gegen solche ,Larbier von
Das Kuchenpaket.
Im Zelt 5 flüstern sie: „Du, ich glaube, Fritze hat
der Kerl nicht gerade wieder hinter sich im Stroh? Natürlich. Warum warten wir denn noch? Und als ob sie alle das gleiche denken, stürzen sie plötzlich auf Fritzens Platz. „Rück mal dein Paket raus, du
Geizkragen!"
Der aber sieht sich verraten, wickelt etwas in seine Zeltbahn, springt auf und ist schon draußen im Regen.
Nun ist es gleich. Schnell die Jacken über und hinterher. Noch immer hängt das Gewitter über dem Platz. Der Gesuchte ist nicht mehr zu sehen. In allen Zelten wird gefragt, ob er da vielleicht Unterschlupf gefunden hat. Nirgends hat man ihn bemerkt.
Plötzlich verspürt einer den ewig wiederkehrenden Drang, den Kreislauf der Natur zu vollziehen und begibt sich im Gewitterregen auf den Donnerbalken.
mithinuntergeschluckt werden, was nicht jedem Gaumen leicht fällt. Da ist unser übliches Stimmverbesserungsmittel, das rohe Ei, noch harmlos gegen das der japanischen Geishas: diese suchen ihr Stimmheil im Verspeisen von wohlgenährten, saftigen Regen
stand musikalischer Komposition gemacht. Er stellte aus seinem Ballett „Schlagobers" sogar noch eine besondere Orchestersuite zusammen, deren einzelne Nummern so liebliche Titel führen wie „In der Konditorküche", „Tanz der Teeblüte", „Tanz des Kaffees", „Schlagobers-Walzer" und „Tanz der kleinen Pralines".
tief auf: „Schwierig? Wäre es doch lieber überhaupt unmöglich!"
Manchmal soll das gute Essen svgar einen Einfluß auf die musikalische Leistung ausüben. Sagte doch Max Reger einmal: „Ich kann immer komponieren: wenn ich aber gut gegessen habe, geht es besonders gut." Auch die Gesangkünstler müssen ihre Stimme „futtern". Ihr zuliebe muß indes manches
bei mir sitzen und rauchen!" „Ja, aber wenn Ihr Haus ein Cafe ist", antwortete hierauf ein bescheidener Besucher, „so müßten den Gästen doch auch Erfrischungen gereicht werden!" Der gegen solche Anspielungen harthörige Schöpfer des „Barbier von Sevilla" war selbst aber ein gewaltiger Esser. Sein in der Musikgeschichte als „Äusternarie" fortlebendes Musikstück aus der „Diebischen Elster" verdankt das Entstehen dem Dichterehrgeiz eines Austernhändlers in Neapel, dem der gefeierte Maestro für unzählbare Austern-Dutzende eine sehr ansehnliche Summe schuldig war. Dafür, daß Rossini, von seinem Gläubiger in die Enge getrieben, endlich doch ein Gedicht von ihm — Tacconi hieß der Anwärter auf die Unsterblichkeit — in Töne setzte und diese 4 v ......... |lv. UHi)l
Komposition in sein Werk aufnahm, erließ ihm der ^ute ein Paket bekommen. Der Hund will nichts Austernlieferant die ganze Schuld. i abgeben."
Einen materiellen Untergrund hat auch das ' Wilde Pläne durchkreuzen die Köpfe Das wäre Haydnsche „Ochsenmenuett", Haydn komponierte ja toll, solche Unkameradschaftl.chkeit Aber kramt es auf Bestellung eines reichen Metzgermeisters, der w,öh'”' r’*
das Honorar in Gestalt eines lebenden Ochsen „über-; reichte". — In einer Zeit, als der Genuß des aus- j ländischen „Coffii" noch als unerhörter Luxus für einfachere Bürgerhäuser galt, hat I. S. Bach in einer lustigen „Kaffee-Kantate" für dieses seinerzeit verpönte Getränk auf glänzend humoristische Weise । Partei genommen. Einen Nachfolger in seiner Be- geisterung für den bösen „Coffii" fand Bacy in einem i Kaffee-Enthusiasten neuesten Datums, dem Ameri-: kaner Harry Hodge, der eine „Kaffee-Fantnsie" , für das Klavier schrieb, die mit einer auf den Tönen : C, A, F, F, E, E aufgebauten Fuge abschließt. i
Aus einem recht materielles! Gebiet tarn Anton Dvorak, bevor er Musiker wurde — er war vorher Fleischer gewesen. Und als Wilhelm Busch, —o.~. .. ■ ... . ..
