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Wehr und Waffen.

Manien ein Sprungbrett Miens? Von Erhard Wegeli, Oberstleutnant a. O.

Als nach dem Balkankriege 1912/13 Albanien zu einem selbständigen Fürstentum er­klärt wurde, richteten sich nach diesem bis dahin als türkische Provinz wenig beachteten Lande d i e Blicke Italiens. Schon damals träumten die italienischen Politiker von der Adria alsmare nostro", aus dem sie allzugern einmare chiuso" machen wollten, was sie seestrategisch am besten erreichen konnten, wenn sie durch Besitz bei­der K ü st e n an der Meerenge von Otranto, also auf albanischer Seite des Hafens von V a l o n a, den Adria-Sack abschnürten. Es ist kein Geheim­nis, daß der erste Fürst von Albanien, Prinz Wil­helm zu Wied, italienischen Intrigen weichen mußte.

Daß dann im Weltkriege die Ententemächte s»-Ä über dieSelbständigkeit" Albaniens ohne weiteres hinwegsetzten, indem sie den linken Flügel ihrer Balkanfront durch albanisches Gebiet bis ans Meer verlängerten, vertrug sich ausgezeichnet mit ihrer Rolle alsBeschützer der kleinen Nationen". Selbstverständlich waren es hier vornehmlich ita­lienische Truppen, die gegen schwache öster­reichische Deckungstruppen kämpften, wobei sie sich übrigens nicht gerade mit Ruhm bedeckten. Die durch Versprechungen der Engländer und Fran­zosen vor dem Eintritt Italiens in den Weltkrieg genährte Hoffnung Italiens, daß ihm bei Friedens­schluß Valona und andere Häfen Albaniens über­lassen würden, erfüllten sich nicht. Albanien wurde als selbständiger Staat anerkannt und trat im Jahre 1920 dem Völkerbund bei, was aber Italien nicht hinderte, die Insel Saseno am Eingang der Bucht von Valona kurzerhand zu besetzen und im Laufe der Jahre zu einem starken Flottenstützpunkt auszubauen. Wenn auch dieser Völkerrechtsbruch von keinem Staat, nicht einmal von der Pariser Botschafterkonferenz anerkannt worden ist, so schloß doch der edle Völkerbund beide Augen dazu.

War früher Italiens Politik in Albanien gegen Oesterreich gerichtet, so änderte sich seine Front­stellung mit dem Augenblick, als das neue Gebilde des Königreichs Jugoslawien entstand und all­mählich erstarkte. Jetzt sah Italien in diesem einen lästigen Nachbar und vor allem stört es seine Ideen vommare nostro", daß auch Jugoslawien einen Teil der Adriaküste mit einigen brauchbaren Häfen besitzt. Italiens Politik gegen Jugoslawien war, wie objektiv gesagt werden muß, von vornherein aggressiv. In frischer Erinnerung ist uns der aben­teuerliche Raid d'Annunzios gegen Fiume, der diesem nach deutschen Begriffen etwaszweifel­haften Nobile" den Herzogstitel eingetragen hat. Jedenfalls hat sich Italien das mit Frankreich ver­bündete südslawische Königreich zum erbitterten Feind gemacht und hqt nun seine Sorgen für den Fall eines Zweifrontenkrieges gegen Frankreich und Jugoslawien.

Ein Krieg gegen Jugoslawien würde trotz der großen Uebe-ll'gcLsM Italiens zu Lande, zur See und in der Lus« keineswegs ein militärischer Spa­ziergang sein. Der nur etwa 80 Kilometer breite Grenzstreifen zwischen Fiume und der Save mit seinem Gebirgscharakter und dem un­wirtlichen Hinterland des Karst ist alles andere als ein günstiges Aufmarschgebiet. In ihm lassen sich überlegene Kräfte gar nicht entwickeln und einem tatkräftigen Verteidiger und das würden die Serben sicher sein kann es nicht allzu schwer fallen, mit Minderheiten einen stärkeren Gegner lange Zeit abzuwehren. So mußten die Italiener zwangsläufig darauf sinnen, ihre Aufmarsch- und An­griffsmöglichkeiten gegen Jugoslawien zu verbessern. Sie könnten dies der Breite nach nur über Oesterreich, ein Gesichtspunkt, der wohl bei ihrem Liebeswerben um das einst bestgehaßte Volk mitsprechen dürfte. Aber es ist immerhin zweifel­haft, ob die politische Lage ihnen dereinst gestatten würde, österreichisches Gebiet in ihren Aufmarsch einzubeziehen. Die zweite Möglichkeit wäre ein Z a n g e n a n g r i f f über albanisches Ge­biet gegen Südserbien oder die dalmatischen Kü­stenländer.

