiten im praktischen Leben und in der rauhen Wirklichkeit. Ein sehr dankbares Motiv, für den Film wie für den Roman gleichermaßen brauch­bar, obwohl nicht völlig neu, ist ferner die Ver­tauschung der Pässe, ber Namen unb Personen. Mit mehr als solchen flüchtigen Anbeutungen auf ben Tatbestanb einstigeren, wäre unzart. Hans Deppe führt Regie: geschickt unb einfallsreich; unb bie schöne unb alte Stabt Prag gibt bem Abenteuer einen ebenso stilvollen wie malerischen Rahmen. Speelmans ist Herr Kobin; man sah ltzn oft in solcher Umgebung, aber hier hat seine Rolle boch eine befonbere Note, bie wir noch nicht kannten; erst zuallerletzt, wenn er mit brei Män­nern auf einmal im Dunkeln boxt, ist er wieder ganz ber Alte. Sehr gut Odemar als Kommissar: voll überlegener Ruhe unb von trockenem Humor. Steinbeck hat sich in ähnlichen Aufgaben oft bewährt. Maria Mei-ßner, eine elegante unb gescheite blonbe Dame. Dorit Kreysler, eine neue Entbeckung ber Ufa; Zeblitz, Schott, Dienert unb Lotte W e r k m e i st e r in kleinen Aufgaben sehr tüchtig. Der Film läuft feit gestern im Lichtspielhaus; es lohnt sich: zwei Stunben vergehen im Hanbumbrehen.

Japanisches Kinderleben.

Nicht umsonst hat man Japan basParadies ber Kinber genannt, benn wohl in keinem anberen Canbe gewährt man den Kinbern so viel Freiheit zu fröhlichem Treiben unb Spielen wie im Reich ber Mitte. Besonbers in ben Stäbten im inneren Japan, wo bie Aufnahme westlicher Sitten bie Lebensgewohnheiten bes Volkes noch nicht so stark beeinflußt hat, erhält bas Straßenbilb burch bas Spiel ber Kinber eine befonbere Note. Knaben lassen in fröhlichem Wettkampf ihre Drachen steigen; kleine Mädchen Hüpfen unb springen mit ben bun­ten Puppen auf dem Rücken, unb ihre zartfarbenen Kimonos flattern luftig im Wind. Auch aus ben Gärten, zwischen Chrysanthemen unb Kirschbäumen, erschallen ben ganzen Tag über Helle Äinberftimmen. Das Lieblingsspiel ber Knaben ist basFahnen­spiel", bei bem zwei Parteien gebilbet werben, bie eine mit weißen, die anbere mit roten Flaggen. Aus ein gegebenes Zeichen hin beginnt bas Spiel, wie in einer Schlacht prallen beibe Parteien gegen- einander; ein jeder versucht, bem Feinbe Flaggen zu entroinben, und die Partei, bie schließlich bie meisten Fahnen erobert hat, wirb feierlich zum Sieger erklärt. Bei der Unterhaltung der Kinder

im Haus nimmt bas Erzählen ber alten Sage» unb ber Märchen von wohltätigen Feen unb böse« Dämonen, die über bas Leben unb Glück brr Menschen Gewalt haben, einen großen Raum ein Dann versucht sich ber kinbliche Geist an Rätseln; aus kleinen Bauklötzen entstehen schlanke Pagoden unb Helles Kinberlachen schallt durchs ganze HaM Die Kinder sind nicht wie die europäische JugeiO an ein Zimmer gebunden, die leichten Bambu-' wände, bie die Gemächer bes japanischen Hauses abteilen, sind verschiebbar und in kurzer Zeit fann ein kleines Zimmer zu einem großen Spielsaal erweitert werden. Japan ist bas Lanb der Feste.; die Kinder gehen dabei nicht leer aus. So wirft alljährlich ein großes Puppenfest gefeiert, bas nid« weniger als fieben Tage bauert. Schon lange vor­her bereitet bie kleine Japanerin sich auf dies Ereignis vor, ihre Puppen werben neu gekleidet bisweilen auch verkleibet, jedes Mäbchen veranstalte« eine eigene kleine Puppenausstellung, in ber sie ihr« Schätze zur Bewunberunq bereitstellt, bie kleinem hölzernen Bäuerinnen, Tänzerinnen unb Geishas,, die Samuraipuppen, bie eine phantastische alte! Rüstung unb ein Schwert tragen. Dann kommen die Freundinnen, um die Herrlichkeiten zu bc munbern, bie kleine Gastgeberin legt stolz ihren schönsten Kimono an, bie Lippen werben besonders sorglich gepinselt, und bie schönsten Silberspanaen funkeln im Haar. Aber auch bie Jungen HM einen Ehrentag, bas großeFest ber Knaben". W Eltern, bie einen Sohn ihr eigen nennen, befestig? an ihrem Hause Drachen, bie fröhlich in ber schweben. Jeder Drachen bedeutet einen Knad5 unb bie Größe ist genau nach dem Alter bes Kindes ab gestuft. Sie haben die Form von Karpfen, benn ber Karpfen gilt als ein tapferer, kühner Fisch, der sogar gegen ben Strom schwimmt. Dieses Symbol kann als Wahrzeichen ber japanischen Knabem erziehung gelten. Währenb bie kleinen Mädchen kunstvolle Tänze erlernen, bie seltsam geformte japanische Laute schlagen unb in der Kunst des Blumenbindens eine Meisterschaft zeigen, die neid' volle Bewunderung abnötigt, lernen die Knaben den Tuschpinsel führen.

Hochscbulnacbrichten.

Professor Dr. Walter Schmibt-Rimpler,. Ordinarius für Deutsches, Bürgerliches unb Han" belsrecht an ber Unioerfität Breslau hat dem an ihn ergangenen Ruf an die Handelshochschule- Berlin abgelehnt.

Dr. Albert W. Schmidt, Prioatdozent an ber Technischen Hochschule Breslau, hat einen Rus auf das Ordinariat für Chemische Technologie an der Technischen Hochschule in München erhalte».