fäosemarie, tftosemaöe...
Roman von Käthe Metzner.
20. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
„Ja ... ja...!" Rosemarie sprach es vollkommen abwesend. „Ach, bitte, entschuldigen Sie mich jetzt, Mendel. Nach allem Schmerz der letzten Tage nun noch solche Dinge."
Mendel verneigte sich, Rosemarie aber ging in ihre Garderobe. Dort stützte sie verzweifelt den Stopf in ihre Hände und weinte herzzerbrechend.
„Bis hierher, bis hierher soaar verfolgt es mich. Nie werde ich Ruhe finden. Ach, hättet ihr mich doch damals sterben lassen! Lieber, lieber Onkel Brunner, warum hast du mich unter diesen bösen Menschen allein gelassen? Keiner hat es gewagt, mir ein Wort zu sagen, solange du noch lebtest, wahrscheinlich, weil sie alle einen so riesigen Respekt vor dir hatten.
Nun haben sich kaum deine lieben Augen geschlossen, da fallen sie über mich her..."
Ganz fest krampfte sie die Hände und preßte sie vor den Mund um nicht laut aufzuschreien.
„Mutter, liebe Mutter, wird mich nun immer und immer wieder dieser unselige Stern verfolgen? Wird das nie anders fein? Gibt es denn kein Fleckchen auf der Erde, wo ich Ruhe finden kann? Endlich Ruhe?"
Endlich erhob sie sich. Ein Schreck durchzuckte sie. Wie lange hatte sie hier gesessen? Die Probe war längst vorüber; aber sie hatte doch Lueberg versprochen, ins Theaterrestaurant hinüberzukommen.
Hastig versuchte sie, die Tränenspuren von ihrem Gesicht zu tilgen.
Fürst Lueberg hatte in einer traulichen Ecke des Theaterrestaurants Platz genommen. Vom Ober hatte er sich die neuesten Zeitungen bringen lassen. Die Zeit würde schon vergehen. In längstens einer Stunde war Rosemarie Bergmann hier.
„Armes Kind", dachte er mitfühlend, „wie tapfer sie sich zeigt!" Immer mehr wuchs seine Liebe zu Rosemarie, je mehr er sie kennenlernte. Wie stolz sie sein Anerbieten abgelehnt hatte — und doch war sie gewiß in einer ganz verzweifelten Lage!
Versonnen sah er dem Rauch seiner Zigarre nach. Seine Gedanken kreisten um Rosemarie. Sie mußte die Seine werden.
Er hatte gar nicht bemerkt, daß Marion Tinius plötzlich neben ihn getreten war, und er schaute verwundert auf, als sie ihn plötzlich liebenswürdig begrüßte.
Schnell sprang er auf und entschuldigte sich, dann bat er sie, an seinem Tisch Platz zu nehmen.
Die Tinius ging noch immer leicht auf den Stock
gestützt. Der Fürst bemerkte es sofort, aber gleichzeitig fiel ihm auch ein, daß er sich nicht einmal nach ihr während der Zeit ihrer Krankheit erkundigt hatte.
Das war jetzt allerdings peinlich.
„Leider hörte ich erst kürzlich, Gnädigste, daß Sie einen bösen Unfall gehabt haben. Hoffentlich ist alles gut abgelaufen, und es geht Ihnen jetzt wieder besser", sagte er höflich.
Die Tinius lächelte etwas maliziös.
„Danke, Durchlaucht! Es geht mir wirklich bedeutend besser. In spätestens acht Tagen hoffe ich wieder auftreten zu können..."
„Sobald schon?" Lueberg staunte.
Aber Marion Tinius gab dem Gespräch sofort eine unangenehme Wendung.
„Sobald? Ist es nicht lange genug? Ja, aller- dinas viele werden nicht erbaut sein, wenn ich wieoerkomme, nachdem in der kurzen Zeit dunkle Elemente es so vorzüglich verstanden haben, sich hier einzunisten. O ja, Durchlaucht, oft hat man keine Ahnung, was sich hinter so einem Engelsangesicht verbirgt. Aber ich habe in dieser Hinsicht ein fabelhaftes Fingerspitzengefühl. So leicht kann ich mich mit jemand nicht anfreunden, der mir nicht ganz sauber erscheint."
Fürst Lueberg war rot und blaß geworden. Er glaubte zu ahnen, auf wen sich ihre dunklen Andeutungen bezogen; aber er mußte Gewißheit haben.
„Um wen, wenn ich fragen darf. Gnädigste, handelt es sich denn bei diesem dunklen Element — und wer kommt Ihnen nicht ganz sauber vor, wie Sie sich auszudrücken beliebten?" Seine Stimme nahm eine unverkennbare Schärfe an.
Aber die Tinius blieb ruhig.
So weit war es also schon mit ihm, daß er für die Bergmann Partei ergriff? Doch sie war ihrer Sache allzu sicher. Deshalb konnte sie es getrost wagen, ihm lächelnd ins Gesicht zu sagen:
„Die Bergmann meine ich, Durchlaucht, die göttliche Tochter der »göttlichen Bergmann'!"
