Frankreichs Antwort an England überreicht.
Barthou will Rüstungsbegrenzung auf der Grundlage des Status quo. Französische (Sehnsucht nach Genf.
Einmütige Billigung des pariser Ministerrats.
Paris, 17. April. CDJ123.) Die Minister haben in ihrer Dienstagberatung sich in der Hauptsache mit dem Text der Antwortnote an die englische Regierung beschäftigt. Rachdem Außenminister B a r t h o u über den Stand der Abrüstungsverhandlungen Bericht erstattet hatte, legte er die Role vor, die er gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten ausgearbeitet hatte. Der Text fand einmütige Billigung.
Barthous Standpunkt setzte sich durch.
In dem Ministerrat sind zwei Tendenzen aufeinandergestoßen. Der sogenannte Kleine Abrüstungsausschuß, in dem die Staatsminister herriot und Tardieu eine besondere Rolle gespielt haben, hat den Standpunkt vertreten, daß bei der gegenwärtigen Lage der Abschluß jedes Abkommens Unerlräg- lichkeiten mit sich bringe, daß Frankreich gegen jede Aufrüstung Deutschlands Stellung nehmen müsse und daß schließlich Frankreich möglicherweise mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln einen etwaigen deutsch-französischen Streitfall bereinigen müsse.
Gegen diese Auffassung hat sich entschieden Außenminister Barth ou gewandt, der für den Abschluß eines Abkommens eintrat, daß eine Rüstungsbegrenzung unter Zugrundelegung des Status quo befürworte. Barthou suchte seine Auffassung damit zu stützen, daß eine Reihe von Gegenmaßnahmen, u. a. eine Wirtschaftsblockade, im Falle der Verletzung des Abkommens ausreichende Gewähr für die Garantie- rung der französischen Interessen bieten würden. Der Ministerrat hat sich schließlich der Auffassung Barthous angeschlossen.
Frankreich schiebt dieAbrüstlings- konserenz vor.
Paris, 18. April. (DRB. Funkspruch.) In guk unterrichteten französischen Kreisen verlautet, daß die am Dienstagnachmittag nach London abgegangene französische Antwort an England drei Schreibmaschinenseiten umfaßt. Die französische Regierung erkläre darin u. a.» bafj sie trotz der hohen Bewertung der englischen Garantie und trotz Anerkennung des besseren Verständnisses, das die englische Regierung dem französischen Standpunkt entgegenbringe, kein Abkommen annehmen könne, dahdie „in Verletzung der Verträge" vorgenommene Aufrüstung Deutschlands legalisiere. Wenn Frankreich vielleicht zu einem solchen Abkommen bereit gewesen wäre, dann wäre es infolge der Erhöhung der deutschen Rüstungsausgaben und der deutschen Antwort auf die englische Anfrage in der Rüstungsangelegenheit davon abgekommen. Die französische Regierung halte es für z w e ck l o s, die direkten Abrüstungsbesprechungen zwischen den hauptsächlich interessierten Mächten fortzusehen, da keinerlei Aussicht bestände, daß diese zu einer Vereinbarung führen. Es sei jetzt Sache der Abrüstungskonferenz, in der Hoffnung auf einen besseren Ausgang die Beratungen wieder aufzunehmen.
Der Wortlaut der Rote soll alsbald veröffentlicht werden, wenn London mit der Veröffentlichung einverstanden ist.
Barthous Demagogie.
„Gefährdung Londons durch die deutschen Flugzeuge."
London, 18. April. (DNB.-Funkspruch.) Einer Reutermeldung zufolge hat Außenminister Barthou dem britischen Geschäftsträger gegenüber sein Bedauern darüber ausgedrückt, daß Frankreich außer st ande gewesen sei, in einer weniger k a t e g o r i s ch e n A r t auf die britische Versöhnungsbemühungen zu antworten, deren Bedeutung und freundschaftlichen Charakter er zu würdigen wisse. Barthou habe hinzugefügt, er hoffe indessen, daß die Beweggründe der französischen Entscheidung in Großbritannien Verständnis finden werden und daß Großbritannien die „Gefahre n der deutschen Aufrüstung" und besonders die „Gefährdung Londons durch die deutschen Flugzeuge" (!) richtig einschätzen werde.
