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Ständischer Ausbau - eine Aufgabe der Politik

Don Or. Max Irauendorsrr, Leiter des Amtes für Ständischen Aufbau der NSDAP.

jeher fest in seiner Programmforderung der organi­schen Neugliederung des deutschen Volkes durch ben ständischen Aufbau. Der ständische Auf­bau wird jedem Schaffenden das Gefühl der orga­nischen Verbundenheit wiedergeben und die lieber« zeugung, als notwendiges Glied anerkannt und des­halb in seinen Lebensnotwendigkeiten geschützt zu fein, wird jedem Klassenkampf in Zukunft den Boden entziehen. Der nationalsozialistische Staat wird zum ersten Male einer geordneten Wirtschaft gegenüber­stehen und durch Stellung von Aufgaben seine Füh­rerstellung zum Ausdruck brinaen können.

Durch die organische Nengliooerung des deutschen Volkes im ständischen Aufbau wird der National-

schen Nation auch das Instrument für ihre organi­satorische Einheit gewonnen haben. Die Ueberlegung aber, daß durch den ständischen Aufbau jeder Klas­senkamps überwunden und eine Zerspaltung unseres Volkes unmöglich werden muß, sowie die Tatsache, daß ein deutsches Bauerntum, eine Kaufmannsehre und eine neue Handwerkerkultur Ziele sind, denen der Nationalsozialismus zustrebt, läßt sofort klar er­kennen, daß es sich bei der Schaffung der ständischen Neuordnung um Aufgaben bandelt, die weit über den Rahmen der Wirtschaft hinausgehen. Es ist eine der wichtigsten Aufgaben der Politik, durch den ständischen Aufbau die Grenzen und Beziehungen zwischen Staat, Wirtschaft und einzelnem schaffenden Volksgenossen zu bestimmen.

Von der Deutschen Arbeitsfront zum ständischen Ausbau.

Dr. Frauendorfer über die organische Neugliederung in Danzig.

Berlin, 19. Febr. (DNB.) Aus Anlaß der Verwirklichung des ständischen Aufbaues durch die Danziger Arbeitsfront machte Dr. Frauendorfer, der Leiter des Amtes für ständischen Aufbau der NSDAP., der Presse grund­sätzliche Ausführungen über das Wesen des ständi­schen Aufbaues und schilderte im einzelnen die in Danzig bereits erfolgte oraanische Neugliederung.

Als Ziele des ständischen Aufbaues bezeichnete er die Ueberroinbung des Klassenkampfes und die Er­möglichung einer einheitli chen Wirtschafts­führung durch die Politik und den Staat. Die private Wirtschaft und vor allem die private Initiative, der Motor alles wirtschaftlichen Geschehens, sollen als Voraussetzung des Wirtschaftslebens unbedingt erhal­ten bleiben.

Das viel kleinere Wirtschaftsgebiet in D anz.i g habe für eine so gewaltige Umformung der ganzen wirtschaftlichen Verhältnisse naturgemäß viel schneller vorbereitet werden können; zum anderen seien in Danzig die noch bestehenden Wirtschaftskammern aufgelost worden, so daß man jetzt vor der Not­wendigkeit stand, etwas neues, endgülti­ge s an ihre Stelle zu setzen. Als Spitzenorgan für alle Stände wurde eine Ständekammer ein«

Es ist das Wesen einer Weltanschauung, daß sie alle Gebiete des menschlichen Lebens umfaßt, daß sie deshalb zu allen Fragen Stellung nehmen muß. Für eine Weltanschauung sind zwei Begriffe un­denkbar, die den Parteigebilden der vergangenen Zeit so sehr ihr Gepräge gaben: Kompromiß und Toleranz. Darum ist es notwendig, daß der Natio­nalsozialismus von der durch die Revolution er­kämpften Möglichkeit, seine Werte anstelle der bis­herigen zu setzen, mit eiserner Folgerichtigkeit stets und überall Gebrauch macht.

