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Englands Lleberschuß-Budget.

In der Kriegsschuldenpolitik keine Aenderung.- Abbau der Lasten und Opfer

London, 17. April. (DNB.) Im Unterhaus hat heute der Schatzkanzler Neville Chamber­lain die Haushaltszahlen für das Jahr 19 3 3/34 bekanntgegeben. Er konnte die Fest­stellung machen, daß im Staatshaushalt ein be­trächtlicher Ueberschuß von 31 148 000 Pfund Sterling erzielt worden ist. Der effektive Ueberschuß ist sogar noch höher als der rechnerische. Der Schatzkanzler berechnet ihn sogar auf 39 Mil­lionen.

Zu Beginn seiner Rede wies der Sch atz kanz­le r auf den neuen Geist der Hoffnung und des Vertrauens hin, der sich jetzt in England bemerkbar mache. Zu warnen sei aber vor der Versuchung, aus dem bisher Erreichten allzu große Hoffnungen abzuleiten. Die wirtschaftliche Besserung beruhe zum großen Teil auf der Be­lebung des Binnenmarktes. Auf dem Ge­biete der Ausfuhr fei zwar ebenfalls eine Besserung zu verzeichnen, sie stehe aber noch weit zurück. Es gebe gewisse Grenzen und Einschränkungen, denen Rechnung getragen werden müsse.

Der Ueberschuß von 31 Millionen Pfund sott für die Schuldentilgung benutzt werden. Er bildet dann einen beinahe vollständigen Ausgleich des Betrages von 32 Millionen Pfund, den der Schatzkanzler seinerzeit borgen muhte, um den Fehlbetrag des vorangegangenen Haushaltsjahres zu decken.

In der Frage der Kriegsschuldenpolitik wird trotz des lleberschusses keine Aenderung eintrelen.

Für den sonstigen Schuldendienst werden 224 Millionen Pfund bereitgestellt. In der Zukunft werde es allerdings notwendig fein, größere Beträge bereit zu stellen. Die Ausgaben für das Haushalts­jahr 1 9 3 4/35 werden von Chamberlain auf 698 124 000 Pfund geschätzt. Auf der Einnahmeseite erwartet der Schatzkanzler gesteigerte Einnahmen

aus allen wichtigeren Zöllen und indirekten Steuern. Die gesteigerten Einnahmen aus Zöllen und indirek­ten Steuern sind mit 299 Millionen Pfund veran­schlagt. Die Gesamteinnahme aus der bestehenden Besteuerungsgrundlage sei mit 727 200 000 Pfund anzunehmen. Das ergebe einen rechnerischen U e b e r- schuß von 29 100 000 Pfund Sterling.

Seit 10 Jahren", so sagte Chamberlain, haben wir einen derartigen Ueberschuß nicht zu verzeichnen gehabt. Er ist groß genug, um es zu rechtfertigen, wenn wir, wie es schon lange von uns erwartet wurde, damit beginnen, die Lasten und Opfer der vergangenen Jahre allmählich abzubauen. Demgemäß kündigte der Schatzkanzler unter allge­meiner Spannung an, daß

die hälfte sämtlicher im Jahre 1931 vorge­nommenen Gehaltskürzungen ab 1. Juli d. I. wieder aufgehoben wird. Diese Erleichterungen kommen einer ganzen Reihe von Beamten- kalegorien zugute. Auch die Arbeitslosenunter­stützung wird ab 1. Juli d. I. wieder auf ihre volle ursprüngliche höhe zurückgebracht, auch die Höchstsätze für die Uebergangsunterstühung werden entsprechend geändert.

Durch diese Verfügungen wird der theoretische Ueberschuß des Staatshaushaltes auf 1,3 Millionen Pfund herabgedrückt.

Die Sensation hob sich der Schatzkanzler jedoch in wohlberechneter Steigerung für den Schluß seine Rede auf:

Die Herabsetzung der Einkommensteuer.

