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Nr 218 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Dienstag, 18. September 1954

9er Erweiierungsbau her kacholischen Mche in Gießen.

Das Schaubild zeigt die katholische Kirche, wie sie sich nach ihrer Vollendung darbieten wird. (Die Kirche ist von der L-iebigstraße aus gesehen.)

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Nachdem sich die im Jahre 1840 errichtete kcttho- !i sche Kirche, Ecke Frankfurter und Liebigstraße ^tziges Vereinshaus als zu klein erwies und nicht vergrößert werden konnte, wurde anfangs dieses Jahrhunderts an der Liebigstraße ein Bau- inlatz erworben und in den Jahren 1903/04 ein Teil 'er neuen Kirche, Chor, Kreizzschiff und ein Hoch des Langs-chisses, darauf errichtet. Leider lie- jcn es die Verhältnisse inzwischen nicht zu, den Bau zu vollenden. Es konnte jedoch in den Jahren 1928/29 ein neues Pfarrhaus, das mit der Kirche in Verbindung gebracht werden soll, erbaut Derben, und nun hat der Kirchenvorstand der Ka- Holischen Gemeinde beschlossen, durch Erw ei te­il n g der Kirche die bestehende Baulücke an l$r Liebigstraße zu beseitigen. Die Pläne zum Voll- mdungsbau liegen bereits vor, die Bauarbeiten vollen in Kürze vergeben werden.

Um ein möglichst einheitliches Bild zu erzielen, ift der Bau, wie der bereits bestehende Teil, in spätgotischem Stile geplant und besteht aus dem Turm, einem Erweiterungsbau der 5 irche und einem Verbindungsbau. Der Aiurm, an der südöstlichen Ecke vor dem Seitenschiff ssehend, erhält eine Höhe von 65 Meter, und da hsr etwa 14 Meter tiefe Vorplatz 5 Meter über der Straße liegt, wird die Gesamthöhe 70 Meter be- bagen. Der Haupteingang zur Kirche wird durch tune zweiarmige, in der Einfriedigungsmauer lie- xmde hohe Freitreppe erreicht. Der Turm und ein

großer Teil des Kirchenbaues werden unterkellert, um im Winter Zierbäume u. dgl. aufbewahren zu können. Auch ist eine Ergänzung der im vorhande­nen Teile der Kirche bereits bestehenden Luft­heizung, System Mahr (Aachen), vorgesehen. Ueber den Eingangsräumen ist eine kleine Empore und darüber die Orgelempore geplant.

Der Verbindungsbau erhält eine Durchfahrt und einen besonderen Eingang, der einerseits zu dem, dem westlichen Seitenschiff vorgelagerten Treppen­haus, anderseits zum Raum der Borromäus-Biblio- thek führt. Im ersten Obergeschoß ist ein Uebungs- raum für den Kirchenchor, der auch als Durchgang zum Pfarrhaus dienen wird, vorgesehen. Die Treppe führt auch zu den beiden Emporen und zu der im oberen Stockwerk des Verbindungsbaues einzubau­enden Küsterwohnung

Die Architekturglieder sollen in behauenen Lung- und Sandsteinen hergestellt und die Mauerflächen verputzt werden, so daß die Gebäude als eine Bau­gruppe in Erscheinung treten. Die Pläne wurden von der Architektenfirma Professor L. Becker, Ant. F a l k o w s k i und Hugo Becker in Mainz, die auch die vorhandenen Bauten seinerzeit projek­tierte, gefertigt.

So wird das Straßenbild der Liebigstraße durch die Ergänzungsbauten zur katholischen Kirche in schöner Weise ergänzt und das Stadtbild um ein weithin sichtbares Wahrzeichen bereichert werden.

Alarm!Großer Brandangriff!

Auftakt zur Ieuerschuhwoche in Gießen.

Die großen Steigleitern der Feuerwache beim Einsatz.

