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Ist die Technik unser Schicksal?

Don Josef Magnus Wehner.

Um recht in die Mitte des technischen Gedanken­feldes zu kommen, müssen wir von der Erscheinung des Krieges ausgehen.

Soweit er vom Volk geführt wurde, von den Blutsbruderschaften der Kameraden in und hinter der Front, war er wirklich. Er war so lebendig, daß seine innere Bewegung noch über sein zeitliches Ende hinaus anhielt; lange nach Friedensschluß kämpften im Baltikum, in Oberschlesien und an der Ruhr die soldatischen Körper des Selbst-, Heirnat- und Grenzschutzes in den vielen sogenannten ille- aalen Verbänden. Das alles waren wirkliche Kämpfe, von einem politischen Instinkt geführt, der Freund und Feind voneinander zu unterscheiden wußte. Aber gleich am Anfang des Krieges dräng­ten sich auch schon die Mächte des Unwirklichen in den furchtbaren Ernst der soldatischen Wirklichkeit. Sie verkappten sich in verschiedenen Masken, diese Mächte. Der Franzose und mit ihm die Welt kämpf­tenf ü r die Menschlichkeit", wir kämpften gegen einen Druck, den wir Soldaten in der glänzenden Sicherheit des Reiches noch gar nicht gespürt hat­ten. Wir hatten als völlig unpolitische und nicht im geringsten belehrte oder gar verhetzte Menschen nur den dumpfen Willen, eine Kette zu sprengen, deren Glieder wir noch gar nicht erkannt hatten. Erst im Verlauf des Krieges wurden wir uns über unsere zahlreichen Feinde klar. Auf alle Kriegsschau. Plätze der Welt geworfen, lernten wir nicht nur unseren augenblicklichen Gegner blutig kennen, wir stießen auch überall auf Orte, wo Heere unseres alten Reiches gekämpft hatten: Verdun und Da­maskus, Drbenefanb und Kaukasus durchdrangen uns wieder mit ihrem Mythos, wie sie einst die Ritter und Landsknechte des Mittelalters durch­drungen hatten. Aber war uns diese Wiederberüh­rung immer ein lebendiges Ereignis? Nein, denn wir hatten ja den Reichsmythos längst aufgegeben zugunsten eines Staates, der sich nur auf seine politischen Funktionen beschränkte und für die in­nerliche Kultur im uraltheiligen Sinne des Welt­baues und der geistigen Bebauung bet ikrbe keinen Sinn hatte. So wurden uns auch unsere Züge nach Palästina, nach Bagdad, Gallipoli und den Polen der jetzigen Welt eher zu einem Abenteuer als zu einer schicksalsmäßigen und mythischen Wiederver­einigung.

Wir Deutschen aber müssen uns nicht nur mit dem Verstand, sondern vor allen Dingen mit der Seele in irgendeinem Befund heimisch fühlen, soll uns dieser Befund zur Wirklichkeit werden. Die Un­klarheit der Kriegsziele jedenfalls bewirkte damals eine erschreckende Gespaltenheit der Pläne unserer obersten Leitung.

Das Gefühl der Gespaltenheit wurde noch ver­stärkt durch den Auseinanderbruch der militärischen und politischen Führung. Clausewitz sagt:Ge­hört der Krieg der Politik an, so wird er ihren Cha­rakter annehmen. Sobald sie großartiger und mäch­tiger wird, so wird es auch der Krieg, und das kann bis zu der Höhe steigen, wo der Krieg zu feiner absoluten Gestalt gelangt." Wir haben die absolute Gestalt des Krieges zuweilen bei Verdun erlebt, aber wir hatten zugleich das grauenvolle unheimliche Gefühl, daß er nicht mehr im Lebens- raume der Politik und damit nicht mehr im Lebens- raume unseres eigenen Volkes spielte. Wir hörten von Friedensentschließungen der politischen Füh­rung, wir fühlten, wie man in der Heimat das po­litische Grundgesetz der Unterscheidung von Freund und Feind mit Fußen trat und uns Soldaten da­durch aus dem Reiche hinausstieß, irgendwohin ins Niemandsland, als verzweifelte Vorposten eines imaginären Hinterlandes. Weil Politik und Krieg­führung auseinanderbrachen, gewannen die Mächte des Unwirklichen Macht über unsere Seele. Die Bürokratie, der Stab, die Etappe vergrößerten sich und ihre Vorschriften und ihre Lebensführung über­wucherten und verdarben schließlich die schlichten, todnahen und männlichen Gesetze des militärischen Handelns. Auch die Bürokratie, gleichsam als ein Stilleben des unnützen Intellekts, gehört den un­wirklichen Mächten an.

