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Samstag, 20. Januar 1934

Nr. 17 Erstes Vlatt

184. Jahrgang

Giehener Anzeiger

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trag im § 40 der schon erwähnten Anlage zu tifel 45 bis 50 für alle Entscheidungen des Di

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Berlin, 20. Ian. (DNB.) Die Ueberreichung der deutschen Antwort auf das vom französischen Botschafter am 1. Januar überreichte Aide memoire gibt den Berliner Blättern erneut Gelegenheit, sich mit der Lage in der Abrüstungssrage zu beschäftigen.

DerVölkische Beobachter" erklärt: Die Franzosen sind auf dem Standpunkt vom 14. L>kt. stehengeblieben, oder sie haben sich nur wenig von ihm entfernt. Sie haben uns eine entehrende Bewährungsfrist zugemutet. Verteidi­gungswaffen sind uns ebenso zugestan - den wie die Erhöhung der Heeres- stärke, darüber braucht also grundsätzlich nicht mehr gestritten zu werden. Es bleibt als strittige Kernfrage die übrig, zu welchem Zeitpunkt Deutschland seine bescheidenen Forderungen nach Sicherheit erfüllt sehen wird. Für Frankreich ist es sehr einfach, sein Heer von einer sowieso kurz die­nenden Mannschaft in eine noch kürzer dienende umzuwandeln.

Deutschland aber soll das Reichsheer, das sich aus Soldaten zusammenfeht, die zwölf Jahre lang dienen, in ein Milizheer umwän­de l n. Erft in einer zweiten Etappe sollen nach den französischen Vorschlägen dann die erforderlichen Waffen für dieses neue Milizheer beschafft werden. Man mutet uns also eine nochmalige Abrli­st u ng zu, denn es ist klar, daß durch eine der­artige Umorganisation unsere Wehrkraft noch weiter vermindert werden würde. Es ist wesentlich, daß Frankreich das deutsche Milizheer zuerst o h n e die notwendigen Waffen umorganisiert sehen will und erst zu einem noch absolut nebelhaften Zeitpunkt uns die notwendi­gen Verteidigungswaffen zugestehen will. Es ist absolut unmöglich, daß um solcher Forderungen

bundsrats in Fragen des Saargebiets Stimmen­mehrheit vorschreibt, anstatt der sonst nach Artikel 5 des Völkerbundspakts vorgesehenen Einstimmigkeit.

der Franzosen besorgen, um sich ein Asyl zu er­halten. Aber die Regierungskommission und ihre anrüchigen Helfershelfer sind ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft. Was sonst vielleicht nicht ohne Meinungs­kämpfe und Gegensätze im eigenen Lager gelungen wäre,, haben die brutalen Gewaltmethoden der Regierungskommission zuwege gebracht: wie eine Mauer steht die in derDeutschen Front" zusam­mengeschweißte Bevölkerung des Saargebiets ge­gen ihre Machthaber und brennt darauf, ihnen frei das stolze Bekenntnis zum Deutschtum entgegen- schleudern zu können.

Die gänzliche Aussichtslosigkeit ihres Kampfes hat die Franzosen nicht entmutigt. Freilich ihr erstes Manöver in Genf, Deutschland mit dem Lock­köder der Saarabstimmung wieder an den Ratstisch

