Ständischer Ausbau - eine Aufgabe der Politik
Don Or. Max Irauendorsrr, Leiter des Amtes für Ständischen Aufbau der NSDAP.
jeher fest in seiner Programmforderung der organischen Neugliederung des deutschen Volkes durch ben ständischen Aufbau. Der ständische Aufbau wird jedem Schaffenden das Gefühl der organischen Verbundenheit wiedergeben und die lieber« zeugung, als notwendiges Glied anerkannt und deshalb in seinen Lebensnotwendigkeiten geschützt zu fein, wird jedem Klassenkampf in Zukunft den Boden entziehen. Der nationalsozialistische Staat wird zum ersten Male einer geordneten Wirtschaft gegenüberstehen und durch Stellung von Aufgaben seine Führerstellung zum Ausdruck brinaen können.
Durch die organische Nengliooerung des deutschen Volkes im ständischen Aufbau wird der National-
schen Nation auch das Instrument für ihre organisatorische Einheit gewonnen haben. Die Ueberlegung aber, daß durch den ständischen Aufbau jeder Klassenkamps überwunden und eine Zerspaltung unseres Volkes unmöglich werden muß, sowie die Tatsache, daß ein deutsches Bauerntum, eine Kaufmannsehre und eine neue Handwerkerkultur Ziele sind, denen der Nationalsozialismus zustrebt, läßt sofort klar erkennen, daß es sich bei der Schaffung der ständischen Neuordnung um Aufgaben bandelt, die weit über den Rahmen der Wirtschaft hinausgehen. Es ist eine der wichtigsten Aufgaben der Politik, durch den ständischen Aufbau die Grenzen und Beziehungen zwischen Staat, Wirtschaft und einzelnem schaffenden Volksgenossen zu bestimmen.
Von der Deutschen Arbeitsfront zum ständischen Ausbau.
Dr. Frauendorfer über die organische Neugliederung in Danzig.
Berlin, 19. Febr. (DNB.) Aus Anlaß der Verwirklichung des ständischen Aufbaues durch die Danziger Arbeitsfront machte Dr. Frauendorfer, der Leiter des Amtes für ständischen Aufbau der NSDAP., der Presse grundsätzliche Ausführungen über das Wesen des ständischen Aufbaues und schilderte im einzelnen die in Danzig bereits erfolgte oraanische Neugliederung.
Als Ziele des ständischen Aufbaues bezeichnete er die Ueberroinbung des Klassenkampfes und die Ermöglichung einer einheitli chen Wirtschaftsführung durch die Politik und den Staat. Die private Wirtschaft und vor allem die private Initiative, der Motor alles wirtschaftlichen Geschehens, sollen als Voraussetzung des Wirtschaftslebens unbedingt erhalten bleiben.
Das viel kleinere Wirtschaftsgebiet in D anz.i g habe für eine so gewaltige Umformung der ganzen wirtschaftlichen Verhältnisse naturgemäß viel schneller vorbereitet werden können; zum anderen seien in Danzig die noch bestehenden Wirtschaftskammern aufgelost worden, so daß man jetzt vor der Notwendigkeit stand, etwas neues, endgültige s an ihre Stelle zu setzen. Als Spitzenorgan für alle Stände wurde eine Ständekammer ein«
Es ist das Wesen einer Weltanschauung, daß sie alle Gebiete des menschlichen Lebens umfaßt, daß sie deshalb zu allen Fragen Stellung nehmen muß. Für eine Weltanschauung sind zwei Begriffe undenkbar, die den Parteigebilden der vergangenen Zeit so sehr ihr Gepräge gaben: Kompromiß und Toleranz. Darum ist es notwendig, daß der Nationalsozialismus von der durch die Revolution erkämpften Möglichkeit, seine Werte anstelle der bisherigen zu setzen, mit eiserner Folgerichtigkeit stets und überall Gebrauch macht.