Wir wollen uns nun die Eigenschaften Albaniens als Aufmarschgebiet gegen Südserbien oder Dal­matien vergegenwärtigen: Die Küste Albaniens weist zur Zeit nur einen für See- und Landungs­operationen bedeutender Kräfte günstigen Hafen, den von Valona, auf, der aber im Südteil von Albanien liegt, also für Operationen gegen Dal­matien ungünstig ist. Auch für ein späteres Vor­dringen in das für Serbien lebenswichtige M o - r a v a - T a l liegt er zu weit ab. Noch ungünstiger, weil im äußersten Süden des Landes gelegen, ist der auch sonst wenig brauchbare Hafen von S a - r a n d a. Operativ wesentlich günstiger liegen die Häfen von Durazzo, etwa in der Mitte, der Küste, S. Giovanni di Medua und die Bojanamün- dung, beide im Nordteil der Küste. Diese Häfen werden auf Veranlassung der Italiener und unter Anleitung italienischer Ingenieure ausgebaut.

Der unmittelbar an die Küste grenzende Ge­bietsstreifen Albaniens ist in ziemlicher Breite viel­fach versumpft, für Bebauung wenig geeignet, un­gesund und daher dünn besiedelt. Es ist kein Zu­fall, daß die Mehrzahl der Städte und größeren Ortschaften, darunter auch die Hauptstadt Tirana, in dem für Anbau und Lebensbedingungen günsti­geren Mittelstreifen des Landes liegen. Der Ortsteil ist gegen Serbien durch äußerst unwegsame schroffe Gebirgsketten abgeschlossen, deren Höhe zwischen 1600 und 2100 Meter schwankt, während die höchste Erhebung 2764 Meter beträgt. Nur wenige Pässe mit meist schlechten, nur im Sommer benutzbaren Saumtierpfaden führen in serbisches Gebiet her­über. Als wichtigstes Einfalltor in das serbische Ge­biet ist die Gegend von S t r u g a am Nordzipfel des Ochrida-Sees $u betrachten. Struga ist Kopf­station der von hier über Ki^ewo, Tetowo nach U e s k ü b im oberen Wardartal führenden Bahnlinie. Es ist beabsichtigt, in Albanien eine Bahnlinie von Durazzo über TiranaElbaf- fan Librash auf Struga zu bauen. Jetzt schon haben die Italiener eine gute für Kraftwagenver­kehr geeignete Straße in diesem Zuge angelegt und diese in der Nähe von Librash durch ausgedehnte Befestigungsanlagen gesichert. Eine zweite Einfalls- pforte führt von Kor^a zwischen Ochrida- und Prefpa-See auf R e s a n in mazedonisches Gebiet. Auch hier sind die Italiener im Begriff, das Gebiet durch Wegebauten mit Valona zu verbinden, von welchem Ort übrigens eine kurze Stichbahn ins Innere in Richtung Tepelena führt.

Das wichtigste Operationsgebiet würde aber zwei­fellos der nördliche Teil des Landes sein. Hier führen von der Bojana-Mündung und S. Gio­vanni di Medua brachbare Straßen über S k u - t a r i durch das einstige Königreich Montenegro nach Kroatien. Skutari hat auch durch den schiffbaren Bojana-Fluß, einen Abfluß des Skutari- Sees, Seeverbindung. Die in dies Gebiet von Durazzo über Alesfio führende Straße ist eben­falls von den Italienern gut ausgebaut und am Uebergang über den Mati-Fluß durch eine starke Befestigungsgruppe gesichert.