Nun war es heraus. Wenn dieser Schlag nicht sitzen sollte...
Fürst Lueberg biß sich auf die Unterlippe, daß sie ganz weiß wurde.
„Und wieso ist Ihrer Meinung nach Fräulein Bergmann ein dunkles Element?"
Hohn und Triumph lagen in Marion Tinius' Worten, als sie langsam erwiderte, während auf jedem Wort eine schwere Betonung lag:
„Weil sie, ehe sie hier in Berlin auftauchte, eine kleine Stenotypistin war ..."
„Das ist kein Makel!" Messerscharf fielen die Worte des Fürsten. Aber die Tinius wehrte gemächlich:
„Auch in meinen Augen nicht, Fürst — aber lassen Sie mich ausreden! Eine kleine Stenotypistin war, die wegen Diebstahls von ihrer Firma entlassen wurde."
„Das ist nicht wahr!" ächzte Lueberg. „Wer hat
denn Beweise für diese furchtbaren Anschuldigungen?" In diesem Augenblick betrat Rosemarie das Restaurant.
Ein Blick zeigte ihr, was geschehen war.
Wie angewurzelt blieb sie stehen, nicht fähig, einen Schritt auf den Tisch zuzugehen, an dem über ihre Ehre verhandelt wurde.
Aber Fürst Lueberg hatte sie schon erblickt.
Er erhob sich, und ohne die Tinius noch eines Blickes zu würdigen, ging er auf Rosemarie zu.
Als er sah, daß sie sich nur mit Mühe aufrechthalten konnte, nahm er sie, behutsam stützend, beim Arm und führte sie hinaus.
Rosemarie folgte ihm willenlos.
Völlig erschöpft sank sie in die weichen Polster des Wagens. Schweigend fuhren sie dahin, bis der Fürst endlich mit leisen Worten die Stille brach:
„Halten Sie doch den Kopf hoch, gnädiges Fräulein! Wir müssen sofort gegen diese gemeinen Verleumdungen etwas unternehmen. Ich ahne ja nun, aus welcher Quelle sie kommen."
Da sagte Rosemarie ganz matt und gebrochen:
„Es läßt sich nichts unternehmen, Durchlaucht! Die Gerüchte, die man über mich ausgebreitet hat, sind Wahrheit!"
Mit einem Ruck richtete sich der Fürst auf:
„Und wenn ich es aus Ihrem eigenen Munde höre, Rosemarie, das glaube ich nicht. Sie sind keiner unehrenhaften Tat fähig!"
Ein bitteres Lächeln grub sich um ihren Mund. Ein paarmal hob sie zum Sprechen an, aber immer wieder schien ihre Kraft zu versagen.
„Quälen Sie sich nicht, Rosemarie!" sagte der Fürst weich.
Doch endlich fand sie den Mut und erzählte ihm stockend ihr Schicksal.
Erschüttert lauschte er ohne sie mit einer Frage zu unterbrechen. Aber in seinem Gesicht stand eine schmerzliche Falte. Das war eine ganz furchtbare Sache. Er mußte Rosemarie recht geben; es hatte keinen Sinn, sich dagegen aufzulehnen. Schicksal! Schicksal der Schönheit! setzte er in Gedanken hinzu.
Fest überzeugt war er von Rosemaries Unschuld. Sie war das Opfer einer gemeinen Intrige geworden, und so würde es immer und Überall gehen, wo Schönheit und Begabung sich über die anderen erhoben.
„Den Weg deiner Mutter kannst du nicht gehen, Kind. Ihre Vergangenheit war rein und durchsichtig wie Kristall. An deinem Namen hängt ein Makel, wenn du auch tausendmal schuldlos bist. Warum weigerst du dich nur immer noch gegen meine Werbung? Bist du so stolz? Soll ich dich nicht herausnehmen aus all dem Schmutz und Neid, den das Bühnenleben mit sich bringt?" fragte er sich in stillem Selbstgespräch.
Rosemarie hatte geendet.
Aber schon bog auch der Wagen in die Straße ein, in der die Brunnersche Villa lag.
Nachdem er ihr beim Aussteigen behilflich gewesen war, geleitete er sie vorsichtig ins Haus.
Als Rosemarie wohl geborgen im Sessel ruhte, fand er noch Gelegenheit zu ein paar Worten.
„Was auch kommen möge, Rosemarie, ich stehe zu Ihnen, denn ich habe auf keinen Menschen Rücksicht zu nehmen. Aber... darf ich auch jetzt noch kein Wort mitnehmen, das eine kleine Hoffnung für mich bedeuten könnte? Wollen Sie nicht meine Frau werden, Rosemarie?"
In Rosemarie war ein furchtbarer Kampf. Da war es, was sie erwartet, was sie feit langem gefürchtet hatte: die Entscheidung!
Minutenlang schwankte sie.
