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kohl 8 bis 10, Bohnen (grün) 15 bis 20, (gelb) 20, Erbsen 30 bis 35, Tomaten 5 bis 10, 3 Pfund 25, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 40 bis 60, Kürbis 5, Pilze 35 bis 50, Kartoffeln 4XA Pf., der Zentner 3 bis 4 Mark, Frühäpfel, das Pfund 8 bis 10 Pf., Falläpfel 3 bis 5, Pfirsiche 22 bis 25, Brombeeren 30, Preißelbeeren 30, Birnen 10 bis 15, Zwetschen 8 bis 10, Nüsse 25, Blumenkohl, das Stück 10 bis 50, Salat 8 bis 10, Salatgurken 10 bis 20 Pf., Ein­machgurken, 100 Stück 1 Mark, Endivien, das Stück 10 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 8, Rettich, das Bund 15, Radieschen 10, Sellerie 10 bis 25 Pf.

Vornotizen.

Tageskalender für Dienstag. Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Maskerade".

* Rund 70 Ferienkinder aus dem Kreise Gießen, die auf Veranlassung der NS.- Volkswohlfahrt mehrere Wochen in Ferienaufent­halt im Kreise Groß-Gerau untergebracht waren, kehrten gestern Nachmittag in die'Heimat zurück. Der Kindertransport stand unter der Leitung von Sturmhauptführer Ott-Gießen. Jungvolk' und BDM. betreuten die Kinder. Vertreter 'der NSV. und die Eltern nahmen die Kleinen hier herzlich in Empfang. Der Ferienaufenthalt ist den Kindern durchweg sehr gut bekommen, es wurden Gewichts­zunahmen von 6 bis zu 16 Pfund festgestellt, außer- dem zeigten sich die Kinder erfüllt von begeisterter Zuneigung zu ihren Ferienpflegeeltern, denen sie in herzlicher Dankbarkeit verbunden sind.

** Sterbefälle in Gießen. In der Zeit vom 1. bis 15. September verstürben in Gießen: 1. Sept.: Dr. Rudolf Bünnings, Gewerbeschulrat, 53 Jahre alt, Lessingstraße 12. 6.: Kurt Autor, Ober­grenadier 1/15, 23 I., An der Kaserne 7. 11.: Pau­line Gerdes, geb. Horn, 52 I., Hammstraße 19; Sophie Winn, geb. Haas, 72 I., Hofmannstraße 14. 12.: Katharine Enders, geb. Hofmann, Wwe., 65 I., Walltorstraße 65; Margarete Petri, geb. Kilbinger, 75 I., Plockstraße 14. 13. Ida Isenberg, geb. Löwen­stein, Wwe., 66 I., Walltorstraße 71. 14.: Gustav Kreuder, Metzgermeister, 73 I., Schillerstraße 9.

** Impftermine. Die letzte diesjährige öf­fentliche Impfung in Gießen betrifft eine Bekannt- machung der Bürgermeisterei in unserem heutigen Anzeigenteil. Interessenten seien besonders darauf hingewiesen.

** Beim Fußballspiel schwer verun­glückt. Am Sonntag nachmittag ereignete sich beim Fußballspiel VfB.-Reichsbahn gegen Dillen­burg ein schwerer Unglücksfall. Der 24jährige Spie­ler Heinrich Leutheuser wurde von einem geg­nerischen Spieler bei der Abwehr mit dem Beine so schwer in die Lendengegend getroffen, daß er einen Nierenriß erlitt. Leutheuser verließ für kurze Zeit das Spielfeld, kam dann aber wieder und spielte bis zum Schluß weiter mit. Nach dem Spiele mußte der Verunglückte aber sofort in seine Wohnung und von dort aus durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in die Chirurgische Klinik ge­bracht werden. Der bedauernswerte junge Mann liegt sehr schwer darnieder.

Generalversammlung des Kreis-Obst- und Gartenbauvereins Gießen.

