Frankreich kündigt den deutsch- französischen Handelsvertrag.
Oie Kontingentierung deutscher Waren um 300 Millionen Francs verringert. Oer weitergehende Abstrich wieder aufgehoben.
Berlin. 17.Jan. (DJIB.) Die französische Regierung hat dem Auswärtigen Amt in einer Note mitgeteilt, daß sie den deulsch-französi- schen Handelsvertrag von 1 9 27 kündigt und zwar mit dem Tage des Inkrafttretens der deutschen Verordnung über die Kontingentierung französischer Waren, d. h. mit dem 19. Januar. Gleichzeitig hat die französische Regierung in der Note wissen lassen, daß sie zu Verhandlungen über eine Neuregelung des deutsch- französischen Warenaustausches bereit ist. Der französischen Botschaft ist darauf alsbald erklärt worden, dah bei der deutschen Regierung die gleiche Bereitwilligkeit besteht. Da in dem Handelsvertrag von 1927 eine Kündigungsfrist von drei Monaten festgesetzt ist, ergibt sich daraus, dah der Handelsvertrag mit dem 2 0. April 1934 außer Kraft tritt und dah für die in Aussicht genommenen Verhandlungen ein Zeitraum von drei Monaten zur Verfügung steht.
In der französischen Note wird ferner mitgeteilt, dah die französischen Kontingentierungsstellen, um
eine Verschärfung der Lage zu vermeiden, am 19. Ja- nuar die erforderlichen Anweisungen erhalten werden, um die Kontingentierung deutscher Waren auf den von Anfang an beabsichtigten Umfang z u r ü ck z u f ü h r e n, nämlich auf 300 Millionen Francs. Bekanntlich hatte die schematische Anwendung der französischen Kontingentierungsgesetzgebung am 1. Januar 1934 das Ergebnis gehabt, dah die Ausfuhr deutscher Waren nach Frankreich um rund 600 Millionen Franken verringert worden ist. Die französische Regierung hatte damals auf deutsche Anfrage mitgeteilt, dah dieses schematische Ergebnis nur vorläufig sei und dahin berichtigt werden würde, dah der Abstrich an der deutschen Warenausfuhr nach Frankreich nur dreihundert Millionen Francs betragen werde. Die erforderlichen Anweisungen an die französischen Kontingentierungsstellen waren dann aber zurückgestellk worden und werden nunmehr entsprechend der neuen Mitteilung der französischen Regierung ergehen.
Englands Bedürfnis nach Sicherheit gegen Lustangriffe Churchill fordert den Einmächtestandard für die britische Lustflotte.
London, 17. Jan. (DNB.) Winston Churchill hielt im Rundfunk eine Ansprache, die nach energischen Protesten nicht dem Zensor zur Genehmigung vorgelegt zu werden brauchte. Churchill erklärte u. a.: Wir sind niemals, zum mindesten seit Hunderten von Jahren nicht, so w e h r - los gewesen wie heute. Wir sollten also heute mindestens eine Luftflotte besitzen, die ebenso stark ist, wie die der stärksten Macht, die uns angreifen könnte. Ein trauriges Ende — so fuhr er fort — für die Hoffnungen der Freunde des Friedens und der Gerechtigkeit wäre es, wenn der Völkerbund, dieses große Werkzeug der öffentlichen Meinung der Welt und des öffentlichen Rechts Europas, in dem zunehmenden Wirrwarr der Jetztzeit zugrunde ginge. England müsse seinen Platz im Völkerbund einnehmen und gemeinsam mit anderen großen und kleinen Ländern seine Pflicht tun, und zwar nicht nur mit den Ländern, die am Kriege teilgenommen haben, sondern auch mit neutralen Ländern wie Holland, Dänemark und der Schweiz. England müsse seinen Teil an dem Aufbau eines Bundes von Nationen beitragen, der so stark sein müsse, daß zum mindesten in Europa kein Angreifer es wagen würde, ihn herauszufordern.
