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Goethe-Medaille ausgezeichnet wurde, wurde mit lang anhaltendem Beifall begrüßt. Er sprach über das ThemaDer polnische Bauer in der Geistesgeschichte und Dichtung Polens". Er löste in glänzender Weise seine Aufgabe, den polnischen Bauer im Spiegel der Dichtung zu zeigen. Leb­hafter, langanhaltender Beifall zollte dem Vortra­genden Dank. Im Anschluß an den Dortrag fand in den Räumen der Deutschen Gesellschaft 1914 ein Empfang statt. Professor Zielinski wird am Mitt­woch vormittag durch Reichsminister Dr. Goebbels empfangen.

Venedig eine Garantie des Friedens.

Suvich unterrichtet den französischen Botschafter.

Paris, 20. Juni. (DNB.-Funkspruch.) Der französische Botschafter in Rom, G r a f d e Eham- b r u n, hatte am Dienstag eine längere Unter­redung mit dem italienischen Staatssekretär S u v i ch. Wie der römische Berichterstatter desMatin" dazu mitteilt, unterrichtete Suvich den Botschafter über die Bedeutung der Zusammenkunft zwischen Musso­lini und dem Führer und erklärte, daß weder auf der einen, noch auf der an de r e n Seite positive Verpflichtungen über­nommen worden seien. Der italienische Unter­staatssekretär wies darauf hin, daß sich die Unter­redung in der Hauptsache auf die Unabhängigkeit Oesterreichs, die Abrüstungsfrage und den Völker­bund bezogen habe. Er erklärte ferner, daß die deutsch-italienische Zusammenarbeit als eine G a - rantie für den Frieden angesehen werden müsse, um so mehr, als Italien als einzige Nation der ehemaligen Alliierten engen Kon­takt zum Reiche behalten habe und damit die Möglichkeit der allgemeinen europäischen Zusammenarbeit fördere. Der Berichterstatter glaubt zu wissen, daß Mussolini die Absicht habe, sich demnächst auch mit Dollfuß zu treffen. Diese Zusammenkunft werde wahrscheinlich in Riccione stattfinden.

Proteste gegen das Tt ansfermoratorium.

Washington, 19. Juni. (DNB.) Der ameri­kanische Botschafter in Berlin ist angewiesen, bei der Reichsregierung gegen die deutschen Maßnahmen in der Frage der Auslandschulden Protest einzu­legen. Die amerikanische Regierung müsse alle Maß­nahmen ablehnen, durch die amerikanische Gläubi­ger schlechter gestellt würden als die anderer Län­der. Die BIZ. erhebt ebenfalls als Fiskal-Agent der Treuhänder der deutschen äußeren Anleihe von 1924 Protest gegen die beabsichtigte öffentliche Ver­letzung der an erster Stelle stehenden Verbindlich­keiten, die das Reich in der allgemeinen Schuld­verschreibung und den auf die Anleihe bezüglichen Schriftstücken übernommen und in internationalen Verträgen wiederholt bestimmt hat. Sie ersucht die Reichsregierung dringend, ihre Entscheidung zu überprüfen, insbesondere im Hinblick auf die be­sonderen Vorrechte, mit denen diese Anleihe aus­gestattet ist, sowie im Hinblick auf die auf Grund der erststelligen Sicherungen durch fünf Hguptein- nahmen des Deutschen Reiches gewährten Neben­sicherungen.

Keine Gebietsabtretung an Zahlungsstatt.

