Einzelbild herunterladen

Nr. W Erstes Blatt

184. Jahrgang

Mittwoch, 20. Juni 1934

Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - DieScholle

Monats-Vezugspreir: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte 1.80 Zustellgebühr .. -.25 Auch bei Nichterscheinen

von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt

Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251

Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Giehen Postscheckkonto:

Zrantfurt am Main 11688

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vuch- und Steindruckerei «.Lange in Giehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7

Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Dormittags

Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text­anzeigen von 70mm Breite 60 Rpf.,Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25°/0 mehr

Ermäßigte Grundpreise:

Stellen-, Vereins-, gemein­nützige Anzeigen sowie ein­spaltige Gelegenheitsanzei­gen 5 Rpf., Familienanzei- gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B

ünfchen und Jnter-

um nicht zu sagen: gewagt.

Gerade der Besuch Dr. Goebbels, der zum ersten- mal als Vertreter des neuen Deutschland nach Polen kam, hat diese Seite des polnischen Problems schlag- lichtartig beleuchtet. Das Kesseltreiben der marxi­stischen Presse und das durchsichtige Manöver der nationaldemokratischen Blätter haben gezeigt, daß hier Kräfte am Werk sind, denen fremde Interessen näher liegen, als die Raison und Lebensnotwenüig- keiten des eigenen Staates. Diese Presse hat Töne angeschlagen, die vor allen Dingen in Paris und Moskau gefällige Ohren und willige Zustimmung gefunden haben. Das Problem der fremden Einflüsse in Polen ist keine neue Er­scheinung, es ist eine Frage, die Marschall Pilsudski seit Beginn seines Unabhängigkeitskampfes unab- läßlich und zutiefst beschäftigt und oftmals mit Ekel und Widerwillen erfüllt hat. In einer seiner be­deutendsten Reden, die der Marschall auf dem großen Legionärkongreß in Kalisch am 7. August 1927 ge­halten hat, beschäftigte er sich ausschließlich und grundsätzlich mit diesem Problem, das auch heute, und vielleicht gerade heute, wieder besonders aktuell zu sein scheint.

Er sagte damals:Ich habe ständige und dahin­gehende Bemühungen beobachtet, die bezahlten fremden Agenturen möchten nach Möglich­keit an der Spitze des Staates stehen .. . Sie gingen Schrit für Schritt neben mir her, als ich Staats­oberhaupt war, und suchten Mittel und Wege, in Polen einige Regierungen zu bilden neben den Regierungen, die bei mir standen, also Regierungen von Agenturen, die hinter meinem Rucken stehen sollten Ich sah das Lächeln von Vertretern frem­der Staaten, die bei mir akkreditiert waren, als fie mir in die Augen schauten und erklären konnten, meine Absichten können durch die polnischen Agen­ten völlig vernichtet werden. Ich wußte das und flüchtete mit meinen Absichten oftmals in ein weü- entlegenes Zimmer, um sie der fremden Grer nicht preiszugeben. Niemals war ich mir dessen sicher, daß der Befehl, den ich schreibe, nicht früher in den Büros aller fremden Staaten gelesen wird, als von meinen Untergebenen. Ich war nie­mals sicher, ob diese oder jene meiner politischen Absichten nicht sofort durch die Agenturen fremder Staaten mit einer solchen Kraft und Bestimmtheit kontrolliert werden wird, daß ich auf sie verzichten

polens neuer Weg.

Von unserem A.-Berichterstaiter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Warschau, Juni 1934.

Vom Wundermann hat man euch oft schon er­zählt, nur hat die Bestätigung jedem gefehlt, die habt ihr nun köstlich in Händen". Mit diesem Goethewort schloß Prof Zielinski, der als Prä­ses der Jntellektuellen-Union Reichspropaganda­minister Dr. Goebbels zum Vortrag nach Warschau eingeladen hatte, seine kurze An­sprache, als er seinem Gast für dessen Vortrag im Bürger-Club der polnischen Hauptstadt seinen herz­lichen Dank zum Ausdruck brachte. Hätte der greife Professor nicht schon vorher die Bestätigung, von der in dem Goethewort die Rede ist, gehabt, er hätte ie während des Vortrages von den Gesichtern der Zuhörerschaft, die die Elite der Warschauer Gesell chaft darstellte, ablesen können.

