Das Echo im Ausland.
Oie Teilnahme der ehemaligen Verbündeten.
Das Ableben Königs Albert hat in Frankreich starke Teilnahme und ^trauer ausgelöst. „Frankreich vor allem wird dadurch betroffen", schreibt „Paris Midi": „Der König und sein tapferes Volk standen in den tragischen Stunden, die wir durchlebt haben, an unserer Seite. Er genoß in Frankreich eine ungeheure Volkstümlichkeit." Außenminister B a r t h o u erklärte, Frankreich verliere einen großen Freund und die Menschheit einen großen Helden. In ähnlichem Sinne äußerte sich Kriegsminister Marschall P e t a i n. Der Präsident der Republik, Lebrun, wird an der Beisetzung des verunglückten Königs in Begleitung des Außenministers Barth o u und des Kriegsministers Marschall P ä t a i n teilnehmen. Ministerpräsident Doumerge hat beschlossen, sich morgen in Begleitung der Staats
minister Herriot und Tardieu nach Brüssel zu begeben.
Englands Trauer um König Albert.
Der tragische Tod des Königs der Belgier hat in England Bestürzung hervorgerufen. Regierungsgebäude und Botschaften flaggten am Sonntag Halbmast. Das englische Königspaar sandte eine Beileidsbotschaft an die belgische Königin. Später wurde mitgeteilt, daß eine Hoftrauer von zwei Wochen stattfinden werde.
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Der tragische Tod des Königs Albert hat in Italien, wo er häufig weilte, aufrichtige Trauer hervorgerufen. Wie lange die vom italienischen Hoi anzuordnende Hoftrauer dauern wird, steht noch nicht fest. Beileidstelegramme an die Königin von Belgien und die italienische Kronprinzessin haben auch Mussolini und der Pap st gesandt. Die öffentlichen Gebäude in Italien flaggen Halbmast.
Anspannung aller Kräfte für die Aufgabe der Rückgliederung des Saargebiels.
Vizekanzler von papen auf einer Saarkundgebung in Koblenz.
Koblenz, 15. Febr. (DRB.) Am Samstag- nachmittaa tagten in Koblenz die Führer des Bundes der Saarvereine. Anläßlich dieser Zusammenkunft fand am Abend in der Stadthalle eine große Saarkundgebung statt. Lautsprecher übertrugen die Reden aus die Straße, wo sich eine nach Tausenden zählende Menschenmenge eingefunden hatte, die in der Halle keinen Platz finden konnten. Unter anderem nahmen an der Kundgebung Kommerzienrat Röchling teil. Der Saarbevollmächtigte Der Reichsregierung, Vizekanzler von Papen, hielt eine Rede, in der er u. a. sagte:
Wir sind der Ansicht, daß die Saarfrage keineswegs eine wirtschaftliche Frage ist. Im Gegenteil: Das Saargebiet ist für uns nur eine Frage des Deutschtums. Schon aus diesem Grund kann die Reichsregierung niemals von sich aus einer Verschiebung der Abstimmung im Saargebiet zustimmen, sondern muß den größten Wert darauf legen, zu beweisen, daß diese We st mark des Reiches in ihrem Volkstum 100 v. H. deutsch ist und daß sie heim will zum Mutterlande. Wenn ich vor wenigen Tagen in Berlin davon sprach, daß die Saarfrage auch eine europäische Frage ist, so deshalb, weil das Saargebiet grundsätzlich und endgültig das deutsch-französische Verhältnis bereinigen wird. Für uns kommt keine andere Lösung an der Saar in Frage, als die vollständige Rückgliederung des Saarlandes zum Reich. Eine Lösung auf der Grundlage des Status quo ist keine Lösung, die den Frieden in sich trägt oder den Frieden für die Zukunft verbürgt.
