Nr. 67 Erster Blatt
M. Jahrgang
Dienstag, 20. Marz 1934
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Oie Rundfunkübertragung der Kührerrede am 21. Marz.
Berlin, 19. März. (DRV.) Der Reichs- Minister des Innern hat angeordnet, daß in den Dienststellen und Betrieben der Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden die Uebertragung der Kanzle r r e d e aus München am 21. d. M. in der Zeit von 11 bis 11.5 0 Uhr so durchgeführt wird, daß die Beamten, Angestellten und Arbeiter daran leilnehmen können. Bon 1 0.5 0 Uhr b i s 11 Uhr find von dem jeweiligen Leiter zu der Uebertragung einleitende Worte an die Versammelten zu richten.
Die Unterrichtsmini st erien der Länder sind ferner erfucht worden, dafür zu sorgen, daß der Schuljugend aller Alters st ufen Gelegenheit gegeben wird, die durch Rundfunk übertragene Rede mit anzuhören.
Durchbruch einer neuen Zeil.
Außen- und Innenpolitik in Wechselbeziehungen.
Von Dr. Otto Hoehsch, o. ö. Professor der Geschichte an der Universität Äerlin.
In manchen Zeiten kann der Außenpolitiker von den inneren Verhältnissen der anderen Staaten absehen. Zu manchen Zeiten aber ist ihr genaues Studium zugleich ein Gebot der außenpolitischen Erwägung. Auf die Gegenwart angewendet heißt das: Von Weltpolitik im alten Sinne wird nicht eher wieder die Rede sein, als bis die einzelnen Staaten in der heutigen, die Welt aufwühlenden neuen Bewegung a n - nähernd eine gleiche „Ebene" erreicht haben. Weltpolitik an sich, wie sie aus dem libe- ralistisch-kapitalistischen Zeitalter als Imperialismus entstand, wandelt sich naturgemäß ebenso, wie sich mit der neuen Bewegung unserer Tage alles andere wandelt. So ist in diesem Zusammenhang von Innen- und Außenpolitik nicht nur das mehr Aeußerliche gesagt, daß die Staaten, ungemein mit der inneren Umgestaltung beschäftigt, viel weniger nach außen blicken können. Nein, es sind sehr tiefe Zusammenhänge damit berührt, über die man sich nur allmählich klar wird.
Veranlassung zu solcher Erwägung gibt vor allem Nordamerika. Am 4. März war Roosevelt ein Jahr Präsident. Ungeheuer inhaltsreich für die Vereinigten Staaten war das Jahr — mehr noch: einfach revolutionär. Auch wenn vor einem Jahre Nordamerika nicht im Wortsinne eine Revolution erlebte, es stand doch am Rande eines Chaos. Die alten Parteien überlebt, Führerpersönlichkeiten nicht vorhanden, Programme zur Ueberwindung der Krise gleichfalls nicht. Da griff Franklin Roosevelt zu, mit einer Rücksichtslosigkeit ohnegleichen gegen das Ueberkommene, und mit der Fähigkeit des geborenen Führers hat er das Land aus dem Chaos herausgerissen. Ganz gewiß noch nicht in die Rettung, die Neuordnung, das „new deal“, wie er selbst es bezeichnete, sondern in ein Experiment. Aber er hat den Glauben daran den Massen eingeflößt, die ihm folgen. Er hat in einem Jahr auf den wirtschaftlichen und politischen Geist seines Volkes außerordentlich eingewirkt. Das ist vornehmlich nach der wirtschaftlichen Seite gegangen, einem neuen Verhältnis von Wirtschaft und Staat, das man schwer genau zu bezeichnen vermag, jedenfalls aber eine starke Einwirkung des Staates auf die Wirtschaftsführung bedeutet. Ein neues Wirtschaftssystem steigt so auch drüben auf, wobei Roosevelt den Gedankengängen Adolf Hitlers und Mussolinis viel näher steht, als etwa denen Stalins und des Sozialismus, von letzterem ist gar keine Rede.
Darüber tritt die Außenpolitik immer mehr zurück. In der großen Frage der internationalen Schulden verhindert Amerika selbst die Schlußlösung, solange es nicht endgültig die Währung stabilisiert. In der Frage der Außenhandelspolitik erwartete man von Roosevelt viel im Sinne des Abbaues der Zölle. Seine Zollbotschaft aber jetzt am ersten Jahrestag seiner Amtsführung bringt so sehr viel nicht. In der Frage der Abrüstung begnügt man sich mit dem ja richtigen, aber billigen Wort: „Erst müsse Europa sich einigen, dann sei auch Amerika bereit mitzuhelfen", womit die gewaltige „potentielle" Kraft der Vereinigten Staaten absichtlich mattgesetzt wird.
