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Vordergründe unseres Interesses die Arbeiten für den inneren Aufbau stehen.

Man muh endlich auch der Tatsache Rechnung tragen, dah das Sicherheitsbedürfnis des deut­schen Volkes nicht mit anderen Mäh­st üben gemessen werden darf, als das an­derer groher Völker. Der LOkalanzeiger stellt fest, dah nunmehr die Entscheidung wieder vollständig an die Gegenseite übergegangen sei. Die entscheidende Frage, von der alles weitere abhänge, sei die V e w ä h r u n g s f r i st vor der Durchführung der Gleichberechtigung, die für uns selbstverständlich nicht nur praktisch, sondern a u ch m o r a l i s ch u n a n n e h m - bar sei.

Großes Znteresie in London.

Simon kehrt aus Genf zurück.

London, 20. Ian. (DNB.-Funkspruch.) Der englische Außenminister ist aus Genf nach London abgereist, es verlautet, Simons Abreise sei teilweise durch die Benachrichtigung beeinflußt worden, daß die deutsche Antwort auf das französische Aide memoire überreicht worden ist. Simon wünsche in London zu sein, um sich mit den ande­ren Kabinettsmitgliedern über den Text der deutschen Antwort zu beraten.

Die Überreichung der deutschen Antwortnote wird von der englischen Presse in großer Auf­machung gemeldet. Die Blätter berichten überein­stimmend, daß die Note in höflichem Ton gehalten sei und heben insbesondere hervor, daß sie den Wunsch nach einer deutsch-französischen Besprechung zum Ausdruck bringe. Der Berliner Berichterstat­ter derTimes" sagt: Man könne annehmen, daß Deutschland seine hauptsächliche Forderung, den sofortigen Besitz von Defensivwaffen, au^rechterhalte. Der Weg für weitere Verhandlun­gen bleibe offen, aber, so betont der Korrespondent nochmals, Deutschland verlange die praktische Anerkennung seines Rechts auf R ü - stungsgleichheit jetzt und in späteren Jahren.

Selbsthilfe in Oesterreich.

Beim Abtransport ins Konzentrations­lager befreit.

Wien, 19. Jan. (DNB.) In K r i e g l a ch (Steiermark) kam es bei der Ueberführung eines Nationalsozialisten in das Konzentrationslager Wölkersdorf zu einer großen nationalsozialistischen Kundgebung. 400 Personen suchten d i e Zu­gänge zum Bahnhof zu sperren. Einige legten sich auf die Schienen, um den Abgang des Zuges zu verhindern. Die Gendarmerie, die der Menge nicht gewachsen war, sah sich daher zur Freilassung des Verhafteten ge­zwungen. Nachdem jedoch Verstärkung einge­troffen war, ging die Gendarmerie mit Bgjonetten vor, wobei 2 Personen schwer verletzt wurden, eine durch fünf Stiche in die Bauchgegend, eine andere durch einen Stich in die Genickgegend. Trotz de- neuerlichen Eingreifens der Gendarmerie konnte der Abtransport verhindert werden. Der Häft­ling wurde im Triumph auf die Straße zurück­gebracht.

Unglaubliche Zustände auf den französischen Eisenbahnen.

Scharfe Kritik in der Kammer.

