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Nr. 67 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

0ienstag,2V.MrzM4

Herr von Drais und sein KnochensWlller.

Oie Laufmaschine von 1834. Aus der hundertjährigen Geschichte unseres Fahrrades.

23on Hans Meter.

Heller Jubel schrillt aus den Kehlen der Gassen­jungen von Karlsruhe.Er kommt, er kommt!" schreien sie, gellende Pfiffe ausstoßend. In der Ferne taucht eine seltsame Erscheinung auf. Aus einem eigenartigen Gestell sitzt ein kleiner, dicker Mann und stößt sich samt dem Gestell mit den Füßen vorwärts, Der Schweiß läuft in kleinen Bächen über das gerötete Gesicht. Ebenso seltsam wie seine ganze Erscheinung ist seine Kleidung. Goldene Knöpfe zieren seinen alten, grünen Mili­tärfrack. Auf dem im Verhältnis zum Körper viel zu großen Kopf prangt ein zerknittertes Militär­käppchen. Hundert Jahre ist es jetzt ungefähr her, daß dieser Sonderling zum ersten Mal in das Re­sidenzstädtchen Karlsruhe kam und von einer joh­lenden Schar von Gassenjungen verspottet wurde. Doch wo einst die Straßenbengels vor Vergnügen über diesen eigentümlichen Gast ihre Mützen in die Luft warfen, erhebt sich heute ein Denkmal, das dekn Erfinder des Fahrrades, Karl von Drais, gewidmet ist.

Als Sohn eines badischen Hof- und Regierungs­rates wurde er am 29. April 1785 geboren. Schon an der Wiege war seine Karriere bestimmt. Offi­zier oder Jurist mußte er werden. Daß Drais zu beidem völlig ungeeignet war, erschien nicht roe= sentlich.Mechaniker oder Maschinenbauer will ich werden" hat er oft seinem Vater gesagt. Aber

ßen oder Plätzen gebrauchen soll, ohne sich zuerst mit dem Erfinder darüber abgefunden, und ein Zeichen von ihm dafür gelöst zu haben. Wir beauf­tragen daher das Ministerium des Innern, auf seinen über diesen Gegenstand erstatteten Vortrag vom 6. Januar d. I. Rr. 66, dem v. Drais ein solches Erfindungspatent in der gewöhnlichen Strafe für das Entgegenhandeln ausfertigen zu lassen. Gegeben usw. den 12. Jan. 1818."

Von nun an beschäftigte sich Drais ausschließlich mit der Verwertung seiner Maschine, In Frankfurt hielt er Vorträge über ihre Vorzüge, sandte Pro­spekte in die Welt und ließ sie in Paris vorführen. Aus einer den Prospekten beigelegten Preisliste ist zu ersehen, daß Drais verschiedene Prospekte zum Kauf anbot. Maschinen mit zwei Sitzen kosten 75 Gulden, einfache Maschinen mit Einrichtung zur Höherstellung des Sitzes, um von verschieden

großen Personen benutzt werden zu können, 25 Gulden weniger.

Ein lächerliches Ding ist so eine Laufmaschine", behauptete Varnhagen von Ense. Und viele zweifelten an der allgemeinen Einführung des Rades innerhalb des Verkehrswesens. Immer mehr litt Drais an der Verständnislosigkeit seiner Mitmenschen. Er opferte sein letztes Geld für die beständige Verbesserung seiner Erfindung. Er schlug heftig zu, wenn jemand seine Laufmaschine bespöttelte, und eine aus solchem Anlaß entstandene Prügelei mit einem Engländer kostete ihn die Kam­merherrenwürde. Immer komischer und sonderbarer, belästigte er die Behörden mit Beschwerden und Schriftsätzen von ungewöhnlicher Länge. Nur um seine Vorgesetzten zu ärgern, trug er stets dieselbe schäbige und schmutzige Kleidung, halb Uniform, halb Zivilanzug.

Am 10. Dezember 1851 starb er in Karlsruhe. Sein Laufrad wurde im Nachlaßverzeichnis mit einem Wert von drei Gulden aufgeführt. Die Stadt Karlsruhe hat es zum ewigen Andenken an ihren berühmten Sohn angekauft. Der deutsche Radfahrerbund errichtete dem im Unglück gestor­benen Erfinder in den Septembertagen des Jahres 1893 ein Denkmal.