Der Standardsatz für die Einkommensteuer wird, wie Chamberlain mitteilt, um 6 Pence herabgesetzt. Der Einnahmeausfall, der dadurch entsteht, ist mit 20,5 Millionen Pfund in Ansatz gebracht.

Im Hause wurde die Rede mit begeistertem Bei­fall ausgenommen.

detektivs

OerWattershausenerMordprozeß

Die Aussagen der Köchin ßreszenz bischer. Die jRolte des privat-

Schweinfurt, 17. April. (DNB.) Im Wal- tershausener Mordprozeß wurde am Dienstag die Zeugin Creszenz Fischer vernommen, die in zeitlichen Abständen viermal auf Schloß Walters- Hausen als Köchin bedien st et war. Im Jahre 1928 sei die wirtschaftliche Lage auf dem Schloß bereits sehr schlecht gewesen. Im Laufe der Zeit habe sie häufig aus eigenen Mit­teln Lebensmittel für den. Unterhalt im Schloß gekauft. Sie habe auch von ihren Verwandten aus Niederbayern Lebensmittelpakete schicken las­sen und aus Thüringen Wurstpakete bestellt. Der gnädigen Frau habe sie gesagt, sie hätte diese Pa­kete geschenkt bekommen. Sie habe hierbei aller­dings gelogen. Wenn Frau Werth er gesagt habe, sie, die Zeugin, wäre eine verlogene Per­son, so habe sie in der Beziehung recht, als sie ihr damals gesagt habe, daß sie die Wurstpakete ge­schenkt bekommen, während sie sie in Wirklichkeit aus ihrer eigenen Tasche bezahlt habe.

Das Verhältnis der Ehegatten Werther fei ein korrektes, wenn auch nicht sehr herz­liches gewesen. Der Zeugin gegenüber habe Hauptmann Werther sich nichts zu Schulden kommen lassen, dagegen habe sie von zahlreichen Dienstmädchen gehört, daß sie vom Haupt­mann belästigt worden seien. Frau Wer- kher habe ihr selbst einmal milgeteilt, daß sich ihre eigene Tochter nicht zu Hause aufhalte, weil ihr Wann dem Wädchen immer nachstelle, lieber Waffen im Hause kann die Zeugin nichts angeben. Rur einmal, als Frau Werther mit ihrem Wann nach Schloß Salzburg zum Baron Guttenberg gefahren fei, habe sie beobachtet, wie Frau Werther neben ihre Tasche eine Revolvertasche hingelegt habe. Sie habe zu Frau Werther gesagt:0, gnädige Frau, was tun Sie mit dem Revolver?" Frau Werther habe erwidert:Ja, es ist sehr un­sicher. Karl (Liebig) fährt heute nicht mit." Der Hauptmann habe das Auto auch des öfteren allein gesteuert und auch einmal gerade an dem Tage, an dem ihn Frau Werther mit einem Dienstmädchen in ihrem eigenen Schlafzimmer ertappt habe. Als sie von der Autofahrt zurückkamen, habe Frau Werther zu der Zeugin gesagt:Ereszenz, wir hätten heute tot sein können. Wein Wann hat sich über die Vorhalte so aufgeregt, daß wir in Wölfershausen in einen Graben fuhren.

Bauern haben uns dann herausgezogen.

Die Zeugin erzählt dann noch, mit welch gerin­gen Mitteln sie in der Küche auskommen mußte, und wie sie oft gesagt habe, sie müsse einen Zau­berspruch finden, damit das Fleisch mehr werde.