Paris, 19. Jan. (DNB.) Die französische Kam­mer hat den Staoisky-Skandal noch nicht erschöpft und beschäftigt sich inzwischen mit einer anderen Skandal-Angelegenheit. Das schwere Eisen­bahnunglück bei Lagny war durch den Stavisky-Krach in den Hintergrund gedrängt. Nichtsdestoweniger kam es auch bei der Katastrophe von Lagny zu einem Skandal, der um so bedauer­licher ist, als es sich nicht bloß um Geld, sondern um mehr als 2 0 0 Menschenleben handelt, die durch unverantwortliche Leichtfer­tigkeit zugrunde gingen. Jules Mach, der als Fachmann für Eifenoahnfragen gilt, kritisierte das Signalsystem, die Organisation und das Material. Auf dem Streckennetz der Ostbahn hätten sich i n einem Jahre 2 7 0 Unfälle ereignet, von denen jeder einzelne eine Katastrophe hätte heraus­beschwören können. Er erinnerte an eine ganze Reihe von einwandfrei festgestellten Nachlässigkei­ten, für die nicht der Lokomotivführer, sondern die leitenden Beamten verantwortlich zu machen seien. Man habe aus Ersparnisgründen so viele Arbeiter und Ange st eilte ent- l a sse n, daß ein ordnungsmäßiger Betrieb über­haupt nicht mehr möglich gewesen sei. Aus einem Bericht der Chefingenieure der französischen Staatsbahnen gehe hervor, * daß die Mountain- Lokomotiven, die neuerdings auch bei der Ostbahn verwendet werden, ungeeignet seien. Die letz- ten Eisenbahnunglücke hätten dies zur Genüge be­wiesen. Außerdem müßten die Holzwaaen durch Stahlwagen ersetzt werden. Zum Schluß wies der Aba. Mach auf die vollkommen nuzureichende Organisation der er» sten Hilfe bei dem Unglück von Lagny hin. Der erste Rettungszug sei erst 2 Stunden 20 Mi­nuten nach dem Unglück eingetroffen. Moch forderte die Verstaatlichung'der Eisen­bahnen mit der Begründung, daß sich der augen­blickliche Uebelstand nicht nur auf eine einzige Eisenbahn, sondern aus das ganze Eisenbahnsystem erstrecke.

Eine schweizerische Faschistengruppe in Mailand.

Bern, 19. Jan. (DNB.) In Mailand fand die Gründung der ersten schweizerischen Faschisten­gruppe im Ausland statt. Die Versammlung wurde geleitet vom Präsidenten der Schweizerischen Han- delskammer in Italien Otto Bühler. Einer der Referenten erklärte u. a., daß die f a s ch i st i s ch e Aktion in der Schweiz nach einem ein­heitlichen Programm für die ganze Schweiz arbeite. Die Schweiz dürfe nicht eine Beute der Freimaurerei und des Marxismus wer­den. Der Vorsitzende Otto Bühler wurde zum O b e r ch e f des schweizerischen Faschismus für Oberitalien ernannt. Weitere Gruppen sollen i n Rom und Florenz gegründet werden. Heber die Gründung erstattete im Bundesrat der Vorsteher des Eidgenössischen politischen Deports- ments, Bundesrat Motta, eingehend Bericht. Nach einer längeren Debatte stimmte der Bundes- rat einmütig der bekannten Auffassung des politi­schen Departements zu, wonach die Bildung poli­tischer Gruppen von Schweizern im Auslande als u n st a t t h a f t erachtet wird.

Roch keine Einigung über die Saarabstimmung.

England und Italien widersehen sich im Völkerbundsrat den Wünschen Paul-Boncours und der Regierungskommission.

Genf, 19.Ian. (DRV.) Der Völkerbunds­rat hat Freitag abend über eine Stunde in ge- Heimer Sitzung über die Saarfrage verhandelt. Dabei fand ein eingehender Mei­nungsaustausch über das ganze Problem statt. Der Präsident der Saarkommission, Knox, soll die Lage im Saargebiet als außerordentlich ungün­stig und bedenklich geschildert haben. Da der Präsident der Regierungskommission bekanntlich in allen Fragen einseitig Partei ergriffen hat, können diese Auskünfte in keiner Weise eine geeignete Grundlage für die Entschlüsse des Rates bilden. So haben sich denn auch im verlaufe der Sitzung starke Gegensätze gezeigt. Es ist nicht gelun­gen, zu einem abschließenden Ergebnis zu kommen. Grundsätzlich wurde allerdings beschlossen, dem Berichterstatter Aloisi (Italien) noch vier weitere Ratsmitglieder zuzutei­len, um so einen Fünferausschuß zu bil­den, der die vorbereitenden Maßnahmen für die Volksabstimmung treffen und dem Rat für feine Mai-Tagung entsprechende Vorschläge unterbreiten soll. Die Namen der vier beigeordneten Ausschußmitglieder stehen noch nicht endgültig fest. Der Berichterstatter wurde beauf­tragt, die Verhandlungen über diese Frage bis zu der für Samstag nachmittag vorgesehenen Rats­sitzung zum Abschluß zu bringen. Auch der Bericht selbst ist am Freitagabend nicht fertigoeskellt wor­den, ein Beweis dafür, daß sich starke Widerstände gegen den schon vorliegenden Verichtsenkwurf ge­zeigt haben. Auch hierüber sollen vor der Rats­tagung am Samstag abschließende Entscheidungen gefällt werden.

