Nachdruck verboten!
3 Fortsetzung.
Die Gräfin klagte:
„Wie sie manchmal sein kann! Und sie bringt es wahrhaftig fertig und sucht den — den Rudolf auf."
„Fürchten Sie da etwas für sich, liebe Gräfin? Sie ist seine Tante, und wenn sie einmal nach ihm sehen will, dann finde ich das sehr nett von ihr", meinte der Geheimrat Welser und trank einen Schluck Kaffee.
Der Graf mischte sich in das Gespräch:
„Nun, nun, er wird sie nicht anders empfangen, wie er uns empfangen hat. Meine Schwester wird einsehen müssen, daß er mit keinem Menschen seiner Sippe mehr etwas zu tun haben will, und dann wird sie schon merken, daß er nicht normal ist."
„Oder es kommt anders. Tante Molchen ist em goldiger Mensch", sagte der Geheimrat zänkisch.
Die Söhne erhoben sich unter irgendeinem Borwand und baten, sich entfernen zu dürfen. Es wurde ihnen auch gewährt.
„Wir haben nichts erreicht. Absolut nichts. Em zweitesmal versuche ich es nicht. Und wenn ich es mir recht überlege, es war eigentlich — es war — hm — man hätte es nicht tun sollen."
„Dummfrech war's", meinte der Geheimrat und wiegte den grauen Schädel. „Ganz recht hat er daran getan, uns hinauszuwerfen."
Die Gräfin sagte vorwurfsvoll:
„Alle Welt behauptet, Rudolf sei geisteskrank."
„Ja, weshalb eigentlich? Woraus schließt man das? Weil der Mann allein zu sein wünscht? Komische Menschen! Er hat sie eben alle zusammen satt und will einsam dahinleben. Zudem — wenn er die Frau so sehr geliebt hat, ist sein Einsiedlerleben doch mehr wie verständlich. Könnten sich die Verwandten seiner Frau denn nicht seiner ein wenig annehmen?"
„Die kennt kein Mensch, diese Verwandten. Es heißt aber, daß der Vater ein Spieler und Abenteurer ist."
„Soso?!" Der Geheimrat putzte seine Brille. Dann machte er noch einmal: „Soso?!"
Die Gräfin erhob sich. Sie bat die Herren, sich nicht stören zu lassen, sie habe leider noch mit der Mamsell eine Unterredung bezüglich des Abendessens.
Das Rätsel einer Frühlingsnacht Vornan von Gert Nothberg.
Urheberrechtsschutz: Fünf Türme-Verlag, Halle, Saale
„Unb — lieber Geheimrat, Sie bleiben doch da und speisen mit uns? Ich bitte recht sehr daruin.
Dieser liebenswürdigen Einladung konnte der alte Herr nicht widerstehen. Er nahm dankend an und küßte der Gräfin die Hand.
Der Geheimrat meinte, als er mit dem Schloßherrn allein war: .
Schade ist es, daß Graf Rudolf Härtlingen sich so schroff von aller Welt zuruckzieht. Wenn man ihm eine andere schöne Frau präsentieren konnte, würde es sich bald genug zeigen, daß er nicht geisteskrank ist."
„Ich habe nun genug von der ganzen albernen Geschichte. Aber ganz nebenher möchte ich doch bemerken, daß ich doch nicht bloß Schloß Härtlingen im Auge habe, sondern doch auch in erster Lime den alten Namen. Solange der rätselhafte Tod der Frau nicht geklärt ist, wird immer etwas sitzenbleiben auf meinem Neffen. Es gibt niederträchtige Klatschmäuler, zur Verzweiflung können sie einen bringen. Dabei sind sie so klug, daß man sie nie fassen kann."
Der alte Herr war wirklich ganz unglücklich darüber, und der Geheimrat fühlte das auch mit. Aber sehr albern war diese heutige Fahrt nach Schloß Härtlingen trotzdem gewesen: davon brachte ihn jetzt, da er den Grafen Rudolf gesehen, nichts mehr ab. ..
Die beiden Herren saßen in der gemütlichen Rauchecke, und die Gräfin hatte eine gute Flasche Wein geschickt. Nun hielten sie es aus bis zum Abendbrot. Trotzdem sich jeder Mühe' gab, ein anderes Thema 'festzuhalten, war man zuletzt eben doch wieder bei Schloß Härtlingen und seinem einsamen Bewohner angelangt.
Und da meinte der Geheimrat, vorsichtig flüsternd:
„Mir ist da ein seltsamer Gedanke gekommen. Wenn die junge Gemahlin des Grafen Rudolf eine — hm — wenn die Verwandtschaft nicht allzu gut ist, so wäre es doch immerhin möglich, daß jemand aus dieser Verwandtschaft Geld von ihr erpressen wollte, und als er keines erhielt, die Tat im Jähzorn ausführte."
