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anderen Mächte enthält, deren solidarische Haltung die versöhnlichen internationalen Lösungen ermöglicht habe. Durch die Entschließung stimmt der Senat ferner den glücklichen Ergebnissen der letzten Völkerbundsratssitzung zu, nimmt mit Befriedigung von den Erklärungen Lavals über den Ostpakt und die italienisch-französischen Verhandlungen Kenntnis und beglückwünscht den französischen Außenminister zu seiner Festigkeit und seinem Takt.
Ein Senator forderte die Festsetzung eines Zeitpunktes für feine Interpellation über die libysche Grenze. Italien wolle das ganze Gebiet bis zum Tschadsee haben, um bis
Afrikapolitik.
Der Senat schloß sich der außenpolitischen klärung Lavals mit einer Entschließung die eine Anerkennung für England, Italien und
Die neuen Mitärkredite von der französischen Kammer bewilligt.
Wie steht Frankreich zur Kontrolte der Waffenindustrie?
Paris, 18. Dez. (DNB.) Die französische Kammer begann am Dienstag die Beratung der Zusatzkredite in Höhe von 800 Millionen Franken für das Kriegsministerium. Der radikalsozialistische Abgeordnete Pierre C o t stellte gleich zu Beginn Antrag auf Vertagung. Die Regierung müsse sich zunächst einmal darüber äußern, welche Maßnahmen zur Kontrolle der Waffen- herstellung von ihr getroffen worden seien. Man habe während des Krieges gesehen, wie auf der einen Seite Männer für Frankreich Blut und Leben gaben, starben, während andere große Gewinne einstrichen. Der Völkerbund habe deutlich das kriegshetzerische Treiben der Rüstungsindustrie verurteilt. Er und seine Freunde seien bereit, die für die Landesverteidigung notwendigen Kredite zu bewilligen, nicht aber die Hand zu bieten, um den Leuten zu noch größeren Gewinnen zu verhelfen. Daß man gegen die Kriegsverweigerer vorgehe, fei vollkommen in der Ordnung. Aber zuerst müsse man allen Bürgern die Sicherheit geben, daß man von ihnen nicht das Opfer der Freiheit und ihres Lebens verlange zum Nutzen der R ü ft u n g s i n d u st r i e. Zu fordern sei bei der Ueberwachung der Rüstungsindustrien vor allem die ihrer Reklamehaushalte, z. B. desjenigen der Gasmaskenhersteller. Der politische Feldzug über die Gefahren der Luftangriffe gehe von den Gasmaskenherstellern aus.
Ministerpräsident F land in erwiderte: Auf französischen Vorschlag hin sei die A b r ü st u n g s - konferenz mit dieser Frage befaßt worden, der technische Ausschuß der Konferenz habe den Entwurf einer Entschließung ausgearbeitet. Die Zustimmung Frankreichs stehe fest. Es sei gefährlich, eine Unterscheidung zwischen Rüstungsindustrie und Friedensindustrie zu machen. Immerhin könne man es nicht zulassen, daß in einem Kriegsfall die einen ihr Blut hingäben und die anderen Gewinne einstrichen. Es sei die Frage, ob in Friedenszeiten die staatlichen Arsenale billiger arbeiteten als die privaten Gesellschaften. Die Erfahrung lehre aber, daß d i e Verstaatlichung nicht ratsam sei. Die Organisierung des Friedens sei für Frankreich die Hauptsache. Gegenwärtig müsse man mit den R ü - st ungen der anderen rechnen. (Flandin sprach in diesem Zusammenhang von einer Großmacht, die Frankreich in den letzten hundert Jahren dreimal angegriffen habe.) Die Gewährung der Militärkredite sei eine Versicherugsprämie für die Zukunft.
Pierre C o t zog seinen Verta*gungsantrag zurück. Nach längerer Debatte, in der ein sozialistischer Antrag auf Verstaatlichung der Waffenherstellung abgelehnt wurde, nahm die Kammer mit 460 gegen 130 Stimmen die Regierungsvorlage über 800 Millionen neuer Militärkredite an.