Die Italiener arbeiten zielbewußt daran, allmäh­lich Albanien mit einem brauchbaren Straßennetz zu überziehen, um sich günstig operative Bedingun­gen zu schaffen, teilweise aber auch, um kriegswich­tige Rohstoffquellen zu erschließen. Letzteres trifft besonders für den äußersten Süden des Lan­des zu, wo im Vojusa-Becken abbauwürdige O e l - und Erzvorkommen festgestellt worden sind, die nur der Erschließung durch Wege- und Bahn­bauten harren.

Wenn auch Italien das Mögliche getan hat und tut, um sich in Albanien im Laufe der Zeit ein brauchbares Aufmarschgebiet zu schaffen, so dürfen wir uns doch Angriffsoperationen aus Albanien nach Jugoslawien keineswegs als leicht vorstellen. Ganz abgesehen davon, daß die Operationen dort

weit getrennt von denen gegen die Nordwestgrenze Jugoslawiens erfolgen müßten und es schwer sein wurde, sie mit diesen in Einklang zu bringen, wei­sen auch die Einfallspforten über Skutari im Nor­den einerseits und am Ochrida-See im Südosten andrerseits in ganz verschiedene Richtun­gen und es besteht die Gefahr, daß die Operatio­nen auseinanderflattern würden, ohne das große Ziel, die feindliche Hauptmacht mit versammelten Kräften zum Entscheidungskampf zu stellen und zu schlagen, erreichen zu können. Die Operationen werden um so ungünstiger, je weiter sie sich von der natürlichen Basis,' der Küste entfernen, da dann mit erheblichen Nachschubschwierigkeiten zu rechnen sein würde.

Solange Italien in Albanien einen Bundesgenos­sen, ober sagen wir richtiger einen Vasallen fjat, wird natürlich die Ungunst der Verhältnisse wesentlich gemildert. Wie aber, wenn Albanien sich dereinst vom italienischen Joch freimacht und seine eigenen Wege geht, worauf, wie wir sehen werden, schon jetzt manches hindeutet? Als nach dem Weltkriege Albanien als selbständiger Staat erklärt wurde, verstand Italien es sofort, sich dort maßgebenden Einfluß zu sichern. Wie überall bei unentwickelten Völkern spielten dabei diegoldenen Kugeln" eine wesentliche Rolle. Das neue Fürsten­tum, das sich später unter Achmed Zogul zum-

Aus Soldaten werden Handwerker.

Oie Arbeit der Heeresfachschulen.

Soldatsein ist Berufung. Soldatsein ist aber auch Vorbereitung. Der Weg aus der soldatischen Gegenwart soll den Reichswehrsoldaten in eine er­folgreiche Zukunft führen. Diesem Zwecke dienen die verschiedenen Heeresfachschulen. Eine beson­dere Lehranstalt bildet diejenigen Reichswehrange- börigen aus, die später die Beamtenlaufbahn ein­schlagen wollen. Eine große Schülerzahl entscheidet sich für den Besuch der Heereshandwerker- schule, ein gutes Vorzeichen für den Wiederauf­bau eines gesunden deutschen Handwerkertums. Jeder handwerkliche Beruf kann in diesen Schulen, deren eine sich in der Jnvalidenstraße in Berlin befindet, erlernt werden. Kennt aber der Soldat aus seiner vormilitärischen Lehrzeit schon einen Beruf, so kann er jetzt seine Kenntnisse er­weitern und vervollkommnen.

Die Werkstätten für den praktischen Unterricht unterstehen tüchtigen Handwerksmeistern. Neben der praktischen Ausbildung läuft der theo­retische Unterricht, zu dem Erdkunde, Ge­schichte, allgemeines Rechnen und besonderes Fach­rechnen, Wirtschaftslehre, Buchführung für Klein­betriebe und Betriebskunde gehören. Die Gefellen- und Meisterprüfungen werden vor den Handwerks­kammern abgelegt. Schon während der letzten Dienstjahre berät der Fürsorgeoffizier ein besonders für diese Tätigkeit befähigter höherer Offi­zier den angehendenZivilisten". Er gibt praktische Ratschläge für Stellungen. Wenn sein Schützling sich selbständig machen will und einen Betrieb kau­fen möchte, prüft der erfahrene Fürsorger die Ren­tabilität des geplanten Unternehmens.

