zum Ziel seines Sonntagsaufluges auswählen kann. Auch ist dafür Sorge zu tragen, daß nach diesen Orten ein gesteigerter Verkehr der Elektrischen sowie der Omnibusse vorbereitet wird.
Ortsgruppenweise sammeln sich die einzelnen Gliederungen der Bewegung mit ihren Familienangehörigen und marschieren gemeinsam unter Dorantritt aller verfügbaren Kapellen zu den verschiedenen Kundgebungsplätzen; Anzug: Uniform oder Zivil; jedoch müssen die Uniformierten zusammen marschieren. Die Fahnen der einzelnen Gliederungen sind hierbei nicht mitzuführen. Nack der Rede des Führers (etwa 17 Uhr) werden die Kundgebungen geschlossen. Jeder kann nach eigenem Belieben bleiben oder den Heimweg antreten. Die Mitglieder der Kapellen müssen einheitlich gekleidet sein.
b) D i e übrigen Kreis st ä d t e.
Hier sind F e st z ü g e vorzubereiten (Erntewagen sowie Wagen mit den Produkten des Reichsnährstandes). Hinter den Wagen marschieren die Gliederungen der Bewegung; es folgen deren Angehörige sowie die gesamte übrige Bevölkerung, die sich beteiligen will. Wo mehrere Uebertragungs- Plätze bestimmt sind, ist der Festzug in entsprechend viele Teile zu gliedern, die zuerst gemeinsam marschieren und sich dann ohne Schwierigkeiten in mehrere Züge auflösen können müssen. Wo es möglich ist, sind die Lautsprecher auf Erntewagen zu montieren.
c) D i e übrigen Ortschaften.
Diese können selbständige Feiern durchführen, soweit eine Uebertragung der Rede des Führers garantiert werden kann; anderenfalls müssen mehrere Ortschaften zu einer gemeinsamen Kundgebung zusammengefaht werden.
Programmgestaltung.
1. Gesamtleitung: Die zuständigen Hoheitsträger.
2. Alle Kapellen marschieren am Vormittag musizierend durch die Straßen.
3. Die Zeiten des Antretens sind so zu bemessen, daß unnützes Herumstehen und Warten vermieden werden.
4. Vor der Führerrede können, soweit die Möglichkeit besteht, von den einzelnen Gliederungen (HI., BDM. usw. Reigen, Sprechchöre usw. eingesetzt werden. Wo es noch Trachten gibt, können Tänze in Trachten vorgeführt werden. Jedoch soll da, wo keine Trachten mehr üblich sind, künstliche Maskerade vermieden werden.
5. Die zuständigen Bauernführer eröffnen gegen 16 Uhr die Kundgebungen und weisen in einer Ansprache, die nur wenige Minuten dauern soll, auf die Bedeutung des Tages hin. Bis Aum Beginn der Führerrede musizieren die Kapellen. Ueberall sind Kopfhöreranlagen oorzubereiten, durch die der Beginn der Führerrede rechtzeitig festgestellt wird. Dann erst sind die Lautsprecheranlagen einzuschalten.
6. Nach der Führerrede werden die Kundgebungen in der üblichen Weise geschlossen. Jeder kann dann nach Belieben den Platz verlassen.
7. Anschließend an die Kundgebungen Volks- f e st mit Tanz.
IV.
Sonderzüge
zum Staatsakt auf dem Bückeberg.
Aus dem Gau Hessen-Nassau gehen folgende fünf Sonderzüge:
Zug Nr. 1: Niederlahnstein—Bad Ems—Limburg —Weilburg—W etzla r—G ieße n—L ollar.
Zug Nr. 2: St. Goarshausen—Rüdesheim—Eltville-Wiesbaden— Mainz - Kastel—Hattersheim— Höchst—Oberursel—Bad Homburg—F riedber g— B u tz b a ch—G roßen-Linde n—G i e ß e n.
Zug Nr. 3: Worms—Pfeddersheim—Molsheim— Eppelsheim—Alzey—Armsheim—Wörrstadt—Nie- der-Olm—Mainz—Rüsselsheim—Kelsterbach—Frankfurt-West—Gießen.
Zug Nr. 4: Weinheim—Heppenheim—Bensheim— Äwingenberg—Bickenbach—Eberstadt—Darmstadt- Langen—Buchschlag—Sprendlingen—Frankfurt-Hbf. —Friedberg—Gießen.