Die Engländer haben bis in die letzten Tage hinein so getan, als ob der französische Vorschlag, fünfzig Prozent der Bombenflugzeuge aus dem Dienst zu ziehen, ein geradezu überwältigendes Opfer Frankreichs wäre. Im Innersten ihres Herzens haben sie natürlich das nicht einen Augenblick lang geglaubt, was ihnen die englischen Zeitungen auf einen Wink von oben her über die Bedeutung des französischen „Zugeständnisses" servierten. Winston Churchill hat nun in seinem Rundfunkvortrag erneut betont, daß sich England eine starke Luftflotte zulegen müsse. Er hat also damit offen ausgesprochen, dah das französische „Angebot" nicht ernst zunehmen sei und das jeder Engländer, dem die Sicherheit seines Vaterlandes am Herzen liege, schleunigst für die Bildung einer starken Luftflotte einireten müsse. Wir möchten annehmen, daß der Pariser Bluff mit der Halbierung der französischen Luft- armee nunmehr auch für die Engländer eine erledigte Angelegenheit ist, zumal im gleichen Augenblick das französische Militärblatt „France Mili- tuire" mitzuteilen weiß, daß der Luftfahrtminister Pierre Cot für das Jahr 1934 einen großen Aufrüstungsplan aufgestellt hat, der auch die Schaffung von Luftgeschwadern, die mit Geschützen ausgerüstet sind, vorsieht.
i Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Wien, 15. Januar 1934.
Die reine Demokratie unter klerikaler und austro- marxistlscher Kulör ist in Deutsch-Oesterreich sehr bald verfälscht worden. Der Präsident der Nationalversammlung war ursprünglich zugleich Staatspräsident, die Nationalversammlung das eindl9e ausschlaggebende Parlament, aber sehr bald W s 1 oas Zweikammersystem eingeführt und der Bundespräsident erhielt besondere Rechte zum Schutz gegen den Mißbrauch der Demokratie. So blieb aus der Tradition des alten Oesterreich im lebensunfähigen Nachkriegsstaat nur die Verwirrung die Schwerfälligkeit, die Komplikation und die perfide Politik der Schwarz-Gelben, das Deutsch- gefuhl und den Anschlußgedanken zu torpedieren ...
Die Dollfuß und Fey und Starhemberg folgen nur einer alten Tradition, sind sich aber anschei- nend darüber nicht klar, daß ihre Methode den Machten dient, die ein Großdeutschland durch zer- fetzende und ideologische Prinzipien, dynastischen und konfessionellen hader verhinderten. Graf Taaffe hatte als österreichischer Ministerpräsident und Begünstiger der Slawen einst die Politik des .Fortwurstelns" befolgt, die, unterbrochen von Kammer- krawallen doch die Phäakenseligkeit, die heurigen- und Backhendlfreude nicht störte. Dieses Wien lebt !?“r l" ™,WcIi9cn Filmen, und wenn auch die österreichischen Federn weiter literateln und ein Dollfuß sich gebärdet wie Bonaparte nach seinem Staatsstreich, die sozialen und völkischen Gegen- wir ungen sind doch heute so stark, daß nur das konsequente Versagen der Volksbefragung dieses Dollfußsystem unter Entente- und Völkerbunds- anleihenpatronage fortwursteln läßt
Aber die Wurzeln sind ihm abgeschnitten. Wäre dieses Dollfuß-System wirklich Willensausdruck des Oesterrelchertums dann würde es versuchen, im Wahlkampf sich legitimieren zu lassen, wie es der Nationalsozialismus in Deutschland getan. Statt dessen will man dem Nationalwillen, an den man nicht zu appellieren wagt, e i n e D e r f a f s u n g aufzwin- gen die em merkwürdiges Gemisch aus faschistischen deu schen und liberalistischen Elementen ist, auf jeden .jaU aber Oesterreich vom Reich endgültig trennen und einer habsburgischen Restauration die Wege ebnen soll. Das Volk Oesterreichs wird dabei nicht befragt. Die natürliche Zusammenfügung aller Deutschen zu einem Großdeutschland soll auf ewig verhindert werden: Oesterreich will nicht sein, was llhland in der Frankfurter Paulskirche 1848 vom österreichischen Volkstum behauptete „eine Pulsader lm Herzen Deutschlands".
