enthält, finden sich Reste aus der jüngeren Steinzeit, Topfscherben, ein poliertes Steinbeil und eigenartige Quarzitwerkzeuge.
Die große Bedeutung der Groh-Umslädter Funde liegt in der eben geschilderten Lultur- entwicklung, wie sie sich ähnlich auch in Frankreich abgespielt hat. An keinem deutschen Fundpunkt sind so lückenlose Hebergänge bisher gefunden worden.
Dank der Unterstützung durch den rheinhessischen Denkmalpfleger, Professor Dr. B e h n (Mainz), sollen die Grabungen im Frühjahr 19 3 4 in größerem Umfange fvrtgeführt werden. Die Fundstelle ist dann vollständig zu erschließen, das schon gewonnene Bild wird eine Ausgestallung erfahren, und vor allen Dingen wird es dann mög
lich sein, die bisher noch fehlende genaue geologische, zeitliche Einordnung vorzunehmen.
2589,88 Mark für Plauener Rosetten
Die Straßensammlung für das Winterhilfswerk am vergangenen Sonntag erbrachte in Gießen den Betrag von 2589,88 Mark. Insgesamt wurden in unserer Stadt etwa 13 000 Plauener Spitzenrosetten verkauft. Die für Gießen zur Verfügung stehende Anzahl Rosetten war sehr rasch verkauft.
Daten für Dienstag, 2v. Februar.
1751: der Dichter Joh. Heinrich Voß geboren; — 1810: die Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer und Peter Mayr erschossen; — 1920: der Polarforscher Robert Peary in Washington gestorben.
Die Deutsche Kurzschrift bei den Behörden.
Neue Richtlinien des Reichsinnenministers.
Der Reichsminister des Innern hat über die Einführung der Deutschen Kurzschrift bei den Behörden die folgenden neuen Richtlinien erlassen:
1. Von den ab 1. Oktober 1934 in den Reichsoder Landesdienst eintretenden Beamten oder Beamtenanwärtern, die ihre Eingangsstellung von Besoldungsgruppe 10 an aufwärts haben, wird die Kenntnis der Deutschen Kurzschrift (Nr. 5) verlangt.
2. Für die am 1. Oktober 1934 vorhandenen Beamten gilt folgendes:
a) Die Beamten, die eine Kurzschrift auf Grund einer bereits bestehenden dienstlichen Verpflichtung beherrschen müssen, haben, soweit dies nach den bisherigen Bestimmungen noch nicht
Winterhilfe ist Sozialismus der Tat. Wer mitarbeiten will, wird Mitglied der NG.-Bolkswohlfahrt.
der Fast ist, vom 1. Oktober 1934 ab die Deutsche Kurzschrift zu beherrschen.
b) Die Beamten mit Eingangsstellung von Besoldungsgruppe 10 an aufwärts, die zur Beherrschung einer Kurzschrift bisher dienstlich nicht verpflichtet waren, haben sich, sofern sie am 1. Oktober 1934 das 38. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, bis zu diesem Tage die Kenntnis der Deutschen Kurzschrift anzueignen; haben sie am 1. Oktober 1934 das 38. Lebensjahr bereits vollendet, so wird ihnen empfohlen, die Deutsche Kurzschrift lesen, wenn möglich auch schreiben zu lernen (vergl. Nr. 5).
3. Die Angestellten, insbesondere die Kanzlei
kräfte, sind darauf aufmerksam zu machen, daß vom 1. Oktober 1934 an im Behördenbetriebe die Deutsche Kurzschrift verwandt wird und ihre Kenntnis (Nr. 5) insbesondere von den Angestellten des Kanzleidienstes nochzuweifen ist. Die ab 1. Oktober 1934 neu eintretenden Angestellten müssen die Deutsche Kurzschrift beherrschen und dürfen andere Kurzschriften im Behördenbetriebe nicht verwenden.
