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r. 15 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien) Donnerstag, 18. Zanuar 1954

Aus der Provinzialhauptsiadt

hielt den ersten grundlegenden Vortrag für die Beschluhfassuna der Versammlung. Er erinnerte zu-

Oberregierungsrat Dr. Schönhals, ein geborener Gießener, der zum Oberregierungs­rat bei der Provinzialdirektion Oberhessen in Gießen ernannt wurde

* Die Volkshochschule weist im heutigen Anzeigenteil darauf hin, daß die Kurse wegen der Reichsgründungsfeier heute a u s f a l l e n. Siehe die heutige Anzeige.

* * Die Al i c e f ch u l e kündigt in unserem heuti­gen Anzeigenteil den Beginn eines neuen Kochkursus am 22. Januar an. Näheres in der Anzeige.

* * Zur Richtigstellung. Wie uns aus unserem Leserkreis mitgeteilt wird, zeigt das Bild, das wir am Dienstag über den Besuch des Führers in Lippe veröffentlichten, den Empfang in Det­mold, nicht in Lemgo.

Winterhilfswerk des deutschen Volkes 1933/34. Kreisführung Gietzen.

Bett.: Einlösung der Lebensmittelgutfchelne über Grieß und Bohnen.

Äeklro-Gas-Iront-Elektro-Gas-Gememschasten

Zur Arbeitsbeschaffung in Gießen.

21. Januar eine S tr e ns a m m l u ng durch­führen wird. Das Abzeichen des Monats Januar, ein dreiblättriges Eichenblatt mit Eicheln, wird an die Spender verteilt werden.

Bericht der Staatspolizeistelle Gießen

Am 12. Januar wurden fünf ehemalige Funktio­näre der Kommunistischen Partei in das Konzen­trationslager Osthofen eingeliefert, weil in Gießen kommunistische Flugblätter in Erscheinung getreten waren.

Ein jüdischer Kaufmann aus Gießen wurde gleichfalls in das Konzentrationslager eingewiesen, weil er Frauenspersonen unsittliche Anträge gestellt und Geschenke in Aussicht gestellt hatte.

Ein Mann aus Altenstadt Kreis Büdingen wurde in Schutzhaft genommen, weil er die Fahne der aufgelösten Ortsgruppe der kommunistischen Partei in seiner Wohnung aufbewahrte und trotz öffent­licher Aufforderung nicht ablieferte. Weiter wurde ein Mann aus Altenstadt in Schutzhaft genommen, der den deutschen Gruß verächtlich machte.

Wegen sonstiger politischer Vergehen wurden noch Personen im Kreise Alsfeld und Lauterbach, sowie in der Stadt Gießen in polizeiliche -ast genommen.

Bornotrzen.

Tageskalender für Donnerstag: Oberhessismer Kunstverein, Turmhaus am Brand, 16 bis 17 Uhr, Ausstellung. Lichtspielhaus, Bahn­hofstraße:Schwarzwaldmädel". Astoria-Licht- spiele, Seltersweg:Der König der Steppe" und Das flammende Schwert". Vereinigung für ko­loniale Wiedergewinnung, 20.30 Uhr, Cafö Leib, große koloniale Kundgebung. Hausfrauen-Bera- tuna, Kirchenplatz 2, 20 Uhr, Vortrag überDie vielseitige Gestaltung des Eintopf-Gerichtes". RS.-Frauenscyaft Gießen-Nord, 20.30 Uhr, Turn­stunde.

Die heutige K o l o n i a l - K u n d g e - b u n g im Caf6 Leib wird durch eine Anzeige des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft und des Frauenvereins vom Roten Kreuz für Deutsche über See noch einmal in Erinnerung gebracht. (Siehe Anzeige.)

Die Hausfrauenberatung lädt in unserem heutigen Anzeigenteil zu einem Vortrag am heutigen Abend überDie vielseitige Gestaltung des Eintopfgerichtes" ein. (Siehe Anzeige.)

