Nr. 42 Erstes Blatt
I84. Jahrgang
Montag, 19.8ebruaN934
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General-Anzeiger für Oberhessen
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Der Makler.
Die seit längerer Zeit in Aussicht gestellte erneute englische Vermittlungsaktion in der Abrüstungsfrage hat begonnen. Der Notenaustausch, der in der letzten Zeit die beteiligten Kabinette beschäftigt hatte, hat einen vorläufigen Abschluß gefunden, nachdem vor allem das französische Memorandum deutlich gezeigt hat, daß auf diesem Wege die Dinge sich eher rückwärts als vorwärts entwickeln. Diesen Zustand der Stagnation will jetzt der Lordsiegelbewahrer Englands Eden durch seine Rundreise nach Paris, Berlin und Rom überwinden. Dabei will er einmal feststellen, ob die in den Denkschriften niedergelegten Auffassungen der Regierung unabhänderlich sind oder nicht, und Aum anderen die Möglichkeiten für einen Ausbau des englischen Kompromißvorschlages untersuchen, wie er in der letzten englischen Note in großen Umrissen angedeutet war. Wenn morgen Eden i n d i e Reichshauptstadt kommt, dann wird er der wärmsten Unterstützung der Reichsregierung sicher sein können, die in ihrem ehrlichen Bestreben um einen wirklichen Erfolg der Abrüstungsbemühungen in der Reise des englischen Staatsmannes einen dankenswerten Beitrag erblickt.
Die Lage allerdings, die Herr Eden auf seiner ersten Etappe in Paris antrifft, bildet keinen günstigen Auftakt für ehrliche Friedensbemühungen. Herr Eden steht vor der schweren Aufgabe, die Franzosen von der Notwendigkeit überzeugen zu müssen, im Interesse einer Befriedung Europas der Verwirklichung der deutschen Gleichberechtigung keine weiteren Schwierigkeiten in den Weg zu legen und selber einen Beitrag zur Abrüstung zu liefern. Die jüngste französische Note nimmt einen genau gegenteiligen Standpunkt ein und schiebt stattdessen den Gesichtspunkt der Sicherheit, der Kontrolle und Sanktionen in den Vordergrund. Man wird hoffen dürfen, daß der englische Unterhändler mit Energie die Franzosen darauf aufmerksam machen wird, daß eine Verweigerung der deutschen Gleichberechtigung einer bewußten Gefährdung des europäischen Friedens gleichkommt. Wie schon in der englischen Abrüstungsnote, so hat auch der englische Außenminister in seiner Rede vor dem Unterhaus unumwunden erklärt, daß Deutschland nicht länger die Gleichberechtigung vorenthalten werden dürfe, und daß naturnotwendig angesichts der geringen Abrüstungsbereitschaft der Siegerstaaten eine beschränkte RÜstungs - angleichung Deutschlands unvermeidbar sei. Die Franzosen werden nun zu diesen englischen Bemühungen Stellung nehmen müssen.
Mr. Eden kommt, wenn er in dieser Richtung auf Frankreich einzuwirken sich bemüht, nicht mit leeren Händen nach Paris. Die Franzosen behaupten immer wieder, daß sie wegen fehlender Sicherheitsgarantien zu einer Abrüstung nicht in der Lage seien. Hier setzt offenbar das englische Bemühen ein. Ging die englische Außenpolitik unter maßgeblichem Einfluß des Außenministers Simon noch bis in die jüngste Zeit darauf hinaus, alle weiteren Garantien abzulehnen und den Franzosen lieber durch Verweigerung der deutschen Gleichberechtigung entgegenzukommen, so ist hier durch den wachsenden Einfluß Edens ein gewisser Wandel zu verzeichnen. Wenn auch die Frage der Sicherheitsgarantien im englischen Memorandum und auch in der Rede Simons nur ganz am Rande behandelt worden ist, so stellte doch die Times in einem offenbar inspirierten Artikel den Grundsatz auf, daß nach Inkrafttreten der Abrüstungskonvention es die selbstverständliche Pflicht eines jeden Signatarstaates fein würde, Maßregeln zur Innehaltung der Konvention dann zu treffen, wenn eine Macht einseitig die Kon- üentionsbeftimmungen übertreten würde. Damit ist eine aktive Sicherheitspolitik, eine grundsätzliche Garantie von England zur Diskussion gestellt, und also an einem entscheidenden Punkte den französischen Wünschen Rechnung getragen. Berücksichtigt man, daß nach wie vor die deutsche Bereitwilligkeit gilt, langfristige Nichtangriffsverträge abzuschließen, so ist kaum zu erkennen, was bei diesem neuen englischen Angebot den Franzosen länger aum Vorwand dienen könnte, die Abrüstung und die Deutsche Gleichberechtigung zu verweigern.