London, 18.Juni. (DNB.) Ein konservativer Abgeordneter wies im Unterhaus auf die in der neuerlichen amerikanischen Kriegsschuldennote ent­haltenen Anregung einer Schuldenzahlung in Waren hin und fragte in diesem Zusammen­hang, ob die englische Regierung die Abtre­tung der Bermudas oder anderer an die Vereinigten Staaten angrenzender Jnselgebiete er- wäge. Ministerpräsident Macdonald erinnerte an seine am 6. März abgegebene Erklärung,daß ein derartiger Schritt unter keinen Umstän- d e n in Frage kommt". Starker Beifall dankte dem Ministerpräsidenten für seine Mitteilung.

daß der unentbehrliche Nachwuchs der Facharbeiter gesichert ist, und daß jnsbe- besondere keine guten, jüngeren Kräfte durch ungeeignete andere Kräfte er­setzt werden. Hieraus ergibt sich, daß es sich bei oer Auswechslung im allgemeinen um unge­lernte Arbeitskräfte handeln wird.

Schon in den letzten Jahren ist mit besonderem Nachdruck der Weg beschritten worden, Lehr­linge über die eigentliche Lehrzeit dem Be­trieb zu erhalten und sie in ihrem beruflichen Fortkommen weiter zu fördern, und die Heran­ziehung eines für die deutsche Wirtschaft unentbehr­lichen Facharbeiternachwuchses nach Kräften zu för­dern. So richtig es ist, jede schädliche Lehrlings­züchterei zu unterbinden, so muß anderseits ver­mieden werden, daß Lehrlinge nach Abschluß ihrer Lehrzeit zum Verlassen des Betriebes veranlaßt werden.

Selbstverständlich soll der Austausch Jugendlicher durch ältere Arbeiter und Angestellte nicht nur zu einer Verschiebung der Arbeitslosigkeit führen, viel­mehr soll die Herausnahme der sich freiwillig mel­denden Jugendlichen Zug um Zug mit ihrer s o - fertigen Unterbringung in andere Ar- b e i t erfolgen. Hierfür kommen insbesondere land­wirtschaftliche Beschäftigung, Land­hilfe und der Arbeitsdienst, für Mäd­chen daneben noch h a u s w i r t s ch a f t l i ch e Tätigkeiten in Frage. Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeits­losenversicherung hat die ihm unterstellten Arbeits­ämter angewiesen, die Industrie bei diesen Auf­gaben zu unterstützen, insbesondere auf Anfragen die erforderliche Auskunft darüber weitestgehend zu erteilen, ob die andweitige Unterbrin­gung der ausscheidenden jüngeren Mrbeiter als­bald möglich ist, und den Betrieben geeignete ältere, verheiratete und kinderreiche Arbeitslose zur Einstellung namhaft zu machen. Es wird daher auch seitens der Führer der Betriebe bei Durchführung dieser Maßnahmen enge Verbindung mit den Arbeits­ämtern zu halten sein.

IunstMe Schulungswoche im Gemeinschafislaaer Merbog.

Jüterbog, 19. Juni. (DNB.) Für etwa 50 ausbildende Richter und Staatsanwälte findet im Gemeinschaftslager Jüterbog in der Zeit vom 19. bis 28. Juni eine Schulungswoche statt, wäh­rend der in gemeinschaftlicher Arbeit und bei kame­radschaftlichem Beisammensein die geistigen Grund­lagen für die Ausbildung des juristischen Nachwuch­ses besprochen werden. Reichsjustizminister Dr. G ü r t n e r hat den ersten Spatenstich zum Neubau des Führerhauses des Gemeinschaftslagers Hans Kerrl" getan. Der Reichsjustizminister er- klärte dabei:Wieviel Kraft und Geist, Wille und Arbeit wir auch darauf verwenden mögen, das deut­sche Recht in allen seinen Gebieten neu zu gestalten, das Wichtigste wird in Zukunft, wie immer, der Mensch sein, in dessen Händen das Recht leben- d i g wird. Wir wollen uns in aller Bescheiden­

heit bewußt bleiben, daß die Kunst des Richters erst jenseits des juristischen Wissens liegt. Wissen und Können allein macht nicht den Richter aus. Das Richteramt erfordert Männer mit unbeugsamem Willen und festem Charakter. Der Richter der Zukunft müsse volkstümlich und volks­nahe fein. Die Zusammenschau der Dinge, die Er­kenntnis, wie eins dem anderen zu dienen habe, das sei seelische Grundhaltung des Nationalsozialis­mus.

