Deutsche INolkereibuNer
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Hur noch 5 deutsche Suttersorten!
der
.Deutsche Markenbutter"
.Deutsch« Feine Molkereibutter'
.Deutsche Molkereibutter"
.Deutsche Lanbbutter"
.Deutsche Kochbutter".
malen entspricht.
Die „Deutsche Markenbutter" stellt da-
Dom Milchwirtschaftsverband Hessen wird uns geschrieben:
Der bisherige Sortenwirrwarr auf dem Butter-- markt machte es der Hausfrau unmöglich, eine wirklich ihrem Wunsch entsprechende Buttersorte zu erhalten. Unzählige Marken und Bezeichnungen waren meist unter der Steigerung von „feinste", „allerfeinste" bis „erstklassige" angeboten worden und ebenso verschieden waren die dafür zu zahlenden Preise.
Heute kennen wir nur noch 5 deutsche Buttersorten, die nach ihrer Güte streng unterteilt sind:
Generalversammlung des Aliceschulverems e. D. Gießen
werk Mutter und Kind) eigentlich nicht zu verantworten wäre. f v
Die Frauenschule, die nach der Reichsschul- reform dem Lyzeum angegliedert werden wird, ist vorläufig im Rahmen der Aliceschule aufgebaut und weist eine beachtlich hohe Schülerinnenzahl auf. — Im Laufe des Jahres fanden umfangreiche Neu- anfchaffungen und Verbesserungen in Haus- und Schulbetrieb des Vereins statt.
Aus dem Kassenbericht, der von Derwaltungsamt- mann Martin vorgetragen wurde, ergab stch, daß die Finanzlage des Vereins zwar recht angespannt, aber im Hinblick auf die besonderen Verhältnisse immerhin als nicht ungünstig anzusehen ist. 2m abgelaufenen Jahr erhielt der Verein an Zuschüssen vom Hessischen Staat 4050 Mark, von der Stadt Gießen 4000 Mk., von dem Kreis Gießen 400 Mk. und von der Bezirkssparkasse 100 Mark. Den Gebern sei auch an dieser Stelle der Dank des Vereins ausgesprochen.
In der Zusammensetzung des Vorstandes find verschiedene Aenderungen eingetreten. Dieser besteht nunmehr aus Geheimrat Fromme als Ehrenvorsitzenden, Oberstudiendirektor S ch e l h o r n als 1. Vorsitzenden, ferner Frau Tamm und den Herren Oberstudiendirektor Dr. Kalbfleisch, Schulrat Professor Dr. Alles, Schulrat N e b e ° ling, Beigeordneter Bartholomäus und Amtmann Martin.
Mitglieder des Ausschusses sind: Frau Bän- n i n g e r, Frau G i s e v i u s, Frau Lange, Frau S e i b, Frau Mayer, die Herren Oberstudiendirektor Wolkewitz und Professor Dr. Schmoll. Dem Ausschuß gehören ferner an die jeweiligen Leiterinnen des Fröbel- und des Haus- wirtschafts-(Handarbeits-)Seminars. Außerdem sollen noch drei Frauen der RS.-Frauenschaft in den
Fischsterben in der Lahn.
][ Marb urg, 16. Juli. Seit gestern macht sich auf der Lahnstrecke zwischen Marburg - Süd und Roth ein großes Fisch st erbende merkbar. Zentnerweise treiben die toten Fische auf dem Wasser. Man vermutet als Ursache mangelnder Sauerstoff bei dem zur Zeit sehr niedrigen Wasserstand.
bei die Spitzenqualität dar und wird unter der Ueberwachung und Aufsicht der der Kontrollstellen nur von ganz wenigen besonders dafür zugelassene» erstklassigen Betrieben hergestellt und in den Verkehr gebracht. . ...
Ein ebenfalls hochwertiges Erzeugnis ist die Deutsche Feine Molkereibutter, die 'ohne weiteres mit allen Auslandssorten noch in Wettbewerb treten kann.