4. Die obersten Reichsbehörden können im Einvernehmen mit dem Reichsminister des Inneren Ausnahmen von den Vorschriften zu 1 bis 3 zulassen, sie können insbesondere Gruppen von Beamten, die nur wenig zu schreiben oder Akten zu lesen haben, von der Erlernung befreien. Hier werden besonders Beamte mit handwerklicher oder mechanischer Tätigkeit (Gruppen A9 und 10) in Frage kommen. Auf die Kriegsbeschädigten ist angemessene Rücksicht zu nehmen.
Zusatz: Die am 1. Oktober 1934 im Amte befindlichen Kammerstenografen (Reich und Länder) können für die Aufnahme von Verhandlungen usw. ihr bisheriges System weiterverwenden. Im fon- sigen amtlichen Verkehr müssen sie ab 1. Oktober 1934 die Deutsche Kurzschrift anwenden.
5. Unter Kenntnis der Deutschen Kurzschrift ist die Fähigkeit zu verstehen, in der Kurzschrift gut leserlich 80 Silben in der Minute zu schreiben und in der Kurzschrift Geschriebenes zu lesen. Die mit eigentlichen Kanzleiarbeiten (Schreibarbeiten, Aufnahme von Stenogrammen usw.) beschäftigten Beamten und die Kanzleiangestellten haben sich eine Schreibgeschwindigkeit von wenigstens 150 Silben in der Minute anzueignen.
6. Die Behörden haben die Bestrebungen der Beamten und Angestellten, die Deutsche Kurzschrift zu erlernen, möglichst zu fördern.
Die Deutsche Stenografenschaft gibt in den Kursen ihrer Ortsgruppen reichlich und günstig Gelegenheit, sich die in den neuen Richtlinien geforderten Kenntnisse zu erwerben.
Verwendet deutsches Holz!
Eine Rede des hessischen Staatsministers auf der Darmstädter Werbetagung.
D a r m st a d t, 19. Febr. (LPD.) Im Großen Saalbau wurde am Montag eine Werbetagung für das deutsche Holz und dessen verstärkte Verwendung in der Volkswirtschaft eröffnet. Zu der Eröffnungssitzung waren u. a. erschienen: Staats- minifter Jung, Vertreter der beteiligten Behörden und des Bauwesens, der Technischen Lehranstalten und vor allem Forstleute.
Nach der Begrüßungsansprache von Ministerialrat Wagner nahm
Staatsminister Jung
das Wort. Er führte dabei aus: Im Namen der hessischen Regierung begrüße ich Sie und freue mich, daß Sie der Einladung so zahlreich gefolgt sind. Der Herr Reichsstatthalter läßt sich entschuldigen, es ist ihm leider wegen anderer dringender Dienstgeschäfte nicht möglich, heute hier bei Ihnen zu erscheinen.
Meine Herren, lassen Sie mich als Laien ein paar Worte zu Ihnen sagen. Wenn man länger als ein Jahrzehnt jeden Samstag und Sonntag durch den deutschen Wald gewandert ist, dann wächst einem der Wald an das Herz. Und deshalb darf ich sagen, was mir am Walde aufgefallen ist und was ich hoffen möchte, daß es wieder anders und bester wird. Ich erinnere mich, daß es vor Jahrzehnten noch große Bestände an Mischwald in Deutschland, auch im Odenwald, gegeben hat.
Nun habe ich aber im Laufe der Iahre zu meinem großen Bedauern feststellen müssen, daß der gemischte Wald fast gänzlich verschwunden ist.
Weichhölzer und Eichenschälwaldungen verschwinden immer mehr und die Bäume stehen heute draußen im Walde wie die Grenadiere in einem preußischen Regiment, schön gerade ausgerichtet, keine Blöße, kein grüner Fleck mehr, höchstens ein paar Kahlhiebe. Ich muß sagen, die Schönheit des Waldes ist hierdurch nicht gefördert worden. Ich habe schon vor Monaten, als ich hierher berufen wurde, mit dem Herrn Landforstmeister darüber gesprochen, wie es möglich wäre, diese Schönheit des Waldes, die wahrscheinlich auch viele andere vermissen, wieder herzustellen.
