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f ote Armee schaffen können, die in der Lage sei, j!den Angriff abzuwehren. Aber ihre wachsende !sacht habe die Sowjetunion nicht auf den Weg 1-r Kriegsabenteuer, auf den Weg einesroten Imperialismus" geführt, wie kapitalistische 23er» ^umder behaupten wollten, sondern die Sowjet- lnion sei ein Hort des Kampfes um den Frieden r-worden. Nicht nur habe sie ihren nächsten Nach­tnrn die Hand zum Frieden gereicht, indem sie mit inen Nichtangriffspakte abschloß, sondern sie habe (n sämtlichen Friedenskonferenzen teilgenommen, In? der Völkerbund einberief. Die Ehrlichkeit der swjetrussischen Friedensbestrebungen sei schließlich o. ch im Auslände anerkannt worden und habe dazu gjsührt, daß die Mehrheit der Völkerbundsmitalie- br sich an die Sowjetunion mit dem Vorschlag g,wandt habe, dem Völkerbund beizutreten.

Die Sowjetunion kenne alle Mängel des l k e r b u n d e s, in denen sich dersoziale Cha- nJter" der in ihm vertretenen Regierungen wider- spegele. Sie wisse, daß der Völkerbund in der Ver- gmgenheit nicht in der Lage war, irgendwelche enfte Maßnahmen für den Schutz des Friedenswer- tiü zu unternehmen. Gleichzeitig sehe sie jedoch, daß

ein Teil der dem Völkerbund angehörenden Staa­ten das Friedenswerk verteidigen wolle. Deshalb habe sie es als Pflicht betrachtet, der Einladung dieser Mächte entgegenzukommen. Trotzdem vergesse die Sowjetregierung nicht, daß für eine Reihe von Mitgliedsstaaten, ohne erst von denen zu sprechen, die ihn verlassen hätten, die Feindschaft gegenüber dem Lande des Sozialis­mus sich stärker erweisen könne als die Furcht vor dem Kriege. Deswegen dürfe die öffentliche Mei­nung der Sowjetunion, indem sie die Bereitschaft der Sowjetregierung, dem Völkerbunde beizutreten, voll und ganz begrüße, doch keinen Augen­blick vergessen, daß das Friedenswerk vor allem von zwei Faktoren abhänge, nämlich vom Willen zum Frieden bei den Volksmassen aller Län­der und von der Stärke der Sowjetunion. Äe stärker die Sowjetunion sein werde, je stärker die Sowjetarmee sei, die an den Grenzen die Wacht sei­ner Unabhängigkeit darstelle, desto mehr müßten die Abenteurer des Imperialismus fürchten, eine aggres­sive Politik zu führen, die nur mit ihrer völligen Vernichtung enden könnte.

Oie Gaarabstimmung kommt erneut vor den Völkerbundsrat.

Varis, 18. Sept. (DNB.) Der Sonderbericht­enatter der Havas-Agentur in Genf meldet: Nach- tkTi die Frage des Eintritts der Sowjetunion in i)c. Völkerbund praktisch erledigt ist, beginnt man sit in hiesigen internationalen Kreisen von neuem rr der Frage der S a a r a b st i m m u n g zu bkchäftigen, über die der Dreierausschuß in Kirze zu beraten haben wird. Es ist möglich, daß aiTesichts der Wichtigkeit dieser heiklen Frage der D lkerbundsrat in der nächsten Zeit eine altz.erordentliche Sitzuna abhalten wird. Es scheint si<j zu bestätigen, daß Außenminister B a r t h o u, De: Mitte der Woche in Paris zurückerwartet wird, Strang kommender Woche wieder nach Gens rett, um an den Verhandlungen über die mit de Saarabstimmung zusammenhängenden Fragen te>:.unehmen. Angeblich wird als eine der ersten Fc gen die Rekrutierung einer inter- itcttionalen Polizeitruppe erörtert wer- hei Der Dreierausschuß soll der Ansicht zuneigen, l>ä die von der Regierungskommission des Saar- Debets vorzuschlagenden Länder Einzelrekrutierungen sozunehmen hätten.

