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Was tut England nach Empfang der französischen Abrüflungsnote?

fflhiger wirb, auf dem sonst so hoffnungslos lie­genden Gebiete der Handelspolitik vorwärts zu kommen. Seit dem Dezember v. I. sind mit Hol­land, Ungarn, Dänemark, Abkommen geschlossen, und jetzt geht man daran, mit Polen ein neues Wirt­schaftsverhältnis zu begründen. Gerade aus dem Wirtschaftssystem heraus, wie es in Deutschland im Entstehen ist, kann die deutsche Handelspolitik auch da neue Gedanken erwägen

Man sieht, wie Innen- und Außenpolitik Zusam­menhängen. Jeder Staat ringt auf seine Weise mit den neuen Gedanken, aber in ihnen setzt sich eine Weltbewegung, wirklich eine neue Zeit durch. Wer sich das recht klar macht und im ein­zelnen verfolgt, versteht dann manches leichter in der großen Politik, was sonst nur Lähmung und Hoff­nungslosigkeit zu sein schien. Und er verfällt nicht in die Gefahr, nach altem Schema zu urteilen, das aus den reißenden Fluß der Ereignisse nicht paßt. Daß auch hier Neues entstehe, zeigte am stärksten Adolf Hitlers Entschluß zum Abkommen mit Polen, das keineswegs bloß Taktik war, sondern aus einer neuen Grundauffassung der Beziehungen der Staa­ten und Nationen zueinander entstanden ist.

Oie Königin-Mutter der Niederlande gestorben.

Haag, 20. März. (DNB. Funkspruch.) Die- nigin-Mutter der Niederlande, Emma, ist heute um 7.45 Uhr hiesiger Zeit (8.25 Uhr MEZ.) im Aller von 75 Jahren gestorben. Um 7.30 Uhr schien das Befinden der Königin-Mutter noch befriedigend zu sein. Wenn auch die Aerzte bereits am Montag.

abend alle Hoffnung auf eine völlige Wiederherstel­lung der kranken ausgegeben halten, so glaubten sie doch nicht an einen so kurz bevorstehenden Tod. Um 7.45 Uhr ist die kranke plötzlich sanft ent­schlafen. An ihrem Sterbebette befanden sich Königin Wilhelmina, die Kronprinzessin Juliana und der Fürst von Waldeck, der Bruder der Königin-Mutter.

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Die Königin-Mutter Emma der Niederlande wurde am 2. August 1858 in Arolsen als Tochter des Fürsten Georg Viktor von Waldeck und Pyr­mont geboren. Sie heiratete 1879 den König Wilhelm III. der Niederlande, dessen zweite Gemahlin sie war. Da die beiden Söhne des Königs frühzeitig starben, entschloß sich der König, um die Thronfolge zu sichern, zu einer Ehe mit der um 40 Jahre jüngeren Prinzessin. Aus dieser Ehe entsproß die jetzige Königin Wil­helmina. Als sich die Hoffnung auf einen männ­lichen Thronerben nicht verwirklichte, änderte das holländische Parlament die Nachfolgegesetze und er­möglichte so die weibliche Thronfolge. In­folge des bedenklichen Gesundheitszustandes des Königs übernahm der Staatsrat 1889 die Füh - rung der Regierungsgeschäfte und über­trug sie auf die Königin Emma, die nach dem Tode des Königs gleichzeitig die Vormundschaft über ihre Tochter übernahm. In ihre Regierungs­zeit fällt im Jahre 1896 die Wahlrechtsreform, die mehr als doppelt soviel Wähler als früher an die Urne zuließ. Damit überwand sie die politische Krise und konnte 1898 Wilhelmina am Tage ihrer Groß­jährigkeit einen geordneten Staat übergeben. Seit dem Ende ihrer Regentschaft lebte sie zurückge­zogen in ihrem Palais im Haag. Ihr 70. Geburts­tag im Jahre 1928 wurde wie ein nationaler Feiertag begangen, der die tiefe Verbundenheit der Königinmutter mit ihrem Volke bewies.

Oie Vorbereitung der Gaarabftimmung.

Tagung der drei neutralen Saariuriften.

