Nr. 2!9 Erster Blatt
184. Jahrgang
Mittwoch, 19. September 1954
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Oer Streik in USA.
Bon unserem HE -Berichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Neuyork, September 1934.
Es läßt sich nicht länger leugnen, daß die Maßnahmen der Regierung und die unerwartet schlechte Ernte in den Bereinigten Staaten eine Teuerung hervorzurufen beginnen. Das Verhältnis zwischen Einkommen und Preisen hat sich ständig verschlechtert, so daß jeder tatsächlich bei gleichbleibendem Gehalt zu der Feststellung kommen muß, daß er ärmer geworden ist und sich jedenfalls weniger leisten kann als z. B. noch vor einem Jahr. Von dieser Erscheinung werden die Bevölkerungsschichten immerhin sehr verschieden betroffen. Am wenigsten leiden unter Teuerung die Reichen, a m stärksten der Mittelstand. Da die Jn- oustrie von der amerikanischen Regierung mehrfach gezwungen worden ist, Lohnerhöhungen zu bewilligen, hinkt das Durchschnittseinkommen der Arbeiter nur wenig hinter den Preiserhöhungen nach. Die Arbeiterschaft war daher auch im allgemeinen zufrieden, und man kann wohl behaupten, daß Roosevelt infolge feines Verhaltens in der Lohn- | Frage gerade in der Arbeiterschaft über sichere An- s Hänger verfügen könnte.
Wenn es im Laufe der letzten drei Monate nun doch zu zwei großen Streiks gekommen ist, im Sommer in Kalifornien und jetzt zu dem Riesen- itreif in der Textilindustrie, so hat das zweifellos ouch andere Ursachen als nur die Frage der Gestaltung der absoluten Höhe des Lohnes. Es Hegen vielmehr zwei Erscheinungen vor, die beide mehr oder weniger wirtschaftlich bedingt sind, aber >»och fast ausschließlich politisch in Erscheinung Treten. Das sind die Fragen der Arbeitszeitverkürzung und die der Anerkennung der Gewerkschaften.
Man muß wissen, daß die Arbeitslosigkeit in den Bereinigten Staaten ein Problem durchaus eigener Art ist, das nicht mit den üblichen europäischen Maßstäben gemessen werden kann. Bis zu Beginn > er Regierung Roosevelt gab es bekanntlich in den Bereinigten Staaten so gut wie keine Gesetze, die -en Arbeiter schützten, wenn die Industrie Enl- \ InHungen vornahm. Ebenso kannte man keinerlei Unterstützung des Arbeitslosen durch kommunale iber staatliche Organe. Die Versorgung der Arbeitslosen erfolgte vielmehr ausschließlich urch wohltätige Vereine, deren Beiträge xeiroillig gespendet wurden. Dieses System der Karitativen Arbeitslosenfürsorge hat selbstverständ- ich angesichts der ständig zunehmenden Arbeitslosig- xit auch in USA. zunehmend versagt. Der Staat zonnte schließlich nicht länger untätig zusehen, und d hat denn Roosevelt entsprechende Maßnahmen ^griffen. Sie haben jedoch im Winter 1933/34 noch u allerlei Mißständen geführt, die es wünschenswert erscheinen ließen, die Betreuung und Unter- ützung der Arbeitslosen auf einem anderen Dege zu versuchen.