©Jlxfpori

Handball im Gau XII lTurnkreis VIII Lahn-Dill).

konnte sich ein adliger Hof- und Staatsbeamter zu damaliger Zeit vorstellen, daß sein Sohn, der den regierenden Fürsten persönlich zum Paten hatte, sich die Finger mit Maschinenöl beschmieren könnte? Nachdem Drais als Offizier, Forstmann und Kammerherr es zu nichts gebracht hatte, pensio­nierte man ihn zwangsweise. Von nun an inter­essierte er sich nur noch für Erfindungen, und seine wichtigste, die Laufmaschine, unser heutiges Fahrrad, machte er in der zweiten Hälfte des Jah­res 1813. Im Dezember dieses Jahres führte er sie dem Kaiser von Rußland vor. DasBadische Ma­gazin" vom 22. Dezember 1813 berichtet in seinen Spalten über diese Begebenheit:Der Kammer- junkev und Forstmeister Freiherr v. Drais hat seinen erfundenen Wagen, der ohne Pferde, durch den insitzenden Menschen getrieben, leicht und schnell dahinläuft wie schon vorher unserer Landes­herrschaft Ihrer Majestät dem Kaiser von Ruß­land vorgeführt. Der Monarch hatte daran Wohl­gefallen, verlangte am folgenden Tag die noch­malige Vorzeigung äußerte:Cest bien ingenieux und sandte dem Erfinder einen brillantenen Ring für das Vergnügen, welches Ihrer Kaiserlichen Maiestät damit gemacht worden sei."

Aber erst im Jahre 1817 bewies er der Oeffent- lichkeit die Brauchbarkeit seiner Maschine. Er legte den sonst vierstündigen Weg von Mannheim nach Schwetzingen in 60 Minuten zurück. Genau wie die heutigen Fahrräder bestand die von Drais er­fundene Laufmaschine aus einem mit einem Sattel versehenen Gestell, das auf zwei Rädern ruhte. Der einzige Unterschied zeigte. sich in der Art der Fortbewegung. Der Fahrer mußte damals das ganze Gestell, während er darauf faß, mit den Füßen auf der Erde vorwärtsstoßen. Er bewies die Brauchbarkeit seines Laufrades für militärische Zwecke, indem er den Weg von Karlsruhe bis zur französischen Grenze bei Straßburg in dem vierten Teil der sonst üblichen Zeit zurücklegte. Erst darauf­hin erhielt er die Patenturkunde, die wegen ihrer seltsamen Abfassung hier wiedergegeben sei: ,Wir Karl von Gottes Gnaden Großherzog von Baden, Herzog von Zähringen, Landaraf von Nottenburg, Graf von Hanau usw. bewilligen dem Kammer­junger Freiherrn v. Drais ein Erfindunaspatent auf zehn Jahre für die von ihm erfundene Lauf­maschine, in dem Maße, daß niemand dieselbe in den diesseitigen großherzoglichen Landen nachmachen oder nackmachen lassen, oder auf öffentlichen Stra-

Schlußstand der Spiele nach Beendigung der Runde 1933/34.

1. Kreistlasse.

Staffel 1.

Gew.

Unentsch.

Verl.

Tore

Pkte.

Lützellinden

7

1

0

53:26

15:1

Dornholzhausen

4

0

4

48:38

8:8

Hörnsheim

3

2

3

42:38

8:8

Gambach

4

0

4

46:49

8:8

Gr.-Rechtenbach

0

1

7

27:67

1:15

Staffelsieger: Tv. Lützellinden. Während in der ersten Serie die Frage nach dem Ersten noch nicht gelöst erschien, entschied sie sich während der 2. Serie recht bald zugunsten von Lützellinden, das sämtliche Gegner klar schlug. Völlige Gleich­wertigkeit finden wir bei den nächsten Mannschaf­ten. Groß-Rechtenbach steht am Ende. Der Mann­schaft fehlt noch die Erfahrung.

Staffel II.

E

lern.

Unentsch.

Verl.

