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Ur. 270 viertes Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Merhesien)

Zamstag, l7. November (954

Bei den Holzhauern im heimatlichen Wald.

'es harte Arbeit um das tägliche Brot also, einel durchaus reale Angelegenheit. Die meisten von ihnen I sind aber doch auch mit ganzer Seele dabei. Da ist | mancher Rottenführer und mancher Waldarbeiter, der schon seit 20 und 30 Jahren bei der Holzhauerei tätig ist. Die Förstereien wissen sie ob ihrer reichen Erfahrung zu schätzen. Mancher, der heute im Walde bei den Holzhauern tätig ist, war auch nicht immer mit dieser Arbeit vertraut. Aber für viele von ihnen war der Krieg ein Lehrmeister und das, was sie bei Stellungsbau'arbeiten dicht hinter der Front in den Wäldern gelernt hatten, ist ihnen jetzt zunutze. So kam mancher aus jener schweren Kriegszeitvor­gebildet" unter die Holzfäller.

Bisher arbeiteten sie in Rotten zu sechs oder acht Mann: in den Staatswaldungen wird heute nur noch zu vier Mann in der Rotte gearbeitet, deren mehrere in einem Revier verteilt sind. Verschiedene Wege führen zum Fall des Baumes. Buchen und Eichen, deren Stockholz wertvolles Brennholz lie­fert, werden gerodet, 0. h. der Stamm wird un­mittelbar am Erdboden mit der Axt rundum tief angeschlagen und dann mit Hilfe der Rodemaschine oder mit einem Drahtseil umgedrückt bzw. umge­zogen. Fichten, deren Holzerlös aus dem Stock nicht immer lohnt, werden auf andere Weife ge­fällt. Es wird zurächst auf einer Seite (auf der Seite, nach der der Baum fallen soll) eine soge­nannteFallkerb" angeschlagen. Von der anderen Stammseite her wird dann der Stamm auf die Fallkerbe zu angesägt. Mit Keilen, die in den Sägeschlitz getrieben werden, wird nachgeholfen. Schließlich verliert der Baum den Halt und stürzt schwer wuchtend nieder. Es ist natürlich sehr wich­tig, daß der Baum im Fallen nicht andere Bäume beschädigt. Hier hat der Rottenführer Verantwor-

Der Förster kennzeichnet den zum Fällen vorgesehenen Baum.

Der Wald ist fahl geworden. Die Laubbäume )lben dem Wind und dem Regen ihre Blätter über- i sen. Das Laub deckt in dicker bräunlicher Schicht tbn Boden, um sich der Erde wieder zu vermählen. i$- den Buchenschlägen ist es ganz licht geworden. Ü»e Zweige ragen kahl zum Himmel. Fichten und '§sefern dagegen, die ihre Nadeln nicht lassen wollen, pingen noch im Grün. Aber der Herbst läßt sich dach nicht leugnen. Es ist eine feuchte Kühle im 1 V.ilde, und die Nebel wollen in diesen Tagen kaum ; v'ichen. Die wenigen Vögel, die während des Win- h5 bei uns bleiben, sind still geworden, nur hin itib wieder kreischt ein Häher. Spaziergänger auf Cchneisen und schmalen Wegen werden immer fei» hier.

Nur die Waldarbeiter sind im Forst unterwegs, ti Holzhauer. Jetzt ist die Zeit, da überall in unseren Wäldern Holz gehauen wird, jene Zeit, in der der Wald Eingriffe in seinen Organismus SiLben muß. Der Mensch, der die Mühe für die ^lege des Waldes aufgewandt hat, fordert fein R cht. So herrscht jetzt ein emsiges Leben und Iwiben zwischen den Stämmen. Zuerst"war der F rstmann gekommen-, er ging aufmerksam und tri« lisch prüfenden Blickes durch den Wald. Hin und waeder hob er sein kleines, messerscharfes Handbeil U'ld hieb ein Stück Rinde vom Stamm: er zeichnete bn Stamm für den Baum ist es das Zeichen (flies Falles... Dem Forstmann folgten die Holz- Ijuer mit ihren Aexten und Sägen. Sie halten in dim angewiesenen Revier kurz Ausschau nach den zeichneten Bäumen und gehen dann ans Werk.