der die Musik nur für ein unangenehmes Geräusch Schon hat er die Schllfumkleiduna erreicht da stockt erklärte, während des Vortrags eines Flötensolos er erstaunt und schreit zu den Zelten: „Jungens, von einem Bekannten zurechtqewiesen wurde: „Aber Hier ist der Hund!"
Herr Busch, Sie hören ja gar nicht zu. und es ist Die andern sind da. Wie der Wind^ Aber da doch ein so schwieriges Stück!", da seufzte Busch nur < müssen sie lachen. Fntze sitzt auf dem Balken und
dastehende Sammlung zählte über 6000 Exemplare! Sogar Kochgenies hat es unter den Tonkünstlern gegeben. So tragen- z. B. in Erinnerung an die Gourmet-Kunstleistungen Rossinis heute noch besondere Glanzgerichte den Ehrentitel „ä la Rossini“. Dabei war der vielbewunderte Koch ganz und gar nicht freigebig. Bei den Diners, die er in Paris gab, war das Menu so wenig reichhaltig wie möglich, und bei seinen Nachmittagsempfängen, um die sich dennoch alles riß, gab es überhaupt nichts anderes als Kaffee. „Mein Haus ist ein Cafe", sagte er großzügig, „da kann jeder kommen, der mag, kann
würmern!
Richard Strauß hat als Freund von Süßigkeiten die Wiener „Schlagobers" geradezu zum Gegen-
Ur. 271 Drittes Blatt
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Kunst!
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Vornotizen.
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— Tageskalender fürMontag: NSLB. Bezirk Gießen-Stadt, 17,15 Uhr, Oberrealschule, Bezirksversammlung mit Vortrag über „Die wirkliche Stimmung im Saargebiet." — Lichtspielhaus,
mophon, nicht ersetzen. Welch innere Bereicherung wringt die Beschäftigung mit der Musik. Das Leben mt einen schönen Inhalt bekommen. Gleichgesinnte werden sich suchen und zu erhöhter Freude zusammenfinden, und wenn irgendwo, so wird hier ge- Tilte Freude doppelte Freude fein. Wenn dann in He Höhen und Tiefen unserer unverglelchlichen Hutschen Kammermusik eingedrungen wird, so tun .d) Himmel auf. Der also musikalisch Gebildete wird I ch dann mit vollem Genuß dem Hören in Kon- i^rten hingeben können, weil er die Zusammenhänge kennt. Bekanntes wird ihn in vollendeter 5=orm grüßen und ihn veranlassen, immer weiter- rebenb es Besseren gleichzutun.
So ist die musikalische Bildung ein Born der Freude, der nie versiegt. Ein Mensch, der diesen Schatz besitzt, wird den Widerwärtigkeiten des Le- h,ens ganz anders begegnen können, als der, der Hefe Segnungen der Musik nicht kennt. Er wird sich m die ihm ureigene Welt zurückziehen, wenn Leid :iber Haß ihn verletzen.
Wer bas erkannt hat, dem wird die Frage: mu- ikalische Bildung? keiner Antwort bedürfen, denn nr weiß, was sie uns allen bedeutet: die göttliche
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kalische Bilduna. Der Weg dazu ist nicht leicht, das d»arf nicht verschwiegen werden, denn die Tiefen, m die wir bringen wollen, sinb unermeßlich, unb ... «hon von jeher haben bie Götter vor den Erfolg ?, wurde & d«en Schweiß gesetzt. Aber ber Weg ist auch schön, »esonbers bann, wenn er an ber Hanb eines erfahrenen unb guten Lehrers zurückgelegt wirb.