Genf, 19. März (DRV.) Der juristische Unter­ausschuß, der aus den drei neutralen Juristen Klosters-Holland, Baron Mark von Württemberg-Schweden und Borel-Schweiz besteht und einige mit der Abstimmung zusammen­hängende Fragen juristisch zu klären hat, trat im Völkerbundssekretariat zusammen. Man nimmt an, daß die Beratungen einige Tage dauern werden. Die wichtigsten der ihnen überwiesenen Fragen sind folgende:

Genaue Umgrenzung der dem Völkerbund s- rat bei der Saarabstimmung zustehenden B e ° fugniffe und Pflichten. Hierunter fällt auch die Frage der etwaigen Heranziehung frem­der Polizeikräfte zur Aufrechterhaltung der Ordnung. Ferner sollen sie bestimmen, was unter Distrikten " oberGemeinden" als Ab­stimmungseinheiten im Sinne des Vertrages zu verstehen sind und wer alsEinwohner" abstimmungsberechtigt ist.

Der Dreierausschuß des Völkerbunds­rates wird dann in zweiter Besetzung die Ergebnisse der Juristenberatungen entgegennehmen. Diese Ta­gung wird noch vor Ostern stattfinden. Die ent- scheidenste Tagung des Dreierausschusses unter Vor­sitz Aloisis wird aber erst für Mitte April er­wartet.

London, 20. März. (DNB. Funkspruch.)Daily Telegraph" schreibt: Wahrscheinlich wird sich das Kabinett bei seiner regelmäßigen Zusammen­kunft am Mittwoch mit ber französischen und der deutschen Note befassen. Doch dürfte mehr als eine Sitzung notwendig fein, be­vor die Minister darüber entscheiden können, welches der nächste Schritt Großbritanniens sein soll. Die Enttäuschung, die in britischen Kreisen über den negativen Charakter der französischen Note empfunden wird, obwohl man damit gerechnet hatte, wird noch vermehrt durch denverhält­nismäßig vernünftigen" Inhalt der deutschen Note. In London wird offen zugegeben, daß d i e deutsche Note tatsächlich viele Einzel­heiten enthält, die bei gegenseitigen Zuge- tänd nisten z u e i n e r f'r a n z ö s i s ch - d e u t s ch e n Vereinbarung hätte beitragen müs - e n. Ob die jetzige äußerst ungünstige Lage des Abrüstungsproblems durch Umarbeitung Lines Teiles des britischen Planes entsprechend ge­wissen italienischen Anregungen und durch Hinzu- ügung einer besonderen Luftkonvention in Ord­nung gebracht werden kann, bleibt abzuwcnsten.

Äorning Post" glaubt, daß das Kabinett seine volle Aufmerksamkeit der Sicherheitsfrage zuwenden werde. Wenn Großbritannien nicht bereit ei, die von Frankreich geforderten Zusagen zu geben, dann werde es weder eine Rüstu n g s- verminderung, noch auch nur eine

Paris bleibt verstimmt.

Paris, 20. März. (DNB.-Funkspruch.) Die Enttäuschung über die Rede Mussolinis in Paris wird auch nicht gemildert durch eine etwas retu- chierte Fassung der Stelle der Rede, in der Mussolini über d i e Revision der Ver­träge und die Abrüstung spricht. Man be­hauptet, daß diese Fassung der Originaltext sei. Nichtsdestoweniger, so schreibt derPetit Parisien", bleiben wir dabei, daß derartige Anspielungen, wenn sie auch etwas abgeschwächt werden, unter den heutigen Umständen nur d i e moralische Antmosphäre trüben, die Mussolini selber als Bedingung für eine befriedigende Regelung be­zeichnete.

Die Außenpolitikerin desO e u v r e" will die Auffassung der amtlichen Pariser Kreise wieder­geben können: Der Quai d'Orsay wartet ab, sagt sie, welche Politik er nun im Donauraum be­treiben solle. Er lasse sich durch Reden Mussolinis; nicht aus feiner Ruhe bringen, obwohl verschiedene Schritte ihm nicht sehr angenehm sein könnten gerade in dem Augenblick, in dem ein großer An­näherungsversuch unternommen wurde. Nichtsdesto­weniger könne er sich nicht enthalten, die Rede als unzweckmäßig zu bezeichnen. Der französische Botschafter in Rom habe Mussolini auf feine An­regung, ein Abkommen, das die beschränkte Aufrüstung Deutschlands vorsehe, zu unterzeichnen, die Antwort Barthous übermittelt, daß Frankreich in keine Politik einwi11i - gen könne, die di e Aufrüstung Deutsch­lands legalisieren würde. Desgleichen habe der Botschafter Mussolini davon unterrichtet, daß Rußland mit Unter st ützung Frank­reichs seine Anwartschaft für Genf anmelde. Vielleicht sei die Rede Mussolinis als Antwort hierauf anzusehen, bestimmt durch eine gewisse Ungeduld und teilweise begründet durch die Tatsache, daß rein französisch-italienische Fragen nicht erörtert worden seien.