Sollte sie nachgeben? Bei Lueberg waren Sicherheit und Geborgenheit und Ruhe, süße lockende Ruhe... In feinen Armen war sie behütet vor den gefährlichen Nattern des Neides. An ihn wagte sich keiner heran.
Und was winkte ihr? Ewige Angst, ewiger Kampf. Tante Berta war alt. Wie schnell kam der Tod! Und dann war sie ganz einsam. Ganz heimatlos...
Fürst Lueberg wartete und wartete...
Endlich klang Rosemaries Stimme:
„Ich kann Ihre Frau nicht werden, Fürst! Niemals. Ich liebe einen anderen ..."
Das war es. Das also!
Lueberg war unfähig, ein Wort zu sagen. Ganz tief nur verneigte er sich vor Rosemarie, so daß sie den Schmerz auf seinen Zügen nicht sehen konnte.
Leise klappte die Tür hinter ihm ins Schloß.
Rosemarie wußte: nun hatte sie sich selber des letzten Halts beraubt. Selber hatte sie die letzte Tür zugeschlagen, die in ein neues Leben hätte führen können.
Sie trat ans Fenster. Tief hingen die Wolken. Schnee...
Der graue Himmel bedrückte sie.
Nirgends, nirgends ein Lichtstrahl?
Und heute abend mußte sie spielen!
9. Kapitel.
Sechs Uhr morgens
Doktor Wangenheim war eben im Begriff aufzustehen. Pünktlich um sieben Uhr war er täglich in seinem Büro. Rastlos und unermüdlich schaffte er. Eisernes Wollen hatte von ihm Besitz ergriffen.
Die Krise seiner Werke war zum Stillstand gekommen; aber langsam, ganz langsam nur ging es wieder aufwärts. Ein gut Stück Arbeit war noch zu leisten, wenn die Wangenheimfchen Werke ihre Vormachtstellung auf dem Weltmarkt wieder einnehmen sollten.
Aber: „Wangenheim wird es schaffen!" Das war die Meinung aller führenden Persönlichkeiten der rheinischen Großindustrie. Doktor Wangenheim hatte es verstanden, sich ihre höchste Achtung zu sichern.
(Fortsetzung folat.)
Zur Frühjahrssaat
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Anmeldungen zur diesjährigen Gesellenprüfung sind bis zum 26. März an den Unterzeichneten unter Benutzung der vorgeschriebenen Formulare e>nzureichen.
<9. Schrader, Leihgestern, 1695 d Innungsführer der Provinz Oberheffen.
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Am 21. Mäv 1934, bleiben während der Uebertragung der Rede des
Führers unsere Geschäftsräume
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Bezirkssparkasse Gießen
Commerz^ und Privat-Bank Aktiengesellschaft, Filiale Gießen
Deutsche Bank und DiscontO'Gesellschaft, Zweigstelle Gießen
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Bekanntmachung.
Als Auftakt des Beginns der dritten Welle der Arbeitsschlacht zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, zur Arbeitsbeschaffung und zum Wiederaufbau der Wirtschaft findet auf Anordnung des Reichswirtschaftsministers und des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda
am INittwoch, dem 21.INärz 1934, in Gießen nm 19.30 Uhr im Lafe Leib, Walltorstraße, eine gemeinsame Jnnungspslichl- versammlung
statt, in der die Rede des Führers und Volkskanzlers Adolf Hitler durch Lautsprecher übertragen wird. 16900
Im Anschluß an die Uebertragung der Führerrede wird der Aufruf des Reichshandwerksführers Schmidt bekanntgegeben.
An dieser Jnnungspflichtversammlung haben alle Mitglieder der Innungen für den Stadtbezirk Gießen sowie die Mitglieder der Kreisinnungen, soweit sie im Stadtgebiet wohnen, bei ihren Stadtgruppen vollzählig mit den bei ihnen beschäftigten Gesellen, Lehrlingen und Arbeitnehmern aller Art teilzunehmen und sich innungsweise zu gruppieren.
In den Kreisstädten der Provinz Oberhessen finden zu gleicher Zeit ebenfalls Jnnungspslicht- versammlungen in gleicher Weise und gleicher Anordnung durch die Jnnungsausschußführer statt.
In den Landgemeinden der Kreise werden durch die NS.-Hago-Ortsgruppenamtsleiter die gefaulten Handwerker zu Versammlungen gleicher Art und in gleicher Anordnung zusammengeführt.
Es ist Ehrenpflicht eines jeden oberhessischen Handwerkers, auch wenn er noch keiner Innung angehört, an dieser Veranstaltung örtlich teilzunehmen.
Handwerkskammer-Nebenstelle für die Provinz Oberhessen.
Gez.: Stühler, Vorsitzender.
Gez.: Röhr, Syndikus.
Gießener Pserdemarkl
Mittwoch, den 21. März 4934
Die Rede des Führers
wird auf dem Platz durch
Lautsprecheranlage übertragen!
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Gießen, den 16. März 1934.
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