Welche Erlebnisse, wenn bie Augen für die Schönheiten geöffnet werden unb wenn sich mählich bas Blickfelb weitet! Welche innere Freube unb Befriedigung, wenn man selbst musizieren kann! Unb sei s auch nur ein kleines, schlichtes Lieb. Nichts ist «er eigenen Musikausübung vergleichbar, benn ba schwingt bie Seele bes Spielers mit. Das kann auch leie mechanische Musik, sei es Rabio ober Gram-
Ohrenschmaus
und Gaumenschmaus.
Heiteres für Musikfreunde zum Tage ster Deutschen Hausmusik am 20. November.
Von Mathilde v. Leinburg.
Grillparzer, ber große Musikfreund, äußerte tiinmal: „Beschriebene Musik ist halt immer nur wie (in erzähltes Mittagessen." Gerade die Musiker, die isst unersättlich im Aufnehmen von Musik sein können, sind auch oft mehr als die Repräsentanten an- iaerer Künste ganz besondere Liebhaber der Tafel- steuden. Das käme daher, meinte ein Münchener Musikkritiker, weil der Musiker durch das Sichver- f’-nfen in die Shären der Phantasie nur schwer den Weg in den Alltag wieder zurückfindet und bemüht ileibt, auch den übrigen Teil des Tages festlich zu tieftalten, denn Musizieren ist eben eine festliche An- jLlegenheit des Lebens.
Vielfach geschieht den Musikern aber Unrecht, t-enn man sie des Uebermaßes bezichtigt. Schu- Le r t war durchaus kein Säufer, das verhinderte schon sein magerer Geldbeutel. Den Spitznamen .Schwammerl" hängten ihm die Freunde nicht des- talb auf, weil er sich stets wie ein Schwamm voll- <2 jo gen hätte, wie noch manchmal fälschlich geglaubt T’irb, sondern weil seine kurze, gedrängte Figur ■fiit dem großen Hut lustig an einen „Schwammer- dng" im Walde erinnerte. Mit Brahms, dem ,!Epikuräer", wie ihn seine Gegner schalten, putzten Hine reichen Wiener Freunde ihre, Gastmähler auf. j*ie dort gebotenen Leckerbissen verschmähte Brahms legreiflicherweise nicht: suchte der Junggeselle jedoch Gasthäuser aus, so war der erst mit den Jahren ri'ohlhabend Gewordene noch von der gleichen An- s »ruchslosigkeit wie einst in seiner schweren Jugend. Lim bescheidensten als Gast war wohl der ätherisch- g:irte Chopin. In einer Gesellschaft aufgefordert, eiroas zu spielen, trug er bloß eine seiner entzückende kleinen Preludes vor. Enttäuscht machte ihm die tausfrau den Vorwurf: „Aber, Monsieur Chopin, nur ein so kleines Stück?" Da entschuldigte er sich: „Ich hatte doch auch nur so wenig gegessen!"
>Eine eigenartige Freude auch an bereits vergangenen Genüssen empfand ein kürzlich verstorbener rHoloncellvirtuose: sämtliche Speisenkarten, von beit- n er sich je im Leben Mahlzeiten ausgesucht hatte, »lwahrte er pietätvoll auf — diese wohl einzig-
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Aus der Provinzialhauptstadt.
Warum musikalische Bildung?
Ium lag der Hausmusik am 20. November.