Es liegt nahe, daß Roosevelt zunächst einmal an Maßnahmen gedacht hat, die verhindern sollen, in Arbeit befindliche Arbeiter so ohne weiteres ent- Inffen zu können (für die Arbeitslosen werden im .Übrigen in diesem Winter wohl in der Hauptsache iiie Gemeinden und Bundesbehörden zu sorgen haben, die dafür auch entsprechende Mittel bereits «"hielten). Roosevelt hat sich daher entschlossen, men Druck auf die Industrie auszuüben, damit liefe d i e vorhandene Arbeit st reckt, d. h. Iiie Arbeitszeit verkürzt. Das ist auch schon ri großem Umfange durchgesetzt. Keine der größe- «n amerikanischen Industrien hat sich geweigert, lirbeitszeitoerkürzungen einzuführen, um eine möglichst große Anzahl von Arbeitern in Lohn und !i rot zu halten. Obgleich also die Arbeitszeit in xmiz Amerika schon stark gekürzt worden ist, wird cioer doch eine weitere Kürzung der sogenannten Lirbeitswoche auf etwa 30 Stunden erfolgen müs- fm. Die Industrien, die von dem Rückschlag der Saison am stärksten betroffen wurden, d. h. vor cllem die verschiedenen Sparten der Textilindustrie der Vereinigten Staaten haben dem a.ich schon Rechnung getragen. Andere Industrien, nie die Stahl- und Eisenindustrie, werden folgen. !Dom Standpunkt des Arbeiters gesehen bedeutet bsfe volkswirtschaftlich sicherlich nützliche und ge- iTLinnützige Maßnahme erklärlicherweise etwas sehr Unangenehmes. Da der Arbeiter nach Stunden be- zM wird, bedeutet eine Verminderung der wo- ltmtlichen Arbeitsstundenzahl auch eine Beschneidung der Verdienstmöglichkeiten, d. h., es wird von ihm verlangt, daß er auf 20 bis 25 v. H. feines &od)cneintommens verzichten soll — und das angesichts der bereits spürbar werdenden Teuerung. Ioan kann daher begreifen, daß die Arbeiterschaft ii USA., die ja nicht in dem Umfange geschützt ist, m:e das z. B. in Deutschland der Fall ist, sich zur lehr setzt und nicht so ohne weiteres in Lohn- Estriche einwilligen will. Die Verhandlungen, die herüber mit den Industrien geführt wurden, waren ieckstoerständlich sehr schwierig, und sie sind denn lllch, wie das der große Textilarbeiterstreik zeigt, limädjft einmal gescheitert.
Das Problem ist nämlich noch dadurch kompliziert oirben, daß das Gesetz in den USA. bisher keine llnrheit darüber geschaffen hat, wer denn im Lumen der Arbeiterschaft überhaupt die S'-rhandlungen zu führen hat. Die Nira-Cobe-Gesetz- riung hat die Frage offengelassen, ob die einzel- I en Gewerkschaften oder die Betriebs» tcemi einschaften als Verhandlungspartner gel» ;ii sollen ober nicht. Der Fortschritt, ben bie (Begebung gebracht hat, besteht lebiglich barin, baß kwerkschaften zugelassen werben können. Das ist p ber Unternehmerseite bazu benutzt worben, um !ie Zustänbigkeit ber Gewerkschaften zu bestreiten nl* um politische Schwierigkeiten zu machen, die
Gowjetrußlands Aufnahme in den Völkerbund.
Ein durchgefallenes Stück.
Noch niemals ist ber Einzug eines neuen Mit- gliebes in ben Kreis ber Dölkerbunbsmächte ein unter so eigenartigen unb befrembenben Umstän- ben oerlaufenbes Schauspiel gewesen, wie bas Auftreten ber Sowjetrussen auf ber Genfer Bühne. Man bebenfe, welch ungeheurer Gewinn für bas bebrohte Ansehen bes Döl- terbunbes bie Ausnahme eines so riesigen Staates fein mußte. Ein Reich von fast 200 Millionen Menschen! Eine Regierung, bie biktätorisch über ein Gebiet von unvorstellbaren Ausmaßen unb unerschöpflichen Naturkräften herrscht, verpflichtet sich bem Frieben unb ben Vorschriften bes Völkerbunbspak- tes! Welch ein Anlaß zu festlicher Freube unb jubelnber Begeisterung! Welch einzigartige unb nie wieberkehrenbe Gelegenheit für bie französische Diplomatie, ben so oft bezweifelten Erfolg ben bösen Kritikern ber Genfer Praxis mit triumphierender Geste zu bemonstrieren!