Es war das große Ziel der Bewegung, eine Periode des Niedergangs zu beenden und an ihre Stelle eine Zeit der Erneuerung der Nation treten zu lassen. Dazu war es notwendig, die Schäden und Mißstände, die das vergangene System gezeitigt hatte, zu beseitigen. Die Aufgabe des Nationalsozialismus bestand darin, aus Interessentengruppen und Klassenkampf-Organisationen wieder ein deut- schesVolkzu schaffen. Die Voraussetzung für die Lösung dieser Ausgabe war das Erkennen der geistigen Grundlage jener Mächte der Zerstörung und ihre Ueberroinbung burch bie Grundsätze ber neuen Weltanschauung. Es galt, ben Jbeen von 1789 bie Gedanken bes Nationalsozialismus entgegenzustellen und anstelle von Demokratie und egoistischem Individualismus den Grundsatz der Leistung, des Füh- rertums und die Forderung: Gemeinnutz vor Eigennutz entgegenzusetzen.
Es ist klar, daß die Bekämpfung jener liberalisti- schen Schäden da einsetzen muß, wo diese entstanden waren. Und hier gilt es zu erkennen, daß nicht nur der Apparat des Staates ober bie Wirtschaft als solche von liberalistisch-marxistischem Geist erfüllt waren, sondern daß das beutsche Volk biesen Gedanken zum Opfer gefallen war. Im Volke selbst muß also ber Kampf gegen Liberalismus und Marxismus geistig unb organisatorisch geführt werden.
Die Verwirklichung der nationalsozialistischen Weltanschauung verlangt die Schaffung eines neuen Verhältnis s es von Staat, Wirtschaft und einzelnem schaffenden Volksgenossen. Der Weg zu diesem neuen Verhältnis stand für den Nationalsozialismus von
gefetzt, in der die Führer der einzelnen Kammern vertreten sind. Die Berufskammer gliedert sich wieder in die Fachgruppen, in denen Unternehmer, Arbeiter und Angestellte zusammengefaßt sind. Die Führer der einzelnen Kammern werden allein nach dem nationalsozialistischen Leistungsprinzip bestimmt. Der fähigste Mann aus der Wirtschaftsgruppe, fei er nun Unternehmer oder ______ ... ,______|_7_„_________... ___________ Arbeiter, soll die Führung und damit auch die sozialismus zu der weltanschaulichen Einheit der deut- Verantwortung übernehmen.
Das VerWungsprinzip im Kamps gegen das Verussverbrechertum.
Vorbeugungshast und Aufenthaltsbeschränkung. — programmatische Aeußerungen des preußischen Staatsrats Daluege.
Ministerialdirektor Staatsrat Daluege äußerte sich über neue Wege zur Bekämpfung der Kriminalität. Er erklärte u. a.:
Die Berichte ber Lanbeskriminalpolizeiftelle über bie Wirkungen ber Dorbeuaunashaft stimmen alle darin überein, daß sich diese Maßnahme außerordentlich bewährt hat. Die Inhaftnahme einer erheblichen Zahl Berufsverbrecher hat sich in zahlreichen Bezirken bereits in einem erheblichen Rückgang ber schweren Verbrechen ausgewirkt, bie vorzugsweise von Berufsverbrechern begangen werben. Unsere Maßnahme hat unverkennbar gerabe auch I u - genbliche von ber Begehung von Straftaten abgehalten. Mehrere Lanbeskriminalpolizeistellen melden mir, daß sich frühere Berufsverbrecher — zum ersten Male seit langen Jahren — um Arbeit und Beschäftigung bemüht hätten und mit Erfolg bemüht hätten, um dadurch ber Vor- beugungshaft zu entgehen. Auch ben umherziehen- ben kriminellen Elementen scheint ber Schreck in bie ©lieber gefahren zu fein. Die Polizei Flensburg melbet, baß bort zwei Herbergen, bie „Herberge zur Heimat" unb eine Privatherberge a e - schlossen werben konnten, weil fein Schürf nie mehr für sie vorläge. Außerbem sei im Flensburger Obdachlosenasyl die Zahl der Insassen gegenüber 334 Personen im Monat November 1932 auf 38 im Monat Dezember 1933 zurückgegangen. Bochum unb Berlin berichten über einen erstaunlich großen Mitteilungsbrang aus Derbrecherkreisen unb eine auffallende Bereitwilligkeit zur Mitarbeit bei ber Aufbeckung strafbarer Hanblungen. Daß bie Furcht vor ber polizeilichen Vorbeugungshaft jetzt bas Solidaritätsgefühl bes Verbrechertums burch- brochen hat, erleichtert unserer Kriminalpolizei ihre schwere Arbeit unb führt zur Aufklärung mancher Straftaten, bie früher unentbecft geblieben wären.