Ich meine, daß es neben dem Ruhen, den das deutsche Volk aus dem Walde zieht, ebenso nötig ist, dafür ein Auge zu haben, daß die Schönheit des Waldes erhalten bleibt und daß man nicht nur Höhenrücken mit lauter Fichten- unb Kiefernbeständen sieht, sondern daß das Auge auch einmal Gelegenheit hat, auf einem hellgrünen Fleck, den Buchenwäldern, auszu- ruhen.
Das ist das eine, was ich sagen möchte. Das andere ist, daß die Nutzbarkeit und die Wirtschaftlichkeit des deutschen Waldes gehoben werden muß. Wir wissen, daß der deutsche Wald noch viele Millionen von Festmetern Holz birgt, die nur des Hiebes bedürfen. Wir wissen, daß der Wald nicht in vollem Umfang ausgenutzt werden kann, weil die Möglichkeit fehlt, das Holz zu verwerten Daran, das wissen Sie ebenso gut wie ich, ist zum Teil die Modetorheit schuld, in die das deutsche Volk in bezug auf das Holz verfallen ist. Wir wissen, daß Architekten, Vauhandwerker, auch Bauherren, jahrelang glaubten, daß man nur sog. „astfreies" Holz in seinen Bauten verwenden dürfe, auch an Stellen, wo nachher das Holz wieder zugedeckt wurde mit Tünche oder Oelfarbe. Ab4r es war einmal die Mode: astfreies Holz muß unter allen Umständen herbei! So kam es, daß man aus dem Auslande erhebliche
Mengen solchen astfreien Holzes einführte,' obwohl es auch in Deutschland astfreies Holz gibt. Aber das Holz aus dem Ausland war nun einmal „schöner und besser" als das in Deutschland gewachsene. In ähnlicher Weise versündigten sich auch die Möbelindustrie und der Möbelhandel. Das Schlafzimmer mußte aus kaukasischem Nußbaum, aus Rosenhölzern und wie diese „schönen" Hölzer alle heißen, hergestellt sein. Das deutsche Holz fand keine Verwendung mehr, es war zu einfach und au schlicht für den deutschen Haushalt geworden. Also auch nach der Richtung hin muß m. E. eine Erziehungsarbeit einsetzen.
Es muß dafür gesorgt werden, daß der Deutsche den Glauben und bas Empfinden hat, das auf dem deutschen Boden gewachsene holz ist das schönste Holz, und das Holz, das allein ich in meinem haushalt dulde.
Ein drittes kommt hinzu, nämlich, daß auch die Industrie sehr erhebliche Holzmengen aus dem Ausland einführt. Sie wissen, daß die Zellstoffindustrie, wenn ich nicht irre, jährlich sieden bis acht Millionen Kubikmeter Holz verbraucht. Von dieser Holzmenge werden etwa 50 v. H. aus dem Auslande eingeführt, zum größten Teil Fichtenhölzer, weil in Deutschland nicht in diesen Mengen vorhanden und weil die Industrie glaubt, daß andere deutsche Hölzer — Kiefern und vor allen Dingen Buchenholz — für ihre Zwecke nicht verwendbar seien. Ich bin der Auffassung, daß es der deutschen Wissenschaft unbedingt gelingen muß, auch dafür zu sorgen, daß in ausreichendem Maße aus Kiefern- und vielleicht auch aus Buchenholz Zellstoff hergestellt werden kann. Vor einigen Monaten hörte ich, daß ein deutscher Erfinder ins Ausland, nach Belgien gehen mußte, ein Mann, der in der Lage gewesen sein soll, aus deutschem Buchenholz Zellstoff herzustellen. Man hat ihn ins Ausland gehen lasten müssen, weil es der Industrie nicht möglich war, den Mann zu halten, oder weil sie zu bequem war, sich auf ein anderes Verfahren umzustellen. Meine Herren, wenn ich als Laie heran erinnere, so hoffe ich, daß Sie als Sachverständige — das sind Sie ja zumeist — ein viel besseres und tieferes Empfinden dafür haben müssen als ich. Ich spreche nur als ein Mann, der durch den deutschen Wald geht, dem der Wald eine Quelle der Erholung ist, und der bereit ist, für den Wald alles zu tun, was getan werden kann.
