ki^che Außen- und der Kriegsminister nach Smyrna abgereist, um den Zwischenfall an Ort und Stelle zu untersuchen.
Ein türkisches Kriegsschiff begleitet am Freitag Len, englischen Kreuzer „ß o n d o n" in türkische Gewässer. Beide Schiffe werden einen Ehr e n s a l u t abfeuern. Auf dem türkischen Kriegsschiff wird ein T r a u e r g o t t e s d i e n st für den englischen Marinearzt Robinson veranstaltet werden. Die Hoffnungen auf die Auffindung der Leiche sind so gut wie aufgegeben worden, da die dortigen Gewässer von Haifischen wimmeln.
Einführung eines Landhelferbriefes.
Berlin, 19. Juli. (DNB.) Dem Appell der Reichsregierung an die arbeitslose Jugend, dem Bauer und Siedler bei der Feldbestellung und der Ernte als Landhelfer Dienste zu leisten, sind seit dem Frühjahr 1933 Hunderttaufende gefolgt, trotzdem schwere und ungewohnte Arbeit von ihnen erwartet wurde. Als Nachweis ihrer Tätigkeit und zugleich als Anerkennung wird den Landhelfern künftig ein Landhelferbrief vom Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung ausgestellt werden. Den Landhelferbrief erhalten Jugendliche, die mindestens sechs Monate als Landhelfer beim Bauern gearbeitet haben. Er ist b e i allen Bewerbungen um einen Arbeitsplatz — besonders in der Landwirtschaft — bei der Anmeldung für landwirtschaftliche Schulen, bei der Bewerbung um Siedlerstellen und bei ähnlichen Anlässen, vorzulegen. Auf seiner Vorderseite trägt er das Symbol der Landhilfe: ein Aehrenbündel, zufammengehalten durch ein Hakenkreuz und eingerahmt von den Buchstaben L und H. Es ist in Aussicht genommen, den Landhelfern dleses Symbol auch in Form einer Plakette als Bewährungsabzeichen zu verleihen.
Gegen die Gerüchtemacher.
LPD. Frankfurt a. M., 19. Juli. Die Lan- b^bm?.ueLr,nfd)aft Hessen-Nassau teilt mit: Wir haben bereits vor einiger Zeit vor der Verbreitung von Mitteilungen über anaeb- l i ch e K o n z e s s i o n e n a n P o l e n in bezug auf die Einfuhr polnischer Schwein? gewarnt In diesem Zusammenhang weisen wir darauf hm, daß umlaufende Gerüchte, wonach an- geblich gegenüber Polen Zugeständnisse in bezug aus die Einfuhr von Holz gemacht worden seien jeder Grundlage entbehren. Offizielle Verhandlungen von Staat zu Staat über ein derartiges Austauschgeschäft haben nicht stattgefunden.
Aus aller Wett.
lieber 1000 Morgen Moor und Wald bei Hannover in Flammen.
Hach den zahlreichen Moorbränden, die in der letzten Zeit die Umgebung Hannovers heimsuchten, wird jetzt aus dem kreis Reustabt am Rübenberge ein Riesenbrand gemeldet. Dort sind in der Gegend von Wunstorf an mehreren Stellen Moorbrände ausgebrochen, die auch auf den Hochwald zwischen Wunstorf und Reustadk Übergriffen. Es brennt zur Zeit in einer Ausdehnung von etwa 3 Kilometer. Außer 250 Mann Reichswehr wurden Kräfte des Freiwilligen Arbeitsdienstes, der Freiwilligen Feuerwehr und der Technischen Rothilfe aus Hannover eingesetzt. Insgesamt sind rund 1000 Mann bei der Löscharbeit tätig. Der Drand erstreckt sich auf ein Gelände von über 1000 Morgen.
Oie Technische Nothilfe bei der Wald- brandbekämpfung.
