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tHosfcmorie, ffioscmaeie...

Roman von Käthe Metzner.

18. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

8. Kapitel.

Marion Tinius erholte sich nur langsam von ihrem Unfall, den sie jetzt fast als einen Wink des Schicksals betrachtete. Es war unbestritten: die Bergmann hatte ihr den Rang abgelaufen! In Berlin war für sie kaum noch etwas zu erhoffen. Sollte sich ihre Genesung nur noch recht lange Anziehen! Eine Aussicht auf Erneuerung ihres Vertrages bestand nicht mehr.

Oft wollte es ihr gar nicht in den Kopf, daß die Bergmann sie so schnell aus dem Herzen des Berliner Theaterpublikums verdrängt hatte.

Bitter war der Haß, der sich in Marion Tinius ßtgen die arglose Rosemarie festfraß. Das eine stand bei ihr fest: sang- und klanglos würde sie nicht von der Bildfläche abtreten. Wenn sie ging, bann ging die Bergmann mit.

Die Strehle, ihre alte Garderobiere, hatte ihr eine Waffe in die Hand gegeben, die sie nicht un­genutzt lassen würde.

Stundenlang konnte sie aus ihrem Liegestuhl zu­bringen bei ihren tückischen Plänen.

Sobald sie nur erst wieder hinaus konnte, würde sie alle Hebel in Bewegung setzen, zu erfahren, was die Bergmann für ein Geheimnis zu verbergen hatte.

Es mußte ihr gelingen. Keinen Weg würde sie scheuen.

Aber dann, wenn sie erst Bestimmtes wußte, konnte die Bergmann sich freuen! Mochte sie in­zwischen ruhig die Gunst des Publikums genießen, mochte Erfolg auf Erfolg sie stolz, hochmütig machen!

Je höher du steigst, um so tiefer ist dann der Absturz!" lachte die Tinius in bösem Hohn.

War es nicht seltsam, daß Rosemarie vor kurzer Zeit dieselben Worte gesprochen hatte? Ging ihre Seele wirklich ahnend den Dingen voraus?

In Brunners Hause herrschte zu dieser Zeit eine Hochstimmung, wie sie nur ganz selten vorkommt, wenn Erfolg, berechtigte Freude und harmonische Menschen beisammen sind.

Tante Berta hatte ihren Einzug gehalten. Rose­maries Ueberraschung war grenzenlos gewesen. Erst jetzt, wenn sie die geliebte alte Frau in der Loge wußte, freute sie sich von ganzem Herzen über den prasselnden Applaus der Zuhörer.

Wie schön waren die Tage, die den strahlenden Abenden im Schauspielhaus folgten. Immer wieder ermunterte die fröhlich herzhafte Art ihrer Tante die sonst oft schwermütige Rosemarie.

Die vielen Blumen, die ins Haus kamen und die sie sonst fast achtlos beiseite hatte stellen lassen, wurden geordnet und sinnvoll verteilt. Alles wurde mit Tantchen besprochen. Bei allem mußte Tant­chen helfen.

Wie ein Kind war Rosemarie in der Freude ihres Erfolges.

Und nicht selten geschah es, daß ihre Gedanken zu Marion Tinius flogen, aber immer war in ihrem Herzen ein warmes Mitleid und etwas Scham, daß gerade sie an die Stelle der anderen treten mußte.

Schon dreimal hatte sie sich bei Marion melden lassen. Wie gern hätte sie ihr ein paar Worte ge­sagt, die die andere fühlen lassen sollten, wie sie mit ihr litt! Aber immer war sie abgewiesen wor­den, unter dem Vorwand, Marion Tinius fühle sich noch nicht fähig, Besuche zu empfangen

Fürst Lueberg war noch nicht wieder im Hause Doktor Brunners gewesen, aber er war an jedem Abend, an dem Rosemarie spielte, im Theater.

Brunner war es oft unmöglich, seinen forschen­den Blicken auszuweichen. Er wartete auf einen Bescheid, das wußte Brunner, aber in seiner weich­herzigen Art brachte er es nicht fertig, ihm eine krasse Ablehnung zu geben.

Ich habe Rosemarie von Ihnen gesprochen, Durchlaucht, und weiß, daß Sie ihr em sympathi­scher, angenehmer Mensch sind. Von ihren Plänen habe ich noch nichts sagen können. Sie ist in dieser Zeit so sehr auf ihr künstlerisches Schaffen einge­stellt, daß sie die Umwelt darüber zu vergessen scheint. Vielleicht, wenn die Gewohnheit ihre Seele in ruhigere Bahnen geleitet hat."

Der Fürst atmete auf. Roch war also nichts ver­loren. Noch konnte er hoffen.

Ich verstehe ihre Gründe vollkommen, Herr Doktor. Wollen wir ruhig abwarten."

Aber täglich brachte fein Diener einen Korb dunkelroter Rosen in die Brunnersche Villa.

Rosemarie nahm sie, ohne ein Wort darüber zu sagen. Aber Brunner erfüllte die unermüdliche Werbung des Fürsten mit leiser Besorgnis.