In solchen Augenblicken begannen die Material­schlachten. Die Kriegsmaschinerie der Technik wurde zur Gebieterin über Leben und Tod. Die Maschine trat aus der dienenden Rolle, die ihr das Gesetz der Wirklichkeit vorschreibt, heraus und wurde selbst­herrlich. Sie verbrüderte sich mit den Mächten der Unwirklichkeit, zu denen sie ihrer Natur nach ge­bärt, und trieb die Verfinsterung im Herzen des Soldaten vorwärts. Bei Verdun umstand sie brül­lend in undurchdringlichem Halbkreis den Kessel, in

Aus Natur und Technik.

dem Freund und Feind wehrlos und ziellos feuer­ten. Keine Front war mehr erkennbar. Deutsche, Franzosen, Neger waren ineinander geschlungen, niemano wußte oft mehr, von welcher Seite das Geschoß kam, das ihn zerschmetterte. Ein Gesetz wurde sichtbar:

Die Maschine und mit ihr die Technik werden unwirklich, sobald sie das menschliche Maß über­schreiten. Alle Wirklichkeit liegt im Maß, der Kern des Lebens in der Mitte.

Die Maschine entstammt nicht dem Reiche des Dämonischen, sondern dem Reiche des Unwirklich- Toten. Ihre Arbeit besteht in der Umgruppierung toten Materials, insofern ist sie mit Den Todes­mächten verwandt. Sobald ihre Konstruktion un­übersichtlich, also kompliziert, oder wie man zu sagen pflegt, gigantisch wird, wird sie unwirklich. Freilich wirb sie immer ein Frembkörper im mensch­lichen Leben bleiben, edeckso wie eine silberne Rippe ober eine silberne Schäbelplatte von vernünftigen Menschen nicht als organischer Bestandteil des menschlichen Körpers empfunden werden kann. Aber unwirklich wird sie erst, wenn sie das Maß überschreitet, wenn sie Menschen in Scharen brot­los macht, ober bas Antlitz bcr Erbe weithin ver- häßlicht und verwüstet. Ich glaube, daß sich der Rhythmus der Erde und des Blutes niemals dem Takt der Explvsivnsmvtore anpassen wird, niemals der gleitende, trinkende Blick des Auges dem raffen­den, vernebelnden Tempo und der bildzerstörenden Hast des Autos, niemals der von langsamer Ge­schichte und meerhaft wogender Landschaft gebaute

Mensch einer abstrakten Flugzeuglandschaft aus 6000 Meter Höhe. Hier von Anpassung zu reden, ist Frevel, denn dem Menschen ist ein Maß gesetzt.

Niemals wird die Technik den Grad des Lebens erreichen, den das Schöpferische innehat. Ihr Kern ist der Ersatz der gewachsenen Welt, sie gehört zu den Urformen des Krieges. Die Kriegslandschast wäre etwa zu vergleichen mit einer Landschaft auf unserem toten Gestirne, dem Mond, die Industrie­landschaft mit einem Gelände aus irgendeiner Utopie. Beide aber sind der Wirklichkeit beraubt, sie gehören nicht mehr dem Reiche des Lebens, des Geistes an, sie haben den Schein bannender Un­wirklichkeit, den wir vom Antlitz des Todes her kennen, und dieser Schein teilt sich auch den Men­schen mit, die in ihrem Bereiche leben müssen. Un­wirklichkeit verwandelt auch die Menschen zu un­wirklichen Wesen.

Es sei wiederholt: Die Wirklichkeit der Technik liegt in ihrem Maße. Dieses Maß ist dem Men­schen nicht sichtbar gegeben wie ein Metermaß, es ruht aber in seiner Ahnung, seinem lebendigen Ge­wissen. Eine Menschheit, die dieses Maß nicht mehr hat, ist unrettbar dem Tode geweiht.

Wir Deutschen aber sind keine Qsjrplofioniften und Mechaniker des Weltuntergangs. Wir sind das ordnende Volk; wir müssen für die Welt, damit sie nicht untergehe, das Maß und seine Gesetze wieder­finden und einprägsam formen. Das ist eine von den Forderungen deutscher Wirklichkeit, die der G e i st der Natur, der wir von Urbeginn an verpflichtet sind, selber an uns stellt.

