MWUMSMelsl?
Vornan von Klothilde v. Stegmann.
18. Fortsetzung. Nachdruck oerboten!
Da hob Edelgard den schlanken Kristallkelch mit dem goldenen Wein und stieß mit Robby Herman an. Selbstvergessen ruhten die Augen der beiden Menschen ineinander — zärtlich, sehnsüchtig, in! heißer, verschwiegener Sehnsucht. Und dann legte! Edelgard den blonden Kopf zurück und trank wie eine Verdurstende das Glas bis auf den Grund leer.
Und als hätte der Wein alle Schwere, alle Angst | von ihr genommen, veränderte sich nun ihr ganzes | Wesen. Sie vergaß alles, was hinter ihr lag, vergaß, । daß morgen der graue Arbeitstag wartete, an dem sie nichts weiter war als eine kleine Sekretärin und der geliebte Mann der Chef, zu dem keine Sehnsucht die Brücke schlug.
Sie lebte nur in der Gegenwart. In dem Glück der heutigen Abendstunde. Ihre Augen begannen zu leuchten, ihr Lachen, erst schüchtern, wurde mutiger, sie strahlte förmlich von Lebensfreude und Heiter- ' feit. Sie scherzte und hatte auf jedes Wort Hermans eine heitere und übermütige Antwort. Und wenn er staunend fragte: „So kenne ich Sie ja gar nicht, | Fräulein von Dönitz — Sie sind ja eine ganz, ganz andere wie im Büro", so war immer nur ihre Antwort: „Heute ist es auch anders."
„Unfr schöner?" fragte er leise.
„Ja, schöner!"
Ihre Stimme war tief und glücklich; sie hörte sie nur wie von ferne. War es der Wein, der sie beschwingt? War es der Rausch des Glücks? Sie wußte es nicht. Und auch der Mann fragte nicht weiter; er gab sich dem süßen Zauber dieser Stunde hin.
Sie sahen nicht die Umwelt um sich — sie sahen nicht, wie ein dunkles, scharfgeschnittenes Gesicht eines eleganten Herrn zwischen den Türen des Verbindungszimmers auftauchte und finster spähend herüberblickte, um gleich darauf wieder zu verschwinden.
Erst als der Oberkellner leise mahnend hereinblickte, erwachten sie beide zur Wirklichkeit.
„Wir müssen gehen, Fräulein von Dönitz — man will schließen."
„Oh, schon?" Es klang wie von einem enttäuschten Kinde. Aber sie erhob sich sofort.
Und noch einmal die Fahrt allein mit dem Geliebten durch die Nacht. Nun ließ er den Wagen nur langsam fahren, als ahnte er ihren geheimen Wunsch, diese Fahrt zu verlängern.
Bald lag die Stadt hinter ihnen, die Waldchaussee nach Wannsee nahm sie auf. Die Sterne sahen groß und feierlich herab. Da wurde es auch Edelgard so still und feierlich zu Sinn. Sie wollte nichts, sie wünschte nichts mehr.
Er, den sie liebte, saß neben ihr, die Spannung und Kälte zwischen ihnen waren gewichen; auch schweigend fühlte sie, daß er ihr nahe war. Mehr konnte man vom Schicksal nicht verlangen.
Auch der Mann neben ihr empfand zum erstenmal wieder einen sanften Frieden. Seit Margaret hatte er sich entfernt gehalten von allen Frauen, hatte keiner geglaubt, hatte allen mißtraut. Nun in dem schweigenden Beisammensein mit Edelgard kam zum erstenmal jener süße Frieden über ihn, den eine Frau zu geben vermag. Wie gern hätte er gesprochen! „Halte diese Stunde fest!", mahnte es in ihm. „Sprich aus, was dein Herz erfüllt — zögere nicht?"
Dennoch schwieg er. Edelgard hatte sich ihm anvertraut — sie hatte einen Anspruch darauf, daß er sie sicher und ungefährdet heimbrachte. Wie ein, Ueberfall wäre es ihm erschienen, hätte er ihr jetzt von seiner Leidenschaft gesprochen. Alles war ja so jäh und überwältigend gekommen; er war kein bedenkenloser Junge, der sich einfach von seinen Wünschen treiben ließ. Das alles mußte bedacht und reiflich erwogen sein. Dann erst durfte er sich erklären. In den nächsten Tagen mußte er ohnehin geschäftlich ein paar Reisen zu den Filialen der Firma nach Frankfurt und München machen. Diese Tage sollten eine Prüfung seiner selbst bedeuten. Von Frankfurt aus konnte er dann an Edelgard l schreiben und, wenn sie fühlte wie er, ihre Mutter aufsuchen.