An der Bekämpfung der zahlreichen Wald- und Moorbrande im Juni und Anfang Juli dieses Jahres hat auch die Technische Nothilfe Ie $ n * c * I gehabt. Nach den jetzt vorliegenden Meldungen sind in der Berichtszeit 1070 Not- yelser von 22 Ortsgruppen an 30 Stellen eingesetzt ge^sen. Ewige Ortsgruppen mußten binnen weniger Tage mehrmals zur Hilfeleistung aufgerufen werden; ein Beispiel für viele: die OG. Finsterwalde wurde in ganz kurzer Zeit achtmal alarmiert und eingesetzt. — Größere Einsätze fort» öen statt zur Bekämpfung des Moorbrandes im sTn^L.rrrtbuc^ner. Moor bei Hannover und des Waldbrandes bei Sorau, beim Brande des Stadtforstes von Burg und des Stadtwaldes in Frank- run a. M. und beim Brand der Forsten von ^onnsee und im Grünewald. Auch zur Löschung des Brandes des Wartburghotels wurden starke Kräfte der Technischen Nothilfe herängezogen. — £ei allen diesen Gelegenheiten konnten sich besonders d i e Nothelfergruppen bewähren, Die im Rahmen des zivilen Luftschutzes als Ergänz ungskräfte für den Feuerwehr- Dienst ausgebildet worden sind.
Deutschlands Arbeitsdienst als Helfer in der Rot.
ov.enr Bränden, die in Deutschland
zur Zeit leider, begünstigt durch die längs Dürre,
stattfinden, greift auch der Arbeitsdienst überall tatkräftig ein. Bei den großen Waldbränden in Mecklenburg, Lausitz usw. war es immer wieder der Arbeitsdienst, der schnell zur Stelle war und unermütlich bis zu eigenen Erschöpfung half. Bei einem Brande in Cismar bei Kiel, der durch einen Blitzschlag verursacht war, griffen Arbeitsmänner der Abteilung 7/73 helfend ein, drangen, indem sie sich Taschentücher vor Mund und Nase hielten, durch Fenster und Türen in die brennenden Wohnräume ein, um zunächst eine Frau, die schon erhebliche Brandwunden erlitten hatte, ins Freie zu bringen. Aus dem brennenden Haus wurde Mobiliar herausgeholt, als die Feuer- wehr eintraf, wurden zwei Trupps zur Hilfe an der Spritze abkommandiert. Es zeigt sich auch hier wieder, daß der Arbeitsdienst eine m u st e r. gültige Organisation ist, die dank der Disziplin, die in seinen Reihen herrscht, überall sofort eingesetzt werden kann und durch tatkräftige Hilfe überall Anerkennung, ja oft geradezu Be- wunderung findet.
Die hochwasserwelle rückt gegen Warschau vor.
Aus Warschau ist ein F l u g z e u g g e sch w a d e r in das sudpolnische Hochwassergebiet gestartet. Die Flugzeuge werfen L e b e n s m i t t e l p a k e t e mit Kaffee, Zündhölzern und Tabak ab. Der Wasserstand der Flüsse und insbesondere der Weichsel geht am Oberlauf langsam zurück. Die Gefahr verlagert sich mehr und mehr in bie Nahe von Warschau, das den ersten Wasser- lauf aus dem Ueberschwemmungsgebiet heute abend erwartet. Das Rote Kreuz hat ein großzügiges Hilfswerk für den Fall vorbereitet, daß die Weichsel b'^^?c?^?"^bricht und sich über die Stadtteile und Ortschaften der Niederung ergießt. Die Eisen- bahnverwaltung hat Rettüngszüge bereitgestellt, um Dte Flüchtlinge rechtzeitig aufzunehmen. Der Höhepunkt des Hochwassers wird in Warschau in der kommenden Nacht oder am Samstagfrüh erwartet.
Großer Wasserrohrbruch im Berliner Geschäftsviertel.
Die verkehrsreiche. Kreuzung der Leipziger
Jerusalemer-Straße am Don» a '.Platz wurde am Freitagfrüh gegen £ rl von einem Wasserrohrbruch heimgesucht. Zln sechs bis sieben Stellen wurde die Fahrbahn aufgerissen. In kurzer Zeit hatte das Wasser die Damme überspült. Im Erdboden entstanden h r0^ em> ? Durchmesser von zwei bis r n; 2)16 Asphaltdecke wurde teilweise um 30 Zentimeter gehoben. Feuerwehr und Ar- beiterkolonnen der Wasserwerke waren längere Zeit
folgen werde, haöe Frau Doumergue mit „|a* beantwortet, aber zögernd hinzugefügt: „Falls wir zurückgehen".
Oie französischen Sozialisten fordern Auflösung der Kammer.