So hatten wir durch unseren Einspruch auch nicht verhindern können, daß der Völkerbundsrat die Regierungskommission in ihrer alten Zu­sammensetzung mit dem sich im Saargebiet beson­derer Unbeliebtheit erfreuenden Präsidenten Knox an der Spitze für das angebrochene letzte Jahr ihres Regimes bestätigte. Hinter den Kulissen läßt Paul- Boncour alle Minen springen, um die Engländer für seine weiteren Pläne zu gewinnen. Worauf sie ins einzelne hinauslaufen, ist vorerst aus Versuchs­ballons der französischen Presse, deren Genfer Be­richterstatter die zweckentsprechende Stimmung ma­chen, noch nicht klar ersichtlich. Ein Hauptrequisit der französischen Saarpolitik ist die internatio­nale Polizeitruppe, die man einmal der Re­gierungskommission zur Verfügung stellen möchte, damit sie ihren Gewaltmaßnahmen gegen das Deutschtum an der Saar noch mehr Nachdruck ver­schaffen fann; die aber auch gleichzeitig Abstimmungs­polizei fein soll und als solche ein neues Mittel zur Einschüchterung der Abstimmungsberechtigten. Um die Notwendigkeit einer solchen Polizei nachzuwei­sen, läßt Frankreich landesverräterische Subjekte wie den Marxistenhäuptling Matz Braun in den Gen­fer Couloirs aufmarschieren, ein Beweis, wie Frank­reich alle Scham fallen läßt, wenn es ihm wie jetzt in Genf um die Durchsetzung seiner imperia­listischen Ziele geht. Daß die Franzosen im Saar­gebiet heute schon auf verlorenem Posten kämpfen, bezeugt die prachtvolle Haltung derDeutschen Front" an der Saar, die trotz wirtschaftlichem Terror und Gesinnungsknebelei sich anschickt, dem Kranz stolzer deutscher Abstimmungssiege ein neues Ruhmesblatt einzuflechten.

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auf dem Wege der Befriedung Europas bedeute. Der in Genf weilende Außenpolitiker desPetit Parisien" will aus der Tatsache der gestrigen Ueberreichung der deutschen Antwort schließen kön­nen, daß eine Vertagung des Hauptaus­schusses der Abrüstungskonferenz bis zum 19. Februar ausreichen würde. Er fügt allerdings hinzu, daß man sich fragen müsse, ob sich dies verwirklichen lasse angesichts gewisser eng­lischer Einwendungen und angesichts der verschie­denartigen Erwägungen, auf die das Büro der Abrüstungskonferenz Rücksicht nehmen müsse.

I o u r n a l" berichtet, daß der im Laufe der Nacht in Paris eingegangene Text der deutschen Antwortnote sofort dem französischen Außenmini­ster nach Genf übermittelt worden ist. Im übrigen begnügt sich dasJournal" mit dem Ab­druck einer Meldung seines Berliner Berichterstat­ters, der behauptet, Deutschland nehme n i ch t klar Stellung, weil es durch die französischen Anregungen in Verlegenheit gebracht worden sei und weil es in seinem Interesse liege, Verhand­lungen nicht abreißen zu lassen, sondern sie fortzu­setzen. Der' Berliner Berichterstatter desM a t i n" i meldet, daß der französische und der englische Bot­schafter in Berlin noch am Freitagabend ihre Ein­drücke über die deutsche Antwort ausgetauscht | hätten. ,

der Abrüftungsfrage zu verzeichnen; sie kennzeichnet ihren Inhalt etwa in der gleichen Weise wie der Berliner Vertreter derAgence Havas", dessen Aus­führungen bereits mitgeteilt wurden.

Von abweichenden Einzelheiten sei erwähnt, daß nach demPetit Parisien" Deutschland all­mählich völlige Abschaffung der Mili­tärflugzeuge der Nachbarländer for­dert. DerParisien" bemerkt, erst nach genauer Prü­fung der Antwort werde man feststellen können, ob der deutsch-französische Notenaustausch ein Fortschritt

daß sich diese Kontrolle ebenfalls auf alle ähn­lichen Organisationen in den anderen Ländern erstrecke. Was schließlich die Frage der Luftstreitkräfte anlange, so halte man deutscherseits die Herabsetzung der französischen Luftstreitkräfte um 50 v. H. für ungenügend, bzw. bedeutungslos, wenn Deutschland über keinerlei Luftflotte verfügen dürfe. Außer­dem wünsche man deutscherseits Aufklärung dar­über, was aus den anderen 50 v. H. Flugzeu­gen würde, die man nicht abschaffen wolle.