Es war das große Ziel der Bewegung, eine Pe­riode des Niedergangs zu beenden und an ihre Stelle eine Zeit der Erneuerung der Nation treten zu lassen. Dazu war es notwendig, die Schäden und Mißstände, die das vergangene System gezeitigt hatte, zu beseitigen. Die Aufgabe des Nationalsozia­lismus bestand darin, aus Interessentengruppen und Klassenkampf-Organisationen wieder ein deut- schesVolkzu schaffen. Die Voraussetzung für die Lösung dieser Ausgabe war das Erkennen der gei­stigen Grundlage jener Mächte der Zerstörung und ihre Ueberroinbung burch bie Grundsätze ber neuen Weltanschauung. Es galt, ben Jbeen von 1789 bie Gedanken bes Nationalsozialismus entgegenzustellen und anstelle von Demokratie und egoistischem Indi­vidualismus den Grundsatz der Leistung, des Füh- rertums und die Forderung: Gemeinnutz vor Eigen­nutz entgegenzusetzen.

Es ist klar, daß die Bekämpfung jener liberalisti- schen Schäden da einsetzen muß, wo diese entstanden waren. Und hier gilt es zu erkennen, daß nicht nur der Apparat des Staates ober bie Wirtschaft als solche von liberalistisch-marxistischem Geist erfüllt waren, sondern daß das beutsche Volk biesen Gedanken zum Opfer gefallen war. Im Volke selbst muß also ber Kampf gegen Liberalismus und Mar­xismus geistig unb organisatorisch geführt werden.

Die Verwirklichung der nationalsozialistischen Weltanschauung verlangt die Schaffung eines neuen Verhältnis s es von Staat, Wirtschaft und einzelnem schaffenden Volksgenossen. Der Weg zu diesem neuen Verhältnis stand für den Nationalsozialismus von

gefetzt, in der die Führer der einzelnen Kammern vertreten sind. Die Berufskammer gliedert sich wieder in die Fachgruppen, in denen Unter­nehmer, Arbeiter und Angestellte zusammengefaßt sind. Die Führer der einzelnen Kammern werden allein nach dem nationalsozialistischen Leistungs­prinzip bestimmt. Der fähigste Mann aus der Wirtschaftsgruppe, fei er nun Unternehmer oder ______ ... ,______|_7__________... ___________ Arbeiter, soll die Führung und damit auch die sozialismus zu der weltanschaulichen Einheit der deut- Verantwortung übernehmen.

Das VerWungsprinzip im Kamps gegen das Verussverbrechertum.

Vorbeugungshast und Aufenthaltsbeschränkung. programmatische Aeußerungen des preußischen Staatsrats Daluege.

Ministerialdirektor Staatsrat Daluege äußerte sich über neue Wege zur Bekämpfung der Krimi­nalität. Er erklärte u. a.:

Die Berichte ber Lanbeskriminalpolizeiftelle über bie Wirkungen ber Dorbeuaunashaft stimmen alle darin überein, daß sich diese Maß­nahme außerordentlich bewährt hat. Die Inhaftnahme einer erheblichen Zahl Berufsver­brecher hat sich in zahlreichen Bezirken bereits in einem erheblichen Rückgang ber schwe­ren Verbrechen ausgewirkt, bie vorzugsweise von Berufsverbrechern begangen werben. Unsere Maßnahme hat unverkennbar gerabe auch I u - genbliche von ber Begehung von Straftaten ab­gehalten. Mehrere Lanbeskriminalpolizeistellen mel­den mir, daß sich frühere Berufsverbrecher zum ersten Male seit langen Jahren um Arbeit und Beschäftigung bemüht hätten und mit Erfolg bemüht hätten, um dadurch ber Vor- beugungshaft zu entgehen. Auch ben umherziehen- ben kriminellen Elementen scheint ber Schreck in bie ©lieber gefahren zu fein. Die Polizei Flens­burg melbet, baß bort zwei Herbergen, bieHer­berge zur Heimat" unb eine Privatherberge a e - schlossen werben konnten, weil fein Schürf nie mehr für sie vorläge. Außerbem sei im Flensbur­ger Obdachlosenasyl die Zahl der Insassen gegen­über 334 Personen im Monat November 1932 auf 38 im Monat Dezember 1933 zurückgegangen. Bo­chum unb Berlin berichten über einen erstaunlich großen Mitteilungsbrang aus Derbrecherkreisen unb eine auffallende Bereitwilligkeit zur Mitarbeit bei ber Aufbeckung strafbarer Hanblungen. Daß bie Furcht vor ber polizeilichen Vorbeugungshaft jetzt bas Solidaritätsgefühl bes Verbrechertums burch- brochen hat, erleichtert unserer Kriminalpolizei ihre schwere Arbeit unb führt zur Aufklärung mancher Straftaten, bie früher unentbecft geblieben wären.