Nach englischen Blättern sind die erheblichen Mei­nungsverschiedenheiten darüber entstanden, ob die Abstimmung im nächsten Jahre oder zu einem späteren Zeitpunkt vorgenommen werden soll. Paul-Voncour schlug vor, der Völkerbundsrat solle eine Erklärung entwerfen, daß er für eine gerechte und faire Behandlung der Saarbevölkerung und für die Garantierung eines völligen Schuhes bei der Aus­übung ihres Wahlrechtes sorgen wolle, sowie dafür, dah die Saarbevölkerung nichtver­lassen" werde. Paul-Voncour schlug ferner vor, daß der Fünferausschuß Anweisungen erhalten solle, die ihm die Aebernahme seiner Pflichten in voller Kenntnis der Wünsche des Völkerbundsrates ermög­lichen würden. Paul-Voncour soll ferner den Wunsch gehabt haben, nach einer Veröffentlichung der nationalsozialistischen Bemühungen die Saarbe­völkerung für eine Stimmabgabe für Deutschland zu veranlassen. Aber weder der englische noch der italienische Vertreter seien für ein solches Verfahren gewesen. Simon und Aloisi hätten ihrerseits die Abhaltung einer

öffentlichen Sitzung vorgeschlagen, in der die Frage einfach einem Ausschuß überwiesen würde. Einer der Gründe für diese Stellungnahme sei die gegenwärtige Abrüstungslage, man sei der Ansicht, daß jede weitere Veröffentlichung über die organisierte nationalsozialistische Propaganda" nur zu einer Erschwerung der gegenwärtigen Gegensätze zwischen Deutschland und Frankreich führen würde.

Sir John Simon wünsche, daß man über die Genfer Polemik zwischen der Saarländischen Abord­nung und Matz Braun und Genossen den Schleier des Stillschweigens werfe. Paul-Voncour dagegen stehe auf dem Standpunkt, daß man der De­batte nicht ausweichen dürfe. Er wolle den Präsidenten der Regierungskommission in die Lage versehen, den Saarländern zu beweisen, daß der Völkerbund die Achtung ihres Selbstbestimmungs­rechtes zu gewährleisten beabsichtige. Der Präsident der Regierungskommifsion habe in der nichtöffent­lichen Sitzung erklärt, die Polizei st reit- kräfte, über die er im Saargeblet verfüge, feien schon jetzt unzureichend. England und Ita­lien hätten sich der Schaffung einer internationalen Polizei fehr abgeneigt gezeigt und noch mehr der Entfendung franzöfifcher Truppen. Am Samstag soll der Text einer öffent­lichen Erklärung ausgearbeitet werden. Paul-Von­cour habe sich die Möglichkeit vorbehalten, in die De­batte einzugreifen, wenn ihn dieser Text nicht voll­ständig befriedige. Man werde übrigens alles tun, um eine Intervention Paul-Voncours zu vermeiden, weil man Deutschland nicht das Vergnügen der Fest­stellung bereiten wollte, dah sein Weggang von Genf ni ch t genügt habe, um wieder die volle Eintracht herzuslellen.

DasSaargebietisidlAtschesLand

Erne ehrliche französische Stimme.

