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S)ie echte und die falsche ^Doralies Roman von Anny von Panhuys.

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Derlag, Halle (S.)

21. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Ich vergebe Ihrem Vater, Lutz Gärtner, weil ich jetzt das, was er mir angetan hatte, verstehe. Ihr Name aber steht auf einem anderen Blatt. Sie besitzen kein Recht, dem unreifen Ding, der Dora- lies, den Kopf zu verdrehen und zu ihr zu schleichen, wenn ich nicht daheim bin."

Doralies hatte ihre Tränen schon wieder getrocknet.

Dati, so obenhin solltest du von mir nicht reden, ich bin kein unreifes Ding mehr. Ich weiß, was Liebe ist, und ich habe Lutz lieb! Du müßtest eigent­lich gerade dafür volles Verständnis haben. Du schreibst doch Liebesromane, und alles darin ist so rührend schön, und meistens siegt die Liebe. Du gibst am Schluß ja auch bei mir nach. Also wozu, willst du uns beide, den Lutz und mich, erst quälen!"

Ihr Vater warf sich ärgerlich auf einen Stuhl.

Laß mich jetzt zunächst mit deiner Liebe in Ruhe, vorläufig erscheint mir anderes noch bedeu­tend wichtiger.'Ich will vor allem wissen, wer bei Frau von Stübnitz deine Rolle gespielt hat?"

Doralies überlegte. Es wäre besser, wenn er den Namen nicht wüßte. Anscheinend hatte er keine Ah­nung. Wenn es ging, ohne Regna mit hineinzu­ziehen, um so besser. Sie wollte Regina nicht ver­klatschen, sie wollte nicht feige sein, wie Regina gewesen war, die plötzlich alles im Stich gelassen hatte.

Sie antwortete:

Frage mich nicht, Vati, bitte, ich werde ja doch nichts, gar nichts verraten!"

Sie stand mit zurückgeworfenem Kopfe da, sah Lutz Gärtner warnend an, er möge auch schweigen. Schließlich unternahm Frau von Stäbnitz noch irgend welche Schritte, die nicht nötig waren, wenn sie den Namen erfuhr.

Sie wunderte sich nur, daß ihr Vater gar nicht an Regina Graoen dachte. Aber der traute er natürlich dergleichen auch gar nicht zu.

Fritz Wolfram rief heftig:

Ich verlange den Namen zu wissen, ich muß Frau von Stäbnitz mitteilen, wer die falsche Dora­lies gewesen ist. Also los, rede!"

Sie trotzte:

Den Namen nenne ich dir nicht, Vati!" Sie log, damit er nicht doch noch auf Regina verfallen sollte:Der Name ist dir völlig unbekannt."

Fritz Wolfram sah Lutz Gärtner an.

Bitte, gehen Sie jetzt, und geben Sie Doralies gleich die Hand zum Abschied für lange Zeit;

morgen früh reise ich mit ihr fort. Ich kenne ein Pensionat in der Schweiz, da paßt man gut auf solche störrische Mädels auf, derweil ich eine weite Reise antreten werde, um den Aerger zu vergessen, den mir Doralies eingebrockt hat."

Doralies hatte plötzlich flammende Wangen.

Ich lasse mich nicht einsperren, und von Lutz könntest du mich dadurch doch nicht für immer trennen. Nie und nimmermehr!" Ihre braunen Augen blitzten.Dati! Laß doch den Aerger nicht ganz und gar Herr über dich werden! Ich habe dich doch lieb und du mich auch. Geradezu Wahn­sinn wäre es, wenn wir uns da wie Feinde be­handeln wollen. Fritzchen, sei gut; sei doch ver­nünftig, vergiß die dumme Geschichte in Berlin und laß uns unser Glück!" Ihre Stimme wurde immer bewegter.Noch ein ganzes Jahr habe ich auf Lutz warten wollen, noch ein ganzes Jahr kein Wort von meiner Liebe zu Lutz erwähnen. Ein ganzes langes Jahr habe ich noch schweigen wollen, und hätte doch immer voll Angst an ihn denken müssen, weil er in Indien so weit von mir weg ist. Weißt du, keine Angst ist ganz schlimm, wenn man zu anderen davon sprechen darf, zu solchen Menschen davon sprechen darf, die einen liebhaben und alles richtig mitfühlen. Hänschen ist sehr gut, aber meine Liebe zu Lutz kann sie doch nicht so ganz nach­empfinden. Ich hätte auch zu dir noch geschwiegen, ein ganzes langes Jahr; aber nun hast du uns heute überrascht, sozusagen auf frischer Tat" Sie schluchzte:Ach, Vati, lieber guter Dati, sei vernünftig, quäle uns nicht unnütz, schenke es uns gleich, das ganz große Glück, unsere Liebe ganz offen vor aller Welt zeigen zu dürfen. Vati, ich würde dich bann, wenn das überhaupt möglich ist, noch lieber haben und"