Die Einführung ber Vorbeugungshaft für bie Be­rufsverbrecher war nur unser erster Schritt. Wir verfolgen unser Ziel, bie Kriminalität baburch her- abzubrücken, baß wir bas Verbrechertum gewisser­maßen mechanisch verhinbern, Straftaten zu be­gehen, konsequent weiter. Heute tun wir einen neuen Schritt. Wir werben für ganz Preußen eine umfas. fenbe Kontrolle unb Ueberwachung sämt­licher Personen burchführen, bie sich früher als Berufsverbrecher betätigt haben unb im Derbacht 'sehen, noch nicht bekehrt zu fein. Die Lan­beskriminalpolizeistellen sollen ermächtigt werben, allen Leuten, bie nach bem wohlbegrünbeten Urteil ber Kriminalpolizei unb nach ihrem Dorstrafenregi­ster als Berufsverbrecher anzusehen finb, bestimmte Verpflichtungen aufzuerlegen. Es darf ihnen bei« fpielsweise verboten werben, ihren Wohnort ohne polizeiliche Genehmigung zu verlassen. Dieses Ver­bot wirb bie verbrecherische Tätigkeit reifenber Em- brecher, Falschgelbvertreiber, Hotelratten, Hochstap­ler, Wechselfallenschwindler unb ähnlicher Derbre- cherspezialitäten stark behindern. .. .

Ein weiters Verbot soll bie nächtliche Tätig­keit von Einbrechern, namentlich von Ge­schäftseinbrechern unb Fassadenkletterern tunlichst verhinbern. Berufsverbrechern biefer Geschäftszweige wirb bas Verbot auferlegt, sich zur Nachtzeit außer­halb der polizeilich gemeldeten Wohnung aufzuhalten. Auch bie Führung unb Benutzung von Privatkraft- roagen unb Motorräbern werben wir einem be­stimmten Personenkreis verbieten. Diese Fahrzeuge werben erfahrungsgemäß zu Diebesfahrten ober

beim Falschgelbvertrieb häufig benutzt. Anbere Mit- glieber ber Verbrecherwelt haben sich Kraftwagen zu bem Zweck angeschafft, sich einer heimlichen poli- zeilichen Beobachtung zu entziehen. W i I b e n Buchmachern, Bauernfängern unb Neppern werben wir bas Betreten ber Rennbah­nen unb Wettannahmestellen verbieten, Hehlern ben Aufenthalt an Oertlichkeiten, an benen Hehler und wilde Händler zum Ankauf gestohlenen Gutes zusammenzukommen pflegen. Leuten, die als ge­wohnheitsmäßige Iugendverführer bekannt geworden sind, wird nach Verbüßung der Strafe das Betreten öffentlicher Parks oder Haine, insbe­sondere solcher mit Kinderspielplätzen, untersagt werden.

Wir werden nur solche Verbote und Verpflichtun­gen aussprechen, deren Innehaltung von ber Kri­minalpolizei wirksam kontrolliert werben kann. Auch werden wir den Kreis ber in Frage kommenden Personen auf diejenigen beschränken, bie den Beweis erbracht haben, baß sie nicht zu Unrecht von uns miterfaßt werben. Die polizeiliche Vorbeugungshaft und auch unsere neuen Maßnahmen treffen nur Berufsverbrecher. Darunter verstehen wir solche zu wiederholten Malen wegen einer aus Ge­winnsucht begangenen Straftat mit Freiheitsstrafe vorbestraften Personen, von denen der Kriminal- polizei einwandfrei bekannt ist, baß sie ihren Le­bensunterhalt ausschließlich ober zum größten Teile aus bem Erläse von Straftaten ziehen. Das g e - werbsmäßige Verbrechertum wollen wir treffen. Allerdings werben sich einzelne Verbote auch gegen Personen richten, bie gewohnheitsmäßig Sittlichkeitsdelikte begangen haben. Doch auch bei ihnen schaffen wir Sicherheitsgarantien gegen Fehl­griffe.