Erstes pariser Echo.

Deutschlands Antwort auf die französische Abrüstungsdenkschrist

KeineBewährungsfrist-BeiUmwandlung derReichswehrsind 200 OOO Mann ungenügend. (Sofortige Zubilligung von Verteidigungswaffen. Was wird mit Frankreichs Luftflotte?

Paris, 20. Jan. (DNB.-Funkspruch) Die genpresse begnügt sich heute im großen und ganzen damit, die Ueberreichung der deutschen Antwort in

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willen die deutsche Sicherheit weiter in Frage gestellt werden soll.

Die Welt muß und wird einsehen, daß der deutsche Standpunkt in der Abrüstungsfrage logisch, klar und unanfechtbar ist. Der Reichsregie­rung ist selbstverständlich eine Abrüstung der ande­ren auf unseren Status am liebsten. Die Verant­wortung liegt nicht bei uns, sondern bei den ande­ren. England und Frankreich sind unsere Schuldner in der Abrüstungspolitik geworden, wir sind die Gläubiger. Unsere Forderun­gen sind gut und gerecht.

Die BerlinerB ö r s e n z e i t u n g" unterstreicht, daß das grundsätzliche Hauptziel der deutschen Poli­tik nach wie vor die Abrüstung der hochgerüsteten Mächte ist und daß die deutsche Forderung nach einer Anpassung des deutschen Rüstungsstandes an die primitivsten Verteidigungsnotwendigkeiten keine Aufrüstungsforderung, sondern eine Mindest» foröerung deutscher Gleichberechti­gung ist. DieDeutsche Zeitung" sagt: Sollen die Verhandlungen das nicht nur von Europa, sondern von der ganzen Welt gewünschte Ergebnis haben, nämlich freundliche Beziehungen zwischen Deutschland und den Nachbarländern her­beizuführen, dann muß man auch auf der anderen Seite mit Ernst und freundschaftlichem Wollen an diese Verhandlungen Herangehen. Das Versöhnliche und Verständnisbereite der deutschen Antworten an England und Frankreich bietet die beste Grundlage hierfür.

In derK r e u z z e'i t u n g" wird festgestellt, daß die Argumente, mit denen Frankreich seine zweifel­hafte Haltung verteidige, heute weniger durchschlagend denn je seien. Allmählich habe es sich in der Welt herumgesprochen, daß Deutschland gerade unter seiner neuen Staatsfüh­rung nur noch friedliche Absichten habe und daß im

Berlin, 19. Ian. Amtlich wird mif gefeilt- heute nachmittag empfing der R e i ch s m i n i st e r des Auswärtigen den französischen Botschaf­ter Franxois Poncet und übergab ihm die deutsche Antwort auf das von dem französi- chen Botschafter am 1. Januar überreichte Aide memoire in der Abrüstungsfrage. Der Reichs- Minister erläuterte dem Botschafter den Inhalt des Schriftstückes. Ebenso empfing Freiherr von Reurath den englischen Botschafter Sir Eric .3t)ipp s und übergab ihm bie Antwort auf das Memorandum, das dieser im Auftrage der königlich englischen Regierung dem Herrn Reichs­kanzler am 20. Dezember o. 3. überreicht hatte.

Wie wir Horen, handelt es sich bei der dem fran­zösischen Botschafter übergebenen Antwort um ein umfangreichesSchriftstück, das 14 Schreib­maschinenseiten umfaßt. Ls ist in entgegen­kommendem Tone gehalten und kommt daher der Forderung der von beiden Seiten gewünschten Verständigung entgegen. Seine Tendenz ist die Fortsetzung und Vertiefung der be­gonnenen Aussprache.

Deutschlands Einwände.

Ein Havasbericht über die deutsche Abrüstungsnote.