In ber gleichmäßigen Ausbilbung der Kräfte des Leibes und der Seele erblickte man zu allen Zeiten ein Erziehungsideal. Die körperliche Ertüchtigung wird wohl von allen Menschen als selbstverständlich angesehen. Nicht so einheitlich ist die Ansicht über die Bildung des inneren Menschen. Je nach der Einstellung wird das von dem einen als unnötig gehalten, was dem anderen als außerordentlich wichtig erscheint. So ist es mit der Frage: Musikalische Bildung oder nicht? Ohne Zweifel ist der Deutsche sehr musikliebend. Kein Volk der Erde singt soviel wie er. Das beweisen die Männer- und gemischten Chöre, die man in anderen Staaten auf dem Lande gar nicht oder nur ausnahmsweise findet. Die Musik ist dem deutschen Gemüt das- Ifelbe, was der Tau den Fluren. Wie die Blumen «hne das belebende Naß, so würde die deutsche Seele ohne die Musik zugrunde gehen. Das natur- Semäfje Verwachsensein des Deutschen mit der Qufif hat aus der Volkheit heraus eine Reihe von großen Musikern erstehen lassen, auf die wir stolz fein können, denn sie haben uns eine überragende Stellung in der Welt verschafft. Mit Recht nennt man uns das Volk der Denker und Dichter, wobei auch die gemeint sind, die in Tönen dichten.
Unsere Musikgeschichte, die einen Bach, Beethoven, Wagner nennt, um nur einige herauszugreifen, legt uns aber eine große Verpflichtung auf. Es gilt ein großes Erbe zu hüten und pflegen. Was wir von unseren Vätern ererbten, müssen wir wieder erwerben, um es zu besitzen. Durch Hören illein ist das allerdings nicht möglich. Der musikalisch Ungebildete wird den musikalischen Meisterwerken verständnislos gegenüberstehen. Um die Meister, zu verstehen, müssen wir in ihre Werkstatt zehen. Das können wir ohne das nötige Rüstzeug «icht. Dazu gehört eine gute und gründliche musi-
Mehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten)
Gebt der HI. Räume und Heime!
Ein Aufruf der Hitlerjugend zwecks Beschaffung von Heimen.
Um den kulturellen, politischen und erzieherischen Aufgaben, die uns gestellt sind, genügen zu können, und um in diesem Winter diese Arbeit in geregelten Formen überhaupt durchführen zu können, brauchen wir Heime. Die deutsche Jugend will, wenn sie unter sich in kameradschaftlichem Dienst zusammen ist, in Räumen zusammen sein, arbeiten und basteln, die von ihr selb st praktisch und schön ausstaffiert und gestaltet wurden, wir wenden uns deshalb an alle verantwortlichen Stellen des Staates, an die Verwaltungen von Stadt und Land und überhaupt an die Oeffentlichkeit:
„Gebt der HI. Räume und Heime!" Aber bitte keine S ch u l s ä l e mit den nackten
Schulbänken und Tafeln^ denn diese haben immer etwas Abstoßendes, Zwanghaftes und kaltes an sich. Jeder Deutsche muh heute der Jugend gegenüber so viel Verantwortungsgefühl besitzen, daß er diese Jugend durch die Tat unterstützt, daß er alles tut, was in seinen Kräften steht, um ihr Heime zu verschaffen.
Die deutsche Jugend braucht Heime! Deutsche!
Gebt eurer Jugend diese Heime!
Der Führer des Bannes 116 gez.: heim, Bannführer, verantwortlich: Waag Schulungsleiler des Bannes 116.
Reichsstaithalter Sprenger auf -er Reichsautobahn.
Besichtigung der Strecke Frankfurt-Darmstadt.
GPA. Por einigen Tagen besichtigten ber Reichsstatthalter in Hessen, Gauleiter Sprenger, unb ber hessische Staatsminister Jung in Begleitung des Generalbirektors H o f ben feiner Fertigstellung entgegengehenben Bauabschnitt Frankfurt a. M.—D armftabt ber neuen Norb- Sübstrahe. Bekanntlich würbe bieser Bauabschnitt burch ben Spatenstich bes Führers vor einem Jahr begonnen.