Tore

Krofdorf

6

1

1

45:29

Atzbach

6

1

1

34:27

Hochelheim

4

1

3

39:31

Heuchelheim

3

0

5

30:31

Allendorf (Lahn)

0

0

8

8:28

Pkte. 13:3 12:4 9:7 6:10 0:16

Staffelsieger: Krofdorf. Die Ermittlung des Meisters dieser Serie gelang erst in den letzten Spielen. Mit Krofdorf wurde die beständigste Mannschaft Sieger, dicht gefolgt von den in den letzten Spielen stark aufkommenden Atzbachern. Hochelheim schien nach Beendigung der ersten Serie weit stärker als am Schluß der Runde. Heuchelheim kämpfte recht unglücklich. Allendorf fiel sehr zurück.

Staffel III.

Gew. Unentsch. Verl. Tore Pkte.

Allendorf (Lda.) 3 0 1 15:3 6:2

Roth 2 0 2 6:9 4:4

Lollar 1 0 3 4:13 2:6

Staffelsieger: Allendorf (Lda.) Die Ent­scheidung wurde hier bereits in der ersten Serie herbeigeführt. Allendorf war überlegen und verlor nur ein Spiel wegen Nichtantretens. Roth hielt sich noch recht annehmbar Lollar war nicht wiederzu­

erkennen.

Staffel V.

Gew. Unentsch. Verl. Tore

Burg-Gemünden 3

Romrod 5

Schotten 2

Bernsfeld 0

0 1 30:17

0 1 27:17

0 4 14:32

0 6 4:18

Pkte. 10:2 10:2 4:8 0:12

Die Entscheidung dieser Staffel steht noch aus und wird in einem Entscheidungsspiel der beiden Ersten auf neutralem Platz herbeigeführt. Burg-Ge- rnünden und Romrod find annähernd gleichwertig.

Staffel VI.

Gew. Unentsch. Verl. Tore Pkte. Garbenteich 2 0 0 11:7 4:0

Lich 0 0 2 7:11 0:4

Staffelsieger: Garbenteich. In dieser Gruppe pxiren außer den beiden Mannschaften von Garbenteich und Lich noch Albach vertreten. Albach zog jedoch später seine Mannschaft zurück. Die zu­rückgezogene Mannschaft bot bis dahin dem jetzigen Staffelsieger die Stirn und war ebenbürtig, wo­gegen Lich etwas abfiel.

Von Gruppe IV liegt eine Schlußtabelle nicht vor. Staffelsieger wurde hier die Mannschaft des Tv. K a tz e n f u r t.

Ruttershausen Wißmar Launsbach Krofdorf II Nordeck

2. Kreisklasse.

Staffel II.

Gew. Unentsch. Verl. Tore

7 1 1 53:29

6 1 2 45:31

4 0 4 35:33

3 0 5 26:48

008 11:29

Pkte. 13:3 13:3 8:8 6:10 0:16

Staffelsieger: Ruttershausen. Im Ent­scheidungsspiel in Lollar gegen Wißmar durch einen 5:3-Sieg ermittelt. Einen hartnäckigen Kampf lieferten sich die beiden Ersten und Launsbach. Launsbach schied zuerst aus, während Ruttershausen und Wißmar zuletzt auf gleiche Punktzahl kamen. Im Entscheidungskampf in Lollar gewann Rutters­hausen durch das bessere Stehvermögen. Krofdorf und Nordeck vermochten nicht in die Entscheidung einzugreifen.

Oer Teppich.

Von Wilhelm Scharrelmann.

Mein Freund Leistenberger besitzt unter den tau­send Kostbarkeiten seiner Wohnung einen Teppich, den man nur wie ein Heiligtum betrachten kann.

Es ist ein alter Gebetsteppich aus Iran.

Ich habe wenig Anlage zum Neid, aber um den Teppich könnte ich Leistenberger beneiden. Er hat Farben, die einen in einen Zustand feierlicher Ruhe und gehaltener Befchwingtheit versetzen. Da ist ein Rot, das tief ist und brennend und sich doch nicht aufdrängt, und von einer vornehmen Zurückhaltung ist und bei aller Glut wie ausgelöscht erscheint wie eine Liebe, die stark ist in ihrer Leidenschaft und doch beiseite treten kann und schweigen und lächeln ... Nein, man kann über Farben nicht reden.

Wenn man den Teppich betrachtet, weiß man, daß er eine Geschichte hat. Man erlebt Visionen vor ihm, so zu sagen.