Paris, 19.Jan. (DNB.) Die bereits im zweiten Jahr erscheinende MonatsschriftLe Franciste, das offizielle Organ einer jung französischen Bewegung, die faschistischen Tendenzen zuneigt, das parlamentarische Regime beseitigen will und eine loyale Verständigung mit dem neuen Deutschland erstrebt, schreibt zum Saarproblem: Für uns ist das Saargebiet nach Rasse, Ku l t u r u n d lieber» li eferung deutsches Land. Es hängt am Vaterland und muß durch eine vernünftige Regelung seines endgültigen Status das Bindeglied zwischen zwei großen Ländern bilden, die besseres zu tun haben, als sich alle fünfzig Jahre zu bekriegen. 95 v. H. der Saarländer wol» l e n trotz der dickköpfigen Verblendung unseres Re­gierungspräsidenten und trotz der verwunderlichen Enquete von Leuten, die ihre Wünsche für Wirklich­keit nehmen, zum Reich zurück. Ein Elsaß- Lothringen hat genügt. Die Saar zu einer neuen Jrredenta machen zu wollen, wäre ein Verbrechen.

Ohrfeigen und Duettforderungen.

persönliche Auseinandersetzungen über den Stavisky-Skandal in der Kammer.

Paris, 19. Jan. (DNB.) In den Wandelgängen der Kammer kam es Freitag vormittag zu einem tätlichen Angriff des Abgeordneten L a g r o - silliers von der Sozialistischen Partei mit dem Abgeordneten Dssirö F e r r y , dem Direktor der nationalistischenL i b e r t 6", wegen eines Donners­tag in diesem Blatt erschienenen beleidigenden A r - tikels gegen Lagrosilliers. Lagrosilliers verab­reichte seinem Gegner eine Reihe von O h r f e i st e n. Ferry konnte nicht entsprechend antworten, wen so­fort Angestellte der Kammer die Gegner trennten. Ferry ist auch Vorsitzender der Vereinigung fran­zösischer Reserveoffiziere. Ferry hat seinem Gegner eine Duellforderung überbringen lassen.

Die im Anschluß an die Kammersitzung vom Don­nerstag erfolgten Zusammenstöße zwischen dem Interpellanten H e n r i o t und Unterrichtsminister d e Monzie bilden das Tagesgespräch von Paris. Der Abgeordnete Henriot hatte bei der Begründung seiner Interpellation u. a. behauptet, daß 1926 eine Bande von Betrügern verhaftet worden war, unter denen sich ein gewisser Comby und ein Fräulein Simon befanden, die später Frau Stavisky wurde. Fräulein Simon sei seinerzeit im Gefängnis von zwei Rechts­anwälten besucht worden, die heute auf der Regierungsbank säßen. Der Abgeordnete ließ ironisch durchblicken, daß die Betreffenden es handelt sich um Anatole d e Monzie und Paul-Boncour vielleicht nicht nur in ihrer Eigenschaft a l s Rechtsanwälte den fraglichen Besuch im Gefängnis abgestattet hätten.

Unterrichtsminister de Monzie, der mit einer schweren Grippe zu Bett lag und der Sitzung nicht beiwohnte, wurde von dieser Aeußerung des Inter­pellanten verständigt. Er machte sich eiligst trotz seiner Erkrankung zur Kammer auf, wo er in den Wandclgängen mit seinem Widersacher zusakfimen- stieß. Die Gegner sollen sich au Acutzerungen haben hinreißen lassen, deren Wiedergabe kaum möglich ist. Die Angelegenheit endete damit, das Unterrichts­minister de Monzie dem Abgeordneten Henriot eine Duell forderung zugehen ließ. Die Zeugen der beiden Gegner haben sich nicht einigen können und den früheren Minister Pi 61ry als Schieds­richter angerufen. Unterrichtsminister de Monzie besteht darauf, daß Henriot seine Beschuldigungen von der Kammertribüne aus widerrufe, an­dernfalls ein Duell unvermeidlich sei.