Oer rumänische Trabant klatscht Beifall.
»Par i S 17- April. (DNB.) Der rumänische Außenminister T, itulescu ist heute hier zu einem offiziellen Besuch emgetroffen. In einer Unterredung die er nachmittags mit dem Außenminister Barthou hatte, spielte nach Mitteilungen in politischen Kreisen in der Hauptsache die Abrustungsfrage eine Rolle. Barthou hat dem rumänischen Staatsmann den Wortlaut der vom heutigen Ministerrat angenommenen Antwortnote an England vorqe- legt. Angeblich ist der Inhalt dieser Rote von Ti'tu- lescu völlig gebilligt worden, da in ihm erneut die französische Stellungnahme gegen die Legalisierung der deutschen Aufrüstung zum Ausdruck käme und die Notwendigkeit betont werde, nach Genf vor den allgemeinen Abrüstungsausschuß z u r ü ck zu- kehren. Die Staaten der Kleinen Entente, die wegen der Forderungen besorgt seien, die eine solche Konzession an Deutschland bei ihren Nachbarn, soweit sie vertraglich entwaffnet seien, wachrufen könnten, erblickten in der französischen Note eine Beruhigungspille. Unter diesen Umständen verdiene die offizielle Reise Titulescus eine ganz besondere Bedeutung, weil in ihr die Ide eng e- meinschaft zwischen Frankreich und seinen osteuropäischen Freunden in allen großen internationalen Fragen zum Ausdruck gekommen sei.
Wie im Anschluß an die Unterredung des rumänischen Außenministers Titulescu mit dem
französischen Außenminister verlautet, hat sich Barthou nunmehr endgültig entschlossen, diesen Besuch zu erwidern und sich demnächst nach B u k a r e st zu begeben. Die Bukarester Reise Barthous wird jedoch erst nach der Rückkehr des Außenministers aus Warschau und Prag stattfinden.
Titulescu wird während seines offiziellen Besuches mit zahlreichen politischen Persönlichkeiten Fühlung nehmen. Im Laufe des Mittwochs wird er Staatsminister Tardieu, alsdann den Vorsitzenden des auswärtigen Kammerausschusses, B a st i d , ferner Kolonialminister Laval und anschließend Staatsminister herriot einen Besuch abstatten.
Auf dieser Grundlage keine Vereinbarungsmöglichkeit.
„Frankreich hat die Abrüstungsbesprechungen zueinem jähenEndegebracht"
London, 18. April. (DNB. Funkspruch.) Der liberale „News C h r o n i c l e" erklärt, Frankreich habe die Abrüstungsbesprechungen zu einem jähen Ende gebracht und den deutschen Wehr haushalt dabei als V o r - wand'benutzt. Die Extremisten der Rechten hätten die gemäßigteren Mitglieder des Kabinetts mit sich
fortgerissen. Es sei eine Note nach London geschickt worden, die tatsächlich den ganzen Besprechungen ein Ende bereite.
Der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Herold" will wissen, daß die französische Note e i n förmliches Versprechen britischenBei- standes an Frankreich im Falle der Not und ein Versprechen militärischen Vorgehens im Falle einer Verletzung des Abrüstungsabkommens durch Deutschland fordert, und daß sie die Zusage wirtschaftlicher Sanktionen für ungenügend erklärt. Es scheine, daß das Aeußerste, was Frankreich zugestehen wolle, 1. eine leichteErhöhung desdeutschen Kriegsmaterials sei, die durch die Umwandlung der Reichswehr in eine Miliztruppe wiederaufgehoben werden soll, und 2. eine Begrenzung der französischen Rüstungen auf dem jetzigen Niveau. Der Mitarbeiter fügt hinzu, für eine Verein- barungauf dieser Grundlage dürfte zwischen London und Paris, von Berlin und Paris ganz zu schweigen, keine Möglichkeit bestehen. Der französische Plan sei jetzt, die A b - rüstung vollständig beiseite zu schieben und ein Bündnis mit Großbritannien zur Aufrechterhaltung und Unterstützung einer übermäßigen militärischen Ueberlegen- heit Frankreichs gegenüber seinen Nachbarn zu erlangen.