Der Kreis - Obst- und Gartenbauverein Gießen hielt am^Samstagnachmittag imKatholischen Ver­einshaus" seine diesjährige ordentliche Generalver- fammsung ab, zu der sich auch diesmal wieder Ü6cr 200 Teilnehmer eingefunden hatten. Nach herzlichen Begrüßungsworten gab der kommissarische

Leiter des Kreisvereins MgiemngSrat Or. Krüger

vom Kreisamt Gießen, einen Rückblick über das abgelaufene Vereinsjahr und betonte, daß die sei­tens des Reichsnährstandes in Aussicht genomme­nen endgültigen Maßnahmen in organisatorischer Hinsicht noch nicht zur Durchführung gekommen seien und auch die Pläne über die Zusammenlegung der Kreisvereine zu Bezirksgruppen, die vermögens­rechtlichen Verhältnisse der Ortsvere-ine, die völlige Eingliederung in den Reichsnährstand und die Neueinführung einer eignen Fachzeitschrift noch in der Schwebe seien. Im Zusammenhang damit wies er die örtlichen Vereine auf geldliche Verpflichtung gegenüber der Kreisorganisation hin und gab be­kannt, daß auch weiterhin Zuschüsse zur Anschaffung von Spritzen, Keltern, Süßmostapparaten und Fort­bildungslehrgängen von Baumwärtern in Aussicht genommen seien.

Die Rechnungsablage ergab bei 2112 Mk. Einnahmen und 1673 Mark Ausgaben einen Ueber- schuß von 438 Mark, der als Vortrag ins neue Geschäftsjahr übernommen wird. Der kommissarische Leiter stattete dem Rechner Paul Happel (Watzen­born-Steinberg) für seine saubere, einwandfreie Rechnungsführung den Dank des Kreisoereins ab und erteilte ihm Entlastung.

Aus dem Geschäftsbericht ist neben anderem her­vorzuheben: In 15 Landgemeinden des Kreises wurde mit Hilfe von Arbeitskolonnen durch das Arbeitsamt Gießen in planmäßiger Nachwinter­arbeit eine Säuberungsaktion mit nachfolgender Winterspritzung durchgeführt. Zu den bestehenden 48 Ortsvereine ist in Münster ein neuer gegrün­det worden.

Den Höhepunkt der Tagung bildete ein groß- angelegter Vortrag von

Landwirtschastskammerrat Pfeiffer, Frankfurt a. M.

über Einstellung der Landesbauern- schäft zur Förderung des heimischen Obstbaus. Aus den fast zweistündigen Ausfüh­rungen sei u. a. folgendes mitgeteilt:

Der Obstbau hat durch die neu gestaltete Landes­bauernschaft eine Fortsetzung in der Forderung erfah­ren. Damit dürfen wir alle, Obstzüchter und Behörde, uns nicht zufrieden geben. Wohl sind hoffnungs­volle Ansätze zu einer aussichtsreichen Entwicklung des Obstbaues vorhanden, wie planmäßiges Spritzen, einheitliche Schädlingsbekämpfung, Sortenverminde­rung, Neupflanzungen auf junafräulichen Böden, aber in Bezug auf die Reellität (Zuverlässigkeit) und die Kennzeichnung ber Qualität (Güte) hapert es noch sehr. Immer noch kommen seitens des Handels und der Verbraucherschaft Klagen über sogenannte Spiegelpackungen.

Die Landesbauernschaft will mit allen ihr zur Verfügung stehenden ZHitfetn helfen, um eine Wirtschaftlichkeit des Obstbaues zu erreichen und gerade das nationale Moment eines gehobenen Obstbaues ist von besonderer Bedeutung bei unsrer Devisenknappheit. Zu den bedeutsamsten Arbeiten soll der Obstwirt die fachlich gebildeten Baumwarte beauftragen, denn ein zur Unzeit oder verkehrt durchgeführte pflegliche Maßnahme rächt sich bei einem Lebewesen, wie es doch ein Obstbaum dar­stellt, bitter. Zu sehr verkannt wird immer poch eine richtige Wurzelpflege, die nur durch Umbrechen der Grasnarbe, leichter Bodenlockerung, dauernde Unkrautbekämpfung und harmonische Düngung, bei der ein Zuviel an Stickstoff zu vermeiden ist, dafür aber reichliche Gaben Kali, Kalk und Superphosphat zu verabreichen sind, erzielt werden kann. Zu emp­fehlen ist die Besichtigung gut geleiteter Obstgüter, dennwas das Auge sieht, glaubt das Herz!" Aber auch die Obstverbraucher müssen noch im Sinne des nationalsozialistischen Gedankengutes umlernen und nicht der halbreif geernteten ausländischen Frucht den Vorzug geben gegenüber dem auf deutscher

Scholle und unter deutscher Sonne herangewachse­nen vollmundigen und ausgereiften deutschen Obste.