Der Senat billigt Lavals Außenpolitik.
Eine unbequeme Anfrage über Italiens
Gießener Gtadttheater.
Carl Maria von Weber: „Der Freischütz".
Verfolgt man den unvergleichlichen Siegeszug von Carl Maria von Webers „Freischütz" über die deutschen Bühnen und stellt dem gegenüber, wie diese Oper im Auslande sich einmal die schwersten Eingriffe der Zensur gefallen lassen mußte (der Samiel erregte den stärksten Anstoß; an einer Stelle wurde er in ein ,chöses Fatum" gewandelt und ihm „Titania" als „Beschützerin der Unschuld" entgegengestellt, oder gar in der ersten Aufführung in Paris, wo man dem Geschmack des Publikums die unverzeihlichsten Konzessionen machte), dann erst wird man am deutlichsten ermessen, wie unendlich tief dieses Werk in der deutschen Volksseele verankert ist. Groß ist die Zahl der Stimmen, die in bem „Freischütz" „Deutschland selbst" erkennen, von Richard Wagner angefangen, dem in schwerster Pariser Leidenszeit der „Freischütz" tiefes Heimweh erweckt, bis zu unserer Zeit. (Hans Pfitzner.)
Schon das Werden dieser Oper läßt uns Einblicke gewinnen. Eine Zeit schwärmerischen romantischen Ungebundenseins, die Weber in Mannheim, Heidelberg und Darmstadt verlebte, führt den Komponisten zum erstenmal an den Freischützstoff. Als er mit seinem Begleiter Alexander von Dusch Stift Neuburg besucht, da finden sie ein neu erschienenes Buch, „Das Gespensterbuch" von A p e l und L a u n. Unter den vielen Kuriositäten nimmt eine Erzählung die beiden gefangen, „Der Freischütz, eine Volkssage." Schon entwirft man das Szenarium einer Oper, deren Text Dusch schreiben soll; aber noch ist der Plan nicht reif, und erst mit Beginn seiner Dresdener Zeit kann sich Weber mit dem Opernplan befassen. Jetzt aber um so intensiver und gründlicher.
Gleich die erste Teilnahme an der literarischen Gesellschaft Dresdens, dem „Liederkreis", schlingt das Band zu dem Juristen Johann Friedrich Kind; die Verhandlungen werden immer bindender, und bald liegt der Textentwurf vor. Die ursprüngliche Erzählung läßt tue Braut der Kugel zum Opfer fallen, den Bräutigam im Jrrenhause enden. Dieser Ausgang wurde im Sinne einer neuen ethischen Idee gewandelt, ebenso wie eine Reihe von neuen Figuren in das Geschehen hineingestellt wurden. Die in der damaligen Gegenwart spielende Handlung wurde in die Zeit kurz nach dem 30jährigen Kriege verlegt, und so gewannen die Mächte des Aberglaubens und des Wunderglaubens ihre historische Glaubwürdigkeit.
Der Textdichter Kind hatte zwei Szenen zwischen dem Eremiten und Agathe vorangestellt. Aber Webers? för.oui# CaroUm BxgyLt* wagt« mit
Hauptquartiersschwadron und drei gemöbr, Schwadronen. Die Hauptquartiersschwadron p
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in folgende Züge: 1. Hauptquartierszug, ban Signalabteilung; 2. Verwaltungszug; 3. (fc dungszug; 4. Mörserzug. Der Erkundungszug? mit leichten Kraftwagen für jej? Mann ausgerüstet sein. Die Kraftwagen n» Panzerschutz für Motor und 2er
Chor waren mit Gewissenhaftigkeit und ' am Platze. .
Solcher Aufführung gebührt zweifellos ein besetztes Haus. Jeder Akt brachte berechtig mische Hervorrufe.
