Ur. 244 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Donnerstag, 18. Oktober 1934
Der Grünberger Gallusmarkt.
Der erste Tag.
-t- Grünberg, 17 Ott. Wahrend aus dem oberen Teil der K ä s w i e j e, dem Platze, wo alljährlich der Gallusmarkt abgehalten wird, schon Ende voriger Woche Teile des Juxplatzes aufgebaut wurden, entstand am Dienstagnachmittag, nachdem Marktmeister Frank die Verlosung der Stände vorgenommen hatte, in kurzer Feit eine kleine Zeltstadt und bot dem Auge des Beschauers das alle Jahre übliche Bild des Marktes. Am Abend sand dann in gewohnter Weise aus dem Rathaus am Marktplatz durch Hissung der Marktsahne unter entsprechender Ansprache des Bürgermeisters die feierliche Eröffnung des Marktes statt. (Siehe unseren gestrigen Bericht.)
Am Mittwochmorgen begann schon früh der Auftrieb zum
Lieh- und Schweinemarkt.
Wie alle Jahre, bewahrheitete sich auch diesmal die Tatsache, daß der Gallusnmrkt einer der größten Ferkelmärkte Oberhessens ist. Es waren aufgetrie- ben: 889 Ferkel, 8 Stück Rindvieh und 1 Fohlen. Folaende Ferkelpreise wurden erzielt: sechs bis acht Wochen alte Tiere 12 bis 15 Mark, acht bis zehn Wochen alte 15 bis 18 Mark, zehn bis dreizehn Wochen alte 18 bis 22 Mark. Marktoerlauf lebhaft, bei kleineren Tieren geringer Ueberstand. — Rinder: 1 bis l'/sjährig 80 bis 150 Mark. Kühe: 220 bis 280 Mark je nach Güte und Qualität.
Mittlerweile hatte sich das Wetter verschlechtert; es begann ein leichter Regen, der fast den ganzen Tag über anhielt. Trotzdem setzte um die Mittagsstunde
starker Zustrom von Markibesuchern
ein. Die Reichsbahn hatte von Gießen und von Burg- und Rieder-Gemünden je einen Sonderzug eingelegt, ebenso verkehrte auf der Butzbach—Licher Strecke ein Sonderzug. Diese Züge, wie xmch die verstärkt fahrenden fahrplanmäßigen Züge der
Mittagszeit waren sehr stark besetzt. Dazu kamen die vielen Besucher, die zu Fuß, mit Fahrrad oder Auto erschienen waren; auf dem Marktplatze in der Stadt parkten Kolonnen Autos So setzte denn um die Mittagszeit der Hauptbetrieb aus dem
Krämermarkt und Zuxplatz
ein. lieber 150 Stände waren in mehreren Gassen aufgebaut, der Juxplatz wies zwei Karusselle, zwei Schießhallen, Flohzirkus, humoristisches Velodrom, Stierkampfschau, Zirkus und andere Sehenswürdigkeiten auf. Wenn auch der Regenschirm das Feld beherrschte und man wieder einmal durch den sprichwörtlich gewordenen „Gallmährtsdreck" waten mußte, so war doch starker Verkehr auf dem Jur- platz und in den Budengassen, der freilich bei dem Regen diesmal nicht so lange anhielt als in anderen Jahren. Auch die Geschäftshäuser
n Der Stadt
und ganz besonders die Gasthäuser und Kaffeestuben waren dicht besetzt; das Regenwetter war für sie von Vorteil In den späteren Nachmittagsstunden begann in verschiedenen Sälen der Stadt Tanz, dem die zahlreich erschienene Jugend der Umgebung fleißig huldigte. In den meisten Lokalen der Stadt konzertierten Stimmungskapellen, es herrschte hier starker Betrieb, der bis in die späte Nacht andauerte.