Wer jetzt in unsere Wälder geht, hört da und dort bn harten Schlag der schweren Aexte im Stamm­holz, hört die Stimmen und die warnenden Rufe der lWaldarbeiter, dann ein Knistern, ein Knacken von Zweigen, das immer heftiger wird, sich zu einem (cwrfen Prasseln steigert und dann jenen schwe- rm dumpfen Schlag, der den Waldboden erzittern Ibfit, der sich vielleicht im Echo fängt und erst all- Mhlich/ verklingt.

tung zu tragen.

Wenn der Baum gefallen ist, wird er gleich aus- aeastet. Wenn das Holz lediglich als Brennholz Verwendung finden kann, dann wird der Stamm zersägt. In den Schneisen und an den Wegen wachsen nun die Holzstöße empor, die auf die Steigerer warten ...

Beim Roden.

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Man muß einmal daneben stehen, wenn ein hum gefällt wird, man muß mit den Donnern sprechen, die diese schwere körperliche Ar- 6c t zu leisten haben, man muß diesen Vorgang überleben vom Anfang bis zum Ende. Aber es v! re falsch, dies zu tun unter der Betrachtung, daß ti-s Alltägliches sei, vielmehr muß man dieses Er- kic nis sehen unter dem Gedanken, daß hier der Mansch die Natur sich untertan gemacht hat, daß rlfie aber auch fördert, um sie zu nutzen. Zuzusehen, ow ein Baumriese fällt, sei es eine Eiche, eine che oder eine Fichte, kann ein Erlebnis fein, das ir es hohen Reizes nicht entbehrt. Die Holzhauer, i während der Wintermonate diese Arbeit zu lei- ln haben, sehen das zwar anders, denn für sie ist

Wenn der Städter zur Erholung in den Wald geht, dann empfindet er ihn als Teil der Heimat, als Lebensraum, als Umgebung, die ihm schöne Stunden bereitet, ja der Wald ist für ihn ver­bunden mit einem Begriff der Romantik, er ist etwas Vertrautes, manchmal etwas Mystisches, ein von geheimnisvollem Leben erfülltes Ganzes, das viele Saiten, der Seele immer wieder neu berührt und schwingen läßt. Wer ginge nicht mit einem Ge­fühl innerer Freiheit durch den Wald, und wer fühlte sich nicht doppelt eingefügt in die Ganzheit der Natur, gerade dann, wenn ihn der Weg unter rauschenden Tannen und Fichten durch die Wälder führt!

Mit anderen Augen sieht man aber unseren Wald, wenn man mit dem Forstmann unter den Bäumen geht. Es besteht kein Zweifel: der Forst­mann sieht den Wald anders als der Laie. Aber auch auf den Laien überträgt sich die neue Art der Schau, denn unter den Erklärungen des Fach­mannes wird der Wald zu einem einzigen großen und wunderbaren Organismus, der vom Menschen gepflegt, gefördert und ihm dienstbar gemacht wird. Der Forstmann arbeitet auf lange Sicht. Wenn er die Früchte seiner Arbeit erleben wollte, dann müßte er, wieTannhäuser im schwarzen Tannen­wald" (wie es im Mächen heißt), wohl viele hun­dert Jahre alt werden. Forstwirtschaft ist immer für die kommenden Generationen. Das Ziel der Forstwirtschaft ist, der Natur die denkbar größte Leistung abzuringen. Diesem Gedanken dient der alljährliche Holzeinschlag, der in großem Gesichts­punkt für einen Zeitraum von zehn Jahren fest- gelegt wird. Der jährliche Einschlag wird innerhalb dieses Zehn-Jahresplanes festgelegt. Der Forstmann unterscheidet den Erziehungshieb und den Nutzhieb. Der Erziehungshieb hat den Zweck, all das im Waldbestand auszumerzen, was nicht in voller Lebenskraft steht, was schlechte Erbanlage zeigt und nur den besseren Bäumen Nahrung und Entwicklungsmöglichkeit beschränkt. Dem Erziehungs­hieb fallen auch solche Bäume zum Opfer, die der ForstmannProtzen" nennt, die keinen schönen, geraden Stamm haben, sich aber stark entwickelten und dadurch ihre Umgebung unterdrücken, ohne selbst jedoch großen Nutzen zu versprechen.

So kommt es nach den in bestimmten Zeitab­ständen durchgeführtenDurchforstungen" dazu, daß der Wald mit zunehmendem Alter immer lichter wird nuö schließlich nur noch aus Bäumen besteht, die voll entwickelt sind,- gerade und zu möglichster Höhe astfreie Stämme besitzen, so daß sie als Werkholz Verwendung finden können und die höchste Rente abwerfen.