Deutsche M o l k e r e l b u t te r" muß ebenfalls ganz besonderen Wertmalen der Güte ent< ^Deutsche Londbutter" ist als jetzig« Sorte ein neuer Begriff, der mit der früheren Bauernbutter wenig mehr gemeinsam hat. Um rn dieser 4. Klasse eingereiht werden zu tonnen, mutz
Eine weit umfassende zuverlässige Kontrolle dafür verantwortlichen Stellen und Behörden sorgt dafür, daß unter der angebotenen Bezeichnung auch wirklich nur das Erzeugnis zum Verkauf gelangt, das den gesetzlichen Anforderungen in seinen Wert
stellen. , .
Dolly Haas, als quicklebendiges Töchterchen des , Schlossermeisters Schierke, gibt allein durch ihr , Temperament dem Film einen Teil des ihm innewohnenden Schwunges. Ihr Partner Willy Elch- : berger ist ihr ebenbürtig. Adele S a n d r o ck als alte adelsstolze Gräfin ist in dieser Rolle stets am richtigen Platze. Die kleineren Rollen sind sehr gut besetzt. Man hört eine eingängige Schlagermelodie und sieht viele gute Bilder. Der Film unterhält ausgezeichnet.
Gics;ener Wochenmarktpreise
* G i e ß e n, 17. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Süßrahmbutter, das Pfund 1,40 Mark, Landbutter 1,30 bis 1,35, Matte 20 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier Klasse 8 10 J4, Klasse A 10, Klasse B 9%, Klasse C 9, Klasse D 8, Wirsing, das Pfund 15, Weißkraut 12, Rotkraut 15, Gelbe Rüben 10 bis 15, Rote Rüben, Bund 10 bis 12, Spinat, das Pfund 15 bis 18, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen grün 15 bis 20, gelb 20 bis 25, Erbsen 20 bis 30, Tomaten 20 bis 30, Zwiebeln 12, Rhabarber 8, Kartoffeln (alte), das Pfund 5/i Pf., der Zentner 5,50 Mark, neue, das Pfund 8 bis 9 Pf., Frühäpfel 20 bis 30, Falläpfel 8, Him- beeren 20, Birnen 20 bis 35, Aprikosen 20 bis 25, Kirschen 20 bis 25, Heidelbeeren 25 bis 35, Stachelbeeren 12 bis 15, Johannisbeeren 12 bis 15, Pflaumen 25 bis 30, Mirabellen 30 bis 35, Blumenkohl, das Stück 10 bis 50, Salat 5 bis 8, Salatgurken 10 bis 30, Einmachgurken 2 bis 5, Oberkohlrabi 8 bis 10, Suppengrün 5, Rettich 5 bis 10, Radieschen, Bund 8 Pf.
*00 nw tuen.
— Tageskalender für Dienstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Kleines Mädel — großes Glück".
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** Besprechung zwischen Reichsmi- ii i st e r Rust und dem Rektor der Landesuniversität. Reichsminister R u st, der in der Nacht zum Montag in Gießen weilte und .m Hotel Schütz wohnte, hatte am Montagvormittag kurz vor seiner Abreise nach Berlin eine über eine Stunde dauernde Unterredung mit dem Rektor der Landesuniversität Gießen über die weitere Arbeit und den Ausbau der Gießener Universität.
** Stadtkinder fahren aufs Land. Am gestrigen Montagvormittaa wurden von Gießen aus 40 Kinder unter der Betreuung von fünf Begleitern des Städtischen Wohlfahrtsamtes Gießen vom Bahnhof Gießen aus über Fulda nach Rottleberode im Harz zum Ferienaufenthalt ge-
Deufldje Seine ntoläeteibutter ■ i i ift iiiiiWmpw wolt-nissll-MlÄott Strffia
ab 17.54 Uhr, Mornshausen ab 17.59 Uhr, Gladenbach ab 18.02 Uhr, Erdhausen ab 18.05 Uhr, Wer- denhausen an 18.08 Uhr; Kp 4393: Weikenhausen ab 18.18 Uhr, Gladenbach an 18.22 Uhr.