Der gequälte Fernsprecher.

Dauerprüfung von Hörern, Zedern, Schnüren und Wählern.

Von Dipl -Fng. A. Lion, Berlin.

Wer hätte noch nicht verärgert seinen Telephon- Hörer auf die Gabel des Fernsprechers gehauen! Und wäre höchst erstaunt gewesen, wenn der Hörer, infolge dieser rauhen Behandlung, Schaden genom­men hätte. Der Telephonhörer muß es eben aus­halten können, gelegentlich auch als Blitzableiter für Zorn-Ausbrüche zu dienen, ja, er wird sogar.darauf­hin geprüft, ob er dieser Aufgabe gewachsen ist. Im Dauerver s u chsraum für Fernsprech­anlagen bei Siemens & Halske kann man eine Reihe am Griff befestigter Fernsprechhörer sehen, die mit Hilfe einer sinnreichen Einrichtung ununter­brochen auf die Gabeln darunter stehender Fern­sprecher sagen wir einmal unsanft gelegt werden.

Leise geht das nicht zu. Ueberhaupt, in diesem Raum herrscht ein Höllenlärm. Denn hier werden sämtliche Teile des Fernsprecherbaus, vom Tisch­apparat bis zum selbsttätigen Anschlußamt, auf Betriebssicherheit und Widerstandsfähigkeit gegen rauhe Beanspruchungen geprüft. An großen Gestellen sind hier, unter- und nebeneinan­der angeordnet, die verschiedenen Geräte und Einzel­teile, und an ihnen und mit ihnen werden, mit Hilfe kleiner Motoren, ununterbrochen bestimmte Bewegungen ausgeführt, wie sie im praktischen Betrieb vorkommen. Hier werden Betriebserfahrun­gen als Grundlage für die Weiterentwick­lung der Fernsprechtechnik gesammelt, während gleichzeitig der normalen Fabrikation ent­nommene Teile immer wieder durchgeprüft werden.

Jeder Fernsprecher, jeder Drehwahler im auto­matischen Fernsprechamt muß jahrelang ein­wandfrei arbeiten. Aber jahrelang kann man nicht jeden Teil in diesem Raum lassen; das braucht man auch nicht, mankonzentriert" die Be­triebszeit. In ein oder zwei Monaten wird der Wähler ober das Relais ebenso vielen Schaltvor- gängen unterworfen wie im gewöhnlichen Amts­betrieb in zehn Jahren. Täglich wird der Apparate­teil durch den geschulten Prüfer untersucht, und der geringste Fehler festgestellt. Alle 2x/a Jahre, d. h. also hier etwa jede Woche, wird ein Zwischenbericht über den Zustand des Teilchens gemacht.

Hier sieht man, wie an mächtigen Wähler-Ge­stellen zahlreiche Heb-Drehwähler ununterbrochen betriebsmäßige Schaltvorgänge ausführen, rasselnd in die Höhe klettern, blitzschnelle Drehbewegungen über ein Dutzend Kontakte ausführen und, plötzlich fallend und zurückdrehend, wieder in die Ausgangs­stellung zurückgehen. Kontaktfedern, Hub - und Drehsedern, und viele andere Teile des selbsttätigen Anschlußamtes werden untersucht, und alle Teile müssen wenig st ens die doppelte Gebrauchsdauer gegenüber der normaler- weise verlangten aufweisen. Das bedeutet, daß sie

meist millionenmal bewegt werden, ehe die Quälerei beendet ist, und daß die sorgfältige Untersuchung den Beweis erbringen muß, daß sie bann noch ge­brauchsfähig sind. Und ein solcher Dauerversuch bedeutet noch eine besonders verschärfte Beanspru­chung, weil das Material ja, anders als im prak­tischen Betrieb, ununterbrochen beansprucht wird und keine Minute Zeit hat, sichauszuruhen".