2Xi ist eine Hütte, eine schmutzig-gelbe Hütte aus Lehmziegeln, halb verfallen. Der Fußboden ist un­eben und längst schadhaft geworden, ein Estrich aus gestampfter Erde, und so häßlich und unordentlich, wie der ganze Bau. Aber ein Webstuhl steht darin mit einem Gewirr von roten, blauen, braunen und grünen Fäden aus weicher Kaschmirwolle, locker und schimmernd wie Seide. Und ein Mädchen ist da, das schwarzhaarig ist und Augen hat, in denen das Weiße bläulich ist und wie ein Opal schimmert, und wenn es sich bewegt und die Fäden verknüpft, die in verwirrender Fülle vor ihr ausgespannt sind, sieht man, was für feine Gelenke die Hände besitzen und wie fein der Nacken den gebeugten Kopf tragt, den sie über die Arbeit bückt ...

Zigarre oder Zigarette?" fragt Leistenberger.

Leistenbergers Zigarren sind Kostbarkeiten, wie alles, was einen hier umgibt, und ich lasse wich nicht gerade ungern auffordern. Nur die Perserin mit den wunderbaren Augen und den feinen Hand­knöcheln ist darüber weg. Aber bann geht das Ge­spräch weiter, und Leistenberger wendet sich wieder den übrigen Besuchern zu, und ich bin ihm banfbar, baß alles ihn mehr interessiert, als was ich am Ende zu sagen hätte, unb kann wieder ungestört ben Tep­pich betrachten, ber wie ein Wunber aus Farbe meinem Stuhl gegenüber an ber Wand hängt.

Om-Bidschar heißt sie ... Unb jung ist sie, erst siebzehn Jahre. Unb einen Liebsten hat sie, ber Zie­genhirt ist unb einen Namen hat, so klangvoll wie ber eines Fürsten ... Aber sie ist eifersüchtig auf

ihn, benn ba ist Bonain, bie am Eingang bes Dorfes wohnt und deren Vater mehr als siebzig Ziegen besitzt .. Oh, Om-Bidschar muß achtgeben. Bonain ist falsch .. falsch wie die Nacht ... Aber wenn sie erst den Teppich fertig hat, wird sie ihn dem Händler verkaufen, der in Veramin einen Basar unterhält unb ihr einen ganzen Toman für ben Teppich zu- gefagt hat ... Einen ganzen Toman! Dann wirb Öm-Bidschar sich ben Silberschmuck kaufen, ber ihr so gut steht, bas Halsgehänge unb ben Armreif ... Unb bann wirt Ali ben Hasian Bonain nicht mehr anfehen unb ihr allein gehören, unb sie wirb selig sein ...

Natürlich!" sagt Leistenberger unb schlägt sich auf die Knie, baß ich zusammenfahre.Es ist ganz selbst- verstänblich, baß unsere Hanbelsbeziehungen mit Amerika"

Man stimmt ihm eifrig unb allgemein zu und ich kann sehen, ob ich die holde Om-Bidschar mit den bleichen Wangen und den großen dunklen Augen wieder erblicke ...

Ja sie wird selig sein... Ihre Stirn, in der sich jedesmal, wenn sie an Bonain denkt, eine Zornes- falte senkt, scharf wie der Schnitt eines Messers, glättet sich wieder, ihr Mund verzieht sich zu einem Lächeln, und sie beginnt zu trällern, leise wie ein Vogel zwitschert, wenn der Abend kommt.

Wie sie so sitzt unb wieder die bunten Fäden der Wolle durch ihre Hände gehen, kommt von der Gasse her eine alte Frau herein. Zahnlos und häß­lich ist sie, häßlich wie die Sünde, und ihre Haut ist so welk unb braun, wie bie einer Zigeunerin, die mit ihrer Bande siebzig Jahre durch Wind unb Wetter wanderte. Aber ihr Haar ist noch immer blauschwarz wie ein Rabenschwinge.

Spute dich, Täubchen," sagt sie.Es wird Abend. Hassan wird mit den Ziegen an den Brunnen kommen und sich langweilen, wenn du nicht ba bist ... Geh, mein Täubchen, geh!"

Da nimmt Om-Bibschar den Tonkrug auf bie Schulter unb geht und späht schon von weitem, ob er schon ba ist, den sie liebt. Aber am Brunnen ist es noch still unb einsam. Sie ist zu früh gekom­men. Unb doch nicht! Denn dort ist auch Bonain schon und späht, wie Om-Bidschar spähte, und zieht spöttisch die Lippe hoch, als sie unvermutet die Rivalin erblickt.