Wenn sein Haus fertig sein würde, so würde sich eine Begegnung ja doch nicht vermeiden lassen. Aber ehe er Edelgards Mutter aufsuchte, mußte alles klar sein.
„Wir sind da!" Edelgard erwachte aus ihrem Wachtraum. „Links, Herr Direktor, bitte, wenn Sie vielleicht hier halten wollen —"
Er bremste ab, sprang aus dem Wagen.
„Nun gute Nacht, Fräulein von Dönitz, und morgen schlafen Sie aus."
„Vielen — vielen Dank, Herr Direktor!"
Ihre Hand lag heiß in der seinen. Er beugte sich über diese kleine, zitternde Hand.
„Ich habe zu danken, Fräulein Edelgard. Auf gutes Wiedersehen!"
„Auf gutes Wiedersehen, Herr Direktor!"
Ihre Stimme war ganz leise; aber es schwang etwas darin von Liebe, von zartester Zärtlichkeit.
Das Licht im Treppenhaus des Kavalierhäuschens war schon längst erloschen, da stand Robby Herman immer noch da, an den Wagenschlag gelehnt, und schaute sehnsüchtig hinauf, wo ein einziges Licht in die Nacht leuchtete.
Und hinter der kleinen weißen Mullgardine verborgen stand Edelgard — ihr Herz war unten bei dem Manne dort in der Dunkelheit.
Am nächsten Tage trat Herman seine Reise an. Er hatte kurz zuvor noch eine Besprechung mit Studczynski, der die Lizenzabteilung für die Oststaaten bearbeitete.
Studczynski sollte ihn auch jetzt während der kurzen Abwesenheit vertreten. Studczynskis erster Blick fiel auf die geöffnete Tür und auf den Arbeitsplatz Edelgards. Er war leer.
„Fräulein von Dönitz ist für heute beurlaubt", sagte Robby Herman, der Studczynskis Blick gefolgt war. „Sie hat diese Tage sehr scharf arbeiten müssen, mehr als man gerechrerweise verantworten kann. Darum habe ich sie beurlaubt und wäre dafür, daß sie erst wiederkommt, wenn ich zurück bin. Sie haben ja Ihre eigene Sekretärin, Studczynski."
„Gern, wenn Sie es wünschen!" Studczynski machte eine kleine Pause; dann fuhr er etwas ironisch fort:
„Sind Sie immer so rücksichtsvoll gegen Ihr Personal, lieber Herman — oder nur in diesem besonderen Falle?"
„Was meinen Sie damit?", wollte Robby gerade scharf fragen; aber als er den leichten Spott um die Lippen Studczynskis sah, schwieg er. Es lag etwas Verstecktes in den Mienen des Polen; aber es war besser, es nicht zu beachten. Schließlich hätte er sich noch verraten — und es hätte Klatschereien im Werk gegeben. Die aber mußten um Edelgards willen vermieden werden.
So ging er über diese versteckte Anspielung hinweg und gleich zum Geschäftlichen über. Studczynski war ein glänzender Mitarbeiter und fand sich in den verschiedenen Akten ^ermans sogleich zurecht.
„Seien Sie ohne Sorge. Es wird während Ihrer Abwesenheit alles klappen."
Damit begab sich Studczynski in fein Arbeitszimmer zurück.
Robby Herman hätte gar zu gern Edelgard an- gerufen. Er mochte gar nicht fortfahren, ohne ihre liebe Stimme gehört zu haben. Aber vielleicht schlief! sie noch. Er mochte sie nicht stören, und so mußte | er darauf verzichten. Außerdem waren die zwei i Stunden bis zu seiner Abreise noch mit Geschäften aller Art angefüllt. Auch der Architekt, der sein Haus einrichtete, hatte noch tausend Fragen.
Robby nahm ihn im Auto mit zur Bahn, um noch alles mit ihm zu besprechen.
„Die Einrichtung für den Fremdenflügel des Schlosses haben Sie immer noch nicht bestimmt, Herr Direktor. Ich muß nun genaue Weisungen haben, um die Arbeiten beendigen zu können.
Direktor Herman lächelte.