Staatssekretär Dr. Freister besprach dann die völlige Umgestaltung des Rechtsstudiums auf den Universitäten und betonte, daß vor allem das Bildungsfundament nicht verloren gehen dürfe und der geistige Horizont gepflegt und erweitert werden müsse. Das Zielbild, das der werdende Jurist vor sich haben müsse, sei die Zusammenballung des Willens. Er muß Glied des Volkes werden, in dem er lebt; denn er 1jat eine treuhänderische Stellung gegenüber jenen, die das Vergangene geschaffen, und denen gegenüber, die auf seiner Treue aufbauen werden.

Aufruf

zum Deutschen Lugendfest.

DNB. Berlin, 18. Juni. Die Fahnen der Jugend werden am 23. Juni über Deutschland wehen. Der Reicksjugendführer und der Reichssportführer haben zumDeutschen Jugendfest" aufgerufen und in gemeinsamer Arbeit die Vorbereitungen getroffen. In allen Teilen des Reiches werden an diesem Tage sportliche Wettkämpfe durchgeführt, an denen Hundert­tausende deutscher Jungen und Mädel sich beteiligen werden. Die Durchführung liegt in den Händen der Untergliederung der deutschen Turn- und Sport­bewegung und der Hitlerjugend sowie der Schulen und kommunalen Behör­den. Diese bis in jedes Dorf hinabgehende Orga­nisation wird die deutsche Jugend erfassen und den Sieaern der sportlichen Kämpfe Urkunden des Reichspräsidenten von Hindenburg ober des Reichsjugendführers und Reichssportführers zustellen lassen. Die sportliche Betätigung wird zweifellos eine große sein. Diese und die Sonnwendfeiern am Abend des 23. Juni werden auf jeden deutschen Jungen und jedes deutsche Mädel einen gewaltigen Eindruck machen. Die Liebe zu Volk und Vaterland soll in allen erneut geweckt werden; die Verbundenheit zum Heimatboden wird am lodernden Feuer ihren Ausdruck finden.

Der 23. Juni gehört der Jugend. Gewaltige Auf­gaben wird sie dereinst zu bewältigen haben. Sport­liche Wettkämpfe dienen der körperlichen Ertüchtigung und erhebende Sonnwendfeiern der (Erbauung. So möge die Jugend gerüstet werden zum Lebenskampf. Alle aber, die mit der Jugend fühlen und denken, die mit an die Zukunft unseres Volkes glauben, müssen zu dem Erfolg des Deutschen Jugendfestes" ihr Teil beitragen. Wer wollte abseits stehen! Wer wollte am 23. Juni nicht zu der deutschen Jugend stehen! Darum kauft das Abzeichen desDeutschen Jugendfestes", das schon

Es geht nicht ohne Deutschland.

Lehren des Internationalen Agrarkongreges in Budapest.

Von unserem (5r.-Sonderberichterstaiier.

Steigende Umsätze des Einzelhandels.