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Nach einer Mitteilung des b r itifdjenftrii- amtes wird im nächsten Jahre das br Regiment Königshusaren versucht
Unter dem Titel „Der BuchdruckinDar i stadt 1 605 — 1 7 64" hat der Lerlagsle-ne: - L. C. Wittichschen Hofbuchdruckerei in Dr. Hermann B r ä u n i n g - O k t avio, M . nographie erscheinen lassen, die in ihren W f; und Vorstudien bis in die Vorkriegszeit zur// und in der vorliegenden Form burd) bie . des hessischen Prälaten Professor D. Dr. ul *-. Helm Diehl entscheidend beeinflußt ®ur/ ( Seiten mit 32 Tafeln und einer Ahnentasel u - - läge, L. C. Wittich Verlag, Darmstadt 1931--^.., Es handelt sich um eine auf Archiv- studien gegründete Darstellung der ..n, Wittichschen Hofbuchdruckerei und ihrer-/» zurück bis zum Jahre 1605, in bem Buchdrucker in Darmstadt niederließ. 2i’e neuen roia agen Materials in allerletzter o eine Fortführung dieser Entwicklung über “ ' r 1764 hinaus bis in die Gegenwart zu einem w \ Zeitpunkt erhoffen, wie denn der Verfasseif n wort seine Arbeit überhaupt als uotwenog * studie für eine später zu schaffende Darsd größeren Zusammenhang aufgefaht wn . Immerhin ist in der vorliegenden \ ■
Material ans Licht gezogen und Derarbeitci , das erheblich über den Rahmen etwa eine ! . Firmengeschichte (das Buch erschien jum -?i Jubiläum der Wittichschen Druckerei)> Y ., und, zum mindesten innerhalb des hefW^. und Kulturkreises, allgemeingeschichtlich u historisch reizvoll und bedeutsam crj$cinL6 M-'r bildet die Geschichte und Vorgeschichte / ,-,.r Wittich das Kernstück der Darstellung, ave? doch von hier aus die mannigfachsten. ^<1 regenden Beziehungen über das hjnf'f-
hinaus und in größere Zusammenhang Außerordentlich belebt wird die c robuyer die Beigabe eines reichen, vorzüglich rep (jn>v Bildmaterials, das mit Druckproben schriften, Titel- und Textseiten, Korrerw . und Zeitungsköpfen, Noten und „Ehrenfa unmittelbare Vorstellung von W
des Darmstädter Buchdruckes im/eichn ,
raum vermittelt. Eine Ahnentafel des RU Hard Ludwig Wittich (182-5—1906) igl2V' nanb Philipp Ludwig Carl Wittich (1 gänzt die Darstellung 'N einer beson-^
um die Gewinne der Nüstungssirmen In e^l Zeiten auf 6 v. H. ihrer Kapitalanlage W schränken. Das Kriegsamt habe sich in- V JI genannte Vertragsform entschieden und Mitglieder der Rüstungsfirma Dupont W '■ gutgeheißen, jedoch außerdem eine Sonde I gütung befürwortet, um einen 2lnrei 1 ■ Befchleuniguny der MunitionshersteQ' I schaffen und die Erfindungsgabe anzuregen
Durch eine P r 0 b e m 0 b i li sj eruno I 8. türkischen Division wurden in V« nachts um 3 Uhr die Bewohner etwas tm* I dem Schlaf geweckt. Nicht nur, daß Lastam! I schlagnahmt, größere Häuser zur Räumung reitet und Radioapparate versiegelt würd'W wurde auch ein Verbot erlassen, feine $Q(F I? herzustellen. Die Reservisten in Ankara Uni I den umliegenden Dörfern wurden ebenfalls' I Dienstleistung herangezogen. Gegen Mittag I dann alle Maßnahmen wieder aufgehoben m-1 In Kaisseri fand vor kurzem ein ähnlicher t] f att.