Die Aufgabe, die mir der Führer gestellt hat, ist, alle geistige und wirtschaftliche Kräfte der Nation konzentrisch in das Ziel der Rückgliederung des
Saargebiets einzuordnen. Wir müssen die Arme weit ausmachen, damit die Wirtschaft an der Saar nicht einschrumpft, sondern weiter gedeiht und so die Saar als Westmark ein unzerstörbarer Stützpunkt des Deutschen Reiches wird. Die Erzeu- aung des Saarlandes, die bisher in andere Länder ausgeführt wurde, muß wieder auf dem deutschen Binnenmarkt untergebracht werden. Die Frage des Güteraustausches, der Führung der Au s f u h r st r a ß e n und der larifgeftaltung stehen zur Behandlung. Sie eröffnen den deutschen Brüdern an der Saar die Möglichkeit, deutsche Kohle und deutsches Eisen aus dem Saargebiet unter gleich günstigen Verhältnissen auf den Markt zu bringen, wie die Ruhrkohle. Ein großes Arbeitsbeschaffung s- programm nicht allein für das Saargebiet, sondern auch für die angrenzenden Gebiete ist vorbereitet. Damit Hand in Hand geht in diesem Gebiete der Ausbau der Landwirtschaft, mit einem Worte, die Reichsregierung ist bestrebt, die gesamte Saarproduktion im eigenen Raume unterzubringen.
Endlich muß ich an die Pflicht erinnern, die uns allen obliegt: Das Mutterland kann unendlich viel für das Saargebiet tun, nicht nur indem es die Brüder an der Saar in ihrem Kampf für ihr Deutschtum ermutigt, sondern auch, indem jeder einzelne im Reich seine Pflicht erfüllt. Vizekanzler von Papen schloß mit dem dringenden Appell zur äußersten Disziplin und Treue, erinnerte an den greifen Feldmarschall von Hindenburg, der dem Vaterlande allezeit treu und opferbereit diente, und an den Führer, der mit unvergleichlichem Heroismus das deutsche Vaterland einer besseren Zukunft entgegenführen wird.
Deutschland und Oesterreich.
Ein englischer Korrespondent befragt den Führer.
London, 17. Febr. (DNB.) „Daily Mail" veröffentlicht eine Unterredung des Reichskanzlers Adolf Hitler mit ihrem Sonderberichterstatter Ward Price. Der Korrespondent bat Hitler zunächst, ihm feine Ansichten über die österreichische Lage zu geben Hitler habe geantwortet, einige Leute glaubten, daß die deutschen Nationalsozialisten etwas mit den Ursachen in Oesterreich zu tun hätten. Dies sei vollkommen falsch. Wir sympathisieren weder mit Dollfuß noch mit seinen Gegnern. Beide Seiten wenden falsche Methoden an. Nichts ständiges kann durch die gewaltsamen Methoden erreicht werden, zu denen sie gegriffen haben. Der einzige Weg, in einer Revolution Erfolg zu haben, bestehe darin, daß man seine Gegner fasse, indem man f i e überzeuge. Das ist es, was wir in Deutschland erzielt haben. Herr Dollfuß hat versucht, einen Staatsstreich durchzuführen. Er hat die Verfassung verletzt und seine Methoden waren von Anfang an zum Fehlschlag verurteilt.
Wenn man den Unterschied zwischen dem gegenwärtigen Regime in Oesterreich und der nationalsozialistischen Regierung in Deutschland sehen wolle, dann brauche man nur eine Photographie von Berlin mit einer Photographie des Wien von heute zu vergleichen. Die Kritiker Deutschlands werden sagen: „0 ja, aber die österreichischen Sozialisten waren schwer bewaffnet! „Auch die deutschen Kommunisten seien dies gewesen", fuhr Hitler fort. Wan habe alle menschenmöglichen Waffen in deren Besitz gefunden. Der Grund, warum die deutschen Kommunisten sie nicht benützten, bestehe darin, daß sie durch Ueberzeugung für die Sache der Rationalsoziati st en gewonnen worden seien. Beweis dafür seien die Wahlen vom vergangenen November, bei denen nur zwei Millionen Wenschen gegen das neue Regime in Deutschland stimmten, während die deutschen Kommunisten früher sechs Wit- tionen und die Sozialdemokraten sieben Millionen zählten. Die übrigbleibenden elf Millionen der früheren Gegner des Nationalsozialismus seien nicht unterdrückt, sondern bekehrt worden.