Nichts von allebem ist geschehen. Sang- unb klanglos zogen bie Moskauer Vertreter in die geheiligten Räume ein. Verlegen waren die Gesichter der'Zuschauer, stumm ihre Münder, untätig ihre Hände. Zwar kamen die 40 Jünger Lenins durch das große Marmorportal, aber es war doch nur eine Hintertür. Zwar sprach Litwinow im Jargon der westlichen Diplomatie, aber es war doch nur das Reoolutionsgeschrei der Dritten Internationale, das die Anwesenden aus seinen Worten her- auszuhören meinten. Argwohn, Mißtrauen, Zweifel, Verlegenheit — das waren die Gefühle, die sich des internationalen Publikums bei dieser Vorstellung bemächtigten.
Nur die Schauspieler auf der Bühne schienen sich in ihrer Rolle recht wohl zu fühlen. Man hatte ihnen auch genügend Zeit gelassen, das Spiel sorgfältig vorzubereiten, unb besroegen ben Beginn ber Vorstellung sogar um ein paar Stunben verschoben. Wenn aber bas Stück unb feine Darsteller nicht gefielen, warum hatte man es bann nicht ganz vom Spielplan abgesetzt? Das Eintrittsgelb war so wie so nicht von allen Besuchern bezahlt worben unb an Freikarten hatte es nicht gemangelt. Der Intendant, von aufgebrachten Stammietern über bie Grünbe seines Vorgehens befragt, antwortete aus» weichenb unb mit schwacher Stimme, als H i - storiker würbe er sich natürlich ben Grünben ber Kritiker angeschlossen haben, aber als Politiker müsse er bie Tatsachen sehen. ' Diese Erklärung hat, gerabe weil sie unbewußt ins Schwarze traf, bas Genfer Stammpublikum keineswegs befricbigt. Denn bie Tatsachen sprechen eine einbringliche unb nicht zu unter- schätzenbe Sprache: Rote Wühlarbeit im schwebischen Heer, komunistische Meutereien auf ben Schiffen ber
seefahrenben Mächte, blutige Streiks in ben größten Staaten ber Welt, freche Demonstrationen in ben Parlamenten ber Kolonialmächte.
Vielleicht hat aber Barthou, ber Leiter unb Regisseur bes Völkerbunbtheaters, ganz a n b e r e „Tatsachen" im Auge gehabt, benn er sprach auch | von einer „bemerkenswerten Evolution in । Sowjetrußlanb seit ben Zeiten Lenins". Wollten I bie neugierigen Frager einmal bie Richtigkeit bieser Bemerkung unterstellen, so wäre ihnen biese Alternative nicht weniger unangenehm. Denn sie würbe nichts anberes bedeuten als bie Auffvrberung, bie
Ein wenig freundlicher Empfang
Genf, 18. Sept. (DNB.) Auf bem Platz unb auf ben Straßen vor bem Verfammlungsgebäube bes Völkerbunbes hatte sich am Dienstagnachmittag ein etwas zahlreicheres Publikum als sonst eingefunben. Es hanbelte sich aber meist um internationale Besucher unb nur im geringen Maße um Genfer Bürger. Don ber Polizei waren ziemlich weitgehenbe Absperrungsmaßnahmen getroffen. Das Hauptinteresse galt natürlich ber Anfahrt ber Sowjetbelegation, bie heute ihren Einzug in ben Völkerbunbssaal halten soll. Im Versammlungssaal selbst waren biesmal alle Plätze vergriffen, bie bem Publikum zur Verfügung stehen. Als Bunbesrat Motta Punkt 18 Uhr vorfuhr, brach bas Publikum, ganz entgegen bem, was man sonst hier gewohnt ist, in lebhaftes Beifallsklatschen unb Hochrufe aus.