Die Einführung ber Vorbeugungshaft für bie Berufsverbrecher war nur unser erster Schritt. Wir verfolgen unser Ziel, bie Kriminalität baburch her- abzubrücken, baß wir bas Verbrechertum gewissermaßen mechanisch verhinbern, Straftaten zu begehen, konsequent weiter. Heute tun wir einen neuen Schritt. Wir werben für ganz Preußen eine umfas. fenbe Kontrolle unb Ueberwachung sämtlicher Personen burchführen, bie sich früher als Berufsverbrecher betätigt haben unb im Derbacht 'sehen, noch nicht bekehrt zu fein. Die Lanbeskriminalpolizeistellen sollen ermächtigt werben, allen Leuten, bie nach bem wohlbegrünbeten Urteil ber Kriminalpolizei unb nach ihrem Dorstrafenregister als Berufsverbrecher anzusehen finb, bestimmte Verpflichtungen aufzuerlegen. Es darf ihnen bei« fpielsweise verboten werben, ihren Wohnort ohne polizeiliche Genehmigung zu verlassen. Dieses Verbot wirb bie verbrecherische Tätigkeit reifenber Em- brecher, Falschgelbvertreiber, Hotelratten, Hochstapler, Wechselfallenschwindler unb ähnlicher Derbre- cherspezialitäten stark behindern. .. .
Ein weiters Verbot soll bie nächtliche Tätigkeit von Einbrechern, namentlich von Geschäftseinbrechern unb Fassadenkletterern tunlichst verhinbern. Berufsverbrechern biefer Geschäftszweige wirb bas Verbot auferlegt, sich zur Nachtzeit außerhalb der polizeilich gemeldeten Wohnung aufzuhalten. Auch bie Führung unb Benutzung von Privatkraft- roagen unb Motorräbern werben wir einem bestimmten Personenkreis verbieten. Diese Fahrzeuge werben erfahrungsgemäß zu Diebesfahrten ober
beim Falschgelbvertrieb häufig benutzt. Anbere Mit- glieber ber Verbrecherwelt haben sich Kraftwagen zu bem Zweck angeschafft, sich einer heimlichen poli- zeilichen Beobachtung zu entziehen. W i I b e n Buchmachern, Bauernfängern unb Neppern werben wir bas Betreten ber Rennbahnen unb Wettannahmestellen verbieten, Hehlern ben Aufenthalt an Oertlichkeiten, an benen Hehler und wilde Händler zum Ankauf gestohlenen Gutes zusammenzukommen pflegen. Leuten, die als gewohnheitsmäßige Iugendverführer bekannt geworden sind, wird nach Verbüßung der Strafe das Betreten öffentlicher Parks oder Haine, insbesondere solcher mit Kinderspielplätzen, untersagt werden.
Wir werden nur solche Verbote und Verpflichtungen aussprechen, deren Innehaltung von ber Kriminalpolizei wirksam kontrolliert werben kann. Auch werden wir den Kreis ber in Frage kommenden Personen auf diejenigen beschränken, bie den Beweis erbracht haben, baß sie nicht zu Unrecht von uns miterfaßt werben. Die polizeiliche Vorbeugungshaft und auch unsere neuen Maßnahmen treffen nur Berufsverbrecher. Darunter verstehen wir solche zu wiederholten Malen wegen einer aus Gewinnsucht begangenen Straftat mit Freiheitsstrafe vorbestraften Personen, von denen der Kriminal- polizei einwandfrei bekannt ist, baß sie ihren Lebensunterhalt ausschließlich ober zum größten Teile aus bem Erläse von Straftaten ziehen. Das g e - werbsmäßige Verbrechertum wollen wir treffen. Allerdings werben sich einzelne Verbote auch gegen Personen richten, bie gewohnheitsmäßig Sittlichkeitsdelikte begangen haben. Doch auch bei ihnen schaffen wir Sicherheitsgarantien gegen Fehlgriffe.
