Oer Tag -er Polizei
in der Unrast der Zeit werden.
O. S.
zum Sonntag gegen 2 Uhr er- der äußeren Frankfurter Straße,
Vielfach mißverstanden und in seinem Wirken verkannt, steht der unbekannte Polizei- beamte Tag und Rächt bei Wind und Detter treu und schlicht auf seinem Posten, um den Volksgenossen vor Schaden und Unheil zu bewahren. Er ist sogar verpflichtet und bereit, sein Leben in die Wagschale zu werfen, wenn es gilt, den redlichen Volksgenossen zu schützen.
Er ist immer im Dien st und auf der Dacht für dich, deutscher Volksgenosse!
Am 18. und 19.Dezember zum Tag der Polizei ist ihm von oberster Reichsstelle die Verpflichtung übertragen, sich in den Dienst des deutschen Dinterhitfswerks zu stellen. Lr hat ohne Zaudern diese Pflicht übernommen durch eigenes Opfer aus den eigenen nur fchmalen Mitteln, aber auch durch Sammeltätigkeit in feiner knappen Freizeit bei den Einwohnern und in den Geschäften, halte daher feder etwas bereit an Päckchen mit brauchbaren oder genießbaren Sachen und eine Spende für die Sammelbüchse. Der Beamte sammelt nicht für sich, sondern für die n o t l e l d e n d e n Volksgenossen im Rahmen des Winterhilfswerks 1934/35. Durch erhöhte Hingabe an den Dienst am Volke wird der „Schuh"mann feinen Dank für eure Spende abstatten.
Einwohner der Stadt! Sorgt durch eure Spende und Opfer dafür, daß auch der Tag der Polizei in Gießen für das Winter-
Schwerer Verkehrsunfall in der Frankfurter Straße.
Der Lobedachor, der an dieser Offenen Singstunde beteiligt sein wird, soll so in die Gemeinschaft einbezogen werden, daß er der Idee ganz untergeordnet ist. Im Wechselsingen zwischen Chor und Volk, mit und ohne Instrumente, in mehrstimmigem Satz, einstimmig und im Kanon, sollen teils wohlbekannte alte und neuere Weisen ohne große Mühe erarbeitet und gesungen werden. Wir erwarten von den Teilnehmern viel innere Bereitschaft und etwas Weihnachtsvorfreude. So wird der Abend ein Gewinn für Gemüt und Seele mit- ten ’ *■ " " ' " "
der Nacht zum Sonntai ~ **' eignete sich in l " ; . v_____,_____ _
in der Nähe der Straßenkreuzung „Am Steg", ein furchtbares Verkehrsunglück, dem leider ein junges Menschenleben zum Opfer fiel, während ein anderer junger Mann schwer verletzt wurde. In der Nahe der vorgenannten Straßenkreuzung hatte ein Fernlastzug aus Kassel, der nach Weinheim unterwegs war, für kurze Zeit halt gemacht. Der Anhänger des Motorwagens war nicht beleuchtet, da die beiden Fahrzeuge im Lichtkreis einer Stra- ßenlampe gestanden haben sollen; inwieweit diese Behauptung zutreffend ist, muß ekst noch genau festgestellt werden. Das Personal des Fernlastzugs befand sich auf dem Sitz des Vorderwagens. Auf den Anhänger des Motorwagens fuhr ein mit zwei jungen Leuten aus Dutenhofen besetztes Motorrad m so großer Geschwindigkeit von hinten auf, daß die rückwärtige Holzwand des Anhängers von dem Kopfe des Motorradfahrers glatt durchschlagen wurde. Bei diesem furchtbaren Zusammenprall erlitt der Führer des Motorrads, der 22 Jahre alte Alfred Loh aus Dutenhofen, einen schweren Schädelbruch, an dem er kurz nach seiner Einlieferung in die Chirurgische Klinik verstarb. Sein Mitfahrer, der 19 Jahre alte Friedrich Hahn aus Dutenhofen, wurde gleichfalls schwer verletzt und besinnungslos in die Klinik eingeliefert, wo er noch ohne Besinnung darniederliegt. Die Polizei nahm
Hilfswerk ein voller Erfolg wird, der dem Ergebnis am Tage der Solidarität sich würdig zur Seite stellen kann.