Gleich zu Beginn ber Völkerbunbsversammlung verlas ber Vorsitzenbe bes 6. (politischen) Ausschusses, ber Spanier Mabariaga, bie Entschließung, in ber bie Versammlung aufgeforbert wirb, bie Sowjetunion in ben Bund aufzunehmen. Er fügte ben Wunsch hinzu, baß auch bie Vereinigten Staaten ben Weg nach Genf finben möchten. Dann würbe bie Aussprache über ben Beschluß bes 6. Ausschusses eröffnet. Unter großer Spannung gab Bunbesrat Motta bie kurze Erklärung ab, baß er bereits gestern alles Grunbsätzliche vor- gcbracht habe. Die Sowjetunion erfülle als Großmacht zweifellos bie Bedingungen für einen stän- bigen Ratssitz. Trotzdem habe er hier zu erklären, daß die Schweiz sich aus grundsätzlichen Erwägungen heraus der Stimme enthalten werde.
Der Irische Delegierte b e Balcra stellte fest, bah Motta gestern im Namen ber ge- samten Christenheit gesprochen habe, bie über bie Entwicklung in Sowjetrußlanb
politische und militärische Einkreisung Mitteleuropas mit wohlwollendem Beifall zu quittieren. Andererseits wirb sich ber kommunistische Parteigott in seinem pompösen Grabmal am Roten Platz in Moskau breimal umgebreht haben, als er aus französischem Munbe hörte, baß seine Jünger ben Kampf gegen ben verhaßten Faschismus mit ber Preisgabe seiner Lehren bezahlen mürben. Von welcher Seite man es auch betrachtet, bas letzte Genfer Stück kann keinen Beifall finben; roeber Jntenbant noch Schauspieler noch Zuschauer sind babei auf ihre Kosten gekommen.
schwer beunruhigt sei. V a r t h o u s gestrige Erklärung, bah es sich bei Rußlands Aufnahme nur um eine politische Frage handele, sei burchaus nicht überzeuge n b. Wenn bie Christen ber Welt ihr Vertrauen in ben Bölferbunb als Werkzeug ber Friedenssicherung verlören, bann könne ber Bölferbunb auch feine Aufgabe nicht erfüllen.
Die Sowjetunion habe erklärt, bah sie sich ben Frieben als Ziel ihrer Politik setze. Er bitte bes» halb bie Sowjetregierung, baß sie bie Garantien, bie sie amerikanischen Bürgern vor einiger Zeit hinsichtlich ihrer Freiheit unb ber Sicherung ihrer persönlichen unb menschlichen Rechte gewährt habe, auch auf bie Bürger aller anberen Staaten unb a u f bas russischeVolk f e I b ft ausbehne. De Valera fanb großen Beifall. Nach ihm sprachen noch ganz kurz ber Vertreter Persiens, ber Ruß» lanbs Eintritt begrüßte, unb bie Vertreter Argentiniens, Hollanbs unb Portugals. Daran schloß sich bann
die Abstimmung.
Die Sowjetunion erhielt 39 Ja-Stimmen von 49 im Saal anwesenden Völkerbunds Mitgliedern 7 Mitglieder enthielten sich der Stimme und 3 stimmten mit Nein. Einige Völkerbundsstaaten blieben der Abstimmung fern. Der Präsident erklärte Sowjetrußland als in den Völkerbund aufgenommen. Daraufhin begann die zweite Abstimmung über den ftänöi- gen Rats sitz Sowjetruhlands, während die russische Delegation noch außerhalb des Saales blieb. Dabei wurden für die Sowjetunion 4 0 Stimmen bei 50 anwesenden Staaten abgegeben bei 10 Stimmenthaltungen. Nein-Stimmen wurden nicht abgegeben. Der Präsident stellte darauf fest, daß die Sowjetunion einen ft ä n b i g e n Rats» s i tz erhalten habe. Kurz barauf betrat die
Das bolschewistische AnMsdebüt in Gens.