Oie Suche nach neuen Wegen.
Von unserem ständigem p.-Berichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Paris, 15. April.
Das Abrüstungsproblem scheint in der gegenwärtigen Phase vor allem zu einer englisch-französischen Streitfrage zu werden. Vielleicht ist es dieser Umstand, der der optimistischen Stimmung, die mancherorts in Europa zu bemerken ist, einige Berechtigung verleiht. Die französische Außenpolitik möchte letzten Endes mit England nicht gern in Gegensatz geraten, weil das für sie leicht die Isolierung bedeuten könnte.
Ist eine Einigung in der Abrüstungsfrage möglich, so ist sie wohl nur auf der Grundlage der italienischen Vorschläge zu erreichen. Was freilich Konzessionen für die anderen Richtungen nicht auszuschließen braucht. Selbst die Optimisten gestehen, daß auch im besten Falle sehr mühsame und schwierige Verhandlungen mit London erwartet werden müssen. Die Haltung der englischen Regierung scheint in vielen Punkten nicht klar umrissen: man möchte offenbar in London den diplomatischen Auseinandersetzungen einen möglichst weiten Spielraum geben. Es steht aber bereits fest, daß von einer einseitigen Garantie für Frankreich nicht die Rede se in kann. — In diesem Punkte hat sich weder die Einstellung der öffentlichen Meinung in England, noch die der Regierung Macdonald geändert. Kenner der englischen Politik versichern, daß selbst ein Regierungswechsel in England nichts daran ändern könne.
Wenn man heute in Paris in der Abrüstungsfrage gemäßigtere Töne anschlägt, so ist das nicht zuletzt eine Folge der Erfahrungen, die die französische Außenpolitik mit den starren Methoden Barthous machte. Man hat die Grenzen abgetastet, um zu sehen, wie weit man gehen kann, und das ist eines der wenigen Ergebnisse, die man in der letzten Zeit überhaupt aufzuweisen hatte. Vielleicht hätte man diese Feststellung mit geringerem Kraftaufwand treffen können, — immerhin hat das ganze Manöver für den Wert des französischen Bündnissystems eine recht aufschlußreiche Lehre erteilt. Die Tatsache jedenfalls, daß Frankreich zwischen Warschau und Prag vermitteln muß, um eine Verschärfung des polnisch-tschechoslowakischen Konflikts zu vermeiden, besagt genug. Wobei übrigens behauptet werden darf, daß der latente polnisch-tschechische Gegensatz ohne die unglückliche französische Politik in Mitteleuropa schwerlich eine so offene Zuspitzung erfahren hätte, wie sie jetzt verzeichnet werden muß. Die Erfahrungen, die Frankreich mit Bukarest und Belgrad machte, sind auch nicht besser. Die wenig stabile innenpolitische Lage in Rumänien und die deutlichen Tendenzen in Belgrad, einen selbständigen außenpolitischen Kurs einzuschlagen, wirken in Paris ernüchternd. Schon vor seiner Reise kann der französische Außenminister über die Stimmung bei den Verbündeten so manches erfahren.
Es wäre übrigens nicht richtig, zu glauben, daß ein vollständiges Fiasko der Abrüstungsbemühungen Frankreich — auch ganz abgesehen von den außenpolitischen Folgen — unbedingt angenehm wäre. Gewiß schätzt man in Paris die Vorteile einer
militärischen Machtposition, aber ein allgemeines Wettrüsten wäre auch für Frankreich eine unerträgliche Belastung. Man verfügt zwar über große fingnzielle Reserven, sogar über die größten auf dem Kontinent, aber die Schwierigkeiten des französischen Staatshaushaltes und die wirtschaftliche Lage, die entschieden ungünstiger ist, als bei anderen führenden Mächten Europas, mahnen zur Vorsicht. Man hatte ja Gelegenheit genug, zu sehen, wie groß die Budgetsorgen Frankreichs sind: der mühsam aufrechterhaltene innerpolitische Burgfrieden ist wegen der Ersparungsmaßnahmen beinahe in Brüche gegangen. Und noch ist man sehr weit davon entfernt, alle Schwierigkeiten als überwunden erklären zu können. Die Angleichung der wirtschaftlichen Situation in Frankreich an die Weltwirtschaftslage ist ein äußerst gefahrvolles Unternehmen, in dessen Interesse es nötig wäre, die auswärtigen Schwierigkeiten auf ein Minimum zu reduzieren. In den Wirtschaftskreisen setzt sich mehr und mehr die Auffassung durch, daß zur Ueberwindung der Krise eine Entspannung — sowohl inner- als auch außenpolitisch — eine u n - bedingt notwendige Voraussetzung ist.