Die Entwicklung des Absatzes beim letzten Glied an der Kette des Warenumlaufs, beim Einzelhandel, war in der letzten Zeit schlecht zu übersehen, weil der frühere Oftertermin einen Vergleich mit dem Vorjahr erschwerte. Die jetzt vorliegenden April­ziffern zeigen nun erfreulicherweise mit überzeugen­der Klarheit, daß der Absatz im Einzelhandel stän­dig weiter zunimmt. Nach den Berechnungen der Forschungsstelle für den Handel waren die Gesamtumsätze des Einzelhandels in den beiden Monaten März und April um 11 Prozent höher als in den entsprechenden Monaten des Vorjahres. Da die Umsätze im Februar 1934 die des Februar 1933 nur um 10 Prozent überstiegen hat­ten, ist erwiesen, daß das Tempo des Wirtschafts­ausstiegs im Einzelhandel weiter zunimmt. Von den einzelnen Branchen kann insbesondere der Be­kleidungsfachhandel über gute Verkaufs­ergebnisse berichten. So lag z. B. der Umsatz mit Kleiderstoffen um 30 Prozent höher als in den entsprechenden Vorjahrsmonaten. Auch das Geschäft in Wäsche u n d H e r r e n k o n f e k t i o n hat sich günstig entwickelt. Dagegen scheint im Schuh- einzelhandel die Umsatzsteigerung diesmal ge­ringer gewesen zu sein. Im Textileinzelhandel

hat sich neben der besseren Mengenkonjunktur vor allem die wachsende Neigung der Verbraucher, bessere Qualitäten zu bevorzugen, umsatz­steigernd ausgewirkt. Bemerkenswerte Umsatzer­höhungen sind ferner im Handel mit Glas- und Porzellanwaren sowie in dem mit Eisen- waren festgestellt worden. In den Lebens­rnittel - Fachgeschäften lagen die Umsätze um 7 Prozent über den vorjährigen, während die Januar- und Februarumsätze die der entsprechen­den Vorjahre nur um 5 Prozent überstiegen hatten. Allerdings muß hier berücksichtigt werden, daß auch die Preise der Lebensmittel, wenn man den Er­nährungsinder des Statistischen Reichsamts zu- arunbe legt, feit dem Vorjahr um 7 Prozent ge­stiegen sind. Bemerkenswert ist ferner, daß die Um­sätze der Warenhäuser, Kaufhäuser und Einheits­preisgeschäfte auch in den Monaten März und April dieses Jahres wieder niedriger waren als in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. Die Um­sätze der Lebensmittelabteilungen der Warenhäuser sind sogar um 14 Prozent zurückgegangen. Die Ver- I Lagerung dieser Umsätze von den Großunternehmun­gen zu dem mittelständischen Facheinzelhandel

> dauert also offenbar weiter an.

Der vorläufige Ausbau des deutschen Handwerks

Der Internationale Agrarkongreß in Budapest brachte als Begleiterscheinung die erfreuliche Tatsache, daß man Gelegenheit bekam, mit ungarischen Wirtschaftspolitikern über die Sage ihres Landes zu sprechen. Für einen Deut- chen ist das insofern von besonderem Interesse, als durch das Dreierabkommen von Rom Ungarn sich ja weitgehend an die italienische Wirtschaft angelehnt hat. Allerdings hat man in Ungarn davon von vornherein wohl nicht allzu viel erhofft, denn beinahe gleichzeitig mit den Rom- oerträgen hat Budapest ja ein Handels­abkommen mit Deutschland getroffen. Das war wohl schon als eine Art Rückversicherung gedacht. Und wenn man heute nach den Aus­wirkungen der römischen Verträge fragt, so begegnet man in Ungarn einem zweifelnden Achselzucken. Man erwartet eben nicht viel davon und die ersten Wochen haben auch bereits gezeigt, daß vor allem die Weizenlieferungen nach Italien gar nicht recht in Schwung kommen wollen, daß sich überall Schwierigkeiten ergeben, Stockungen entstehen, kurz, daß bisher die Hilfe für die ungarische Landwirt- chaft ausgeblieben ist, denn Ungarn lag ja n der Hauptsache daran, für feinen Getreideüber- chuß neue Märkte zu erschließen.

