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Nr. 92 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderheffen)Zrettag, 20. April 19Z4

DerSlabsches derSA.V0l denAuslandsVertrelem DieWerMmlig des verstorbenen Mischen Ivtschaflers

Berlin, 19. April. (DNB.) Der bulgarische Ministerpräsident M u s ch a n o f f, der, wie gemel­det, zu einem offiziellen Besuch hier eintraf, wurde vormittags, nachdem er sich beim Reichspräsi­denten in das Besuchsbuch eingetragen hatte, vom Reichskanzler in Anwesenheit des Reichsministers des Auswärtigen, Freiherrn von Neurath, empfangen, nachdem er einen Kranz zu Ehren der im Weltkrieg Gefallenen am Ehren­mal Unter den Linden niedergelegt hatte, hatte der bulgarische Ministerpräsident eine Besprechung mit dem Reichswirtschaftsminister Schmitt. Anschlie­ßend folgten Besuche beim Reichsminister für Volks­aufklärung und Propaganda Dr Goebbels und

dem Reichsminister für Luftfahrt und preußischen Ministerpräsidenten General Göring. Nach einem Besuch beim Staatssekretär von Bülow wurde Ministerpräsident M u s ch a n o s f nachmittags vom Reichsmini st er des Auswärtigen emp­fangen.

Am Abend wohnte der bulgarische Ministerpräsi­dent der Aufführung in der Staatsoper bei. Unser Bild -leigt Ministerpräsident Muschanoff bei seiner Ankunft auf dem Berliner Bahnhof Friedrichstraße, wo er von Staatssekretär von Bülow (rechts) vom Auswärtigen Amt und Staats­sekretär Lammers (links) von der Reichskanzlei im Namen der Reichsregierung empfangen wurde.

OerWattershausener Mordprozeß

$ür und wider die Täterschaft Liebigs. - Die Braut des Angeklagten sagt aus. Am Montag Beginn der Plädoyers.

S ch w e i n f u r t, 19. April. (DNL.) Im Walters- hausener Mordprozeß wurde am Donnerstag ein wichtiger Entlastungszeuge für Liebig vernommen, und zwar über dessen Alibi während der Zeit des zweiten Einbruches. Der Schuhmacher Heinrich Lieber aus Wülfershausen bekundet, daß er in der Nacht zum 6 Januar in der Gast­wirtschaft Ziegler in Wülfershausen mit Lievlg und dessen Braut'in der Küche zusammengesessen habe. Sie hätten sich bis etwa 1 Uhr nachts unterhatten Einige Minuten vorher sei Liebigs Braut zul Bett gegangen. Liebig habe sich dann auch verabschiedet und der Zeuge habe gehört, wie Liebig die Treppe binaufgeaangen sei. Dann sei der Zeuge in sein Haus gegangen, um sich zur Ruhe zu legen. Etwas Auffälliges habe er an Liebig nicht wahrgenommen.

Hierauf werden zwei weitere Alibizeugen über Baron von W a l t e r s h a u f e n vernommem Der Zeuge Eitel Graf von Goerz, Leiter des Melde­amtes des FAD. in Küftrin, hat m der Zett von Ende Oktober bis weit in den Januar hinein bei Baron von Walters Hausen als Untermieter gewohnt Er bekundet vor allem, daß er in der Nacht zum 1. Dezember 1932 sich zusammen mit dem Ehepaar Waltershausen in dessen Wohnung m fröhlicher Unterhaltung befunden habe. Ungefahr um 1 Uhr habe man sich zur Ruhe gelegt. Am an­deren Morgen um 9.30 Uhr habe Baron von W a ­te rshausen an die Ture des Zeugen geklopft und höchst aufgeregt mitgeteilt, er habe ein Tele- «ramm aus Waltenhausen erhalten nach welchem »«s Furchtbares pass.°rt I-,. Der

Baran fei am selben Tag- noch abgere.st

Daaeaen kann der andere Zeuge, der Kaufmann Erwin Thiel-Berlin, der den Baran Waltera- h auf en geschäftlich einarbeitete, angeben, dah er saft täglich mehrere Stunden mit diesem zusammen war auch einige Male an den Sonntagen und »oar immer in der Wohnung des Barons Ueber L 30 November 1932 kann der Zeuge nichts Ge­naues angeben. Im Januar dagegen der Ba- ran, wie der Zeuge weiter angib, tagt,ch anwesend gewesen, insbesondere in der Zeit vom 2. bis 6.