Gießen, 15. Dezember 1934.
hessische Polizeidirektion.
Heine, Polizeidirektor.
Fackeizug und Platzkonzert.
Die Polizeidirektion Gießen teilt uns mit:
Aus Anlaß des Tages der Polizei findet am Dienstag, 18. Dezember, 17 Uhr, von der Polizeibeamtenschaft und dem Sonderkommando ein Fackelzug mit Zapfen st reich gemeinsam mit der SA.-Kapelle statt.
Marschweg: Aufstellung Landgraf-Philipp- Platz, alsdann Marsch durch die Brandgasse — Kirchenplatz — Markt — Mäusburg — Seltersweg — Horst-Wessel-Wall — Bahnhofstraße — Neustadt —■ Oswaldsgarten, woselbst alsdann drei Musikstücke zum Vortrag kommen.
Abmarsch: hitlerwall, Landgrafenstraße, Land- graf-Philipp-Platz, wo Auflösung erfolgt.
Am Mittwoch, 19. Dezember, 18 bis 19 Uhr, findet durch die Reichswehrkapelle ebenfalls aus Anlaß des Tages der Polizei am hettlereck ein Platzkonzert statt.
Zu dem von der Polizei an dem Tage der Polizei stattfindenden Fackelzug nebst Platzkonzerten wird die gesamte Einwohnerschaft Gießens herzlichst oin- gelcrden.
Heine.
unmittelbar nach dem schweren Unfall die hingen auf. Das Motorrad ist bei dem Zusani prall völlig zertrümmert worden. Im Auae^'' des Unglücks befanden sich auch zwei Perlv,^
i kraftwagen unmittelbar an der Unfallstelle ob , inwieweit diese beiden Kraftwagen in irqenbei- Zusammenhänge mit dem Unfall stehen, i. Z ? blenden oder nicht, steht bis zur Stunde noch fest. Die polizeilichen Ermittlungen sind im
Revision im Mordprozeß Ortwein
Gegen das Todesurteil, das von dem fr, hessischen Schwurgericht gegen die Gattenmör^' Frau Ort wein aus Kaulstoß in der vor? Woche gefällt wurde, hat die Verteidigung ? Rechtsmittel der Revision eingelegt. y Ausstellung von Schülerinnenarbei »
der Alireschule.
Von den Schülerinnen im Weißnähen v Schneidern der Aliceschule wurden nach übli.4 Brauch die in der vorweihnachtlichen Zeit ns I fertigten Arbeiten zur Schau gestellt. Es sind 11 zahlreiche und mannigfaltige Sachen zu sehen I die 14- und 15jährigen berufsschulpflichtigen Mäd-1 teils aus neuem, teils aus altem Material btjl stellt oder geändert haben. Die Leiterin der 1 tcdung für Weißnähen, Fr. Kellner, hat t Mädchen zu vielseitiger, erfolgreicher Arbeit er At und viele Dinge des täglichen Gebr^ schaffen lassen, hakel- und Strickarbeiten, ver-^ und besetzte Unterwäsche, Tischdeckchen, EiM klssen usw. zeugen von der Hingabe der Sct/ rinnen an die Sache. Auch die schwerer aiw- tigenden Herrenhemden in vielen Macharten sb ausgelegt. Ein kleiner Ausschnitt aus dem tbe tstchen Unterricht zeigt den Werdegang von i Idee zum Entwurf und zum Schnittmuster L üarbe wird große Aufmerksamkeit geschenkt.' ", älteren, in der Abteilung Schneiderei beschäfti g Schülerinnen weisen ihre Handfertigkeiten in Anfertigung von Kleidungsstücken nach. Vom ß fachen Hauskleidchen, vom Komplet bis zum fdn rig anzufertigenden Modekleid sieht man mit 1*. Geschmack gefertigte Arbeiten. Mit Vorliebe U öie Mädchen aus schwarzen Eisenbahnermär> eigene Kostüme oder Mäntel geschaffen, Handschuhe und kleidsame Hütchen sind nicht tu-
Viel Freude macht ein von der Leiterin^ !ung, Frl. W e st p h a l, entworfenes -i Gardinenstoff angefertigtes Maskenkostüm. Bei i den Arbeiten wurden auch für die Winterhilfe 31® anfertigungen oder Umänderungen vorgenomm Im ganzen gesehen ist die Ausstellung ein tüchtiger Arbeit, die mit einfachem Materials! sparsamen Mitteln der zukünftigen Hausfrau : Mutter aus der Enge des Alltags und den? schränkungen, die eine schwere Zeit uns auferle:: Wege zum freien Spiel der Kräfte und zur freute an der eigenen Tat weist.