Uralte Pfiffigkeit, die zumeist beschränkten Geistern eigen, lebt wieder auf. Schon einmal aber erreichte sie das Gegenteil, band Deutschland zusammen Als am 4. Marz 1849 die deutsche Revolution in Oester- reich gescheitert war, Fürst Schwarzenberg eine Verfassung oktroyierte. Oesterreich ein Zentra- lismus geworden, richtete Schwarzenberg eine Note vom 9. März an die Frankfurter Nationalversammlung, die darauf hinauslief, das neue Deutschland zu einem durch Deutschland vergrößerten Oesterreich Deutschland damit aber zu einem, wie sich ein Ge
schichtsschreiber ausdrückt, „mi He n Io jen An- 9 ü n gsel des überwiegend slawischen und magyarischen Kaiserstaates zu machen". Damals schied sich Oesterreich von Deutschland. Am 12. März stellte Welcker, einer der feinsten Köpfe des Frankfurter Parlaments, den Antrag, die Reichsverfassung, wie sie vorliege, anzunehmen, dem König von Preußen die Kaiserwürde anzutragen. „Ich habe verhindern wollen', sagte er, „daß Oesterreich von der deutschen S aa^gemeinschaft ausgeschlossen werde, und wollte alle Mittel erschöpfen, um Deutschlands Integrität zu retten. Diese Mittel find erschöpft; es ist daher an der Zeit, mit Verzicht auf Oesterreich, welches nun einmal nicht zu halten ist, Deutschland zu einem festen Staatskörper zusammenzufügen." Nicht, wie ■ schwarz-gelbe Geschichtsschreiber logen, Bismarcks Politik schloß Oesterreich aus und verhinderte ein Großdeutschland, sondern Fürst Schwarzenberg, der in Dollfuß einen Nach- lM.er fand, dessen Methoden aber gemäß den Nlluren eines Parlamentarismus hemdsärmeliger und plumper sind als die jenes Aristokraten...
Dollfuß hat durch den Bundesminister Dr. E n - oer letzt der staunenden österreichischen Oeffentlich- keit den Wechselbalg präsentiert, den diese geistigen Heroen des Kleinösterreichertums als künftige Ver- laliung ausgeheckt haben. Dieses Originalprodukt hat aber ausländische Väter und zeigt alle Züge der Bastardisierung. Statt des Parlamentarismus soll em sogenannter ständischer Aufbau ourchgefuhrt werden, ein Vierkammersystem, dessen topifce em ernannter „(Staatsrat" bildet. Darin olkn hervorragende Persönlichkeiten des öffent- lichen Lebens vertreten fein, ihm zur Seite steht em „L a n b e r r a t", der die Häupter der Landesver- Eungen, ihre Vertreter und die Finanzreferenten mfaßt. Eine „K u l t u r k a m m e r" wird die Ver- tretung der Priester, Lehrer, Advokaten und Aerzte, er Künstler und des Schrifttums sowie die Eltern- chaft umfassen und schließlich soll eine „Wirt- !~v a l ts k am m e r" den Ständen im engeren tomne die Möglichkeit geben, mitzuraten. Wien soll Bundeshauptstadt bleiben, erhält aber nicht mehr hX ^mpetenz ,etnes Bundeslandes und wird direkt
höchst bleibt die Frage offen, wie diese moll-n v»erben soll. Die Parteien wollen nicht verschwinden. Will Dollfuß sie auflosen, von feiner Partei, den Christlich-Sozialen allaeme^n' frJ°Uten ^arafiri verüben? Nach dem Gele? m^-?'mnlrecht kann diese Verfassung nicht devv das erbitterte österreichische mie die TOnMnn11 r$ö?f?l9Qn9 benutzen, gleichgültig, biefes 6 fei' u™ seinem Abscheu gegen
cvfLe5 -Aftern Luft zu machen. „Zittere bu arokes Oesterreich vor deinen kleinen Beamten" hatte schon
SB”-?'*'»! "ewen Formalbürokraten.
Monstrum von Derfassungsreform! ?Li?-^^rsystem würde eine vie7- topfige Hydra sein, deren Häupter ständig in
Dollfuß und fein Verfaffungsmonstrum
Von unserem rt -Berichterstatter.