Bei der weiteren Vernehmung der Zeugin Fischer wird bekannt, daß Frau Werther einen zweiten Schlüssel zum Zimmer Liebigs gehabt haben müsse. Liebig hatte sich nämlich ein­mal das Plätteisen ausgebeten, er vergaß aber, es wieder sogleich zurückzubringen, obwohl die Zeugin ihm dies eingeschärft hatte. In der Abwesenheit Liebigs habe dann Frau Werther das Eisen aus Liebigs Zimmer geholt und in der Küche der Zeu­gin Vorhaltungen gemacht, daß sie doch wisse, daß sie (Frau Werther) es nicht gern habe, daß Gegen­stände aus dem Schlosse hinausgingen. Die Zeu­gin habe dann Liebig den Vorwurf gemacht, er hätte seine Tür zusperren sollen, worauf Liebig ent­gegnet habe:Ich habe ja zugesperrt-, die Gnädige muß dann einen zweiten Schlussel dazu besitzen!"

Der Vorsitzende fragt die Zeugin Fischer weiter, was Liebig am morgen nach dem Worde. als er sie getroffen habe, gesagt habe. Liebig habe gesagt:Der Hauptmann Ist erschossen, wie mich der erbarmt. Als die Zeugin Liebig später auf dem Gang sah, sei er g e f e s s e l t gewesen: er habe zu ihr gesagt:Da, schauen Sie mich bloß an? und habe zu weinen begonnen. Die Zeugin habe zu ihm gesagt:Karl, sind Sie ruhig, wir glauben an Sie."

Vorsitzender:hielten Sie das Benehmen Liebigs für echt oder für Verstellung?"

Lehnert

Zeugin:Wir ist nicht der Gedanke gekom­men, dah es Verstellung fei; mir ist noch nie­mals der Gedanke gekommen, dah dieser Wensch es gewesen ist."

Vorsitzender:Sie glauben also nicht, dah sich die Sache so verhält, wie sie von Frau Werther erzählt wurde; warum glauben Sie es nicht?"

Zeugin:Weil es nicht meine lleberzeugung ist."

Die Zeugin fährt weiter fort:Wir sagten im Schloh immer: Das nimmt kein gutes Ende; die machen so fort, bis nichts mehr da ist. Dann legen sie Hand an sich. Das war mein ehrliches Gefühl, das ich hatte."

Das Verhalten zu Frau Werther kennzeichnet die Zeugin dahin, dah der junge Baron sehr an der mutter gehangen habe. Das Verhältnis zum Stiefvater fei ein korrektes ge­wesen. Etwas ironisch sagte die Zeugin:Der heilige Geist ist es nicht gewesen."

Vorsitzender:Liebig?"

Zeugin:Ausgeschlossen, es müsse ihn doch jemand hinein- oder herausgelassen haben."

Vorsitzender:man sagt, Frau Werther oder Herr Werther?"

Die Zeugin glaubt nicht daran, dah der Hauptmann sich selbst erschossen hat. An­fänglich habe sie geglaubt, der Hauptmann hätte sich erschossen und Frau Werther habe sich die Wunden selbst beigebracht.

Vorsitzender:Glauben Sie das heute noch?" Zeugin:Es muh ein Fremder hereingelassen worden sein. Der junge Baron ist es nicht, und von Lippok kann ich nichts sagen."

Der Vorsitzende ruft dann noch die Zeugin Grete Witt mann, die dem Verhör der Köchin beiwoh­nen durfte, auf und'fragt, ob sie noch etwas hin­zuzufügen habe, worauf die Zeugin Wittmann die Aussage der Fischer vollinhaltlich bestätigt. Beide Zeuginnen werden dann, nachdem der Staatsanwalt und der Verteidiger noch einige Fragen an sie ge­richtet haben, vereidigt.

Außerordentlich wichtig für die Beurteilung der Zeugin Fischer war folgende Frage, die der Vor­sitzende vor der Vereidigung an sie richtete:Sind Sie heute Frau Werther feindlich gesinnt? Die Zeugin verneinte dies, sie bedauere Frau Werther auf das tiefste und herzlichste. Dann wurde die Verhandlung bis zum Nachmittag ausge­setzt, wo die Zeuginnen Fischer und Witt­mann Frau Werther gegenübergestellt werden sollen.