Paris, 19. Jan. (DNB.) Der Berliner Vertre­ter der französischen Nachrichtenagentur Havas erklärt, daß die deutsche Antwort in dem gleichen verträglichen Tone gehalten sei, wie die französische Denkschrift. Sie sei sehr gewissenhaft ausgearbeitet und enthalte sehr ausführliche Einzel­heiten über die Haltung der Reichsregierung ge­genüber den französischen Vorschlägen. Die deutsche Antwort halte sich im großen und ganzen im Rah­men der bisherigen deutsch-französischen Bespre­chungen. Man habe deutscherseits außerdem Wert auf den Hinweis gelegt, daß die Fortsetzung der Besprechungen im beiderseitigen Interesse nützlich sei.

Lin Punkt der französischen Denkschrift habe je­doch deutscherseits grundsätzliche Ein­wände hervorgerufen. Wenn auch in dieser Denkschrift das WortProbezeit" nicht mehr vorhanden sei, so wisse man doch, daß Frank­reich daran festhalte. Deutscherseits erklärt man dazu, daß alles, was einer solchen Probezeit ähnele, eine Diskrimi­nierung Deutschlands darstelle und eine Verletzung seiner Ehre sei. Man sei deut­scherseits der Ansicht, daß die Abrüstung nicht in zwei Abschnitten durchgeführt werden könne. Ein andere deutscher Einwand betreffe d i e Effektiv st ärke des künftigen deutschen Hee­res. Man betone, daß 2 00000 Mannnicht genügten, bie Sicherheit Deutsch­lands z u verbürgen. Unter diesen Um­ständen sei das augenblickliche Berufsheer mit (einem geringen Lffektivbestand noch mehr wert. Das neue deutsche Heer müßte außerdem über alle Waffen verfügen, die als Ver­teidigung sw affen anerkannt worden seien.

Es scheine, als ob der Reichskanzler der Kon­trolle über bie so g. militärähnlichen Organisationen zugestimmt habe, vorausgesetzt,

praktischeGleichberechtigung

Berliner preffestimmen zur Antwortnote.

feit zum deutschen Vaterland und der Verbunden­heit mit dem großen nationalen Erleben der Brü­der im Reich bedeutete, dieser widerrechtliche Ge­sinnungsterror der Regierungskommission ist es ja grabe gewesen, der jene politische Hochspannung im Saargebiet erzeugt hat, über die man sich in Genf und Paris nun scheinheilig beklagt.

Hätte die Regierungskommission ihre hohe Aus­gabe so gewissenhaft aufgefaht, wie z. B. die beiden letzten Dölkerbundskommissare der Italiener Gra- vina und der Däne Rosting ihre ähnliche Stellung in Danzig, dann hätte sie nicht dulden dürfen, daß die französische Bergwerksverwaltung ihre wirt­schaftliche Macht brutal mißbrauchen konnte, um mit Kindern der von ihr abhängigen Beamten und Arbeiter die französischen Schulen zu füllen, dann hätte sie mit allen ihr zu Gebot stehenden Mitteln verhindern müssen, daß landfremde Gesinnungs­lumpen, die ihr Volkstum verraten haben, sich un­ter den Augen der Treuhänder des Völkerbundes ungestraft anjchicken können, den Separatiftenfpuk zu wiederholen, der vor zehn Jahren im besetzten Rheinland an der Treue der deutschen Arbeiter, Bürger und Bauern so kläglich gescheitert ist. Aber die Regierungskommission hat ja nicht nur die Hände in den Schoß gelegt, sondern unter rück­sichtslosem Einsatz ihrer Machtmittel gegen die ihrem Schutz anvertraute deutsche Bevölkerung des Saar­gebiets Partei ergriffen, wobei ste sich nicht scheute, sich der Hilfe von politischen Strauchrittern und entwurzelten Desperados zu bedienen, Die der Steckbrief deutscher Kriminalbehorden über die Grenze getrieben hat und die nun hier im Saar* gebiet mit dem erbitterten Kampf gegen ihr ebe­nes, von ihnen verratenes Volkstum dis Geschäfte