Abschließend kann gesagt werden, daß trotz des Regenwetters der erste Markttag einen starken Be- snch aufzuweisen hatte und dem vorjährigen darin kaum nachstand. Auch das Geschäft, vor allem in den Gasthäusern, Kaffeestuben und Läden der Sradt, war gut, während es auf dem Markt durch den Regen beeinträchtigt wurde und frühzeitiger als sonst beendet war
Der zweite Tag (Donnerstag) bringt Fortsetzung des Krämermarktes und der Volksbelustigung. Außerdem ist eine große Bauernkundgebung, bei der Landesbauernführer Dr W a a n e r sprechen wird
Oer „billige Jakob" — seit 40 Jahren ständig beim Gallusmarkt — preist in allen Tonarten seine Schirme an.
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Diel Leben ist in der Stadt. — Die Landbevölkerung benutzt den Markttag zu großen Einkäufen.
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Aus der Provinzialhauptstadt.
Ehrenbezirksoberturnwart Wilhelm Will zu seinem rv.Geburtstag
Einer der bekanntesten und geschätzten Turnerpersönlichkeiten unseres Heimatgebiets vollendet am 19. Oktober fein 70. Lebensjahr: Wilhelm Will in Gießen, der langjährige Gauoberturnwart des alten Hessengaues. Zahlreiche Turnfreunde und darüber hinaus weite Bevölkerungskreife unserer Stadt und des Hessenlandes werden an diesem Tage in Verehrung des Mannes gedenken, dessen rastloser Tätigkeit das deutsche Turnwesen so außerordentlich viel zu verdanken hat.
Wilhelm Will ist 56 Jahre ausübender Turner in der Deutschen Turnerschaft. Nach seiner Schulentlassung trat er im April 1878 in den Turnverein seiner Vaterstadt Wetzlar oto Vorschüler ein und legte hier durch Fleiß und <Mer den Grund zu seinem turnerischen Können, das ihn bis ins hohe Alter befähigte, das turnerische Leben eines der größten deutschen Turngaue mit Umsicht zu leiten.
Nach der Wetzlarer Lehrzeit sehen wir den jungen Turner im Turnverein „Jahn" Siegen, wo er bereits der Vorturnerschaft angehörte. Von 1884 ab genügte W Will seiner Militärpflicht beim Jnf.- Regt. 88 in Mainz. Nach zweijähriger Dienstzeit kehrte er als Unteroffizier der Reserve nach Wetzlar zurück und nahm sofort seine turnerische Tätigkeit wieder auf und trat in der Führung hervor. Von 1890 bis 1901 war er erster Turnwart des Vereins, der die Erbauung seiner Turnhalle in erster Linie W. Will zu danken hat.
In diese Wetzlarer Zeit fällt auch der Beginn der turnerischen Tätigkeit Wills, die ihn im Gau bekannt machte. Bei den verschiedensten turnerischen Veranstaltungen wurde er Sieger im Wettkampfe; u. a. war er beim 17 Gauturnfest in Wetzlar 1889 erster Sieger im Zwölfkampf der Männer. 1892 rief er mit seinem Freund Carl Wenzel- Gießen den Turnausschuß des Gaues ins Leben, dem von nun ab die Betreuung der rein turnerischen Arbeit des Gaues oblag. Im Frühjahr 1901 wurde W. Will 2. Gauturnwart; der 71. Gauturntag berief
ihn 1903 als Nachfolger des langjährigen Gau« turnwarts V. S ch n ei d e r (Marburg) an die Spitze des turnerischen Lebens im Gau. Wilhelm Will, der durch das Vertrauen seiner Turner immer wieder in diesem Ehrenamte bestätigt wurde, nahm erst 1933 ehrenvoll Abschied von diesem Posten, er war also drei Jahrzehnte lang ununterbrochen 1. Gauturnwart des früheren Gaues Hessen.
W. Will, der inzwischen nach Gießen als Univer- sitäts-Turn- und Tanzlehrer übergesiedelt war, gab dem turnerischen Leben im Gau immer wieder
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Besnchin einem AenerzhWwerk
Äon Peter Sauer
Unter Tag.