In der Schuhmacherwerk st att umdrängen Feldwebel, Unteroffiziere und einfache Soldaten kameradschaftlich, eine große, wißbegierige Schüler­gemeinschaft den jungen, tüchtigen Werkstätten­leiter. Der Meister erklärt gerade am anatomischen Modell den Bau des menschlichen Fußes. Im Nebenraum sitzen die Gesellen mit Pfriem und Ahle auf niedrigen Schemeln vor ihren Schuster- t'schen und nähen und hämmern. Die meisten be­reiten sich auf ihre Meisterprüfung vor.Lehr­ling ist jedermann Geselle, wer was kann, Meister, wer was ersann!"leuchtet es von der Wand. Gegenüber hängt eine ganze Sammlung von Leder­proben. Juchten, Lack, Eidechse, Krokodil, Schlange, ja, sogar ein kleines Stück gegerbter Menschenhaut. Heber einem Brett mit Handwerkszeug ist wieder ein Spruch zu lesen:Es trug dein Ahn kein Ritterschwert Ihm waren Pfriem und Ahle wert, In blanker Kugel glomm das Licht Vergiß das nicht, vergiß, vergiß das nicht!"

Die Werkstätten der Sattler und Polste­rer. Zwei Soldaten nähen auf einen breiten Pol­stersessel einen Bezug. Ein Unterwachtmeister, ge­stiefelt und gespornt, polstert ein kleines Schaukel­pferd. Auf einem Holzgestell liegt ein hellbrauner Sattel, fest aber leicht, ein Meisterstück. Im Stock­werk darüber arbeiten die Setzer undDrucker. Da wird dasSetzen" erst am Kasten gelernt. Erst später geht es an die Setzmaschine. Von der Halld- presse bis zur großen Druckmaschine sind hier alle Maschinen der schwarzen Kunst im Betrieb. Neben den Druckern haben die Schneider ihre Arbeits­räume. Dielauten" Berufe sind am anderen Ende des großen Gebäudes untergebracht. Schon von weitem dröhnt das Hämmern der Schmiede, das Schrillen des Eisenschneiders und das Rattern der Maschinen.

Die Grußpflicht ruht in den Werkstätten" hat der Kommandeur an der großen Eingangstür an­kündigen lasten. Die Kun st schlosser haben hier gleich ihr Jnnungszeichen angebracht: ein Wappen zeigt in schöner Treibarbeit das Wahrzeichen der Kunst, und darüber kreuzen sich Zange und Ham­mer von einer stilisierten Lilie gehalten. Mit gro­ßem Stolz zeigen die Schlosser ihre neueste Er­rungenschaft, eine moderne Fräsmaschine.Grüß Gott, tritt ein, Alles, was Rad- und Stell- m ach er fein!" So grüßt es vom nächsten Schiebe­tor. Hier, bei den Wagenbauern, erhält gerade ein schnittiger Jagdwagen den letzten Schliff. Zwei Soldaten setzen einen großen Rodelschlitten auf Kufen, ein anderer baut eine Burg. Eine richtige, alte Ritterburg mit Turm und Mauer, mit Schloß, Wassergraben und Zugbrücke.Für meinen Jun­gen. Der wird morgen ein Jahr alt!" Nach­barlich grenzen die Werkstätten der Schmiede an. Am Feuer wird an einem Pflug gehämmert. Da­vor, am Fenster, schweißen zwei Soldaten kunst­gerecht Stahl auf Eisen. Die ganze Längswand schmücken die Meisterarbeiten der Kunstschmiede. Große Eichenzweige mit Blättern, schöne Ranken, phantastische Blüten alles aus Eisen, kunstvoll auf dem Amboß geschmiedet.

Alle diese Männer werden, wenn sie in Jahres­frist als Gesellen oder Meister ins bürgerliche Leben übergehen, gute Helfer sein am deutschen Handwerksstand. Sie werden ihrem Berufe alle Ehre machen, denn sie bringen neben ihren erwor­benen Fachkenntnissen noch etwas Besonderes mit aus ihrem langen Soldatenleben: Zucht und Ord­nungsliebe, Pflichttreue und Zuverlässigkeit.

E. K. Be.

Oie technischen Truppen Amerikas.