Italien, Holland, Nordamerika und Australien haben uns bereits auf dem Gebiete des Obst- und Gartenbaues überflügelt und nun sind sogar Ruß­land, Kanada und die Balkanstaaten auf dem besten Wege, einen Vorsprung uns gegenüber zu gewin­nen. Das Wort des Reichskanzlers und Führers, es soll keiner mehr vom Staate verlangen, als er ihm zu geben gewillt ist, wird für die Zukunft an jeden einzelnen Obsterzeuger höhere Anforderungen stellen und auch Opfer bezüglich der Vereinsbeiträge zu den einschlägigen Organisationen fordern bei Wegfall von Beihilfen zu Umpflanzungen und Neupropfungen, wie es in einem vergangenen System üblich war. Wir müssen in der Lage sein, unsere Fehler zu erkennen und aus dem Guten, was bei anderen Obstbauern sichtbar ist, zu lernen.

Das Ziel, das deutsche Volk alljährlich mit deut­schem Obst zu versorgen, muß erreicht werden.

Durch regelmäßige Schädlingsbekämpfung lassen sich Mißernten abwenden. Im Obstbaugebiet am Bodensee haben in diesem Frühjahr dadurch Obst­bäume in voller Blüte sogar 8 Grad Frost ohne Schaden überstanden. Allerdings strotzen dort die Bäume infolge richtiger Düngung mit Kali, Kalk und Superphosphat vor Gesundheit. Nicht Rekord­ernten, die die Bäume auf Jahre hinaus erschöpfen, sondern gute Mittelernten müssen wir zu erhalten suchen.

Die Organisation des Obstbaues ist nun durchge­führt. Das Fundament sind die Obstbauinspektionen, die sich ihrerseits auf die Obstbauvereine und die Pioniere des dörflichen Obstbaues, die Baumwarte, stützen. Die vereinsmäßige Tätigkeit wird in Zu­kunft durch den landwirtschaftlichen Ortsfachberater geleitet werden, dem ein Fachberater uno ein Bei­rat zur Seite gestellt wird. Den Vereinen soll die Möglichkeit verbleiben, Beiträge zu erheben. Ob eine Zusammenfassung mehrerer Kreisvereine zu Bezirksvereinen erfolgen wird, steht noch dahin, da die obstbaulichen Verhältnisse in den einzelnen deutschen Anbaugebieten grundverschieden sind. Be­züglich der Obstausstellungen sind die entsprechen­den Richtlinien bei der Landesbauernschaft in Vor­bereitung. Das eine steht fest, daß sie nicht mehr im alten Sinn durchgefüyrt werden. Sie sollen keine Wettbewerbsschau von Wettbewerbern sein,

sondern erzieherischen Chrakter haben und dabei die Belange anderer verstehen lernen.

Auch auf dem Gebiete des Baumschulwesens hat die Gesetzgebung bereits eingegriffen, um nur aller­bestes Pflanzgut in die Hände der Obstbauern ge­langen zu lassen. Die eingeführte Markenetikette wird sich in Kürze hier dahin auswirken, daß nur wüchsige Jungbäume auf den Markt kommen. Reicher Beifall lohnte die bedeutsamen Ausführungen^ Gartenbauinspektor deutsch, Friedberg, erstattete dann den Rechenschaftsbericht, dem u. a. folgendes entnommen fei: Es wurden in den Ortsveremen 60 Vorträge gehalten und zwei Gemarkungsrundgänge veranstaltet. Die Saum» Wärter tagten in Lich und Konradsdorf. Erstmalig wurden in Beuern und Bellersheim Süßmostkurse abgehalten. Arbeitskolonnen wurden in 15 Ge« meinben eingesetzt. Obstmärkte sind im Gebiete deS Kreisvereins noch nicht eingerichtet. Sie sollen nur an solchen Plätzen zur Einrichtung kommen, wo ein größeres Angebot einheitlicher Sorten vorhan« den ist, aber unabhängig davon, ob Bahnverbin* düng dahin besteht. Er besprach dann die Verhält« nisse auf den Obstmärkten in Rodheim v. d. H., Ober- Rosbach und Ockstadt, wo sowohl Erzeuger alo auch Händlerschaft zufrieden gestellt sind.