Heber einen Aufrüstungsplan der,, chischen Regierung berichtet die Athens 1 tung „Wradyni". Auf sechs Jahre verteilt ■ J etwa a ch t Milliarden Drachmen^ aufgebracht werden. Soweit wie irgend i»;1 sollen damit zusammenhängende Bestellung der griechischen Industrie getätigt werden.^., lich liegen Angebote großer Rüstu/ firmen — wahrscheinlich handell es'fi* amerikanische — schon vor. Das aus den?'! lande zu beziehende Material soll auf dem 1 des Warenaustausches beschafft weg
haben. Die drei gewöhnlichen Schwadronen p-J len in je drei Züge zu je drei Korporalschajter Korporalschaft erhält ein leichtes Maschineng,: ? so .daß die drei Schwadronen über Maschinengewehre verfügen.
Kleine politische Nachrichtk:
Die Reichssendeleitung teilt mit: Me h Sender übertragen am 31. 2) e 3 e mb er 19. bis 2 0 Uhr aus Freiburg im BreisW tine 5 des Reichsministers für Volksaufklärung mb V: paganda, Dr. Goebbels, zur Jahreswenbr.
Der Reichsarbeitsminister hat im Einvernr.'a mit den übrigen Reichsministern den Oberprä" ten im Ruhestand, Staatsrat Dr. Melcher,:x . Sondertreuhänder zur Nachprüfung - Arbeitsverhältniffe in den öffenlliii: j Verwaltungen und Betrieben des M ches, der Länder und der Gemeinden bestellt.
*
Der Leiter der saarländischen Pol! , Ministerialrat H e m s l e y hat dem PräHentei^1 - Regierungskommission Knox sein Rücktritt- such eingereicht. Zu seinem Nachfolger iß englische Major Hennessy ernannt wo-. Hennessy gehört zu den schon seit einiger Zeil Saargebiet weilenden Polizeioffzieren und war ' Präsidenten der Regierungskommission finorf sönlich zugeteilt. Er gilt als ein sehr bemähnr. I fizier und kennt Deutschland aus äp1" Anschauung.
In Moskau hat eine Zusammenkunft bn ' treter der staatlichen Getreidewirtschvi!-^-'' Deutschlands, Polens und der Uü:/ stattgefunden. Nachdem sich die UDSSR,
in die Nähe von Kamerun zu gelangen und vom Völkerbund das bisherige französische Mandat über dieses zu bekommen. Außerdem plane Italien den Bau einer Bahn nach dem Kongo, bie bie größte Eisenbahnstrecke der Welt werben und den französischen Plan einer Transsaharabahn burchkreuzen würde.
Die presse lobt Laval.
Italien und Lstpakt die Pfeiler des französischen Systems.