Vor allen Dingen aber werben bie Verbote unb Verpflichtungen so gestaltet sein, baß sie zwar eine zukünftige verbrecherische Betätigung ber Betroffenen möglichst verhinbern, andererseits aber ben Weg zu ehrlicher Arbeit nicht versperren und bestehenbe Arbeitsverhältnisse nicht nachteilig beeinflussen. Ich glaube sogar, baß die vollkommen neuartige Maßnahme der Verpflichtungen und Verbote so manchen vor ber Dorbeugungs- haft ober ber gerichtlichen Sicherungsverwahrung behüten wirb, wenn er die ihm auferlegten Verpflichtungen gewissenhaft zu befolgen gewillt ist. Das würde auch bas zweite große Ziel förbern, das ich mit allen neuen kriminalpolizeilichen Maßnahmen erstrebe: Die Herabfetzung der Kosten der Derbrecherbekämpfung im Interesse des steuerzahlenden Volksgenossen. Der Gedanke, auch auf diese Weise das Verhütungsprinzip an Stelle des früher ausschließlich betonten Verfolgungsgcbankens in ben Vordergrund der kriminalpolizeilichen Tätigkeit zu stellen, scheint mir so gesund, daß ich seine spätere Einführung in ganz Deutschland erhoffe.
Oie Verbrauchergenossenschaften im neuen Staat.
Nürnberg, 19. Febr. (DNB.) In einer Kundgebung der Nürnberger Verbrauchergenossenschaften sprach der Leiter der Werbeabteilung des Reichsbundes deutscher Verbrauchergenossenschaften und Der- bindungsmann zur NSBO. und zur Wirtschaftsabteilung ber Deutschen Arbeitsfront Pg. Rel-
chart (Hamburg). Der Nationalsozialismus sei auf bie Gebankengänge zurückgegangen, aus denen vor 60 und 70 Jahren bie Verbrauchergenossenschaften gegründet wurden. Die Genossenschaften müßten nichts anderes fein, als ein Instrument gegen die ausbeuterischen Bestrebungen des Kapitalismus und jeglicher Reaktion. Sie müßten Regulatoren sein unb Kontrollorgane für die Qualität der Waren und für ihre Preisgestaltung. Die Verbrauchergenossenschaften seien keine unlauteren Konkurrenten gegenüber Handwerk und Gewerbe, sondern unterstützten diese sogar durch weitaehende Aufträge. Das Geld in ben Verbrauchergenossenschaften könne hier im Lande arbeiten für bie Arbeitsbeschaffung unb für die Umwandlung der liberalistischen Wirtschaft in eine nationalsozialistische.
Kleine politische Nachrichten.
Am Staatsakt des Heldengedenktages in der Staatsoper Unter den Linden wird voraussichtlich der Herr Reichspräsident Generalfelbmar- schall von Hinbenburg teilnehmen.
*
Reichspräsident von Hindenburg empfing eine Vertretung ber Landeshauptstadt Dresden zur Ucberreichung des künstlerisch aus- aeftatteten Ehrenbürgerb riefe s. Ferner eine Abordnung des Sächsischen Gemeindetages, aus deren Händen er bie kunstvolle Ehrenbürgerurkunbe entgegennahm, welche bie im Sächsischen Gemeinde- tag zusammengeschlossenen 1800 Gemeinden, beren Ehrenbürger ber Herr Reichspräsident ist, gemeinsam ausgestellt haben.