** Brandschadenstatist i k Die bet den Gesellschaften der „Arbeitsgemeinschaft privater Feueroersicherungsgesellschaften m Deutschland im Deutschen Reich angefallenen Schaden betragen sur den Monat Juni 1934 insgesamt 6 473 363 Mark gegenüber 6155 886 Mark im vorvergangenen Monat Mai. Die Schadenkurve, die bekanntlich nn Mai gegenüber den Vormonaten nicht unbeträchtlich angestiegen war, bewegt sich also jetzt auf an- nähernd gleicher S)öf)e. Die Gesamtsumme der Schäden in den Manaten J°nu°r bm Juni d°- Jahres beläuft sich auf insgesamt 29 023 364 SDlart.
auch diese Butter ganz bestimmten Anforderungen entwrechen. Andere Butter, die hauptsächlich für Koch- und Backzwecke dienen soll, ist die 5. und letzte Sorte — „Deutsche Kochbutter" —.
Die Hausfrau muß verlangen, daß die Butter ihr nur noch unter diesen Umständen und Bezeichnungen angeboten wird. Als wertvolles Hilfsmittel dient ihr dabei die einfache und klare Beschriftung und Kennzeichnung der neuen Butterpackungen. Soweit die Butter direkt aus dem Faß verkauft wird, muß auch dieses in der gleichen klaren Werse mit einem Schild versehen sein.
Die für jede Sorte typische Farbe muß sich in Zukunft allen einprägen. Darum achtet von nun ' ab auf das doppelfarbig gekennzeichnete Edelerzeugnis, die „Deutsche Markenbutter", mit der roten Schrift und dem blauen oval umrahmten Adler als Schutzzeichen, die blau beschriftete „Deutsche Feine Molkereibutter", die grüne „Deutsche Molkereibutter" und die in Schwarzdruck erscheinende „Deutsche Landbutter" und „Deutsche Kochbutter".
Für ausländische Butter ist eine Unterteilung in den Sorten nicht statthaft. Sie muß lediglich mit der Bezeichnung des Herkunftslandes in derselben einfachen und klaren Weise wie das deutsche Erzeugnis zum Verkauf gelangen.
»Kleines Mädel - großes Glückt
Den Besuchern des Lichtspielhauses Bahnhofstraße wird in einem Lustspielpro- aramm, das seit gestern läuft, eine recht unterhaltsame Geschichte ausgetischt. Em findiger Kopf hat aus einer Reihe von Zufälligkeiten eine Handlung aufgebaut, die aus einer komischen Situation in die andere führt. Es begann damit, daß die kleine fesche Tochter des Schlossermeisters mit einer Kol- lektion von Vorhängschlössern in das Schloß Peters- fclde geschickt wurde, in dem man zu gleicher Zeit eine Komtesse erwartete, die der verschuldeten Gräfin das Schloß, das Besitztum abkaufen will. Dank des Irrtums der Domestiken wird des Schlossermeisters Töchterlein im Wagen ins Schloß gefahren, als Komtesse ausgenommen, bewirtet, während die richtige Komtesse ihre Koffer höchst eigenhändig von der Bahnstation zum Schloß schleppen muß. Zwischen den beiden Mädchen klart sich die Situation bald, der Gräfin gehen aber erst spater die Augen auf. In der abwechslungsreichen Geschichte spielen auch großartige Autos eine Rolle, weil verschiedene der Akteure von der „Branche sind. Da auch hierdurch verschiedene Irrtümer hervorgerufen werden, fpitzt sich die Situation heftig zu, bis sich endlich und zwar mit Hilfe der Polizei alles klärt und zum Schluß zwei verlobte Paare das einzige eindeutige Ergebnis der Handlung dar«
Ausschuß berufen werden.