Paris, 19. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die Erklärungen bes Ministerpräsidenten Flandin in der Kammer über bie Notwenbigkeit ber Lanbesver- teibigung unb ber außenpolitische Bericht Lavals im Senat werben als Ausbruck bes Sicher- heits- unb gleichzeitig Friebenswil- lens Frankreich gewertet. Die Bewilligung der zusätzlichen Militärkredite in Höhe von 800 Millionen Franken durch bie Kammer unb bie Glück- wunschadresse bes Senats an Laval gelten als einmütige Zustimmung ber Nation zu den Grundfesten, die beide am Dienstag vertreten haben. Die Presse ist deshalb bes Lobes voll. Sie hebt besonbers hervor, baß ber Anerkennung bes Senats für Laval eine ganz besondere Bedeutung zukomme, weil feit dem Bestehen ber dritten Republik bisher nur ein Mann, Georg Clemenceau, im Jahre 1919 eine ähnliche Ehrung durch den Senat erfahren habe. Das beweise bie hohe Achtung, bie Laval im Parlament genieße unb bas verleihe ihm am Vorabenb wichtiger Verhanblungen, bie bie Regierung im Hinblick auf eine engere Zusammenarbeit mit Italien unb für ben Abschluß eines Ostpaktes zu führen habe, ein erhöhtes Ansehen unb b i e notwenbige Autorität, um im Namen ganz Frankreichs mit ber wünschenswerten Energie aufzutreten. Die Italien - unb Ostpaktver- hanblungen finb nach Auffassung ber Presse
die beiden T r a g f e i l e r, auf denen bas französische Friebensgebäube errichtet werben müsse. Die Ausführungen Lavals über bie Verhanblungen mit Deutschland in diesem internationalen Rahmen finden die Zustimmung der Blätter allerdings nur deshalb, weil dabei die Annahme bes Ost Paktes burch Deutsch- lanb zur Bebingung gemacht worben sei. Nur bas „Echo be Paris" macht Bebenken gegen bie Politik Lavals geltenb. Laval werbe zwischen zwei Dingen hin- unb hergezogen. Einerseits fürchte er, burch bie Organisierung ber Friedensfreunbe Deutschlanb ben Einbruck ber Einkreisung zu geben; anderseits wolle er gegen die deutsche Brutalität (!) die Sicherheit seines Landes gewährleisten. Zwischen beiden Gefühlen zögere er unb schwanke wie der Esel Buribans.
Paris dementiert.
Die auch vom Reuterbüro verbreitete Veröffentlichung bes „Star" wirb in französischen unb sowjetrussischen Kreisen Lonbons kategorisch dementiert. Auch in zuständigen Pariser Kreisen wirb bie Meldung des englischen Blattes über ein französisch-sowjetrussisches Militärabkommen dementiert.
I^üstungspläne in aller Wett.
Oberstleutnant Harris vom amerikanischen K r i e g s a m t teilte dem Rüstungsuntersuchungsausschuß mit, daß das Kriegsamt Pläne zu einer raschen Mobilisierung von etwa 21 0 0 0 privaten Munitionsfirmen im Kriegsfälle ausgearbeitet habe. Die hierzu notwendigen Gesetzentwürfe und Lieferungsvertragsentwürfe seien gleichfalls fertiggestellt, so daß sie nach einer Kriegserklärung sofort dem Kongreß unterbreitet werden könnten. Das Kriegsamt habe zwei Arten von Vertrügen geprüft. Die eine Vertragsform sehe einen Festpreis vor, während die andere eine Art Vergütung in Aussicht nehme,
sicherem Bühneninstinkt den entscheidenden Schritt: „Weg mit diesen Szenen, mitten hinein ins Volksleben mit dem Beginne der Volksoper. Lasse sie mit der Szene vor ber Waldschenke beginnen!"
Die Durchgestaltung wirksamer Einzelbilder war dem Textdichter gelungen; nicht in dem gleichen Maße aber die Charakterentwicklung der Hauptpersonen. Um so größer und bedeutender ist Webers Musik, die alle Schwächen des Textlichen vergessen läßt und uns immer wieder von neuem beglückt.
Weber hat sich einmal mit Christian Heinrich Lobe über das Werden der Freischützmusik ausgesprochen. „In dem Freischütz liegen zwei Hauptelemente, die auf den ersten Blick zu erkennen finb: Jägerleben und das Walten dämonischer Kräfte." Hörner gaben bie Farbe für den Wald mit feiner Welt. „Die wichtigste Stelle für mich waren bie Worte bes Max: „Mich umgarnen finstere Mächte". An biese finsteren Mächte mußte ich bie Hörner so oft als möglich durch Klang unb Melobie erinnern, sehr oft bot mir ber Text bie Gelegenheit bazu, sehr oft aber auch beutete ich ba, wo ber Dichter es nicht unmittelbar vorgezeichnet hatte, durch Klänge und Figuren hin, daß dämonische Mächte ihr Spiel treiben. Neue düstere Klangfarben erscheinen auf der Palette des Musikers, die tiefen Klarinettentöne, dumpfe Paukenschläge, grell auf- leuchtende Pikkoloflöten u. a. m.