Nicht nur den Hörer werfen mir täglich mehr ober weniger sanft auf die Gabel, sondern auch die Wählscheibe müssen mir beim Selbstanschluß- Betrieb vor jedem Telephon-Gespräch mehrere Male drehen, und ihre Lebensdauer ist also mehr ober weniger abhängig vom Temperament des Benutzers. Hier im Daueroersuchsraum sehen wir Wählscheiben, die sonst mit dem Finger bedient werben, wie sie ständig automatisch auf­gezogen werben und wieder ablaufen. An anderer Stelle wird bas Mikrophon, also der besprochene Teil des Fernsprechers, recht unsanft behandelt: in einem Rahmen ist eine Reihe von ihnen nebenein­ander angeordnet und unter Strom gesetzt. Sie werben gekippt, geschüttelt und gleichzeitigange­heult", und sie müssen ihre Betriebsgüte fünf Jahre behalten, wenn man täglich 30 Gespräche von je zwei Minuten Dauer annimmt. An anderer Stelle werden die Kohlekammern und die Kohlefüllung dieser Mikrophone hochnotpeinlich geprüft; der Kohlegries fällt von der Boden-Kontakt-Fläche ab und kleine Verbrennungserscheinungen treten auf, ohne baß die Brauchbarkeit darunter wesentlich lei­den darf. Hier erstreckt sich der Dauerversuch gar über zwanzig Betriebsjahre, konzentriert natürlich auf wenige Wochen. Wo anders werden die Fern­sprechschnüre auf Widerstandsfähigkeit gegen Biegen und Knicken geprüft, und kurz gefaßte Stöpselschnüre von Telephonzentralen werben vor ihrer Befeftigungsstelle hin- und herdewegt; eine geknotete Anschluß-Schnur wirb ununterbrochen ge­lockert und angezogen. Kurz, alle nur irgendwie vorkommenben Banspruchungen werben nachgeahmt und untersucht, und Werkstoffe und Ausführungen, die dieser Folter nicht gewachsen sind, werben ver­worfen.

Hier gibt es auch eine Sammlung von Vete­ranen bcr Fernsprechtechnik. Da ist ein Drehwähler, ein wichtiger Teil eines selbsttätigen Fernsprechamts, bcr bereits 45 Millionen B e - iweg ungen hinter sich hat und noch immer zu gebrauchen wäre. Diese Niesenzahl von Bewegungen 1 entspricht 500 Betriebsjahren, und ohne Prophet zu fein, darf man wohl voraussagen, daß nach 500 Jahren auch bas höchstentwickelte automatische Fern­sprechamt längst veraltet ist und höchstens noch sei­nen Platz im Deutschen Museum haben ' wird. Ader es ist immerhin recht anschaulich, zu

sehen, baß dieser weit über praktische Bedürfnisse hinaus beanspruchte Teil der Fernsprechtechnik kaum anders aussieht als sein soeben aus der Fa­brikation kommender Kollege. Neben ihm liegen in diesemMuseum" Wählscheiben, die e r ft nach 300 Betriebsjahren einen kleinen Fehler aufgewiesen haben. Andere Teile sind 50, 30, 15 Jahrealt" und höchstens um Bruchteile eines Millimeters abgeschliffcn, vielleicht nur infolge der Schmirgelwirkung des Staubes.

Von allen Teilen jedenfalls, die hier geprüft wer­den, wird eine weit höhere Lebensdauer verlangt, als sie die Praxis ober die fortschreitende Technik erforderlich macht. Das ist notwendig bei Erzeug­nissen, die Weltruf haben, und die in alle Welt hinausgehen, wie die Erzeugnisse der deutschen Fernsprechtechnik. Sie gehen aber auch in Teile der Welt hinaus, in denen ein ganz anderes Klima herrscht als bei uns. Das feucht - heiße Klima mancher Tropen-Geaenben ist Gift für- zahlreiche Werkstoffe ober Ausführungsarten von Geräten. Metalle, die in unseren Breiten jahr­zehntelang unverändert bleiben, werden dort an der Oberfläche zersetzt. Und Sperrholz, das im Apparate­bau vielfach verwandt wirb, zerfließt dort buchstäb­lich durch die Zusammenwirkung von Hitze, Feuchtig­keit und Abkühlung, die viele Äpparateteile einfach verformen, und das ganze Gerät unbrauchbar ma­chen. Um zu erfahren, welche Werkstoffe und Bau­arten für die Tropen ungeeignet sind, dazu bient im Keller des Wernerwerks von Siemens 6c Halske ein besonderer Tropenraum, dessenKlima" schlim­mer ist als das der schrecklichsten Tropenhölle.