Echo de Paris" greift den französischen Bot­schafter de Chambrun äußerst scharf an, der in völliger Verkennung der wirklichen Lage Frank­reichs falsch unterrichtet habe. DieEre Nou- velle" hält die Erklärung des Duce über Itali­ens Expansionsbedürfnis in Asien und Afrika für besonders schlimm. Mussolini wolle allem Anschein nach die Nachfolge des alten römischen Reiches antreten. Unter diesen Umständen bleibe Frankreich nichts anderes übrig, als sich an den unantastbaren Grundsatz der Sicherheit zu flammern-unb zu betonen, daß keine

Berlin, 19. März. (DNB.) In der Akademie für Deutsches Recht sprach Reichsjustizminister Dr. G ü r t n e r. An die Spitze seiner Ausführungen stellte er das Bekenntnis zur richter­lichen Unabhängigkeit. Die tiefe Entfrem­dung zwischen Volk und Recht sei ganz gewiß nicht in erster Linie auf die Person des deutschen Rich­ters zurückzuführen, sondern vielmehr als eine un­ausbleibliche Folge davon anzusehen, daß das Ge­setz im Widerspruch zum Rechtsgefühl des Volkes stünde. Die durch größere Freiheit der Gefetzesauslegung ermöglichte r e ch t s schöp­ferische Tätigkeit des Richters fei als die stärkste Ausstrahlung des Richteramtes überhaupt anzu­sehen. Je mehr sich der Richter dabei in menschlich überzeugender Weise zu seinem Werturteil frei­mütig, offen und mannhaft bekenne, um so sicherer werde er durch seine Rechtsprechung auch das Ver­ständnis und das Herz des Volkes finden. Freilich könne zum Herzen nur eine Sprache gehen, die aus dem Herzen komme. Der Richter müsse sich über den Rand seiner Akten und die Tür seiner Amtsstube hinaus dauernd verbunden füh­len mit dem Strom des Lebens, der ihn umgebe und ihn auch trage. Er müsse sich eins fühlen mit den Volksgenossen, deren Schicksal so oft in feine Hand gegeben sei, müsse ihre Sprache sprechen und verstehen. Glücklich auch der Richter, dem die Gabe des Humors zur Seite stehe, der ihn befähige, die Licht- und die Schattenseiten des Le­bens als eine harmonische Einheit zu sehen. Diesem Bild des Richters müsse seine Ausbildung entspre­chen. Einem Uebermaß von begrifflichem und ab­straktem Denken brauche wohl kaum Raum ge­geben werden. Mehr als bisher sei der körperlichen und seelichen Haltung des jungen Juristen Aufmerk­samkeit zu widmen.

Minister Gärtner stellte dann in Parallele zu der Freiheit des Richters die Freiheit des Rechtsanwalts, die darin bestehe, daß er gegen seinen Willen nicht gezwungen werden könne, eine Verteidigung zu übernehmen. Wenn der An-

Rüstungsbegrenzung geben. Es bestehe nicht mehr die lerfefte Aussicht darauf, eine inter­nationale Vereinbarung zu erlangen, die nicht von internationalen Verpflichtungen begleitet sei.

Frankreichs Wunsch nach neuen Bürgschaften.