Und während der Wald so seiner Erfüllung ent­gegengeht, sorgt die Forstbehörde schon für die neue Aufforstung, für den neuen Wald. Wenn der

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Die Fichte stürzt ...

Spaziergänger auf seinem Weg durch den Wald auf eines der kleinen verwitterten Schilder trifft, das in vom Regen verwaschener und von der Sonne gebleichter Schrift die Worte trägt:Hege Be­treten verboten!", dann wird er über dieses Ver­bot nicht verstimmt fein, denn er weiß, daß sich an den Bäumen, die in der Hege heranwachsen, der­einst Enkel und Urenkel erfreuen sollen.

Wenn man dann vor einem solchen Schilde steht und wenn gleichzeitig irgendwo im Walde ein Baum krachend niederstürzt, dann schließt sich im Geiste ein Kreis ewigen Werdens und Vergehens, vollzieht sich jenes Gesetz, das allgewaltig um uns waltet und dem alles untertan ist.

Der Holzfäller.

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Gemeinderat in Schotten.

OO Schotten, 13. Nov. In seiner jüngsten Sitzung befaßte sich der G e m e i n d e r a t zunächst mit der Straßenerweiterung in der Vogels­bergstraße. Baupraktikant Rückert von der Pro- oinzialstraßenverwaltung erläuterte das Projekt. Die Stadt stellt das nötige Gelände, das für die Erweiterung der Straße und des Bürgersteiges beschafft werden muß, zur Verfügung und läßt die Herrichtung des Bürgersteiges vornehmen. Der Steig wird über die neue Niddabrücke hinweg bis in die obere Vogelsbergstraße fortgesetzt und mit Randsteinen versehen. Wegen Geländeabgabe für die Straßenerweiterung wird mit dem Angrenzer nochmals verhandelt.

Mit den Vertretern der Molkereigenossenschaft sand dann eine eingehende Aussprache über die Belieferung der Molkerei mit Wasser statt, die im lausenden Sommer bei der herrschen- den Wasserknappheit stark Not gelitten hatte. Die Molkerei hatte den Plan des Baues einer eigenen \ Leitung ins Auge gefaßt. Die Stadt wird jedoch, um die Wasserversorgung der ganzen Stadt und der Betriebe für alle Zu­kunft sicherzustellen, mehrere Projekte aus­führen. Zur Zeit wird das Quellengebiet am Lud- roigsbrunnen aufgegraben und neu gefaßt, wodurch erheblich mehr Wasser zufließt. Hinter dem Forst­haus Charlottenhöhe befinden sich in stattlichem Gebiet ergiebige Quellen, die erworben und der städtischen Wasserleitung zugeführt werden. Ein Wasserleitungsstrang wird vom Hochbehälter aus die Laubacher Straße entlang bis zum Anschluß­strang am Haus Jägle weitergeführt und damit die i Wasserversorgung der oberen Adolf-Hitler-Straße, der Vogelsbergstraße und der Molkerei erheblich verbessert. Außerdem ist der Bau eines weiteren Hochbehälters als Ausgleichsreservoir, als Brand- reserve, vorgesehen, wodurch eine bessere und stär­kere Versorgung der ganzen Stadt mit Wasser er­reicht wird. Auch wird eine Revision aller Wasser­leitungsschieber in der Stadt vorgenommen zwecks ordnungsmäßiger Regulierung der Wasserzuleitung und evtl. Absperrung. Nach Durchführung dieser Maßnahmen wird die Wasserversorgung auch für die allertrockenste Zeit gesichert sein. Die Deckung der Kosten für die Durchführung dieser Maßnah­men wird aus dem Arbeitsbeschaffungsprogramm beantragt werden, mit den Arbeiten wird im Früh­jahr begonnen. Das Kulturbauamt arbeitet die Pläne aus.

Erfreulicherweise ist seitens des Reichsnährstandes hier wieder ein landwirtschaftliches Amt, bäuerliche Beratungsstelle, der voraussichtlich auch eine landwirtschaftliche Schule angegliedert wird, eingerichtet worden. Der Leiter des Amtes, der im Vogelsberg bekannte Landwirtschaftsrat Dr. Gün­ther, hat hier feine Tätigkeit bereits aufgenom» men. Die Stadt stellt die Räume für das Amt kostenlos zur Verfügung.

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Der Wurzelstock wird vom Stamm getrennt.

Wohlverdiente Frühstückspause.