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Eigentlich war es kein richtiger Alarm! Der­jenige Feuerwehrmann, der Zeitung liest, hatte es nicht schwer, schnell und in voller Uniform zur Stelle zu sein. Wichtiger aber wie der Alarm an sich war diesmal die Fassade, daß das Augenmerk unserer Bevölkerung auf die Feuerwehr gelenkt werden sollte, die für unsere Sicherheit jetzt und in Zukunft sehr wichtig ist. Gleichzeitig sollte gezeigt werden, daß Gießen über gut ausgerüstete und gut ausgebildete Feuerwehren verfügt. Der tiefere Sinn der Hebung war andererseits auch der, die Ein­wohnerschaft darauf hinzuweisen, daß Feuer verhüten leichter ist als Feuer zu löschen.

Gegen 17 Uhr erklangen die Feuersirenen. Die Feuerwache rückte daraufhin sofort aus, die Mit­glieder der Freiwilligen und der Gailschen Feuer­wehren waren auch sehr bald zur Stelle. Schauplatz der Uebung waren Lindenplatz, Marklauben und Brandplatz. Hunderte von Zuschauern hatten sich eingefunden, um die Uebung zu verfolgen. Es war angenommen, daß ein Fliegerangriff über unsere Stadt gegangen sei und eine Bombe zwischen dem Marktlauben-Gebäude und dem Hochstätterschen Hause am Brandplatz eingeschlagen habe. Die Feuerwache hatte sich sofort um den ausgebrochenen Brand im Dachstuhl zu bemühen und einen in be­drängter Lage befindlichen Bewohner des Hauses über die Leiter zu retten. Schlauchleitungen waren rasch gelegt, Wasser spritzte in hohem Bogen über die Dächer. Die Freiwillige Feuerwehr unterstützte, nachdem sie mit großer Geschwindigkeit ihre Gerate aus dem Turmhaus am Brandplatz geholt hatte, die Brandbekämpfung. Eine Explosion zwang die Mannschaften für kurze Zeit zum Zurückgehen. Die Freiwillige Feuerwehr übte dann äußer­ndem mit dem Sprungtuch. Ein Mann sprang aus

einem der oberen Stockwerke des Marktlauben­gebäudes in die von vielen Händen gehaltene Zelt­bahn. Auch der Rettungsschlauch wurde zur Uebung mit herangezogen.

Eine weitere Aufgabe wurde den Wehren im Schutz der anliegenden Gebäude, die nach dem Plane des Brandangriffs sehr gefährdet waren. Insbesondere mußte dem Möbellager an der Schloßgasse Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Die Gailsche Feuerwehr hatte die Auf­gabe, den Dachstuhlbrand des Marktlaubengebäudes am Lindenplatz und Lindenhof dort hatte nach der Annahme ebenfalls eine Bombe getroffen ZU bekämpfen. Ferner galt es, das anschließende Wohnhaus zu schützen, das von dem Feuer in Mit­leidenschaft gezogen worden war. Die Gailsche Feuerwehr unternahm ebenfalls eine großangelegte Hebung mit dem Rettungsschlauch und konnte mit diesem Hilfsmittel fünf oder sechs Personen aus dembrennenden" hochgelegenen Stockwerke retten.

Das Feuer wurde aus einigen Schlauchleitungen bekämpft, für die der Wasserdruck durch die Hand­druck-Pumpen gegeben war.

Die vielen Zuschauer verfolgten die disziplinierten Hebungen mit starkem Interesse. Das äußere Bild dieses großen demonstrativen Brandangriffs war recht vielfältig.

Mehrere hohe Leitern ragten zum hellen abend­lichen Himmel. Feuerwehrleute standen auf den Leitern hoch über den Dächern. Auf den Plätzen wurden eifrig die Wasserdruckpumpen bewegt, wäh­rend andere Feuerwehrleute das Schlauchmaterial rasch an- und abrollten. Alles vollzog sich in vor­trefflicher Exaktheit.