Januar, denn in dieser Zeit habe er geschäftlich mit ihm gearbeitet und wenn er ihn auch nicht jeden Tag persönlich gesehen habe, so habe er doch sicher jeden Tag telephonisch mit ihm gesprochen.

Es wird dann der Schloßtagelöhner M a ch a - lltz aus Waltershausen vernommen. Er hat Lip­pok und Liebig gekannt. Die Darstellung des Zeugen über die Ereignisse der Mordnacht ergeben nichts Wesentliches.

Er kommt darauf zu sprechen, wie er zuerst Frau Werther im Hause des Landwirts Witter gesprochen hat. Sie habe ihn gefragt, welchen Eindruck die Leute von der Tat hätten. Er habe ihr erwidert, daß die Leute sie selbst für die Täterin hielten. Darauf habe Frau werther gesagt: Ich werde doch nicht so blöde sein und mich so Herrichten. Frau werther habe immer wieder betont, Karl sei der Täter. Der Zeuge Machalih gibt dann weiter an, dah er am Tage nach dem Word Leiterspuren unterhalb des Fen­sters der Schuhpuhkammer entdeckt habe. Er selbst hatte nämlich die Leiter des Bürger­meisters, die auf dem Schlosse immer verwendet wurde, geholt. Doch könne er nicht sagen, ob im Auftrage des Hauptmanns oder der Frau werther. Diese Leiter sei am Morgen nach dem Word an das Wirtschaftsgebäude angelehnt ge­wesen. Er sei darauf aufmerksam gemacht wor­den, dah die Leiter viel tiefer im Boden stecke als am Tage vorher. Der Zeuge erzählt dann, er habe den Eindruck gehabt, dah Liebig sehr leichtsinnig mit Schuhwaffen am- gegangen sei. Die Ereignisse der Mordnacht habe der Zeuge erst am Morgen von der Köchin Fischer gehört.

Dann wird in die Vernehmung des Zeugen August R i t t w e g e r , des SA.-Führers der Mann­schaft von Waltershausen, eingetreten. Er berichtet.

wie sich der sogenannte Ueberfall auf Liebig abgespielt hat. Die Kameraden seien da­mals zu Liebigs Wohnung gegangen und haben ihn gerufen, doch habe er nicht geantwortet, obgleich Licht in seinem Zimmer war. Sie haben nun ge­glaubt, sie könnten Liebig bei einem galanten Abenteuer überraschen, seien die Treppen hinaufgegangen und hätten die verschlossene Tür ein­gedrückt. Durch den Krach sei Liebig aufgewacht, habe sofort unter das Kissen gegriffen, einen Revolver hervorgezogen und auch abgedrückt. Glücklicherweise habe der Revolver versagt. Als Liebig den wahren Sachverhalt erfuhr, habe er ge­sagt, er habe nicht gewußt, daß es seine Kameraden gewesen seien und er sei froh, daß der Revolver nicht losgegangen sei. Liebig sei, so gibt der Zeuge weiter an, ein guter SA.-Mann gewesen, lieber den Nationalsozialismus der Schloßherrschaft hat der Zeuge dagegen eine andere Meinung. Ins­besondere habe sich Frau Werther des öfteren a b - fällig über d i e SA. geäußert.

Am Freitag wird die Schlußvernehmung von Frau Werther und von Baron Walters­hausen erfolgen. Zugleich wird sich das Gericht am Freitag über die Vereidigung dieser beiden Zeugen schlüssig werden. Das Gericht hofft, am Samstag die Zeugenvernehmung ab­schließen zu können, so daß am Montag die Plädoyers beginnen könnten.