Außenminister Paul-Boncour, der mit de Monzie zusammen angegriffen worden ist, hat seinen Reglerungskollegen von Genf aus gebeten, eine Er­klärung zu verlesen. Paul-Boncour verwahrt sich gegen diebeleidigenden Anspielungen" Henriots. Er habe unter durchaus ehrenwerten Umständen auf Drangen ihrer Familie 1926 die Verteidigung von Frl. Simon übernommen, die die Nichte eines alten Freundes und Tochter eines auf dem Felde der Ehre gefallenen Kriegskameraden sei. Er habe aber den H a u p t u r h e b e r der Angelegenheit, ln die sie damals verwickelt wurde, nicht g e k a n nt und auch nichts von feiner späterenBerühmtheit" gewußt. Ebenso wenig habe er ihn jemals zu Ge­sicht bekommen.

Eine neue Gefahr für Ehautemps

Die Opposition erneuert die Angriffe auf das Kabinett.

Paris, 19. Jan. (DNB.) Der Abg. P b arne- gar ay hat erneut einen Antrag auf Ein­setzung ein-es Parlamentsausschusses zur Untersuchung der Stavisky-Angelegenheit einge­bracht. Ein Antrag gleichen Inhalte«' mar von der Kammer nach Stellung der Vertrauensfrage durch Ministerpräsident Ehautemps bekanntlich abgelehnt worden. Pbamegaray hat angekündigt, daß er nicht nachgeben werde. Pertinax meldet dem Daily Telelgraph", in französischen parlamentari­schen Kreisen glaube man, daß das Kabinett Chau- temps möglicherweise am kommenden Dienstag g e - stürzt werde, wenn der Abg. Ybarnegaray den Vorschlag für die Einsetzung eines parlamentarischen Untevsuchungsausschusses über den Stavisky-Skan- dal erneuere. Die Sozialiste n würden das Ka­binett wahrscheinlich nicht mehr unter stützen. Auf den Pariser großen Boulevards fanden am Freitag Kundgebungen von Studenten und anderen jungen Leuten stand, die sich in lau­ten Rufen gegen die Regierung unter Hinweis auf den Staoisky-Skandal Luft machten. Zu Zusammenstößen ist es, soweit bisher bekannt ist, nicht gekommen. Die Kundgebungen standen im Zusammenhang mit den neuen Angriffen der Oppo­sition gegen die Regierrung in der Kammer.

Die bulgarischen Angeklagten erfreuen sich bester Behandlung.

Leipzig, 19. Jan. (DNB.) Der Offizial- Verteidiger der bulgarischen Ange- kl a g t e n im Reichstagsbrandprozeß, Rechtsanwalt Dr. Teichert, veröffentlicht am Freitag folgende Erklärung:Zu allzu durchsichtigen Zwecken wird heute (Freitag) in der Auslandspresse die Nach­richt verlautbart, der im Reichstagsbrandprozeß an- geklagte Dimitroff liege im Sterben. Diese Mitteilung bildet, wie alle Meldungen über a n - gedliche schlechte Behandlung der Bul­garen Dimitroff, Popoff und Taneff, nur eine Fortsetzung der Reihe infamer Lügen, wie sie im Zusammenhang mit dem Reichstagsbrand von interessierter kommunistischer und marxistischer Seite verbreitet und im Prozeß in aller Oeffentlichkeit re ft los widerlegt worden sind. Ich stelle auf Grund meines persönlichen Augenscheines und meiner heutigen längeren Rücksprache mit den drei Bulgaren fest, daß an allen diesen Meldungen auch nicht ein wahrer Buchstabe ist, daß die drei Bulgaren in der Schutzhaft auch nach ihren eigenen Angaben ftets d i e beste Be­handlung erfahren haben, tadellos verpflegt sind, von dem Recht des Rauchens ausgiebig Ge- brauch machen und sich bester Gesundheit erfreuen, Dimitroff auch regelmäßig die Be­suche seiner nahen Angehörigen empfängt. Anders­lautende Nachrichten sind hetzerische Entstellungen der Wahrheit."