Ostdeutscher Heimatabend.
Die im Bund heimattreuer Schlesier vereinig!^ ostdeutschen Landsleute hatten ihre Dezembr: Versammlung zu einem ostdeutschen Abend gebaut, mit dem sie eine Kinderbescherung w banden. Zu diesem Abend waren im Vereinsle ! Hotel Köhler auch auswärtige Mitglieder erschiene Nach einer Kaffeetafel, für die reichliche «Sperrt# rorlagen, wurde die Kinderbescherung durch gernrr am gesungene Weihnachtslieder und den Vorb.< von Gedichten und einer Weihnachtslegende m bereitet. Die Landsleute Bertha und Ernst Mojp erfreuten durch ein weihnachtliches Melodram, bt;t große Freude auslölte. Vereinsleiter Roftor/ prach einige besinnliche Worte über den im Dfttra msgeprägten Sinn des weihnachtlichen Familik'i estes. Er ermahnte weiter zu engerem Zusamme k chluß und tatkräftiger Mitarbeit. Den fiinbtr konnte dank reichlich zugeflossener Spenden ot;? giebig beschert werden. Im zweiten Teile des Atm! - wurde durch Lieder, Gedichte und Sagen her r1 deutschen Heimat gedacht. Vom Ostseestrand, ' das Weichselgebiet und Danzigs hansastadt, e
raden zu Wiedersehensfelern zusammen, die 1925 zum ersten großen Heimatfest, dem „Braunfelser Tag", führten. Schleifer betonte damals in seiner Begrüßungsrede, das Gelingen dieses Heimatfestes fei ein erhebendes sicheres Zeichen des Gefühls der Zusammengehörigkeit eines Volkes von Brüdern, ein Gelöbnis, in gleicher Liebe Kinder einer Heimat und eines Vaterlandes zu sein. Der zweite Heimattag fand noch größere Beachtung und wurde wieder in echt deutscher Weise gefeiert. Der nächste „Braunfelser Tag" soll voraussichtlich 1935 stattfinden.
Herr Schleifer ist Mitbegründer und derzeitiger Vorsitzender der „Vereinigung gelbe Brigade Wetzlar-Dillenburg", die sich aus Angehörigen der ehemaligen Regimenter 112/142 aus Mühlhausen i. E. zusammensetzt, gehört der Technischen Nothilfe in Gießen als förderndes und einigen Militärvereinen als Mitglied an. Seit 15 Jahren ist er treuer Leser des „Gießener Anzeigers".
Oer Silberne Sonntag.
Das günstige Wetter am gestrigen Silbernen Sonntag brachte unserer Stadt wieder einen außerordentlich umfangreichen Verkehr. Die Reichsbahn fuhr alle planmäßigen Züge bis zur Höchstlast verstärkt, zum Teil mußten die Züge sogar mit Vorspann gefahren werden, um die Volksgenossen aus der Umgegend hierher zu bringen. Der gleiche starke Zugbetrieb war bei der Heimfahrt festzustellen. Die Kraftomnibusse aus den verschiedenen Orten der Umgegend fuhren gleichfalls mit höchster Belastung, die Straßenbahn von Wieseck her mußte sogar Wagen einlegen, um dem Andrang Genüge leisten zu können.
