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Das Rätsel einer Krühlingsnacht

Vornan von Gert Roihberg.

Urheberrechtsschutz: Fünf Türme-Verlag, Halle, Saale

29. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Behutsam hob Härtlingen das Buch auf. Und ebenso behutsam blätterte er darin. Es war ja ein Buch der geliebten Frau. Es war kein Ver­brechen, wenn er darin las. Die Zeit verging. Noch immer stand der Mann im Erker, stierte auf die Zeilen, die voll Hohn ihm entgegensprangen:

Ich sterbe ja an dieser Sehnsucht. Die Fürstin meint es so gut mit mir, aber all ihre Güte kann mich diese große, große Liebe nicht vergessen lassen. Niemals kann ich diese Frühlingsnacht vergessen. Wie heiß er mich geküßt hat! Ob er weiß, daß diese Küsse meine Seligkeit für ein ganzes langes Leben sein müssen."

Härtlingen starrte auf diese Zeilen, dann rang sich ein Laut aus ihm. Ekel, Verachtung und ein wahnsinniger Schmerz drohten ihn zu ersticken.

Das also war Gertraude!

Das war die jüngste Schwarzkoppen!

Wieder hatten wundervolle, große, dunkelblaue Augen gelogen und getrogen. Und er, er war der Schwächling, der den beiden schönen Schwestern verfiel!

Härtlingen hätte nur einige Seiten weiter zu blättern brauchen, dann hätte er seinen Namen gefunden, hätte gewußt, daß er allein der Mann war, den Gertraude liebte und immer, immer ge­liebt hatte. Dann hätte sich ihm das Rätsel jener Frühlingsnacht offenbart. Doch er legte vorsichtig das Buch wieder auf seinen Platz zurück, auf dem er es gefunden. Und ging!

Er ließ sich nicht mehr durch das Wetter ab­halten, von hier fortzugehen.

Er glaubte alles zu wissen. Das Datum hatte auf eine Zeit gelautet, da Gertraude und er sich noch nicht kannten. Also war es nicht in diesen letzten Tagen niedergeschrieben worden, sondern vor einem Jahre.

Und nun wollte die Fürstin Schicksal spielen und die von irgendeinem Menschen verlassene Gertraude in eine Ehe mit dem Grafen Härtlingen hinein­schmuggeln. Wieder sollte er betrogen werden wie damals, als Celia seine Frau wurde.

Wie leicht Gertraude dieses Lügenspiel geworden wäre!

Doch die Fürstin paßte nicht mit hinein in dieses erbärmliche Spiel!

Es war ja gleich, wer noch mit schuld daran war

an diesem unerhörten Betrug, der erneut an ihm verübt werden sollte.

Jetzt war er fertig für alle Zeiten mit Gertraude.

Härtlingen ging hinaus.

Unten in der Halle wollten sie ihn zurückhalten, aber er schritt hinaus in Sturm und Wetter!

Nach vierstündigem Marsch kam Härtlingen in Schloß Kleoen an. Es war alles ruhig, man schien beim Mittagsmahl zu sitzen. Unbemerkt gelangte er in fein Zimmer.

Er klingelte dann dem Diener, der zu seiner Be­dienung da war, und ließ sich ein Bad zurechtmachen. Danach kleidete er sich sorgfältig an und wartete in seinem Zimmer, nachdem er der Fürstin seine Heimkehr hatte melden lassen. Er wünschte zu ruhen, gegessen habe er unterwegs.

Er ruhte aber nicht, er stand mit düsterem, ver­zerrtem Gesicht am Fenster und sah in den Park hinaus.

Ah!

Dort, dort hinten war der Weg, der zu dem ver­schwiegenen Platz führte, wo er die kleine schöne Gertraude geküßt.

Eine echte Schwarzkoppen war sie. Falsch und schön. Es kam auf einen Schwur nicht an. Es war auch bei Lelia nicht darauf angekommen. Sie waren sich gleich, die beiden Schwestern: ganz gleich waren sie sich. Und es war wie ein Fluch, daß er auch der jüngsten Tochter des alten Abenteurers mit Leib und Seele verfallen war.

Graf Härtlingen wandte sich ins Zimmer zurück. Er lief hin und her, immer wieder hin und her, von der Frage getrieben: Wer ist es, den sie geliebt hat?

Zu der sonst üblichen gemütlichen Teestunde ließ er sich bei der Fürstin melden, mit der dringenden Bitte, ihn allein zu empfangen. Er habe Wichtiges mit der Frau Fürstin zu besprechen.