Die junge Stimme war rauh geworden vor Er­regung. Und Doralies streckte die Arme aus wie hilfesuchend, flüsterte:

Ich habe ihn doch so über alles lieb, meinen Lutz!"

Sie hatte das, was sie gesprochen, so glühend, so über alle Maßen tief empfunden, daß sie schwankte und dem Vater, der sie bestürzt beobach­tete und einen Schritt auf sie zutrat, förmlich ent­gegenfiel. Nun hielt er das schlanke Mädel fest, fühlte, wie ihr junger Körper zitterte. Lutz Gärtner stand stumm und erschreckt da, war blaß bis auf die Lippen.

Fritz Wolfram ging es durch den Kopf: War es nicht eigentlich tausendmal wichtiger, die Liebe der beiden gewähren zu lassen, als darüber Romane zu schreiben und der warmen, lebendigen Liebe hart zu begegnen, nur weil der Vater Lutz Gärt­ners einmal seiner Eitelkeit weh getan hatte?

Sein Herz beantwortete die Frage, und er winkte Lutz Gärtner mit den Augen heran, schob ihm Doralies in die Arme.

So, Lutz, da haben Sie mein Mädel! Das

Glücklichmachen ist nun Ihre Sache!"

Doralies, die eben noch einer Ohnmacht nahe gewesen war, entzog sich Lutz Gärtner schon, ehe sie noch richtig von ihm umfangen war. Sie legte die Arme fest um den Hals des Vaters, rief glücklich:

Fritzchen, wenn man dir vernünftig zuredet, bist, du doch der liebste Vati der Welt, und ich danke dir von ganzem Herzen!"

Da lachte der so gelobte laut auf, und Lutz Gärtner stimmte mit ein. Und damit war auch die letzte Peinlichkeit zwischen den dreien ausgelöscht.

Draußen auf dem Flur hörte Frau Hensel das frohe Lachen; sie hatte ängstlich gehorcht und atmete jetzt auf. Also hatte es ihr Liebling doch wieder geschafft, mit dem Vater fertig zu werden.

Sie war glücklich. Nun hatte die anscheinend so verfahrene Geschichte, die Doralies angezettelt hatte, doch noch gut geendet.

Fritz Wolfram öffnete eben die Tür. Ein bißchen zu plötzlich. Frau Hensel konnte nicht mehr ent­wischen. Unangenehm war es, als Horcherin erwischt zu werden.

Sie versuchte recht harmlos auszusehen.

Fritz Wolfram lächelte vergnügt:

Gehen Sie hinein, Frau Hensel, und gratulieren Sie Ihrer Doralies! Sie hat mal wieder, wie eigentlich immer, ihren Willen durchgesetzt und wird sich bald mit ihrem Lutz verloben." Er verbesserte sich:Nein, gehen Sie noch nicht hinein, holen Sie erst eine Flasche Wein aus dem Keller. Und dann laufen Sie schnell hinunter zu Frau Gärtner und holen Sie die Dame her, verraten Sie ihr auch ruhig, was es Neues gibt. Wollen nachher alle zusammen anstoßen auf das Glück unserer Doralies!"

In den frohen Ton mischte sich Rührung.

Am nächsten Vormittag bat er Doralies, ihm jetzt, nachdem er ihren Herzenswunsch erfüllt hatte, zu sagen, wer ihre Stelle bei Frau von Stäbnitz eingenommen.

Doralies erwiderte ohne Ueberlegen:

Nein, Vati, das kann ich nicht! Erlaß es mir und glaube nur, es ist besser so. Es ist ja nun alles in Ordnung. Frau von Stäbnitz wird nichts unternehmen. Durch einen geschickten Brief an sie kannst du das jedenfalls unterbinden. Und ich möchte nicht die verklatschen, die erst nach langem Weigern und nachdem ich tüchtig geweint hatte, sich dazu hergab, meine Rolle zu spielen, damit ich hier­bleiben konnte, um Lutz Gärtner wiederzusehen."