Zum Schluß machte der Vorsitzende darauf aufmerksam, daß die Besichtigung der Schule und ihrer m.iutui u^uuu., .... ________- —, Einrichtungen Interessenten jederzeit gestattet und
sozialen Aufgaben (kinderreiche Familien, Hilfs-1 erwünscht ist.
bracht. — In der vergangenen Woche wurden viele Kinder aus den Städten Darmstadt, Mainz, Frankfurt usw. durch die NS.-Volkswohlfahrt des Gaues Hessen-Nassau nach Gießen und von hier aus mit den Anschluß^ügen in die verschiedenen Orte unserer oberhessischen Provinz gebracht. Etwa 1000 Kinder haben insgesamt in der vergangenen Woche in Oberhessen zum Ferienaufenthalt Einzug ge- ^**6 chichtzüge für die Belegschaft der Buderus werke. Ab 16. Juli verkehren zur Abbeförderung der um 17 Uhr schließenden Schicht Buderus Wetzlar-Lollar versuchsweise folgende Personenzüge: Kp 991: Lollar ao 17.16 Uhr, Friedel- Hausen ab 17.20 Uhr, Fronhausen ab 17.26 Uhr, Nieder-Walgern an 17.31 Uhr; Kp. 3384: Nleder- Walgern ab 17.43 Uhr, Damm ab 17.49 Uhr, Lohra
Dieser Tage fand, wie man uns berichtet, die ordentliche Generalversammlung des Aliceschulver- eins e.D. Gießen statt. Dem von dem 1. Vorsitzenden, Oberstudiendirektor Schelhorn, erstatteten Geschäftsbericht war zu entnehmen, daß die Anstalt im vergangenen Jahr eine erfreuliche Aufwärtsentwicklung genommen hat. Dies zeigt sich an der Steigerung der Besucherzahl von 240 in diesem Jahre gegen 173 im vorigen Jahr (39 v.H.). Im Zusammenhang damit steht auch eine Vergrößerung des Lehrkörpers der Anstalt.
Zu den seither schon laufenden Kursen: Fröbel- seminar, Kinderpflegerinnenschule, Hauswirtschaftseminar, Haushaltungsschule, Kochkursus, Fachschule Schneidern, Weißnähen, Handarbeit) und Turn- eminar, kamen im Laufe des Jahres neu hinzu: Frauenschule, ein Diätkurfus, und ein Kochkursus für Angehörige des graphischen Gewerbes der NSBO., die sämtlich großen Anklang gefunden haben. Das drückt sich in der Besucherzahl und den bereits erfolgten Neuanmeldungen aus. Zu bemerken ist noch, daß das Turnseminar in Gießen jetzt das einzige seiner Art in Hessen darstellt und voraussichtlich demnächst verstaatlicht werden wird.
Die technischen Seminare (Handarbeit, Hauswirtschaft) werden von diesem Jahr ab von dem Hessischen Staat nicht mehr bezuschußt, so daß also, falls die Stadt Gießen keine erhöhten Aufwendungen zu machen bereit ift, diese an sich dringend notwendigen Einrichtungen leider in ihrem Fortbestand gefährdet sind. Die F a ch s ch u l e weist nach wie vor eine gute Besucherzahl auf, was sich leicht dadurch erklärt, daß ihr Besuch von dem Besuch der Berufsschule entbindet. Außergewöhnlich hohe Zuschüsse erfordern die von der Stadt Gießen als Ausbildungsstätten für das Fröbelseminar übernommenen Einrichtungen: Mädchenhort und Kindergarten Walltorstraße. Falls es nicht gelingt, einen erhöhten städtischen Zuschuß zu erlangen, müßte mit einer Schließung dieser beiden Einrichtungen gerechnet werden, was im Hinblick auf die
ZweiMnim und Hilda
Vornan von Hermann W. Walber.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)
6 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Das Gespräch plätscherte bald wieder munter dahin, bis mit einem Male Doktor Becker sagte:
„Was ich Sie immer schon mal fragen wollte, Herr von Kirchhofen! Mein Vater, der, wie Sie ja alle wissen, als Oberstabsarzt im Felde stand, hatte beim Regiment, dem er zugeteilt war, einen Kameraden, der Ihren Namen trug. Mein alter Herr sprach letzthin auch davon. Es muß sich wohl um einen Verwandten von Ihnen gehandelt haben?"