Bereits von der Mittagsstunde an war Großverkehr in den Geschäftsstraßen. Je weiter die Zeit vorrückte, desto stärker wurde der Betrieb. Im Seltersweg, am Kreuzplatz, in der Mäusburg und ouf dem Marktplatz wogte eine dichte Menschenmenge auf und ab, aber auch die angrenzenden Geschäftsstraßen waren von den Interessenten des Weihnachtsgeschäfts sehr stark besucht. Erfreulicherweise konnte man feststellen, daß auch gestern wieder in sehr starkem Umfange gekauft wurde, während gleichzeitig die Inaugenscheinnahme der vielen reizvollen Schaufensterauslagen sehr lebhaft war. Man konnte als Beobachter weiter bemerken, daß diesmal auch solche Waren wieder erheblich gesteigertem Interesse begegneten, für die in früheren Jahren infolge der damaligen ungünstigen Verhältnisse keine Neigung bestand, ein Beweis dafür, daß die Kaufkraft in weiten Bevölkerungskreisen auch dem Erwerb von Gegenständen zugute kommt, die nicht unmittelbar zur Befriedigung der unabweisbarsten Lebensbedürfnisse dienen.
Als Gesamtergebnis kann man berichten, daß der Silberne Sonntag im großen und ganzen wohl den Erwartungen aller Geschäftsinhaber entsprochen hat und ein wichtiger Beitrag zur Wiederbelebung unseres heimischen Wirtschaftslebens geworden ist. Erfreulicherweise wickelte sich der Massenverkehr in allen Teilen ohne Reibungen und Störungen ab.
Rund 2000 Weihnachtsspendenpakete für Offenbach.
Am gestrigen Sonntagvormittag wurden von den Gießener Ortsgruppen der NSV. insgesamt rund 2000 Pakete mit Weihnachtsspenden für hilfsbedürftige Volksgenossen in Offenbach a. M. von hier zum Versand gebracht. Die Amtswalter der Ortsgruppen stellten sich in aufopferungsvoller Weise für die Beförderung der Spendenpakete zur Verfügung. Mit Lastkraftwagen oder mit Fuhrwerken der Reichswehr wurden die Pakete zum hiesigen Erlgüterbahn- hof gebracht, dort in Güterwagen verladen und dann nach Offenbach geschafft. Neben dieser Spende aus der Stadt Gießen stehen noch große Spenden an Weihnachtspaketen aus den Landorten des Kreises Gießen, die von den einzelnen Ortschaften aus direkt nach Offenbach geschickt wurden. Die. Zahl der auf diese Weise übermittelten Spendenpakete ist bis jetzt hier noch nicht bekannt. Mit diesen Spenden haben unsere Volksgenossen in Stadt und Kreis Gießen erneut den Beweis geliefert, das sie im
Geiste des Führers praktische Hilfsbereitschaft pflegen und vorbildlichen Sozialismus der Tat zu erfüllen bereit sind.
NSL8. Gießen-Land.
Eine Konferenz des NS.-Lehrerbundes Gießen-Land findet am kommenden Mittwoch, 19. Dezember, 15 Uhr, im Hotel Köhler in Gießen statt. Zu der Versammlung find die Mitgliedskarten der Partei und des NSLB. mitzubringen. Am Erscheinen verhinderte Mitglieder haben die entsprechenden Angaben über den Eintritt und die Mit- gliedsnummer zu beiden Organisationen einem Kollegen mitzugeben. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag über Morgengymnastik in der Schule, ferner wird über Verschiedenes verhandelt werden.
Das Offene Weihnachtssingen,
das von der NS.-Gemeinfchaft „Kraft durch Freude" veranstaltet wird, findet, wie schon mehrfach angekündigt, am kommenden Donnerstag, 20. Dezember, um 20.30 Uhr, bei freiem Eintritt in der Aula des Gymnasiums statt.