Ueberhaupt ist man allgemein davon überzeugt, daß das den Weg zur Wiederherstellung der weltwirtschaftlichen Beziehungen erst frei machen könnte. Solange es Frankreich nicht gelingt, mit den anglo- sächsischen Staaten, vor allem natürlich mit England selbst, in ein festeres finanzpolitisches Verhältnis zu kommen, kann die französische Wirtschaft nicht gesunden. Der Weg zu einer solchen Einigung kann freilich durch einen Bruch in der Abrüstungsfrage nur versperrt werden.
Wie schwer die Weltwirtschaftskrise gerade auf Frankreich drückt, wird man wohl bald durch die koloniale Wirtschaftskonferenz die in Paris stattfinden soll, erfahren können. Die französischen Kolonien und mehr noch die französische Schiffahrt befinden sich in einer schier verzweifelten Lage. Die eigenwirtschaftlichen Tendenzen haben nämlich in Frankreich gerade in dem Verhältnis zu den Kolonien am meisten versagt. Es ist wahr: ein spezifisches liebel der französischen Kolonialpolitik hat sehr viel dazu beigetragen, die Lage so schwer zu gestalten. Die offizielle Politik in Frankreich hat bisher immer zwischen zwei Auffassungen geschwankt: bald wollte man die Kolonien direkt in das französische Wirtschaftsleben einschalten, bald wieder versuchte man, ihnen ein wirtschaftliches Eigenleben zu verleihen. In der heutigen gedrängten Lage stoßen beide Auffassungen besonders hart aufeinander, und ohne ein Prophet zu sein, kann man von der kolonialen Wirtschaftskonferenz in Paris eine Verstärkung der Einsicht erwarten, daß Frankreich seine Außenpolitik mehr auf eine i n - ternationale Verständigung basieren muß, als bisher.
Die Regierung des Burgfriedens in Frankreich steht in jeder Beziehung einer heiklen Situation gegenüber. B:! all ihrer innerpolitischen Geschicklichkeit muß sie scheitern, wenn sie die großen weltwirtschaftlichen und weltpolitischen Aufgaben nicht erkennt.
Arbeiter und Unternehmer gehören zusammen!
Der Führer der Deutschen Arbeitsfront Or. Ley spricht in Frankfurt.
LPD. Frankfurt a. M., 17. April. In einer von der Bezirksleitung der Deutschen Arbeitsfront und dem Verband Mitteldeutscher Industrieller gemeinsam veranstalteten Kundgebung sprach heute vormittag der Führer der Deutschen Arbeitsfront Staatsrat Dr. Ley über „Die Aufgaben der Deutschen Arbeitsfront und das Zusammenarbeiten zwischen NSBO. und Unternehm e r v e r b ä n d e n".
Einleitend begrüßte der Vorsitzende des Verbanoes Mitteldeutscher Industrieller, Dr. Braun, 5uaLt?)F' Ley und den ebenfalls erschienenen Reichsstatthalter Sprenger. Die Stärke der Arbeitsfront liege in ihrer Einheit und L i n i g k e i t. Wir alle, so schloß der Redner, wollen in gegenseitiger Achtung gute A r - Tiio1 gr/k ? b ? H*c Betriebsführer sein.
A.^?tsfront ist nicht die Front der Arbeiter „ nicht die der Unternehmer, sie ist die Front aller derer, die am großen Werke mitschaffen wol-
Siaatsrat 0r. Frauendorffer
führte als nächster Redner u. a. aus, jede Revo-. lution se. em schöpferischer Akt. Die Hauptsache sei die geistige Umgestaltung der Men
schen. Der Nationalsozialismus habe dem Volk ein neues Denken vermittelt, seine Revolution habe einer neuen Weltanschauung Bahn gebrochen. Das Ziel sei ein organisches Verhältnis von Staat, Wirtschaft und Volksgenossen. Schon im Parteiprogramm werde der ständische Aufbau gefordert. Diese Organisation sei nicht Selbstzweck, sondern Instrument zur Erreichung eines hohen Zieles.