Wir müffen dafür sorgen, daß der Wald wieder seine alle Schönheit erhält, wir müssen gleichzeitig dafür sorgen, daß das deutsche Volk bei größter Sparsamkeit der Forstwirtschaft den größtmöglichen Ruhen aus dem Walde holt.
Meine Herren, wenn Sie auf Grund der Vor- träae, die Sie hören werden, die Ueberzeugung mit nach Hause nehmen, daß es unsere und Ihre Sache ist, in diesem Sinn zu wirken, bann hoffe ich, daß die Vorträge dadurch ihren vollen Erfolg erhalten werden.
Die Reihe der Fachvorträge, die sich über mehrere Tage erstrecken, eröffnete
Oberforstrat Schwieder
mit einem Ueberblicf über die Lage der deutschen Waldwirtschaft, die in den vergangenen Jahren sehr unter der falschen Jmportpolitik und der Steuerschraube gelitten habe. Gerade in Hessen seien Beispiele zu verzeichnen — insbesondere beim Umbau des Darmstädter Schlosses — wie ausgezeichnet das heimische Holz zu verwenden sei, ba es in nichts ausländischen Hölzern nach- stehe.
Die Mistrahlaniennen für den Welirundfunk.
Die Eröffnung eines planmäßigen Kurzwel - lenrunöfunts mit Richtstrahlanten- n e n nach Afrika, Asien, Nord- und Südamerika hat den deutschen Weltrundfunk in den Vordergrund der Beachtung gerückt und läßt den Wunsch entstehen. Näheres über diese von der Deutschen Reichspost im Rahmen ihres Gesamtbauplanes für den Rundfunk nunmehr fertiggestellten Einrichtungen zu erfahren.
In Zeesen bei Känigswusterhausen stehen für den Weltrundfunk zwei Kurzwellensender mit einer Telephonieleistung von 8 kW, von denen der eine (Telefunken-Sender) am 26. August 1929, der zweite (Lorenz-Sender) Mitte Januar 1933 in Betrieb genommen worden ist. In den ersten Jahren arbeitete man, um die nötigen Erfahrungen über die für Ueberfee=6enbungen geeigneten Wellen zu gewinnen, mit sogenannten Rundstrahlanten n e n, d. h. solchen Antennen, die nach allen Seiten gleichmäßig strahlen. Nach Festlegung der geeigneten Wellen sind dann am 22. Januar 1932 Richtstrahlantennen nach Nordamerika und am 22. Dezember 1933 solche nach Afrika, Ostafien und Südamerika, jeweils für mehrere Kurzwellen, in Betrieb genommen worden. Die beiden Sender können wahlweise auf jede dieser Richtstrahlantennen geschaltet werden.
Das Hauptinteresse des Laien wendet sich der bisher nicht allgemein bekannten Form und Wirkung der Richtstrahlantennen zu. Diese seien daher kurz erläutert. Es ist klar, daß es zu einer besseren Ausnutzung der Leistung eines Kurzwellensenders führen muß, wenn man die elektrische Energie des Senders nicht nach allen Seiten verschwenderisch ausstrahlt, sondern die elektrischen Strahlen möglich st scharf in einer b e - stimmten Richtung zusammenfaßt, wenn man sie „bündelt", wie man zu sagen pflegt. Unter einer Richtstrahlantenne versteht man also eine Antennenanlage, die eine bestimmte Strahlungs
richtung bevorzugt. Im kommerziellen Funktele» graphenverkehr der Deutschen Reichspost — z. B. in Nauen — sind solche Antennen in der Form, wie sie die Firma Telefunken in vollkommener Weife entwickelt hat, seit Jahren mit großem (Erfolg in Betrieb.