Gießener Stadttheater.

Opern-Gastspiel

des Hessischen Landestheaters: Mona Lisa" von Max von Schillings.

Im Kreise der bewußten Wagner-Nachfolger zeich- nc:e sich schon Max von Schilling s' erstes Büh- il.mwerkJngwelde" trotz der beabsichtigten Fort­es ung des von Wagner begründeten Stiles durch ii.ene persönliche Züge aus. Während eine große Zahl der sogenannten Wagnerianer infolge enger Anklammerung an ihr Vorbild und nicht zrletzt durch die zu eignen Vorstößen nicht aus= :e chende schöpferische Potenz dem Eklektizismus verfielen oder verfallen mußten, war es Schillings m. glich, mit jedem weiteren Bühnenwerk von der 3 lbstbehauptung des Persönlichen im Werk zu zeugen. Wenn auch derPfeifertag", dessen Vor- p>e'l zum dritten Akt des öfteren im Konzertsaal -scheint, und das MusikdramaMoloch" (im An- iälluß an Hebbel) auf der Bühne nuty dauernd Safe zu fassen vermochten, so entfachte seine Oper o n a Lisa" zwar anfänglich den heftigsten Streit der Meinungen, um dann aber als boden­ständiges Werk in den Opernspielplan überzugehen. Zustimmung fand, wenn auch teilweise unter Vor- brjalt, der Musiker Schillings, abgelehnt wurde mit v niqen Ausnahmen das Textbuch.

Wie konnte ein Max von Schillings dazu kom- in n einen solchen abstoßenden, innerlich unwahr- hcstiqen Stoff in einer so rohen, auf die gröbsten V eaterinstinkte eingestellten Formung zu vertonen? Me konnte ein so feinsinniger, so durch und durch csbildeter" Künstler, wenn er schon im ersten il'i qenblick vielleicht auch etwa durch das Theatra­lische geblendet war, die Arbeit von Jahren auf die in jedem Betracht unvornehme Dichtung ver- ö nben?" So läßt sich eine Stimme über die Ur- lnffführunq des Werkes vernehmen. Gewiß muß inin bei dieser Aeußerung berücksichtigen, daß die Uraufführung dieser Oper in die schwerste Zeit un- Iei.es Vaterlandes fällt (26. September 1915); tue für den Winter 1914 schon angekundig e Urauffuh- tung für Berlin hatte sich nicht ermöglichen lassen.

Derjenige, der sich an dem Stofflichen der Oper flöht, sollte doch dabei in Betracht ziehen, daß jenes jätalter der Hochrenaissance in seiner unbedingten Libensbejahung und seinem Verlangen nach vollem Sich-Ausleben einen wesentlich anderen Menschen- npus in den Vordergrund gestellt hat als ihn die mrangegangenen Jahrzehnte begreifen konnten, fluch wir sollten das Textliche als Ze.terfchelnung srßehen und über dem zeitlichen Rahmen des Wer-

der Reichszuschüsse für Jnstandsetzungs- und Er­neuerungsarbeiten am Hausbesitz hin und hob die großen Vorteile hervor, die dem Hausbesitz einer­seits, dem Handwerk und der gesamten Wirtschaft anderseits aus der möglichst umfangreichen In­anspruchnahme dieser Reichszuschüsse entstehen. Da­bei betonte er, daß die Zuschüsse auch für die Schaffung von Anlagen zur Versorgung mit Gas und Elektrizität dienen und daß sie nicht allein den Hausbesitzern, sondern auch den Mietern bei ent­sprechenden Aufträgen gewährt werden.

Den Hausbesitzern sei mit diesem Gesetz eine nie wiederkehrende Gelegenheit geboten, ihre Häuser mit Hilfe von Reichsmitteln instandzusehen und damit den Wert der Häuser, aber auch den Lrtragswert zu erhöhen.