In diesem ständischen Aufbau falle jedem ein Funktionieren an seiner Stelle ermöglicht werden, damit das Leben des Gesamtvolkes ficher- gestellt fei, denn dieses Volk fei kein Haufen von Einzelindividuen, sondern ein einheitlicher Körper. Der Ständestaat sei keine neue Staate- form und feine neue Wirtschaftsform, er fei der nationalfozialistifche Vlachtslaat als Träger aller Staatsautorität. So fei der ständische Aufbau die Reugliederung des schaffenden Volkes.
Vorbild sei die deutsche Armee, in der alle Waffengattungen gleichberechtigt nebeneinandergestanden hätten, in der es nur Soldaten gegeben habe, wie es im Ständestaat nur Arbeiter gebe. Entscheidend aber fei der Inhalt
dieser Form. Dieser Inhalt sei das deutsche Volk, der Gei st, der es erfülle.
Staatsrat Schuhmann
führte u. a. aus, es sei heute fein Platz mehr f ü r ein Nebeneinander und Gegen» einander von Arbeiter-, Angestellten- und Unter» nehmerverbänden. Früher habe man die Gegensätze organisiert, heute baue man an der Gemeinschaft. Zweck der Gewerkschaften fei es gewesen, dem Arbeiter seinen Platz zu sichern. Die Syndici und Gewerkschaftssekretäre hätten diesen Zweck verfälscht. Deshalb wollten wir heute keine Syndici und keine Gewerkschaftssekretäre mehr, sondern Kerle, die uns führten (starker Beifall).
Es sei notwendig, daß das neuentstandene vertrauen der Arbeiter zu dem Betriebsführer nicht im geringsten enttäuscht werde. Wenn wir zusammenhielken, würden wir das Geschehen der Welt umformen nacy unseren Grundsätzen.
(Beifall.) Das Vertrauen sei die b e ft e A r» beitsbeschaffung, die wertvollste Wirtschaftsankurbelung. In diesem Vertrauen müsse der Unternehmer mit seiner Mannschaft durch Dick und Dünn gehen. Dann werde das Werk Adolf Hitlers gelingen, ohne den wir alle nichts, mit ihm aber alles feien.
Stürmisch begrüßt von der Versammlung, sprach dann der Führer der Deutschen Arbeitsfront
Or. Ley.
Regieren heiße Erziehen, sonst nichts. Deshalb reisten die Führer herum, predigten und redeten und hielten nicht in Büros Konferenzen ab, um Beschlüsse zu fassen. Eine Regierung, die nur Gesetze mache, ohne daß das Volk sie verstehe, könne nur mit der Gewalt regieren. Der neue Staat wolle, daß das Volk aus tiefster Seele nach den Gesetzen schreie, daß es Anteil an ihnen nehme, weil man ihm ihre Notwendigkeit eingehämmert habe. Eine soziale Ordnung sei nichts anderes als Einordnung der Menschen an den Platz, den sie a u s f ü l l e n könnten. Das sei nicht hundertprozentig möglich, als Ziel aber müsse es aufgestellt werden. Deshalb würden die Führer nicht ruhen, man werde sie stets mehr unter dem Volk finden, als auf den Schreibfeffeln.
Viele fragten, was Wirtfchaft mU Weltanschauung zu tun habe: Soviel wie ein Haus mit feinem Fundament. Weltanschauung durchpulse alles Leben, sowohl das des einzelnen als das der Gesamtheit. Die nationalsozialistische Revolution sei der Sieg einer vernünftigen Weltanschauung über eine unvernünftige.