Diese peinliche Gewissenhaftigkeit unb das hohe Verantwortungsgefühl gegenüber der durch das Werk gestellten Aufgabe bestätigen Webers Aeuße- rung von dem eigentümlichen Zuge deutscher Kunst, „jenem wahren Eifer, im stillen eben bie Sache um der Sache willen zu tun".
Alle die vorausgegangenen Schöpfungen der großen deutschen Opernmeister trugen durch ihr Gebundensein an ein fremdländisches Milieu mehr eine universale Sprache. Der „Freischütz" atmet bie Luft des deutschen Vaterlandes. Deutsche Gemütstiefe und Innigkeit, deutsches Familienglück und zum allermeisten deutsches sinniges Naturerleben. Die Bühnenszene ist nicht mehr Staffage, sie gibt den Grundton an, auf dem unb aus dem die Handlung im einzelnen erwächst. Und nur einem Musiker wie Weber, der mit jeder Faser sich dem Werk verbunden fühlte, der, wie er einmal betonte, selbst „Tonarten roch und Gerüche hörte", war das Bekenntnis zum Deutschtum in der Oper möglich, und so wurde die Uraufführung des Freischütz in Berlin zu einer gewonnenen Schlacht gegenüber dem in Berlin sich unter Spontini breit machenden Jtalienertum. Ja, man sprach von Weber als dem „Blücher der vaterländischen Tonkunst".
Generalmusikdirektor Walter Stöver (Bad- Äauheuch-a. Ä. gab aU berufener geistiger Führ«
ber Inszenierung ein ganz besonberes Gepräge. Schon bie Ouvertüre mit ihrem weitgebehnten Adagio unb bem bynamisch überaus mobulations- fähig behanbelten Unisono der Violinen wie auch dem abgetönten Hörnersolo, das erfreulicherweise dem langen Vorschlag wieder sein Recht gab, ließ erkennen, was eine erfahrene Hand dem an sich schon oft bewährten Orchester abzugewinnen vermag. Der liebergang zum molto vivace mit ausladendem Crelcenbo ließ bie Welt des Dämonischen ahnen. Scharf gegliedert und doch großzügig gefaßt das Allegro — gesteigert die Coda. Den Kontakt mit der Bühne wahrte ber Dirigent energisch mit feinem Nachgeben, nie bas Vermögen ber Stimme unterdrückend. Die Ensemblefätze, z. B. bas Terzett mit Chor bes ersten Aktes, waren bis ins einzelnste durchgearbeitet und überaus sauber artikuliert.
Unter solchen Bedingungen trat die szenische Neubearbeitung Paul W r e b e 5 um so wohltuenber hervor, da sie durch geschickte Aufgliederung in einzelne Bilder manches Vielgehörte und abgegriffen Erscheinende wieder neu belebte unb ins Blickfeld zog. So mußten im engsten Anschluß an bas gigantisch ausgesteigerte Musikalische bie Schrecken ber Wolfsschlucht in stärkster Unmittelbarkeit jeden einzelnen durchschauern. Szenenbilber (Karl Löffler) unb Beleuchtung (Ludwig Keim) und Musik ließen hier eine überraschende Einheitlichkeit Tatsache werden. Maria Perry (Agathe) lebte sich mit Innigkeit und Hingabe in ihren Part hinein. Ihre große Arie hätte sich mehr aus dem Szenischen entwickeln lassen; im Ensemble gliederte sie sich organisch ein. Die Kavatine im dritten Akt war gesanglich mit ihre beste Leistung, die sie bisher in Gießen gezeigt hat.