Ein führender ungarischer Agrarpolitiker war ogar so offen, daß er das bisherige Ergebnis und die bisherigen Auswirkungen der Rom-Verträge als äußerst gering bezeichnete, daß er im Gegen- atz hierzu auch offen bekannte, daß man in Un­garn jetzt anfinge zu merken, daß der deutsch- ungarische Vertrag sich gerade für Ungarn außerordentlich gut auswirke. Besonders die Viehzucht in Transdanubien hat schon wesentliche Erleichterungen aus dem Vertrag mit Deutschland erfahren. E s geht nicht ohne Deutsch­land. Diese Ansicht setzt sich im Donauraum wohl immer mehr durch, es ist eine Utopie, Großwirt- chaftsräume schaffen zu wollen aus Wirt- chaftseinheiten, die sich gegenseitig nichts zu geben haben. Großwirtschaftsräume haben nur dann Sinn und Zweck, wenn sie so aufgebaut wer­den, daß die einzelnen Nationalwirtschaften unter­einander auch wirklich zu einem Ausgleich kommen. Zwischen Ungarn und Deutschland nun besteht diese Möglichkeit des Ausgleiches, und das haben die Ungarn jetzt erkannt, und das erschließt auch weitere Möglichkeiten für die Zukunft.

Es geht nicht ohne Deutschland. Das ailt ober nicht nur für das rein wirtschaftliche Gebiet, das gilt ebenso für rein kulturelle, ja sogar weltanschau­liche Belange. Für uns Deutsche war es über­raschend, daß ein so alter, bekannter und anerkann­ter Agrarpolitiker wie der Schweizer Professor L a u r sich beinahe wörtlich zu der deutschen These von Blut und Boden bekannt hat. Das, was er in seinem großen Referat vor dem Internatio­nalen Agrarkongreß ausgeführt hat, das hätte ebenso gut ein Vertreter des deutschen Reichsnähr- tandes sagen können. Wir können gerade hier voll Freude und Zufriedenheit feststellen, daß die neue Einstellung zum Bauern und zum Boden im Aus­lande eine außerordentliche Wirkung erzielt hat. Etwas, was aus germanischem Empfinden heraus­gewachsen ist, der Erbhof, findet besonders in Ungarn nicht nur Beachtung, sondern hat die höch­sten ungarischen Stellen bereits zu Ueberlegungen angeregt, ob etwas Aehnliches nicht auch für Un­garn angebracht wäre.

Auch hier berherrfchen nämlich dieselben Probleme die politische Debatte. Innerhalb des Magyaren- tums stellt man mit Erschrecken einen außerordent­lichen Geburtenrückgang fest und führt diesen Geburtenrückgang gerade innerhalb des Bauerntums auf das Bestreben des einzelnen Bauern zurück, seinen Hof nicht zu zersplittern und unter mehrere Erben aufteilen zu müssen. Für Ungarn hat das in­sofern besonders Gewicht, als dieser Staat ja st a r f e M i n d e r h e i t e n innerhalb seiner Gren­zen beherbergt und man nun befürchtet, daß das reine Magyarentum durch diese andern Volksstämme zurückgedrängt werden könne. Ob für Ungarn die Schaffung von Erbhöfen die Ideallösung darstellen würde, bleibe dahingestellt. Es scheint jedenfalls so, als wären es nicht allein wirtschaftliche Momente die zu diesem Geburtenrückgang Anlaß geben. Immerhin steht fest, daß sich Ungarn weitgehend für die Erbhoffrage interessiert und daß Neubil- düng von Bauerntum als dringende Not­wendigkeit anerkannt wird. Hier ist man über De­batten und Erwägungen schon hinausgekommen und die ungarische Regierung hat es als einen ihrer Programmpunkte bezeichnet, die Siedlung mit allen Mitteln fördern zu wollen. Also auch auf die- fern Gebiet das, was Deutschland für sich als rich­tig erkannt hat und mit äußerster Beschleunigung und Energie betreibt.