Paris, 20. März. (DNB. Funkspruch.) Der E x c e l f i o r" greift die englischen Blätter an, die die Antwort, bevor sie überhaupt den genauen Wortlaut kannten, als ein Manöver Frankreichs zur Hintertreibung jedes allgemeinen Abrüstungs- abkommens bezeichneten. Man werde sich im Ge­genteil von seinem Wunsche, vernünftigen Ver­handlungen nicht die Tür zu verschließen, überzeu­gen können. Eine gewisse, klar bestimmte, endgül­tige Aufrüstung Deutschlands werde zwei­fellos auf Grund freiwillig übernommener Abkom­men vorstellbar, wenn dieser offensichtlichen Erhöhung derGefahren" für die Nachbarstaaten Deutschlands eine Verstärkung der allge­meinen und besonderen Bürgschaften entsprechen würde. Keinen Sprung ins Ungewisse. Das sei zusammengefaßt der Wille Frankreichs, das durchaus bereit sei, mit allem Wohlwollen die Bürgschaften zu prüfen, die die Aenderungen der in Kraft befindlichen Verträge begleiten müssen.

Abrüstung ohne entsprechende Sicher­heitsgarantien in Frage komme. Auch müsse man die Hinfälligkeit des Viererpaktes proklamieren, den der Duce selbst dadurch beerdigt habe, daß er ein politisches Abkommen mit Ungarn und Oesterreich ohne vorherige Befragung der Unterzeichner des Viermächtepaktes abgeschlossen habe.

Oer Eindruck in London.

Starke Betonung einer selbständigen Politik

London, 20. März. (DNB. Funkspruch.) Zu den Aeußerungen der italienischen Presse über die Dreimächteveretnbarung sagt derTimes"-Vertreter in Rom: Soweit sich feststellen läßt, ist infolge der Rede Mussolinis die Zurückhaltung womöglich noch stärker geworden, mit der gewisse diplomatische Kreise die drei Protokolle ausgenom­men haben. Nach den ausfallend warmen Aeußerungen über Frankreich, die Mus­solini im Juni vorigen Jahres kurz vor der Paraphierung des Viermächtevertrages im Se­nat machte, sind hiesige französische Kreise etwas überrascht durch die kühlen Bemer­kungen über die italienisch-französischen Bezie­hungen Die erneute Kundgebung für Oester- reichs Unabhängigkeit hat nicht überrascht. Aber diediplomatisch-korrekte" Bezugnahme auf Südslawien und die Befürwortung der ungarischen Revisionsforderung haben es natürlich den Mächten der Kleinen Entente er­schwert, zu glauben, daß sie im Ernst zur Teil­nahme an der Dreimächtevereinbarung eingeladen werden. Im übrigen fragt man sich, ob das poli­tische Protokoll ein in letzter Stunde ein- gegebener kühner Einfa11 war, ober ob es bereits im Keime bestanden hat, bevor die Zusammenkunft begann, und ferner, auf wes - fen Anregung es zurückzuführen ist.

Daily Telegraph" führt aus, britische Kreise, die Mussolinis Rede sachlicher betrachten könnten, als es den Franzosen, Deutschen oder Angehörigen der Kleinen Entente möglich sei, erblickten darin vor allem ein Zeichen, daß Italien eine durchaus selbständige Politik verfolge und nicht im Kielwasser irgendeiner anderen Großmacht segeln wolle. Infolgedessen sei Italien imstande, Deutsch­lands Rüstungsforderungen zuzustimmen und einer angeblichen deutschen Kontrolle über Oester­reich entgegenzutreten, ober mit Frank­reich einer Meinung über bie österreichische Frage zu fein unb feinem Nachbarn in ber Ab­rüstungsfrage Wiberstanb zu leisten.

walt aus freiem Entschluß bie Uebernahme eines Mandates beschlossen habe, dürfe es keine Macht geben, bie das durch Gewalt, Drohung oder sonst­wie verhindern konnte. Aber die Freiheit des An­waltsberufs dürfe nicht vergessen lassen, daß er ebenso wie der Richter einDienerdesRechts sei und daß auch seinem Wirken die Schranken gezogen seien, die das Wohl des Staates erfordern. Es sei die besondere Berufsaufgabe des Reichs­anwalts, die Synthese zu finden zwischen Dienst am Recht und Vertretung der Belange des einzel­nen. Wenn sich Anwalt und Richter mit freiem Mut, offenem Auge und warmer Herzlichkeit ihren Aufgaben widmeten, werde unser deutsches Recht einer neuen Blüte entgegengeführt werden können.