Zug Nr. 5: Hetzbach—Erbach—Michelstadt—König —Mömlinggrumbach—Höchst i. O—Lengfeld—Wiebelsbach—Heubach—Groß - Umstadt—Langstadt—Babenhausen-Seligenstadt—Hainstadt—Hanau—Windecken—Lindheim—S tockhei m—O r t e n b e r g— Lißber g—Ge der n—Gr e b e n h a i n—C rain- f e I d—H erbstei n—L a u t e r b a ch—Angersbach.
75 v. H. Fahrtpreisermäßigung!
Diese Ermäßigung gilt bereits ab Heimatstation, nicht nur ab Station Sonderzug!
Die genauen Zeiten und Fahrpreise werden im Laufe der Woche in der gesamten Presse bekanntgegeben. Meldungen können an folgenden Stellen bis Samstag, den 22. September, bis spätestens 12 Uhr gerichtet werden; Postkarte mit genauer Anschrift genügt.
1. Kreisbauernschaft Darmstadt, Hügelstraße 73.
2. Kreisbauernschaft Heppenheim, Landwirtschaftsamt.
3. Kreisbauernschaft Alzey, Landwirtschaftsamt.
4. Kreisbauernschaft Friedberg, Landwirtschaftsamt.
5. Kreisbauernschaft Alsfeld, Landwirtschaftsamt.
6. Kreisbauernschaft Wiesbaden, Landwirtschaftsschule, Mainzer Straße 17.
7. Kreisbauernschaft Limburg, Obere Schiede 19.
8. Kreisbauernschaft Wetzlar, Albinistraße 25.
9. Reichsnährstand, Frankfurt a. M., Werbeabteilung, Bockenheimer Landstraße 25.
V.
Allgemeines.
1. Kirchen. Alle Gottesdienste sind auf den Vormittag zu verlegen, damit der Nachmittag ganz für die Erntedankfeier zur Verfügung steht. Die Kirchen läuten am Samstag, dem 29. September, abends, den Erntedanktag ein.
2. Schulen. In allen Schulen einschließlich der höheren Schulen ist rechtzeitig auf die Bedeutung des Erntedanktages sowie die Bedeutung des Bauern einschließlich des gesamten Nährstandes hinzuweisen. Ausflüge in benachbarte Bauerndörfer werden empfohlen. Die Betei- ligung der Schule an der Feier ist erwünscht. Es ist zweckmäßig, in allen Schulen anschließend an den 30. September Aufsätze über den Erntedanktag sowie die Bedeutung des Nährstandes schreiben zu lassen.
3. F l a g g e n s ch m u ck. Die gesamte Bevölkerung wird aufgefordert, am 30. September wie am 1. Mai zu flaggen. Es wird darum gebeten, die
Fahnenspitzen mit Blumensträußen zu schmücken. ri ,
4. Festabzeichen. Nur das amtliche Festabzeichen darf vertrieben werden (20 Pf.). Der Verkauf aller übrigen Abzeichen, Bändchen, Eintrittskarten, Plaketten usw. ist streng verboten; ebenso sind Erheben von Eintrittsgeld, Sammlungen irgendwelcher Art sowie der Verkauf von Karten verboten: auch soll kein Tanzgeld erhoben werden.
5. Die S ch a u f e n st e r der Geschäfte. Alle Geschäftsleute werden gebeten, ihre Schaufenster mit frischen Blumen zu schmücken. Kunstblumen sind unerwünscht. Ebenso ist es unerwünscht, die Schaufenster mit Hakenkreuzfahnen zu schmucken. Die Kreispropagandaleiter führen zusammen mit der NS.-Hago Schaufensterwettbewerbe durch.
6. Die Lebensmittelgeschäfte werden er- sucht, deutsches Obst und deutsche Gar-
tenerzeugnisse auszustellen.
7. Alle Wirte werden gebeten, ihre Tische mit frischen Blumen zu schmücken und am 30. September zum Nachtisch «jur deutsches Obst zu geben.
*
Deutsche Volksgenossen! Am 1. Mai huldigt das gesamte Volk dem Arbeiter. Am 30. September sollen die Augen des ganzen Volkes auf den deutschen Bauern sowie den gesamten Nährstand gerichtet sein. Dieser Tag soll mithelfen, die großen Absichten unseres Führers Adolf Hitler wiederum um ein gutes Stück zu fördern. Seid alle in diesem Sinne am 30. September bereit!