„Das ist möglich. Zweifellos wird es ein Verwandter gewesen sein, wenn auch ein entfernter. Ich bin da nicht im Bilde. Er gehörte wahrscheinlich Aur Hauptlinie meiner Familie, mit der ich keine Verbindung habe. Ein alter Zwist — verstehen Sie..."
Der Ton, in dem er diese Auskunft gab, trug so merkbar den Stempel des Wunsches, van dieser Familiengeschichte nichts mehr zu hören, daß Doktor Becker es vorzog, die weitere Erörterung abzubrechen. Immerhin — eigenartig wirkte Kirchhofens Bescheid und Verhalten doch auf ihn...
„Wir wollen einen Bummel machen!" zerriß Hilda Geyerling die peinliche Situation.
Alle stimmten freudig zu.
Man brach sofort auf, doch zeigte sich bald: Stimmung wollte nicht mehr so recht aufkommen, sie war und blieb verdorben. Alle Versuche, sie wieder zu heben, scheiterten, ohne daß man so recht wußte, woran.
Als man sich trennte, geschah es bei Hans von Kirchhofen mit einem Gefühl der Erleichterung.
„Verdammte Lage vorhin!" Und er beschloß, auf den Schreck erst einmal ordentlich einen zu genehmigen.
Er rief ein Auto heran und ließ sich nach einem Kabarett fahren.
In später Nachtstunde erst fand er den Heimweg.
In diesen Nachtstunden reifte ein neuer Plan in ihm. Ihn auszuführen, wollte er nicht lange zögern.
Er hatte einmal „Hott!" gesagt, also mußte er auch „Hü!" sagen.
Gewissensbisse? O nein! Die kannte er schon lange nicht mehr. Er befand sich nun einmal auf der Laufbahn des Verbrechens. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Es gab nur noch eins: durchhalten bis zum Ziel, koste es, was es wolle!
Auf ein Opfer mehr oder weniger sollte es ihm dabei nicht ankommen.
Und am nächsten Tage schritt er gleich zur Tat. Am Abend.
Mya Körber war in höchstem Maße überrascht, als unter ihren Gästen auch Hans von Kirchhofen wieder auftauchte. Waren seine Pläne gescheitert? Und suchte er nun wieder Anschluß bei ihr, wie es schon einmal der Fall war?
Oder brauchte er sie nur zur Unterhaltung, gewillt, sie eines Tages von neuem abzuschütteln, wenn es ihm gerade in den Kram paßte?
Oh, sie wollte schon nicht mit sich spaßen lassen. Glaubte er etwa, sie hätte die Mißhandlung vor einigen Tagen in seiner Wohnung vergessen? Da sollte er sich aber gewaltig getäuscht sehen. Auf alle Fälle durfte sie gespannt darauf sein, was ihn wohl hergeführt hatte.
Die Begrüßung war so, als sei überhaupt nichts vorgefallen. Mit der ihm eigenen Nonchalance fand er sich in die neue Situation hinein.
Von den Gästen wurde der lang Vermißte freudig willkommen geheißen. Den wenigsten war bekannt, in welch ganz andere Lebensspi)äre er inzwischen getreten war.
Hans von Kirchhofen gab sich ganz wie früher.
In dieser Luft der Lebewelt fühlte er sich sicher. Hier brauchte er so ohne weiteres keine Angst zu haben, daß man hinter seine Schliche kommen würde. Und wenn doch, dann war es auch noch nicht einmal so schlimm...
Es gelang ihm vorübergehend, Mya Körber allein zu fassen. Verflixt, war die schwarze Katze pikiert! Sowas an Zurückhaltung, Ablehnung!
Na, er würde sie schon herumkriegen!