Doch die Tatsache, daß der Vortrag sowohl durch feinen Inhalt als auch durch die vollendete Form einen so durchschlagenden und nachhaltigen Eindruck hervorgerufen hat, ist nicht allein und ausschließ­lich ein persönlicher Erfolg des Reichspropaganda­ministers. Es war nicht zuletzt auch ein großer sachlicher, ein politischer Erfolg. Ohne ge­wisse geistige und politische Voraussetzungen wäre, um dies gleich vorwegzunehmen, vielleicht nicht nur der Eindruck, sondern überhaupt der Vortrag selbst gar nicht zustande gekommen. Und dieser Umstand ist hierbei gerade das Entscheidende.

Um diese in einem weiteren Blickfeld fast wunder­bar erscheinende Angelegenheit, wie sich der Vor­trag Dr. Goebbels in der polnischen Hauptstadt zweifellos darstellt, vollends zu erfassen und zu beurteilen, genügt nicht, sich allein nur auf die er­folgte deutsch-polnische Annäherung zu berufen. Ist der Vortrag Dr. Goebbels in gewissem Sinne eine Folge der deutsch-polnischen Verständigung, so ist diese Verständigung wiederum das (Ergebnis von Umständen und Ereignissen, die im Lichte der Aus­führungen Dr. Goebbels' besonders deutliche und scharfe Umrisse erkennen lassen. Es ist vor allen Dingen eine Erscheinung, die in diesem Zusammen­hang ein besonderes Interesse verdient und auch für die weitere Entwicklung der deutsch-polnischen Beziehungen von wachsender Bedeutung sein dürfte.

Zunächst ist es der Wendepunkt in der polnischen Außenpolitik. Im Augenblick, als durch den Sieg der nationalsozialistischen Revo­lution in Deutschland Polen vor die entscheidende

Frage gestellt wurde, sich für ober gegen Deutschland denn so war die Frage zu entscheiden, ist dadurch gleichzeitig und letzten Endes auch das Problem eine^ Revision der ge­samten bisherigen polnischen Außen- Politik aufgeworfen worden. In diesem für Polen entscheidenden Augenblick Marschall Pilsudski und seine Umgebung in kluger Voraussicht eine grundsätzliche Äendung der polnischen Außenpolitik herbeigeführt. Das Wesen dieser Wendung ist die Selbständigkeit und Unabhängigkeit in den r-------Volens, d. h. Unab­

außenpolitischen Entschlüssen Po hängigkeit von den egoistischen W , , essen außerpolnischer Einflüsse und Faktoren. Dieser Entschluß, der aller Voraussicht nach endgültig ge­faßt wurde, war nicht nur mit Rücksicht auf die außenpolitische Lage und die Bindungen Polens bedeutsam und weittragend, sondern nicht zuletzt auch im Hinblick auf das besonders geartete Spiel lnnerpolitischer Kräfte des Landes schwierig,

Frankreich und die Kleine Entente.