I. A.: gez. Müller-Scheld, Gaupropagandaleiter und Leiter der Landesstelle Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Dolks- aufklärung und Propaganda.
Nur erbbiologisch wertvolle Jugend im Landjahr.
Berlin, 17.6ept. (DNB.) Wie die Press,, stelle des Reichserziehungsministeriums mitteilt, handelt es sich bei der durch das Landjahrgesetz im ersten preußischen Landjahr zur Gemeinschaftserziehung auf das Land Der. brachten volksfchulentlafsenen Großstadtjugend nickt, wie wiederholt mißverständlich durch bie Presse gegangen ist, um Jugend aus ehe. mals marxistischen Familien, fonberir um erbbiologisch gesunde auserwähl tz junge Menschen. Vorwiegend stammt bii Landjahrjugend sogar aus Familien, deren Welt- anschauung bereits seit langem die des National- sozialismus ist.
Der politische Ausschuß empfiehlt -er Völkerbunds« Versammlung die Aufnahme Gowjetrußlands.
Oer schweizerische Bundesrat Motta richtet eine letzte Warnung an den Völkerbund, nicht„WafferundIeuer vereinigen" zuwollen.-AuchHolland undportugal stimmen mitRein
„Mr Verden wachsam fern." Genf soll kein Herd kommunistischer Weltpropaganda werden.
Genf, 17. Sept. ^DNB.) Nur selten hat man in Genf solche Spannung erlebt, wie am heutigen Montag, als die Sitzung des politischen Ausschusses durch den Präsidenten Mada- r i a g a (Spanien) eröffnet wurde. Auf der Tages; ordnung des Ausschusses steht die Prüfung des Eintritts der Sowjetunion in den Völkerbund. Der Andrang aus allen Kreisen der in Genf zur Völkerbundstagung versammelten internationalen Welt war ungeheuer. Die Treppen und die Gänge des großen Sitzungssaales waren voller Menschen. Als erster Redner sprach
der portugisische Außenminister Sa Mata.
Er begründete mit deutlichen, aber vorsichtigen Worten die ablehnende Haltung seines Landes. Da Mata erklärte, daß der Eintritt Sowjetrußlands im Gegensatz zu den Ideen der zivilisierten Welt und im Gegensatz zur Idee des Völkerbundes stehen würde. Er sei überzeugt, daß die Sowjetunion nach ihrem Eintritt jene Propaganda noch wirksamer g e st a l t e n könne, deren Ziel es sei, die Grundlagen der Staaten zu zerstören. Da Mata wies ferner darauf hin, daß Sowjetrußland von einer Reihe von Staaten heute noch nicht anerkannt worden sei. — Noch ernstere Beachtung als die Erklärung des portugiesischen Delegierten fand die anschließende große und mutige Rede des schweizerischen ersten Delegierten.
Bundesrat Motta
erklärte, die Schweiz sei in einer besonderen Lage. Sie habe den Eintritt in den Völkerbund erst nach einer hart umstrittenen Volksbefragung vollzogen. Die Gründer des Völkerbundes hätten der Schweiz dann ihr Vertrauen bezeugt, indem sie Genf zum Sitz des Völkerbundes bestimmten. Die Schweiz sei stets eine grundsätzliche Anhängerin der Universalität des Völkerbundes gewesen. Schon im Jahre 1920 habe er persönlich dem Wunsch Ausdruck verliehen, daß Rußland einmal, geheilt von seiner Besessenheit und befreit von seinem Unheil, mit dem Völkerbund Zusammenarbeiten werde. Die Schweiz habe bei aller Freundschaft zum russischen Volk aber niemals das gegenwärtige Regiment anerkennnen wollen. Sie sei entschlossen, auf dieser Haltung der Ablehnung und des Abwartens zu beharren. Die Schweiz habe sich schon deshalb entschließen müssen, den Eintritt Rußlands ihrerseits abzulehnen, als eine Ja- Stimme gleichbedeutend mit der Wiederaufnahmeoer diplomatischen Beziehungen sein müßte.