Paris, 20.Juli. (DNB. Funkspruch.) Der Verwaltungsausschuß der Sozialistischen Partei hat in einer Entschließung Tardieu beschuldigt, für die Parteileitung einer faschistischen Bewegung zu kandidieren. Die vereinigten Arbeitermassen sagen Tardieu den Kampf an. Unter den vorliegenden Umständen fordern die Sozialisten sofortigeAuf- lösung derKammer und bekennen sich erneut zu der gemeinsamen Aktion mit den Kommunisten.
Zahlreiche neue Sprengstoff- anschläge in Oesterreich.
W i e n, 19. Juli. (DNB.) Trotz des Inkrafttretens des strengen Sprengstoffgesetzes haben sich in allen Teilen Oesterreichs wieder zahlreiche Sprengstoffanschläge ereignet. Donnerstag um 3 Uhr wurde in der Bergstation Hafelekor der Nordkettenbahn beiJnnsbruck ein Sprengkörper entzündet, wodurch das Hallendach beschädigt wurde. Die Explosion war so heftig, daß die Bewohner Innsbrucks aus dem Schlafe geweckt wurden. Bekanntlich find der Leiter und Erbauer der Nordkettenbahn, Ingenieur lu'rner, und mehrere Angestellte der Nordkettenbahn vor kurzem wegen Verdachts nationaler Gesinnung entlassen worden. Turner wurde auch seinerzeit von Heimwehrleuten überfallen und verprügelt.
In Lustenau (Vorarlberg) wurde um Mitternacht ein Sprengkörper in der Turnhalle des Vaterländischen Turnerbundes zur Explosion gebracht. Es wurde ein Sachschaden von etwa 6000 Schilling verursacht. In der Umgebung sind die Fensterscheiben eingedrückt worden. In Wien wurde im 2. Bezirk eine öffentliche Fernsprechzelle in Brand gesetzt. Auf der S ü d b a h n st r e ck e bei Edlach (Steiermark) wurde in der Nacht ein Sprengstoffanschlag verübt, der einigen Sachschaden verursachte. Ferner ist in der Nähe von Bregenz (Vorarlberg) ein Sprengstoffanschlag auf die Bahn verübt worden. Es steht somit eine Reihe von neuen Standgerichtsverhandlungen bevor, die sämtlich aus Grund der von der Regierung jetzt ausnahmslos verhängten Todesstrafe behandelt werden.
Das Ausnahmegesetz für Eupen-Malmedy.
Brüssel, 19. Juli (DNB.) Die belgische Kammer hat das Gesetz über die Entziehung der Staatsbürgereigenschaft in zweiter Lesung mit 85 gegen 78 Stimmen angenommen. Dieses Gesetz, das jetzt an den Senat geht, soll der Regierung künftig als Handhabe dienen, um gegen diejeyigen, die nicht durch Abstammung Belgier sind und die, wie es in der Vorlage heißt, „ihre Pflichten gegen den Staat schwer verletzten", mit der Aberkennung der Staatsbürgerschaften vorgehen zu können.
Aus dem Verlauf der Kammerberatungen, insbesondere auch aus den Ausführungen des Berichterstatters, ging hervor, daß man bei der Schaffung dieses Gesetzes an die Heimattreue Bevölkerung von Eupen-Malmedy gedacht hat. Die Mehrheit, mit der das Gesetz von der Kammer angenommen wurde, ist auffallend gering.
Die Heimattreue Presse in den abgetretenen Gebieten hatte bis in die letzten Tage hinein Regierung und Parlament beschworen, von diesem Ausnahmegesetz Abstand zu nehmen. Die Verbitterung der Heimattreuen Bevölkerung wird kaum dadurch behoben werden, daß nach einer soeben bekanntgewordenen Verordnung ehemalige deutsche Kriegsteilnehmer in Eupen-Malmedy, die einen entsprechenden Antrag stellen, die belgische Kriegsteilnehmerauszeichnung erhalten können. Dieser Erlaß roirb bamit gerechtfertigt, baß bie Bevölkerung von Eupen-Malmeby an bem Tobe König Alberts unb an ber Thronbesteigung feines Nochfolgers loyale Anteilnahme befunbet haben.
Oie Beamtenentlassungen im Memelgebiet gehen weiter.