Am ehesten scheint es nach.altem Stil in England zu geben. Bei der letzten Wahl hatte sich eine große konservative Mehrheit ergeben, nun steht die Opposition im Land dagegen, aber von einem Wiederaufstieg der anderen Parteien kann schon nicht die Rede sein. Die Wahlen für die Londoner Stadtverwaltung am 8. März haben den Liberalismus vollständig beseitigt. Es gibt in dieser wichtigen Vertretung nicht einen einzigen Liberalen mehr! Dagegen 55 Konservative (Verlust beinahe 20) und 69 Labour-Leute (bisher 35), also die Mehrheit schlechthin. Nach altem Schema würde das andeuten: Zunahme dieser Opposition, Gegenstoß der Konservativen mit ihrem Programm der Aufrüstung und einem viel weniger klaren Programm nach innen, und vielleicht wieder Ausschlag des Pendels nach Links, mit einer neuen Labour- regierung. Aber das ist Schema! Heutzutage aber gibt es auch im konservativsten Lande kein Schema mehr. Die neue Bewegung stürmt auch in
Revolutionsappett
der Münchener alten Kämpfer vor dem Führer.
Oer Führer spricht zu einer Massenversammlung auf der Theresienwiese. Grandioser Fackelzug durch das illuminierte München.
München, 19. März. (DNB.) Zum Revolutionsappell in München setzte sich, als die Schatten des hereinbrechenden Abends herniedersanken, vor dem Bürgerbräukeller Punkt 18.30 Uhr der Zug der Alten Garde des Führers in Bewegung. Voran berittene Schutzleute, dann die Ehrenbegleitung der SS. mit Musik und Spielleuten, geführt von Stadtrat Weber, dann folgten die alten Kämpfer, an der Spitze die Blutfahne vom Jahre 19 2 3, getragen von Stadtrat Grimminger; hinter der Fahne Oberbürgermeister Fiehler und dann die Stadträte im einfachen Braunhemd ohne jedes Abzeichen. Anschließend marschierten die übrigen alten Kämpfer, Besitzer des Ehrenzeichens, etwa 2000 an der Zahl.
Die Straßen, durch die sich der Zug bewegte, waren dicht umsäumt von der Münchener Einwohnerschaft, die mit lebhaften Heil-Rufen die alten Kämpfer begrüßte. Vom Marienplatz an standen die Menschenmassen immer dichter und bildeten am Stachus ein fast unübersehbares Heer von begeisterten Zuschauern. Vom Sendlinger Torplatz ab geleitete den Zug ein dichtes Spalier lodernder Fackeln bis zur Theresienwiese, wo Hitlerjugend und Jungvolk Aufstellung genommen hatten.
Am Eingangsportal zum Ausstellungsgelände waren zwei große Holztürme errichtet, ganz in rot gekleidet und mit goldenen Kränzen geschmückt. Von ihnen grüßten die Fahnen mit dem Hakenkreuz. Vor der Halle ließen vier riesige rot umkleidete Pylonen ihre Feuer zum Himmel emporlodern. Im weiten Kreise bildete die SS. mit Fackeln Spalier, lieber dem Eingang brannte in Vergoldung das Hoheitsabzeichen der Bewegung. Punkt 19.30 Uhr flammte die gewaltige H o l z p y r a m i d e, die in der Mitte der Theresienwiese in 7,5 Meter Höhe mit 200 Raummetern Holz errichtet worden war, zum Revolutionsfeuer auf. Um 19.45 Uhr wurde d i e Blut- sahne in die Halle gebracht. Unmittelbar darauf zogen die geschlossenen Formationen der alten SA. und SS. ein. Punkt 20.20 Uhr betrat der Führer unter den Klängen des Badenweiler Marsches allein die Halle, von stürmischen Heilrufen der Riesenmenge begrüßt. Herzlich begrüßte der Führer seine alten Mitkämpfer und seinen Stellvertreter Rudolf H e ß. Anschließend begann das Reichssymphonieorchester unter der Stabführung von Pg. Adam die Feier mit der Ouvertüre zu Richard Wagners Rienzi.
Es sprachen dann der Gauleiter, Staatsminister Wagner, der Reichsführer der SS. Himmler, Stabschef Reichsminister Röhm und schließlich der Führer selbst, lieber die Reden liegt ein Bericht noch nicht vor.