mit ber Sachlage an sich nicht notroenbig verknüpft finb. Daraus hat sich allmählich ein Kampf zwischen ben Gewerkschaften unb ben Unternehmern entwickelt, ben man insofern als rein politisch bezeichnen muß, als es sich babei zwar auch um bie Lohnfrage, in erster Linie aber um bie Anerkennung von Machtpositionen hanbelt. Das hat z. B. auch beim Textilstreik zu einer Verschärfung ber Gegensätze beigetragen, die schließlich ein Eingreifen der Regierung erforderlich gemacht hat, obwohl diese wohl lieber neutral geblieben wäre. So arbeiter- freundlich Roosevelt an sich ist, so ist eben doch nicht zu übersehen, daß die restlose Anerkennung des Gewerkschaftswesens in den Vereinigten Staaten ein politischer Akt von so großer Tragweite wäre, daß selbst Roosevelt ihn nicht ohne weiteres verfügen kann.
Wenn man in Europa das Schicksal des Rieseb- ftreifs in der Textilindustrie verfolgt und babei auch Berichte über Gewaltakte unb Zusammenstöße vernimmt, so sollte man sich barüber klar sein, baß es sich hier nicht nur um eine wirtschaftliche, fonbern auch um eine politische Aufgabe hanbelt, bie zur Wieberherstelluna bes 2Irbeitsfriebens in ben Vereinigten Staaten gelöst werben muß. Von bem Ausgang bes Textilstreikes wirb also in ber Tat sehr viel abhängen; bas ganze Gesicht ber amerikanischen Arbeiter- unb Lohnpolitik kann sich burch ihn änbern, wie möglicherweise bieser Streik auch bazu führen wirb, baß bie Nira-Gesetzgebung ab geändert wirb. Im übrigen sollte man sich aber hüten, in bem Streik eine wirtschaftliche Katastrophe zu erblicken, ober gar sensationelle Ereignisse von ihm zu erwarten. Bis jetzt hat es {ebenfalls ben Anschein, baß es Roosevelt gelingen wirb, auch biese Frage zu lösen unb bas amerikanische Staatsschift sicher an ber Klippe vvrbeizusteuern.
Dor einem Koalitionskabinett in Australien.
Melbourne, 17. Sept. (DNB., Die Wahlen zum australischen Repräsentantenhaus haben für bie Vereinigte 21 u ft r a 11 f d) e ß a r t et, beren Führer Minifterpräsibent L y o n s i|t, 35, für bie Partei ber ß a n b n) i r t e 13 unb für bie Arbeiterpartei 26 Sitze gebracht. Das Repräsentantenhaus wirb jetzt nur 74 Mitglieder haben, währenb es bisher beren 75 hatte. Die Bereinigte Australische Partei, bie bisher 38 Sitze mne- hatte, hat somit bie obs.o lute Mehrheit verloren. Wenn auch Minifterpräsibent Lnons wiebergewählt worben ist, so ist man in politischen Kreisen boch ber Ansicht, baß bas fommenbe Kabinett ein Koalitionskabinett werben wirb; unb zwar bürste bie Vereinigte Australische Partei mit ber Partei der Landwirte Zusammengehen.
Staatssekretär Hutt verwirft den Boykott deutscher Waren.