^glaublicher Terrorakt an einem Mitglied der Deutschen Front.

i aarbrüd en, 17. Sept. (DNB.) Auf dem Öi;ge von der GrubeFrankenholz" nach Münch- .Bibö wurde der Bergmann Anton Schulz, Mit- Ilioo der Deutschen Front, auf dem Nachhauseweg duich zwei unbekannte, in schwarze Umhänge ge- [üL e Männer zum Stehenbleiben aufgefordert. Auf -iieArage, ob die Männer Zollbeamte seien, wurde :£)ii geantwortet:Kommen Sie nur mit!", worauf Edmlä mit den Männern, die er für Zollbeamte ieU mitging. In diesem Augenblick kamen zwei 11 n>o e i e u d) t e t e Autos. Schulz wurde hinter- Lmdii gepackt, niedergeschlagen, mit Fußtritten und «EdVgwerkzeugen erheblich mißhandelt und ins 'tim geworfen. Schulz konnte sich noch einmal be- wurde jedoch an der Flucht durch sieben bis n_t)! Männer gehindert, die erneut aufs Unmensch- ' lifyie auf ihn einschlugen. Man legte ihm Hand- :<ijjin an und brachte ihn nach'Frankenholz, wo er l»en Landjäger übergeben wurde. Dort flirten die Männer, die blaue Polizei uni- ioimen trugen, daß sie zu einem Ueberfallkom- o5bo aus Saarbrücken gehörten, und forderten )eiiLandjäger auf, Schulz so lange festzuhalten, bis jurürffämen. Am andern Morgen wurde Schulz : ei der freigelassen.

Dieser Vorfall, der stark an Wildwest erinnert, erscheint so unglaublich, daß von den zuständigen Stellen eine umgehende Aufklärung erwartet wer­den muß. Nach der Aussage von Schulz waren die Täter offenbar Angestellte der saarlän­dischen Polizeiverwaltung. Der Präsi­dent der Regierungskommission hat also hier die Möglichkeit und die Pflicht, durch rasche und ein­wandfreie Untersuchung dieses Terrorfalles zu be­weisen, daß ihm der Schutz der Saarbevölkerung vor Uebergriffen, von welcher Seite sie auch kommen mögen, höher steht als seine längst bekannten pri­vaten Sympathien.

Eine Veleidigung der Saar­beamten.

Die Regierungskommission hat die saarländische Beamtenschaft, soweit sie mit der A u f st e l l u n g der A b st i m m u n g s l i st e n beschäftigt war ober bei der Abstimmung mitzuwirken hat, erneut daran erinnert, daß eine Zusammenarbeit mit p o- litischen Organisationen verboten sei. Gegen einen derartigen Hinweis wäre nicht das ge­ringste einzuwenden gewesen, wenn nicht gleichzeitig hinzugefügt worden wäre, daß die Abstimmungs­kommission wiederholt eine derartige Zusammenar­beit habe feststellen müssen. Ist schon gegen die Art wie hier Beschuldigungen erhoben werden, ohne daß man Namen nennt oder den Sachverhalt darlegt, schärfster Protest ein» mlegen, so ist es doch geradezu ungeheuerlich, den saarländischen Beamten zu verstehen zu geben, daß höheren Ortes ihr gegenüber Mißtrauen herr­sche. Das ist eine Herausforderung und Beleidigung der Beamtenschaft zugleich. Die saarländischen' Be­amten sind durch eine Schule der Pflichterfüllung und des Gehorsams gegangen, wie sie so bald nicht mehr zu finden ist. K e i n Beamter an der Saar wird jemals seinen Diensteid verletzen. Das sollte doch wohl schon die Regierungskommission in den fünfzehn Jahren ihrer Tätigkeit bemerkt haben. Wie aber wäre es, wenn sie sich etwas mehr um ihr Aufgabengebiet kümmern und dafür sorgen würde, daß die Saarbürger nicht auf offener Straße mißhandelt und verschleppt werden? Sie ist mächtig genug, auch ohne Polizei­verstärkung Ordnung zu halten. Doch das ist nur möglich, wenn sie sich einer Haltung befleißigt, die nicht als Ermunterung der Separatisten und Kom­munisten wirkt.

