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Ein offiziöser pariser Kommentar.

Deutschland soll nach Genf zurückkehren.-Köder für die Kleine Entente.

Paris, 18. April. (DNB.) Die französische Morgenpresse bringt einen einheitlichen Kommentar zur französischen Note, der die Auffassung der amtlichen Stellen wieder- qeben durfte. Es böten sich, so heißt es in dem Kommentar, vier Möglichkeiten:

1. Eine allgemeine Abrüstung, wie sie das anfängliche Ziel der Abrüstungskonferenz war. Dieses Ziel habe die von Deutschland unter Mißachtung der Verträge oorgenommene Aufrü­stung unerreichbar gestaltet.

2. Eine Herabsetzung der Effektiv­bestände und der Materialien der durch die Verträge nicht entwaffneten Mächte, verbunden mit einer Erhöhung der Effektivbestände und des Materials, das Deutschland zugestanden worden war. Diesen Dorschlng, der im englischen Plan vom 29. Januar enthalten war, habe Frank­reich am 17. März zurückgewiesen.

3. Frankreich würde eine teilweise Aufrü­stung Deutschlands annehmen. Man werde aber von Frankreich keine Herabsetzung der st ungen verlangen. Das sei der Inhalt der italienischen Denkschrift gewesen.

4. Frankreich lehnt eine Legalisierung der geheimen Aufrüstung Deutschlands a b. Das sei der Inhalt der vorgestrigen französischen Note.

Die Note beschränke sich angesichts der durch den öffentlich eingestandenen Aufrüstungswillen Deutschlands geschaffenen unannehmbaren Lage darauf, die Abrüstungsaussprache

aus dem Gebiete der zweiseitigen Ver­handlungen herauszunehmen und auf das normale Gebiet der Abrüstungskonfe­renz und des Völkerbundes zurückzufüh­ren. Infolge der Art des deutschen Vorgehens könne jetzt nur auf diese Weise eine Lösung des Abrüstungsproblems gesucht werden, die Frankreich vor allem wünsche. In dieser hin- sicht behalte also die Rückkehr Deutsch­lands nach Genf ihre volle Bedeutung und würde der Beweis des guten Glaubens und des guten Willens der leitenden Männer in Deutschland sein. Diesen Standpunkt werde der französische Außenminister B a r t h o u vor dem Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz am 24. Mai vertreten, wenn er zu diesem Zeit­punkt zusammenberufen werde.

Die französische Note bringe den Staaten der Kleinen Entente eine sichere Stärkung. Außerdem werde sie in Warschau nachdrücklichst gebilligt. Man könne sagen, daß der französische Text sehr wohl die Stimme Frankreichs schlechthin sei, denn er sei einstimmig von einem Kabinett an­genommen worden, in dem -fünf frühere Minister­präsidenten und darunter wiederum fünf frühere Außenminister vertreten seien, und das, politisch gesehen, von Louis Marin bis zu dem Neusozia- lifteft Marquet reiche.

Scharfe Kritik in England.

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London, 20. April. (DNB. Funkspruch.) Der diplomatische Berichterstatter desDaily He­rold" bezweifelt, ob das Büro der Abrü- stungskonferenz tatsächlich am 30.April zu­ll sammentreten wird. Jedenfalls würde es sich um ! »eine rein formelle Sitzung handeln, denn die Lage I «sei s o ernst, daß sie nur vom Hauptaus - schuß selbst behandelt werden könne.

Man müsse sich vor Augen hallen, daß die französische Regierung in ihrer letzten Note

nicht nur die Tür für weitere unmittelbare Besprechungen, sondern sogar auch für jede Erörterung der Abrüstungsfrage in Genf ge­schlossen habe.

i -Ste habe ferner erklärt, daß es unmöglich sei, I ein Abrüstunasabkommen abzuschlie - feen, oder die Ausführungsgarantien zu behan­deln, wenn Deutschland nicht nach Genf zu- rückkehre. Gleichzeitig aber habe die franzö- ' stsche Negierung den Besprechungen ein -I «Ende gemacht, die allein die Möglichkeit bo- tten, Deutschland zur Rückkehr nach Genf zu veran-

1 Hassen. Der Berichterstatter ist der Ansicht, daß «Frankreich versuchen werde, die Konferenz ZU einer Körperschaft zu machen, die i| Deutschland zur Beobachtung der Einschrän­kungen des Versailler Vertrages z w i n g e n soll.