Günstige Gestaltung der hessischen Staatsfinanzen. Weitere Verminderung des Fehlbetrags. LPD. D a r m st a d t, 19. Jan. Am 1. D e z e m < ber 1933 stellten sich die Einnahmen und Aus- gaben des Landes Hessen im Rechnungsjahr 1933 nach dem November-Ausweis wie folgt: Ordent- licherHaushalt: Einnahmen aus Reichssteuern 21,374 Mill. Mk., aus Landessteuern 26,109 Mill. Mk davon Ueberweisungen an Gemeinden 10,067 Mill Mk, verbleiben 37,416 Mill. Mk., Ueberfchüsse der Betriebe 0,218 Mill. Mk., aus der Rechtspflege 1 594 Mill. Mk., aus Schulwesen, Wissenschaft, Kunst Kirche 0,162 Mill. Mk., und aus der übri­gen Landesverwaltung 8,876 Mill. Mk., zusammen 48 266 Mill. Mk. Die Gesamtausgaben be­tragen 51,789 Mill. Mk. und zwar für allgemeine Verwaltung einschließlich Polizei 7,825 Mill. Mk., Rechtspflege 4,755 Mill. Mk., Verkehrswesen 0,136 Mill. Mk., Schule, Wissenschaft, Kunst, Kirchen 15 946 Mill. Mk., soziale Maßnahmen und Gesund­heitswesen 3,337 Mill. Mk., Wohnungswesen 0,001 Mill. Mk., Schuldendienst 2,641 Mill. Mk., Ruhege- hälter 10,712 Mill. Mk. und Sonstiges 6,436 Mill. Mk. Im außerordentlichen Etat sind 0,881 Mill. Mk. Einnahmen und 1,812 Mill. Mk. Aus­gaben (darunter 1,217 Mill. Mk. für Wohnungs­wesen) verzeichnet.

Der November-Ausweis bringt wiederum em er­freuliches Ergebnis. Der darin erscheinende Fehl­betrag von 3,5 Mill. Mk. ist, wie das Staatspresseamt betont, wieder geringer ge­rn o r b e n als der der Vormonate und beträgt noch nicht einmal die Hälfte des Fehlbetrages im entsprechenden Monat der Vorjahres. Die gün­stige Voraussage, die in den Betrachtungen der Er­gebnisse der Vormonate zum Ausdruck gebracht wurde, findet damit eine erneute Bestätigung. Die Aussicht, das Rechnungsjahr 1933 ohne Fehlbe­trag zum Abschluß zu bringen, erhöht sich dadurch naturgemäß umsomehr, als der Abschluß des Rech­nungsjahres auch durch die Verlegung der Gehaltstermine eine weitere wesentliche Ent­lastung erfahren wird.

Nie ersten Urlauberzüge fürKraft durch Freude".

Tausend Berliner Arbeiter fahren nach Oberbayern.

Berlin, 19. Jan. (DNB.) Wie das Propa­gandaamt der NS.-GemeinfchaftKraft durch Freude" mitteilt, sind die Verhandlungen zwischen dem Amt für Reisen, Wandern und Urlaub und der Reichsbahn soweit gediehen, daß man sie als abgeschlossen bezeichnen kann. Die Verwaltung der Reichsbahn hat sich in entgegenkommender Weise bereit erklärt, dem Amt für Reifen, Wandern und Urlaub Sonderzüge mit einer ganz er» hedlichen Verbilligung d e s Fahrprei­ses zur Verfügung zu stellen. Die Deutsche Ar­beitsfront trägt die restlichen Kosten.