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zu bringen, ist mißglückt. Deutschland hat abge­lehnt. Es muß dem Völkerbund die volle Verant­wortung für eine unparteiische Abstimmung im Saargebiet überlassen. Die Franzosen sollen nicht glauben, daß wir mit dem Verzicht auf eine Teil­nahme an der Genfer Ratssitzung uns auch des Rechts begeben hätten, mit aller durch die trüben Erfah­rungen bei früheren Abstimmungen ähnlicher Art gebotenen Wachsamkeit, die Maßnahmen des Völ­kerbundes scharf unter die Lupe zu nehmen. Wir sind heute außerhalb der Genfer Atmosphäre stär­ker, als am Ratstisch, wo Deutschland jederzeit majorisiert werden könnte, da der Versailler Ver- trao im 5 40 der schon erwähnten Anlage zu Ar-

Endkampf um die Saar

Bei Ablauf einer Frist von 15 Jahren nach Inkraftsetzung des vorliegenden Vertrags soll die Bevölkerung des Saarbeckengebiets aufgefordert werden, ihren Willen wie folgt kundzutun:

Eine Abstimmung findet nad) Gemeinde und Bezirk über die drei folgenden Möglichkeiten statt:

a) Aufrechterhaltung der durch vorliegenden Ver­trag und vorliegendes Protokoll errichteten Ver­waltungsordnung.

b) Vereinigung mit Frankreich.

c) Vereinigung mit Deutschland.

Stimmberechtigt ist ohne Unterschied des Geschlechts jede Person, die zur Zeit der Abstimmung älter als 20 Jahre ist und zur Zeit der Unterzeichnung des Vertrags in dem Gebiet gewohnt hat. Die andern Regeln, die Art und Weise und der Tag der Abstimmung werden vom Rate des Völ­kerbundes festgesetzt, und zwar derart, daß eine freie, geheime und unabhängige A b - ft i m m u n g gewahrt bleibt."

Wir haben den § 34, Kapitel 3 der Anlage zu den Artikeln 45 bis 50 des Versailler Vertrages hier einmal im Wortlaut angeführt, weil er die alleinige und unbedingt verpflichtende Richtschnur sein muh für die wichtigen Entscheidungen, die der Völkerbundsrat in diesen Tagen in Genf zu treffen hat. Will der Völkerbundsrat die ihm hier zuge- miefene Aufgabe getreu den eindeutigen Bestim­mungen des Vertrags und in aufrichtiger Loyalität als Treuhänder der feinem Schutze anvertrauten Bevölkerung des Saargebiets durchführen, so muß er alles tun, um die freie Meinungsäußerung der Saarländer sicherzustellen und alle Hindernisse zu beseitigen, die einer unabhängigen Willenskund­gebung entgegenstehen. Wie sehr das gegenwärtig an der Saar herrschende System diesen Grund­sätzen ins Gesicht schlägt, sehen wir Tag für Tag an den Verordnungen der Regierungskommission, die, statt als Beauftragte des Völkerbundes die Rechte der ihr anoertrauten Bevölkerung zu schützen, offen die Hand dazu bietet, daß ähnlich wie vor zehn Jahren in den Städten und Dörfern des be­setzten Rheinlands landfremdes Separatistengesindel mit marxistischen Emigranten gemeinsame Sache machen kann, um die Saarländer einem unerhörten Terror auszusetzen in der vergeblichen Hoffnung, Den unbezwingbaren Willen des kerndeutschen Saargebiets zur Rückkehr ins Reich durch solche Methoden lähmen zu können.