Memel, 20. Juli. (DNB.) Wie bie Litauische Telegraphenagentur melbet, hat bas Direktorium Reisgys eine ganze Reihe weiterer memellänbischer Beamter, unb zwar Forst beamte unb Lehrer, suspenbiert unb bas Entlassungsverfahren gegen sie wegen Zugehörigkeit zu angeblich antistaatlichen Organisatio- n e n eingeleitet. Die Zahl ber Betroffenen wirb nicht angegeben. Ferner wirb von ber Telegraphenagentur gemelbet, baß auf Beschluß des Direktoriums die Auszahlung von Pensionen an Pensionsempfänger eingestellt wirb, die im A u s l a n b e wohnen. Hierbei han- belt es sich um bie früheren reichsbeutschen Beamten, bie im Memelgebiet im Dienst standen und ihren Wohnsitz nach Deutschland verlegt haben.
Deutsche Kriegsschiffe in Riga.
Die zweite deutsche Minensuchhalbflottille, bestehend aus zwei Torpedobooten und fünf Minensuchbooten, geführt vom Fregattenkapitän Ramien, ist in Riga eingetroffen. Pro- grammaßig genau um 10 Uhr legte das erste Boot vor bem Schloß an unb in kurzem Abstanb folgten bie übrigen. Die beutschen Marineqäste wurden von Vertretern der lettländi- "-.Kriegsflotte Kommandeur
top a hd e an der Spitze empfangen und deut- Uerseits vom Gesandtschaftsrat Freiherrn ?"rschall von Bieberstein begrüßt. Nach dem Besuch der deutschen Gesandtschaft begab sich auch Gesandter Dr. M a r t i u s an Bord, worauf ~l.e offiziellen Besuche folgten. Schon lange vor dem Eintreffen der Schiffe hatte sich am Dünaufer eine zahlreiche Menge — größtenteils Deutsche — versammelt. Das Besuchsprogramm wird mit Empfangen Kranzniederlegungen, Fußballwettspielen, einem Ausflug an den Rigaischen Strand unb ähnlichen Veranstaltungen bie zur Verfügung stehenben sechs Tage vollauf in Anspruch nehmen.
Baldwin verkündet Englands Aufrüstung zur Lust.
41 neue Geschwader.-Ein Fünfjahresprogramm zum Einholen der „nächsten Nachbarn"
London, 19. Juli. (DNB.) Baldwin gab im Unterhaus seine mit Spannung erwartete Erklärung über die Politik ber britischen Regierung in ber Frage ber ßuftrü ft ungen ab. Er erklärte u. a.: Seit bem Kriege haben aufeinanberfotgenbe Regierungen Englands aktiv eine Politik internationaler Abrüstung verfolgt. In unseren Bemühungen, diese Politik sowohl durch unser Beispiel, als auch durch die von uns gegebenen Richtlinien zu fördern, haben wir unsere eigenen Rüstungen bis zu einem gefügt« l i ch niedrigen Stand herabgesetzt in ber Hoffnung, baß bie anberen unserer Führung folgen würben. Aber bie Abrüstungsverhanblun- gen finb mehr in bie Länge gezogen worben, als irgenb jemanb erwartete. In ben letzten achteinhalb Jahren sind in vielen Kreisen Befürchtungen über bie zunehmenbe Häufung von Mängeln in unserer Verteidigung entstauben, insbefonbere angesichts ber erhöhten Ausgaben für Rüstungen in vielen anberen ßänbern. Die Politik ber Regierung ist weiterhin eine Politik internationaler Abrüstung, unb wir haben keineswegs bie Hoffnung auf Rüstungsbeschränkung aufgegeben. Wir unternehmen sogar jetzt neue Anstrengungen, um über ben toten Punkt hinwegzukommen .ßeiber können wir jeboch angesichts ber gemachten Erfahrungen nicht mit einem b e - langreichen Ergebnis rechnen, unb wir halten baher angesichts unserer Verpflichtungen auf Grunb ber Völkerbunbssatzung unb bes ßocarno- oertrages, ber zahlreichen Anzeichen von Unruhe in Europa unb anberswo, sowie ber Tatsache, baß andere Regierungen nicht unserem Beispiel durch entsprechende Herabsetzung gefolgt sind, die Zeit für gekommen, wo die Möglichkeit, unsere Rüstun- g e n auf ihrem augenblicklichen tiefen Stand zu halten, m-a ngels entsprechender Verminderung anderer Mächte neu geprüft werden muß. Die Regierung hat seit einigen Monaten die gesamte Frage der Reichsverteidigung geprüft. Die Mängel, die behoben werden' müssen, sind zum großen Teil Mängel in der Ausrüstung und den Vorräten, die sich infolge Der Knappheit Der Mittel und der (Erörterungen über die Abrüstung gezeigt haben. In dieser Hinsicht werden sich die Ergebnisse unserer Nachforschungen in ben Voranschlägen für bie künftigen Jahre wieberspiegeln.