Kompetenzkonflikten liegen. Man nehme an, die Regierung will eine Steuerreform, eine neue Steuer ober eine Sanierung ber Finanzen vornehmen. Sie leitet die Vorlage der Wirtschaftskammer ßu, deren Mitglieder von den einzelnen Berufen gewählt werden. Der Staatsrat, bei manchen Vorlagen auch der Länderrat oder die Kulturkammer. müssen gehört werden, da manchmal auch deren Finanzinteressen in Frage kommen. Es gibt also eine Generalaus- sprache, wie man sie aus Oesterreichs Parlament genugsam kennt. Die eine Kammer jagt nein, die andere ja, die Wirtschaftler sind erbittert über die Bürokraten des Staatsrates, die Kulturkammer erbost sich über die mangelnde Opferwilligkeit der Wirtschaftler für Kulturzwecke, der Länderrat kämpft gegen Zentralisierungsbestrebungen ber Bundesregierung, alle fahren andere Geleise und gelangen bazu, irgenbwo ihre Kammerlokomotiven aufeinanderprallen zu lassen. Weil man autoritäre Scheinführung und parlamentarische Methoden miteinander vermengt. Aber pfiffig hat man einen Ausweg vorgesehen: Wenn alles gegeneinander geredet hat, kann die Bundesregierung eine neue Vorlage ausarbeiten und sie kann sie dann z. B. der Wirtschaftskammer zuleiten, die dann nur ja oder nein zu sagen hat. Statt eine vom Volke gewollte klare, nationale Führung, eine Vereinfachung, wollen die Dollfussianer eine Konfusion der Gewalten, die allerdings Oesterreich von Deutschland scheidet. Würde dieser Verfassungsvorschlag irgendwie Wirklichkeit, dann könnte sich Oesterreich rühmen, die verrückteste Verfassung aller Kulturnationen zu haben. Aber schrieb nicht der Altmeister der österreichischen Rechtswissenschaft, der kerndeutsche Joseph Unger: „Oesterreich ist ein Land, in dem, was unmöglich ist, zu geschehen pflegt!"?
Maffenverhafiungen in Oberösterreich.
Linz, 18. Jan. (DNB.-Funkspruch) Gegen den Sitz der oberösterreichischen Landesregierung in Linz, wo auch die Kanzleien des neuernannten Sicherheitsdirektors, Freiherrn von Ham- merftein, untergebracht sind, wurde am Dienstag gegen 20 Uhr von unbekannten Tätern ein Pa- p i e r b ö 11 e r geworfen. Durch die Explosion wurde eine Reihe von Fensterscheiben zertrümmert. Obgleich Haussuchungen bei vermeintlichen Mitgliedern der aufgelösten NSDAP, in allen Fällen ergebnislos verliefen, wurden gegen 30 Verhaftungen vvrgenommen, wobei festgestellt werden mußte, daß die Verhafteten mit dem Anschlag nicht nur in keinerlei Verbindung stehen, sondern daß ihnen auch nicht einmal eine Verbindung mit der NSDAP, nachgewiesen werden konnte; sie stehen lediglich im Verdacht nationaler Gesinnung. In ganz Oberösterreich sind auf Veranlassung des Sicherheitsdirektors zahlreiche Geiseln f e ft genommen worden. In dem Linzer Vorort Klein-München ist es in den letzten Tagen zu Ansammlungen von Arbeitslosen gekommen, die durch Ueberfallkommandos der Polizei zerstreut wurden. In der Bevölkerung macht sich eine wachsende Unruhe und Gärung bemerkbar.
DieMeldepflichtösterreichischerStaatS- angehöriger. — Nur innerdienstliche
Anweisung.
B e r l i n > 17. Jan. (DJIB.) Amtlich. Durch die Abendpresse vom 17. Januar ist die Mitteilung verbreitet worben, daß einzelne Landesregierungen Anordnungen über eine besondere Meldepflicht der in Deutschland lebenden österreichischen Staatsangehörigen getroffen haben. Zur Vermeidung von Mißverständnissen stellt derReichsministerdes Innern est, daß es sich lediglich um eine inner- dienstliche Anweisung an die Polizeibehörden handelt, durch die auf Grund der vorhandenen Rachweisungen d l e Z a h l der österreichischen Staatsangehörigen in Deutschland ermittelt werden soll. Etwa darüber hinausgchende, besondere Anordnungen örtlicher Behörden wurden entsprechend berichtigt.
Nationalsozialismus ist Lebensbejahung.
Dr. Leh spricht auf einer Kundgebung der Deutschen Arbeitsfront.