Es geht nicht ohne Deutschland. Wirtschaftlich und kulturell kann man uns trotz aller Bemühun­gen unsere Aufgaben nicht beschneiden, die uns im europäischen Raum gestellt sind. Diese Erkenntnis wird durch einen Besuch Ungarns unterstrichen. Et­was anderes geht aber sehr gut, das ist die enge Zusammenarbeit zwischen Deutsch­land und Ungarn, wie sie ja von Deutschland auch seit langem angeftrebt wird und wofür man, je mehr Zeit verstreicht, um so stärker in Ungarn auch auf Gegenliebe stößt. Dabei darf man aller­dings nicht verkennen, daß es ein Moment gibt, das dieser Verständigung zwischen den Herden Staaten entgegensteht, und das ist die Art, wie Ungarn seine Minderheiten behan­delt, zu denen ja auch Deutsche gehören, die vor Jahrhunderten von den Habsburgern nach Ungarn gerufen wurden, um dieses Land besiedeln zu hel­fen. Die ungarische Minderheitenpolitik müßte einer erheblichen Revision unterzogen werden, wenn ein Zusammenarbeiten Deutschland-Ungarn von Wert und Dauer sein sollte.

An Ungarn wird es liegen, wie weit die Be­reitschaft Deutschlands zu einer Zusammenarbeit ausgewertet werden wird. Daß beide Staaten ge­willt sind, erhebliche Wegstrecken, wirtschaftlich und kulturell, zusammenzugehen, das haben die Tage des Internationalen Agrarkongresses in Budapest bewiesen. Auch die inoffiziellen Verhandlungen, die neben dem Kongreß herliefen, zeigten die Marsch­richtung, die von beiden Völkern angestrebt wird. Vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet können wir Ungarn noch sehr viel bieten. Die Tatsache, daß das Leinsaatabkommen abgeändert werden wird, damit es für Ungarn zu einer wirklichen Hilfe wird, zeugt dafür, daß Deutschland bereit ist, zu seinem Teil dazu beizutragen, in den Agrar­ländern neue Kaufkraft zu schaffen, um so das internationale Wirtschaftsleben wieder mit in Gang zu bringen. Die Ungarn wissen, was sie von Deutschland haben, und es wird Sache der Poli­tiker sein, aus Hoffnungen wirkliche Hilfe zu machen.

Berlin, 19. Juni. (DNB.) Im Reichsgesetzblatt wird jetzt die erste Verordnung über den vorläufi­gen Aufbau des deutschen Handwerks vom 15. Juni ds. Js. verkündet, die vom Reichswirtschafts- und vom Reichsarbeitsminister unterzeichnet ist. Die Verordnung besagt, daß der Reichswirtschaftsmini- fter im Einverneymen mit dem Reichsminisier für Ernährung und Landwirtschaft ein Verzeichnis aller Gewerbe aufstellt, die handwerks­mäßig betrieben werden können. Weiter wird klargestellt, daß den Vorschriften der Verord­nung alle Gewerbetreibende, die in die Hand­werksrolle eingetragen sind, sowie die in ihren Betrieben beschäftigten Gesellen und Lehrlinge unterliegen.

Die Handwerkerinnung ist der örtliche Zusammenschluß aller in die Handwerksrolle einge­tragenen Gewerbetreibenden des gleichen oder ver-, wandter Handwerkszweige. Für jeden Handwerks­zweig darf in demselben Bezirk, der sich in der Regel mit dem Stadt- oder Landkreis decken wird, nur eine Innung errichtet werden. Alle in die Handwerksrolle eingetragenen Gewerbetreibenden, die das Handwerk ausüben, für die die Innung er­richtet ist, gehören der Innung p f l i ch t m ä ß i g an. Die Innung wird von dem Obermeister nach dem Führerprinzip geführt. Dem Obermeister und einem Gesellenwart, der die Belange der Gesellen wahrzunehmen hat, stehen Beiräte zur Seite. Die Innung, deren In- nungsversammlung von den Mitgliedern

gebildet wird, ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Die Aufgaben der Innung werden in der Verordnung festgelegt; an ihrer Spitze steht die Pflege des Gemein­schaftsgeistes und die Wahrung der Standesehre.