Vor allen Dingen aber werben bie Verbote unb Verpflichtungen so gestaltet sein, baß sie zwar eine zukünftige verbrecherische Betätigung ber Betroffe­nen möglichst verhinbern, andererseits aber ben Weg zu ehrlicher Arbeit nicht ver­sperren und bestehenbe Arbeitsverhältnisse nicht nachteilig beeinflussen. Ich glaube sogar, baß die vollkommen neuartige Maßnahme der Verpflichtun­gen und Verbote so manchen vor ber Dorbeugungs- haft ober ber gerichtlichen Sicherungsverwahrung behüten wirb, wenn er die ihm auferlegten Ver­pflichtungen gewissenhaft zu befolgen gewillt ist. Das würde auch bas zweite große Ziel förbern, das ich mit allen neuen kriminalpolizeilichen Maßnah­men erstrebe: Die Herabfetzung der Kosten der Derbrecherbekämpfung im Interesse des steuerzahlenden Volksgenossen. Der Gedanke, auch auf diese Weise das Verhütungsprin­zip an Stelle des früher ausschließlich betonten Verfolgungsgcbankens in ben Vordergrund der kri­minalpolizeilichen Tätigkeit zu stellen, scheint mir so gesund, daß ich seine spätere Einführung in ganz Deutschland erhoffe.

Oie Verbrauchergenossenschaften im neuen Staat.

Nürnberg, 19. Febr. (DNB.) In einer Kund­gebung der Nürnberger Verbrauchergenossenschaften sprach der Leiter der Werbeabteilung des Reichsbun­des deutscher Verbrauchergenossenschaften und Der- bindungsmann zur NSBO. und zur Wirtschafts­abteilung ber Deutschen Arbeitsfront Pg. Rel-

chart (Hamburg). Der Nationalsozialismus sei auf bie Gebankengänge zurückgegangen, aus denen vor 60 und 70 Jahren bie Verbrauchergenossenschaften gegründet wurden. Die Genossenschaften müßten nichts anderes fein, als ein Instrument gegen die ausbeuterischen Bestrebungen des Kapitalismus und jeglicher Reaktion. Sie müßten Regulatoren sein unb Kontrollorgane für die Qualität der Waren und für ihre Preisgestaltung. Die Verbrauchergenossenschaf­ten seien keine unlauteren Konkurrenten gegenüber Handwerk und Gewerbe, sondern unterstützten diese sogar durch weitaehende Aufträge. Das Geld in ben Verbrauchergenossenschaften könne hier im Lande arbeiten für bie Arbeitsbeschaffung unb für die Um­wandlung der liberalistischen Wirtschaft in eine na­tionalsozialistische.

Kleine politische Nachrichten.

Am Staatsakt des Heldengedenktages in der Staatsoper Unter den Linden wird voraussicht­lich der Herr Reichspräsident Generalfelbmar- schall von Hinbenburg teilnehmen.

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Reichspräsident von Hindenburg empfing eine Vertretung ber Landeshauptstadt Dresden zur Ucberreichung des künstlerisch aus- aeftatteten Ehrenbürgerb riefe s. Ferner eine Abordnung des Sächsischen Gemeindetages, aus deren Händen er bie kunstvolle Ehrenbürgerurkunbe entgegennahm, welche bie im Sächsischen Gemeinde- tag zusammengeschlossenen 1800 Gemeinden, beren Ehrenbürger ber Herr Reichspräsident ist, gemein­sam ausgestellt haben.