ZTloffa stellte bann die Frage, ob eine Regierung. deren Wesen der expansive und kämpferisch.e Kommunismus fei, die notwendigen Bedingungen erfülle, um in den Kreis der völkerbundsmachte ausgenommen zu werden. Ulan müsse hierbei schon von dem eigentlichen Zweck des Völkerbundes und den ihm zugrundeliegenden Ideen ausgehen. Der russische Kommunismus, so stellte Rlotla fest, bedeute — auf dem Gebiete der Religion, der Moral der Gesellschaft, der Politik und der Wissenschaft — bie gründlich st e Verneinung aller Ideen, auf denen unser Leben und unser Wesen beruht. Die meisten Staaten verbieten ja vorweg die kommunistische Propaganda. Alle aber betrachten sie als Staatsverbrechen, sobald sie ihre Theorie in die Tat umzusehen versuche.
Motta entwarf dann ein Bild von der Religio n sf e i nd s ch a f t des Sowjetregimes. Der Sowjetkommunismus bekämpfte die Religionsidee und die Geistigkeit in allen ihren Formen. Die christlichen Kirchen der ganzen Welt seien aufs tiefste erschüttert von dem Sammer ihrer Glaubensgenossen in Rußland. Der Kommunismus löse die Familien bände auf und erdrücke das Privateigentum und organisiere die Arbeit in Formen, die kaum von Zwangsarbeit zu unterscheiden seien. Rußland sei von der schweren Lage einer Hugersnot heimgesucht, die ihre Ursachen wahrscheinlich in einem oölligverseh l t e n wirtschaftlichen und sozialen S y st e m habe.
Der wichtigste Gesichtspunkt für die Schweiz sei aber Rußlands Anspruch auf Durchsetzung seiner Ziele in der ganzen Welt. Es versuche, die Weltrevolution zu organisieren. Die Verbreilung seiner Lehren über die politischen Grenzen hinaus sei sein Le- bensgeseh. Gewiß, kann man einwenden, die kommunistische Partei kann nicht mit dem bolschewistischen Staat verwechselt werden. Aber dieser Einwand hat keine Kraft. Kommunistische Partei und Dritte Internationale sind eine moralische Einheit.
Der Einwand, daß die Sowjetunion mit seinen 160 Millionen nicht einfach beiseitegelassen werden
könne, klinge zwar einleuchtend. Die Regierungen Frankreichs, Großbritanniens und Italiens hätten in Bern triefen Standpunkt vertreten, ohne aber irgendeinen Druck auf die Schweiz auszuüben. Die Schweiz aber könne nun einmal an die Evolution des bolschewistischen Regiments, so sehr sie sie wünsche, nicht glauben. Sie könne auf die Idee nicht verzichten, daß wenigstens ein Minimum von moralischer und politischer Verwandtschaft zwischen den Völkerbund s st aalen bestehen sollte zugunsten des Grundsatzes der Universalität. Bei allen patriotischen und nationalen Schweizern bestehe heute der gemeinsame Eindruck, daß der Völkerbund etwas Gefährliches unternimmt, wenn er Wasser und Feuer vereinigen will. Vertrauen könne irie Schweiz der Sowjetunion nicht, und sie könne sich auch nicht an einem Akt beteili- Sen, der Sowjetrußland ein bisher nie besessenes insehen verschaffen werde.
Jlun sind die Würfel allerdings gefallen. Wir
haben die Rolle eines Wächters und Warners vorgezogen, hoffen aber, daß die Zukunft unser Mißtrauen für übertrieben erweisen wird. Wir zählen darauf, daß alle anderen Staaten uns helfen werden, zu verhindern, daß Genf ein Herd zersetzender Propaganda wird. Wir werden wachsam sein.
Zum Schluß erinnerte der Vertreter der Schwg daran, daß auch nach Aufnahme der Sowjetunioi Rat und Versammlung vor mehreren offen geblifr denen Fragen stehen werden. Er wies auf d« Entschließungen der Versammlung hin, die sich cir die Unabhängigkeit Georgiens beziehen Er erinnerte dabei an A r m e n i e n, die U k r a i ni und andere Länder. Diese Probleme seien noch nicht aus der Welt geschafft. Er hoffe be- sonders, daß geerabe, wenn bie Sowjetbelegierten hier weilen werben, in Genf Stimmen ertönen, bie im Namen bes menschlichen Gewissens Aufklij- rung von ber russischen Regierung verlangen.
Mißlungener LntkrWungsversuch Vachons.