Die Besichtigung begann in Frankfurt a. M - Griesheim an ber neuen, nur für bie Autobahn im Bau befinblichen Mainbrücke. Der Gauleiter gedachte nach Ueberquerung bes Mains mit feinen Begleitern an ber Stelle bes ersten Spatenstichs kurz bes Führers, um sich fobann von Herrn Baubirektor P ü ck e l unb Herrn Baurat Ertel bie näheren Einzelheiten ber Straßenanlage erklären zu lassen. An ber Besichtigung nahmen teil ber Stellvertreter bes Gauleiters Regierungsrat Reiner, Reichsbahnoberrat Gobefrey unb ber Generalbirektor ber Nassauischen ßanbesbanf Avieny. Es war allen Teilnehmern ein starkes Erlebnis beutscher Schaffenskraft, wie bie ber stärksten Beanspruchung zuversichtlich entgegensehenbe Bauleitung in schlichten Worten von ben nunmehr fast vollenbet vorliegenben straßenbaulichen Leistungen sprach, welche heute schon bie Bewunberung ber ganzen Welt genießen. Vor ber Einfahrt in bie Bahn nahm Generaldirektor Hof als Leiter der Gesellschaft Autobahnen das Wort, um dem Gauleiter auch bei dieser Gelegenheit Dank und Anerkennung dafür auszusprechen, daß dieser, als Musterstrecke für alle weiteren im ganzen Reich projektierten Straßen dienende Bauabschnitt der
Bahnhofstraße, „Herr Robin geht auf Abenteuer". — Bausparkasse Deutsche Bau- unb Sieblungs-Ge- meinschaft, 20.30 Uhr, „Frankfurter Hof", Vortrag über „Wie kann jede Familie ein schulbenfreies Eigenheim bei geringer Sparleistung erwerben?" — 19.30 Uhr, Hotel Hopfelb, Fachvortrag über Zu- schneiben. — Stabt-Cafe, 16.30 unb 20.30 Uhr, Modenschau.
Amt für Bolkswohlfahrt, Ortsgruppe Gießen-Süd.
Sprechstunden imGeschäftszimmerCrednerstraße2 4.
Ortsgruppenamtsleiter: Mittwochs und Freitags von 20 bis 21 Uhr:
Kassenständen: Mittwochs von 19 bis 20 Uhr;
Mutter unb Kinb und Wohlfahrtswalterin: Montags und Donnerstags 16 bis 18 Uhr.
Bahn dank seiner tatkräftigen und nie erlahmenden Unterstützung nun so weit gediehen wäre. Bekanntlich hatte anläßlich der Aufsichtsratstagung der Deutschen Reichsbahngesellschaft auch Generaldirektor Dorpmüller betont, in wie hohem Maße die verständnisvolle Zusammenarbeit zwischen Reich und Land dem Unternehmen zugutegekommen ist.
Die Fahrt auf der Bahn in Richtung nach Darmstadt wurde an mehreren Bau- und Arbeitsstellen zur näheren Erläuterung baulicher und straßentechnischer Einzelheiten unterbrochen. Dabei war zu bemerken, daß alle an der Strecke beschäftigten Hand- und Kopfarbeiter ihrem Werk stärkste persönliche Anteilnahme entgegenbrachten. Jedem einzelnen der zahlreichen, die Arme zum Gruß hebenden Männer sah man diese lebendige Verbundenheit mit ihrer bedeutsamen Arbeit aus den Augen leuchten, denn es darf nicht vergessen werden, daß von allen an diesem Werk Beschäftigten in hohem Maße persönliche Opfer und selbstloser Einsatz verlangt worden sind.
Die Reichsautobahn hat wohl einer' großen Menge Menschen Arbeit und Brot gebracht, aber Kriegsgewinnler der deutschen Arbeitsschlacht des Dritten Reiches konnte hier niemand roerben, sondern hier ist von jedem einzelnen im Geiste der deutschen Notgemeinschaft der Eigennutz hinter das Gemeinwohl der Arbeit gestellt und in persönlicher Selbstlosigkeit bei Wind und Wetter mit einem Einkommen geschafft worden, das, in bescheidener Höhe, in der Tat nicht verzichten lassen konnte auf einen Geist, durch den sich jeder Mitarbeiter als Soldat und Kämpfer für den Aufbau des neuen Reichs fühlen muhte.
Deutsche Arbeitsfront.
Verwaltungsstelle 19 Gießen.
Wir meisten unsere Mitglieder darauf hin, daß Anträge auf Erwerbslosenunterstützung bei Krankheit, Arbeitslosigkeit und Erwerbsunfähigkeit nur noch entgegengenommen werden können, wenn dieselben sofort zu Beginn des einzelnen Falles gestellt werden. Eine nachträgliche Beantragung von Unterstützung ist also zwecklos.