Ganz einfach: Er brauchte ihre Hilfe. Mit ihrem weiblichen Instinkt und bet ihrem Raffinement würde sie ihm schon zu raten wissen, wie er mit seinen Plänen weiterkäme. Notfalls würde er sie eben an dem materiellen Erfolg teilhaben lassen.
Er zweifelte nicht, daß es ihm gelingen würde, die schwarze Mya umzustimmen. Notwendig war da^u aber, wieder gutzumachen, was er an ihr gesündigt.
Und dann widmete er sich wieder dem Spiel, ohne allerdings recht bei der Sache zu sein. Auf seine Falschspielertricke verzichtete er diesmal. Er mar ja nicht des Erwerbswillens hier. Wichtigere Dinge gingen durch feinen Kopf...
Immer wieder glitten feine Augen zu einem jungen Menschen, der abseits vom Spieltisch stand und nur zögernd mit Einsätzen herausrückte. Er kannte ihn seit langem.
Es handelte sich angeblich um einen rumänischen Studenten, von dem er aber wußte, daß er in allerhand obskursen Angelegenheiten verwickelt gewesen war, die ihm viel Geld eingebracht haben mußten. So oft er die Abende bei Mya Körber besuchte, offenbarte er, daß er stets gut eingedeckt war.
Man sah ihn gern, und vor allem waren es die, weiblichen Gäste, die sich seiner annahmen, die einen in redlicher Neigung, die anderen in der Hoffnung auf ein einträgliches Geschäft,
Seine Mienen zeigten indessen nicht die gewohnte Lebhaftigkeit.
Mehr als einmal fuhr er sich mit den Fingern durch das dickschwarze, langwellige Haar. Alle diese Anzeichen in Verbindung mit seiner Zurückhaltung beim Spiel an diesem Abend ließen vermuten, daß es ihm finanziell gegenwärtig nicht besonders gut ging. Wahrscheinlich war ihm seine Geldquelle verstopft. Schwer für einen, der an Wohlleben gewohnt ist, sich mit dem Gedanken vertraut machen zu müssen: jetzt heißt es darben. Den Rumänen drückten Geldsorgen, das war offensichtlich.
Hans von Kirchhofen zog sich vom Spieltisch zurück und bat den Rumänen, mit ihm zu Nacht zu essen — eine Einladung, die dankend angenommen wurde.
Alexander Prachianu war der Sohn angesehener Leute, die in der Hauptstadt feines Vaterlandes wohnten. Das böfe Beispiel falscher Freunde trieb ihn auf die Lotterbahn. Er wurde von Hause verstoßen und geriet in die Hände anarchistischer Elemente, die die Wissens- und Personenkenntnisse Prachianus weidlich für ihre Zwecke ausnutzten.
Ein mißglücktes Attentat mit anschließender scharfer Verfolgung der Urheber zwang ihn mit anderen zur Flucht ins Ausland.
Er wandte sich nach Deutschland, um von hier aus in versteckter, unauffälliger Weise weiterzuarbeiten. Er war an sich nur eine Puppe, die an einem Faden hing, an dem dann und wann einmal gezogen wurde. Dann hatte er zu tun, was ihm anbefohlen wurde. Er kannte die Fadenzieher kaum. Ebenso geheimnisvoll war für ihn die Herkunft des Geldes, das ihm von Zeit zu Zeit in allerdings reichlicher Weife zufloß, und dessen Eingänge erst jüngst aufgehört hatten, so daß er sich jetzt in Bedrängnis befand und nicht wußte, wie er weiter sein Leben fristen sollte.
Der schwere Portwein löste dem Rumänen mehr und mehr die Zunge, so daß er sogar Dinge aus« plauderte, die er in nüchternem Zustande gewiß für sich behalten hätte.
Sein Gastgeber triumphierte. Also hatte er sich von vornherein nicht getäuscht. Diesen Alexander Prachianu — übrigens ein Pseudonym, sein wirklicher Name, mit dem er nicht herausrücken durfte, lautete ganz anders —, diesen jungen Menschen wollte er als fein Werkzeug benutzen, um denjenigen unschädlich zu machen, der ihm auf feiner weiteren Lebensbahn im Wege stand.