Schon im Februar werden biß ersten Ur- lauberziige fahren. Von Berlin aus fährt ein Zug mit 1000 Berliner Arbeitern nach Ober­bayern. Auf Veranlassung Dr. Leys, des Füh­rers der Deutschen Arbeitsfront und der NS.-Ge­meinschaftKraft durch Freude" wird bei der Ab­fahrt dieses ersten Zuges ein festlicher Akt stattfin­den. Die Verhandlungen mit den zuständigen Ho­tels und Kurverwaltungen sind nahezu abgeschlosi sen. Die Preise für Unterkunft und Ver­pflegung werden f o niedrig gehalten fein, wie es überhaupt möglich ist. Darüber hinaus aber besteht die Absicht, verdienten Arbeitern, die in großer wirtschaftlicher Bedrängnis leben und die selbst diese niedrigen Preise nicht aufzubringen vermögen, durch einen Zuschuß die Möglich­keit zu geben, ihren ehrlich verdienten Urlaub in den schönsten Gegenden unseres Vaterlandes zu ver­bringen.

SA- und SS-Siedlungen.

Berlin, 20. Jan. (VdZ.) Das Baureferat der Deutschen Arbeitsfront und der Verband sozialer Baubetriebe planen, den bewährten Kämpfern des Nationalsozialismus eigene Heime zu schaffen und dabei gleichzeitig diese besonders wertvollen Teile der Bevölkerung mit dem deutschen Boden noch fester zu verwurzeln. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Arbeitsfront, der NSBO. und der SA. ist bereits praktische Arbeit geleistet worden. Bei der SA.-Siedlung Frankfurt a. d. O. stehen bereits 50 Doppelhäuser kurz vor der Vollendung, und die Stadt Liegnitz hat durch Holzgestellung und Landhergabe ermöglicht, daß in ihrem Bereich 100 SA.-Männer im kommenden Frühjahr ein eige­nes Heim bekommen. Der Verband sozialer Bau­betriebe hat die nötigen Mittel zum Bau weiterer Siedlungen im ganzen Reich herbeigeschafft. Es ist Pflicht aller, denen es mit der Erfüllung einer Dankes- und Ehrenpflicht ernst ist, umgehend mit den örtlichen SA.-Stellen zwecks Aufbau weite­rer derartiger Siedlungen in Verbindung zu treten und dann in gemeinsamer Arbeit mit dem Verband sozialer Baubetriebe und dem Baureferat der Deut­schen Arbeitsfront im Frühjahr an das Aufbau­werk zu gehen. Das örtliche Handwerk soll dabei zu seinem Recht kommen.

Staatsrat Görliher spricht im Reichsbund der Beamten. Berlin, 18. Jan. (DNB.) In einer Versamm­lung des Reichsbundes der Beamten im neuen Schöneberger Rathaus erklärte der Berliner stellver­tretende Gauleiter Staatsrat G ö r l i tz e r u. a.:

Die Reaktion, wie sie sich in Freimaurerlogen und gewissen Beamtenklubs zusammenfand, glaubt, die Zeit sei gekommen, durch passiven Widerstand etwas gegen den verhaßten Nationalsozialismus zu unter­nehmen. Es gibt Amtsstuben, wo man versucht, die neuen Gesetze abzubiegen oder überhaupt nicht aus- zuführen und die Absichten Hitlers den Volksgenossen zu vermiesen. Da jeder Volksgenosse die Gesetze nach dem beurteilt, wie sie für ihn lebendig werden, kön­nen wir derartiges nicht durchgehen lassen. Wenn die Beamtenschaft sich nicht der na­tionalsozialistischen Führung unterwirft, provoziert sie ein neues Beamtengesetz, das nicht not­wendig wäre, wenn ein Teil der Beamtenschaft aus Vorsatz oder Schwerfälligkeit nicht die neuen Gesetze sabotierte.

In den gleichen Kreisen grassiert in den letzten Wochen eine ganz neue Krankheit. Man hat -es im Sportpalast für richtig befunden, einen Zuruf zu machen:Hitler hat manches geleistet, aber er soll uns unseren Kaiser Wilhelm wieder holen." Ich halte es weder für lebenswichtig für uns noch für ihn, daß der Hohe Herr nach Deutschland zu­rückkehrt. Aber es ist ebenfalls verkehrt, uns zu