Man tritt nicht sofort vom Laboratorium aus in den Tropenraum, sondern kommt zunächst in eine Schle use n Ea m m e r, in der alle zu untersu­chenden Teile erst einige Stunden ober Tage be­lassen werben, damit sie die hohe Temperatur an­nehmen und beim Einbringen in die feucht-heiße Holle des Tropenraumes nicht beschlagen. In der Schleusenkammer herrscht eine Temperatur von 42 Grad. Aber die Luft ist trocken, und wenn man aus dem Tropenraum, in demnur" 40 Grad herrschen, aber gleichzeitig eine Feuchtigkeit von 97 v. H., wenn man aus diesem Treibhaus in die doch sogar noch wärmere Schleusenkammer zurückkommt, bann hat man tatsächlich bas Gefühl ber Kühle, so stark ist der Einfluß ber Feuchtigkeit auf den Men- schen, aber auch auf Die Erzeugnisse ber mensch­lichen Technik.

Der Tropenraum ist gegen Wärmeverluste voll­kommen isoliert. Seine lüft- und wasserdicht prä­parierten Wände haben keinen Anstrich. Die Decke Ist dampfbeheizt, so daß sich kein Tropfwasser bilden kann. Der Raum wird elektrisch auf 40 Grab geheizt, und die hohe Luft-Feuchtigkeit von 97 v. H. wird durch eine Heißwasser-Rieselanlage aufrecht erhalten. Die ganze Heiz- und Befeuchtungs-Anlage wird von außen bedient, überwacht und geregelt. Tritt man in diesen Raum ein, dann ist man schon nach einer halben Minute vollkommen durchnäßt, weniger infolge des Schweißausbruches als wegen des Niederschlages von Feuchtigkeit auf Haut und Kleidung. Jeden Abend wird die Abkühlungder tropischen Nacht nachgeahmt, die Temperatur sinkt langsam, wenn auch nur auf 35 Grad, und diese Zeit der Abkühlung ist die gefährlichste für das in diesem Raum geprüfte Material; denn schon bei 37 Grad ist der Raum infolge der Abkühlung voll- kommen mit Feuchtigkeit gesättigt, und bis in die feinsten Poren und Zwischenräume der Apparate schlägt sich der Tau nieder. Bevor am anderen Mor- gen der Raum wieder aufgeheizt wird, werden die erforderlichen Messungen und Untersuchungen an den, der tropischen Nacht ausgesetzt gewesenen Geräten vorgenommen. Zahlreiche elektrische Leitungen führte man in den Tropenraum, um ständig Messungen aller Art vornehmen zu können, sogar eine voll­st ä n d i g e Fernsprech-Selbstanschluß- Zentrale ist hier untergebracht, so daß mit Hilfe von außen stehenden Fernsprechgeräten stets geprüft werden kann, ob die Zentrale noch betriebsfähig ist. Zwei Stunden etwa arbeiten täglich bie Prüfer in dieser Hölle, aus der ber Besucher schon nach weni­gen Minuten erschöpft und vollkommen durchnäßt wieder herauskommt. Selbst im ungünstigsten Tro­penklima dürfte es nur halb so schlimm sein wie in diesem Raum; durch Vergleiche hat man festgestellt, daß ein halbes Jahr Tröpenraum-Aufenthalt etwa einem Jahr auf Celebes entspricht.

Hier also findet die Prüfung auf Tropenfestigkeit für Materialien und Apparate der Fernsprechtechnik statt. Hier sieht man, wie Holz in wenigen Tagen z e r st ö r t ist, wie manche Oberflächen- Behandlung und Schutzbleche für Material, manche Isolier-Lacke für die feuchten Tropen ungeeignet sind.

Technische Rundschau.

Die Kamera mutz gepflegt werden.

Auch in weniger anstrengenden Zeiten sollte die Kamera gepflegt werden. Alle vier Wochen einmal nimmt man eine Entstaubung vor. Jedesmal wenn man den Apparat öffnet, um eine Aufnahme auf der Straße, auf einem freien Platz zu machen, bringt eine winzige Menge Staub in die Einzel­teile der Laufbodenführung ein, auf die Balgen- fugen und in das Innere des Balges. Die Folge ist: der Apparat funktioniert nicht mehr ganz rei­bungslos. Ist auch in das Innere Staub einge- brungen, bann fetzt er sich in feinen Punkten auf bie Schicht unb erscheint als bunkle Flecken auf bem Bilde. Bei den Außenteilen der Kamera nimmt man am besten einen weichen Staubpinsel zu Hilfe unb bläst bazu ben Staub herunter. Für bie Ent­staubung des Kamerabalges ist nichts besser geeig­net als der Staubsauger. Aber auch hier leistet ein feiner Haarpinsel gute Dienste.