Heil Hitler!
Ch. Schmidt, Derwaltungsstellenwalter.
Neue Verordnung zum Verbot von Preisbindungen.
Dem Reichskommissar für Preisüberwachung ist zur Kenntnis gekommen, daß Verbände, Vereine und andere Zusammenschlüsse den Versuch machen,
Montag, 19. November 1934
das Verbot von Preisbindungen dadurch zu umgehen, daß die Formblätter für Kostenberechnungen von Fall zu Fall oder in regelmäßiger Folge an ihre Mitglieder versenden und Kosten und Preiszahlen einsetzen. Es wird auf diese Weise versucht, gewisse einheitliche Preisfestsetzungen zu erzielen. Der Reichskommissar für Preisüberwachung bat daher eine Verordnung zur Förderung selbständiger Kostenberechnungen in der Wirtschaft erlassen, in der dies untersagt wird. Die Verordnung wird im Reichsgesetzblatt und Reichsanzeiger veröffentlicht. Zuwiderhandlungen werden mit entsprechenden Strafen belegt. Die Ausgabe von Formblättern ohne Kosten und Preiszahlen ist jedoch zulässig.
Der Reichskommissar für Preisüberwachung teilt mit: Die vielfach in den Kreisen der Hersteller und des Handels verbreitete Annahme, daß für die Herstellung und den Vertrieb von Sauerkraut, Dosenwürstchen und Fleischsalat irgendwelche Preisbindungen oder Mindestpreise genehmigt oder vorgeschrieben seien, ist falsch. Die Preisbildung für diese Waren ist völlig frei innerhalb der Grenzen, die ganz allgemein für jede ernsthafte Geschäftsführung gegeben sind.
provinzialausschuß Oberheffen.
In der öffentlichen Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen am Samstag kamen folgende Verwaltungsstreitsachen zur Verhandlung:
Dem Händler Ludwig .Schäfer in Gießen, Rodheimer Straße, wurde auf seine Klage gegen den Bescheid des Kreisamts Gießen vom 18. Juli 1934 die nachgesuchte Erlaubnis zum Kleinhandel mit unedlen Metallen erteilt. Die Kosten des Verfahrens hat der Kläger zu tragen.
Das Urteil in der Klagesache des Bezirksfürsorgeverbandes Landkreis St. Goar gegen den Bezirksfürsorgeverband Kreis Friedberg wegen Erstattung von Fürsorgekosten für Hermann Hi Hermann aus Bacharach wurde zum Zwecke weiterer Beweiserhebung ausgesetzt.
Die Klage des Paul Zimmermann in Alsfeld gegen die Entscheidung des Kreisamtes Alsfeld vom 5. März 1934 wegen Versagung der Erlaubnis zum Kleinhandel mit Branntwein wurde als unbegründet kostenpflichtig abgewiesen und der Streitwert auf 800 RM. festgesetzt.
Eine Klage des Bezirksfürsorgeoerbandes Kreis Gießen, vertreten durch die Bürgermeisterei Grünberg, gegen den Bezirksfürsorgeverband Kreis Schotten, vertreten durch die Bürgermeisterei Ober- Lais, wegen Erstattung von Wohlfahrtsunterstützung für Wilhelm Meyer aus Ober-Lais wurde ebenfalls als unbegründet kostenpflichtig abgewiesen.