Es ist aus den Anfängen der Funktelepraphis bekannt, daß ein horizontal ausgespannter Draht, der eine Wellenlänge lang ist und in der Mitte (ohne Erdverbindung) elektrisch erregt wird, eine gerichtete Strahlung senkrecht zum ausgespannten Draht nach beiden Seiten aussendet. Werden meh, rere solcher Drähte, die man Dipole nennt, in einer Ebene über» und nebeneinander angeordnet, untereinander verbunden und aufeinander genau abgestimmt, so verengt sich das Strahlenbündel mit zunehmender Dipol-Zahl immer mehr.
Da der Weltrundfunk ein größere Gebiet bestrah. len soll, darf bei ihm diese Bündelung naturgemäß nicht zu weit getrieben werden. Um zu verhindern, daß auch eine Ausstrahlung der elektrischen (Energie des Senders nach rückwärts stattfindet, wird parallel zu der Antennenebene ein zweites, gleichartiges Drahtgebilde im Abstand von einer Viertel- Wellenlänge angeordnet. Dieses zweite Drahtgebilde kann man mit Wirkung eines Scheinwerferreflek- tors und das ausgesandte gerichtete Strahlenbündel mit dem Lichtkegel eines Scheinwerfers vergleichen. Die gesamte Energie des Senders wird gezwungen, sich nur in der gewollten Richtung auszubreiten. Bei einer solchen Richtstrahlenantenne kann man im übrigen die Antennen- und die Reflektordrähte vertauschen und so die Strahlrichtung umkehren. Da z. B. die Richtungen Südamerika und Ost- asten auf der Erdkugel ziemlich genau entgegengesetzt sind, kann nach Umkehrung der Antennen- und Reflektordrähte dieselbe Antenne einmal für Dftafien und ein andermal für Südamerika benutzt werden.
Eine Portion Wafferflöhe mit Heuschrecken!
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Jn der Speisekammer des Berliner Aquariums.
Wenn beim ersten Morgengrauen vollbeladene Milch- und Gemüsewagen durch die ruhenden Straßenzüge Berlins fahren und flinke Bäckergesellen ftisch gebackene, knusprige Brötchen vor die Wohnungstüren der schlafenden Kunden legen, bereiten sich im Westen der Reichshauptstadt seltsame Köche auf das Frühstück ihrer oft seltenen, wertvollen Gäste vor. Eigentümliche Leckerbissen holen die Küchenchefs dann aus ihren riesigen Speisekammern, deren täglicher Inhalt den Magen sämtlicher Bewohner des Berliner Aquariums sättigen muß.
Schon beim Eintritt in die weit ausgedehnte Vorratskammer bietet sich dem uneingeweihten Besucher ein eigentümliches Bild. In kleinen, warm temperierten Kellerräumen hat man zahlreiche verweste Fleisch stücke aufgehängt! Taufende dicker Fliegen schwirren durch den stickigen Raum. Handdick hängen sie an den absichtlich verschmutzten Wänden! „Hier wird das Hauptnahrungsmittel der Aquariumsdewohner gezüchtet: Fliegen! Sie sind für die bei uns untergebrachten Lebewesen ebenso wichtig, wie für die menschliche Ernährung Brot und Kartoffen", erzählt der liebenswürdige Wärter, im Begriff, einige der auf- gestellten Jnsektenfallen zu entleeren. Der Inhalt bildet ein leckeres Frühstück für Laubfrösche und andere kleine Reptilien.
Jedoch die Insassen dieses Hauses sind anspruchsvolle Gäste und legen auf eine möglichst abwechslungsreiche Speisefolge größten Wert. Mit Fliegen allein ist ba nichts zu machen. Auch Wasserflöhe, von denen wöchentlich über fünfzig Eimer verbraucht werden, können ohne eine aparte Beilage keinen noch so bescheidenen Tiermagen reizen. Da müssen mindestens schon ein paar fette, gut zubereitete Fleischgänge serviert werden! Meerschweinchen, mit Mehlwürmern und Weinbergschnecken garniert, das ließe sich schon eher sehen!