Die Glut der Abendsonne warf ihren Glanz Über Die Höhen, ließ das Farbenspiel der Herbstwälder jschöner auflodern als zu jeder anderen Stunde des Tages und strahlte Schlote und Förderturm der 1 ssiegerländischen Hütte „Füsseberg" wie mit Schein- aversern an, indes den Talweg schon die Därnrne- . uung umschattete. Im Büro des Steigers, der uns mit herzlichem Händedruck empfing, verpaßten wir I Die notwendige Grubenkleidung, Schuhe, Hose, Jacke, Hut, und zur Vervollständigung der Untertagaus- rüftung erhielt jeder eine am Bügel zu tragende Karbidlampe Sie brennt mit offener Acetylen- rlamme und ist in Erz- und Kalibergwerken ge- ahrlos, während in Kohlenzechen der Schlagwetter * wegen statt ihrer elektrische Grubenlampen ge- oraucht werden.
Hintereinander, der Steiger als Führer voran, Betraten wir den Stollen, der in gleicher Ebene mit der Landstraße ins Innere des Berges vor- llößt. Wir schritten zwischen den Schienen einer ■ Fahrbahn in tiefste Nacht, durch die sich der Schein unserer Lampen, an den Wänden huschend, oor- :»astete. So mögen vor Zeiten belagerte Raubritter n letzter Not auf unterirdischen Gängen bei flak- ■ iernbem Fackellicht geflüchtet sein. Am eisigen Zchweigen der Quadern und Blöcke neben und über ins vorüber knirschten unsere Schritte in gleich- , mäßigem Marsch durch nassen Sand und Geröll, endlich flutete uns Licht entgegen. Der kellerartige $ang erweiterte sich zum geräumigen Gewölbe, •an dessen Decke herab elektrische Lampen Tages- »elle strahlten. Wir waren am Schacht angelangt. Während der Steiger nach dem Förderkorb in den .Naschinenraum telephonierte, nahmen wir auf imer niedrigen Holzbank Platz. Aus dem Dunkel nner Förderstrecke, die hier abzweigen, hallte fernes ^osen der Grubenwasser, die gesammelt mit Pumpen in einen Sumpf von fünf bis sechs Meter Tiefe geleitet werden, von wo sie Abfluß nach der Vberwelt haben. Das Niedergleiten des Förder- torbes wäre fast von uys überhört worden, hätte rns nicht der Steiger darauf aufmerksam gemacht.
Im Förderkorb tiefer hinab.
!An einem Stahlseil, das über eine Scheibe läuft, längt das fahrstuhlähnliche Gestell, das mit seiner L'änge von etwa 2,50 Meter für zwei Förder- ragen hintereinander oder ein Grubenpferd Platz hnt. Beiderseits schließt je ein kurzer Schlagbaum d-n türlosen Raum ab. Wie jeder Aufzug hat auch d^r Förderkorb Fangvorrichtungen, oie sich bei Eeilbruch an die Spurlatten der Schachtwände fest- kessen und den Absturz verhindern.
Mit mehreren Glockenschlägen gab der Steiger ! das Personensignal, damit die Tiefenfahrt nur mit i halb so großer Geschwindigkeit wie bei Material- | beförberung geschehe. Dennoch rasten wir noch : immer nach einem Ruck mit acht Metern in ber Sekunbe hinab, so baß es mehr ein Fallen als ein i Fahren war. Die naß schimmernben Schachtwänbe schienen in toller Flucht nach oben an uns vorbei Zu hetzen. Ein kalter pseifenber Luftzug umschauerte uns. Ein unangenehmer Druck auf bas Trommelfell machte sich bemerkbar, so baß man öfter schluk- ken mußte, um roieber zu hören. Die kleinen Lampen, bie in ber Helle bes Gewölbes fast vergessen worben waren, strengten sich gewaltig an, ber an- brängenben Dunkelheit zu wehren. Als wir hielten.
waren wir auf ber 365 Meter tiefen Sohle angekommen. Der Turm bes höchsten beutschen Domes, bes Ulmer Münsters mit feinen 161 Metern, hätte also zweimal aufeinanbergestellt bas Tageslicht noch nicht erreicht. Wieber roanberten wir in eine ber dunklen Förderstrecken hinein und spürten trotz des neben uns rieselnden Bächleins, in dem die sickernden Quellwasser sich sammelten, die zunehmende Wärme des Berginnern. Zuweilen kam der Schein einer Lampe auf uns zu geschwebt und ein ernstes „Glückauf!" grüßte uns flüchtig. Manchmal hing ein vorgeschobenes Felsstück drohend über uns, und der Steiger, der dagegen klopfte, meinte, das käme auch einmal herunter. Auch an den Wänden, wo starke Eichenstämme, die sogenannten .,Stempel", stützten und absperrten, zeigte sich mitunter eine nicht ungefährliche Auflockerung des Quadergefüges.