Die amerikanische Handelspolitik erwägt auch das KompensationSgeschäst als nützlich für die Förderung des Außenhandels.
wash Inglon, 18. Sept. Staats-
fekrelär Hüll hat bedeutsame Erläuterungen über die Handelspolitik der Bereinigten Staaten gegeben. Er betonte, daß er grundsätzlich für jede Förderung des Außenhandels mit Deutschland oder irgendeinem anderen fremden Lande eintrete, und daß man zu diesem Zweck neben anderen Mitteln auch den Austausch von Waren gegen Ware sehr wohl benutzen könne. Jtur dürfe sich der handel darauf nicht beschränken, weil ein ausschließlicher Warenaustausch den Welthandel verkleinern würde anstatt zu vergrößern. Es könne sich beim Warenaustausch immer nur um wenige, bestimmte Erzeugnisse und um eine Teillösung handeln, der — wie die Bereinigten Staaten das auch in den jetzt laufenden Handelsvertragsverhandlungen täten — ein freier Warenverkehr bezüglich der übrigen Güter, und zwar unter Abbau der Handelsschranken, sowie der Grundsatz der Meist- begünfligung zur Seite treten müßten, hüll machte die wichtige Feststellung, daß er als eine dieser atnubavenden Handelsschranken auch den Boykott ansehe. Er betonte, daß er den Boykott als unklug und schädlich verwerfe; denn für jeden Dollar Einfuhrware, die man aus irgendeinem Grunde boykottieren zu müssen glaube, verliere der amerikanische Arbeiter auf Grund des Ausfallens der eigenen Ausfuhr nach dem boykottierten Lande fünf Dollar Arbeitsverdienst.
Die Deutsch-Amerikanische Handelskammer in Neuyork war vom amerikanischen Justizministerium aufgeforbert worben, Beweismaterial über bie hanbelsschäbigenben Einflüsse bes Boykotts beutscher Waren unb Dienste bieser Stelle zur Verfügung zu stellen. Die Hanbels- kammer hat nunmehr bem Justizministerium umfangreiche Unterlagen übermittelt, bie in ber Hauptsache aus amerikanischen Jmporteurkreisen flammen. Dabei hat ber Synbikus ber Hanbelskammer, Dr.Albert Degener, nochmals auf die Unge-
setzlichkei bes Boykotts hingewiesen unb ersucht, Maßnahmen zu ergreifen, bie in Zukunft eine friedliche Entwicklung bes Imports beutfdjer Waren nach Amerika gewährleisten. Deutschlanb sei nach wie vor einer ber beften Kunben Amerikas.
Wiederaufflackern des Aufstandes auf Kuba.
Havanna, 19. Sept. (DNB.-Funkspruch.) Die Aufstänbischen in Havanna haben ihre Tätigkeit neu entfaltet. In mehreren Vierteln ber Stabt finb in ber vergangenen Nacht 35 Bomben zur Explosion gebracht worben. Solbaten mit Maschinengewehren haben auf mehrere Straßen unb auf bem Dach bes Präsibentenpalais Posten bezogen. Die Stimmung in ber Stabt ist überaus gespannt. Der Schriftleiter einer Zeitung, bie bie Umgestaltung ber kubanischen Armee kritisiert hatte, würbe festgenommen unb etwa sechs Meilen vor bie Stabt geführt. Dort würbe ihm eine starke Dosis Rizinusöl eingeflößt unb ihm bebeutet, daß er alle Angriffe zu unterlassen habe.
Der frühere Präsident Machabo hat in ber bominikanischen Republik Zuflucht gefunben. Die kubanische Regierung hat baraufhin bas Ersuchen gestellt, Machabo auszuliefern. Der Präsident ber bominikanischen Republik Trujillo hat sich energisch geweigert, biefem Ersuchen zu entsprechen.
Namensänderung
des polnischen Westmarkenvereins.
Kattowitz, 18. Sept. (DNB.) Der Vorstand bes Weftrnarkenoereins, ber in Ostoberschle- ften ber wichtigste Träger bes Kamp« fes gegen bas Deutschtum war, nahm eine Aenberung ber Deroinssatzungen vor. Währenb ber Verein bisher ben Namen „Derbanb zur Verteibi- gung ber Westmarken" trug, heißt er jetzt: „Polnischer We st v e r b a n b". Es würbe ferner beschlossen, den Hauptsitz bes Verbandes von Pofey n q dj Warjchau zu verlegen,