Oer Fackelzug.
München im Lichtermeer.
Nach her von der Massenversammlung mit stürmischem Beifall aufgenommenen Rede des Führers, fangen die Massen das Horst-Wessel-Lied und das Deutschlandlied. Als der Führer dann die Halle verließ und sich zu feinem Wagen begab, konnte auch das Spalier der überschäumenden Begeisterung der Massen keinen Halt mehr bieten. Die alten Kämpfer formierten sich dann zu einem gewaltigen Fackelzug. Unterdes beschrieb ein Flugzeug mit Positionslichtern über dem Versammlungsplatz eine Reihe von Ehrenschleifen. Je mehr sich der Zug der inneren Stadt näherte, desto dichter wurde das Spalier der Massen, aus deren Reihen immer wieder Heilrufe den Getreuen Adolf Hitlers entgegenbrausten. In allen Durchmarschstraßen waren die Häuser neben
England vor: bei den nächsten Wahlen werden d i e Faschisten überall Kandidaten aufstellen.
Frankreich: Man sagt, die neue Bewegung sei in erster Linie die Frucht der Wirtschaftskrise, aber die Wirtschaftslage im ganzen ist in Frankreich gesund und trotzdem diese Bewegung, die nicht durch die Skandale von heute ausgelöst ist, in diesen Skandalen vielmehr nur willkommene Gegenstände des Streits sieht. Dieselben Erscheinungen wie sonst: Frontkämpfer (sog. „Feuerkreuze" u. a.), junge Generation, „Neue Demokratie", selbst das Schlagwort „Vierte Republik" gegenüber der seit 1871 bestehenden Dritten Republik des liberalen, kapitalistischen, rein bourgeoisen Frankreichs. Die nationale Reserve der Vierzigjährigen, also der Frontkämpfer und die junge Generation drängen vor. So geht das weiter in Holland etwa mit seinem Jdeenkampf oder unter den Flamen, in Spanien, in Oesterreich, auch in Polen, das mit seiner Verfassung vom 26. Januar bestimmt noch nicht am Ende angekommen ist. Zwei starke Beispiele, die Abstimmungen der Schweiz und die Bewegungen in Estland.
In der S ch w e i z ist ein sog. Ordnungsgesetz, ein Gesetz zur Verstärkung der Staatsgewalt am 11. März im Volksentscheid verworfen worden. Es war eine Niederlage schlechthin der alten Schweizer Demokratie, die von links durch Sozialisten und Kommunisten bedroht ist und gegen die von rechts die neue Bewegung hier in den sogenannten „Fronte n" anrückt. Es war eine Absage an das
ihrem reichen Flaggenschmuck durch Klein-Illumination von roten Farben besonders erleuchtet. Schon die Theresienwiese mit der hellerleckchteten Paulskirche bot einen guten Auftakt.
(Einen Höhepunkt bildete der königsplah, der im Lichte zahlreicher Pylonen ganz in Rot getaucht war. Und nun folgte die schönste (Ehrung, die den alten Kämpfern bereitet werden konnte: A m Braunen Haus, dessen einziger Schmuck zwei riesige rote Teppiche, vom Balkon und von den Zinnen herabwallend, bildeten, nahm der Führer persönlich den Vorbeimarsch ab. Wit ihm zeig- ten sich am Balkon Rudolf Heß, Stabschef Rühm, Reichsführer der SS. Himmler, Gauleiter Staatsminister Wagner.
Weiter durch die B r i e n n e r Straße, die sich auch heute wieder als Perle in der Reihe der großen
bisherige Parteiensystem, eine Parteidämmerung, der Beginn einer neuen Orientierung in der Innen-- Politik, kurz, ein Beweis, daß die Ideen der neuen Zeit auch hier unwiderstehlich an den Staat heran- drängen. Es gibt keine Barriere für diesen Geist, der in Italien Faschismus, in Deutschland Nationalsozialismus heißt, in den einzelnen Ländern verschiedene Ausdrucksformen findet, überall aber neue Gedanken und eine neue Zeit heranführt. Wer sich dem entgegenstellen wird, muß, um Erfolg zu haben, neue Gedanken dagegensetzen. Die sieht man nicht in der Schweiz, wo gerade die Ja-Sager der Abstimmung beweisen, daß sie lediglich in der Defensive stehen, mit einem erschöpften Gedankengut.