Berlin, 17. Jan. (DNB.) Eine große Kundgebung aller Arbeitgeber uitd Arbeitnehmer des Nahrungsmittel gewerbes in der Deutschen Arbeitsfront fand am Mittwochabend im Sportpalast statt. Die Fachschaften der Bäcker, Konditoren, Brauer, Bötticher, Fleischer, Müller, Süßwaren und Gaststätten waren z. T. in ihren Berufskleidungen erschienen. In einer Rede erklärte ber Führer ber Deutschen Arbeitsfront Dr. Ley u. a.: Was wir heute erleben, ist ber Umbruch einer Na- tion unb die Revolution des einzelnen Menschen. Die Vergangenheit hatte als Grundmotiv die Lebensverneinung. Das galt für die Parteien und für die Weltanschauungen, die heuchlerischen Bußprediger und Asketen, die Prediger des Klaf- ynhasses, die Spießbürger und ewigen Besserwisser, die allein vom Volk profitieren wollten, die ober die Verantwortung scheuten, sie alle waren Träger der Lebensverneinung. Das Volk hatte keinen Glauben und keine Hoffnung mehr. Es haßte das Leben und die Nation Die Schuld an der Arbeitslosigkeit lag zum guten Teil in der Lebens- oerneinung unseres Volkes. Der Nationalsozialis- mus ist die Lehre der Lebensbejahung, der Treue und der Kameradschaft. Was Helsen alle Verträge — das hat uns die Vergangen- heit bewiesen — wenn sie von Menschen gemacht werden, die beim Abschluß dieser Verträge nur den einzigen Gedanken haben, den nämlich, wie sie die Verträge hintergehen können! (Stürmischer Beifall.) Andere Menschen müssen wir in unserem Volke heben, neue Volksgenossen. Wir werden den Unanständigen für alle Zeit ausrotten. Stellen Sie sich einmal vor: Einem Betriebsführer wird vom Ehrengericht das Recht aberkannt, feinen Betrieb weiterzuführen! Ein einziger Spruch dieser Art hilft mehr, als alle Tarifverträge! (Lebhafte Zustimmung.) Hinzu kommt das Gewissen ber Partei. Die beste Vertretung jedes deutschen Menschen ist die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Sie wird auch darüber wachsen, daß dieser aus Kameradschaft geborene unb von Treue getragene Sozialismus niemals mehr in unserem Volke untergeht.
Wandlung des Strafrechts.
Ein Bortrag des Staatssekretärs Freister.
Berlin, 16.Jan. (DNB.) In der Berliner Universität gab auf Einladung der Verwaltungs- a fa.be mie ber Staatssekretär im preußischen Justiz, Ministerium Dr. Freister einen Ueberblick über die nationalsozialistische Strafrechtsauffassung. Gerade ber aktivistische Teil des deutschen Volkes habe die Strafrechtspflege zum Gegenstand massiver Angriffe gemacht, weil ber frühere Staat, der nach feiner Grundeinstellung alle mit gleichem Maße habe messen müssen, in der Rechtsprechung, ber Gesetzgebung und ber Verwaltung diese Grundsätze bewußt verlassen habe. Diese innere Unwahrhaftigkeit habe sich vor allem gezeigt in der Schonung der Hintermänner in den Korruptionsprozessen, in ber schleppenben Verhandlung unb in ber unzulänglichen Strafvollstreckung. Ein Teil biejer Kritik sei heute unberechtigt. Dafür sei b i e Gefahr einer f o r m a l ist i s ch e n Objektivität aufgetaucht, die bekämpft werden müsse. Das materielle Strafrecht sei volks- und artfremd und müsse von Grund auf gewandelt werden. Das alte Strafrecht enthalte nichts vom Geiste ber Front, nichts vom Soldatischen. Er habe keine sittliche Grundlage, es sei nur der Wertmesser der Wertlosigkeit. Erst wenn das Rechtsgut verletzt gewesen sei, habe das Recht ein- I gegriffen. Das nationalsozialistische Strafrecht müsse dort anknüpfen, wo das verbrecherische Treiben erkennbar werde, die Reaktion auf das Verbrechen da beginnen, wo das Leben unb der Arbeitsfriede des Volkes angegriffen werde. Das Strafrecht müsse sich gegen den gefährlichen Willen und nach Maßgabe ber Gefährlichkeit dieses Willens ent- wickeln. Minderwertigkeit dürfe nicht entlastend, son- bern müsse belaftenb sein. Wenn der Nationalsozialismus wirklich die Rückkehr zum eigenen Ich des Volkes fei, bann gebe es keine Einzelgüter, bann müsse bas gesamte Strafrecht unter der einen Anschauung stehen: Das Strafrecht ist vom Volk auf gestellt, um sein Leben zu sichern. Es müsse verlangt werden, daß ber Richter, nicht an die theoretische Norm gebunden, auch bann verurteilen könne, wenn lediglich ber Grundsatz des Tatbestandes zum Ausdruck gekommen fei.
Nie Beschränkung des Hochschulstudiums.