Auf die Dauer könne kein System der Unvernunft bestehen, immer werde sich der gesunde M e n« schenverftand durchsetzen. Deshalb sei die nationalsozialistische Bewegung nicht von Männern des alten Systems oder der Wissenschaft gemacht, sondern entstanden aus der Tiefe und Breite des Volkes, aus den Massen der Bauern und Arbeiter. Wissenschaft allein mache es nicht; Wissenschaft ohne Charakter und Instinkt sei schädlich für ein Volk. Gesunder Menschenverstand sei aber in erster Linie Instinkt. Wer den Instinkt noch verstandesmäßig überprüfen könne, fei der wahrhaftige Führer. Eine Popularität sei aber nur dann auf die Dauer möglich, wenn das Volk an das vernünftige handeln feiner Führer glaube. Die Revolution habe das Volk zur Primitivität zurückgeführt und von allem Ballast befreit. Die Größe des Führers bestehe darin, daß er am Har ft en und einfachsten denken gelernt habe. Gott baue nicht kompliziert. Der Mensch baue sich Turmbauten von Babel, nicht aber das Schicksal, heute sei es Aufgabe, ein Fundament zu errichten, das stets erinnere: Kehrt zurück jum^in» fachen! Der Führer frage stets danacy, wie weit es gelungen fei, den Gedanken der Gemeinschaft ins Volk zu tragen. Nur darauf könne auf- gebaut werden. Staat und Volk beruhten auf der Familie, die Arbeitsfront auf der -Gemeinschaft des Betriebes. Man habe ftüher die Sünde wider den Geist begangen, die Gemeinschaft zu leugnen, heute wolle man keineswegs auf Fordern und Verlangen verzichten. Das werde immer fo bleiben. Man müsse aber einen Weg der Einigung finden.
Der etwas leiste, solle fordern, denn das entwickle ein Volk weiter. Es dürfe aber auch keinen Wirtschaftsführer geben, der zu allem 3a und Amen sage, so daß das Werk darunter leide.
Das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit könne nur Wert haben, wenn die Menschen, die dort zusammengeführt werden, sich gegenseitig achteten. Gelei st et könne nur im Rahmen der Gemeinschaft werden. Nur in der Gemeinschaft sei der Begriff der nationalen Arbeitsehre möglich. Bequemer sei es vielleicht gewesen, Tarifverträge zu machen. Die Unternehmer müßten im Rahmen ihres Betriebes Tarifpolitik machen. So könnten sie beweisen, ob sie gute Kaufleute, gute Techniker, vor allem aber gute Menschenführer seien. Sie sollten Herr im Hause sein. Dieser Herren st andpunkt müsse aber ein Standpunkt der Ehre und der Achtung sein. Ein Herr sei kein Despot. Führung sei nicht so sehr eine Tatfrage, wie eine Taktfrage. Der Arbeiter habe nicht um die Lohntüte gekämpft, sondern um seine Ehre und feine Achtung. Takt aber fei der Gleichklang des Blutes. In zwei Jahren würden wir viel mehr Arbeit haben, als wir Menschen hätten, diese Arbeit zu leisten. Dann brauchten wir uns um eine Lohnerhöhung nicht zu kümmern. Urlaubsfragen und ähnliche Dinge würden sich von selbst regeln, wenn es uns einmal gelinge, die Gemeinschaft zu gestalten, und wenn es uns zweitens gelinge, die Ehre als einen Begriff Soldatenehre für alle gleich zu gestalten.
Der Unternehmer solle Führer, aber zuerst äoldal, Kamerad fein. (Beifall.) Der sich gegen die Gemeinschaft vergehe, gleichgültig ob Unternehmer oder Arbeiter, der dürfe in Deutschland keinen Platz mehr haben. (Beifall.) Dir müssen zwei Fronten errichten, die Front der Anständigen, und die andere Front der Eha- raklerlofen und Unehrlichen. Arbeiter und Unternehmer gehörten zusammen, und wenn wir
sie mit Ketten zufammenschmieden sollten.
(Brausender Beifall). Es gäbe in Deutschland keinen Menschen mehr, der sich dem Einfluß des Nationalsozialismus entziehen könne. Man werde jeden zwingen, Stellung zu nehmen, und nicht eher ruhen, als bis der letzte anständige Deutsche Nationalsozialist geworden sei. (Lang- anhaltender Beifall).
Die Versammlung wurde mit einem „Sieg-Heil" auf den Führer und mit dem Gesang des Horst- Wessel-Liedes geschlossen.