Man soll die politischen Unterhaltungen der drei Außenminister der Kleinen Entente, die augenblicklich in der rumänischen Hauptstadt mit be­sonderem Eifer gepflogen werden, nicht ernster neh­men, als sie es verdienen. Auch die Fahrt des reiselustigen Herrn Barth ou zu seinen östlichen Verbündeten stellt keineswegs eine Sensation dar, sie war seit langem geplant und gehört durchaus in den Rahmen der Pariser diplomatischen Ge- bräuch. Zwar weiß die ungarische Presse wie immer von phantastischen Plänen, von sensatio­nellen Paktprojekten, von einem europäischen Superbündnisblock zu erzählen, für den Frankreich angeblich nicht nur die Kleine Entente und den Kreis seiner übrigen Anhänger, sondern auch Deutschland, Italien und Polen gewinnen will. Daß das arme Hirn einiger Politiker solche oder ähnliche Phantasieblüten hervorbringt, mag ja sein, aber Früchte wird unser geplagter Kontinent davon nicht ernten können. Bei den Besprechungen in Bu­karest wird nach unseren bisherigen Erfahrungen keines der dringenden Probleme endgültig ge­löst werden, und Europa wird nach Abschluß dieser Konferenz einer friedlicheren Zukunft keines­wegs näher sein. Wenn wir trotzdem aus diesem Anlaß einen kurzen Blick nach Südosteuropa wer­fen, so nur, um an einem Beispiel zu zeigen, welche Verwirrung des Denkens eine solche Konferenz an- stiften kann. Wir wissen noch von dem bekannten Verleumdungsfeldzug gegen Deutschland im Som­mer 1933 her, daß die französische ZeitungP e - tit Parisien" mit der Wahrheit gern auf Kriegsfuß steht und daß ihre Redakteure bei der Wiedergabe von Nachrichten kleine gelegentliche Fälschungen nicht scheuen. Es könnte deshalb be­zweifelt werden, ob es stimmt, was der Sonder­berichterstatter des Blattes aus dem Munde des rumänischen Ministerpräsidenten Tatarescu gehört haben will und was er mit sichtlicher Befriedigung niedergefchrieben hat, daß nämlichFrankreichs Grenze am Dnjestr lieg t." Da aber ein De­menti von keiner Seite erfolgt ist, wird es mit die­sem seltsamen Ausspruch wohl seine Richtigkeit haben.

Politiker mit Sammlerinstinkten haben das Wort gleich in die Mappe mit der AufschriftDiploma­tische Stilblüten" gelegt, andere glaubten einen gu­ten Witz gehört zu haben und wieder andere be­deckten ihre Stirn mit ernsten Sorgenfalten. Sie haben alle ein wenig recht. Der Dnjestr entspringt bekanntlich in den Karpathen, fließt erst durch pol­nisches Gebiet, bildet dann die Grenze zwischen Rumänien und der Räteunion und mündet schließ­lich im Schwarzen Meer. Wir wissen nicht, ob das rumänische Volk in seiner Gesamtheit damit einver­standen ist, daß sein Ministerpräsident so sehr den kolonialen Charakter seines Landes betont. Kein Volk will schließlich gern als Vasallenstaat gelten, selbst wenn die Tatsachen dagegen sprechen. Das Groteske des oben wiedergegebenen Satzes aber wird noch augenfälliger, wenn man die Ansicht des rumänischen Ministerpräsidenten zum allgemeinen Prinzip europäischer Politik machen würde. Was würden die Franzosen dazu sagen, wenn die Polen in Gedanken und Worten ihre Grenze auf die Pyre­näen verlegen würden oder wenn die Deutschen be­haupten würden, ihre Grenze zöge sich längs der nordafrikanischen Küste hin? Wenn aus solchen Phantasien jenewirklich europäische Ein - h e it der Ansichten", die eine große Mailänder Zei­tung im Hinblick auf das Treffen von Venedig jetzt fordert und um die sich ja auch Frankreich auf seine Weise bemüht hat, hergestellt werden soll, dann allerdings sähe es traurig um die Zukunft (Europas aus. Aber, wie gesagt, man soll die Kon­ferenz in Bukarest nicht ernster nehmen als sie ist. Hier zeigen sich dieGrenzen" französischer Politik.

Rumänien braucht eine starke Regierung.

König Carol neigt zu einem autoritären Kurs.