Nicht immer kann man die Kamera vor dem Regen schützen. Um zu verhüten, daß die Metall­teile zu rosten anfangen, reibe man sie nach dem 'Naßwerden mit einem Läppchen ab, bas man mit einer Spur von Vaseline eingefettet hat. Vielleicht ist es sogar besser, für jeben Fall bie Metallteile i mit einer hauchbünnen Schutzschicht zu versehen, ba | Ja in ben fommenben Wochen immer mit schlechtem 'Wetter gerechnet werden muß.

Bei einem Aufenthalt an ber See kommen fast jftets Sanbkörnchen in bie Kamera und gelangen Isogar sehr schnell durch die Deffnungen des 23er- jschlußmechanismus zu den Derschlußlamellen. Aus ibieje Weise verhindern sie, daß man die Kamera vollständig schließen kann, und ermöglichen ein -Eindringen des Lichtes. Man erkennt die Fehler quelle an den halbmondförmigen weißen Flecken, foie genau in der Bildmitte auhutreten pflegen, unb muß bann die Kamera schnell zum Fachmann bringen, der die Sandkörnchen beseitigt.

Auch bie Linse bleibt bei Außenaufnahmen vor

einer Verunreinigung nicht sicher. Man reibt mit einem trockenen weichen Leberläppchen ab. Flüßig- keit ober Fett ist bagegen nicht anzuraten. Ist es einmal nötig, die Linsenteile auseinanberzunehmen, bann muß man barauf achten, daß sie in der richtigen Reihenfolge wieder eingesetzt werben. Verwechselt j man sie, bann werben bie Bilder durchaus unscharf. | Hat man über ungenügendes Funktionieren beim 1 Herausziehen der Standarte zu klagen, dann ver-; suche man, mit einem Tropfen Nähmaschinenöl eine ( Besserung herbeizuführen. Doch darf damit nur bie Führungsschiene, niemals die Verschlußteile der Ka­mera selbst bestrichen werden.

Ein unansehnlich gewordener Lederüberzug kann mit flüssiger Lederschwärze, im Notfall auch mit Schuhwichse nachgeschwärzt werden.

Wie leuchtet mau ein Gebäude an!

Um interessante Fassaden ober monumentale Bauten auch des Abends ober Nachts insrechte Licht" zu rücken, leuchtet man bie Gebäude auf eine befonbes auffällige, ober boch geschmackvolle Weise an. Durch starke Kontraste zwischen hell beleuchte­ten Flächen unb beschatteten Teilen unb burch bie Heraushebung bes Gebäubes aus feiner bunflen Umgebung ergibt sich eine einbrucksvolle Wirkung, bie bas Haus von einer ganz neuen Seite zeigt. Es müssen hier ganz anbere technische unb künstle­rische Wege gegangen werben als zum Beispiel bei Plakatbeleuchtung. Kommt es bei dieser in der Hauptsache auf gleichmäßige Beleuchtung an, so spielt bei der Heraushebung architektonisch geglieder­ter Flächen der richtige Lichteinfall eine große Rolle. Wirb hier wirkungsvoll gearbeitet, so wird das Ganze nicht in einzelne Teile zerhackt, sondern man erzielt damit eine ornamentale Wirkung. Zu große, Schattenpartieen sind zu vermeiden, da sie das Bild| zu unruhig machen. Ist bie Fassade wenig gegliedert | o wendet man Vorder- und Oberlicht an. Die Fas-1 ade darf bei dieser Beleuchtung allerdings nicht angwellig wirken. Ist das der Fall, dann kann! man durch Seitenbeleuchtung für ein anderes Bild s sorgen.

Die Beleuchtung von unten kann durch ihre Eigenartigkeit sehr überraschend und interessant wirken, sie braucht aber nicht immer günstig zu sein. Der Techniker muß gerade hierbei besonders vorsichtig zu Werke gehen. Schwierigkeiten sind auch bei der Beleuchtung von Türmen und anderen hohen Gebäuden zu überwinden. Hier beschränkt man sich meist darauf, den oberen xeil des Bau­werkes durch Lichtwirkungen herauszuheben, wäh­rend man den unteren Teil nicht berücksichtigt. Daß dies eine ideale Löfung ist, kann man nicht behaup­ten, denn ein Bauwerk wirkt eben doch am besten als Ganzes. Doch wirb die Technik auch hier bald einen Ausweg finden.