Soweit die königlichen Luftsireltkräfte in Betracht kommen, ist die Lage jeboch ziemlich andersartig, hier handelt es sich um die Rotwendigkeit der Weiterentwicklung, die immer wieder verschoben worden ist, und außerdem um die Rotwendigkeit, Mängel auszumerzen. Wir sind zum Schluß gekommen, daß wir nicht länger Maßnahmen verzögern können, die im Laufe der nächsten Jahre unsere Luftstreitkräfte auf einen Stand bringen werden, der näher an den unserer näch st en Rachbarn heranreicht. Zahlreiche Tatsachen, die unseren Beschluß veranlaßt haben, befinden sich weiterhin in Fluh. Infolgedessen behalten wir uns das Recht vor, das Programm im Lichte neuer Tatsachen, die entstehen können, abzuändern oder anzupassen. Vorbehaltlich dieser Bedingung haben wir ein Programm beschlossen, das das augenblickliche Jahr und die nächsten vier Jahre umfaßt, und bei den britischen Luftstreitkräften bestehen wird aus 41 neuen Geschwadern, einschließlich der, die bereits im Programm von 1934 mitgeteilt worden sind. Von diesen 41 Ge
schwadern werden 33 dem Heimatschuß zugewiesen werden. Dadurch werden die vorhandenen 42 Geschwader im Innern auf eine Gesamtzahl von 75 Geschwadern erhöht werden. Die übrigen Geschwader sind für den Dienst im Marineflug- wesen oder im Ausland bestimmt. Die Schnelligkeit, in der dieses Programm innerhalb der fünf Jahre durchgeführt werden kann, muß von verschiedenen Erwägungen, einschließlich solchen finanzieller Art, abhängen. Wir hoffen jedoch, daß in keinem der jeweiligen Jahre eine erhebliche Erhöhung der Voranschläge erfolgt.
1938:1572 Flugzeuge.
Noch immer 100 Flugzeuge weniger als Frankreich.
London, 20. Juli (DRV. Funkfpruch.) Durch die von Baldwin im Unterhaus angekündigte Verstärkung der englischen Luftstreilkräfte, die sich auf einen Zeitraum von fünf Jahren erstreckt, werden
die englischen Geschwader von 94 auf 131 erhöht. Im Jahre 1938 wird England daher vermutlich 1 5 72 Flugzeuge der erften Linie besitzen, hinzu kommen 13 0 Flugzeuge der zweiten Linie und die Hilfsflugzeugstreitkräfte, die teilweise mit regulären Militärfliegern, teilweise mit halbmilitärisch ausgebildeten Fliegern bemannt sind. Die Erhöhung des Offiziers- und Mannschaftsbe- ft a n d e s wird auf etwa 5000 Mann berechnet. Ferner werden 12 neue Kriegs flugplähe, hauptsächlich im Süden, Südosten des Reiches und in der Umgebung Londons angelegt werden. Dreiviertel der neuen Flugzeuge werden hauptsächlich Kampfeinsiher und Tagbomber sein, die übrigen schwere Bombenflugzeuge und Abwehrflugzeuge.
Die Presse stellt feff; daß England nach Vollendung des Luftaufrüstungsplanes im Jahre 1938 etwa bie jetzige Stärke Rußlands auf dem Gebiet der Luftrüstung haben werde, aber u m rund 100 Flugzeuge hinter der französischen Luftrüstung zurück st ehen werde.
Große Meinungsverschiedenheiten in der englischen presse.
Man fordert sofortige Gleichheit der Luststreitkräste mit Frankreich.
ß o n b o n, 20. Juli. (DNB.-Funkspruch.) Das Aufrüstungsprogramm für bie englische ßuftfahrt hat in ber Presse große Meinungsverschiedenheiten hervorgerufen. Die Mehrheit ber Oeffentlichkeit begrüßt bas Programm auf bas Lebhafteste. Die sogenannte „ßu ft gruppe" im Unterhaus betrachtet bas Programm aber als u n genüg e n b. Sie steht auf bem Stanbpunkt, baß bie englischen ßuftftreitfräfte schon heute auf bie Stärke ber französischen ßuftstreit- Prüfte gebracht sein müßten unb nicht erst nach fünf Jahren. Im übrigen könne man gar nicht absehen, ob Frankreich nicht in fünf Jahren seine ßuftfahrt schon weiter entwickelt habe.