„Wir verbrauchen im Monat — berichtet einer der Aquariumsleiter — ungefähr 600 Ratten, 2000 Engerlinge, 5 Dutzend Kaninchen, fast 2000 Mäuse, weit über das Doppelte an Heuschrecken und Hunderte von Fischen, Fröschen und Eidechsen. Nebenbei werden noch große Korbe von frischen Aepfeln, Bananen und Apfelsinen benötigt. Auch erhebliche Gemüse- und Kartoftelmengen wandern in die Küche
des Aquariums." Man kann sich vorstellen, daß die Nahrungsfrage in diesem Hause sich nicht acmz einfach gestaltet. Fast 50 verschiedene Arten Eidechsen, 75 verschiedene Arten Schlan- aen und beinahe ebenso viel Arten seltener Amphibien werden neben Hunderten von exotischen Insekten und eigenartigen Muscheltieren u. a. im Berliner Aquarium beherbergt. Und jedes dieser Tiere braucht täglich eine besonders zubereitete Nahrung, oft sogar eine ganz bestimmte Servier« form! Die Aktinien — erzählt der Aquariumsleiter — essen z.B. nur, wenn sie ihre fetten Re- geywurmstücke Bissen für Bissen an kleinen, dünnen Holzstäbchen serviert bekommen.
Ueberall in den langgestreckten Kellerräumen stehen Gitterkäfige, in deren Innern es unheimlich kreucht und fleucht. Ratten und Mäuse spielen in sauberen Blechkästen, während ein paar Schritte weiter Kaninchen und Meerschweinchen gezüchtet werden. Zahlreiche mit Kleie gefüllte Kisten, in denen unzählige Mehlwürmer schmarotzen, stehen an den Wänden. Grillen und Motten, Ungeziefer jeder Art wird in diesem Hause in unbegrenzten Mengen künstlich erzeugt.
Sogar Das salzhaltige „M e e r ro a f f e r" ist nicht echt! Früher ließ man es regelmäßig in besonders gebauten Fahrzeugen nach der Reichshauptstadt kommen. Heute wird das „echte" Nordseewasser in jedem beliebigen Quantum von den Assistenten der Laboratoriumsleiter des Berliner Aquariums nach einem ganz besonderen Rezept hergestellt und bekommt den Tieren mindestens ebenso gut. Der Sand, der in den Bassins liegt, ist dagegen garantiert vom Zinnowitzer Strand — versichert der Laboratoriumsleiter und berichtet, daß die Gesteinsgebilde in den großen Schau» aquarien meist sogar aus der Heimat der Tiere geholt werden müssen. Helgoländer Hummern können eben nur im Helgoländer Felsgestein leben.
„Bitte acht Portionen Wasserflöhe für die Blumentiere" ruft ein alteingesessener Wärter seinem Kollegen in der Speisekammer zu. Und ebenso schnell wie die Köche dieses seltsamen Restaurants ihre Speisen angerichtet haben, werden sie von den eigenartigen Stammgästen aufgefressen.
Harney.
Oberheffen.
Tagung des Kreisverbands der Evang. Zrauenhilfe.
5 Steinbach, 19. Febr. Der Kreisver - band der Evangelischen Frauenhilfe hielt am gestrigen Sonntag hier fei.ie Bezirksversammlung ab. Eröffnet wurde die Versammlung durch einen Festgottesdienst in unserer Kirche, die durch die Gäste und Gemeindeglieder so überfüllt war, baß die Kinder nicht Platz fanden. Der Ortspfarrer hielt die Liturgie und der hiesige Evangelische Frauenchor sang unter Leitung seines Dirigenten, Herrn Schleuse, zwei Chöre. Die Festpredigt hatte Pfarrer Steiner (Hausen) übernommen. Er verstand es, in seiner Predigt die Aufgabe der Frauen in Familie, Gemeinde, Volk und Staat ins Licht des Evangeliums zu stellen. Schlußgebet und Segen sprach Pfarrer 2 811.