Abschied der Saargösie
Die Brüder und Schwestern von der Saar, die in der vergangenen Woche in unserer Stadt weilten, mußten am gestrigen Sonntag wieder Abschied nehmen. Er fiel den Gästen reichlich schwer, denn die Tage, die sie in unserer Stadt verbringen konnten, vermittelten ihnen eine Fülle schöner Erlebnisse. Mittags traf man sich, nachdem die Saarländer am Ehrenmal der Gefallenen auf dem Land- graf-Philipp-Platz einen Kranz niedergelegt und damit die Helden unserer Stadt geehrt hatten, auf dem Bahnhofsvorplatz. Der Musikzug der SA.-Standarte spielte unter der Leitung von Musikzugführer Herrmann einige schneidige Märsche. Neben Vertretern der NSV. hatte sich zahlreiche Volksgenossen eingefunden, um den Gästen „Auf Wiedersehen am 13. Januar!" zu sagen. Für die NSV. sprach Pg. Mo Haupt herzliche Worte des Abschieds. Er betonte, daß es den Brüdern und Schwestern von der Saar in dieser Woche möglich gewesen sei, das wahre Deutschland kennenzulernen. Zum Abschluß wies er auf die enge Verbundenheit des Mutterlandes mit dem Saarland hin und gedachte dann des Führers Adolf Hitler mit einem dreifachen „Sieg-Heil!". Der Sprecher der Saarländer, der Bergmann Karl Becker, dankte für die gastliche Aufnahme und die erlebnisreichen Tage in unserer Stadt. Inzwischen war die Zeit der Abfahrt des Zuges herangerückt und während der Musikzug der Standarte das Saarlied wie auch das sinnige Lied „Muß' i denn, muß' i denn, zum Städtele hinaus"
verzehrt seelenruhig gerade das letzte Stück Kuchen aus seinem Kistchen. '
Die Kameraden sehen ihn nicht mehr an.
Der Giegeszug des Fallschirmc.
Die modernen Fallschirme sind so durchdacht konstruiert, daß sie nahezu unfehlbar wirken. In allen Flugschulen ist das Abspringen der Schüler vom Flugzeug obligatorisch, um sie von der Sicherheit des Geräts zu überzeugen. Es kommt nur darauf an, beim Landen nicht am Boden geschleift zu werden. In den Vereinigten Staaten ist man dazu übergegangen, Fallschirme auch für die Passagier- fluazeuge einzuführen. Die Fallschirme sind zu diesem Zweck in die Sitze eingebaut und überhaupt für die Gäste nicht wahrnehmbar. Die Abreißleine des Schirms ist mit dem Sitz fest verbunden. Bei Gefahr brauchen die Fluggäste nur die Sitzgurte über Brust und Schultern zu schnallen, ist das geschehen, dann fallen auf einen Hebeldruck die Fluggäste aus dem geöffneten Boden in die Tiefe und automatisch entfalten sich die Fallschirme. Es handelt sich bisher erst um Versuche, die aber sehr befriedigend verlaufen sind. Um die Sicherheit der Fallschirme recht augenfällig zu zeigen, ließ man auf dem Flugplatz von Moskau von einer Anzahl von Flugzeugen gleichzeitig ein ganzes Militärorchester hinabspringen, die dabei einen Marsch spielten. Immerhin kann der Fallschirm schon auf ein stattliches Alter zurückschauen: 1777 fand der erste Fallschirmabsprung in Frankreich statt. Der Pariser Professor Defontage hatte einen Flugzeugmantel konstruiert, fand aber niemanden, der bereit war, sich ihm anzuvertrauen, bis er einen Ausweg sand. Er bat die Behörde, ihm einen zum Tode verurteilten Raubmörder, der in der Bastille seiner Hinrichtung entgegensah, für den Versuch zur Verfügung zu stellen, was auch geschah. Es wurde dem Raubmörder, Jean Dumier, erklärt, man wolle von seiner Hinrichtung Abstand nehmen, wenn er bereit wäre, einen Versuch mit dem Fallschirm zu wagen. Dumier erklärte sich bereit. Er bestieg mit dem Professor in Gegenwart einer gewaltigen Zuschauermenge den Turm des Pariser Zeughauses, ließ sich den Apparat anschnallen, schloß die Augen und sprang ab. Der Wind trug zunächst den Apparat ein Ende fort, plötzlich schoß Dumier wie ein Stein zur Erde, doch kurz bevor er sie erreichte, öffnete sich der Mantel, der sich verfangen hatte, wieder, und der Mörder landete mit bleichem Gesicht unversehrt unter dem Jubel der Menge auf dem Boden.