Es soll der Versuch gemacht werden, für einen Abend eine Singgemeinschaft zu bilden, der die alten, serndeutschen Weihnachtslieder für zwei Stunden zum gemeinsamen Erlebnis werden. Gerade das Weihnachtsfest, an dem einmal alle Hast für kurze Zeit verstummt, wenn Heimatliebe, Chri- stenliebe, Menschenliebe unsere oft so harten Her- Zen erweicht, ist von einem Singen und Klingen umgeben, in dem das deutsche Gemüt in seiner gesunden, kindlichen Art zum Vorschein kommt. Bei arm und reich, in Stadt und Land, in Haus und Kirche ertönen beim Kerzenschein die einfachen Weihnacktsweifen innig und froh und schließen im Lied unser Volk zu einer Gemeinschaft zusammen, über die nicht geredet zu werden braucht. Aus dieser Gesinnung heraus und mit diesen Gewißheiten in der Seele wollen wir versuchen, unser Offenes Weihnachtssingen zu gestalten. Alle sind deshalb eingeladen, denen das echte deutsche Weihnachtslied Herzensangelegenheit ist.
MMMVEm.
Vornan von Rainer Ielden.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Turme-Verlag, Halle (S.)
17. Fortsetzung. Nachdruck oerbotenl
Der Hauptpostdirektor war einigermaßen erstaunt, als er durchs Telephon von Mac Lean angerufen wurde:
„Hören Sie, lieber Mister Surboum, ich möchte Ihnen nur sagen: es wird ein Monteur zu Ihnen kommen; Ihre Lichtleitung ist kaputt."
„Was für ein Unsinn, Mac Lean — bie funktioniert ausgezeichnet."
„Ich sage Ihnen, sie ist kaputt. Lassen Sie bitte den Monteur, der sich unter dem Namen Dumbee melden wird, vor."
Kopfschüttelnd hing der Direktor ab. Ein paar Minuten später kam der Diener herein.
„Sie haben einen Monteur bestellt, Mister Surboum?"
„Jawohl, hier am Schalter meiner Schreibtischlampe ist etwas nicht in Ordnung. Lassen Sie den Mann hereinkommen — ich möchte die Angelegenheit gleich erledigt haben."
Erstaunt sah Surboum auf den Monteur, der mit einem bescheidenen Gruß hereinkam. Aber noch erstaunter war er, als, nun die Tür sich hinter dem Diener geschlossen hatte, der Monteur mit Mac Leans Stimme sagte:
„Guten Tag, Direktor! Nun, wo haben Sie meine Liste?"
Surboum sah Mac Lean geradezu ehrfurchtsvoll an.
„211(0 großartig, Mac Lean! Wenn ich Ihre Stimme nicht kennen würde, ich hätte geschworen, ich hätte Sie noch nie gesehen."
„Na, dann ist es ja recht."
Mac Lean setzte sich hin.
„Na, das ist ja ein dickes Buch geworden", sagte er. „Herrgott, was die Leute in London so zusammentelegraphieren! Unheimlich!"
Und dann prüfte er aufmerksam die Namen. An einer Stelle hielt er inne.
."Hoben Sie es?" fragte Surboum. Die geheim- msvolle Sache Mac Leans begann ihn zu inter- effteren. °
„Vielleicht!" Mac Lean war auf einmal sehr lakonisch. „Sagen Sie, Direktor, haben Sie vielleicht ein neues Kursbuch hier?"
„Natürlich hier bitte! Liegt immer griffbereit auf meinem Schreibtisch. Ich muß ja sehr oft zu Inspektionsreisen in die Provinz."
Mac Lean blätterte.
„Ach, hier haben wir es ja!" Mac Lean stand eilig auf.
.„Ich danke Ihnen vielmals, Direktor. Ich habe keinen Augenblick zu versäumen, wenn ich heute noch erreichen will, was ich mir vorgenommen habe."
9. Kapitel.
2ln dem Fahrkartenschalter, an dem man die Fahrkarten in Richtung Lominghton erhielt, war wenig Betrieb. Lominghton war ein kleines Nest. Offenbar fuhren wenig Leute von dort nach London und wieder zurück. Ein Monteur ging langsam durch die Halle des kleinen Vorortbahnbahnhofs. Er schien noch Zeit zu haben, denn er musterte langsam und gemächlich die aufgehängten Fahrpläne sowie die wenigen Reisenden, die jetzt die Halle durchquerten. Dann setzte er sich auf eine Bonk, die dem Fahrkartenschalter benachbart war.
„Nach Lominghton", hörte er eine Frau sagen, bann einen Mann eine Karte nach einem anderen Ort verlangen.