„Möglich wäre es schon. Aber die Behörden haben damals auch dahin die Fühler ausgestreckt, und da hat es sich herausgestellt, daß ihr Vater tatsächlich die ganze Zeit über im Ausland gelebt hat. Und weitere Verwandte besitzt sie nicht. Oder doch! Es ist da noch eine jüngere Schwester da. Aber sie befindet sich seit frühester Kindheit in der Schweiz in irgendeinem vornehmen Pensionat. Und ein Bruder, unbekannten Aufenthalts."
Der Geheimrat schüttelte die graue Mähne.
„Dann ist ja wirklich Hopfen und Malz verloren. Wer soll es denn sonst getan haben? Grund zur Eifersucht wird Graf Rudolf doch auch nicht gehabt haben; denn Sie sagen ja, lieber Freund, daß
die zwei in Härtlingen wie die Turteltauben gelebt haben." . ... ,
Sehen Sie, nun wissen Sie auch nicht mehr weiter Und da ist eben immer wieder der Verdacht, der auf meinem Neffen sitzenbleibt. Er kann eben doch wahnsinnig sein. So etwas befallt den gesündesten Menschen zuweilen. Er verließ die Zusammenkunft der Agrarier vorzeitig, obwohl ihn gute Bekannte baten, noch zu bleiben. Er kann sich irgendeine fixe Idee in den Kopf gesetzt haben und aus dieser heraus — na ja — wäre das dann vielleicht nicht möglich?"
Der alte Arzt war sehr nachdenklich geworden. Trotzdem: er war nach wie vor überzeugt, daß Graf Rudolf Härtlingen der gesündeste Mensch sei.
3. Kapitel.
Und wieder vergingen die Monate. Sie brachten dem alten Park von Härtlingen den Frühling. Herb duftete die Erde, und die Blumen, die ersten schönen Frühlingsblumen prangten in der schon recht warmen Sonne. Die Knospen an den Bäumen schwellten, und ehe man es sich versah, blühte und grünte es in allen Ecken und Winkeln. Die Stare und die Amseln liefen geschäftig hin und her. Die Spatzen lärmten vergnügt um das Teehaus, und allerlei Infekten wagten sich hervor.
Wieder einmal Frühling!
Graf Rudolf Härtlingen schritt in Gedanken verloren auf dem gewundenen Wege dahin.
Die Zeit strich über das Traurige, Unfaßliche, das ihn einsam hatte werden lassen, dahin. Ohne zu lindern!
Der Schmerz blieb.
Zuweilen ging er nachts auf den Friedhof hinüber. Der alte Wärter kannte ihn und schloß ihm schweigend auf, wenn er kam. Dann stand er lange, lange, blickte auf das Grab, das fein Liebstes umschloß. Die große, eiserne Platte schien ihm wie ein Todfeind. Sie deckte den wundervollen Körper Lelios, gab ihn nicht wieder her, hielt ihn fest für alle Zeiten.
Celia!
Celia, ich liebe dich! Warum hast du mich verlassen, Celia? Du mußtest doch wissen, daß mein Ceben zerbrach, wenn du mich verläßt?
Ein Käuzchen klagte im Gebüsch, und dicht über seinem Kopfe flog eine Fledermaus dahin. Die Kränze und Schleifen raschelten. So viele, viele hatte er in diesen Monaten hierhergetragen, denn Celia hatte die Blumen so sehr geliebt. Was sollten diese Blumen nun daheim in Schloß Härtlingen? Sie mußten alle hierhergetragen werden, hierher, wo Celia für immer schlief.
Graf Härtlingen schritt weiter. Immer weiter. Er wußte es vielleicht nicht einmal. Er dachte an Celia, die dort drüben in der Gruft ruhte.
Er ging nur nachts hinüber. Er wollte und konnte sich nicht begaffen lassen, wenn er am Grabe Celias stand.
Wie jetzt die Sonne schien! Wie es ringsum zirpte und jubilierte! Wie es grünte und blühte! Und die, deren kleine Füße leichtfüßig durch den alten Park von Härtlingen gehuscht waren, die ruhte still und starr in der alten Gruft. War es denn zu fassen?
Was ein solches Ceib aus einem Menschen machen konnte! Wer ihm das früher einmal gefaat hätte, daß er, völlig versteinert in Schmerz und Ceib, sich gänzlich von allen Menschen zurückziehen wurde!