Der Garaniiepaki für Oesterreich.

Schuschnigg wird in Paris erwartet.

$3a r i 5, 17. Sept. (DNB.) Man rechnet in ?C'ir:5 mit dem Besuch des österreichischen Bun- k Kanzlers Schuschnigg für* nach Barthous ? k:j: ch in Rom. Bis dahin soll die Frage, wie ^Lisirrreichs Unabhängigkeit am besten garantiert imen könnte, soweit gefördert fein, daß Schuschnigg i mb Barthou nur noch letzte Hand an ein Ab- Nmnen zu legen hätten. Das Zögern Eng- Ihribs, neue Verpflichtungen -auf dem Kontinent vernehmen, und die Befürchtungen der SEIci n e n Entente scheinen die Befürworter Ls« Warantieplanes auf eine Formel ähnlich der L>« Locarno-Abkommens hinzulenken.

8r.ndeskanzler Schuschnigg hat vor seiner Ab- iiefcibem Sonderberichterstatter desParis Soir" 6 Enormem erklärt: Es trifft zu, daß die Genfer 2 Bmter der Großmächte und der Nachbarstaaten lvitrreichs in einen eingehenden Meinungsaus- WlafiO darüber eingetreten sind, wie man künftig L)^-rreich gegen die Einmischung Dritter in seine SJmmpoIitif schützen könnte. Die Initiative ist o o n i i e n i f d) e r Seite ausgegangen. Sie be- 0|ptct den Abschluß eines Abkommens, das diesem

Wunsche Rechnung trägt. Sollte ein solches Ab­kommen die Empfindlichkeit gewisser Staaten ver­letzten, so kann ich dazu sagen, daß Oesterreich größten Wert darauf legt, daß ein derartiges Abkommen keinen gegen irgendeinen interessierten Staat gerichteten Cha­rakter trägt. Wir wünschen ganz im Gegenteil, daß alle in Frage kommenden Nachbarstaaten mitwirken, weil wir ein wesentliches Interesse an einer Verständigung haben, die nicht nur unsere Ordnung im Innern, sondern auch den Frieden Europas garantiert. Wer immer auch aufrichtig die völlige Unabhängigkeit unseres Landes will, wird freudigen Herzens eingelaben, an dem Werk der Befriedung Oesterreichs und des Schutzes gegen Störungen, die von außen kommen könnten, teil­zunehmen.

Die in Kreisen der Kleinen Entente herr­schende Auffassung faßt der Berichterstatter wie folgt zusammen: Oesterreich muß in einer in­ternationale Entente unter Öen A u - spizien des Völkerbundes geschützt wer­den, so daß keine Großmacht auf eine b e- vorzugte Stellung Anspruch erheben kann. Es muß auch gegen die Wiedereinsetzung der Habs­burger und gegen den Anschlußin Schutz genom­men" werden.

Kunst und Wissenschaft.

Große Modeschau des Deutschen Modeinstituts in Berlin.

?r Berliner Kaiserhof veranstaltete das Deut» f CjelüRo beinftitut eine große Modenschau. J»! große Säle reichten nicht aus, um die Menge ii Kassierter Besucher aufzunehmen, ein Zeichen, önoj man die Bedeutung der Veranstaltung in wei­te chr Kreisen vollauf anerkannt hat.

j. iD i l l e n z, der für die künstlerische und fad)» liiidi ^Gestaltung verantwortlich zeichnete, wies in fe ihi Begrüßungsansprache auf den Sinn dieser DAljchau hin, die Spitzenleistungen eines Hand- wjfj zeige, das bereits als Kunst bezeichnet wer­d'»: müsse, sie solle bewußt werden lassen, daß die im Leben eines Volkes keine Nebensache, fon= Ötkn sein wichtiges Gebiet seiner Wirtschaft und äIil- ist. Bei dieser Gelegenheit müsse er betonen, bilar ?.s eine deutsche Mode vorläufig noch nuq :gebe, daß es aber eine der vornehmsten Auf- giPir des Modeinstituts fei, diejenigen Ansätze, die < Qmtmidlung eigener Modelle dienen, sorgfältig 31)1? iegen. Eine der wichtigsten Voraussetzungen

hierfür sei der persönliche und lebendige Kontakt zwischen Textilfabrikanten und führenden Mode­häusern. Dillenz wandte sich weiter gegen gewisse Greuelmärchen, wonach in Deutschland Kleider­regeln eingeführt werden sollen, die jeglichen Schmuck und Aufwand unterbinden. Daß es in Deutschland auch keineswegs an Stoff mangele und keine Papierkleider getragen werden, werde diese Schau nachdrücklichst unter Beweis stellen.