Wenn her Lordsiegelbewahrer nun nach Berlin kommt, wird bereits erkennbar sein, ob diese ernsten englischen Anstrengungen von Frankreich ehrlich gewürdigt und berücksichtigt werden. Die Sicherheitsidee Englands wird auch in Berlin positive Aufnahme finden, sofern die Garantien gleicherweise Deutschland zugute kommen. Hierüber wie über eine Reihe anderer Mängel, die das englische Memorandum vom deutschen Standpunkt aus aufwies, wird im einzelnen zu verhandeln fein. Es sei hier an die Haltung Englands in der Frage der militärähnlichen Verbände der ßuftabrüftung und an die englische Forderung auf Rückkehr Deutschlands in den Völkerbund erinnert. In diesen Punkten haben die bisherigen englischen Erklärungen den deutschen Forderungen noch nicht Rechnung getragen. Man ist aber in maßgeblichen Berliner politischen Kreisen von dem ernsten Willen des englischen Unterhändlers allzusehr überzeugt, als daß man hier unüberwindliche Schwierigkeiten sähe. So viel ist sicher, die Berliner Verhandlungen werden von dem Augenblick an, unter positiven Vorzeichen stehen, wo es Herrn Eden gelingen sollte, Paris zur Einsicht zu bewegen. Die Bedeutung der Bemühungen Edens kann nicht unterschätzt werden. Die Si- >cherheitspläne, die der Lordsiegelbewahrer mitbringt, sind ein neues Moment für die ganze Abrüstungs- Diskussion. Wenn es der französischen Regierung «ernst ist, auch französischerseits einen wirklichen Beitrag zum europäischen Frieden zu liefern, dann tann sie sich nicht dem Gewicht der Argumente entziehen, kann dann aber auch unter dem Schutz der «Garantie keine Minute länger mehr die deutsche Gleichberechtigung anfechten.
Oer tragische Tod König Alberts von Belgien.
Oer Monarch bei einer Bergbesteigung das Opfer eines Absturzes in den Maas-Kelsen von Namur geworden.
Oie erste Nachricht.
Brüssel, 18. Febr. (DNB.) Der König der Belgier, Albert L, ist gestern bei einer Bergbesteigung in der Nahe von Namur tödlich verunglückt.
König Albert, der ein leidenschaftlicher Bergsteiger war, hatte sich gestern nachmittag in einem von ihm selbst gesteuerten Kraftwagen, nur von seinem Kammerdiener begleitet, in die Nähe von Namur begeben. Der König verließ dann den Wagen und erklärte dem Diener, daß er d e n etwa 2 0 0 Meter hohen Felsen Marches les Dames besteigen wolle und in etwa einer Stunde wieder zurück sein werde. Als jedoch der König nach der angegebenen Zeit nicht zurückgekehrt war, wurde der Kammerdiener unruhig und telephonierte von der nächftgelegenen Ortschaft aus, nachdem er zunächst vergeblich nach dem Monarchen gesucht hatte, nach Brüssel, von wo sofort eine Hilfsexpedition abging. Gegen 14 Uhr fand dann die Expedition, die von Ortskundigen und Gendarmerie unterstützt wurde, König Albert a m Fuße eines Felsens tot auf. Die Leiche wies am Nacken eine schwere Verletzung auf. Nach den ersten Feststellungen scheint der Tod auf der Stelle eiugetreten zu sein.
WieKönigAlbertdenTodfand
Das Gut Marche-les-Dames, in dessen Nähe der König der Belgier umgekornmen ist, befindet sich etwa fünf Kilometer von Namur entfernt. Es gehörte vor dem Kriege dem Prinzen von Arenberg. Das Schloß wurde in den Augusttagen 1914 auf Veranlassung der belgischen Militärpolizei, die dort einen Spionageherd vermutete in die Luft gesprengt. Später ließ es der Besitzer wieder aufbauen.
Die Unglücksstelle liegt an der Straße Na- mur-Marche-les- Dames, die auf der einen Seite von der Maas, auf der anderen Seite von wildromantischen Felsen umrahmt wird. Der Absturz muß sich gegen 17 Uhr ereignet haben. Nach den örtlichen Untersuchungen vermutet man, daß der König beim Klettern s i ch an einem Felsstück Hochziehen wollte, dieses aber nachgab, so daß der König in die Tiefe stürzte. Der Tod muß auf der Stelle eingetreten fein. An der rechten Seite des Nackens befindet sich eine große Verletzung An den Felsen hat man Blutspuren und Hirnteile gefunden. Der Sturz des Königs scheint aus einer Höhe von 12 Metern auf die direkt unter dem Felsen führende Straße erfolgt zu sein. An der Unglücksstelle ist die Straße sehr eng. Die Felsen, die sie überragen, erreichen teilweise eine Höhe bis zu 200 Meter.