Der Beauftragte des Führers zur Ueberwachung ber Schulung unb Erziehung ber gesamten natio­nalsozialistischen Bewegung, Reichsleiter Alfred Rosenoerg, spricht in Gegenwart des Führers am 2 2. Februar, 20 Uhr, vor geladenen Gästen im Sitzungssaal des Reichstages in ber Krolloper. Das Thema lautet:Der Kampf um bie Weltanschauung". Der Vortrag wirb vorn Deutschlandsender übertragen unb bann weitergeleitet nach Süb- und Nordamerika, Aftika und Asien.

Zwischen dem Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, und dem Reichsbauernführer R. Wal­ther D a r r ä ist folgende Vereinbarung getroffen worden: 1. Die Mitglieder des bisherigen Deut­schen Landarbeiterverbandes sowie des bisherigen Verbandes der land- und forst­wirtschaftlichen Angestellten sind mit allen ihren Rechten und Pflichten Mitglieder des Reichsnährstandes. 2. Der Reichsnährstand ist kör­perschaftliches Mitglied der Deutschen Arbeitsfront.

Eine dritte Verordnung über den vorläufigen Aufbau des Reichsnährstandes um­grenzt den Kreis derjenigen Industrien, Han­dels- und Handwerksbetriebe, die zum Reichsnährstand gehören und regelt ihre Beziehun­gen in marktpolitischer und in ständischer Hinsicht gemäß den Vereinbarungen zwischen dem Reichs­minister für Ernährung und Landwirtschaft unb bem Reichswirtschaftsminister.

Aus aller Welt.

Oer erste Spatenstich zum ersten deutschen Thingplatz.

In der Nähe von Halle wurde der erste S p a - tenstich zum ersten deutschen Thing­platz in Anwesenheit von mehr als 100 000 Mit­gliedern ber Deutschen Arbeitsfront, der Belegschaf­ten ber benachbarten Arbeitsdienstlager unb von Aborbnungen ber SA., SS. unb der Hitlerjugend getan. Der stellvertretende Propagandaleiter der NSDAP., Fischer, erklärte in einer Ansprache u. a., der erste Spatenstich stellt einen symbolsichen Akt dar, denn die schaffenden Menschen der Stirn und Faust reichten sich in der gemeinsamen Arbeit im Werden einer neuen deutschen Kunst die Hand. Der neue Thingplatz wird dem Landschaftsbild an­gepaßt. Am Nordhang der sogenannten Brandberge sollen in weit geschwungenem Bogen bie amphi- theatralisch anfteigenben Sitzplätze für über 5000 Zuschauer geschaffen werden. Ihnen gegenüber stei­gen terrassenförmig übereinanberliegenb die Dor-, Mittel- unb Hauptbühne an. Unter der Hauptbühne wird ein Ehrenmal der Arbeit in Form einer Halb­kugel entstehen. Die Rückseite des Ehrenmals öffnet sich zu einem riesigen Aufmarschgelände.

Schachmeister Or. Tarrasch f.

Der deutsche Schachgroßmeister Dr. Siegbert Tarrasch ist in München im 72. Lebensjahre gestorben. Dr. Tarrasch hat dem deutschen Schach um die Jahrhundertwende in der ganzen Welt einen glanzvollen Namen gemacht. Er ver­trat Deutschland in den Jahren 1890 bis 1910 in internationalen Turnieren. In einem Wettkampf um die Weltmeisterschaft im Jahre 1908 mußte er sich allerdings dem damaligen Weltmeister Dr. L a s k e r beugen. Seine Turniererfolge, insbesondere sein Sieg im Wiener Kaiserpreis-Turnier 1898, sind in Der Schachgeschichte einzigartig. Noch bedeuten­der als in der Turnierpraxis war Dr. Tarrasch als Lehrer des Schachspiels. Er veröffentlichte grund­legende Werke, wieDie moderne Schachpartie", 300 Schachpartien" und zuletzt im Jahre 1925 Das Lehrbuch". Sein Hauptverdienst ist es, die fundamentalen Lehren von S t e i n i tz weiter aus- gebaut und vertieft zu haben. Dr. Tarrasch lebte zuletzt in München als Arzt, war aber bis zu feinem Tode schachliterarisch tätig.

Richard Zoozmann f.