Der stellvertretende Präsident der Akademie Ge­heimer Rat Dr. Wilhelm Kisch (München) bot eine Rückschau über die bisherigen Arbeiten der Akademie und einen Ausblick auf ihre weiteren Aufgaben. Eine Aufgabe von unerhörter Schönheit und Größe fei es, dem deutschen Volke, das allen Schicksalsschlägen zum Trotz immer wieder den Weg zum Aufstieg gefunden habe, ein Recht zu schenken, das seiner Art entspreche und seiner Größe würdig sei.

Ein Reichskommissar für die gesamte Vieh-, Milch- und Fetiwirtschast.

Berlin, 19. März. (DNB.) Der Reichser- näbrungsminifter hat mit Wirkung vorn 1. April einen Reichskommissar für die Vieh-, Milch- und Fettwirtschaft bestellt. Er hat die Aufgabe, die zur Ordnung und Regelung des Marktes von Vieh, Fleisch, Milch und Milcherzeugnisfen, Geflügel', Eiern und Fett erforderlichen Maßnahmen durch­zuführen. Er hat ferner nach Maßgabe besonderer Vorschriften die Ordnung und Regelung des Marktes für Tiere und tierische Erzeugnisse, sowie der Markt-

verhaltniste auf dem Gebiete der Fettwirtschaft durch- zuführen, soweit sich diese Aufgaben aus den bis­herigen Bestimmungen nicht schon ergeben. Der Reichskommissar istbemReichsernährungs- m i n i ft e r unterstellt und an feine Weisungen ge­bunden. Für den Posten des Reichskommissars dürfte Frei he rr von Kanne ausersehen fein, ber schon bisher Reichskommissar für bie Milchwirt­schaft war und dessen Aufgabengebiet somit durch die neue Verordnung eine bedeutende Erweiterung er­fährt.

Oie Winterhilfe des Bauern.

Der Bauer hat durch seine lebhafte Beteiligung an dem Winterhilfswerk und durch die Arbeitsbe­schaffung während der jahreszeitlich ruhigen Mo­nate gezeigt, daß er von wahrhaft sozialistischem Geist durchdrungen ist. Das Bauerntum hat wäh- rend des letzten Winters so gut wie keine Entlassungen vorgenommen, obwohl im letz­ten Sommer erheblich mehr Arbeitskräfte als in früheren Jahren eingestellt worden waren. Aber auch mit Natural- und Geldspenden ist bie Lanbwirtschaft keineswegs zurückhaltenb gewe­sen. Der Gelbwert ber Winterhilssspenben bes Bauerntums wirb auf etwa 25 Millionen Mark geschätzt. Nach ben aus ben Lanbesdauern- schaften bis Anfang März oorliegenben Berichten würben neben reichen Bargelbspenben in Hohe von etwa 1,7 Millionen Mark große Mengen lanb- wirtfchaftlicher Erzeugnisse, so allein etwa 6,3 Millionen Zentner Kartoffel en und 1,2 Millionen Zentner B r o t g e t r e i b e , bem Winterhilfswerk zur Verfügung gestellt. Auch burch Kleibungsstücke, Schuhe, Wäsche unb anbere Gegenstänbe hat bas Bauerntum bazu beigetragen, bie Not ber arbeitslosen Volksgenossen zu ver- minbern.

Millionen-Auftrage für das hessische Handwerk.

Die Auswirkung des Arbeitsbeschaffungs- Programms in Hessen.

Darmstadt, 19. März. (£pD.) Das Staafs- pressearnt teilt mit: In der Zeit vom 1. bis 28. $ e- bruar 1934 wurden 9303 Anträge auf Be­willigung von Reichszus chüs sen geneh­migt. Die Summe der in dieser Zeit bewilligten Reichszufchüste beträgt insgesamt 2 033169 Mark. Die mit diesen Reichszuschüssen dem hessischen Handwerk zugeführten Auft.räge er­reichen in diesem ein en Monat den ansehn­lichen Betrag von 8 252 000 Mk. In der Zeit vom 15. Oktober 1 933 bis 2 8. Februar 1934 wurden Reichszuschüsse von insgesamt 8 907 000 Mark bewilligt, womit dem hessischen Handwerk über 36 057 000 Mark Aufträge zuge­führt worden sind.

Oer Einheitsmietvertrag.

Nichtlinien des Präsidenten der Haus­besitzerorganisation.