Die Verwendung der technischen Truppen in den Vereinigten Staaten unterscheidet sich sehr stark von der aller europäischen Heere. Die Begründung, die seiner Zeit dem Anträge des amerikani­schen Generalstabes an den Kongreß über Ver­doppelung der Pioniertruppen beigefügt war, macht diesen Unterschied sofort offenbar; in dieser Begründung wurde darauf hingewiesen, daß der größte Teil der Offiziere desCorps of Engineers" sowie auch ein großer Teil der Unteroffiziere und Mannschaften außerhalb der Truppe im staatlichen Zivildienst, besonders bei Hafen- und Brückenbauten, tätig fei. Die Stärke reiche für alle diese Aufgaben nicht aus, denn es müsse ja schließlich auch ein Teil für den militäri­schen Dienst verfügbar bleiben.

Die eigenartige Verwendung der technischen Truppen in Nordamerika ist durch die Entwicklung der Union historisch begründet. Die amerikanische Armee war ständig aus Vorposten beim Vordringen gegen bie Indianer. Alle Dienste mußte die Truppe selbst verrichten; die Soldaten bauten ihre kleinen Forts sowie die Ge­bäude darin, legten Straßen an, die meist durch Urwald, oft über reißende Ströme hinwegführten. Sie waren also tm weitesten Sinne des Wortes Pioniere" des Landes. Dieser weit ver­zweigte Dienst der technischen Truppen hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten, wird sogar auf Wunsch des Generalstabes in jeder Beziehung gefördert.

Die Eigenart des amerikanischen Heeres muß hierbei berücksichtigt werden. Man darf nicht ver­gessen, daß die Vereinigten Staaten nur eine relativ kleine aktive Armee von 137 000 Köpfen haben; dieses aktive Heer ist über das ganze Land verstreut und oft liegen einzelne Kompanien auf Entfernungen auseinander, die weiter find, als die Strecke von Konstanz bis Königsberg. So kann also diese kleine Stammarme nur als Lehrer für die zahlreichen Reserveformationen dienen (es gibt in Amerika allein 117 000 Reserveoffiziere), allerdings kann Amerika sich auf Grund seiner geographischen Lage mit einer derartig kleinen Landarmee begnügen, denn es braucht sich nicht im eigenen Lande feiner Haut zu wehren zu einem

Zeitpunkt, der ihm von den Gegnern diktiert wird.

Und ebenso wie es auf Grund seiner natürlichen Lage nicht darauf angewiesen ist, ein ständig ein­satzbereites zahlenmäßig starkes Heer zur Verfügung zu haben, so kann es sich auch hinsichtlich seiner technischen Truppen eine gewisse Begrenzung auf- erlegen. Ihre Friedensstärke beträgt im regulären Heere rund 400 Offiziere und 4500 Mann, in der Nationalgarde 438 Offiziere und 7900 Unteroffiziere und Mannschaften. Zu jeder Division gehören vier Pionierkvrnpanien, nur der Hawai- und Panama- Division sind je sechs Kompanien zugeteilt. Daß der gesamte Verkehr im Panama-Kanal einschließlich des dazugehörigen Uferstreifens sich, wie alle Rei­senden betonen, außerordentlich reibungslos abspielt, ist sicherlich ein Verdienst der dort stationierten technischen Truppen.

Wie vielseitig der Dienst dieser amerikani­schen Pioniere ist, davon kann man sich nach euro­päischen Begriffen doch nicht die rechte Vorstellung machen. Die Leitung der Regierungsbauten, die Verwaltung von Naturschutzgebieten, Anlage von Schutzstellen gegen Hochwasser usw., dies alles liegt in den Händen derTechnischen Truppe". Alle Pläne für den Bau von Straßenbrücken der Ge­meinden und Einzelstaaten in diesem großen Lande, das fast die Ausdehnung eines Erdteils besitzt, müssen dem Abteilungschef des amerikanischen Ge­neralstabes, dem das Jngenieurkorps untersteht, zur Genehmigung vorgelegt werden.