Der bekannte Schriftsteller Richard Zoozmann ist im Alter von 71 Jahren auf feinem Besitz in Herrenalb im württembergischen Schwarzwald an den Folgen einer Angina g e ft o r b e n. Zoozmann wurde 1863 in Berlin geboren und erhielt bereits 1888 als kaum 25jähriger für feine Lyrik den Schillerpreis. Seinen eigentlichen literarischen Ruf aber begründete er als Dante-Uebersetzer. Daneben hat er sich auch als Ealderon-Uebersetzer betätigt. Seine Uebertragungen der Minnesänger-Lieder­sammlungen aus dem Mittelhochdeutschen sind eben­falls sehr bekannt geworden. Zoozmanns bekannteste Erfolge sind sein Zitatenschatz der Weltliteratur (im 80. Tausend) unb die von ihm ausgebaute (von Maximilian Kern begründete)Zehnte Muse", eine bereits in 600 000 Exemplaren aufliegende bekannte Blütenlese ernster und heiterer Gedichte der verschiedensten Autoren.

Ausstellung ländlicher Kopftrachten in Frankfurt.

Das Kunstgewerbe-Museum in Frankfurt a. M. ist mit Vorarbeiten zu einer Ausstellung ländlicher Kopftrachten, hauptsächlich von Bauernhauben, beschäftigt. Frau Schmidt- Stawitz, die Besitzerin einer der größten Pri- oatsammlungen auf diesem Gebiet, hat große Teile ihrer Sammlung für die Ausstellung zur Verfü­gung gestellt. Diese zum Teil seltenen Stücke wer­den hier zum ersten Mal öffentlich zugänglich sein. Da für den Gesamteindruck der Tracht die Kopf- tracht wesentlich bestimmend ist, wird die Ausstel­lung für Kenner und Liebhaber volkstümlicher Trachten von besonderem Reiz sein und auch das wechselseitige Verständnis zwischen Stadt- und Landbevölkerung vertiefen helfen.

Linbruchdiebsiahl in München.

In letzter Zeit häufen sich in München die Ein - bruchdiebstähle in Uhrmacherladengeschäfte. In einer der letzten Nächte schlugen, wie der Polizei- Pressebericht meldet, Diebe das Auslagefenster eines Uhrmacherladens in Schwabing ein und entwen­deten 33 Herrenuhren, 32 Herren- und Damen­armbanduhren, 60 goldene Siegel- und Steinringe, 4 sogenannte Sklavenringe in Silber, 36 silberne Damenringe mit verschiedenfarbigen Steinen, 6 Paar Manschettenknöpfe m Silber, 20 Armbänder in Silber und Dublee im Gesamtwerte von 3000 Mark.

10 Monate Gefängnis für eine Denunziantin»

Die Mannheimer Strafkammer beschäftigte sich mit einem Fall von staatspolitischem Interesse. Durch eine geschiedene Frau und einen Jnseraten- oertreter war ein Kriminalkommissar beschuldigt worden, sich in Wort und Tat staatsfeindlich be­nommen zu haben. Die Frau hatte in einem Schrei­

ben an die Staatsanwaltschaft ausführliche Mit­teilungen über die angebliche Staatsfeindlichkeit des Beamten gemacht. Der angeklagte Jnferatenvertreter fetzte einen Stabswalter und Kriminalsekretär von den angeblichen politischen Verfehlungen des Krimi­nalkommissars in Kenntnis. In der Verhandlung ergab sich nun ein ganz anderes Bild. Die Zeugen sprachen sich alle sehr günstig über den von der Frau und von dem Angeklagten denunzierten Be­amten aus. Der Staatsanwalt hielt die Wahrheits­beweise der Angeklagten für völlio mißlungen. Die Frau wurde wegen falscher Anschuldi­gung zu einer Gefängnis st rafe von 10 Monaten verurteilt, der Angeklagte wegen fal­scher Anschuldigung und unbefugten Tragens des Parteiabzeichens zu 6 Monaten Gefängnis. Der Beamte ist damit in aller Form völlig rehabilitiert.

Schreckenstat eines Einsiedlers.