Weiter wies der Redner auf die Finanzierung der Eigenleistung des Hausbesitzers bei der Jnanspruch-^ nähme der Reichshilfe mittels des Rhein-Mainischen Garantieverbandes in Frankfurt hin. Der Kredit durch diese Institution sei aber nur für solche Haus­besitzer offen, die Mitglied einer Hausbesitzerorgani­sation seien.

Die ganze Vergünstigung, also auch der Reichs- zuschuß, werde nur den Hausbesitzern zugute kommen, die die Arbeiten innerhalb der Frist bis zum 31. März 1934 ausführen lassen. Wit

Alle gegen Einen, Einer für Alle, j

Zur Aufführung des gleichnamigen Schau- j spiels von Fr. Forster-Burggraf im Stadt- , theater Gießen. <

Der Dichter Friedrich Forster ist in Gießen durch I fr in SchülerdramaDer Graue" bekannt gewor- dm. Das Werk ist in den Spielplan zahlreicher f dmtscher Bühnen ausgenommen worden und hat , dm Namen Friedrich Forster zu einem festen lite- ririschen Begriff werden lassen.

Das Rätselraten nach der hinter dem Pseudonym < .Z-iedrich Forster verborgenen starken Dichterperson- I lchkeit ist inzwischen dadurch beendet worden, daß Waldfried Burggraf sich zur Verfasserschaft der von Diedrich Forster gezeichneten Buhnenwerke be- kilnnte. Waldfried Burggraf ist 1895 in Bremen 05 Sohn eines evangelischen Geistlichen geboren, jpg 1913 als Schauspieler zum Theater, stand im Sfl-ieg an der Ostfront, war nach dem Krieg wieder <15 Schauspieler, dann als Dramaturg und Regisseur ii praktischen Theaterbetrieb tätig, den er schließlich vrließ, um sich ganz seiner schriftstellerischen Tätig- ki t widmen zu können. Unter seinem eigenen Na- jTn hat Waldfried Burggraf vornehmlich eine Reihe v-lgespielter Märchenstücke wieDer kleine Muck", Prinzessin Allerliebst undDer Froschkönig" ver­faßt, während der Deckname Friedrich Forster erst- iinlig für das von 61 Bühnen gespielte Schauspiel >er Graue" Anwendung fand.

Im Oktober v. I. wurde Waldfried Burggraf als kinstlerischer Leiter des bayrischen Staatsschauspiels nrf) München berufen, wo am 9. November als F ier der bayrischen Staatsregierung zum Gedenken oi den Zug zur Feldherrnhalle 1923 die Urauffüh- Ting des neuen Bühnenwerkes von Friedr. Forster- $irggrafAlle gegen Einen, Einer für Alle" statt- fcild.

seit langem ist in München keine Uraufführung mit einer derartigen Spannung erwartet worden w diese. Wie wird des Dichters Werk am Abend Ls 9. November bestehen können, der unsere Herzen m3) Sinne in einer Stimmung antraf, die das nd ihr habt doch gesiegt" an der Feldherrnhalle frcben aus der erschütternden Klage um die gefal- L en Helden zu neuer Tatbereitschaft erhoben hatte? Das historische und aus heroischem Geiste geborene Gustav-Wasa - Schauspiel war wie kaum ein anderes gc ignet, einen solchen Tag würdig zu beschließen uiti alle Herzen höher schlagen zu lassen.

Noch ein Weg hauswirtschastlicher Ausbildung.