Und es war doch so! Er hatte keine Sehnsucht nach den Menschen. Ihre Neugierde, ihr mühsam verborgenes Mißtrauen würden ihn umgeben wie lästige Insekten. Er wollte nichts mehr von der Welt, weil Celia tot war.
Graf Härtlingen blieb stehen und blickte auf ein Beet voll blauer Sternblumen.
Celias Augen! Diese Farbe hatten Celias Augen!, dachte er, und fein Herz zuckte wild und schmerzhaft.
Er setzte sich auf die alte Steinbank, auf die die Sonne schien. Und während er hier saß und vor sich hinstarrte sah er ganz plötzlich im Geiste Venjo Holm vor sich, wie er lachend den Kopf zuruckwarf und dann sagte:
„Heber Geschehenes muß man hinwegkommen. Nur nicht bei etwas stehenbleiben, was nicht mehr ist, was uns zu sich hinabziehen will. Das Lebende, Blühende hat recht. Alles andere ist nur noch Wahn!"
Bei irgendeiner Gelegenheit hatte Venjo so gesprochen. Lelia war auch dabei gewesen. Und sie hatte hellauf gelacht dazu.
„Venjo hat recht, Rudolf! Ganz und gar recht hat er. Er will auch ein Bild malen. Machendes Leben' will er es nennen. Er ist schon auf der Suche nach einem passenden Modell", hatte sie dann, noch immer lachend, gesagt.
Lelia, diese lachende Bejahung des Lebens, sie war tot!
Und wo war Venjo? War er auch gestorben? Und war nur er noch übriggeblieben von jenen wundervollen Sommertagen in Schloß Härtlingen?
Wieder saß der Graf regungslos da.
Venjo! Weshalb schrieb er nicht, wenn er noch am Leben war? Das war ja doch so unfaßlich, daß Venjo schwieg! Aber er wußte nichts! Er wußte noch nichts von Lelias grauenhaftem Ende. Er würde wieder irgendwo das Leben genießen, würde es durchrasen, um dann aus all diesem guten unb bösen Erleben neue Kräfte zu schöpfen für sein künstlerisches Schaffen.
(Fortsetzung folgt.)
Nachruf
im Alter von 41 Jahren zu sich in die Ewigkeit.
0320
Die Führerschaft.
werden.
350D
Am 14. Januar verschied unser lieber Kamerad
Die Beerdigung findet Sonntag, den 21. Januar 1934, in Traben-Trarbach statt.
Jahrelang hat er im Vorstand treu für unseren Verein gearbeitet. — Sein Andenken wird bei uns in Ehren gehalten
Philipp Müller
Kriminal-Oberinspektor i. R.
Gott nahm uns heute nacht 271 Uhr unerwartet meinen liehen Gatten, meinen guten Vater, unseren Sohn, Schwager und Onkel
Philipp Mertgen
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Frau Paula Mertgen, geb. Holz.
Heute morgen 4% Uhr entschlief sanft nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden mein innlgst- geliebter Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel
Herr Johannes Pitz
im Alter von 76 Jahren.
In tiefer Trauer:
Maria Kath. Pitz, geb. Schenk nebst Kindern.
Garbenteich, den 18. Januar 1934.
Beerdigung: Samstag, den 20. Januar, nachmittags 3% Uhr.
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Roggenkaffee..............Pfd. -.23
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Hartweizengrieß...........Pfd. -.25
Haferflocken, lose.........Pfd. -.22
Kartoffelmehl..............Pfd.-.22
Hartgr.-Makkaroni K.......Pfd. -.36
Eierschnittnudeln..........Pfd. -.38
Kalif. Pflaumen........Pfd. -.38, -.28
Mischobst..................pfd. -.50
Kokosfett...................Pfd. -.53
Auszugmehl........5-Pfd.-Beutel 1.-
Auszugmehl........2 Pfd.-Beutel -.42
Feinstes Weizenmehl... 5 Pfd. -.90 Feinstes Weizenmehl... 2 Pfd. -.38 Kaiser s Salatöl, lose.....Ltr. 1.05
Feine jg. Schnittbohnen l/t Dose -.48 Feine jg. Brechbohnen i/l Dose -.50 Gemüse-Erbsen........Vt Dose -.55
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Milchnuß-Schokolade ... .Tafel -.19
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____________(auf alle Waren außer Zucker)
Mahnung.
Die Beiträge für den Monat Dezember 1933 können noch bis zum 25. Januar 1934 ohne Kosten bezahlt werden. 348D
Nach Ablauf dieser Frist erfolgt Kostenberechnung evtl. Beitreibung.
Die Einzahlung kann täglich, außer Samstag, an unsere Kasse oder auf unser Postscheckkonto Amt Frankfurt a. M. Nr. 10833 erfolgen.
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