Pferd e ft a l l
Als wir um eine Ecke bogen, sahen wir wieder Lichter vor uns, und Räderrollen und stampfende : Huftritte unterbrachen die Stille Es wurde gerade ! ein Pferd von einem Wagenzug abgeschirrt. In den ,,Hunten" befördert man' nicht'nur' den Eifenstem, sondern auch den Abfall, die songenannten „Berge" ! vom Abbau zum Schacht. In vielen größeren Bergwerken geschieht die Streckenförderung fast nur maschinell mit Lokomotiven, die auf Hauptstrecken zweigleisig fahren Auf einen Zuruf hin trottete das Pferd, ein schwerer Grauschimmel, mit großen Schritten in einen dunklen Stollen hinein. „In seinen Stall", wie der Steiger prophezeite. Wir folgten, über die Schwellen der Fahrbahn stolpernd, langsam nach, wobei wir, von unserm Führer aufmerksam gemacht, die oft vorkommenden Muschelversteinerungen in den Schichtungen der Wände bestaunten, die bezeugen, daß dieses Gestein einmal von Wassern überspulte Erdoberfläche und Grabstätte abgestorbener Muscheltiere war.
Von dem Pferde vor uns hörten wir bald nichts mehr. Mit verblüffender Sicherheit hatte es sich durch die schwärzeste Finsternis hindurchgefunden und stand bereits neben seinem Arbeitsgefährten vor der Krippe, als wir im Stall anlangten. Willig ließ
es sich anbinden, und gierig begann fein Maul in dem frischen Hafer zu wühlen, der ihm zugeschüttet wurde Man sah ihm und dem ebenso kräftigen Fuchs ohne weiteres an, daß sie gut gefüttert werden und ihnen die Zehntourenfahrt am Tage nichts ausmacht. Der vier Meter hohe luftige Stall ist für sie ein prächtiger Erholungsort, zumal sie vom Unternehmer, der mit der Grube abgeschlossen hat, alle acht Tage ausgewechselt werden
Aus Steigleitern.
Von unserer Strecke führten ab und zu engere Gänge seitwärts Einem von ihnen folgten wir und standen bald vor einem kleinen Zwischenschacht, der unsere Sohle mit der nächsthöheren direkt verband, also das Gestein von unten nach oben durchstieß. Der Schweiß brach uns aus allen Poren, als wir kaum einige Meter hoch auf den senkrechten Leitern in dieser faminengen Schlucht emporgeklommen waren Aber es ging weiter und weiter, wobei die Grubenlampe am linken Daumen hin. Im Rücken spürte man dauernd die Wand und von oben kam rieselndes Geröll über einen, so oft der Vordermann mit ganzem Fuß auf eine Sprosse trat, daß die Schuhspitze ans Gestein stieß. Mehrere Male mußten wir uns, da die Leitern plötzlich aufhörten, am Stützgebälk hochziehen, um die weiterführende, etwas seitlicher emporsteigende Leiter zu erreichen. Endlich waren wir in 20 Meter Höhe am Ziel. Aber da hörte der ebene Weg völlig auf. Hügel von Abfallgestein neben Löchern, die einen Mann bequem hinabrutschen lassen konnten, machten das Gehen ebenso beschwerlich wie gefährUch. Die alle fünf bis sechs Meter wiederkehrenden Löcher, „Rollen" genannt, dienen zum Abstürzen des gewonnenen Eisensteins Sie werden mit Basaltsteinen aufgebaut, und zwar von unten nach oben, wie ja auch der Boden dem Abbau der Decke in der gleichen Richtung durch Auffüllen mit „Berge" nachwächst.