Der politische Berichterstatter derM o r n i n g P o st" sagt.« In politischen Kreisen rechnet man mit . der Möglichkeit, daß die britische Regierung noch einen weiteren Rettungsversuch unternehmen »rnd ein Kompromiß zwischen dem deutschen IJ Linb dem französischen Standpunkt Vorschlägen wird. In Kreisen, die der Regierung nahestehen, wurde gestern abend erklärt, die Hoffnung auf i Erreichung einer Abrüstungskonvention sei noch I nicht aufgegeben worden.

Der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" erklärt, daß Ton und Inhalt der letzten französischen Note nicht nur die bri= Lische Regierung, sondern auch französische Vertreter n verschiedenen Hauptstädten vollkommen überrascht habe. Auch Belgien und Polen waren nicht darauf gefaßt. Die vorletzte fran- xösische Note hatte zwar schon bei einigen kritischen Ministern den Verdacht erregt, daß Frankreich Auf die Beendigung dieser Verhandlungen ab» z, jele. Man hatte aber angenommen, daß die dar- s «uf von London gestellte Frage wegen der franzö­sischen Garantiewünsche Paris von einem solchen « Schritt abhalten würde. Barthou habe sich bis zum letzten Augenblick bemüht, eine solche Politik zu »erhindern. Er sei aber

von den militärischen Einflüssen innerhalb und außerhalb des Kabinetts überstimmt worden.

H Der Berichterstatter fährt fort: Der A b r ü st u n g s- 'lrusf chuß des britischen Kabinetts hat i 1 am Donnerstag die deutsche Denkschris t, Die 24 Stunden vor der französischen Note eingetroffen Dar, nicht unbeachtet gelassen. Die britischen Mtm- |ter haben zweifellos einen tiefen Eindruck aon dieser Denkschrift empfangen, die zeigt, daß Zerlin den verbesserten britischen Plan vorn 29. Januar nur in einer Beziehung ernstlich abzuandern

wünscht.

Deutschland erhebt Einwendungen gegen die Bestimmung, daß es z w e i I a h r e w a r t e n soll, bis es eine rein defensive Cuff- macht haben kann, die halb so stark ist, wie die französische. Im übrigen nimmt das Deutsche Reich alle technischen Vorschläge des britischen Vor­schlag s an. Es bleibt nicht unbeachtet, daß Frankreich in feiner letzten Note keine Neigung zeigt, irgend einen der Haupt­gedanken des britischen Plans anzu­nehmen, daß es aber trotzdem auf Garantien besteht, und zwar nicht nur auf Ausführungsgarantien, sondern auch aus Garantien allgemeiner Sicherheit, die weit über Locarno hinausgeben wurden.

Ob der hauvtausschuß der Abrüstungskon­ferenz am 23. Mai Zusammentritt, wird ange­zweifelt. Aber eines stebt fest: Irgend em Ver­such, bei dieser Gelegenheit eine antideut­sche Kundgebung von einer oder Zwei Großmächten und einer Gruppe kleinerer Mächte zu veranstalten, würde von der britischen und italienischen öffent­lichen Meinung verurteilt werden Alles berechtigt auch zu der Annahme, daß Großbritannien und Italien sich nicht an einem Abkommen beteiligen würden, das Deutschland nicht freiwillig und in allen Ehren unterzeichnen könnte.

Der diplomatische Mitarbeiter des ,,D a l l y e tetd)" schreibt,der Inhalt der französischen Note h,be nicht nurGroßbritannien über­

rascht, sondern sogar die französischen Botschafter in London und Brüssel.

Nachdem Frankreich den Abrüstungsbesprechun­gen durch seine Note den Todesstoß verseht habe, möchte es jetzt die kleineren Staaten in Genf nötigen, ein Rüstungsabkommen zu un­terstützen, das nichts weiter fei als eine französische Sicherheitskonven­tion. Wenn es dies tue, werde es auf den Wider st and Großbritanniens, Ita­liens und Belgiens, sowie selbstverständ­lich Deutschlands stoßen.