Fürstin Agnes lächelte.

Als ob sie nicht wüßte, was ihn herführte.

Heil zurück. Sie eifriger Jäger?"

Jawohl, Durchlaucht! Ich wollte mich verab­schieden, Durchlaucht! Es tut mir sehr leid, aber ich muß dringend nach Härtlingen zurück."

Sie sah ihn an, begriff zuerst nicht, faßte nur langsam, daß er fort wollte, ohne mit ihr über Gertraude gesprochen zu haben, und fragte:

Aber lieber Graf! Die paar Tage wird es doch sicherlich noch ohne Sie in Härtlingen gehen, nach­dem Sie doch so lange auf Reisen waren?"

Er kam der Fürstin plötzlich unheimlich vor. Hatte man doch recht gehabt, als man damals behauptete, der Graf sei geistig nicht mehr normal gewesen? Kehrte diese fürchterliche Krankheit jetzt gar zurück?

Ich darf mich verabschieden, Durchlaucht? Und tausend Dank für Ihre Güte!"

Die Fürstin wurde an sich selbst irre. An ihm, an Gertraude. Wenn doch Gertraude nicht so glück- lich-geheimnisvoll getan hätte! Sie wußte nun nichts

Genaues und konnte nicht darauf anspielen, da sie nicht ahnte, wie weit die Aussprache Härtlingens mit Gertraude gegangen war.

So reichte sie ihm die Hand, völlig willenlos sei­nen düsteren flammenden Augen gegenüber.

Ich kann Sie nicht halten, Härtlingen! Aber ich glaubte doch, etwas anderes hielte Sie hier in Kleoen fest."

Da lachte er kurz auf, aber dieses Lachen schnitt ihr ins Herz.

Nein, Durchlaucht! Mich hält nichts in Kleoen, höchstens die Dankbarkeit gegen Sie. Ich kann nicht bleiben, weil etwas in Kleoen ist, das die ganze unselige Veraangenheit herausbeschwor mit mitleid­loser Hand. Leben Sie wohl, Durchlaucht!"

Ja, was war denn nur? Was war nur geschehen? Er konnte doch jetzt nicht fort? Und diese furchtbare düstere Stimmung? Mein Gott, was sollte das nur heißen?

Die Fürstin saß lange in ihrem Stuhl. Das alte Herz klopfte unregelmäßig und schmerzlich, wie es die ganzen Tage schon rebelliert hatte. Unten fuhr ein Wagen vor. Gepäck wurde verstaut, und dann sprang ein großer, breitschultriger Mann in den Wagen.

Härtlingen, der fortfuhr, ohne noch ein Wort mit Gertraude zu sprechen.

Er überließ es ihr, der Gastgeberin, den Gästen mitzuteilen, daß etwas Wichtiges ihn nach Hause gerufen hatte.

Das war eine Kleinigkeit. Doch Gertraude! Was war zwischen ihr und Härtlingen vorgefallen?

Die alte Dame erhob sich mühsam. Seltsam, wie sehr ihr die Knie plötzlich zitterten! Ehe sie nach der Klingel greifen konnte, klopfte es dreimal leise. Das war Gertraudes Zeichen.

Komm, Kind!"

Es war eine müde, alte Stimme, die die zwei Worte sprach.

Gertraude trat herein, blieb stehen, sah angstvoll auf die alte Dame.

Tante Agnes! Dir ist nicht gut?!"

Wir wollen nicht viel Worte machen, Gertraude.

Rudolf Härtlingen ist soeben abgereift."

Abgereist, Tante Agnes? Das muß doch ein Irrtum sein? Er nein, er hat nicht nur mit mir gespielt. So etwas hätte Härtlingen nicht getan. Er hat mir gesagt, daß er mich liebt."

Soweit also war es? Dann verstehe ich sein Verhalten nicht. Er sagte mir, daß die Vergangen­heit noch einmal alles in ihm aufgewühlt. Was meinte er damit?

,Er ist fort, alles ist zu Ende. Rudolf Härtlingen konnte sich nicht mit mir verbinden, zwischen uns steht die Vergangenheit. Lelia steht zwischen uns. Er hat sie noch einmal in mir geliebt, vergibt jedoch nicht. Lelia und ich find eben immer wieder inein­ander verschmolzen; er ist im Recht, wenn er auch mir mißtraut. Laß es gut sein, Tante Agnes! Es wäre ja auch zu viel des Glücks gewesen."