Dagegen könne die Mode weitgehend dazu beitra- tragen, das Wirtschaftsprogramm der Reichsregie­rung zu unterstützen. Wenn man beispielsweise ein Modell aus Spitze wähle, so helfe man der Plaue­ner Spitzenindustrie und trage dazu bei, die Ar­beitslosigkeit in Sachsen zu bekämpfen. Werde ein Kleid aus den neuen Faserstoffen gewählt, dann habe man ein Material gekauft, das von deutschen Erfindern geschaffen ist und im eigenen Lande her- gestellt wird, wie überhaupt fast alle hier gezeigten Stoffe deutschesMaterial sind. Dillenz schloß mit dem Appell, sich gegen alle Saboteure zu wen­den, die geflissentlich Die Meinung ausstreuen, daß der Nationalsozialismus die deutsche Frau nicht gut und schön angezogen sehen wolle.

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Ein grausiges Zild von derMorro Lastle"

Eines der Promenadendecks auf dem durch eine Feuersbrunst völlig ausgebrannten amerikanischen Dampfer.

Weiß und Schwarz in Südafrika.

Probleme der Eingeborenenpolitik. Das Ende des weißen Südafrika?

Don unserem Or. B.-Berichierstatier.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Johannesburg, September 1934.

Ein drängendes Problem in Südafrika ist das der Eingeborenen. Der Schlüssel, es zu lösen, ist noch nicht gesunden. Auch das von den Koalitions­führern H e r tz o g und S m u t s vorgelegte Pro­gramm für die neue Fusionspartei enthält kein klares Wegziel für die Eingeborenen­politik. Anerkannt wird darin nur das vor­herrschende Interesse der weißen Bevölkerung. Fest- gelegt ist aber auch dieAnerkennung der Einge­borenen als ein dauernder Bestandteil der südafri­kanischen Bevölkerung unter der christlichen Treu­händerschaft der weißen Rasse". Offen bleibt die Frage, ob der Eingeborene durch diese Politik all­mählich zum bewußten Bürger des Staa- t e s herangezogen werden soll, also im Gegensatz zu der heute noch vorherrschenden Einstellung irgendwelche Bürgerrechte erhalten soll.

Der neueste Erlaß des südafrikanischen Ministers für Eingeborenenfragen deutet aber darauf hin, daß man in der Eingeborenenbehandlung neue Wege gehen will. Minister Grobler, der diesen entschei­denden Schritt tat, gab eine Verfügung heraus, die eine Lockerung derPaßgesetze" anordnet. Zur Erklärung dieses Schrittes sei hier kurz gesagt, daß die Schwarzen in der Union bislang regi­ft r i e r t wurden. Kein Schwarzer in der Union konnte sich zu bestimmten Tageszeiten ohne Paß frei bewegen. Wurde er dennoch ohne Paß ange­troffen, wurde er bisher verhaftet und bestraft. Derjenige Schwarze aber, der im Dienst eines Weißen steht, muß beim Antritt des Arbeitsver­hältnisses seinen Paß abgeben und erst nach Ablauf seiner Dienstzeit erhält er ihn wieder aus­gehändigt. Will er in der Zwischenzeit nach 20 Uhr ausgehen, so muß er die schriftliche Geneh­migung seines weißen Arbeitsherrn einholen. Unterläßt er das, macht er sich strafbar. Die schwarzen Frauen dagegen sind dieser Kon­trolle nicht in diesem Maße unterworfen. Sie werden nicht registriert, und das ist nicht zuletzt der Grund, daß bei ihnen die Freude des Dienens nicht lange anhält. Daß sie eines schönen Tages ver­schwinden, nicht nur mit ihren eigenen Habselig­keiten, sondern häufig auch mit dem, was sie sonst noch greifen können. Afrika ist groß, und eine Mary" zu finden, die sich zwei Stunden später ..Johanna" nennt, gelingt selbst der besten Polizei nur in den seltensten Fällen.Johanna" und Mary" wissen das. Sie richten ihr Benehmen gegen die weiße Herrin auch danach ein. Das heißt: sie tun das, was sie für richtig halten, oder sie verschwinden einfach spurlos.