Der Korrespondent fragte den Kanzler, ob die Entwicklungen in Oesterreich die Haltung Deutschlands zu Oesterreich beeiflussen werden. Hitler antwortete: „Keineswegs. Die Politik, die ich führe, wird nur von deutschen Interessen beherrsch t." Es werde sich selbstverständlich aus den Ereignissen dieser Woche ergeben, daß die gegen» roärtige österreichische Regierung ihr Ansehen gestärkt finden werde, aber auf Der anderen Seite würden die österreichischen Nationalsozialisten an Zahl zunehmen. Er drücke nur seine private und persönliche Ansicht aus, aber es sei seine Ueberzeugung, daß besonders die Arbeiter Oesterreichs sich der nationalsozialisti- scheu Sache anschließen würden, als natürliche Reaktion gegen die Gewaltmethoden, die die österreichische Regierung gegen sie ausgeübt habe.
Der Korrespondent sagte weiter dem Kanzler, daß der deutsche Friedenspakt mit Polen der Welt als eine große Ueberraschung gekommen sei und daß einige Leute ihn als Absicht auslegen, die Grundlage für einen gemeinsamen Angriff Deutschlands und Polens auf Rußland mit einem Hinblick auf Gebietserwerbung zu bilden. Hitler habe hierauf ungläubig gelacht und gesagt: „Was! Wir sollen Gebiet von Rußland nehmen? Lächerlich!" Der Korrespondent fügt hier ein, daß Hitler zwar in seinem vor zehn Jahren geschriebenen Buch „Mein Kampf" den Erwerb neuen Gebietes in Rußland als Heime für zukünftige deutsche Siedler empfohlen hatte, daß aber der seither stattgefundene Rückgang in der Geburtenziffer die Ausdehnung der deutschen Bevölkerung abgestoppt habe.
„Alle versuche, die Grundlage für einen dauernden Frieden in Europa zu legen, seien bisher sehlgeschlagen, da die öffentliche Meinung der Ansicht gewesen sei, daß Polen und Deutsch- land unversöhnliche Feinde wären. Er habe niemals diese Ansicht gehabt. Das erste, was er getan habe, als er zur Macht gekommen fei, fei gewesen, daß er Schritte zur Eröffnung von Verhandlungen mit den Polen ergriffen habe. Er habe gefunden, daß die polnischen Staatsmänner sehr großzü- g i g seien und genau so friedlich gesinnt wie er selbst. Die klustz die man für unüberbrückbar gehalten habe, sei überbrückt worden. Die beiden Nationen seien einander nahegekommen, und er hoffe ernstlich, die neue Verständigung werde bedeuten, daß Deutschland und Polen endgültig alle Gedanken, zu den Dassen zu greifen, nicht nur für zehn Jahre, sondern für immer, aufgegeben hätten.
Zur inneren Lage Deutschlands habe der Kanzler gesagt, daß viele Tausende aus den Konzentrationslagern bereits wieder freigelassen worden seien, und er hoffe, daß noch mehr freigelassen würden. Sie seien nicht aus Motiven der Rache interniert worden — wie in Oesterreich —, sondern weil diese Gegner nicht die Wiederherstellung der politischen Gesundheit Deutschlands stören sollten. Man habe ihnen Zeit gegeben, i b j e Ansicht z u ändern. Sobald sie bereit seien, sich zu verpflichten, ihre feindselige Haltung aufzugeben, würden sie entlassen werden.
Der Berichterstatter fragte hierauf: „Ist es Ihre Absicht, daß D i m i t r o f f, P o p o f f und T a n e f f f r e i g e l a s s e n werden sollen?" Hitler antwortete: „Das Gericht hat gesprochen, der Spruch wird erfüllt." Dies sei der genaue Wortlaut der Antwort Hitlers gewesen, unterstreicht der Korrespondent -Glauben Sie", so fragt der Korrespondent weiter, „daß diese Leute freigelassen und außerhalb der deutschen Grenzen gebracht werden?" Hitler habe geantwortet: „Das werden sie sicherlich" Obgleich er glaube, habe Hitler gesagt, daß ihre Freisprechung nicht der Meinung des deutschen Volkes entsprochen habe, werde der Spruch des Gerichts erfüllt werden.