In einer „Rolle", die wir vorsichtig umkrochen, hatte acht Tage vorher ein Bergmann den Tod gefunden. Er war, da das ausgeschüttete Gestein nicht ins Rutschen kommen wollte, auf die Rolle getreten, ! um mit seinem Körpergewicht und Stampfen mit einem Eisen nachzuhelfen. Plötzlich war aber der Schutt unter seinen Füßen so rasch ins Stürzen geraten, daß er nicht mehr abspringen konnte, sondern hinabgerissen wurde und zwischen dem nachpolternden Gestein nur noch als Reiche unten ankam.
Vor Ort.
„Vor Ort", das ist gleichsam das Ende einer Sackgasse, von wo aus neue Gänge in das Gestein gesprengt werden. Der Bohrhammer, einem riesigen Korkzieher gleich, der mit Preßluft betrieben wird, ’ macht — Stahl auf Fels! — einen betäubenden > Lärm und bringt Hände und Arme, den ganzen «Oberkörper des Mannes in heftiges Schüttern und 'Zittern. Fast unsichtbar riefelt unter ihm ein feiner,
für die Lungen gefährlicher Staub weg, den uns der Steiger mit der 'Hand auffing. Er ist gelblich, sägemehlartig, nur unendlich zermalmter und fliegend wie Blütenstaub. Neuere Bohrhämmer versuchen, durch Wasserzuführung die verderbliche Staubbildung zu verhüten. Solange wir sprechen, mußte der Mann, damit wir uns verstehen formten, die Arbeit einstellen. Ein Oelkännchen, das wie ein kleines Sprachrohr geformt am Boden lag, interessierte uns, da es in keiner Stellung auch nur einen Tropfen hergibt, wenn man den Mechanismus nicht kennt. Nicht minder mühsam als der Aufstieg war der Abstieg über die Steigeleitern
Als wir wieder am Förderschacht waren, hörten wir in der Tiefe Sprengschüsse, und der Steiger forderte einen Fördcrkorb an der mit uns im Nu auf 485 Meter Tiefe hinabsauste. Ein mächtiges, baumdickes Ventilationsrohr führte in die Strecke hinein und saugte die von Sprengstaub geschwan- I gerte Luft auf. Aber es umhüllte uns noch immer ein gelber Nebel, als wir „vor Ort" an der Sprengstelle anlangten. Die beiden Bergmänner waren beim „Verschaffen", das heißt, nur einer von chnen darf nach dem Verhallen der Schüsse das noch hängengebliebene lockere Gestein niederreißen, da die Gefahr, von einem niederpolternden Block getroffen zu werden, nicht gering ist. Die Situation war besonders brenzlich, da nach Angabe der Männer der eine Schuß nicht losgegangen fei.
Sterne.
Beim Rückmarsch atmeten wir schon völlig staubfreie Luft. Hinter einer Streckenkreuzung, wo das Gewölbe sich ausweitete, standen an der Wand in einer Reihe die kuriosen Liegestühle der Bergleute, wo sie bei Halbschicht zu rasten pflegen. Es sind etwa fußhohe, leere umgestülpte Munitionskisten, nahe an die Wand gerückt, so daß der dahinter aufgestellte Deckel eine schräge Lehne bildet. Ihr ..Sofa" nennen mit leisem Humor die sonst so ernsten Männer mit den bleichen hageren Gesichtern diese Ruhegelegenheit.
Zwei von ihnen bestiegen mit uns den Förderkorb, der uns — jetzt nicht schnell genug, der düsteren Unterwelt entriß. Als wir den Ausgangsstollen verließen, war es inzwischen auch über Tag Nacht geworden. Aber frische Luft wehte uns an. Das Herbstlaub roch. Und wie Schwimmer sich m die erquickenden Fluten stürzen, so sogen unsere Körper sich gierig voll der herrlichen Himmelsgabe. Rasch bliesen wir die Grubenlampen aus und nahmen in der Steigerstube die letzte Uebertagoerroanblung vor. Wie tat das Wasser Gesicht und Händen wohl.
Von den schweren Schuhen befreit, traten wir leichten Schritts auf die glatte Landstratze Wie eine Liebkosung spürten wir den Wind im Haar. Und Sterne grüßten uns. und unsere Augen grüßten freudig wieder. Sterne, immer mehr Sterne.