Ts scheint noch wenig bekannt zu sein, daß der &Tuf der Kinderpflegerin durch eine Neu- jiunung in Preußen aus dem Jahre 1931, der sich oich das Gießener Seminar angepaßt hat, jetzt esn- Lcotig mit eingerückt ist in die hauswirtschaftlichen Brrufe. Die nach den neuen Bestimmungen ausge­bildete Kinderpflegerin heißt jetztKind er­liege- und Haushaltgehilfi n", und der Binufsverband der Kinderpflege- und Haushaltgehil- jinnen ist dem Verband der weiblichen Angestellten urb zwar der Fachschaft der Angestellten in Haus, (5: rten und Landwirtschaft eingegliedert. Das heißt Tctürüd) nicht, daß aus dem bisherigen erzieherischen $iiuf etwas ganz Neues, ein rein hauswirtschaft- 4i6«er Beruf geworden wäre. Sondern die Neurege­lung hat hier, wie bei Neuregelungen zumeist, nur angenommen, was von der Lebenspraxis schon ent- idzielt war. Die Kinderpflegerin mußte in den letzten Hhren immer mehr auch hauswirtschaftliche Ar- bi ten mit übernehmen, nicht weil die Familien sie ,psnutzen" wollten, sondern weil gerade die ver- Mwortlich denkende Hausfrau eine Hilfe, die nur sir die Kinder da fein will, ihrem Haushalt nicht ein- oiDnen kann und die Kreise, die sich eine bloße l inderpflegerin" leisten können, immer mehr in Äzgfall kommen.

Die Wirkung der Familienerziehung beruht ja we- jeztlid) aus der totalen Verflochtenheit der verschiede-

kes nicht vergessen, daß ein deutscher Musiker mit deutschem Ernst und deutscher ethischer Einstellung hier fein Bestes geben wollte und gab.

Man wird dabei berücksichtigen müssen, daß die Entwicklung der Oper bis zum Ausbruch des Welt­krieges stark von dem aus Italien zu uns gekom­menen Verismus beeinflußt wurde. Weniger ethische Erwägungen, wie sie Wagners Schaffen beherr­schen, sondern die Darstellung der im Verlauf der Handlung erwachenden menschlichen Leidenschaften waren das Ziel bühnenmusikalischer Darstellung geworden. In einem ähnlichen Sinne wird man z. B. auch Richard StraußensSalome" und Elektra" zu würdigen haben.

Das von der Wienerin Beatrice D o v s k y ver­faßte Textbuch stellt zweifellos das dekorative Mo- ment stark in den Vordergrund, die Karnevals­szenen sprechen ebenso eindringlich mit ihrer Ent­fesselung menschlicher Triebhaftigkeit zu uns, wie sie deren ethische Schrankenlosigkeit durch die Er­scheinung der Vertreter der Kirche, in ihrer Mitte der Bußprediger Savonarola, in stärksten Kontrast stellt, der in denMisericordia^fRufen des Volkes seinen Höhepunkt findet.

Das Rätsel des Lächelns der Mona Lisa auf Lionardos unvergleichlichem Bilde mit feinem un= erforfchlichen, undeutbaren Ausdruck wird zum Angelpunkt des Bühnengeschehens:Ein uner« gründlich Rätsel ist das Weib. In semer Seele schlummern unbewußt an tausend Möglichkeiten ... Weich wie Wachs ist sie ... Je nachdem des Lebens Würfel rollen, verwandelt sich das rätselvolle Wesen Meid'". So künden die Worte des Laienbruders in der Einleitungsszene. .

Der Gestalt der Mona Lisa sind zwei Frauen­typen gegenüber gestellt, Dianora, das Töchterchen von Francesco aus erster Ehe, noch ein Kind, das die große Welt bisher nur aus weder Distanz ge­sehen hat, noch völlig unschuldig und unerschlossen. Ihr gegenüber Ginevra, die Venus der Florentiner Karnevals; das Weib in vollster Sinnenlust, das wenige Augenblicke nach ihrem Misencordia rote« derin der Sünde weichen Arm" eilt. Im Reflex beider erscheint Mona Lisa. Kurz nach dem tzrroch chen ihrer ersten Liebe zu Giovanni ist sie durch den Willen des Vaters gezwungen, die Frau des bejahrten aber sehr reichen P-rlenhandlers Fran- cesco geworden, eines Mannes, dessen Brutalität sie nur mit Kälte erwidern kann. Als Giovanni als Abgesandter des Papstes ihr Haus betritt, um für diesen eine köstliche Berle au erwerben, da erglüht zwischen beiden die Leidenschaft. Giovanm will sie zur Flucht bewegen, noch kann sich Lisa nicht ent­schließen, da überrascht Francesco die beiden; Gio-