Fritz Wolfram willigte nach längernm Ueber­legen ein.

Gut, lassen wir das Thema fallen. Und jetzt werde ich sofort an Frau von Stäbnitz schreiben."

Er schrieb:

Liebe Freundin!

Meine Tochter traf ich, wie ich nach dem Telegramm ja erwarten mußte, zu Hause an, und zwar bei bester Gesundheit. Wie sie mir ge­stand, hatte sie das Schlößchen überhaupt nur für

einen Tag verlassen, um die Reise zu Dir, liebe Edda, vorzutäuschen. Und warum?

Doralies hatte eine heimliche Liebe, einen jungen Mann, der als Ingenieur im fernen Ausland gewesen. Sie wollte seine bevorstehende Heimkehr nicht versäumen und deshalb zu Hause oleiben. Der Berliner Aufenthalt paßte nicht zu dem, was ihr Herz wollte. Sie fand nun in ihrer Not irgend ein ihr ergebenes Mädel, das an ihrer Stelle als Doralies Wolfram nach Berlin reifte. Ich erfuhr aber bisher nicht, wer die falsche Doralies gewesen, die sich, wie die echte Doralies beteuert, nur schwer und durch Tränen weich ge­macht, ihrem Vorschlag gefügt hat. Doralies hält es für eine Art Ehrenpflicht, die Helferin nicht noch zum Dank zu verraten.

Und deshalb bitte ich Dich, Edda, vergib meinem Töchterchen den Streich, zu dem sie sich in ihrer Verliebtheit hinreißen ließ; ich vergab ihn ihr auch. Und, bitte, vergib ebenso der anderen, die gleichfalls fabelhaft leichtsinnig gehandelt.

Begraben wir gemeinsam diese Torheit meines Wildfangs. Ich bitte Dich recht herzlich darum. Bei der Gelegenheit möchte ich Dir, liebe Edda, gleich mitteilen, daß sich meine Tochter gestern nach meiner Rückkehr mit dem Ingenieur Lutz Gärtner verlobt hat. Seinetwegen hat Doralies die Unbesonnenheit begangen.

Doralies bittet herzlich um Vergebung, und ich schließe mich der Bitte an.

Mit vielen Grüßen, auch an den Gatten, und schönsten Handkuß Dein alter Freund

Fritz Wolfram."

*

Als der Brief in Berlin anfam, hatte Otto von Stäbnitz, der berühmte Verteidiger, gerade seinen großen Prozeß gewonnen. Man sprach begeistert in ganz Berlin von der ergreifenden Rede des Anwalts, der den Beweggründen der Angeklagten zu der schlimmen Tat in menschlich wahrer und verständlicher Weise nachgegangen. Im Hause Stäb­nitz herrschte sehr frohe Stimmung. Und in diese Stimmung hinein kam der Brief aus Mooshausen. Jetzt erfuhr Otto von Stäbnitz erst, daß Doralies Wolfram gar nicht erkältet oben in ihrem Zimmer lag, wie er noch immer geglaubt, und er schüttelte verblüfft mit dem Kopfe.

Das ist ja eine ganz verrückte Sache, Edda! Ich muß aber bekennen: wenn das alles eine komische Seite hat ich- möchte keine Tochter haben, die solche Dinge anzettelt."

Peter Konstantin, der sich, wie meistens, in Ge­sellschaft des Ehepaares befand, blickte sehr nach- deutlich drein, und meinte:

Ich möchte nur wissen, wer die falsche Doralies Wolfram ist, und wo sie sich jetzt aufhält?"

(Fortsetzung folgt.)

Statt Karten.

Gestern wurde mein lieber Gatte, unser guter Vater, Sohn, Schwiegersohn, Schwager und Onkel

Herr Lehrer Eugen Zimmer nach vollendetem 51. Lebensjahr unerwartet durch einen Herzschlag aus dem Leben gerufen.

Im Namen der Hinterbliebenen;

Frau Johanna Zimmer, geb. Korschus

Gießen, den 20. April 1934. 2400D

An seinem Wirkungsort, Großen-Linden. findet am Sams­tagvormittag. 10 Uhr. eine Totenfeier statt. Die Beerdigung findet in Friedberg, Samstagnachmittag 3 Uhr statt

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