Die kleine, neun Kilometer von Straubing ent­fernte bayerische Ortschaft Perkam war Der Schau­platz eines entsetzlichen Verbrechens. An der einiae hundert Meter vom Dorf entfernt liegenden Kirche wurde plötzlich starke Rauchentwicklung bemerkt. Die sogleich alarmierte Feuerwehr versuchte, da sämtliche Türen versperrt waren, im nahen Mehner- haus, das zwei Einsiedler, Erhard Mock unb Michael Wurzer, bewohnten, die Schlüssel zur Sakristei zu erhalten. Den Feuerwehrleuten bot sich bort ein schauerlicher Anblick. Erhard Mock lag tot in feinem Bett. Sein Mitbruder Michael W u r z e r hatte ihm in bestialischer Weise mit einem Beil mehrere Hiebe auf die rechte Halsseite versetzt, so daß beinahe ber Kopf vom Rumpfe ge­trennt war. Bevor der Täter die Flucht ergriff, reinigte er das Beil säuberlich von allen Blutspuren unb zündete bie Sakristei an. Die ganze Einrichtung der Sakristei, darunter wertvolle Meß­gewänder und Meßbücher, wurde ein Raub der Flammen. Der 55jährige Wurzer hat sich noch am gleichen Tage abends in Regensburg der Polizei gestellt. Wurzer, der mit Mock zwei Jahre eine Klause bewohnt hatte, wurde nach einer Verneh­mung, in der er ben Mord zugestand, in das Regensburger Gerichtsgefängnis eingeliefert.

Knabe von einem Segelflugzeug erfaßt unb getötet

Als auf dem Segelfluggelände bei Ferndorf (Kreis Siegen) ein Segelflugzeug dicht über der Erde schwebte, liefen plötzlich trotz der Warnung des Aufsichtspostens drei Jungen in die Flugbahn des Segelfliegers hinein. Der Segelflieger versuchte, durch Hochreißen seiner Maschine den Jungen aus dem Wege zu kommen, doch war er schon zu nied­rig, um ein neues Landungsmanooer ausführen zu können. Kurz vor dem Aufsetzen erfaßte die Maschine den zehnjährigen Werner Schreiber aus Ferndorf und schleuderte ihn derart heftig zu Boden, daß infolge Schädelbruchs der Tod eintrat. Seine beiden Spielgefährten konnten noch rechtzeitig beiseite springen.

Wirbelsturm unb Springflut auf Madagaskar.

Nach einer Mitteilung bes Kolonialministeriums wurde die Stadt Morondava auf Madagaskar von einem heftigen Wirbelsturm heimgesucht. Viele öffentliche und private Gebäude sind stark beschädigt worden. Gleichzeitig wurden durch eine Spring­flut mehrere Brücken fortgerissen und große Ver­heerungen in den Pflanzungen angerichtet. Ins­gesamt sind 88 Eingeborene ums Leben g e kommen.

Wettervoraussage.

An ber Rückseite des nordöstlichen Tiefs fließt unter lebhaften Nordwestwinden ozeanische Lust nach dem Kontinent und gestaltet das Wetter unbe­ständig. Besonders der nördliche und nordöstliche Teil Des Reichs kommt unter Dem Einfluß Der Stö­rungstätigkeit. aber auch unter Bezirk wirb vorüber- gehenD gestreift, so Daß bei wechselhafter Bewölkung einzelne schauerartige Niederschläge zu erwarten finö.

Aussichten für Mittwoch: Wechselhaftes Wetter, bewölkt mit vorübergehendem Aufklaren, einzelne leichte Schauer, westliche bis norDwestliche WinDe.

Aussichten für Donnerstag: Weiterhin wechselnd wolkig mit Aufheiterung, einzelne Schauer.

Lufttemperaturen am 19. Februar: mittags 3,8 GraD Celsius, abends 4,7 Grad; am 20. Februar: morgens 4,6 Grad. Maximum 5 Grad, Minimum 1,5 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 19. Februar: abends 1,8 Grad; am 20. Februar morgens 1,4 Grad Celsius.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lang«, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, oerantwortllch für Den Inhalt ber Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. 11700. Druck und Verlag: Brühl'jche Universitäts-Buch, unb Steindruckerei R. Lange, K. G., sämtlich in Gießen.