Die Rebe Mottas würbe von einem großen Teil ber Delegierten unb von ber Tribüne mit st a r - fern demonstrativen Beifall ausgenommen. Nachbem nach Bunbespräsibent Motta der belgische Ministerpräsident Ja s p a r, ber hollän- dische Außenminister de G r a e f und ber erste Delegierte Argentiniens, C a n t i l o , ebenfalls ihre Bedenken unb Einwänbe gegen bie Aufnahme ber Sowjetunion bargelegt hatten, versuchte der französische Außenminister
Varihou
vor einer zum Teil sehr kritischen Versammlung bie französische Haltung im Hinblick auf ben Eintritt ber Sowjetunion zu oerfeibigen. Aber bie Stellung Frankreichs ist in biefer Frage so schwach funbiert, baß es selbst biesem glänzenden Rebner sehr schwer würbe, Argumente für bie französische Politik zu finben, beren eigentliches politisches Ziel allzu deut- lich zutagetritt. Immer roieber roanbte sich Barthou an Bunbesrat Motta, um besten Argumenten eigene gegenüberzustellen, aber immer roieber mußte ber Eindruck bes unvoreingenommenen Zuschauers ber fein, daß es dem französischen Außenminister nicht gelungen ist, bie Gründe, bie zur Ablehnung ber Schweiz geführt haben, zu entkräften. Es war bezeichnenb, baß ber französische Außenminister gezwungen war, wiederholt auf bie Erklärung Sorojetrußlanbs in dessen Antwort auf die Einladung der Lölkerbundsmächte zurückzukommen, in welcher bie Russen sich verpflichtet hatten, sich ben Bestimmungen bes Völker- bunbspaktes zu unterwerfen. Wenn man Rußlanb zurückstoße, so werbe bie bolschewistische Pro- paganba er st recht gefährlich werben unb sich gegen Europa richten. Wer bas versuche, nehme eine schwere Verantwortung auf sich. Die Aufnahme ber Sowjetunion liege im Interesse bes Völkerbunbes und des Friedens. Zum Schluß erklärte Barthou, daß England, Frankreich und Italien zusammen m i t P o l e n die Verantwortung für bie Aufnahme Rußlanbs auf sich nehmen. Dieser letzte Satz fanb starke Beachtung. Man hatte ben Einbruck, baß Barthou ben Polen b ami t schmeicheln wollte, baß er sie gemeinsam mit ben brei Großmächten nannte, um sie bamit zugleich auf einen gemeinsamen politischen Boben zu ziehen. Es barf aber nicht vergessen werben, baß Polen in Wirklichkeit niemals eine Jnitiatve zur Aufnahme Sow- jetrußlanbs entfaltet, vielmehr e r n ft e Beben- fen geäußert hat, bie es erst nach langwierigen Verhanblungen zurückstellte.
Weitere Befürworter
Nach Barthou brachte Eben als Vertreter Großbritanniens bie Zustimmung seiner Regierung zur Aufnahme Sorojetrußlanbs in ben Völkerbund in nüchternen Worten zum Ausdruck. Englanb trete für bie Universalität bes Völkerbunbes ein, unb es sei daher auch der Meinung, daß ein so großes Land mit einer so zahlreichen Bevölkerung nicht außerhalb des Völkerbundes bleiben sollte. — Aloisi stellte für Italien fest, baß sein Land ben Stanbpunkt Frankreichs unb Englanbs teile. Es erweckte keine Ueberrafdjung, als ber polnische Außenminister Beck für sein Lanb ebenfalls bem Eintritt Sorojetrußlanbs zustimmte. Beck erinnerte an bie Wieberaufnahme normaler unb guter Beziehungen seines Lanbes zu Sowjetrußl'anb. Er begrüßte es, baß Sowjetrußlanb nun im Völkerbunb auch die Lasten der internationalen Friedens- sicherung mittragen werde. Der tschechoslowakische Außenminister B e n e s ch gab ber Meinung Ausbruck, baß ein so wichtiger Teil Europas nicht außerhalb bes Völkerbunbes bleiben bürfe. Die Tschechoslowakei sei bereit, loyalerweise mit Sowjetrußlanb zusammenzuarbeiten. Der kanabische Mini- sterpräsibent Bennett beklagte sich als nächster Redner über die Propaganda der Dritten In- ternationale in Kanada, erklärte aber, daß sein Land trotzdem im Interesse des internationalen Friedens für die Zulassung Sorojetrußlanbs stimmen werbe. Der türkische Außenminister T e w f i k Rueschdt Bey sprach bann, getreue der außen
politischen Linie seiner Regierung, für Rußlack Aufnahme, in der er in jeder Beziehung einen Vorteil erblicke.