Darauf wird der Untersuchungsrichter, Land- gerichlsrat Dr. Dümmler gerufen, der über feinen Eindruck auf Grund der Vor­verhandlungen aussagen soll. Der Slaatsauwall will sich dieser Frage widersehen und weist darauf hin, dah eigentlich doch hier schon eine gewisse vorgefaßte Meinung bestehen müsse. Der Verteidiger bleibt aber auf seinem Verlangen bestehen. Landgerichtsrat Dr. D ü m m l e r erklärt, fein Eindruck sei der, dah Liebig unter allen Umständen der eigentliche Täter sei. Das Gutachten des Dr. Heß (Stuttgart) sei überzeugend. Als ihm das Gutachten vorgelegen habe, habe er Liebig sich als Zeugen herangeholt und während der Vernehmung habe er ihn mit einem Haftbefehl überrumpelt. Liebig habe einen fehr auf­geregten Eindruck gemacht und sich in verschiedene Widersprüche verstrickt. Als er ihn nach der Waffe gefragt habe, Tonnte Liebig die Waffe nicht stellen. Er habe ange­geben, dah er in jener Nacht die Waffe geputzt habe. Der Zeuge stellt fest, dah er am nächsten Morgen die Waffe auch mit gestelltem Lauf gefunden habe. Er habe Liebig eine halbe Stunde lang damit hantieren lassen, damit er zeige, wie der Lauf wieder zurückgebracht werde. Er selbst habe Liebig erst zeigen müs­sen, wie man die Waffe feststelle. Dem Zeugnis der Frau Werther habe er ursprünglich keinen grohen Wert beigemessen. Es habe sich zwar nicht viel belastendes Material ergeben,

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Im Rahmen eines Empfanges im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, an dem zahlreiche Mitglieder des Berliner Diplomatischen Korps sowie die Vertreter der Aus­landspresse teilnahmen, sprach wie gestern gemeldet Stabschef Reichsminister Röhm über das Thema:Die nationalsozialistische Revolution und die SA." Der Stabschef der SA. und Reichsminister Röhm während seiner Rede.

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Berlin, 19. April (DNB.) Die Trauerfeierlich­keiten für den verstorbenen türkischen Botschafter Kemaleddin Sami Pascha, der heute in seine Heimat üderaeführt wurde, gestalteten sich zu einer großartigen Kundgebung für den großen Heer­führer und Diplomaten der befreundeten türkischen Nation. Die Feierlichkeiten begannen am frühen Vormittag auf dem Muselmanischen Friedhof in der Hasenheide in Anwesenheit der gesamten türki­schen Kolonie. Nach Ueberführung der Leiche in das Gebäude der türkischen Botschaft fand dann dort eine große Trauerfeier statt, an der Vertreter der Reichsregierung und der preußischen Staatsregie­rung, des diplomatischen Korps, der Armee und Marine, der SA. und zahlreiche Freunde des Ver­storbenen, sowie die Angehörigen der türkischen Kolonie teilnahmen. U. a. waren der preußische Ministerpräsident Göring, sowie Reichsaußen­minister Freiherr von Neurath zugegen, der im Namen der Reichsregierung am Sarge einen Kranz niederlegte und auf bie treue Freund­schaft des E n.t s ch l a f e n e n zum deutschen Volke hinwies. Anschließend entbot der päpstliche Nuntius O r s e n i g o namens des diplomatischen Korps dem Entschlafenen den letzten Gruß. Dann gedachte der Ehrenvorsitzende des Bundes der Asien- kämpfer, General Schl e e-Pascha, der Verdienste des Toten.

Nach der eindrucksvollen Trauerfeier wurde der reichgeschmückte Sarg von Reichswehrunteroffizieren aus dem Botschafterpalais getragen, während vor dem Gebäude eine Ehrenkompanie der Reichswehr aufmarschiert war, deren Kapelle leise das Lied vom guten Kameraden spielte. Sodann wurde der Sarg auf eine Lafette gesetzt und durch ein Spalier