Aber Om-Bidschar ist zu stolz, ihr nur das kleinste Wort zu sagen, mag sie immer beginnen, was sie will. Die aber wiegt sich in den Hüften und träl­lernd beginnt sie ein Lied, das Om-Bidschar das Blut ins Gesicht peitscht.

Fand der Täuber eine Taube, schön und schwarz, die Federn dicht ... ließ sein Nest er, sucht die eine, hielt ihn alte Treue nicht ..."

Das ist zu viel für Om-Bidschar ... Ihre Augen funkeln, und ihre Gestalt strafst sich.

Falsche," schreit sie, und springt auf, wie eine Katze vom Boden emporschnellt.

Sei doch nicht so fad," sagt Leistenberger unb schlägt mir auf bie Schulter.Du sitzt wirklich den ganzen Abend ba, als wärst bu über die Quadratur des Kreises geraten. Komm, auf das, was wir lie­ben! Profit!"

Ich bewundere Leistenberger. Aber noch mehr beneide ich ihn wenn auch nur um den Teppich ...

jedermann.

Von Hans Riebau

Federmann geht in ein Porzellangeschäft.Ich möchte gern einen Milchnapf für eine Katze", sagt er.

Sehr gern", lächelt die Verkäuferin,soll er die Aufschrift tragen: Milch für unsere Mieze*?"

Unsinn", sagt Federmann,ich trinke keine Milch, unb unsere Mieze liest nicht!"

Die Türklingel läutet. Febermann öffnet. Draußen steht ein Mann mit einer großen Blechbose unb einem halben Dutzenb Bürsten und Lappen.

Wollen Sie nicht Ihren Parkettfußboden wach­sen lassen?" fragt ber Mann,pro Quabratmeter nur acht Pfennig."

Unsinn", schlägt Febermann die Tür zu,mein Parkettfußboben ist mir groß genug."

*

Weißt bu eigentlich", fragt Mücke,daß vor kurzem ber Leipziger Funkturm gebrannt hat?"

Unb ob ich bas weiß!" sagt Febermann.Die Flamme ist so gewaltig gewesen, daß mein Vetter, der Pilot des Flugzeuges BerlinKöln, sie ganz deutlich gesehen hat."

Haha", lacht Mücke,vollkommen ausgeschlossen!" Weshalb ausgeschlosfen?" fragt Febermann.Ich weiß genau, baß er bamals in Leipzig zu Besuch war."

Man spricht über bas neue Jahrbuch ber Statistik. Alles Schwinbel", sagt Febermann,alles über­trieben! Da steht zum Beisviel, baß im letzten Jahr

DerAlt-Heidelberg"-L)ichter f.

H \

Wilhelm Meyer-Förster ist, wie bereits gemeldet, im Alter von 72 Jahren v e r st o r b e n. Sein SchauspielAlt-Heidelberg" ist eines der meistaufgeführten Werke des Jahrhunderts. Die Studenten-Romantik dieses Theaterstückes verhalf ihm in nicht weniger als 22 Ländern zum Erfolg. Auch ber Film, bas Singspiel unb bie Operette griffen das publikumswirksame Thema auf. Meyer- ü ö r ft e r war übrigens schon vor 30 Jahren er­blindet unb konnte dadurch nur eine Probe seines Werkes fehend erleben.

Staffel III.

Gew.

Unentsch.

Verl.

Tore

Pkte.

Dorlar

7

0

1

47:16

14:2

Kl.-Rechtenbach

5

1

2

23:27

11:5

Aßlar

2

2

4

19:27

6:10

Waldgirmes

2

1

5

21:48

5:11

W.-N.-Girmes

2

0

6

25:23

4:12

Staffelsieger: Dorlar. Dorlar gewann un­angefochten feine Staffelmeifterschaft und zeigte sich seinen Gegnern stets überlegen. Am besten hielt sich noch Klein-Rechtenbach, das aber komischerweise ein ungünstigeres Torverhältnis aufzuweisen hat, wie der Tabellenletzte Meder-Girmes. Aßlar und Wald­girmes enttäuschten.

Staffel IV.

Lang-Gons Grüningen Lützellinden II Cleeberg

Gew. Unentsch. Verl. Tore Pkte.