Der König hielt sich fast jedes Jahr einige Zeit in den Schweizer Bergen auf. Oft suchte der König, wenn seine längere Abwesenheit von Brüssel nicht möglich war, die landschaftlich reizvolle Gegend bei Namur auf, wo er — meift ganz allein — längere Fußwanderungen und kleine Felsbestei- gungen unternahm. Er hielt sich hier incognito unter dem Namen eines Grafen von Rethy auf.
Die Nachricht von dem Unglücksfall wurde erst in den Morgenstunden durch Radio bekannt. Die Bevölkerung merkte allerdings schon in der Nacht, daß sich etwas außergewöhnliches ereignet haben mußte. Dauernd trafen aus der Richtung Brüssel Automobile ein, deren riesige Scheinwerfer das Dunkel der Nacht durchdrangen. Insbesondere in der Gegend von Arenberg war ein dauerndes Kommen und Gehen, lieber den wirklichen Grund der Aufregung ahnte allerdings niemand etwas.
Oie Aufbahrung in Laeken.
Die Leiche wurde gegen 3.30 Uhr nach Schloß L a e f e n übergeführt. Der Königin hatte man zunächst nur schonend mitgeteilt, daß ihr Gemahl einen Autounfall erlitten habe. Erst gegen 6 Uhr wurde ihr die volle Wahrheit gejagt. Die Leibärzte des Königs haben die Aufbahrung der Leiche im Schloß vorgenommen. Prinz Leopold, der Thronfolger, der augenblicklich in der Schweiz weilt, ist sofort telegraphisch verständigt worden und wird für heute abend in Brüssel erwartet. Mit ihm wird auch der Prinz Charles aus Ostende erwartet. Noch im Laufe der Nacht haben sämtliche Mini st er dem toten Monarchen die letzte Ehre erwiesen. Gemäß dem Dorgefd)riebenen Zeremoniell sand am Sonntagabend im Schloß von Laeken die amtliche Todesfeststellung statt. Es nahmen sämtliche Minister, die Präsidenten der beiden Kammern, Beamte des Justizministeriums und der Staatsanwaltschaft daran teil. Das Protokoll wurde von dem Ministerpräsidenten, dem Justizminister, dem Staatssekretär des Königlichen Hauses, dem Oberhofmarschall und dem Bürgermeister von Brüssel ^unterzeichnet. Der König ist in seinem Schlafzimmer aufgebahrt in Khaki-Uniform, auf der Brust das große Band des Leopold- ordens; der Kopf ist verbunden. Drei seiner Adjutanten, ein Hofgeistlicher und zwei barmherzige Schwestern halten die Totenwache.
Nach einem Beschluß des Ministerrates findet die Beisetzung des toten Königs am Donnerstag in der königlichen Gruft im Schlosse zu Laeken statt. Am Montag wird die sterbliche
Hülle des Monarchen von Laeken nach dem Schloß in Brüssel übergeführt. Die Frontkämpferve r- e i n i g u n g e n werden Spalier bilden. Auf dem Wege zum Schloß wird der Trauerzug vor dem Grabe des unbekannten Soldaten Halt machen und eine Minute in Schweigen verharren. Am Donnerstag findet in der Brüsseler Kathedrale Sainte-Gudule die Trauermesse statt. Don dort geht der Leichenzug durch die Stadt nach Laeken zurück. Die feierliche Einsetzung des Kronprinzen Leopold zum König der Belgier erfolgt am Freitag, dem Tage nach der Beisetzung des verstorbenen Königs.