Die vorzügliche und vielseitige Ausbildung der amerikanischen Pioniere hat sich auch im Welt­krieg bewährt. Dies zeigte sich besonders, als sofort nach der Landung amerikanischer Truppen in Europa von ihren Pionieren in kürzester Zeit eine Bahn von Bordeaux (wo die Ameri­kaner ausgeladen wurden) quer durch Frank­reich bis zum amerikanischen Front­abschnitt angelegt wurde zum allgemeinen Staunen Frankreichs. Schienen mit angeschmiede­ten eisernen Querbalken waren drüben bereits fer­tiggestellt, so daß der Bau mit ungeahnter Schnel­ligkeit beendet werden konnte. Auch an der Front selbst wurden die amerikanischen Pioniere ihren Aufgaben durchaus gerecht. La.

nigtum erhob, brauchte Geld. Nicht viel, denn eine anspruchslose Bevölkerung von wenig mehr als eine Million ist in ihren Bedürfnissen bescheiden. Bereit, willig und großmütig streckte Italien das Geld vor, das das eigene Budget nicht stark belastete. Ein kleiner Haken war natürlich dabei, nämlich Al­banien mußte feinen g an zen Goldschatz verpfänden, der jetzt wvhlbehütet in den Kel­lern der Banca d'Jtalia in Rom liegt. Selbstver­ständlich muß Albanien die Anleihen auch verzinsen und zwar anständig. Da aber das Land arm ist und die vielen auf Veranlassung der lieben italieni­schen Freunde in Angriff genommenen Anlagen von Straßen, Hafen, Bahnlinien, Befestigungen usw. Geld kosten, hapert es mit der Zinszahlung. Schadet nichts, dafür gibt eben Albanien Kon. Zessionen, wie Alleinausbeutung der Oel- und Erzlager, Bahnbauten und dergleichen und mack! neue Schulden. So hält man denn das Länd­chen mit goldenen Fesseln fest und zur Vertiefung der Freundschaft macht man italienische Schulen auf und schickt einen Generalstabschef mit einer Anzahl von Offizieren, um aus den braven Bauern­söhnen und Gebirglern tüchtige in italienischem Geist erzogene und entsprechend ausgebildete Sol­daten zu machen, die keine höhere Sehnsucht ken­nen sollen, als unter den edlen Römern gegen die bösen Jugoslawen zu fechten.

Das ging eine Reihe von Jahren ganz gut. Seit vorigem Jahre aber t)at sich mit zunehmendem Er- starken des Nationalgefühls das Blatt etwas ge­wendet und in fce^ sehr selbstbewußten Albanern hat das peinliche Gefühl der Abhängigkeit von Italien den Wunsch erregt, ihre Geschicke selbst zu lenken. Wesentlichen Einfluß auf diese Bestrebun­gen hat dann der Balkanpakt ausgeübt. Die anderen Balkanstaaten, besonders aber Jugoslawien, wünschen den Anschluß Albaniens an den Balkan­pakt und haben diesem bereits die Wege geebnet, indem sie ihm nicht nur wirtschaftliche Erleichte­rungen zugestanden, sondern auch einen Teil des Zuschußbedarfs für die Staatsausgaben zu günsti­gen Bedingungen bewilligt haben. Den Rest haben die Albaner selbst aufgebracht und zwar haben die Beamten und Offiziere auf erhebliche Teile ihrer Bezüge, bis zu zwei Dritteln, opferbereit verzichtet. Sv konnte Albanien zum ersten Male sein Budget ohne italienische Zuwendungen aus- gleichen.

Mit diesem Augenblick versteifte sich seine Haltung gegen Italien. Das zeigte sich darin, daß es italie­nische Schulen schloß und die italienischen Offiziere einschließlich des Generalstabschefs in ihre Heimat zurücksandte sowie sich gegenüber neuen italienischen Konzessionswünschen taub zeigte. Die Italiener, ent­rüstet über so schnöden Undank, versuchten es mit Druckmitteln, indem sie Ende Juni d. I. ohne An­kündigung mit 22 Kriegsschiffen im Hafen von Durazzo erschienen. Zu gleicher Zeit wollten sie in Tirana Verhandlungen über die Wiedereröffnung der geschloffenen italienischen Schulen und Wieder­einstellung der aus dem albanischen Heere entlasse­nen Offiziere aufnehmen. Die Albaner v e r w e i - gerten jedoch jede Verhandlung, be­vor, 3 zurückgelassene Kriegsschiffe aus dem Hafen von Durazzo abdampfen würden, was dann auch prompt geschah. Das Ergebnis der Verhandlungen ist noch nicht bekannt geworden, man weiß aber, daß das Liebeswerben um Albanien seitens der Mächte des Balkanpaktes eifrig fortgesetzt wird.