Der Beauftragte des Führers zur Ueberwachung ber Schulung unb Erziehung ber gesamten nationalsozialistischen Bewegung, Reichsleiter Alfred Rosenoerg, spricht in Gegenwart des Führers am 2 2. Februar, 20 Uhr, vor geladenen Gästen im Sitzungssaal des Reichstages in ber Krolloper. Das Thema lautet: „Der Kampf um bie Weltanschauung". Der Vortrag wirb vorn Deutschlandsender übertragen unb bann weitergeleitet nach Süb- und Nordamerika, Aftika und Asien.
♦
Zwischen dem Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, und dem Reichsbauernführer R. Walther D a r r ä ist folgende Vereinbarung getroffen worden: 1. Die Mitglieder des bisherigen Deutschen Landarbeiterverbandes sowie des bisherigen Verbandes der land- und forstwirtschaftlichen Angestellten sind mit allen ihren Rechten und Pflichten Mitglieder des Reichsnährstandes. 2. Der Reichsnährstand ist körperschaftliches Mitglied der Deutschen Arbeitsfront.
Eine dritte Verordnung über den vorläufigen Aufbau des Reichsnährstandes umgrenzt den Kreis derjenigen Industrien, Handels- und Handwerksbetriebe, die zum Reichsnährstand gehören und regelt ihre Beziehungen in marktpolitischer und in ständischer Hinsicht gemäß den Vereinbarungen zwischen dem Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft unb bem Reichswirtschaftsminister.
Aus aller Welt.
Oer erste Spatenstich zum ersten deutschen Thingplatz.
In der Nähe von Halle wurde der erste S p a - tenstich zum ersten deutschen Thingplatz in Anwesenheit von mehr als 100 000 Mitgliedern ber Deutschen Arbeitsfront, der Belegschaften ber benachbarten Arbeitsdienstlager unb von Aborbnungen ber SA., SS. unb der Hitlerjugend getan. Der stellvertretende Propagandaleiter der NSDAP., Fischer, erklärte in einer Ansprache u. a., der erste Spatenstich stellt einen symbolsichen Akt dar, denn die schaffenden Menschen der Stirn und Faust reichten sich in der gemeinsamen Arbeit im Werden einer neuen deutschen Kunst die Hand. Der neue Thingplatz wird dem Landschaftsbild angepaßt. Am Nordhang der sogenannten Brandberge sollen in weit geschwungenem Bogen bie amphi- theatralisch anfteigenben Sitzplätze für über 5000 Zuschauer geschaffen werden. Ihnen gegenüber steigen terrassenförmig übereinanberliegenb die Dor-, Mittel- unb Hauptbühne an. Unter der Hauptbühne wird ein Ehrenmal der Arbeit in Form einer Halbkugel entstehen. Die Rückseite des Ehrenmals öffnet sich zu einem riesigen Aufmarschgelände.
Schachmeister Or. Tarrasch f.
Der deutsche Schachgroßmeister Dr. Siegbert Tarrasch ist in München im 72. Lebensjahre gestorben. Dr. Tarrasch hat dem deutschen Schach um die Jahrhundertwende in der ganzen Welt einen glanzvollen Namen gemacht. Er vertrat Deutschland in den Jahren 1890 bis 1910 in internationalen Turnieren. In einem Wettkampf um die Weltmeisterschaft im Jahre 1908 mußte er sich allerdings dem damaligen Weltmeister Dr. L a s k e r beugen. Seine Turniererfolge, insbesondere sein Sieg im Wiener Kaiserpreis-Turnier 1898, sind in Der Schachgeschichte einzigartig. Noch bedeutender als in der Turnierpraxis war Dr. Tarrasch als Lehrer des Schachspiels. Er veröffentlichte grundlegende Werke, wie „Die moderne Schachpartie", „300 Schachpartien" und zuletzt im Jahre 1925 „Das Lehrbuch". Sein Hauptverdienst ist es, die fundamentalen Lehren von S t e i n i tz weiter aus- gebaut und vertieft zu haben. — Dr. Tarrasch lebte zuletzt in München als Arzt, war aber bis zu feinem Tode schachliterarisch tätig.
Richard Zoozmann f.