38 Stimmen für die Ausnahme.
Der Vorsitzende Madarlaga schlug dann dnr Entschließung vor, in der zum Ausdruck gebrach!: wird, daß die 6. Ko m m i s si o n in Erwägung! der an Rußland durch 34 Staaten ergangenen Einladung und in Würdigung bet: russischen Antwort, in der die Sowjetunion sich zur Erfüllung der für alle Völker-- bundsmächte geltenden internattonalen Verpflichtungen bereit erklärt, der Vollversammlung -l< Aufnahme S o w j e t r u tz l a n d s in den. Völkerbund empfiehlt. Diese Enstchließung, wurde in namentlicher Abstimmung mit 38 Ja- Stimmen gegen 3 Rein-Stimmen —• Schweiz, Holland, Portugal — und bei 7 Stimmenthaltungen angenommen. Der Stimme enthalten haben sich Argentinien, Belgien, Kuba, Luxemburg, Ricaragua, Peru und Venezuela. Autzerdem waren bei der Abstimmung nicht anwesend Finnland, Panama, Paraguay und Siam. Sie fehlen sowohl in der Liste der Ja-Sager wie der Rein-Sager oder der Staaten, die sich bet Stimme enthalten haben.
Die Türkei stellt den nächsten Ralsprasidenten.
Litwinow wird der Maitagung Präsidieren.
Genf, 17. Sept. (DNB.) Die Völkerbundsver- fammlung begann mit den jährlich ftattfinbenben Ergänzungswahlen zum Völkerbunds« rat. Die Versammlung hat sich zunächst in Heimer Wahl darüber besprochen, ob China unb Spanien ihrem Anträge entsprechend mit" ber wählbar finb. Die Wählbarkeit (Sb in au würbe abgelehnt. Dagegen wurde Spanien! mit großer Mehrheit (44 Stimmen) als wieder-- wählbar erklärt. Es fanb bann die Wahl Chile!« (an Stelle von Panama), Spanien und bet: Türkei in den Völkerbundsrat statt. Von 521 Stimmen erhielten Spanien und Chile je 51, bitt Türkei 48 Stimmen. Die Türkei stellt ben näch" ft en Ratspräsibenten. Während der Sep" tembertagung bes Völkerbundes bleibt trabitions- • gemäß ber bisherige Präsibent Benesch im Amt Die Türkei würbe ber nächsten Ratstagung im Ja' nuar 1935 präfibieren. Die Präsibentschaft ber Malta g u n g 1935 des Völkerbundsrats würde bann Sowjetrußland zufallen (USSR.), da sich bie Präsidenten nach dem Alphabet abwechseln.
Die russische Oeffenllichkett wirb aufgeklärt.
Moskaus Vorbehalte für Genf.
Moskau, 17. Sept. (DNB.) Wie bereits fit* mobbet, hat bie Oeffentlichkeit Sowjetvußlanbs von ben Verhandlungen über den Eintritt der Sowjet' Union in ben Völkerbunb zunächst keine Silbe erfahren, bis die Angelegenheit M Zufriebenheit endgültig geregelt erscheinen kannte. Nunmehr unternimmt es die „Iswestj a" für bw innerrussischen Bedarf diese neue Moskauer W* . zu begründen. Der Völkerbund, der entstanden sei. als eine Organisation der Si-egerstaaten, habe sem- Spitze nicht nur gegen die im Kriege besiegten, IJ '• dem auch gegen ben damals aufkommenden "er". Staat der Werktätigen, der den Sozismus Derrn’ lichte", gerichtet. Der Versuch, den Willen der st-8 reichen kapitalistischen Staaten der Arbeiterkiaii - unb der Bauernschaft Rußlands aufzuzwingen, ! durch die vereinigten Anstrengungen der Bo massen siegreich abgewehrt worden. Eine l‘JalJ. f Geschichte proletarischer Revolution habe zum n I gen Anwachsen der wirtschaftlichen, politisch^" ~ kulturellen Macht Sowjetrußlands geführt. Grund dieses Wachstums habe Sowje-truhlano