Mit einer Geschichtsfälschung begann die Tragödie des Saargebietes, als Glemenceau auf der Pariser Friedenskonferenz mit feinem Märchen von den 150 000Saarfranzosen" Wilsons Widerstand gegen eine Loslösung des Saargebiets von Deutschland brach. Als Unterlage hatte eine Adresse an Poincarö, den damaligen Präsidenten der französischen Repu­blik, dienen müssen, aber Clemenceau verschwieg wohlweislich, daß die Unterschriften für diese Adresse in Lothringen gesammelt worden waren, während im Saargebiet niemand etwas von einer Derartigen Adresse wußte. Und so kommt es zu derFeststellung" Wilsons,daß in diesem ehemals französischem Lande es eine zu große Zahl ein- geroanberter beutscher Elemente gebe, als baß bie sofortige Vereinigung mit Frankreich statthaft sei". Wir haben nicht alles erreicht", triumphiert Tar- Dieu, bamals dlemenceaus rechte Hanb unb bamals wie heute schärfster Vorkämpfer bes französischen Imperialismus,bie Franzosen ber Saar sind be­freit, biefe 150 000 Saarlänber, ebensogut Fran­zosen im Herzen unb nach ihrem Willen, wie bie Elsässer unb Lothringer." So sollte eine Kette von Lug unb Trug bazu bienen, unter bem Schein bes in Wahrheit aufs schänblichste verratenen unb preisgegebenen Selbstbestimmungsrechts ber Völker ein urbeutsches Lanb gegen ben klaren Willen feiner Bewohner anberthalb Jahrzehnte hinburch unter Frembherrschaft zu stellen, um es für bie gänzlichen Annexion reifzumachen. Seitbem ist atterbings bie Lüge von ben 150 000 Saarfranzosen zerplatzt wie eine Seifenblase. Trotz ber eifrig ge­förderten Zuwanberung aus ben benachbarten französischen unb lothringischen Gebieten hat bei keinen Wahlen roeber bie französische, noch bie von französischen Drahtziehern gegrünbete separatistische neutrale Arbeiter- und Bürgerpartei" auch nur einen einzigen Sitz erhalten. Inzwischen hat man auch in Paris bie Hoffnung aufgegeben, bas Saar­gebiet für sich zu gewinnen. Frankreichs Interesse wendet sich nun ber Möglichkeit zu, bie im Ver­sailler Vertrag für bas Jahr 1935 vorgesehene Ab­stimmung so lange wie möglich hinauszuschieben, um in ber so gewonnenen Zeit burch einbrückliche Bearbeitung ber Saarlänber bas für Frankreich verlorene Lanb wenigstens für bie Aufrechterhal­tung bes gegenwärtigen Völkerbunbsregimes reif­zumachen.

Frankreichs Taktik in Genf zielt also barauf hin, den Einbruck zu erwecken, als ob bie politische Hochspannung im Saargebiet in absehbarer Zeit einefreie, geheime unb unabhängige Abstim­mung", wie sie ber Versailler Vertrag vorschreibt, nicht gewährleiste, so baß es tunlich sei, ben Ter­min ber Abstimmung hinauszuverlegen unb inzwi­schen burch Aufstellung einer internationalen Poli­zeitruppe biePazifizierung" bes Saargebiets burchzuführen. Das ist ein schlau ersonnener Plan, ber bamit rechnet, baß bie Mitglieber bes Gen­fer Völkerbunbsrats über bie wahren Verhältnisse unb bie tatsächlichen Begebenheiten im Saargediet genau so schlecht unterrichtet sinb wie einst vor 15 Jahren bie Mitglieber bes Rats ber Fünf auf der Pariser Friebenskonferenz. Die angeblich neu­trale unb treuhänberische Regierungsk o m - pufft on hat für biefen französischen Plan schon wertvolle Vorarbeit geleistet. Denn ihr unerhörtes Gewaltsystem, bas jebe Meinungsfreiheit knebelte, sobald sie eine Willensbekunbung der Zugehörig-

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