Paris, 20. Juni. (DNB. Funkspruch.) Arn Vor­abend des Besuches des französischen Außenministers in Bukarest veröffentlicht derPetit Parisien" eine Unterredung seines Sonderberichterstatters mit König Carol, der anläßlich dieses Besuches eine Botschaft an das französische Volk gerichtet hat, die die freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern nachdrücklich unterstreicht.

Im Verlaufe der Unterredung wies König Carol die Gerüchte zurück, daß er abzudanken beabsich­tige. lieber die Schwierigkeiten, mit denen Ru­mänien zu kämpfen habe, erklärte der König, daß

iroerten, ge Ru-

Pläne auf lange Sicht nicht mehr angebracht feien; man müsse vielmehr bie Schwierigkeiten bekämpfen, w o fie auftauchten. Auf eine Frage bes Berichterstatters, ob es ber Wahrheit ent­spreche, baß er die Diktatur einzusühren beab­sichtige, antwortete der König ausweichend. In allen Ländern mache sich heute das Bedürfnis nach einer starken Regierungsgewalt geltend. Rumänien müsse das parlamentarische Re­gime beibehalten; aber die nichtssagenden und seeren P a la v e r, die ein Volk demoralisieren und bie

Hanblungen ber politischen Führer ersch seien nicht am Platze. Die politische La^ mäniens sei stabilisiert. Er habe Tatarescu zum

Ministerpräsibenten bestimmt, weil er ihn für ben Fähigsten halte, unter ben gegenwärtigen Umständen zu regieren.

Ministerpräsident Tatarescu erklärte einem Vertreter besPetit Journal" u. a., daß die rumä­nische Außenpolitik die unlösbare Verbun­denheit mit Frankreich in sich schließe. Auch Tatarescu wandte sich gegen die Gerüchte von einer Diktatur. Frankreich, so betonte er, leide aller­dings an zu weitgehendem Parlamentarismus, wäh­rend Rumänien vielleicht unter einem zu starken Oouoernementalismus" leide, wenn man sich so ausdrücken könne.

Barthous Besuch in Wien.

Einstündige Unterhaltung mit Oollfuß.-Oie alten Versicherungen aufgewärmt.

Wien, 19. Juni (DNB.) Der französische Außen­minister Barthou ist auf der Durchreise nach Bukarest und Belgrad am Dienstagabend mit dem Arlbergexpreß auf dem Wiener Westbahnhof ein- getroffen. Die von langer Hand vorbereitete Unterredung zwischen Barthou und Dollfuß fand unmittelbar nach dem (Eintreffen des französischen Außenministers in dessen Salon­wagen statt. Die Unterredung dauerte ungefähr eine Stunde. Im Anschluß an die Unterredung empfing ber französische Außenminister ben französi­schen und r umä nischen Gesandten. Es besteht in diplomatischen Kreisen der Eindruck, daß die österreichische Regierung die Tatsache der Unter­redung zwischen Barthou und Dollfuß mit allen Mitteln vor der Öffentlichkeit geheimzuhalten suchte. In einem amtlichen österreichischen Bericht über die Zusammenkunft zwischen Barthou und Dollfuß heißt es: In der Aussprache, die während dieser kurzen Zeitspanne zwischen dem französischen Außenminister Barthou und Bundeskanzler Dr. Dollfuß ftattfanö, hat Minister Barthou die Gele­genheit ergriffen, um Bundeskanzler Dr. Dollfuß gegenüber die Versicherung zu wiederholen, daß die französische Regierung im Einklang mit der Erklä­rung der drei Großmächte vom Februar lausenden Jahres die Zusammenarbeit mit der bri- tischen und italienischen Regierung fortführen werde, um nicht nur die Unabhängig­keit Oesterreichs zu gewährleisten, sondern auch im Rahmen ber Empfehlungen ber Konferenz von Stresa bie wirtschaftliche und finan­zielle Entwicklung Oesterreichs zu fördern. Trotz der Kürze der Unterredung, konn­ten Minister Barthou und Bundeskanzler Dr. Dollfuß auch die beide Länder interessierenden Fragen erörtern.