von 5000 SA -Männern und Tausenden von Zu­schauern, die die sterblichen Reste des um die deutsch - türkische Freundschaft hoch­verdienten Mannes ehrfurchtsvoll grüßten, zum Anhalter Bahnhof geleitet. Dem Sarge folgte ein unübersehbares Trauergefolge, darunter in Ver­tretung des Reichspräsidenten Staatssekretär Dr. Meißner in Begleitung von Oberst v. Hinden­burg, Vizekanzler von Papen, Reichsaußen­minister Freih. v. Neurath, Reichswehrminister Generaloberst v. Blomberg, Stabschef Röhm, Reichsarbeitsminister Seldte, in Vertretung des Reichskanzlers Staatssekretär Lammers und in Vertretung des Reichsministers und Ministerpräsi­dent Göring, der durch den Empfang des bul­garischen Ministerpräsidenten M u s ch a n o f f an der Teilnahme am Trauerzug verhindert war, Staats­sekretär Körner. Ferner sah man Reichsbankprä­sident Dr. Schacht, den Chef der Heeresleitung, General der Artillerie Freiherrn v. Fritsch, den Ehef der Marineleitung, Admiral Dr. h. c. Rae - der, sowie das gesamte diplomatische Korps, das in Gala erschienen war. Auf dem Anhalter Bahnhof, wo ein Ehrensturm der S S. - L e i b st a n - barte A bo l f Hitler unb eine Ehrenhun- bertschaft b e r Lanbespolizeitruppe Hermann Göring Aufstellung genommen hat­ten, senkten sich bie Fahnen vor bem Toten und wurden brei Ehrensalven abgegeben. Dann setzte sich der Sonderwagen unter Trommelwirbel in' Be­wegung. Unser Bilb: Tausenbe erweisen auf bem Potsdamer Platz durch den deutschen Gruß dem dahingegangenen Freund Deutschlands die letzte Ehre.

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aber er, der Zeuge, habe sich gesagt, ein an­derer als Liebig könne nicht in Frage kommen. Sein Benehmen fei auch sehr unterschiedlich ge­wesen.

In der Aussprache zwischen dem Verteidiger Dr. D e e g und Landgerichtsrat Dümmler bekämpft der Verteidiger energisch die Annahme des Zeugen, daß Liebig der alleinige Täter sei und weist auf das Gutachten des Prof. Fischer hin, in dem dieser die Möglichkeit bejaht, daß Frau Werther die Schüsse abgegeben habe, bzw. daß sie sich die Schüsse selb st beigebracht habe. Der Zeuge wird vereidigt.

Der nächste Zeuge, August Jäger, ein Arbeiter aus Waltershausen, gibt u. a. an, baß er von Liebig keinen guten Einbruck gewonnen habe. Der Verteidiger weist barauf hin, baß Bürgermeister Müller ausgesagt habe, Jäaer habe einem Bauern Hafer vom Feld gestohlen. Auf einen Hinweis bes Vorfitzenben, baß Jäger, wenn er eine strafbare Tat begangen habe, bie Aussage ver­weigern könne, macht ber Zeuge von ber Aus­sageverweigerung Gebrauch. Es wirb noch festgestellt, baß Säger ber SA. nicht angehört.

Darauf wirb bie Braut des Angeklagten Liebig, Olga Keßler aus IDalbberg, vernom­men. Die Frage des Vorsitzenden, ob die Ehe­schließung in Aussicht genommen sei, beant­wortet bie Zeugin mit ja, ebenso bie Frage, ob sie ein Kind von Liebig hatte. Die Zeu­gin erklärt sich zur Aussage bereit. Liebig kenne sie seit März 1932. lieber feine Herrschaft habe er niemals Nachteiliges geäußert. Haupt­mann Werther habe er nurPappi" ge­nannt. Auch von Frau Werther habe er viel gehalten. Sie fei von ihm nur mitGnädige Frau" angerebet worben.

Vorsitzender:hat er Beziehungen zu Frau Werther gehabt?"

Zeugin:Nein".

Vorsitzender:hatte er vielleicht Beziehungen zu Grete Wittmann?"

Zeugin:Nein".

Vorsitzender:Sind Sie eifersüchtig ge­wesen?"

Zeugin:Nein".

Auf die Frage des Vorsitzenden, ob sie glaube, daß Liebig den Einbruch begangen habe, antwortet die Zeugin:Nein, er hat die Tat niemals begangen. Er könne ja kaum einem Tiere etwas zu Leide tun. Auf die Frage, ob Liebig das Kind gern gehabt habe, erwidert die Zeugin, sie habe noch nie einen Menschen gesehen, der so getobt habe, wie er, als das Kind gestorben war. Von dem Mord habe sie erst in Wülfershausen um 15 Uhr erfahren. Die Nachricht, dah Liebig ver­haftet worden sei, habe sie zuerst als Ulk auf­gefaßt. Nach Bestätigung der Nachricht habe sie gesagt, sie glaube es nicht, sie wisse dann