Endlich tarn ein junges Mädchen. Man sah ihr die Kleinstädterin an.
„Ein Billett nach Lominghton", sagte sie und kramte umständlich den Betrag aus ihrem abgeschabten braunen Portemonaie.
Wann geht denn der Zug nach Lominghton, gramem? fragte der Monteur und zog höflich die Mutze von dem Kopf.
„In einer Viertelstunde", sagte das Mädchen. Dann rief sie aufgeregt: „0 Gott, o Gott, da muß ich mich ja beeilen."
„Aber warum denn, Fräulein? Da haben Sie ja noch lange Zeit."
Jlber bas junge, aufgeregte Mädchen hörte gar P’rk ®,e ^ckte ihr Portemonnaie m ihre fjanb« lösche zurück, ergriff einen kleinen Koffer, ben sie abgestellt hatte, unb rannte davon.
Der Monteur schaute sich einen Augenblick schnell nach recht und links um. Niemand war mehr in der Halle. Er war offenbar der letzte.
„Ein Billett nach Lominghton bitte!" sagte er 3U dem Schalterbeamten. Dann ging er gemächlich dem Bahnsteig zu.
Der Lokalzug nach Lominghton war schwach be- ‘ , omr schon Abend. In dem knapp besetzten Abteil saßen nur ein paar Leute, die offenbar in einem der kleinen Orte rechts ober links beheimatet waren, ferner ein paar Landleute und kleine Rei- sende Der Monteur schlenderte langsam auf dem Bahnsteig hin und her. Er schaute unauffällig in tue verschiedenen Abteile und konnte sich'offenbar nicht recht entschließen, wo er einsteigen sollte. Da sah er an dem Fenster des einen Abteils das junge Mädchen von vorhin sitzen. Lächelnd zog er wie- oer seine Mütze unb stieg bann elastisch die zwei Stufen hinauf:
„Ist es erlaubt, Miß?" sagte er unb stellte seinen Monteurkasten in bie Ecke.
„0 bitte!" Das junge Mäbchen rückte ein wenig 3ur Seite. „Hier ist ja Platz. Ich hatte nur Angst, der Zug wurd» mir fortjahreiU"
„Nein, nein, Miß, er wartet, bis wir ba sind. Nicht viel Verkehr hier auf der Strecke — nicht wahr?"
„Ach nein, das find ja auch alles hier nur kleine Nester in der Umgegend. Wer soll da wohl schon hinfahren? Ja, London — das ist doch was anderes ..."
Ihre hübschen braunen Augen bekamen einen sehnsüchtigen Schimmer.
„Sind Sie so gern in London, Miß?" lächelte der Monteur.
„Ach, schrecklich gern. Ich finde London zu schön. Ich wollte, ich könnte immer dort sein."
„Na, und warum können Sie denn das nicht?"
„Aber ich habe doch meine Eltern in Lominghton", lachte das junge Mädchen.
„Nun ja, nun ja! Aber wer so hübsch und reizend ist wie Sie, Miß, der wird ja schließlich nicht ewig bei den Eltern hocken. Der wird ja mal heiraten. Haben Sie vielleicht schon einen Bräutigam?"
Die Kleine wurde dunkelrot, schüttelte den Kopf.
„Also Sie haben noch keinen — das ist aber nett!" 1
„Wieso nett?"
Sie blickte unter der gesenkten Stirn halb scheu, halb kokett zu ihm auf.
„Na, weil ich das eben nett finde. Und wissen Sie, wenn ich Sie wäre, so würde ich einmal nur einen Mann heiraten, der aus London stammt."
„Sind Sie aus London?" fragte die Kleine schnell und wurde im gleichen Augenblick feuerrot. Sie merkte wohl, was sie unbeabsichtigt mit dieser Frage gezeigt hatte.
„Jawohl, Miß, ich bin aus London. Und sehen Sie, das freut mich jetzt besonders. Ich möchte nämlich mal eine Frau heiraten, die nicht aus London ist. Die Londoner Girls, die sind mir zu verputzt und zu anspruchsvoll! Aber so ein nettes junges Mädchen aus einer kleinen Stadt — das wäre doch so etwas. Na, und wenn's nun eine wäre, die gerade auf London versessen ist, bas märe herrlich."