In der Nachmittagsverhandlung wurden Zeugen aus Waltershausen vernommen. Der Propaganda­leiter der dortigen SA., August Dietrich, der zu­gleich ein guter Freund des Angeklagten ist, stellt Liebig das Zeugnis aus, daß er der beste SA. - Mann gewesen sei. Der Glasermeister Köhler und seine Ehefrau sollten darüber Aussagen ma­chen, daß Liebig ein Verhältnis mit der Grete Wittmann gehabt habe. Dieses Liebesverhältnis stellt sich aber als eine sehr harmlose Sache heraus. Der Zeuge Dietrich, der auch von dem Privatdetektiv Lehnert vernommen wurde, war der Ansicht, er könnte, wenn er die Aussage verwei­gere, sechs Wochen eingesperrt werden. Auch war er der Meinung, daß Lehnert zu ihm gesagt habe, er komme im Auftrage der Staatsanwaltschaft. Der Staatsanwalt erklärt, es sei deshalb eine Anzeige gegen Lehnert eingelaufen-, Lehnert habe aber erklärt, der Zeuge könnte das wohl falsch verstan­den haben. Immerhin bestehe die Möglichkeit, dah der Privatdetektiv Lehnert bei diesem Zeugen den Eindruck erweckt habe, als sei er irgendwie in beamteter Eigenschaft dort. Es werde vielleicht eine Untersuchung des Benehmens des Lehnert D i e t r i ch gegenüber notwendig.

Der Zeuge Landwirt Gustav Widder, der bei seinen Eltern wohnt, bei denen Frau Werther nach dem Morde Zuflucht suchte, schilderte die Vor­gänge während der Anwesenheit der Frau Werther auf dem elterlichen Hof und gibt dann weiter an, Frau Werther habe ihm den Revolver aus- gehändigt mit den Worten, er solle ihn wegtun, damit nichts passiere; es seien noch Schüsse darin.

Er habe nichts dagegen gehabt, als später Liebig der Frau Werther gegenübergestellt wurde. Der Zeuge Walter E b e r w e i n von Oberbach, der dic Pistole, die Liebig jetzt gehört, einige Tage vor dem Mord an diesen verkauft hatte, gibt an, er habe diese Pistole von einer Witwe bekommen und weiteroerkauft, weil er sie nicht tragen durfte. Mil der Pistole habe er zugleich vier Patronen verkauft. Eine davon habe Liebig am gleichen Tage als Probeschuß abgefeuert. Am 30. November, also am Tage vor dem Morde, habe er den von seiner Brau! zurückkommendcn Liebig getroffen. Er habe ihn ge fragt, ob er die Pistole noch habe. Liebig habe fii ihm gezeigt und den Schlitten zurückgezogen. Dabei habe er bemerkt, daß im Magazin noch eine Pa trone lag. Er könne jedoch nicht sagen, ob es nur eine oder drei Patronen waren. Die Verhand­lung wird fortgesetzt.

Reichsminister Darre spricht vorDiplomaten und der Weltpresse.

Berlin, 17. April. (DNB.) Reichsleiter Alfred Rosenberg, der Chef des Außenpolitischen Am­tes der NSDAP., hatte am 17. April zu einem Bierabend im Hotel Adlon eingeladen, bei dem der Reichsbauernführer und Reichsminister für Ernäh­rung und Landwirtschaft R. Walther Darr6 grundlegende Ausführungen überNational- sozialistische Agrarpolitik" machte.

Unter den zghlreichen Gästen bemerkte man die Vertreter aller ausländischen Missionen und der Weltpresse. Reichsleiter Alfred Rosenberg konnte in seiner Einführungsrede u. a. begrüßen: Den englischen Botschafter P h i p p s, die Gesand­ten von Argentinien, Bolivien, Brasilien, Dänemark, Finnland, Griechenland, Irland, Mexiko, Norwegen, Oesterreich, Persien, Peru, Rumänien, der Tschecho­slowakei, die Geschäftsträger von Afghanistan, Kuba, Lettland, Litauen, Nicaragua, Panama, Venezuela und die diplomatischen Vertreter der Türkei, von Polen, Frankreich, Italien, Japan und Spanien.