Die Polizei hielt dieBrandstätte" gut ab- gesperrt, so daß man über das Arbeiten der Feuer­wehren einen klaren Heberblick gewinnen konnte. Die Freiwillige Sanitätskolonne nahm mit einigen ihrer Helfern an der Uebung teil. Als Vertreter des Kreisamts verfolgte der Feuerwehr­dezernent des Kreißes Gießen, Regierungsrat Grein, die Uebung, für die Stadtverwaltung war deren Feuerwebrdezernent Bürgermeister Dr. Hamm, für die Polizei Polizeioberinspektor Hof­mann erschienen. Die Uebung stand unter der Leitung von Branddirektor Braubach.

Nachdem das Signal zum Abschluß der Uebung verklungen war, sammelten sich die Mannschaften etwa 120 Feuerwehrleute nahmen teil auf dem Brandplatz vor dem Turmhaus. Branddirek- oor Braubach erläuterte kurz den der Uebung zugrunde liegenden Plan und unterzog dann die Leistungen der Mannschaften einer kritischen Wür­digung. Er gab seiner Zufriedenheit über den Ver­lauf der Uebung Ausdruck, insbesondere über den

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Uebung der Gailschen Feuerwehr mit dem Rettungsschlauch.

Anmaisch, das Ausrücken und das Bedienen der Geräte. Bürgermeister Dr. Hamm hielt ebenfalls eine kurze Ansprache, in der er darauf hinwies, daß Feuerwehr heute weniger denn je zuvor eine Spielerei fei, da der Feuerwehr gerade in der Zu­kunft zu jeder Stunde große und verantwortungs­volle Aufgaben zugewiesen werden könnten. Der Feuerwehrmann müsse sich dessen würdig erweisen, wenn er der Feuerwehr angehören wolle. Bürger­meister Dr. Hamm dankte der NS.-Volkswohl- fahrt für die Veranlassung der Feuerschutzwoche in unserer Stadt. Mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer Adolf Hitler, dem alle große Initia­tive zu verdanken sei, schloß der Redner. Der Ruf wurde begeistert ausgenommen und beschloß die Uebung in würdiger Weise. Die Mannschaften tra­ten sodann zu ihren Geräten und rückten ab.

SA -Aufmarsch in Bad-Nauheim.

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Brigadesührer Schmidt spricht bet Der Vereidigung in Bad-Nauheim. Rechts Daneben: Gruppenführer Beckerle. (Aufnahme: Photo-Pfaff.)

Am Sonntag fand ein großer Aufmarsch der SA. - Standarte 22 2, der SA.-Reserve- Standarte 116, soweit diese ihre Formationen im Kreise Friedberg hat, und der SA.-Reiter- Standarte Oberhessen-Wetterau in Friedberg und Bad-Nauheim statt. Mit dem Aufmarsch war die Vereidigung der SA.-An- wärter. verbunden. Rund 6200 SA.-Männer waren angetreten.

Am Vormittag standen die Stürme auf der See­wiese bei Friedberg aufmarschiert, wohin sich Brigadeführer Schmidt in Begleitung der Stan­dartenführer Schäfer und Games begab. Nach dem Abschreiten der Fronten nahm Brigadeführer Schmidt die Vereidigung der SA.-Reiterstandarte Oberhessen-Wetterau vor, wobei er in einer An­

sprache auf die tiefe Bedeutung dieser Verpflichtung hinwies.

Anschließend marschierten die Kolonnen nach Bad-Nauheim, wo zunächst auf verschiedenen Plätzen die Verpflegung der Stürme erfolgte. So­dann wurde zum Abmarsch nach dem neuen Sportplatz im Hochwald angetreten. Auf diesem großen Platze nahmen die Standarten in langen Fronten Aufstellung. Bald darauf erschien der Führer der SA.-Gruppe Hessen Gruppenführer B e ck e r l e, dem von Standartenführer Schäfer rund 6200 SA.-Männer als angetreten gemeldet wurden. Nach dem Gruß des Gruppenführers an die braunen Kolonnen und deren Gegengruß hielt Brigadeführer Schmidt eine Ansprache, die in der Vereidigung der SA.-Anwärter ausklang. Hierauf

Während Der Ansprache von Gruppenführer Beckerleandie SA. (Aufnahme: Photo-Pfaff.)

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