VelgiensTrauer um feinen König
Brüssel, 18. Febr. (DNB.) Die Nachricht von dem Tode des Königs, der bei allen Schichten der Bevölkerung sich einer außergewöhnlichen Beliebtheit erfreute, hat im ganzen Land Bestürzung herovrgerufen. Die Trauerbotschaft ist in Brüssel erst im Lause des Vormittags durchgedrungen, und zwar zunächst als ein Gerücht, an das niemand glauben wollte, das aber dann bald darauf feine furchtbare Bestätigung erfuhr, als die Extraausgaben der „Jndöpendance Belge" und der „Nation Belge" mit dem Bilde des Monarchen Proklamation an
Brüssel, 18. Febr. (DNB.) Der Kabinettsrat hat folgende Proklamation an das belgische Volk beschlossen:
Der König ist tot. Am Anfang des 25. Regierungsjahres, in dem das von ihm gerettete Vaterland ihn mit doppelter Hingabe und Hochachtung umgab und mehr denn je auf feine Ruhe, Heiterkeit und Weisheit inmitten der Gefahren der Gegenwart zählte, hat ein schreckliches Unglück Belgien seines Herrschers beraubt, auf den es so stolz war. Der Schmerz der Nation ist groß. Ihr erster Gedanke ist der einer unbegrenzten Dankbarkeit für den König, der — ein würdiger Nachfolger feines Großvaters und seines Oheims, alle Kräfte feiner hohen Geiftes- gaben und alle Quellen feines großmütigen Herzens dem Dienste Belgiens gewidmet hat. Das Land hat einen Führer, eine Stütze und einen unvergleichlichen Diener verloren, der im Kriege wie im Frieden nur für fein Land gedacht, gehandelt und gelebt hat. Die
erschienen und in großen, schwarz umränderten Lettern verkündeten: „Le roi est m o r tBald staute sich am königlichen Schloß die Menge. Unübersehbar ist die Schar der Menschen aus allen Ständen, die ununterbrochen seit dem Vormittag zum Schloß ziehen, um sich in die dort ausgelegten Listen einzutragen und dadurch ihre Teilnahme zu bekunden.
Die Chefs der diplomatischen Missionen haben im Laufe des Tages in der königlichen Residenz und im Außenministerium persönlich vorgesprochen und das Beileid ihrer Regierungen überbracht. Als einer der ersten erschien der deutsche Geschäftsträger D r. Breuer. Der Außenminister dankte dem Vertreter der Reichsregierung in bewegten Worten und bat ihn, den Dank auch dem Reichskanzler und der Reichsregierung zu übermitteln. — I n den Kirchen wurde das Ableben des Monarchen den Gläubigen von der Kanzel verkündet. Ein feierliches Te Deum, das aus Anlaß der Papftkrönungsfeier stattfinden sollte, wurde abgesagt. — Punkt 12 Uhr ertönten 101 Kanonenschüsse. Alle öffentlichen Veranstaltungen, Theatervorstellungen, Konzerte sowie die in den nächsten Tagen angesetzten Empfänge sind bis zum Tage nach der Beisetzung abgesagt worden.
Volk und Armee.
Dankbarkeit des Volkes umgibt feine sterbliche Hülle und bereitet seinem Namen den Ruhmeskranz. Albert I. war ein Staatsmann und ein Soldat. Belgien wendet sich an Ihre Majestät die Königin in ehrfurchtvoller tiefer Trauer, dem einzigen Tröste, der ihr gegeben werden kann. Belgien fetzt feine Hoffnungen auf den Nachfolger der drei großen Könige, die das Vaterland begründet, vergrößert und gerettet haben. Er möge mit Hilfe der Vorsehung das Werk seines erhabenen Vaters fortsetzen und die Aufgaben zum Guten führen, die dieser so herrlich verfolgte, in loyaler Ausübung der Rechte und Pflichten seiner verfassungsmäßigen Vorrechte.
Der Kriegsminister hat einen Tagesbefehl an d i e Armee erlassen und die Trauer angeordnet. In dem Tagesbefehl heißt es u. a.: Die Armee beweint ihren obersten Chef, dessen Tapferkeit, Energie und Seelengröße das Vaterland in tragischer Stunde gerettet haben.
Oer Lebensweg König Alberts.
König Albert I. wurde am 8. April 1875 als zweiter Sohn Les Prinzen Philipp von Flandern und seiner Gemahlin Maria geborene Prinzessin von Hohenzollern in Brüssel geboren. Sein Vater Prinz Philipp war ein Sohn des Königs Leopold I. aus dessen zweiter Ehe mit Luise, Prinzessin von Orleans, also ein Bruder Leopold II. Da der einzige Sohn, der aus der Ehe Leopolds II. mit Maria Henriette, Erzherzogin von Oesterreich, hervorgegangen war, Prinz Leopold, im frühen Alter starb, wurde die Thronfolge zunächst dem Prinzen Philipp von Flandern übertragen. Dieser starb 1905, und da auch fein ältester Sohn, Prinz Balduin, am 23. Januar 1891 verschieden war, so ging die Anwartschaft auf die Krone auf Prinz Albert über. Der Prinz genoß in dem fast mit bürgerlicher Einfachheit geführten Haushalt seiner Eltern eine schlichte, aber gründliche Erziehung. Eine besondere Neigung faßte er zum militärischen Beruf.