Der Wolterstorff glaubte wohl, ein Hans von Kirchhofen würde zeitlebens den „jungen Mann" darstellen. So haben wir nicht gewettet. Das rumä- nifche Geschäft mochte er ruhig erst perfekt machen. Daß Wolterstorff Dies schaffen würde, war kaum zu bezweifeln. Dann aber mußte er abtreten, und da Wolterstorff bestimmt nicht freiwillig von der Betätigungbühne bei den Geyerling-Werken zu verschwinden Lust haben mochte, wollte er, Hans von Kirchhofen, chm ein wenig nachhelhen. Und wenn
nicht anders, dann unter Anwendung von Gewalt.
Nach vorsichtiger Sondierung, die ihm die Gewißheit verschaffte, daß Prachianu gegen einen ansehnlichen Vorschuß und gutes Honorar nach dem Gelingen ihm unbedingt Gefolgschaft leisten würde, weihte er ihn dann genauestens in seine Pläne ein.
Bedenkenlos stimmte der Rumäne ihm zu und erklärte sich bereit, nach Empfang des zugesagten Vorschusses schon am nächsten Tage die Reise in seine Heimat anzutreten, um zur xat schreiten zu können, sobald Befehl dazu erging.
Im Nebenraum hatte zeitweilig, unbemerkt von den beiden, Mya Körber ihr Ohr an die dünne Wand gehalten. Nur Bruchstücke der Unterhaltung hörte sie; aber sie genügten ihr — sie verstand, worum es sich handelte.
Hans von Kirchhofen, du bist in der Hand eines Weibes, das unter Umständen genau so brutal sein kann wie du, das aber jedenfalls eine einmal erfahrene Demütigung nicht vergessen und sich dafür bei passender Gelegenheit rächen wird. —
Kirchhofen war zufrieden. Er verabschiedete sich bald, wobei er Mya Körber guflüfterte: Ich komme wieder!
Er sah nicht, wie die Frau, nachdem sich die Haustür hinter ihm geschlossen hatte, drohend ihre kleine Faust hob ...
Der Rumäne aber bekam neuen Spielmut. Eine hohe Einnahme stand in Aussicht. Da konnte er ja seine Barschaft aufs Spiel setzen. Er spielte und gewann, und spielte und gewann weiter, bis die Glückssträhne ihn verließ, er alles auf eine Karte setzte und dann vor dem Nichts stand. Was scherte es ihn? Morgen war ein neuer Tag, morgen stossen ihm ja neue Gelder zu...
Mya Körber verstand es, Prachianu festzuhalten, und er war auch noch bei ihr, als die übrigen Gäste das Haus längst verlassen hatten.
Sie ließ all ihre weiblichen Künste spielen, und so dauerte es nicht lange, bis er sich völlig im Bann der schönen Frau befand und — ihr erzählte, was sie ja schon wußte, wenigstens zum Teil.
Sie warnte ihn. Er machte lediglich eine Bewegung, die bedeuten sollte, ich muh Geld haben. Da schrieb sie ihm einen Scheck aus, dessen Höhe ihn nicht wenig in Erstaunen setzte.
Als Prachianu Mya Körber verließ, wußte er, in welcher Weise der Auftrag von Kirchhofens zur Ausführung zu bringen war. Auf dem Heimwege lachte er:
„Na, da winken ja allerhand schöne Einnahmen! Vielleicht kann ich sogar obendrein die schwarze Mya erobern?! Ein Teufelsweib! Soll mich nur wundern, wie sie das Ding fingern will! nun — mir solls recht sein! Schließlich ist es mir sogar lieber so, daß dem Wolterstorff kein Haar gekrümmt wird. Man kann nie wissen.. .
„Geburtstag und Verlobung zugleich, Kindchen — das wird aber einen Freudentag für dich geben!*
(Fortsetzung folgt.)