In E st l a n d hat der Verband der Freiheitskämpfer die Verfassungsänderung im Sinn der Verstärkung der Rechte des Präsidenten erzwungen. Am 12. März hat die Regierung den Kriegszustand erklärt und die Verbände der Freiheitskämpfer aufgelöst, sowie allen politischen Parteien ihre Tätigkeit verboten. Auch hier der Versuch einer demokratischen Regierung, unter dem Schlagwort „Schutz der Demokratie", gestützt auf die bewaffnete Kraft, sich gegen eine Bewegung der Geister, die allmählich das ganze Volk erfaßt, doch an der Macht zu halten. Und auch hier die Erscheinung, daß mit einem erschöpften Gedankengut rein defensiv und negativ, also wahrscheinlich ohne Aussicht auf Erfolg gerungen wird.
Das sind Vorgänge, die natürlich irgendwie auf die Neugestaltung der Beziehungen der Staaten untereinander, auf sie Verschiebungen der Mächte und
Straßenzüge erwies. Besonders prächtig kam das WittelsbacherPalaiszur Geltung, vor dem eine Abteilung SS. den alten Kämpfern die Ehrenbezeugung erwies. Beim Einschwenken zum Odeonsplatz brach die Musik ab. Hier war auf der Insel vor der Feldherrnhalle ein Lichter- friedhof aufgebaut. Für jeden der Gefallenen wurde eine eigene Flamme abgebrannt. Dieses Lichtermeer kam gerade gegenüber dem Dunkel der Ludwigstraße zu glänzender Geltung. Der Zug nahm seinen Weg zur Ludwig st raße. Als die Spitze das Mahnmal erreichte, ertönten Trommelwirbel. Die riesigen Kolonnen der Fackelträger schienen kein Ende zu nehmen. Nahezu eine Stunde verging bis die letzten den Odeonsplatz passiert hatten. Nach dem Marsch durch das Siegestor löste sich der Fackelzug auf. Damit hatte der Revolutionsappell vom 19. März in mitternächtlicher Stunde fein Ende erreicht.
der Gewichte in der großen Politik zurückwirken, ohne daß wir das heute schon vollständig erfassen können. Man ist in einem Uebergangszu- st a n d, schlechthin revolutionärer Art hin über die Welt. Sehen wir dabei von dem ganz anders organisierten Rußland ab, so sind Italien und Deutschland darin am weitesten. Gewiß haben wir noch viel Arbeit vor uns. Aber gibt es uns heute nicht geradezu schon ein Gefühl der Ruhe, im Blick auf diese Gärungen im Ausland, daß der Durchbruch bei uns seit einem Jahre vollzogen ist? Wir wissen: aus der alten in die neue Zeit sind wir unwiderruflich herübergeschritten und so ist für uns die Bahn viel mehr geöffnet als bei den da drüben noch Ringenden, zu der schöpferischen Arbeit, wie sie bei uns schon begonnen wurde.
Wesentlich in der großen Politik ist einmal jenes Zurücktreten der Vereinigten Staa- t e n und sodann der Entschluß Adolf Hitlers, Deutschland aus dem Völkerbund herauszureißen. Und immer stärker hat sich dabei gezeigt, daß das der Anfang zu einer aus eigener grundsätzlicher Systematik der Außenpolitik aufsteigenden neuen Außenpolitik war. Diese neue deutsche Außenpolitik faßt nur das nächste an, hat im Verhältnis zu Polen diese neue fruchtbare Grundlage geschaffen, geht in der Abrüst u n g s f ra g e den Weg weiter, bis darin die Entscheidung fällt. Aber es sei darauf hingewiesen, daß zugleich mit der Herausarbeitung einer neuen Wirtschaftsordnung im Innern Deutschland auch immer
Der Geist von Rom.
Von unserem römischen E.-Korrespondenien.
Rom, 18. März.
Das Dreierabkommen gehört wie der Viererpakt zu jenen kunstvollen Gebilden der Feinweberei, in denen die italienische Diplomatie Meister ist. Sie scheinen dünn und durchsichtig, sind aber elastisch, und man kann viel hineinsticken und — herauslesen. „3 Protokolle" wurden unterschrieben, man sagt nicht Abkommen und nicht Pakt und nicht Vertrag, um auch den Schein zu vermeiden, daß es sich um ein Abgeschlossenes handeln könne, von dem andere ausgeschlossen wären. Was Oesterreich und Ungarn gern deutlicher gehabt hätten, das wurde nur gesagt, gesagt allerdings von Mussolini im europäischen Rundfunk und damit „an alle". Ein Schönheitsfehler der Protokolle, mag fein; jedoch ein Musterzug auf dem Schachbrett moderner Politik.