In britischen Kreisen werde offen zugegeben, daß Deutschland hinsichtlich der Aufrüstung über die im britischen Abkommen bezeichneten Grenzen nicht hinausgegangen sei.

In einem Leitaufsatz sagt die liberaleNews Chronicl e", es sei zwecklos, zu bestreiten, daß Frankreich die unmittelbare Verant­wortung für den Stillstand der Abrüstungsver­handlungen trage. Wenn die französische Regierung auf den deutschen Haushaltsvoranschlag hin auf Ga­rantien bestanden hätte, so hätte man dies verstehen können. Statt dessen habe sie in ihrer Note der britischen Regierung eine schroffe Zurückweisung verabfolgt und die Tür sogar zu einer Begrenzung der Rüstungen z u ge­schlagen.

Ls wäre gut, wenn vor der nächsten Sitzung des Abrüstungsbüros Frankreich klar gemacht würde, die britische öffentliche Meinung fei nicht damit einverstanden, daß der Völkerbund als Mittel für eine Verewigung des Versailler Ver­trages benutzt und Deutschland als Macht zwei­ten Ranges behandelt werde.

Es sollte erklärt werden, daß das einzige Ab­kommen, das Großbritannien unterzeich­nen würde, für eine sofortige Begrenzung und allmähliche Verringerung der N ü st u n g e n der schwerbewaffneten, sowie für eine Begrenzung der kontrolliertendefensiven" Aufrüstung Deutschlands sorgen müßte. Frankreich sollte es sich reichlich überlegen, bevor es eine selbstmörderische Politik betreibe.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik: i. V.: Ernst Blumschein, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwort­lich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. HI. 34: 11 550. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, KG., sämtlich in Gießen.

Oer Stabschef -er SA. ordnet Sommerurlaub an.

Berlin, 20. April. (DNB.) Das Presseamt der Obersten SA.-Führung teilt, lautV. B.", mit: Stabschef Röhm bestimmt auch in diesem Jahre einen Monat, und zwar den Jul i, für die Ur- lau b s z e i t der Sturmabteilungen. Dies ist bestimmt ein Zeichen der Verbundenheit, der An­erkennung und der Würdigung für die hohen Dienst- anforberungen des letzten Jahres, die an jeden ein­zelnen gestellt wurden. Der genannte Monat soll grundsätzlich bei allen Einheiten d i e n ft f r e i sein, um den SA.-Führern und -Män­nern gründlich Gelegenheit zur Entspannung und zum Zusammensein mit ihren Fa­milien zu geben. Bei den Stäben wird eine Teilbesetzung nur für die Wahrnehmung der dringlichsten Geschäfte vorgenommen, während Teil­nehmer von Kursen, die für Juli nicht mehr abzu­sagen sind, im August ihren Urlaub nachholen kön­nen. Der Stabschef weiß,« daß nach dem Urlaub jeder SA.-Mann mit frischen Kräften wiederauf seinemPosten stehen und freu­dig die ihm auferlegten Pflichten erfüllen wird.

Wettervoraussage.

Der hohe Druck hat sich über dem Kontinent weiter durchgesetzt, so daß das Wetter trocken bleibt. Die noch zufließende Westluft führt zwar vorüber­gehend zu Bewölkung und beeinträchtigt auch die Temperaturen, so daß mit recht kühler Nacht zu rechnen ist. Ein neues Tief bei Island wird aber später die Winde mehr auf Süden zurückdrehen lassen, wobei dann Erwärmung stattfindet.

Aussichten für Samstag: Teils wolkig, teils aufheiternd, nachts noch recht kühl, tagsüber etwas wärmer, trocken.

Lufttemperaturen am 19. April: mittags 17,3 Grad Celsius, abends 13,2 Grad; am 20. April: morgens 8,5 Grad. Maximum 19 Grad, Minimum 4,8 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 19. April: abends 14,7 Grad: am 20. April: mor­gens 10,6 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 6% Stunden.

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