Ein ausführlicher Bericht über die Rede des Reichs­ministers wird voraussichtlich am Mittwoch ver­öffentlicht werden.

Keine nachträgliche Verleihung von Kriegsauszeichnungen.

Berlin, 17. April. (DNB.) Der Amtliche Preu- ßische Pressedienst teilt mit: Der preußischen Staats­regierung gehen noch immer Anträge auf nach­trägliche Verleihung von Eisernen Kreuzen zu. Die preußische Staatsregierung sieht sich zu ihrem Bedauern außerstande, den An­trägen zu entsprechen oder sie an andere Dienst­stellen weiterzuleiten, da die Wiederaufnahme der Verleihung Eiserner Kreuze schon wegen der Un­möglichkeit, geltend gemachte Verdienste heute

noch zuverlässig festzustellen, außer Be­tracht bleiben muß. Die Einreichung von Anträgen auf Verleihllng Eiserner Kreuze an preußische Dienststellen ist also zwecklos.

Bei dieser Gelegenheit wird weiter mitgeteilt, daß auch andere Orden und Ehrenzeichen der vergangenen Zeit jetzt nicht mehr verliehen werden. Das ailt sowohl für alle Orden und Ehrenzeichen für Kriegs- oder Friedensverdienst, deren Ver­leihung früher dem König zustand und zwar ohne Rücksicht darauf, ob seinerzeit ein Verleihungs­vorschlag schon eingereicht war oder nicht, als auch von der Verleihung von Abzeichen ehemaliger Freikorps, Grenzschutzverbände usw.

Es wird deshalb gebeten, von weiteren Anträgen auf Verleihung von Orden und Ehrenzeichen der früheren Art ober von Abzeichen der letzterwähnten Art abzusehen.

Trotzki wird abgeschoben.

Paris, 17. April. (DNB') Der Minister- rat hat beschlossen, die Aufenthaltsgeneh- migung für Leo Trotzki, die der damalige Innenminister C h a u t e m p s bewilligt hatte, rückgängig zu machen, da Trotzki die Neu­tra l i t ä t s v e r p f l i ch t u n g, zu der er sich bereiterklärt hatte, nicht erfüllt habe. Trotzki soll ersucht werden, seine Koffer zu packen. Man spricht davon, ihn über die Grenze abzuschie - den.

Zu der Ausweisung Trotzkis erklärt man an zu­ständiger Stelle, daß Trotzki versucht habe, die Kommunisten, die sich von Moskau losgesagt haben, zu einer Art IV. Internationale zu­sammenzuschmieden, und daß er sich sehr aktiv an einer in Paris erscheinenden f o m m u n i ft i schen Zeitung beteiligte, die sich in erster Linie mit innerpolitischen französischen Fragen beschäftigte. Damit habe er seine Zusa­gen gebrochen; denn er habe versprochen, sich jeder politischen Betätigung zu enthalten. Trotzki ist am Dienstag aufgefordert worden, das Land anzu­geben, in das er abgeschoben zu werden wünscht.

ßr wollte Diktator in Frankreich werden.

Paris, 18. April. (DNB.-Funkspruch.) Das Journal" behauptet, daß Trotzki während der Straßenunruhen im Februar eine Re- volution habe entfesseln wollen, die mit einer Trotzki-Diktatur über Frankreich hätte enden sollen. Trotzkis WochenschriftLa V6rit6" sei in den kritischen Februartagen zu einer täglich er­scheinenden Zeitschrift geworden.La V6ritö", die sich als Organ der kommunistischen Liga bolschewistischer Leninscher Tendenz bezeichnete, habe besonders in Frankreich ansässige italienische Arbeiter für eine Revolution gewinnen wollen.

Aus aller Wett.