Berlin, 17. Jan. (VdZ.) Nachdem der Reichsinnenminister für 1934 die Zahl ber Reifezeugnisse für bas Hochfchulftubium auf 15000 begrenzt hat, ist es bem einzelnen Lanbe überlassen worben, die ihm zugewiesene Zahl auf die einzelnen Schulan st alten entweber voll umzulegen ober einen Ausgleich unter den einzelnen Anstalten herbeizuführen. Die Länber werben sich in fünefter Frist zu entscheiben haben, welchen Weg sie gehen wollen. Der sächsische Staats- Minister Dr. H a r t n a cf e, einer ber Vorkämpfer der jetzigen Maßnahmen, betont, daß er schon vor Jahren vorgeschlagen habe, einheitliche Auf- g a b e n zur Ermittlung ber geistigen Fähigkeiten gleichmäßig über bas Land ben angehenden Abiturienten zu stellen unb biefe Arbeiten einheitlich auszuwerten. Daburch werbe ein klares Bild gegeben, welchen Schulen man unbedenklich eine höhere Quote zubilligen dürfe und welchen man die Quote stark beschneiden müsse. Die entscheidende Auswahl sei bann Sache der Schule ober beg Prüfungskommissars. Der Minister hat in <5ad)fen bereits angeorbnet, ben Oberprimanern brei Arbeiten aufzugeben. Aus ben bisherigen Ergebnissen zieht ber Minister den Schluß, daß alle Aufmerksamkeit darauf gerichtet fein müsse, die befonbere Lage ber einzelnen Schulen richtig zu erfassen. Es komme barauf an, die Fähigen zu gewinnen unb die Nichtfähigen von ber Hochschule fernzuhalten. In ben Ländern, in denen man einheitliche Vor- sichtungsarbeiten nicht gestellt habe, werbe man Prüfungskommissare abordnen, die jeweils bie Prüfungen regional zusammengehöriger Schulen zusammenfassenb zu leiten haben. Wenn es in ber- selben Großstabt vorkommen könne, baß bei ber einen Schule 85 v. H. der Oberprimaner bie Hochschulreife hätten, bei einer anberen nur 18 v. H., so baß bort 82 v. H. ausgemerzt werben müßten, bann werbe man wohl balbigst von bem Verfahren einer mechanisch gleichmäßigen Umlegung abkommen unb zu inbivibueller Anpassung ber Reiflingszahlen an ben tatsächlichen Bestanb an Geeigneten kommen müsse.
Nie Reichsbahn wird auch den Betrieb der Autobahnen übernehmen.
Der Reichskanzler empfing die leitenden Ingenieure der Neichsautobahn.
Berlin, 17. Jan. (DNB.) Anläßlich einer vom Generalinspektor für bas beutsche Straßenwefen Dr. Tobt nach Berlin einberufenen Tagung würben die leitenben Bauingenieure unb bie D i - rektorenderReichsautobahnvom Führer in ber Reichskanzlei empfangen. Der Reichskanzler, auf dessen Weitblick unb Jni- tiatioe bie Verwirklichung bes großen Planes ber Reichsautobahnen zurückzuführen ist, betonte in einer Ansprache bie Bebeutung ber gewaltigen, verantwortungsreichen unb schönen Aufgabe, bie ben am Bau ber Reichsautobahnen beteiligten Ingenieuren übertragen fei. Der Reichskanzler wies bann befonbers barauf hin, baß die D e u t f ch e Reichsbahn, ber er ben Bau ber Reichsautobahnen übertragen habe, auch beren Betrieb über- neh m e n solle. Daburch werbe bas große e i n • -eitlicheVerkehrsunternehmen gefchaf- en, bas die nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zweckmäßig st e Verwendung ber Transportmittel Auto unb Eisenbahn gewährleisten werde, wenn in sechs bis acht Jahren ein großmaschiges Netz von Reichsautobahnen über Deutschland gezogen fei, werde bie Nützlichkeit eines Sy- tejns hinbernislofer Kraftwagenbahnen erkannt werben. Schon heute fei ber Bau ber Reichsautobahnen von größter Volkswirtschaft- sicher Bebeutung als eines ber wirksamsten Mittel un Kampf gegen bie Arbeitslosigkeit, zumal im Straßenbau auch ungelernten Arbeitern m größerem Maße Arbeit unb Brot gegeben werden könne. 8 y
Generalbirektor Dr. Dorpmüller berichtete dem Reichskanzler über einige in ber letzten Zeit getroffene wichtige Maßnahmen zur Vorbereitung der Ausführung des Reichsautobahnnetzes. Bei der Tagung der Fachleute bes beutfchen Autobahnbaues rourbe über bie wichtigsten technischen Fragen der Anlage unb der Ausführung der Reichsautöbahnen in ausführlichen Referaten berichtet.