Der bekannte Schriftsteller Richard Zoozmann ist im Alter von 71 Jahren auf feinem Besitz in Herrenalb im württembergischen Schwarzwald an den Folgen einer Angina g e ft o r b e n. Zoozmann wurde 1863 in Berlin geboren und erhielt bereits 1888 als kaum 25jähriger für feine Lyrik den Schillerpreis. Seinen eigentlichen literarischen Ruf aber begründete er als Dante-Uebersetzer. Daneben hat er sich auch als Ealderon-Uebersetzer betätigt. Seine Uebertragungen der Minnesänger-Liedersammlungen aus dem Mittelhochdeutschen sind ebenfalls sehr bekannt geworden. Zoozmanns bekannteste Erfolge sind sein Zitatenschatz der Weltliteratur (im 80. Tausend) unb die von ihm ausgebaute (von Maximilian Kern begründete) „Zehnte Muse", eine bereits in 600 000 Exemplaren aufliegende bekannte Blütenlese ernster und heiterer Gedichte der verschiedensten Autoren. •
Ausstellung ländlicher Kopftrachten in Frankfurt.
Das Kunstgewerbe-Museum in Frankfurt a. M. ist mit Vorarbeiten zu einer Ausstellung ländlicher Kopftrachten, hauptsächlich von Bauernhauben, beschäftigt. Frau Schmidt- Stawitz, die Besitzerin einer der größten Pri- oatsammlungen auf diesem Gebiet, hat große Teile ihrer Sammlung für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Diese zum Teil seltenen Stücke werden hier zum ersten Mal öffentlich zugänglich sein. Da für den Gesamteindruck der Tracht die Kopf- tracht wesentlich bestimmend ist, wird die Ausstellung für Kenner und Liebhaber volkstümlicher Trachten von besonderem Reiz sein und auch das wechselseitige Verständnis zwischen Stadt- und Landbevölkerung vertiefen helfen.
Linbruchdiebsiahl in München.
In letzter Zeit häufen sich in München die Ein - bruchdiebstähle in Uhrmacherladengeschäfte. In einer der letzten Nächte schlugen, wie der Polizei- Pressebericht meldet, Diebe das Auslagefenster eines Uhrmacherladens in Schwabing ein und entwendeten 33 Herrenuhren, 32 Herren- und Damenarmbanduhren, 60 goldene Siegel- und Steinringe, 4 sogenannte Sklavenringe in Silber, 36 silberne Damenringe mit verschiedenfarbigen Steinen, 6 Paar Manschettenknöpfe m Silber, 20 Armbänder in Silber und Dublee im Gesamtwerte von 3000 Mark.
10 Monate Gefängnis für eine Denunziantin»
Die Mannheimer Strafkammer beschäftigte sich mit einem Fall von staatspolitischem Interesse. Durch eine geschiedene Frau und einen Jnseraten- oertreter war ein Kriminalkommissar beschuldigt worden, sich in Wort und Tat staatsfeindlich benommen zu haben. Die Frau hatte in einem Schrei
ben an die Staatsanwaltschaft ausführliche Mitteilungen über die angebliche Staatsfeindlichkeit des Beamten gemacht. Der angeklagte Jnferatenvertreter fetzte einen Stabswalter und Kriminalsekretär von den angeblichen politischen Verfehlungen des Kriminalkommissars in Kenntnis. In der Verhandlung ergab sich nun ein ganz anderes Bild. Die Zeugen sprachen sich alle sehr günstig über den von der Frau und von dem Angeklagten denunzierten Beamten aus. Der Staatsanwalt hielt die Wahrheitsbeweise der Angeklagten für völlio mißlungen. Die Frau wurde wegen falscher Anschuldigung zu einer Gefängnis st rafe von 10 Monaten verurteilt, der Angeklagte wegen falscher Anschuldigung und unbefugten Tragens des Parteiabzeichens zu 6 Monaten Gefängnis. Der Beamte ist damit in aller Form völlig rehabilitiert.
Schreckenstat eines Einsiedlers.