Nach dem Festgottesdienst waren die Mitglieder der Frauenhibfen aus Alten-Buseck, Annerod,' Rödgen, Saasen und Wieseck Gäste bei den Mitgliedern der Familienhilfe Steinbach.
Die Versammlung fand dann im Saale des Einhorn" bei Ludwig Hahn statt. Der Saal war für bie Erschienenen säst zu klein. Frau Kreuder (Gießen) eröffnete als Vorsitzende die Versammlung und begrübe die Teilnehmer, zu denen noch die NS. - Frauenschaft Steinbach und Vertreter der Frauenhilfe Reinhardshain gekommen waren, insgesamt mehr als 500 Personen. Dekan Gußmann (Kirchberg) überbrachte die Grüße des Dekanates Gießen. Nach dem Gesang eines gemeinsamen Liedes sprach die Rednerin Frau Pfarrer Hofmann (Ossenheim). Sie verstand es in ihrer packenden Weise den Frauen und Mädchen — der Frauen- chor Steinbach war ebenfalls anwesend — die Aufgabe der deutschen evangelischen Frau im Dritten Reich als Mutter und Erzieherin klar vor Augen zu stellen. Nach gemeinsamem Gesang und Dantes» Worten der Frau Kreuder sprach Pfarrer Doll (Steinbach) das Schlußwort. Nach Aussprache des Dankes an die Gastgeber von Steinbach stellte er als Ergebnis des Tages die Aufgaben der Frau in
ihrer Bindung an das Evangelium klar und sprach em Schlußgebet.
..Die Frauenhilfe Saasen übernahm die Tagung für 1935. Mit gemeinsamem Gesang schloß die Versammlung. An Kollekten gingen über 45 Mark ein.
Lanvtreis G letzen
X Wieseck, 19. Febr. Die Ortsgruppenleitung hatte für gestern nachmittag in den Saalbau Braun zu einer Versammlung eingeladen, die sehr gut besucht war. Nach dem Einmarsch einer Fahnenabordnung der SA. begrüßte Ortsgruppenleiter Karl Euler die Erschienenen und erteilte dell' Redner Pg. B u 11 m a n n das Wort. Dieser be- tonte eingangs, daß es nun ein Jahr her sei, seitdem in Deutschland wieder Friede herrsche und sich das Volk auf feine Güter besonnen habe, die es von jeher groß und stark vor allen Volkern gemacht haben. Einen besonders schweren Kampf habe Adolf Hitler mit denen gehabt, die glaubten, von dec Rettuna ihres Vereins, Klubs ober ihrer Partei und Organisation hänge das Schicksal Deutschlands ab. Hier galt es, klarzumachen, daß ohne die Hebung aller deutschen Volksgenossen es nie möglich sein konnte, dieses Deutschland wieder aufzubauen. Wir sahen den Marxismus, das Zentrum und all die andern, aber wir wollten sie nicht kennen, denn wir wußten, daß es etwas Undeutsches war, etwas, das unbedingt zum Abgrund führen mußte. Wir hatten auch kein Programm, das auf Monarchie oder Rom abgestimmt war; unser Programm war Adolf Hitler. Er nahm die Kraft zu glauben, zu hoffen, zu kämpfen und nie zu versagen aus der Gewißheit des Guten im deutschen Menschen. Weil er an sein Volk glaubt, glaubt es an ihn und folgt ihm, wohin er es auch führen mag, denn es weiß, es ist zu feinem Besten. Die andern sagen, wir hätten eine Diktatur; sie ist es, eine Diktatur der Arbeit, die, wie die Well immer deutlicher sieht, eine Diktatur durch Arbeit zum Erfolg fit. Besonderen Eindruck hmterUeßen die zitierten Versprechungen der No« vemberrevolte der Marxisten. Ihnen gatt unf*