Der Redner warnte vor Angstverkäufen und fordert Lagerung des Dauerobstes im Freien oder in der Scheuertenne, bis das Verbot des

Verkaufes von Winterobst aufgehoben sei.

In der sich anschließenden allgemeinen Aussprache wurde von vielen Seiten auf die Schädigungen ber Wühlmaus hingewiesen, bie sich in letzter Zeit ge< rabezu unheimlich vermehrt hat unb in manchen Gemarkungen viele Jungbäume zum Absterben gebracht hat.

Den Beschluß der Tagung bilbete eine Verlosung, im Gegensatz zu früher erschienen Gutscheine im Betrage von 1,80 Mark als Gewinne, für bie in einschlägigen Geschäften bes Kreisgebietes Geräte unb Werkzeuge für den Obst- unb Gartenbau und Pflanzenschutzmittel, Sämereien, Beerenobst- und Obstpflanzgut bezahlt werben können. Der kom­missarische Leiter schloß mit herzlichen Dankes« warten an die Rebner unb Teilnehmer der 23er< sammlung in üblicher Weise.

Oberheffen.

40 Jahre Arzt.

Wie wir erst jetzt erfuhren, hat ber weit über feine engere Heimat bekannte Arzt Dr. med. Fritz Gengnagel in Großen - Buseck am 10. August b. I. in ber Stille seines Familienkreises sein 40jähriges Berufsjubiläum began­gen. Dr. Gengnagel, ber im 67. Lebensjahre steht unb in Großen-Bufeck als Lehrerssohn bas Licht ber Welt erblickte, hat seinem Heimatsort ununter­brochen bie Treue gehalten unb kann sich sowohl sei­nes menschenfreunblichen Wesens, als auch seiner beruflichen Tüchtigkeit wegen allgemeiner Achtung unb Beliebtheit erfreuen. Währenb feiner langjäh­rigen Praxis ist ihm fein ausgebehnter Patienten­kreis stets in Treue verbunben geblieben, was zum großen Teil feinen Grunb barin hatte, baß ber Ju­bilar außer feinen hervorragenben Fachkenntnissen bie Eigenschaft besaß, zu seinen Patienten in ein persönliches Vertrauensverhältnis zu treten unb ihnen in mancherlei schwierigen Lagen ein wohl- meinenber unb gern gehörter Berater zu sein. Seit 25 Jahren befleibet Dr. Gengnagel bas ver­antwortungsvolle Amt eines Bahnarztes. Währenb bes Weltkrieges war er leitenber Arzt besVer­einslazaretts vom Roten Kreuz" zu Großen-Buseck. Als solcher verstanb er es in ausgezeichneter Weise, ben ihm anvertrauten kranken unb verwunbeten Kriegsteilnehmern nicht nur ein sehr gewissenhafter unb erfolgreicher Arzt, fonbern auch ein seelisch aufmunternber unb Selbstvertrauen erweckenber Kamerab zu sein. Aus ber glücklichen Ehe bes Ju­

bilars sinb zwei Kinder hervorgegangen. Der Sohtt bekleidet heute bie Stelle bes Direktors einer Lanbesheilanstalt in ber Provinz Sachsen; bie Tochter ist verheiratet mit Forstmeister Salz« mann, einem Nachkommen bes bekannten Päba« gogen unb Begrünbers bes weitbekannten Er« ziehungsinstitutes Schnepfental in Thüringen. Wik sprechen bem Jubilar, ber seit 40 Jahren auch un­unterbrochen zur treuen Leserschaft feines Heimat­blattes, besGießener Anzeigers" gehört, unsere herzlichsten Glückwünsche aus. Möge es ihm ver­gönnt sein, noch lange Jahre in gewohnter Weiss unb in gleichbleibenber Frische unb Gesunbheit zum Wohle ber leibenben Menschheit zu wirken.

Ehrung

eines gefallenen deutschen Generals.

+ Grünberg, 17. Sept. In ben Anlagen beel Verkehsvereins am Brunnental unb Hainkopf be» finbet fick unter allerlei Erinnerungszeichen auch ein Bafaltfelfen, ber bas Gebächtnis an einen Sohn unserer Stabt, ber zu Beginn bes Weltkrieges eine wichtige Rolle gespielt hat, wach erhält. Die Inschrift dieses Gebenksteines lautet:

Zum Gebächtnis an ßubroig Steinmetz Generalleutnant geb. 1860 in Grünberg gef. 1914 im Weltkrieg

Aus Anlaß ber 20jährigen Wieberkehr bes Tobes- tages (15. September) würbe von ber hiesigen Orts-

WitiWiW

Roman von Anny von panhnys.