Sprühend war das Aennchen von Leni Gehrig a. G. Herzhaft in Gebärde und Spiel, gewandt in der szenischen Durchgestaltung, frisch und musikalisch ausgeglichen mit sympathischem Stimmklang. Beachtliches Stimmaterial hat Heinz Weiser als Max, stellenweise wohl etwas spröde, aber um so akzentreicher im Forte. Er legte erfolgreich besonderen Wert auf die dramatische Durchbildung feiner Rolle mit schauspielerischen Fähigkeiten. In der Maske teuflisch, gesanglich mit bewährter Routine gab sich Richard Stahl a. G. als Caspar. Ein stärkerer Zug ins Dämonische wäre sicher von Vorteil gewesen. Groß war seine Szene im letzten Akt.
Karl Tank (Ottokar) ein Fürst voll Würde; Otto Ebelmann a. G. (Cuno) mit besorgter Väterlichkeit unb Wärme bes Stimmklangs; Franz Valcken. berg (Eremit) rundeten jeder zu seinem Teil mit bestem Können den Kreis der Mitwirkenden. Als Kabinettstück in spielerischer Durchgestaltung kann PM Wreöes tiiliau ßelten. LrautzunAru uni)
Mgierungskrisis in Belgrad.
Das Kabinett ilsunowitsch zurückgetreten. - Man erwartet die Betrauung des bisherigen Außenministers Zeftitsch.
Belgrad, 18. Dez. (DNB.) Die seit längerer Zeit erwartete Kabinettskrise kam am Dienstagmittag zum Ausbruch. Sie wurde durch den Rücktritt des Außenminister Jeftitsch eröffnet, mit dem sich auch der Landwirkschaftsminister
Der jugoslawische Ministerpräsident Usunowitsch.
Kositsch solidarisch erNarte. Darauf ist das Ge- famtkabinelt Usunowitsch zurückgetreten. Die amtliche Mitteilung hat folgenden Wortlaut: Die RUnister K 0 j i t s ch und Jeftitsch überreichten heute den Rücktritt von ihren RUnisterposten. Aus diesem Anlaß überreichte auch der INinisterprasident Usunowitsch dem Regentschaftsrat den Rücktritt der Gesamtregierung. Der Rücktritt wurde genehmigt. Die
Regierung Usunowitsch wurde mit der Fortführung der Geschäfte bis zur Bildung der neuen Regierung betraut. Der Präsident des Senates T 0 m a s ch i t s ch und der Präsident des Skupschtina Kumanudi wurden vom Prinz- regenfen Paul in Audienz empfangen.
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Der Rücktritt des südslawischen Kabinetts wird in Paris mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Obwohl man sagt, es handele sich um eine rein innerpolitische Angelegenheit, läßt man doch durchblicken, daß die Lösung der Krise starke Rückwirkungen auf b le außenpolitische Lage haben könnte. Man möchte bie Annahme nicht von ber Hanb weisen, daß die Genfer Verhandlungen über ben sübslawisch-ungarischen Streitfall zur Beschleunigung ber Krise beigetragen haben. Beispielsweise hält es das „Journal" für eine besorgniserregende Tatsache, daß das Ergebnis von Genf, statt in Südslawien Genugtuung auszulösen, zu einer Spaltung innerhalb der Regierung geführt habe. Man rechnet damit, daß I e f - titsch mit der Bildung ber neuen R e - gierung betraut unb es ihm gelingen werde, ein Kabinett der nationalen Einheit zu bilden, das schon bem verstorbenen König Alexan- ber als Jbeal vorgeschwebt habe. Diese Lösung wäre nach französischer Auffassung um so mehr zu begrüßen, als Jeftitsch als Anhänger einer e n g e= ren Zusammenarbeit zwischen Südslawien, der Kleinen Entente und Frankreich und sogar einer südslawisch- italienischen Entspannung gelte. Den mit Jeftitsch unzufriedenen Kreisen um Marin- k 0 witsch unb General Zivk 0 witsch wird übrigens vom marxistischen „Populaire" Sympathie für bas nationalsozialistische Deutschland vorgeworfen.