5 1 0 56:13 11:1

4 1 1 32:26 9:3

2 0 4 23:45 4:8

0 0 6 11:38 0:12

Staffelsieger: Lang-Göns. Mit Lang- Göns hat in dieser Staffel zweifellos die weitaus beste Mannschaft den Meister errungen. Grüningen ist gleichfalls eine Mannschaft von gutem Können, während Lützellinden II und Cleeberg nicht gefähr­lich werden konnten.

Staffel V.

Gew. Unentsch. Verl. Tore Pkte.

Gießener

Turnerschaft II 5 1900 Gießen II 5 OSC. Gießen 3

Burkhardsfelden 3

Beuern 1

1 2 47:19 11:5

0 3 51:41 10:6

2 2 17:20 8:6

0 4 17:25 6:8

1 6 23:50 3:13

Ein Staffelsieger ist in dieser Gruppe noch nicht ermittelt. Wenn nicht alles trügt, wird bie *11. ber Gießener Turnerschaft als Vertreter um bie Auf- ftiegfpiele in Frage kommen. Die Staffel vereinigt mit ben jeweils II. Mannschaften ber Gießener Vereine eine spielstarke Gegnerschaft. Die beiden Ersten waren mit wechselndem Erfolg tätig. In die Entscheidung greifen nunmehr nur noch die Mann­schaften von OSC. und die II. ber Gießener Tur­nerschaft ein. Die beiben ßanboereine schlugen sich recht tapfer.

Von Staffel I liegt eine Tabelle nicht vor. Sieger mürbe bie Mannschaft bes Tv. Holzheim.

mit ber Hamburger Hochbahn 150 Millionen Per­sonen befördert sind, unb dabei hat Hamburg über­haupt nur eine Million Einwohner!"

*

Febermann ist auf bem Lanbe, besichtigt ben Kuh- stall, bie Zentrifugen unb ist alsbald gesonnen, selbst einen Versuch zu machen unb so eine Kuh zu melken, ber Schweizer gibt ihm Melkschemel unb Eimer, unb Febermann zieht los. Zehn Minuten später aber ist er, mit leerem Eimer, wieber ba.Na?" lächelt ber Schweizer,ging's nicht?"

Nein", sagt Febermann,ich habe bas Menschen­mögliche versucht, aber das Biest wollte unb wollte sich nicht auf ben Schemel setzen."

*

Febermann ist in ber Eisenbahn. Ihm gegenüber sitzt ein Herr mit grüner Lodenjoppe unb langen Lederstiefeln. Der Herr macht ein mißvergnügtes Gesicht. Schließlich aber bietet er Federmann eine Zigarre an und fängt an zu erzählen.Nichts als Aerger hat man", sagt er,gestern nachmittag habe ich vier Stunden lang Karpfen geangelt, heute habe ich neun Stunden lang Karpfen geangelt, aber meinen Sie, ich hätte auch nur einen einzigen ge­fangen?"

Das nennt man Pech", nickt Febermann,aber woher wissen Sie es eigentlich, baß es Karpfen waren, bie Sie nicht gefangen haben?"

»Mein Liebster ist ein Jägersmann."

Das Lichtspielhaus bringt ein harmloses Lustspielchen ber Union-Tonfilm-Probuktion GmbH, unter bem TitelMein Liebster ist ein Jägers­mann", welches im Vorkriegs-Oesterreich abwech- selnb am Wiener Hof unb in ben kaiserlichen For­sten bei Ischl sich begibt unb bem gemessenen habs­burgischen Zeremoniell bie ungebunbene unb heitere Natürlichkeit eines länblichen Försterhaus-Jbylls gegenüberstellt. Dazu eine breifach verwickelte Lie­besgeschichte, die nach den üblichen Verwechslungen und Komplikationen sich zum Schluß in dreifaches Wohlgefallen auflöft unb vom leutseligen Kaiser Franz Joseph freundlich gebilligt wirb. Im kleinen Ensemble spielen Georg Alexander auf wiene­risch, fröhlich unb unbekümmert, bie rüstige Theater­mama Hansi Niese mit geräuschvoller Ge­schwätzigkeit, bie blonbe Gretl Theimer unb bie bunfle Susi Lanner bie erste Geige. Im Bei­programm: ein Lustspiel, bie Wochenschau unb ber Vorsvann zumHans Westmar"-Film, ber in ben nächsten Tagen hier erscheinen soll.