„Unterstützt Hitler!"
Ein englischer Kriegsteilnehmer zeugt für den Führer des neuen Deutschland.
London, 18. Febr. (DNB.) „Sunday Dispatch" veröffentlicht unter der Überschrift „Gebt Hitler eine Chance" einen Artikel des Abgeordneten und Kriegsteilnehmers Moore. „Warum die- es Mißtrauen gegen Hitler", so führt er aus, „warum diese Bemühungen, ein finsteres Motiv hinter seinen Worten und Taten zu finden?" Ein derartiges Mißtrauen laufe allen englischen Ueber- lieferungen zuwider. Woher komme dies? „Ist es deshalb", fährt Moore fort, „weil wir es satt haben, die Tatsache hinzunehmen, daß die Demokratie in der ganzen Welt nicht fähig zur Führerschaft ist, die von den Menschen der Nachkriegszeit ersehnt wird?" Oberstleutnant Moore gibt bann einen Ueberblicf der Geschichte Deutschlands nach dem Kriege.
3m Viermächlepakl hätten England, Frankreich und Italien sich verpflichtet, die Verantwortung für den europäischen Frieden mit Deutschland zu teilen. Trotz der darin eingeschlossenen A n - erkennung der deutschen Gleichberechtigung habe man aber Deutschland dennoch d i e Mittel verboten, mit denen es seinen Verpflichtungen nachkom- m en könne. Auf der Abrüstungskonferenz habe sich Deutschland nach 18 Monaten wieder in der Lage des Gefangenen auf der Anklagebank gefunden. Deshalb sei der Bruch mit Genf erfolgt. „Gin erschüttertes Europa erwacht zu der Tatsache, daß 90 Millionen starke, selbständige und fortschrittliche Menschen ihre inneren Meinungsverschiedenheiten überwanden, ihre entgegengesetzten Interessen aussöhnten und zu einer einzigen und begeiferten Nation unter einem einzigen erwählten Führer wurden." Zum
größten Erstaunen der Welt habe sich Hitler als ein Mann des Friedens, als ein Staatsmann und als ein weitsichtiger Verwalter seines Landes erwiesen.
Ist eine Anklage, daß Hitler vom Frieden rede, aber den Krieg wünsche, berechtigt? Haden wir nicht seine letzten Worte gelesen und gehört, daß er aus öen letzten Soldaten und das letzte Gechütz verzichten will, wenn Gur o p a dasselbe tut? Haben wir nicht sein Versprechen gelesen, daß er Nichtangriffspakte mit seinen Nachbarn schließen will, und sehen wir mcht jetzt einen solchen Pakt mit Deutschland und Polen vor uns? Mit einem Wort: Hitlers Außenpolitik ist einfach: Friede mit feinen Nachbarn, aber em Friede mit E h r e." Was Oesterreich betrifft, so wünsche Hitler lediglich eine freie Abstimmung des österreichischen Volkes. In der I u d e n • frage verlange Hitler, daß diese den Gesetzen des Staates gehorchten. Wenn sie es nicht täten, feien sie Feinde des Staates und müßten als solche behandelt werden. Wenn sie es aber täten, konnten sie ihre normale Tätigkeit frei ausüben, wie er, Moore, dies selbst bei seinen persönlichen Beobachtungen in Deutschland festgestellt habe.
Abschließend sagte Oberstleutnant Moore: „Un - ter stützt Hitler! Aus Grund persönlicher Nachforschungen sprechend bin ich überzeugt, daß es Hilter vollkommen ehrlich und ernst meint und daß er mit einem flammenden Glauben an feine Mission erfüllt ist. Seine Mission ist, Deutschland aus feiner Stellung der Diskriminierung und Zweitklassigkeit zur Macht, Prosperität und zum Fortschritt zu führen. Jede Hilfe und Unterstützung, die ihm England geben kann, wird meiner Meinung eine wichtige und andauernde Wirkung für den europäischen Frieden haben.