Jedes Mittel ist recht!" Anweisungen

für die österreichischen Drtswehren.

Wien, 19. Juni. (DNB.) Die Landesführung I des Heimatschutzverbandes Nieder-Oesterreich hat für die O r t s w e h r e n einen Befehl erlassen, in |

dem es u. a. heißt, es sei nicht die Aufgabe des Ortsschutzes, mit Glacehandschuhen die Nationalso­zialisten anzusassen, sondern bei der allergering­sten drohenden Gefahr einer staatsfeindlichen Tätig­keit rücksichtslos von der Waffe Ge­brauch zu machen. Die Ortswehren haben fer­ner jeden Kundschafterdienst zu machen. Besonders sind jene staatlichen Exekutivorgane, welche bekannt sind, daß sie ihren Dienst mit allzuvieler Rücksicht­nahme versehen, auf ihre Pflichten aufmerksam zu machen. Beobachtet besonders bekannte Nazis in öffentlichen Stellungen und entfernt da und dort rücksichtslos einmal einen aus einem Amt. Es darf nicht mehr vorkommen, daß offenkundige Staatsfeinde von dem Staat, den sie bekämpfen, Geld- und Gehaltsempfänger sind. Die Verhinde­rung der Tätigkeit bes lurnerbunbes von 1919 ist erforberlid), weil biefer ein ausgesprochen nationalsozialistischer Turnerbund ist, der heute unter dem Deckmantel turnerischer Tätigkeit die Nazizentrale in allen Orten barstellt. Der Kampf muß in 14 Tagen beenbet sein, bamit der einsetzende Fremdenverkehr, welcher der Gesamt­bevölkerung Brot bringt, nicht behindert wird. Jedes Mittel ist recht!

politischVerdächtige^ werden in Oesterreich nicht zum Hochschulstudium zugelaffen.

Wien, 19.Juni. (DNB.) Wie verlautet, be­absichtigt das Unterrichtsministerium eine durch, greifende Umbildung des gefamtenHoch- fchulwefens in Oesterreich durchzuführen. Di- Neuregelung soll schon zum nächsten Se­me st e r in Kraft treten. Es wird angenommen, baß der Unterrichtsminister Dr. Schuschnigg in Zu­kunft die Berechtigung zum Studium an die Zugehörigkeit zur Vaterländischen Front ober ben Nachweis vaterländischer Gesin­nung knüpfen will. Sämtlichen Studierenden, die im Verdacht stehen, der Regierung ablehnend gegenüberzustehen, sollen Schwierigkeiten in der Durchführung des Studiums bereitet werden.

Das Problem -er Philippinen auf -er Kloiienkonferenz.

Wird England eine Garantie für die Neutralität der Inselgruppe ablehnen?

London, 20. Juni (DNB.-Funkspruch).Daily Telegraph" schreibt: Bei den vorbereitenden Be­sprechungen zur nächsten Flottenkonferenz sollen die Vereinigten Staaten bei der britischen und japanischen Regierung über den Plan einer Neu­tralisierung der Philippinen sondieren wollen. Gegenwärtig ist die amerikanische Regierung durch ihr Wort verpflichtet, den Philippinen die Selbständigkeit zu gewähren. Aber die Philippinen sind besorgt wegen ihrer künftigen Rechtsstellung. Man befürchtet, daß bie völlige Räumung der Philippinen durch die Vereinigten Staaten die Annektion der Inselgruppe durch Japan geradezu herausfordern würde. Die ein­zige andere Möglichkeit wäre die Neutralisie­rung durch einen internationalen Vertrag. Die amerikanische Regierung scheint an einen Drei­