Jedenfalls wird'sich Italien im Falle eines Krie­ges weder auf Waffenhilfe Albaniens noch auf Ge- Währung des Durchmarschrechtes sicher verlassen kön­nen. Gewiß kann es das Letztere erzwingen, muß aber dabei in Rechnung stellen, daß ihm möglicher­weise die albanischen Truppen feindlich gegenüber» treten und außerdem in dem rauhen Gebirgsland, wo fast jeder männliche Einwohner eine Schußwaffe trägt, der Bandenkrieg entfesselt wird. Die alba­nische Armee beträgt 800 Offiziere und etwa 13 000 Mann, gegliedert in 13 Bataillone Infante­rie, 22 Batterien, 4 Pionierbataillone, 1 Pontonier, bataillon, 4 Nachrichtenbataillone, 1 Kampfwagen- Kompanie mit einigen Panzerkraft- und Kampf­wagen. Dazu kommt die Grenzwache mit 4 Batail- Ionen, 70 Offizieren und 1300 Mann, und die Gen­darmerie mit 145 Offizieren und 3500 Mann. Der Albaner ist immer ein guter Soldat gewesen; die letzten Sultane der Türkei bildeten aus albanischen Soldaten ihre Leibwache. So muß man in der klei­nen bewaffneten Macht in Verbindung mit dem Bandenkrieg und der Ungunst des Landes für die Angreifer immerhin einen Faktor sehen, der die Benutzung Albaniens als Aufmarschgebiet für Ita­lien wesentlich beeinträchtigen kann.

Ein weiteres Moment der Ungewißheit liegt für Italien augenblicklich in der Haltung Bulga­riens. Während früher Italien wohl unbedingt damit rechnen konnte, dieses Land bei einem Kriege gegen Jugoslawien auf seiner Seite zu sehen, zumal da eine Tochter feines Königs dem König von Bulgarien vermählt wurde, ist es der klugen Politik des für Jugoslawien zu früh verstorbenen Königs Alexander gelungen, eine wesentliche Besserung in den Beziehungen zu Bulgarien zu erzielen. Wenn diese von Dauer sein sollte, konnte Italien nicht mehr auf einen Druck gegen die Ostflanke Serbiens durch die Bulgaren rechnen, der ihm die schwierige Angriffsoperation aus Albanien gegen Südserbien erleichtern würde. Vielleicht rächt sich in diesem Falle die stets unzuverlässige Außenpolitik Italiens, von der wir Deutsche ein Lied fingen können, dos wohl auch den Bulgaren im Ohr klingen mW Daher das Fragezeichen am Ende der Ueberfchnff dieser Ausführungen!

3 Milliarden für die Lustwaffe.

Die Vereinigten Staaten von Nord­amerika haben von 1920 bis 1933 für ihre Lust- ftreitfräfte 776,2 Millionen Dollar verausgabt. Da­mals hatte der Dollar noch feinen vollen Gold­wert. Es find also etwa drei Milliarden G o l d m a r f in die Modernisierung und den Auf­bau der amerikanischen Luftwaffe hineingesteat worden. Aehnliche Summen haben auch andere S t a a te n für ihre Luftstreitmacht mobil gemacht- Wir brauchen nur an unseren westlichen Nachbarn zu denken. Daß es Deutschland unmöglich ist, einen derartigen Vorsprung wieder aufzuholen, liegt wohl auf der Hand. Damit ergibt sich auch der ganze Unsinn der künstlich hochgezüchteten Furcht vor der Einrichtung einer deutschen Luftstreitmacht- Diese Furcht wird nur von denjenigen genährt, die genau wissen, daß auf diese Weise d i e Regle- rungen unter Druck gesetzt werden uno eher bereit sind, neue Bestellungen zu vergeben- Es handelt sich also um nichts anderes als um nackten Profit!