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)

20 Fortsetzung Nachdruck verboten!

Auch einen Ring, ber zu ben Ohrgehängen paßte, erhielt Frau Steffi; Donata aber hängte ihr Vater eine Perlenkette um, bereu Wert bie brei Menschen : nicht annähernb ahnten. Einen Ring schenkte er i ihr ebenfalls, einen schmalen Golbreis, in Form i einer Schlange, bie einen Solitär im Maule hielt, ivon ber Größe einer Erbse.

Wie ber Brillant funkelte unb gleißte! Donata »blickte fast erschrocken auf fein Sprühfeuerwerk, Ifagte beinah ängstlich:

So ein kostbarer Ring paßt nicht an meine »Hanb, Vater! Der paßt für große Künstlerinnen uunb vornehme Damen."

Er machte eine ärgerliche Bewegung.

Du barfft tragen, was bu willst; zu bir paßt oolles Schöne unb Vornehme!"

Abenbs kam Detlef Weftkamp. Olben dirigierte Heute feinen kleinen Gesangverein. Frau Steffi war in ber Küche beschäftigt.

Donata lächelte ihn glücklich an.

Ich bin so froh unb zufrieben, Detlef, baß bu hier bist es ist wie eine Erholung, ein Aus­ruhen! Vater ist letzhin so fpringlebenbig, man wirb )0aoon mitgerissen unb manchmal mübe." Sie er­zählte von ben neuen Kleibern, bie ihre Mutter unb i'ie an bem großen Abenb anziehen sollten, unb berichtete:Sogar eine echte Perlenkette werbe ich rragen unb am Finger einen Brillanten." Sie fragte:Soll ich bas Kleib zur Probe anziehen? Willst bu sehen, wie schön unb elegant es ist?"

Er schüttelte verstimmt ben Kopf.

"Bitte! Nein, Donata, ich mag bich nicht so vor- inehm sehen!"

Auf ihren Zügen malte sich Befremben, er ver­besserte sich beshalb:

Ich verstehe nichts von Damentoiletten. Unb mir gefällst bu am besten mit ber großen Schürze, m ber bu mich letzhin empfangen hast."

Sie gab ihm einen kleinen Klaps.

Du bist wirklich gebiegen, Detlef! Wenn es nach tiir ginge, könnte ich mich also wahrscheinlich mit ,'eer großen Wirtschaftsschürze in bie Loge setzen jnb Vaters Symphonie anhören. Aber barin hat '8at»r recht: seine Frau unb feine Tochter müssen cm bem Abenb ein bißchen was vorstellen."

Natürlich hat er recht!" erroiberte Detlef West- inmp. Aber es war nicht feine Ueberzeugung. Er i;anb bie teuren Abenbtoiletten für Frau Steffi unb Donata sehr überslüssia. Beibe waren Sonntags immer sehr hübsch unb geschmackvoll angezogen, unb bas genügte. Seine Mutter trug boch schon M ein paar Jahren Sonntags basseloe Kleid.

Donata fragte:

Du begleitest uns boch nach Mainz? Ich möchte so gern neben bir sitzen, währenb Vaters Symphonie gespielt wirb. Du sollst bann heimlich meine Hanb festhalten, bamit ich gar keine Angst habe um ben Erfolg."

Die Worte taten ihm wohl, darüber vergaß er sogar feinen Aerger, daß Donata sich für das Konzert besonders schön machen würde. Seine Eifersucht wurde ganz klein, und er erwiderte zärtlich:

Wie gern würde ich dich begleiten, aber ich mag meine Mutter nicht allein lassen. Sie kränkelt etwas, und wenn ich fort bin, übernimmt sie sich an Arbeit."

Donata dachte zwar, er hätte gut einen halben Tag verreisen können; aber schließlich mußte er das besser wissen wie sie. Sie äußerte nur:

Es ist sehr schade, daß du uns nicht begleiten kannst Mutter wird das ebenfalls bedauern." Sie fetzte hinzu:Vater hat mich schon angesteckt: auch ich fiebere und bange dem Abend entgegen."