Und damit rückte er ein bißchen näher.
Die Kleine atmete schneller. Sie schien sehr verlegen, sprang auf, stellte sich ans Fenster.
,Zch möchte bloß mal sehen, ob nicht dort jemand aus Lominghton mitfährt."
In diesem Augenblick hörte man die letzte Tür an einem der Abteile zuschlagen. Der Stations- beamte hob die Scheibe. Ein leises Zischen von der Lokomotive — ein Ruck — der Zug begann sich in Bewegung zu setzen und fuhr an.
„Na, sehen Sie, Miß, da ist keiner mehr gekommen. Hätt' mir auch richtig leib getan, wenn untere Unterhaltung gestört worben wäre. Ist wohl ein sehr kleiner Ort, dies Lominghton?"
„(Sehr klein", sagte bas junge Mädchen. ,Lm Sommer ist ja manchmal was los — da find oft
^lfPaar Sommergäste da zum Angeln ober i „Sind denn sonst Sehenswürdigkeiten dort, W 1 Dann würde ich sie gern einmal anschauen. habe in der Nähe, in Middleford, zu tun."
„2lch, bas liegt ja in ber Mitte zwischen Nr gote unb Lominghton", unterbrach die Kleine b(-' Monteur schnell.
„Ja, genau in der Mitte, Miß. Ich habe es mir i auf der Karte angesehen. Und ich weiß nun eigen«1 ■ lich nicht recht: Soll ich in Haringote Wohnun:: nehmen oder in Lominghton?"
„Ach, dann wohnen Sie doch bei uns", sagte bii! Kleine und warf ihm einen warmen Blick zu. „Mei° । Vater hat nämlich ein Gasthaus in Lominghton. Sie würden bei uns gut unterkommen. Unb teuer • sind wir auch nicht. Das heißt, wenn Sie vielleuv i lieber woanders wohnen wollen ..."
„Aber wo denken Sie hin, Miß! Selbstverfmd' ■ lich wohne ich bei Ihrem Vater. Das ist ein nett« > Zusammentreffen."
Er griff nach ihrer Hand und drückte sie ■
„Und wissen Sie was? Am Sonntag, wenn i® nicht arbeite, da machen wir beide zusammen t'nen Ausflug."
Die Kleine lachte:
„Sie sind aber schnell, Mister, Mister.
„Ach, entschuldigen Sie, Miß. Ich
Ihnen noch gar nicht vorgestellt. Ich heiße S)Qn fon — Archie Harrison ..."
„Ein hübscher Name, Archie!" meinte die -
„Das ist aber nett von meiner Mutter, batz n mir einen Namen gegeben hat, der Ihnen Miß."
Er lachte sie fröhlich an. „Aber nun seten =■ lieb und sagen Sie mir, wie Sie heißen."
„Kate Both heiße ich, Mister Archie!" .
„Kate Both!" Er sagte es vor sich hin. Es wie ein Streicheln in seiner Stimme. Uno junge Ding fühlte es wohl.
„Na, das wird schön werden, Fraulein * ' wenn wir beide miteinander am Sonntag Sagen Sie, welche Herrlichkeiten in der Umgeg^ Ihres kleinen Lominghton werden Sie mir D zeigen!?" . « ।
„Ach, da können wir erst einmal in Die o Hills", meinte Kate überlegend. „Da ist W ’ p ner Wald. Da ist auch ein großer Dierpor dem Herzog von Durshire. Schade, daß man nicht mehr Black Castle besuchen kann.
„Black Castle? Was ist denn das?" Dßn
„Ach, das ist ein kleines Schloß am^En Forrey Hills. Es gehörte früher dem Herz h ^r,, Durshire. Es wurde bei größeren Jagden zur » ,
nachtung benutzt. Seitdem der alte Herzog ö ' t, ben und der junge drüben in Amerika ist, werden hier keine Jagden mehr aog Das kleine Schloß ist verkauft worden.
t Fortsetzung folgt!)