„Wir wollen es mit diesen Zimmern vorläufig noch lassen; ich bin noch nicht ganz entschlossen. Und mit dem Durchbruch der Wände in den leeren Zimmern neben meinem Schlafzimmer wollen wir auch noch warten. Ich habe keine Eile."
Der Architekt schüttelte unmerklich den Kopf. Erst hatte der Direktor so zur Eile getrieben, und nun auf einmal hatte die Fertigstellung noch Zeit. Was wollte er denn eigentlich?
Diese Bauherren wußten auch nie genaue Dispositionen zu treffen. Aber ihm konnte es nur lieb sein. Je länger zu tun war, desto größer der Verdienst.
Der erste Schnee fiel weich vom Himmel, als Robby Herman aus dem Anhalter Bahnhof herausfuhr.
Solange er noch im Weichbild der Stadt war, fah er den Schnee zu einer grauen, schmutzig^ Masse tauen. Der Himmel, in den die Schornsteine und Häuser der Riesenstadt ragten, war voll von Rauch und Schmutz. Aber je weiter er kam, um so reiner wurde es. Draußen auf dem freien Lande legte sich der Schnee wie eine reine, kühle Decke über die Welt. Als der Zug sich den Thüringer Bergen näherte, kam die Sonne heraus. Der Himmel wurde klar. Die Hänge und Berge, vom ersten Weih um- kleidet, waren wie unberührt.
Robby Herman saß in dem behaglichen Abteil. Die Aktenmappe mit seinen Papieren lag neben ihm. Er hatte eigentlich hier im Zuge noch arbeiten wollen. Aber das schien er vollständig vergessen zu haben. Er saß da und schaute in die schöne Landschaft hinaus.
Und feine Gedanken zauberten Edelgard hierher. Wenn sie sein würde, oh, dann würde er mit ihr hinausfahren in die schöne Natur. Sie kannte noch nicht viel von der Welt da draußen. Das hatte sie ihm an dem Abend in der Weinstube erzählt.
Mit wenigen und schlichten Worten hatte sie den Inhalt ihres Lebens vor ihm ausgebreitet. Er wußte, wie anders es geworden, als ihre Eltern es für sie geplant. Aber an seiner Seite würde sie entschädigt werden für Armut und Not dieser Jahre.
Er sah sie plötzlich neben sich dahingleiten auf den schnellen Skiern, schlank und geschmeidig. Er sah sie in Gedanken neben sich wandern durch sonneflimmernden Wald. Und er sah sie in seinem Heim, das er für sie zu einem Märchenschloß schaffen wollte.
Darum hatte er dem Architekten ein langsameres Tempo in der Fertigstellung anempfohlen. Es konnte ja fein, daß Edelgard andere Wünsche hätte. Ach, alles — alles wollte er ihr erfüllen, was in seiner Kraft stände. Wenn sie ihn nur lieben würde! Wenn er nur bei ihr vergessen würde, was eine andere ihm angetan!
Edelgard hatte tief und traumlos bis in den Morgen geschlafen. Spät erst erwachte sie. Sie besann sich im ersten Augenblick gar nicht, was eigentlich geschehen war. Ihr war so froh und leicht zumute, wie seit langem nicht. Einen Augenblick dehnte sie sich noch halb verschlafen in den Kissen.
Da setzte sie sich erschreckt auf. Die Uhr im Nebenzimmer hatte neunmal geschlagen. Und jetzt wurde sie ganz wach. Ach, sie brauchte ja heute nicht ins Büro. Sie hatte ja heute Urlaub. Welch glücklicher Morgen nach einem glücklichen Abend!
Im Hause war noch alles still. Sicherlich hatten Mutti und Marie alles drangesetzt, sie recht aus« schlafen zu lassen. Aber nun war es genug. Durch die Jalousien floß ein zartes, goldenes Licht. Sie lief zum Fenster, zog die Läden hoch.
(Fortsetzung folgt!)
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die wir den Konten unserer Einleger gutgeschrieben haben. Wir weisen darauf hin, daß Aufwertungsspareinlagen bis zu 50% des Aufwertungsbetrages abgehoben werden können- Soweit dieser Prozentsatz den Betrag von 300 RM. übersteigt, ist vorherige Kündigung erforderlich. Einlagen im Betrage bis zu 50 RM. können ohne weiteres ausbezahlt werden.
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Der Vorstand der Bezirkssparkasse Glefien.
Stz«r Dir »tert! ♦ EchmLSei M® GvSve»!