Dreiundzwanzig st es Kapitel.

Werner Olden war nach Mainz zur Generalprobe gefahren. Er blieb gleich dort, depeschierte seine Hoteladresse nach Hause, und am nächsten Tage folgten ihm Frau und Tochter. Er holte sie vom Bahnhof ab, und fein strahlendes Lächeln verriet ihnen sofort, in welcher Stimmung er war.

Auf dem Wege zum Hotel berichtete er dann:

Die Generalprobe fiel glänzend aus. Eberbach hat das Letzte aus dem Orchester herausgeholt, was herauszuholen war, und wenn er heute abenb auch so birigiert"

Er brach ab, stieß erregt hervor:

Eberbach kann was gestern abenb bin ich erst so ganz richtig bahintergekommen. Ich könnte bas ja boch nicht so wenn ich mir auch manch­mal einrebe, meine Symphonie birigierte ich noch besser. Noch besser?! Als ob bas überhaupt möglich wäre! Aber nach ber Generalprobe war er auch fertig. Blaß wie ber Tob, unb feine Hänbe zitterten. Er soll schwer gaUenleibenb sein, aber in bem schmächtigen Körper einen mächtigen Willen haben."

Man fuhr vor bem Hotel an, unb ber Portier sowie ein Page eilten herbei, nahmen ben Damen bie Hanbkoffer ab. Später ging man, einen Besuch bei Professor von Eberbach zu machen.

Er wohnte in einer Villa unfern vom Rhein, unb seine Gattin, eine geborene Prinzessin von Weitz - Schlehen, kam Mutter unb Tochter sehr liebensroürbig entgegen. Donata saß in einem tiefen Sessel, unb währenb sie ab unb zu eine Antwort gab, mußte sie benfen: Wie komme ich eigentlich hierher, ich, Musiklehrer Dlbens Tochter?

Es war Besuch ba. Der jüngere Bruber Frau von Eberbachs, Prinz Volkbert von Weitz-Schlehen, ber wohl schon Anfang ber Vierzig ftanb, aber aus­sah, als hätte er kaum die Dreißig überschritten.

Die schmale Sportfigur, das hagere, rassige Gesicht verjüngten ihn.

Seine grauen Augen glitten immer wieder zu Donata hinüber. Er nannte sieGnädiges Fräu­lein"; aber sie wehrte ihm nicht, obwohl sie die Anrede nicht leiden mochte. Sie hatte bas Gefühl, hier in bie Räume unb in bie Gesellschaft passe bie Anrebe her. Sie trug ben Astrachanmantel, ben ihr ber Vater gekauft hatte, unb bie Kappe vom gleichen Pelz. Ihr braunes Haar hatte einer ber besten Friseure Frankfurts gewellt. Unb sie faf) blenbenb aus, was sie nicht wußte, was ihr aber Prinz Volkbert hätte sagen können.

Professor von Eberbach sprach mit Donatas Mutter. Donata hörte, wie er eben sagte:

Verehrte gnäbige Frau! Ich bin ganz begeistert von ber Symphonie Ihres Herrn Gemahls sie ist wohl bas bebeutenbfte Werk bieser Gattung seit langen Jahren. Sie ist ursprünglich, hochkünstlerisch unb trotzbem völlig ungekünstelt. Ich freue mich, »Die wilbe 3agb zu birigieren." Er lächelte matt. Sie strengt sogar an, sie macht mich zu einer Art Schwerarbeiter; aber ich bin babei, als hätte ich bas Werk selbst geschrieben."

Frau Steffi lächelte beglückt, aus dem berufenen Munde so hohes Lob zu hören.

Der Prinz wandte sich an Donata.

Wir werden uns heute abend Wiedersehen; ich freue mich sehr aus bas Konzert, ich bin ein großer Musikenthusiast."

Seine Schwester schaute ihn mit leicht zusammen­gezogenen Brauen an, benn ihr jüngster Bruber liebte zwar orbentliche Rabaumärsche auch einen flotten Walzer ließ er gelten, boch sonst verstanb er nicht viel von Musik.

Man blieb nicht lange. Beim Abschied drückte ber Prinz Donatas Hanb etwas zu fest ihr fiel bas nicht weiter auf. Aber Frau von Eberbach meinte, nachbem bie Besucher unb auch ihr Mann gegangen waren:

Du scheinst bich ja auf ben ersten Blick verliebt zu haben, Volkbert! Es war beinah auffallenb, wie bu bich in ihr Gesicht unb die Figur vertieft hast!'"