Oie Dreimächte-Erklärung für Oesterreichs „Unabhängigkeit" Ein mageres Ergebnis langer Beratungen.
Paris, 17. Febr. (DNB.) Der Quai d'Orsay veröffentlicht am Samstagabend folgende gleichzeitig auch in Rom und London ausgegebene amtliche Verlautbarung:
„Die österreichische Regierung hat sich an die Regierungen Frankreichs, Englands und Italiens gewandt, um ihre Auffassung über die Akten einzuholen, die sie vorbereilel hat, um die deutsche Einmischung in die inneren Angelegenheiten Oesterreichs festzustellen und die sie ihnen übermittelte. Die Besprechungen, die zwischen den drei Regierungen hierüber stattfanden, haben zu einer übereinstimmenden Auffassung über die Notwen- digkeit geführt, die Unabhängigkeit und Integrität Oesterreichs gemäß den geltenden Verträgen aufrechtzuerhalten."
Englische Vorbehalte.
„Nicht gegen Deutschland gerichtet."
L o n b o n , 19. Febr. (DNB. Funkspruch.) „Daily Telegraph" bemerkt zu der Dreimächteerklärung, sie erfüllt Die beiden unentbehrlichen Bedingungen, von denen die britische Regierung ihre Unterstützung dieser Erklärung über Oesterreichs Regierung abhängig gemacht: sie schließt, soweit Großbritannien in Frage kommt, keine Garantie und kein Versprechen militärischen Vorgehens ein, sondern bezeugt nur die Bereitschaft, durch Einfluß und Rat bei der Erhaltung der Unabhängigkeit Oesterreichs mitzuhel- fen. Ueberdies hat die britische Regierung Oesterreich gegenüber ausdrücklich davon abgesehen, über die jetzige Streitfrage zwischen Oesterreich und Deutschland im voraus zu urteilen. Es Darf infolgedessen nicht angenommen werden, daß nach brittscher Auffassung diese neue Bekräftigung des Interesses an der Aufrechterhaltung der österreichischen Unabhängigkeit besonders oder ausdrücklich gegen Deutschland gerichtet ist. In britischen Kreisen erinnert man an eine Erklärung Simons im Parlament, daß England nicht die Aufgabe habe, sich in die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes einzumischen, mit anderen Worten: die jetzige Erklärung wird, soweit Großbritannien in Frage kommt, niemals gegen d i e Wünsche der Mehr- heitdes österreichischen Volkes gebraucht werden, um dort eine bestimmte Regierungsform aufrecht zu erhalten oder zu verbieten. Oesterreich
kann faschistisch, sozialistisch ober nationalsozialistisch werben, Großbritannien mürbe es nur verurteilen, wenn ihm eine bestimmte Regierungsform unter ausländischem Druck auferlegt werden würbe.
„Sunbay Expreß" sagt, ber Nationalismus von Dollfuß, ber eigentlich kein Nationalismus fei, werbe burch ausländische Bajonette unterstützt unb könne daher niemals erfolgreich sein. Das österreichische Volk verlange ein politisches Bünbnis mit Deutsch- lanb, und bie Zeit werbe kommen, wo es ein ber- artiges Bündnis haben werbe. — „Sunday Dispatch" schreibt: Ein Vergleich mit Dollfuß und seiner ungeschickten Behandlung ber österreichischen Lage rückt ben Reichskanzler in bas richtige Licht. Die Ereignisse ber letzten Woche haben bie Möglichkeit gegeben, zwei Männer, bie mit ähnlichen Aufgaben beschäftigt finb, zu vergleichen. Die Tatsachen Feigen, baß in Europa ein Staatsmann ist, ber fähig ist, in gigantischem Ausmaß zu arbeiten, ein Mann, mit bem man rechnen muß unb von bem man viel lernen kann. In Deutschland ist eine bas ganze Leben einer großen Nation umwälzenbe Revolution beinahe ohne Blutvergießen durchgeführt worden, weil Deutsch- lanb einen Hitler hatte, einen Staatsmann und nicht einen ungeschickten Politiker wie Dollfuß.