Am 17.12.1909 bestieg dann Prinz Albert als Nachfolger König Leopolds II. den belgischen Thron. Schon bei seinem Regierungsantritt genoß er eine große Popularität, die später noch infolge feines bürgerlich-rechtschaffenen Lebenswandels zunahm. In der inneren Politik feines Landes, die in den Jahren bis zum Krieg durch große Arbeits- ftreitigfeiten und Kämpfe zwischen Den Liberalen und Katholiken gekennzeichnet wurde, trat er als konstitutionel beschränkter Monarch wenig hervor. Lediglich zu dem Stammes st reit der Wallonen und Flamen nahm er gelegentlich Stellung, so z. B. 1912, als ein Wallonenkongreß in Lüttich die Verwaltungstrennung der Wallonei von Flamland gefordert hatte. Der König richtete hiergegen bei einem offiziellen Besuch in Antwerpen einen Apell an beide Streitteile mit der Mahnung zur Einigkeit.
Zu Anfang machte auch die sogenannte Kobur - g e r Stiftung Leopolds II. dem König Albert manche Schwierigkeiten. Anfang 1911 schloß die belgische Regierung mit dem Verwaltungsrat der Stiftung einen Vergleich, wonach diese ihren Aktivbestand von etwa 75 Millionen Franken mit geringen Ausnahmen dem belgischen Staat zurückgab. Indessen verzichtete vorläufig nur der König und Prinzessin Klementine auf ihre aus der Stiftung hervorgehenden Rechte, während die arg verschuldete Prinzessin Luise von Koburg den belgischen Staat auf Herausgabe ihres Anteils verklagte. Prinzessin Stephanie erhob ebenfalls Klage. Der Prozeß wurde 1914 durch einen Vergleich beendigt.
AlsderKrieg ausbrach, trat der König, feinen militärischen Neigungen folgend, an die Spitz« der
Armee, mußte sich aber bald mit dieser nach Antwerpen zurückziehen. Am 7. Oktober 1914, kurz vor dem Fall der Festung, mußte er auch dort flüchten. Er begab sich nach Ostende und von dort weiter nach Le Havre, wo er bis zum Kriegsende residierte. Er bewährte sich als tapferer Soldat und wurde auch, gelegentlich eines Fluges über den deutschen Linien, verwundet.
Seit dem 2. Oktober 1900 war König Albert I. mit Elisabeth, Herzogin von Bayern, vermählt. Er hatte drei Kinder: Kronprinz Leopold, geboren 3. November 1901, seit 4. November 1926 vermählt mit der schwedischen Prinzessin Astrid, die ihm am 11. Oktober 1927 eine Tochter schenkte, Prinz Karl, geboren 10. Oktober 1903, und Prinzessin Marie I o s £, geboren 4. August 1906, seit 8. Januar 1930 vermählt mit dem italienischen Kronprinzen Umberto.
Oeutschlands Teilnahme.
Der Reichspräsident an die Königin. Halbmast in der Wilhelmstratze.
B e r l i n, 18. Febr. (DNB.) Der Herr Reichspräsident hat aus Anlaß des Todes Seiner Majestät des Königs der Belgier an die Köni- g i n folgendes Telegramm gerichtet:
„Tief erschüttert durch die Nachricht von dem plötzlichen Tode Seiner Majestät des Königs der Belgier bitte ich Sie, die Versicherung meines aufrichtigen Mitgefühls und den Ausdruck tiefempfundenen Beileids entgegennehmen zu wollen."
Der Staatssekretär des Reichspräsidenten, Dr. Meißner, stattete heute vormittag dem belgischen Gesandten, Grafen de Kerchove, einen Besuch ab und brachte ihm auch mündlich die Anteilnahme des Herrn Reichspräsidenten zum Ausdruck. Ferner hat im Auftrag des Reichskanzlers und des Reichsminister Des Auswärtigen der Chef des Protokolls, Gesandter Graf von Bassewitz, dem belgischen Gesandten, Grafen de Kerchove, einen Be- such abgeftattet und ihm das Beileid der Reichsregierung ausgesprochen. Der Reichs- minifter des Auswärtigen, Freiherr von Neurath, hat an den belgischen Außenminister Hymans em in herzlichen Worten abgefaßtes Beileidstelegramm gerichtet. Das Auswärtige Amt, die Reichskanzlei und der Reichstag haben'alsbald nach Bekanntwerden der Trauernachricht die Di«nstfiagg»n auf Halbmast gefetzt.