Der Prinz schnippte mit den Fingern.

Du übertreibst, liebe Schwester! Sv viel Haltung werbe ich ja wohl doch noch aufgebracht haben, baß man meine ehrliche Bewunberung nicht allzu beutlich gemerkt hat. Unb wenn schon ber Schön­heit barf man hulbigen, wo man ihr begegnet."

Ihre Sippen träufelten sich.

Ich bin von ber Schönheit nicht begeistert. Diese Nase entstellt ja eigentlich bas sonst ganz nette Gesicht vollstänbig."

Er lachte laut unb vergnügt auf.

Du bist immer noch 'ne ganz fesche Frau; es klingt nicht hübsch aus beinern Munbe. Donata Olben sieht aus wie bie Fürstin Leonore auf bem berühmten Silbe von Hartschuh. Ihre Augen be­schämen aber bie Augen auf bem Silbe."

Sie unterbrach ihn lebhaft.

Fange nur nicht an zu schwärmen, es würbe aus beinern Munbe komisch wirken. Ich rate bir nur, bich währenb bes Konzerts nicht allzusehr mit ben Augen zu befassen, sonst verplemperst bu bich noch. Unb bu weißt, Nikola van ben Haag in Köln wartet auf beine Erklärung. Du brauchst boch ihren Reichtum!"

Er pfiff durch die Zähne.

Nikola hat Glotzaugen und eine breite Figur." Er richtete sich straff auf.Ich war schon nahe daran, um die holländische Kakaoprinzeß zu werben; aber seit ich die junge Olden gesehen habe, kommt es mir absurd vor. Ich bin nicht mehr ganz jung, aber noch jung genug, um mich richtig zu verlieben. Ich bin auch schließlich nicht so bettelarm, daß ich mir nicht helfen könnte. Schlößchen »Einsamkeit ist ja mein Eigentum und dazu Ackerland und Wiesen. Mit einer wie dieser Donata Olden wollte ich in Schlößchen »Einsamkeit lieber Sauernarbeit tun als mit einer Nikola van den Haag in der Welt herumreisen und in den Luxushotels den ele­ganten Faulenzer spielen. Siehst du, Schwester, auf solche umstürzlerische Idee hat mich die sehr flüch­tige Sekanntschaft mit dem Frankfurter Mädel gebracht!"

Sie sah ihn an, lächelte schließlich:

Du wirst auch wieder vernünftiger denken!"

Die drei Dlbens spazierten inbeffen am Rhein­ufer entlang.

Die brei sprachen von bem Sesuch beim Professor. Werner Olben war Feuer unb Flamme für ben Dirigenten.

Die Generalprobe war schon ein ganz großer Erfolg", stellte er roieber fest.Leiber war Eberbach nachher ganz kaputt. Schrecklich mübe unb verfallen sah er aus." Er lächelte:Hast übrigens heute eine sehr vornehme Eroberung gemacht, Donata! Wirst es wohl auch bemerkt haben, Steffi! Der Prinz ich weiß ben Namen nicht mehr hat Donata mit feinen Slicfen ja förmlich aufgefressen."

Er schmunzelte:

So einer wie ber kommt natürlich unter Leute, bie unsereiner nur aus Silbern in ber Illustrierten kennt. Unb wenn so einer noch nachnem Augen­aufschlag unbnem Wort von Donata giert, muß sie wohl allerhanb vorstellen!" Er nickte befriedigt. Wie bu jetzt aber auch aussiehst, Donata! Wiene Tochter von einem englischen Herzog. Weiß ber Teufel, wo bu bie Vornehmheit her hast."

Er faßte sie unter.

Ich bin stolz auf bich, Mäbel! Schabe, baß btt bich gerabe in ben Detlef vergucken muhtest."

Sie wollte ihren Arm zurückziehen.

Er wehrte es ihr.

Sei frieblich, Donatalein, ich bin schon mieber ruhig! Weiß ja, man kann nichts bagegen machen. Wo bie Liebe nun mal hinfällt, bleibt sie liegen." Er lachte.Ich habe ja nix mehr gegen beinen Gärtner, ist ja ein lieber, grunbanftänbiger Mensch."

(Fortsetzung folgt.)