Die Handwerkerinnungen, die innerhalb eines von der Handwerkskammer bestimmten Bezirks ihren Sitz haben, werden durch die Handwerkskam­mer zu einer Kreishandwerkerfcbaft zu- sammengefchlofsen, deren Mitgliederversammlung aus den Obermeistern der angeschlossenen Innungen besteht, und deren Vorsitzender ebenso wie die Ober­meister, von der Handwerkskammer bestellt wird. Die Kreishandwerkerschaft hat die Aufgabe, die ge­meinschaftlichen Belange der ihr angeschlossenen Innungen wahrzunehmen.

Bei jeder Handwerkskammer ist ein Ehren­gericht zu bilden. Der Vorsitzende und sein Stell­vertreter müssen Richter sein. Vor die Ehren­gerichte kommen Verletzungen der Standesehre, Verstöße gegen den Gemeingeist, sowie unlauteres Verhalten, unlauterer Wettbewerb und Ueberoor- teilung der Kunden. Als Strafen kommen War­nung, Verweis, Geldstrafen bis 1000 RM. und, in besonders schweren Fällen, u. a. Aberken­nung des Meistertitels in Frage. Das Vermögen der bisherigen Innungen übergeht au die neuen Handwerkerinnungen und Kreishandwer­kerschaften.

Schafft Arbeitsplätze für ältere und kinderreiche Erwerbslose.

Ein Aufruf des Führers der Wirtschaft zur Wiedereingliederung älterer und kinderreicher Arbeitsloser in den Arbeitsprozeß.

Berlin, 19. Juni. (Fwd.) Der Führer der Wirtschaft hat im Einvernehmen mit dem Präsiden­ten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung folgenden Aufruf erlassen:

In der Arbeitsschlacht 1934 muß es gelingen, in weitem Umfange ältere, insbesondere ver­heiratete und kinderreiche Arbeits- loje wieder in den Wirtschaftsprozeß einzu- gl i e d e r n. Dabei werden wohl von Unternehmern als auch von Arbeitern und Angestellten Opfer ge­fordert, die im Interesse der Allgemeinheit gebracht werden müssen. Jeder Unternehmer muß als Be­triebsführer in feinem Betriebe eingehend prüfen, wieweit es möglich ist, beiNeuein st eil ungen überwiegend ältere Arbeitslose her­an z u z i e h e n. Darüber hinaus wird er sich in seinem Betriebe ein genaues Bild der alters­mäßigen Gliederung seiner Gefolgschaft machen müssen und dabei feststellen, ob über die betrieblichen Notwendigkeiten hinaus Jugend­liche beschäftigt-sind. Das für die Arbeitsschlacht

1934 geftetfte Ziel wird nur zu erreichen sein, wenn in gewissem Umfange Jugendliche aus den Betrieben herausgenommen und ihre Arbeitsplätze für keltere freigemacht werden. Der Betriebsführer wird all diese Maß­nahmen nach eingehendster Beratung in seinem 23er» trauensrat durchführen. Die Betriebsgemeinschaft wird an die Jugendlichen appellieren, in vater­ländischem Interesse ihre Arbeitsplätze für ältere Volksgenossen herzugeben.

Hierbei sind selbstverständlich die bestehenden ver­traglichen oder gesetzlichen Kündigungsfri­sten zu berücksichtigen. Bei diesen Maßnahmen können jedoch die betrieblichen Notwen­digkeiten nicht unberücksichtigt bleiben. Auch hier wird der Betriebsführer nach Beratung im Vertrauensrat sicherstellen, daß die Wirt­schaftlichkeit des Betriebes durch die Auswechslung nicht beeinträchtigt wird. Es ist daher bei dieser Aktion darauf Rücksicht zu neh­men, daß keine Alterung der Belegschaft eintritt,