mächtevertrag zu denken, der zwischen den Ver­einigten Staaten, Großbritannien und Japan ab- Zuschließen wäre. Eine solche Vereinbarung würde aber nur gerinnen praktischen Wert haben, wenn nicht Die Signatarmächte sich ver­pflichteten, einer Verletzung der Neutralität der Philippinen im Notfälle mit Gewalt ent­gegen z u t r e t e n. Mit anderen Worten: Groß­britannien soll die Verpflichtung übernehmen» Krieg zur Verteidigung dieses frem­den Gebietes zu führen. Es ist unbentbar, daß Lonbon sich an einer solchen Vereinbarung beteiligen würbe. Das einzige, worauf die Ver­einigten Staaten hoffen könnte», wäre ein Gentle­man-Agreement entweder mit Japan allein ober mit Japan unb Großbritannien, bas bie Unab­hängigkeit der Inseln für ewige Zeiten gewährleiste.

werde müssen ... Polen erwarten möglicherweise schwere Entscheidungen. Während der Krisen hütet euch vor ben Agenturen, gehet euren Weg unb bient nur Polen, liebt nur Polen unb hasset diejenigen, die den Fremden dienen" ...

Wenn ein Staat unb eine Regierung sich vor schweren Aufgaben gestellt sehen unb weittragende Entscheidungen treffen, dann melden sich gewöhnlich auch solche Kräfte und Geister, die stets verneinen, und die Marschall Pilsudski so trefflich in miUtäri- scher Weise als fremde Agenturen bezeichnet hat. Polen steht mitten in einer solchen Situation. Der Besuch von Dr. Goebbels hat dies mit ungemeiner Klarheit gezeigt. Und es ist darüber kein Augenblick zu zweifeln, daß ber Neichspropaganbaminister bes nationalsozialistischen Deutschlanbs allein schon sich durch sein Erscheinen und mehr noch durch seinen Vortrag in der polnischen Hauptstadt als natürlicher Bundesgenosse dieser heute hierzulande maßgeb­lichen Kreise, die gewillt sind, trotz schwerer Kämpfe

und Hindernisse Polen auf dem neueingeschlagenen Wege einer besseren Zukunft entgegenzuführen, er­wiesen hat. Daß dieser Weg nur an der Seite bes neuen Deutschlanbs führen kann und baß man sich besten hier bewußt geworben zu fein scheint, hat der (Empfang, ben Dr. Goebbels im offiziellen Warschau erfahren unb das Echo, welches feine Rebe gefunden hat, recht deutlich bewiesen.

Professor Zielinski spricht in Berlin.

Berlin, 20. Juni. (DNB.) Auf Deranlasfung ber Deutschen Gesellschaft zum Stu- bium Osteuropas hielt ber Warschauer Uni­versitätsprofessor Dr. Zi e l i n s k i, Präsibent ber polnischen Jntellektuellen-Union, auf deren Ein­ladung hin Reichsminister Dr. Goebbels in Warschau gesprochen hat, in der Universität Berlin einen Vortrag, zu dem sich viele hundert

Vertreter des geistigen und politischen Lebens ein- gefunden hatten. Reichsminister Dr. Goebbels, der leider am Erscheinen verhindert war, ließ sich durch Ministerialrat Hanke vertreten. Der pol­nische Gesandte in Berlin war in Begleitung fast sämtlicher Mitglieder ber polnischen Gesanbtschast erschienen. Unter ben Gästen sah man u. a. bie Rektoren ber Berliner Hochschulen.

Der Präsibent ber Deutschen Gesellschaft zuyr Stubium Osteuropas, Reichsminister a. D. Dr. Curtius, begrüßte Professor Zielinski als einen Gelehrten von europäischem Rang unb gelegenen Kenner bes beutschen Geisteslebens. Professor Zie, linski sei einer berjenigen Persönlichkeiten, die sich in den Dien st der deutsch-polnischen Verständigung gestellt hätten. Professor Zie­linski, der auch korrespondierendes Mitglied der Göttinger Gesellschaft ber Wissenschaften und der bayerischen Akademie der Wissenschaften ist und im Goethejahr durch den Reichspräsidenten mit ber