Lisa" eine entscheidende Rolle dem Orchester zu; denn die stellenweise sehr starke Instrumentierung gerät leicht in Gefahr, die Gesangsstimmen zuzu­decken. Es muß ganz vornehmlich anerkannt wer­den, daß Karl Fr id er ich (musikalische Leitung) sehr schmiegsam abzudämpfen verstand. Er erfaßte Schillings Melos mit Wärme und mannigfacher dynamischer Ausprägung, dabei in den Bläsern und in den Streichern die Farbigkeit und auch die Feinheit des symphonischen Klanggewebes mit Hin­gabe ausdeutend. Die Chöre waren klangschön ab­gestimmt und vertieften die Kraft der Szene; die Bühnenbilder von Werner Sergen gaben dem Geschehen wirksamen Hintergrund.

In dieser unter der Spielleitung von Hans S t r o- b a ch überaus nach jeder Richtung hin ausgegliche­nen Aufführung trat das Drama Francesco-Mona Lisa mit erschütternder Kraft an den Hörer heran; das Spiel beider war von überzeugendster Lebens­nähe gebunden; jede Bewegung, jedes Mienenspiel war ganz in den Dienst des Dramas gestellt. Das Problematische des Textbuches nahm hier greifbare Gestalt an. Bertha Obholzer, eine Sängerin von äußerst gediegenen stimmlichen Mitteln, die sie einem starken Willen dienstbar zu machen weiß, durchleuchtete alle Züge ihrer Rolle. Sie war ebenso bedeutungsvoll in der Verschlossenheit der Resig­nation wie in der Ekstase höchsten Affektes. In zarten weichen Tönen von besonderem Schmelz kündete sie eine andere Welt der Entrückung. Heinrich Blase! (Francesco) erfaßte seine Rolle in ihren dramatischen Wurzeln; alle Stadien des Affektes zeichnete er pla­stisch scharf, sich dabei auf sein immer bereites glanz­volles Organ stützend. Heinrich A 11 m e r o t h war als Messer Giovanni de Salviati auf der Höhe der Situation mit der Entfaltung seines stimmlichen Materials; als Laienbruder zeigte er sich in jener Distanz vom Leben; in der Schlußszene mit der Wärme des Ausbruchs längst entschlummerter Lei­denschaft. Erna von Georgi als Mona Ginevra ad Alta Rocca war eine Venus, die die Mitte zu halten wußte zwischen Büßerin und Verführerin, stimmlich und darstellerisch paßte sie sich dem Kreis ihrer Verehrer ein, unter denen besonders Peter Anders als Messer Arrigo Oldofredi hervortrat. Voll Innigkeit und Schlichtheit sang Susi ©mei­ner als Dianora das Rosmarin-Lied.

Alle Besucher werden der Intendanz für diese Ehrung Max von Schillings' besonders verbunden sein; leider hat ein grimmiges Schicksal diesen Hüter deutscher Musik, dessen Zeit jetzt gekommen schien, mitten aus neuen Ansätzen zum Schaffen hinweg- gerafft. Dr. H.

nen Lebensgebiete, und so wird eine pädagogisch denkende Mutter nicht ein Gebiet ihrer Tätigkeit aus der Hand geben wollen, um selbst für ein anderes ganz frei zu sein, sondern was sie braucht, ist eine Gehilfin, die ihr in allem zur Hand geht und sie so wirklich entlasten kann, weil sie in derselben To­talität der Verantwortuna sich fühlt. Die arbeitsüber­lastete Mutter kleinerer Kinder aber wird froh fein, wenn sie sich diese Gehilfin nicht erst selbst heranzie- hen muß, sondern wenn Mädchen bereit stehen, die in hauswirtschaftlichen Arbeiten erfahren und gleich­zeitig in der Sage sind, die Aufgaben der Kinder­pflege und -erziehung so zu erfüllen, daß die Miß­griffe, denen Kinder unter der Obhut von nicht so ausgebildeten Hausangestellten doch oft ausgesetzt sind, nicht Vorkommen. Diesen Bedürfnissen trägt der genannte neue Erlaß Rechnung.