Der Präsident des Zentralverbandes deutscher Haus- und Grunddesitzeroereine, Obersturmbann­führer T r i b i u s, hat den Einheitsmietver- trag allen Vereinen und Verbänden des Haus- unb Grundbesitzes und ber Mieterschaft mit ber Bitte übermittelt, künftig nurbiefen Miet- vertrag als Grundlage für den Abschluß eines Mietverhältnisses zu benutzen. Auch bie b e - stehenben Mietverträge sollen bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit den grundsätz­lichen Bestimmungen des deutschen Einheitsmiet­vertrages angepaßt werden. Der deutsche Ein­heitsmietvertrag geht von dem Grundsatz aus, daß zwischen dem Mieter und dem Vermieter es künf­tig nur noch bie Interessengemeinschaft geben bürfe. Es dürfe nicht mehr vorkommen, baß bie Verstän- bigung zwischen Mieter und Vermieter durch unan­gebrachte Vertragsbestimmungen gestört wird. Ge­ringfügige Vertragsverletzungen des Mieters sollen beispielsweise nicht zu sofortiger Kündigung führen. Ebenso seien Dertragssragen bei unbebeutenben Verstoßen gegen bie fjausorbnung nicht angebracht. Die pünktliche Mietzahlung sei Vorde- bingung für eine ordnungsmäßige Hausbewirt­schaftung Es soll jedoch bei geringfügigem Rückstand ober kurzer Zahlungfristüberschreitung nicht gleich zur außerordentlichen Kündigung geschritten wer­den. Als selbstverständlich soll betrachtet wer­den, baß bem Mieter nicht bie Haftung für jeben burch höhere Gewalt entstehenden Schaden aufge- bürdet wirb. Desgleichen würde man es nicht ver­stehen, wenn ber Vermieter bie völlig entfchäbi- gungslose Uebernahme von Einrichtungen verlangt, mit benen ber Mieter bie Mietsache versehen hat. Der Schaffung des Einheitsmietvertrages wirb bie Aufstellung von Hausorbnungen folgen. Von einer Mufter-Hausorbnung für bas gesamte Reichs­gebiet ist abgesehen worden. Die Hausordnungen sollen vielmehr örtlich geregelt werden. In ihnen soll der Gemeinschaftsgebanke zwischen Mieter und Vermieter zum Ausdruck kommen.

Oer Guftav-Adolf-Verein.

Der bisherige Vorsitzende D Rendtorff zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Berlin, 19. März. (DNB.) Der Evangelische Pressedienst teilt mit:

Der Zentralvvrstand bes Evangelischen Vereins ber Gustav-Abvlf-Stiftung trat unter Leitung seines Vorsitzenben Geheimrat Prvf. D. Dr. Renbtvrff zu seiner Frühjahrstagung zusammen. An ber Sit­zung nahmen bie Mitglieder fast vollzählig teil, un­ter ihnen der Landesbischof von Sachsen Coch, der Bischof der Deutschen evangelischen Gemeinden Lett­lands D Poelchau, der Präsident derEvange­lischen Kirche in Böhmen, Mähren und Schlesien" v. Wehrenpfenckig. Der Reichsbischvf war durch ben Leiter bes Kirchlichen Außenamtes Bischof D. Heckel vertreten.

Zu den Beratungen über die Neuregelung einer planvollen Zusammenarbeit zwischen bem Gustav- Abolf-Verein unb ber Deutschen Evangelischen Kirche gab Bischof Heckel eine grunbsätzliche Erklärung ab. Der Gustav-Abolf-Verein, so führte er aus, habe in feiner hundertjährigen Geschichte sich stets als W e g bereiter ber Einigung bes evangeli­schen Deutschlanbs erwiesen. Er habe nie neben ber Kirche, fonbern immer mit ihr und für sie gewirkt. Auch in Zukunft müsse der Gustav- Adolf-Verein ein Sammelpunkt aller der Kräfte bleiben, die für den heiligen Dienst an den Glaubensgenossen in der Zerstreuuung bereit seien. Ihn für diese gerade in ber neuen Zeit wichtige Auf­gabe zu stärken, fei der Wille ber Deutschen Evan­gelischen Kirche.

Der Vorsitzenbe Geheimrat Rendtorff legte

Lebhaftes Echo der

Richter and Rechtsanwalt im neuen Reich.

Der lieichsjustizniinister spricht in der Akademie für Deutsches liecht.