Demgegenüber hat bie Arbeiterpartei einen MiHtrauensantrag angekünbigt, ber in ber Unterhausaussprache auf bas Äufrüstungsprogramm in ber nächsten Woche eingebracht werben wird. Dieser Antrag lautet: „Das Haus bebauert, baß bie Regierung trotz ber Verhandlungen über eine Rüstungsvereinbarung und über europäische Nichtangriffspakte eine Aufrüstungspolitik einte i t e t, zu der sie weder verpflichtet noch berechtigt ist, und durch die sie die Sicherheit des ßandes nicht erhält. Vielmehr gefährdet sie dadurch die Abrüstungsaussichten und 'ermutigt ein katastrophales Rüstungswettrennen." Der Führer der Arbeiterpartei ßansbury hat erklärt, die Ankündigung Baldwins sei das betrüblichste Zeichen sei dem Jahre 1914.
„Time s" stimmt dem Aufrüstungsprogramm der Regierung zu und bedauert nur, daß das Programm auf fünf Jahre ausgedehnt werde. Die Ankündigung Baldwins könne die Möglichkeit eines Fehlschlages der Abrüstungsbesprechungen nicht verstärken, könne aber andererseits das Zustandekommen eines ernsthaften ßuftabkommens fördern. — „Daily Telegraph" hält das Programm für ungenügend. Baldwin habe die völlige
Gleichheit der ßuftstärke Englands mit ber Stärke der ßuftftreitfräfte der England benachbarten Macht besprochen und erst wenn diese völlige Gleichheit erreicht sei, werde sich das englische Volk zufrieden geben. Außerdem sei anzunehmen, daß die anderen Staaten in der Zwischenzeit ihre ßuftmacht ebenfalls weiter ausbauen. Das Blatt glaubt in diesem Zusammenhang auf eine angebliche „deutfche Gefahr" (!) Hinweisen zu müssen. — „M o r n i n g P o st" sagt, die Aufrüstungsmaßnahmen ber Regierung stellten eine ungeheure Verbesserung ber englischen militärischen ßage bar. Man müsse hoffen, daß die englischen Staatsmänner in Zukunft nicht mehr die lebenswichtige ßandesoerteidigung ben Abrüstungsbestrebungen unterwerfen würben. — „Daily Mail" melbet, bas ungenügende Programm hätte bei vielen Abgeorbneten Erschütterung unb Abscheu hervorgerufe'n. — Der sozialistische „Daily H e r a I b" behauptet, baß Balbwin enb- güttig bie Abrüstungspolitik aufgegeben habe.
Das Echo in Frankreich.
Paris, 20. Juli. (DNB.-Funkfpruch.) Die Erklärung Balbwins im Unterhaus über bie Verstärkung der ßuftflotte werden von ber französischen chauvinistischen Presse als Sieg ber Vernunft über pazifistische Illusionen bezeichnet. Die Ausrüstung Englands gilt diesen Blättern sogar als eine gewisse Bürgschaft, daß das militärische Zusammengehen mit Frankreich greifbare G e st a l t annehmen werde. Trotzdem versagen sie sich nicht einen kleinen Seitenhieb. Eng- land, so erklären sie mit gewisser Schadenfreude, hätte nicht nötig gehabt, sich in s o große Un- ko st en zu stürzen, wenn es früher auf politischem Gebiete vorsichtiger gerne« fen wäre, d. h., wenn es nicht dauernd Frankreichs Sicherheitspolitik Hindernisse in ben Weg gelegt hätte.
Oer englisch-türkische Zwischenfall bei Samos beigelegt.
L o n b o n, 20. Juli. (DNB. Funkspruch.) Der eng. lisch-türkische Zwischenfall bei Samos wird von iber englischen Presse nunmehr als beiyelegt betrachtet, nachdem die türkische Regierung der Einsetzung einer gemischten englisch- türkischen Untersuchungskommi sion 3 u g e ft i m m t hat. Am Donnerstag sind Der tür-