Die alten Buren und die englischen Kolonisa­toren vertraten den Standpunkt des strengen und gerechten Herrn. Der Schwarze erkannte diese Ein­stellung an und war zufrieden, solange der Herr auch wirklich Herr war. Seitdem sich aber Weiße in denJoint Councils" mit Schwarzen treffen, um dieMentalität der Eingeborenen näher kennen­zulernen", und mit diesen über das Wohl der Ein- geborenen zu beraten, änderte s i ch die Einstellung oer Schwarzen sehr schnell. Offensichtlich schließen ie nun diesen Menschheitsbeglückern, die nicht nach der Haut des Mannes urteilen, auf die anderen Weißen. Sie sehen in diesen nun ebensowenig Her­ren wie in den geschickten Sisfuffionsreonern, ihren weißen Freunden aus denJoint Councils", die alles durch eine schwarze Brille sehen.

B o l s ch e w i st i s ch e Hetzer, mit denen Süd­afrika durchsetzt ist, nutzen diese Situation für ihre Zwecke geschickt aus. In öffentlichen Versammlungen rufen sie zu offenem Widerstand gegen die jetzigen Ge­walten auf. In der in englischer Sprache und in der Bantusprache erscheinenden ZeitungUmsebenzi", dem Organ der kommunistischen Partei Südafrikas, for­dern sie die Errichtung einer südafrika­nischen Eingeborenen-Republik. Immer wieder hämmern sie den Eingeborenen ins Ge­dächtnis, daß nur 7,8 Prozent desgesam- ten Landbesitzes in der Union in der Hand der Eingeborenen ist, daß der An­teil der Eingeborenen-Ländereien am gesamten Grundbesitz im Mandatsgebiet Deutsch-Südwest­afrika nur 8,7 Prozent ist, daß dieser Anteil in den britischen Protektoraten Betschuanaland sich zwar auf 20 Prozent beläuft, im Swaziland sogar auf 39 Prozent, daß aber den Eingeborenen in den Pro­tektoraten der Landbesitz nicht sicher sei, daß er ihnen vielmehr jederzeit genommen werden könnte. Die Entdeckung von Mineralvorkommen ge­nüge, um sie von diesem Besitz zu vertreiben. Im­perialisten, fremdländische Grundherren und Minen- Magnaten ließen ihnen diesen Besitz nur, um jeder­zeit aus diesen Reservaten billige Arbeits­kräfte herausholen zu können.

Langsam aber sicher wirkt diese Minierarbeit unter den Eingeborenen, die durch den Einfluß der wesensfremden weißen Zivilisation in ihren gesun­den Instinkten irre geworden sind. Wenn die Schwarzen auch nicht alles von dieser geschwollenen Phraseologie glauben, sie hören aber, daß der Weiße nicht mehr im Befehlston mit ihnen spricht. Das genügt. Es ist für sie das Zeichen, daß dem wei­ßen Mann die Macht entgleitet. Und schon stellen sie selbst Forderungen. Sie protestieren dagegen, daß man ihnen, die die Zivilisation des weißen Mannes angenommen hätten, die Privile­gien dieser Zivilisation versage. Sie werfen wie die wahlberechtigten Kapfarbigen jeder Kapfarbige darf wählen, wenn er 75 Pfund Vermögen ober 60 Pfund Einkommen hat der Regierung in etwas schwer verständlichen Redewendungen vor, daß das Kaffernwahlrecht einmalhintenherum" ihnen genom men werden könne. Als zukünftige Bürger der Union mischen sie sich bereits auch in die Außenpolitik des Landes ein. Abgesehen davon, daß sie Deutschland als einen möglichen Angreifer Südafrikas bezeich­nen, fordern sie, die in der Union ansässig sind, von Großbritanien, daß die britischen Protek­toratsgebiete Betschuanaland, Basutoland und Swaziland nicht an einer fremde Macht ge­meint ist hiermit die Südafrikanische Union übertragen werden, ohne die Eingeborenen in den Protektoraten zu fragen. Sie begründen diese Forderung damit, daß die Eingeborenen in der Union schlechter behandelt werden, als in den unter englischer Verwaltung stehenden Ge­bieten.