„Von heute ab gibt es keine österreichische ober ungarische Außenpolitik mehr, es gibt nur noch eine italienisch-österreichisch-ungarische Gemeinschaftspolitik". Sagt der Popolo di Roma. Ab man in Wien und Budapest der gleichen Meinung ist?
„Die Unabhängigkeit Oesterreichs und die Zusammenarbeit für den europäischen Frieden bilden die Grundlagen jeder wirtschaftlichen Verständigung über den Donauraum; jeder vierte Staat, der sich anschließen will, muß sich zu diesem Punkt zustimmend bekennen." Ließ sich „das Organ des österreichischen Bundeskanzlers" aus Rom melden. Und nun ist von dieser Unabhängigkeit eines bestimmten Landes mit keinem Wort die Rede! In Rom gab es nach der Unterzeichnung Politiker aller Sorten, die sich entgeistert anblickten. Aufgeregte Sonderberichterstatter suchten und suchten in dem Comuni- cato wie in dem politischen Protokoll herum, sie fanden nichts.
Ueberhaupt die Vorausmeldungen der interessierten Presse! Was ist alles nicht eingetroffen! Nichts von den Befürchtungen der kleinen Entente, nichts von den Hoffnungen Frankreichs. Unbegründet erweisen sich gewisse deutsche Sorgen, fehl gingen vor allem aber die Beschwörungen derjenigen, die um jeden Preis U n- garn von Deutschland wegmanövrieren wollten. Senkrecht und unerschütterlich wie ein tragender Pfeiler stand Gömbös da; mit klarem Blick erkannte er den mächtigen Einfluß des großen Abwesenden: den Einfluß Deutschlands. Das
Reich wirkte, ohne einzugreifen, ähnlich wie die Fleet in beeing. Es kann bei keiner endgültigen Lösung des Donauproblems ausgefchaltet werben — eines ber wichtigsten Ergebnisse von Rom. Damit ist auch schon gesagt, baß es nicht genügen kann, ber an ben Donauraum anstoßenben Großmacht eine Türe offen zu lassen, unb noch weniger barf bamit gerechnet werben, baß sich bas Reich für ben Eintritt solche Bedingungen auferlegen läßt, wie sie bie „Reichspost" brücken ließ. Die Zeiten sind vorbei, wo Deutschland ftänbig Zustimmung nickte, nur um im Geiste von Genf eine gute Figur zu machen. Was übrigens Mussolini von biesem Geist hält, hat er auch im Rundfunk gesagt, unb ber stürmische Beifall, ben er fanb, als er für bie praktische Durchführung ber bereits zuge- stanbenen Gleichberechtigung mit erhobener Stimme eintrat, brang bank ber zensurfreien Aether- wellen auch in bie wiberwilligsten Ohren. An ber großen Linie ber italienischen Revisionspolitik hat sich nichts geänbert — eine weitere Lehre ber Romgespräche.
Das Wichtigste aber an bem politischen Protokoll ist bas, baß es bie Pariser Vorortverträge gar nicht erwähnt, baß es ben Kriegsverträgen entgegensetzt bie Freunbschaftsverträge, bie bas Italien Mussolinis geschlossen hat. Das ist bie A b k e h r vom Gei st e von Versailles, wie sie bie Vereinigten Staaten schon burch ihre Unterfchriftsver- roeigerung vollzogen hatten. Den früheren Gegnern tritt Italien gleichermaßen frei unb ungebunben entgegen. Der G e i st von Rom ist Sieger geblieben, das Recht soll roieber an bie Stelle ber G e- walt treten. Auch bas hat ber Duce im Runbfunk für alle biejenigen, bie guten Willens finb, unzweibeutig betont. Führt er bie Kontinentalpolitik, bie Italien nun neben ber bisherigen reinen Seepolitik treiben muß, in biesem Geiste burch, so bricht wenigstens für biefen Teil Europas ein an- beres Zeitalter an.
Die wirtschaftlichen Ergebnisse bes Dreierabkommens treten gegenüber bem politischen Protokoll zurück. Wie vorauszusehen war, finb bie Schwierigkeiten auf biesem Gebiet viel großer, benn sie zu beheben tut es ber gute Wille allein nicht. Hier stehen wir, bie römische Presse gibt es zu, erst am Anfang. Parole: Weiterarbeiten!