Der Beruf der Kinderpflege- und Haushaltgebilftn ist also ein häuslicher Beruf in totalerem Sinne als die übrigen neben ihm stehenden häuslichen Berufe. In der Ausbildung steht das Hauswirtschaftliche gleichwertig neben dem Pflegerischen und Erzieheri­schen. Es wird damit in den jungen Mädchen alles das entwickelt, was sie auch später als Hausfrau und Mutter in der eigenen Familie brauchen. Zu begrü­ßen ist auch, daß die häufige Verwechslung mit dem auch in diesen Jahren neugeregelten Beruf der Kin­dergärtnerin-Hortnerin nun nicht mehr so leicht mög­lich und die bisherige unglückliche Zwitterstellung der Kinderpflegerin alsKindergärtnerin zweiter Klasse" aufgehoben ist. Der Beruf hat nunmehr seinen eige­nen Sinn und seine feste Abgrenzung, und es ist ihm zu wünschen, daß er nun auch die Verbreitung er­fährt, die seiner inneren Ausrichtung und feiner Be­deutung für das Volksleben zukommt.

Anordnung des hessischen Staats­ministers zum 18. Januar.

Der hessische Staatsminister Jung hat an alle unterstellten Behörden folgenden Erlaß herausge­geben:

Am 18. Januar jährt sich zum 63. Mal die Wiederkehr des Tages der Reichsgründung. Das durch den Sieg der nationalsozialistischen Revolu­tion geeinte deutsche Volk gedenkt an diesem Tage mit Bewunderung und mit unerschütterlichem Ver­trauen auf Deutschlands glückliche Zukunft des Mei­sterwerkes Bismarcks.

Von der Veranstaltung amtlicher Feiern wird ab­gesehen. Soweit örtliche öffentliche Feiern stattfin­den, ist den Beamten, Angestellten und Arbeitern Gelegenheit zur Teilnahme zu geben.

Zur Feier des Reichsgründungstages flaggen alle staatlichen und kommunalen Dienstgebäude, die Gebäude der Schulen und der Körperschaften des öffentlichen Rechts.

Die Kreisämter werden beauftragt, entsprechende Anordnungen an die Gemeindebehörden ergehen zu lassen.

vanni findet seine letzte Zuflucht im Perlenfchrein; Francesco schließt ihn dort ein und überliefert ihn o dem sicheren Tode. Um Giovanni zu befreien, ichert Lisa dem Francesco willige Ergebenheit zu, um von ihm den Schrankschlüssel zu erhalten. Der aber schleudert ihn voll Hohn durch das Fenster in die Flut des Arno. Durch einen Zufall wird der Schlüssel am andern Morgen gefunden. Francesco (bäumt vor Wut angesichts des Gedankens, daß Lisa Giovanni gerettet haben könnte. Er öffnet den Schrank, steigt hinein, um nachzusehen; da schlägt Lisa die Türen zu und überliefert ihren Mann dem gleichen Schicksal, das er dem Giovanni bereitet hatte. Jetzt ist der Teufel in ihr wach geworden; den Dämon hast du beschworen, der in jedem Weide steckt".

Zwei Rahmenszenen, zu Anfang und zu Schluß, lassen, in der Gegenwart spielend, ein gleiches Schicksal der drei symbolischen Personen erahnen.