Von den Weißen Südafrikas wird daher vielfach auch die Lockerung der Paßgesetze durch Minister Grobler als eine Geste gegenüber den Schwarzen ausgelegt; als ein wirksames Mittel, die Hetzer, die gerade diese Paßbestimmungen für ihre Agitationszwecke ausnutzten, zum Schweigen zu bringen. Teilweise dürste diese Wirkung auch erzielt werden. Zum mindesten dürften im Augenblick die­jenigen Schwarzen beruhigt sein, die von den Paß­gesetzen nicht mehr betroffen werden. Es sind dieses fast die Hälfte aller Schwarzen. Denn von jetzt ab brauchen keine Pässe mehr zu tragen: Jeder Einge­borene Polizist oder Gerichtsdiener, dem vom Vor­steher seiner Behörde ein Ausweis ausgestellt wurde, daß er in behördlichen Diensten steht, ferner sämtliche Häuptlinge und deren Unterhäuptlinge, weiter jeder Eingeborene, der eine leitende Stellung in den Selbstverwaltungseinrichtungen der Einge­borenen ein nimmt. Befreit sind ebenfalls die einge­borenen Geistlichen, sämtliche Lehrer, die landwirt­schaftlichen Wanderlehrer, die eigeborenen Angestell­ten in dem Ministerium für Eingeborenenfragen und die Schreiber und Dolmetscher, im staatlichen oder städtischen Dienst, Schließlich kann jeder Eingeborene von Ansehen, gutem Charakter und Benehmen, dem der Eigeborenen-Kommissar ein diesbezügliches Zeugnis ausstellt, von den Paßbe­stimmungen befreit werden.

Gerade diese letzte Bestimmung ist sehr dehn- b a r. Anscheinend wurde sie in die Verordnung aus­genommen, um den übrigen Schwarzen einen An­sporn zu geben, sich gut zu führen, um ebenfalls die Vergünstigungen zu erlangen, Wieweit diese Wir­kung erzielt wird, ist schwer im voraus zu jagen. Vielleicht ist die einzige Wirkung, wie ein guter Kenner des südafrikanischen Lebens annimmt, nur die, daß die Bevorzugten von den weniger Be­vorzugten gehaßt werden.

So geteilt die Anschauungen über diese Einzel- bestimmungen sind, so verschieden sind auch die Ur­teile über den Erlaß dieser Verordnung überhaupt. Die Gegner sehen darin den Anfang vom Ende des weißen Südafrikas. Sie erken­nen die Verordnung auch nicht als vorübergehende Geste an und bezeichnen sie als schädlich. Sie wollen sich nicht auf den guten Willen der Schwarzen ver­lassen und fordern eine scharfe Trennung zwi­schen Schwarz und Weiß, denn nur eine solche Trennung könne die wachsenden Massen der zivili­sierten Schwarzen in Schach halten. Jedes Abwei­chen von den Regeln der strengen, aber gerechten Eingeborenenbehandlung der alten Pioniere würde bei den Schwarzen immer nur neue Wünsche wecken und schließlich zur Beseitigung der Vor­herrschaft der weißen Rasse in Süd­afrika überhaupt führen. Von den Befürwortern der neuen Verordnung werden diese Einwände viel­fach auch als berechtigt erkannt. Sie sehen aber keine andere Lösung. Vielleicht vertreten sie auch die Ansicht, daß der Zeitpunkt, einen anderen Weg zu gehen, schon verpaßt ist. Rückhaltslos stimmen nur die der Verordnung zu, die als Weiße Öen Stanöpunkt vertreten, öaß Süöafrika auf öie Dauer nie weißen Mannes Lanö fein kann.