Die kleine, neun Kilometer von Straubing entfernte bayerische Ortschaft Perkam war Der Schauplatz eines entsetzlichen Verbrechens. An der einiae hundert Meter vom Dorf entfernt liegenden Kirche wurde plötzlich starke Rauchentwicklung bemerkt. Die sogleich alarmierte Feuerwehr versuchte, da sämtliche Türen versperrt waren, im nahen Mehner- haus, das zwei Einsiedler, Erhard Mock unb Michael Wurzer, bewohnten, die Schlüssel zur Sakristei zu erhalten. Den Feuerwehrleuten bot sich bort ein schauerlicher Anblick. Erhard Mock lag tot in feinem Bett. Sein Mitbruder Michael W u r z e r hatte ihm in bestialischer Weise mit einem Beil mehrere Hiebe auf die rechte Halsseite versetzt, so daß beinahe ber Kopf vom Rumpfe getrennt war. Bevor der Täter die Flucht ergriff, reinigte er das Beil säuberlich von allen Blutspuren unb zündete bie Sakristei an. Die ganze Einrichtung der Sakristei, darunter wertvolle Meßgewänder und Meßbücher, wurde ein Raub der Flammen. Der 55jährige Wurzer hat sich noch am gleichen Tage abends in Regensburg der Polizei gestellt. Wurzer, der mit Mock zwei Jahre eine Klause bewohnt hatte, wurde nach einer Vernehmung, in der er ben Mord zugestand, in das Regensburger Gerichtsgefängnis eingeliefert.
Knabe von einem Segelflugzeug erfaßt unb getötet
Als auf dem Segelfluggelände bei Ferndorf (Kreis Siegen) ein Segelflugzeug dicht über der Erde schwebte, liefen plötzlich trotz der Warnung des Aufsichtspostens drei Jungen in die Flugbahn des Segelfliegers hinein. Der Segelflieger versuchte, durch Hochreißen seiner Maschine den Jungen aus dem Wege zu kommen, doch war er schon zu niedrig, um ein neues Landungsmanooer ausführen zu können. Kurz vor dem Aufsetzen erfaßte die Maschine den zehnjährigen Werner Schreiber aus Ferndorf und schleuderte ihn derart heftig zu Boden, daß infolge Schädelbruchs der Tod eintrat. Seine beiden Spielgefährten konnten noch rechtzeitig beiseite springen.
Wirbelsturm unb Springflut auf Madagaskar.
Nach einer Mitteilung bes Kolonialministeriums wurde die Stadt Morondava auf Madagaskar von einem heftigen Wirbelsturm heimgesucht. Viele öffentliche und private Gebäude sind stark beschädigt worden. Gleichzeitig wurden durch eine Springflut mehrere Brücken fortgerissen und große Verheerungen in den Pflanzungen angerichtet. Insgesamt sind 88 Eingeborene ums Leben g e ■ kommen.
Wettervoraussage.
An ber Rückseite des nordöstlichen Tiefs fließt unter lebhaften Nordwestwinden ozeanische Lust nach dem Kontinent und gestaltet das Wetter unbeständig. Besonders der nördliche und nordöstliche Teil Des Reichs kommt unter Dem Einfluß Der Störungstätigkeit. aber auch unter Bezirk wirb vorüber- gehenD gestreift, so Daß bei wechselhafter Bewölkung einzelne schauerartige Niederschläge zu erwarten finö.
Aussichten für Mittwoch: Wechselhaftes Wetter, bewölkt mit vorübergehendem Aufklaren, einzelne leichte Schauer, westliche bis norDwestliche WinDe.
Aussichten für Donnerstag: Weiterhin wechselnd wolkig mit Aufheiterung, einzelne Schauer.
Lufttemperaturen am 19. Februar: mittags 3,8 GraD Celsius, abends 4,7 Grad; am 20. Februar: morgens 4,6 Grad. Maximum 5 Grad, Minimum 1,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 19. Februar: abends 1,8 Grad; am 20. Februar morgens 1,4 Grad Celsius. —
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lang«, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, oerantwortllch für Den Inhalt ber Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. 11700. Druck und Verlag: Brühl'jche Universitäts-Buch, unb Steindruckerei R. Lange, K. G., sämtlich in Gießen.