Die Musik läßt vieles, was im Text nur äußer­lich angebeutet wurde, innerlich greifbar werden und das Geschehen in seinen Zusammenhängen ver­stehen. Was mit Wort und Szene uns grell ent­gegentritt, mildert sich im Lichte der Musik, die stellenweise das Geschehen verklärend überflutet. So findet manches, was dem Verstand unbegreifbar und unerklärlich erscheint, seine Losung durch die Hintergründigkeit des Musikalischen. Die Fähigkeit, Aeußerliches zu beschreiben, zu schildern, zu zeich­nen, die wir z. B. bei Richard Strauß bis an die Grenze des Möglichen gesteigert finden, tritt bei Schillings weniger stark hervor; alles aber, was dem Gefühl verbunden erscheint, findet bei Schillings seinen Niederschlag in den Tönen. Er folgt der Handlung mit nie versagender Schlag­fertigkeit, jedoch weniger in elementaren naturali­stischen Ausbrüchen, sondern in einer wohlbeherrsch­ten veredelnden Tonsprache. Höchste Momente gibt er in der Szene zwischen Mona Lisa und Fran­cesco und in dem Dämonischen der Verzweiflung Mona Lisas. Für das Düstere, Lastende hat er einen Ausdruck, der oft an feinHexenlied" ge­mahnt. Einzelstimmungen fängt er getreu ein, so in der Musik am Aschermittwochmorgen. Ergreifende Töne der Schlichtheit zeigt Dianoras Rosmarin- Lied. Teilweise durch den Text veranlaßt, strebt er kleineren, geschlossenen, musikalischen Formen zu, wie in dem ersten Lied Arriaos und in dessen späterem Madrigal, als Serenade gedacht. Da, wo die Musik die vielfältigsten Stimmungen zu einer Gesamtsituation zusammensaht: Haß, Todesangst, Verzweiflung, Lebensfreude, wie am Schluß des ersten Aktes, da erreichte Schillings wirkliche Größe.

Wie selten bei einer Oper, so fällt beiMona

Die von der Kreisführung Gießen ausgegebenen hielt den ersten grundlegenden Vortrag für die Lebensmittelgutscheine sind, wenn der betreffende Beschlußfassung der Versammlung. Er erinnerte zu- Kolonialwarenhändler nicht dem Einzelhandelsver- nächst an die überwundene Zeit des Kampfes aller band angehört, an den Landesverband des gegen alle, in der auch keinerlei Volksgemeinschaft Hessischen Einzelhandels, Darmstadt, zu finden war, und betonte, daß diese zerstörende Ludwigsplatz 8, direkt einzusenden, durch den Zeit ein für allemal vorbei sei. Sodann wies er auch die Ueberroeifung erfolgt. Ist der Händler orga- auf den außerordentlich erfolgreichen bisherigen nifiert, so hat er seine Scheine durch die Ortsgruppe Kampf der Regierung gegen die Arbeitslosigkeit der betreffenden Organisation an den vorerwähnten, hin, durch den Die Arbeitslosenzahl von 6 Millio- Verband einzureichen nen auf 3V2 Millionen zurückgedrückt und auch da-

Heil Hitler! 'mit die Richtigkeit der nationalsozialistischen Wirt-

Gez.: Mo Haupt, Kreisgeschäftsführer des WHW. schaftspolitik bewiesen wurde. Er erläuterte hierauf jdie wichtigsten Bestimmungen des Gesetzes Aur Be- Otn *1. ^5OUUOr. | tämpfung der Arbeitslosigkeit, soweit sie für den Es wird schon jetzt darauf hingewiesen, daß das Zweck der Versammlung in Betracht kamen, lenkte W i n t e r h i l s s w e r k des deutschen Volkes am die Aufmerksamkeit besonders auf die Gewährung

Im vollbesetzten Saale der Gastwirtschaft Faul­stich, Bahnhofstraße, sand gestern nachmittag eine I Versammlung statt, die der Gründung der E! e k t r o - G a s - F r o n t und der Elektro- bzw. Gas-Genossenschaften diente.

Handeisiammerprasident Dr. Pauly eröffnete die Versammlung mit besonderen Be- grühungsworten an die Vertreter der Behörden und der wirtschaftlichen Organisationen, ferner be­tonte er die Dringlichkeit dieses Zusammenschlusses.

Handelskammersyndikus Dr. Keim