Der Fernsehsender auf dem Fesselballon.

Das ist zunächst noch eine Utopie, doch ist ihre Verwirklichung, sogar in naher Zeit, nicht ausge­schlossen. Bei den Arbeiten zur Entwicklung des Fernsehens sah man sich vor bie Aufgabe gestellt, die mit Fernsehen oersorgbare Fläche möglichst groß zu gestalten. Aus ben Erfahrungen, die man mit dem Berliner Siebenmeter-Senber auf dem Funkturm gemacht hat, errechnete man, daß die Fläche, auf der man das gesendete Bild auffangen kann, mit der Quadratwurzel aus der Erhöhung des Sendestandortes wächst. Es kommt also darauf an, den Sender ober vielmehr bie Antenne, die die Sendung ausstrahlt, möglichst hoch zu legen. Obwohl man jetzt in Frankreich plant, anläßlich einer Welt­ausstellung einen 2000 Meter hohen Turm zu bauen, kann man natürlich nicht auf bie Vollendung dieses Bauwerkes warten, um die Richtigkeit der oben angestellten Berechnung zu prüfen. Außerdem wird man sich schwerlich später oie Mühe machen überall, wo Bilder gesendet werden sollen, ein der- artiges Riesengebäude aufzuführen. Ein genialer Gedanke ist dagegen der, den Sender selbst auf dem Erdboden zu lassen, die Antenne dagegen an einem Fesselballon zu befestigen, der in Hohen von meh- reren tausend Metern aufsteigen kann. Die Verbin­dung zwischen Sender und Antenne wird durch eines ber neuen Ultrahochfrequenzkabel hergestellt.

, burch bie bie Wellenenergie vom Erbboden zum Ballon geleitet wirb. Auf biefe Weise wirb basselbe erreicht, als ob ber Sender wirklich in dieser Höhe stände. Die Arbeit mit Hilfe des Ballons würde gar nicht einmal sehr schwierig sein. Man könnte ihn von der Erbe aus mit Gas nachfüllen, man könnte ihn aber auch während der Sendepausen herunter­holen. Auf diese Weise stellen sich die Kosten des Sendebetriebes wesentlich niedriger, als es bei dem Bau eines Turmes Der Fall wäre.

Ein alter Kupferstich wird gereinigt.

Ein Kupferstich stellt meistens ein wertvolles Kunstwerk dar, das man nicht gerne einbüßen möchte. Ist das Blatt einmal durch Unvorsichtigkeit ober auch burch hohes Alter unansehnlich geworden, bann kann man es burch verschiedene Methoden wieder reinigen und verjüngen.

Man wischt den Kupferstich beiderseits mit wei­chem, feuchtem Schwamm ab und tränkt es bann mit einer Losung von 40 Gramm kohlensaurem Ammoniak in einem Liter Wasser. Dieses Ver­fahren wirb mehrere Male wiederholt, während das Blatt zwischendurch mit Wasser abgespült wird. Zuletzt spült man mit Wasser, bem etwas Chlor­kalk, aber wirklich nur eine geringe Menge, zuge­setzt würbe, und läßt das Blatt in der Sonne trock­nen. In neuerer Zeit wendet man auch Wasserstoff­superoxyd in verdünnter Lösung an.

Nach einer zweiten Methode wird das Bild auf einem ebenen Brett befestigt und dünn mit fein gepulvertem Salz bestreut. Darauf drückt man Zitronensaft aus, der einen beträchtlichen Teil des Salzes auslöst. Dann hebt man das Bretr an einem Ende etwas an es muß einen Neigungs­winkel von ungefähr 45 Grad bilden unb gießt siebenbes Wasser auf das Blatt, bis Salz unb Zi­tronensaft ganz abgewaschen sind. Auf dem Brett läßt man das gereinigte Bild langsam trocknen. Bringt man es in Die Sonne ober in die Nähe des Ofens, bann färbt sich das Bild gelblich.

Einzelne Stockflecke kann man durch Wein- oder Zitronensäure fortbringen.