Oer Führer beim Frühlingskonzert der GG. im Sportpalast.

Der Oberabschnitt Ost der SS. und die SA.-Leib- standarte Adolf Hitler veranstalteten im Berliner Sportpalast in Fortsetzung ihrer berühmten Winter­konzerte ihr erstes Frühlingskonzert. Die künstlerische Gesamtleitung hatte SS.-Truppführer Karl C l e w i tz. Der Sportpalast war schon lange vor Beginn bis auf den letzten Platz gefüllt. Zu der Veranstaltung erschienen von einer großen Menschenmenge und vor dem Sportpalast mit Jubel begrüßt, der Führer, der Stellvertreter des Füh­rers, Reichsminister Rudolf H e ß, Reichspropa­gandaminister Dr. Goebbels, Stabschef Reichs­minister Röhm, Vizekanzler v. Pap en, Reichs­wehrminister v. Blomberg, die SA.-Gruppen- sührer Prinz August Wilhelm und E r n ft, Reichspressechef SS.-Gruppensührer Dr. Dietrich, der Adjutant des Führers, SA.-Gruppenführer Brückner, der zweite Adjutant des Führers, SS.-Oberführer Schaub, der Staatskommiffar von Berlin, Dr. Lippert, der Oberpräsident und Gauleiter der Kurmark, SS.-Gruppenführer Kub e sowie der SS.-Standartenführer Ministerialrat Diels, der Inspekteur der Geheimen Staatspolizei. Der Führer wurde vom Führer des Oberabschnitts Ost und dem Führer der Leibstandarte empfangen. Das Programm des Konzerts, das immer wieder begeisterten Beifall fand, war in erster ßFnie auf klassische Märsche abgestimmt. Es wurden Märsche von Beethoven, Mozart, Weber, Schubert, Lortzing, Richard Wagner und Richard Strauß gespielt.

Weltmeister-Schachpartie mit lebenden Figuren.

Als Abschluß der Kämpfe um die Schach Welt­meisterschaft hatte Villingen zum Besuch einer Aufführung mit lebenden Schach­figuren eingeladen. Auf dem alten Münsterplatz war ein riesiges Schachbrett gemalt. Der Welt­meister im Schach, Dr. Aljechin, nahm seinen Hochsitz ein, ihm gegenüber war sein Gegner B o - g o l j u b o w auf seinen Podest gestiegen. Unter flotter Marschmusik erschienen die beiden Heere. Die Streiter der weißen Armee, die der Weltmeister dirigierte, waren in die alten Dillinger Stadttrach­ten'gekleidet, während die Getreuen des deutschen Meisters Schwarzwälder Trachten trugen. Die auf­geführte Partie war eine früher gespielte, in deren Verlauf es ein sehr bewegtes Geschehen gab. Früh­zeitig opferte sich die weiße Dame auf h 7, um ins feindliche Heerlager eine Bresche zu schlagen. Der König der Schwarzwälder mußte sich auf die Wan­derschaft begeben, umbrandet von donnernden Schachs, so daß ihm bald der Angstschweiß von der Stirne lief. Er wurde über das ganze Brett ge­jagt, nirgends nahte Rettung, überall starrten feindliche Waffen entgegen. Mehrmals mußte er sich eine Stärkung in Form eines kräftigen Schlucks Schwarzwälder Kirschwassers verabreichen. Aber es half alles nichts, der König mußte auf die erste Reihe, also ganz ins Feindeslager, verlassen von seinen Getreuen. Dr. Aljechin verkündete durch die lange Rochade matt. Damit war die Sache der Schwarzwälder verloren. Ueberall großer Jubel, auch bei den 'Zuschauern, denn es war für diese ein außergewöhnliches Erlebnis. Nachher wurden Sie­ger und Besiegte durch Geschenke geehrt. Bogolju- bow erhielt ein Radiogerät, Dr. Aljechin eine Standuhr. *

Beifallsstürme für Furtwängler in Paris.