Kind, ein Mißverständnis muß es fein. Wenn er dir gesagt hat, daß er dich liebt, dann war das die Wahrheit. Denn auch ich habe es ja gesehen, wie sein Herz sich dir zuwandte. Es muß etwa» aanz Unerwartetes gekommen sein, daß er ohne Abschied von dir ging."

Gib dir keine Mühe, du gütigste aller Frauen Rudolf Härtlingen kommt nicht mehr zurück", sagte Gertraude mit blassen Lippen.

Die Fürstin blickte in die blauen Augen, lange, lange, dann sagte sie:

Gertraude, ich kann es nicht glauben. Graf Härt­lingen war im Walde. Allein! Vom Unwetter über­rascht! Das wissen wir ja. Was aber kann ihn auf diesem Wege betroffen haben, daß er gänzlich ver­ändert zurückkvmmen konnte?"

Still ging Gertraude hinaus, und die Fürstin hielt sie nicht zurück.

Fürstin Agnes Kleoen ging zu ihrem Schreibtisch. Dort schloß sie ein Fach auf, nahm den Brief her­aus, den sie an Härtlingen geschrieben, und der, falls ihr einmal etwas Menschliches zustoßen sollte, nach ihrem Tode an ihn zu überbringen war. Nun wollte sie diesen Brief abschicken.

Jetzt sollte er ihn erhalten. Denn er hatte ja nach Härtlingen reifen wollen.

Die Fürstin lächelte glücklich vor sich hin. So leicht und frei war ihr zumute, wie seit langem nicht. Sie hatte sich gar nicht wohl gefühlt in dieser letzten Zeit. Das alte Herz wollte nicht mehr mitmachen. Aber jetzt, jetzt schlug es so still und zufrieden.

Die Fürstin wollte ihren alten Jean herbeirufen, aber es war solch wohlige Müdigkeit über sie ge­kommen, daß sie sich doch noch ein bißchen in ihren geliebten Lehnstuhl ans Fenster setzen wollte. Nur ein Weilchen, dann konnte Jean den Brief zur Post besorgen.

Die alte, gütige Frau mit dem Silberhaar setzte sich und schloß die Augen. Oh!, so wohl wie ihr war. Das machte, weil doch nun alles gut werden, weil Gertraude glücklich sein würde. Fürstin Agnes Kle- Den lächelte und schlief. Schlief den ewigen Schlaf. Ihr letzter Gedanke galt dem Glück der kleinen Gertraude!

16. Kapitel.

In tiefster Trauer verließen die Gäste das gastliche Kleoen. Sie wollten erst zu der Beerdigung wieder­kommen.

Wer hätte denn das gedacht, daß dieses frohe Beisammensein mit solch jähem Mißklang enden würde?

Die Verwandten blieben. Es mußte ja so vieles geregelt werden. Gertraude hatte gesagt, daß kein Zusammenhang zwischen Härtlingens Abreise und dem Tod der Fürstin bestehen könne, denn die Fürstin sei sehr ruhig und freundlich gewesen, als ie ihr mittoilte, daß Graf Härtlingen eiligst in einer sehr dringenden Angelegenheit heimgerufen worden sei.

(Fortsetzung folgt.)

Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere Hebe Mutter, Schwieger­mutter, Großmutter, Schwägerin und Tante

Sophie Jung, geb. Heß

nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 73 Jahren zu sich zu rufen.

Die trauernden Hinterbliebenen:

Wilhelm Jung V. und Familie

Leihgestern, Großen-Linden, Otto Heß II. und Familie 19. Februar 1934. Heinrich Faber und Familie,

Die Beerdigung findet Mittwoch, den 21. Februar, nachm. 3 Uhr statt.

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Die Steuerorbnung betr. die Erhebung einer Jagdsteuer im Kreise Wetzlar vom 26.3.1931 und des Nachtrages hierzu vorn 16. 2.1933, veröffentlicht im Wetzlarer Anzeiger Nr. 114 vorn 18.5.1932 und Nr. 72 vom 25. 3. 1933, ist unverändert bis zum 31. März 1935 verlängert worben. 1067C

Die diese Verlängerung der Geltungsdauer geneh­migende Verfügung des Herrn Regierungspräsiden­ten zu Wiesbaden wirb nachftehenb zur Kenntnis gebracht.

Der Regierungspräsident

I2a Nr.429 Wiesbaden, den 5.2.1934.

Die zu der anliegenden Ordnung betr. die Er- Hebung einer Jagdsteuer im Kreise Wetzlar vom 26. Marz 1931 erteilte Genehmigung vom 28. Fe-

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