Oie Auffassung in Nom.
London, 19. Febr. (DNB.-Funkspruch) Wie ber „Times"-Berichterstatter in Rom meldet, wird auf bie gemeinsame Dreimächteerklärung über Oesterreichs Unabhängigkeit in bi ploma ti- schen Kreisen Roms großes Gewicht gelegt. Betont würbe insbesonbere, baß zum ersten- male seit bem Kriege bie brei Mächte bie Gemeinsamkeit ihrer Ansichten gemeinschaftlich kund- gegeben hätten. Freilich stellt ber „Times"-Berichter- ftatter an anberer Stelle seines Berichtes fest, die Abfassung der Erklärung habe beinahe zwei Wochen beansprucht, weil es den drei Mächten schwer fiel, sich auf eine für alle annehmbare Formel zu einigen. Cs hieße, daß Mus - olini für größeren Nachdruck im Wortlaut eingetreten sein. Man hoffe in Rom, daß nun Dollfuß den Völkerbund nicht mehr bemühen müsse. Sollte diese Hoffnung enttäuscht werden, dann werde Italien gegen einen Schritt Oesterreichs beim Völkerbund nichts einwenden und werde auch sicher Oesterreich in Genf unterstützen.
Die österreichischen Machthaber verteidigen ihren Kurs.
Oer bewaffnete Aufstand des sozialdemokratischen Schutzbundes für den 12. Februar vorbereitet.
Wien, 17. Febr. (DNB.) Bundeskanzler Dollfuß sprach Samstagabend vor der ausländischen Presse. Er führte u. a. aus: Die Ereignisse dieser Woche seien für alle, für die Regierung und für das Volk, eine Ueberraschung gewesen, wenn auch nach Meldungen der letzten Zeit mit einer bewaffneten Aktion der Sozialdemokratie habe gerechnet werden müssen. Die Sozialdemokratie habe sich mit den demokratischen Einrichtungen nicht begnügt, sondern seit Jahren bereits die Vorbereitung für die Machtergreifung des Proletariats getroffen. Aus der Wiener Wohnhaus st euer sei ein strategisches Nest für den Bürgerkrieg errichtet worden. Auf Schmuggelwegen sei die Sozialdemokratie mit dem gefährlichsten Kampfmaterial versorgt worden. Die Sozialdemokratie habe losgeschlagen, da ihre Führerstellung innerhalb der Arbeiterschaft zu schwinden gedroht habe. An dem Aufstand hätten 20 000 Schutzbündler von einer 1,5 Millionen zählenden Mitgliedschaft der Sozialdemokratie tcilge- uommen, somit nur ein verschwindender Teil. Der
Aufstand sei von einer kleinen, aber beft ausgerüsteten und militärisch ausgezeichnet ausgebildeten Gruppe getragen gewesen. Die gefallenen Opfer hätten Oesterreich vor einer furchtbaren, unübersehbaren Katastrophe gerettet. Es bestehe die Hoffnung, daß bald wieder normale Zustände hergestellt und das Standrecht aufgehoben werden könne. Die Exekutive habe in vorbildlicher Weise ihre Pflicht erfüllt. Die in der ausländischen Presse verbreiteten Zahlen über die Verluste seien falsch. Die Gesamtzahl der Toten betrage 239, die der Verletzten 628. Die Regierung hoffe, daß das geflossene Blut die Besinnung und die innere Befriedigung Oesterreichs bringen werde.
Oer Staatssekretär für das Sicherheitswesen Karwinsky
verlas sodann einen am Freitag in Linz gefundenen Bericht eines sozialdemokratischen Führers an die Wiener Parteileitung vom 11. tfebruar, in dem mitgeteilt wird, daß die Linzer Parteiführung nach reiflicher Ueberlegung den nicht