Wilhelm Furtwängler leitete am Dienstag in der Großen Oper in Paris ein Konzert der Berliner Philharmoniker vor ausoer- kauftem Hause. Der festliche Abend vereinigte das gesellschaftliche, das geistige und kulturelle Leben

von Paris. Auch der Präsident der Republik und Frau Lebrun waren anwesend. Als Gäste des Präsidenten wohnten der deutsche Botschafter K ö ft er und seine Gattin dem Festkonzert in der Loge des Präsidenten bei. Furtwängler, der schon bei seinem Erscheinen vom Publikum begrüßt wurde, erntete B e i f a l l s st ü r m e. Er wurde in der Pause vom Präsidenten der Republik persönlich empfangen und beglückwünscht. Das reiche Pro­gramm des Abends enthielt außer Werken von Mozart und Schumann undAl-so sprach Zarathustra" von Richard Strauß auch Stücke der französischen Komponisten Ravel und Debussy, deren Interpretation besonders lebhaften Beifall fand. Ein zweites Konzert findet am .Donnerstag statt.

Schwere Bluttat in Dresden. Vater erschlägt beide Söhne und erschießt sich selbst.

In Dresden hat der in der Haydnstraße wohnende 33 Jahre alte Hutmachergehilfe G ö r n e r, der seit drei Jahren erwerbslos ist und vor einem halben Jahr seine Frau durch den Tod verloren hat, nach einem vorausgegangenen Wortwechsel mit seiner Braut feine acht- bzw. sechsjährigen Söhne Man­fred und Harry, die schlafend im Bett lagen, m i t einem Beil erschlagen. (Börner tötete s i ch dann durch einen Schuß in die rechte Schläfe. Zu der Familie Gorner gehörte noch ein lOjähriges Mädchen aus der ersten Ehe, das ebenfalls im Schlafzimmer war. Dieses Kind ließ Gorner unver­sehrt. Bei der Tat war die Braut Gorners an­wesend. Sie benchrichtigte sofort die Polizei.

Ein Wutkranker beißt sieben Personen.

In das Staatskrankenhaus von Nyikegyhaza (Ungarn) wurde ein 44jähriger Landwirt eingelie­fert, der von einem tollwütigen Hund gebissen worden war. Als die Aerzte bei der Untersuchung waren, bekam der wutkranke Land­wirt einen Tobsuchtsanfall, in dessen Ver­lauf er fünf Aerzten, einer Oberschwester und einer Schwester gefährliche Biß- und Kratzwun­den beibrachte. Der Landwirt verschied darauf unter entsetzlichen Qualen. Die sieben Gebissenen wurden in das Pasteur-Institut nach Budapest ein­geliefert.

Wettervoraussage.

Da über dem Kontinent der Luftdruck weiter ge­fallen ist, kann sich die Störungstätigkeit östlich aus­breiten. Durch die einsetzende Zufuhr ozeanischer Luft wird sich das Wetter jetzt mehr wechselhaft ge­stalten, die Temperaturen erfahren einen allge­meinen Rückgang. Dabei ist vereinzelt auch mit Niederschlägen zu rechnen, doch tritt zwischendurch wieder Aufheiterung ein.

Aussichten für Donnerstag: Etwas kühler, wechselnd wolkig mit Aufheiterung, verein­zelte, teils gewitterhafte Niederschläge.

Aussichten für Freita g: Weiterhin etwas wechselhaftes, aber nicht unfreundliches Wetter.

Lufttemperaturen am 17. April: mittags 29,8 Grad Celsius, abends 19,4 Grad; am 18. April: morgens 15,6 Grad. Maximum 31,6 Grad, Mini­mum 9,9 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 17. April: abends 17,7 Grad; am 18. April: morgens 13,4 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 11 Stunden.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik: i. 23.: Ernst Blumschein, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwort- lich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. III. 34: 11 550. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, KG., sämtlich in Gießen.