Doch das war auch das einzige, was seine Seele beschwerte. Sonst gab er sich sorglos dem Glück und der Harmonie hin, die die beiden Frauen in sein vereinsamtes Heim und in sein Leben ge­tragen hatten.

Wunderschön waren die Stunden, die man in seinem Zimmer beim traulich flackernden Kamin­feuer verplauderte. Immer mehr wuchsen die drei Menschen ineinander, die ein seltsames Schicksal auf so wunderbare Weise zusammengeführt hatte.

Doktor Brunner trug sich mit dem Gedanken, seinen Dienst im Theater mit Ablauf dieser Spiel­zeit aufzugeben. Er wurde achtundsechzig Jahre. Das war für feine geistige Beweglichkeit zwar kein Alter. Aber man mußte auch einmal den Mut haben, einem Jüngeren Platz zu machen!, dachte der hochherzige Mann.

Manchmal hatte er das starke Empfinden, daß durch Rosemarie seinem Schaffen erst die Krone aufgesetzt sei. Er hatte durch sie der Schauspielkunst eine ganz große Könnerin zugeführt, wie sie in jeder Generation nur einmal vorkam.

Rosemarie war auf der Probe. Alles klappte ganz vorzüglich; aber immer wieder machte der Regisseur im geheimen die Feststellung, daß die Bergmann sich tatsächlich auf der Bühne erst völlig ausgab. Wer sie hier in den Proben sah, hatte wohl den Eindruck einer ausgezeichneten Schau­spielerin, doch ihre wahrhafte Größe offenbarte sich hier nicht.

Ueberhaupt schien die Bergmann heute nicht recht in Stimmung zu sein. Kein Wunder zwar: vorhin war Marion Tinius aufgetaucht und hatte, noch auf den Stock gestützt, der Probe beigewohnt.

Regisseur Mendel hatte merkwürdigerweise sofort den Eindruck gehabt, daß Marion Tinius ihren Neid auf die Bergmann nur schwer verbergen konnte.

Rosemarie hatte die Tinius, die leise herein- aekommen war und sich unauffällig neben die Statisten gestellt hatte, gar nicht gleich bemerkt.

Erst als eine kleine Pause gemacht wurde, ent­deckte sie diese. Mit herzlicher Freundlichkeit ging sie sofort auf die Tinius zu:

Grüß Gott, Fräulein Tinius! So weit find Sie also schon wieder hergestellt? Da gratuliere ich Ihnen aber wirklich recht herzlich!"

Marion Tinius übersah die Hand, die Rosemarie ihr entgegenstreckte, vollkommen. Mit spöttisch ver­zogenem Munde erwiderte sie den Gruß und sagte auffallend kühl:

Ja, soweit bin ich schon wieder hergestellt. Na, Sie haben es ja inzwischen sehr weit gebracht hier! Macht Spaß, so der auserkorene Liebling zu sein nicht? Na, jeder wird es ja auch nicht so leicht gemacht wie Ihnen. Ihnen geht es ja wie Ihrer Mutter. Sie haben Protektion über Protektion. Da geht der Ausstieg natürlich schnell. Ob eine da viel kann oder nicht."

Rosemarie erbleichte. Es war nicht schwer, die Feindschaft zu fühlen, aus der Marion Tinius offenbar gar kein Hehl machte. Aber noch immer war sie zum Verzeihen geneigt. Sie verstand voll­kommen, daß die andere erbittert war, erbittert sein mußte. Das Pech hatte sie während dieser Spielzeit doch geradezu verfolgt. So versuchte sie noch einmal einzulenken:

Ich habe sie mehrmals besucht, Fräulein Tinius. Aber leider hatte ich nicht die Freude, bei Ihnen vorgelassen zu werden. Ihr Unfall hat mir fo herz­lich Leid getan, und es ist mir wirklich nicht gleich­gültig, daß gerade ich es bin, die an Ihre Stelle treten mußte. Sie werden mich ja hoffentlich bald wieder ablösen."

Fühlte die Tinius nicht den hohen Adel dieser Seele? Einen Augenblick lang senkte sie, offenbar

aufs höchste erstaunt, einen Blick in Rosemaries Augen. Aber zu sehr schon hatte sie sich in den Gedanken eingesponnen, die Bergmann zu ver­nichten, als daß bessere Gefühle die Oberhand ge­wonnen hätten.

So erreichten Rosemaries liebe, herzliche Worte gerade das Gegenteil. So eine falsche Katze!, dachte die Tinius. Mir auch noch solche Phrasen ins Gesicht zu sagen! Dabei glitt ihr Blick sekundenschnell über Rosemaries wundervolles Gesicht, haftete eben­solange an ihrem Haar, in dem in der hellen Morgensonne goldene Funken tanzten.

Magst du sie alle mit deiner gespielten Naivität kapern, dachte sie haßerfüllt, mich fängst du mit deinen süßen Worten nicht. Und wenn sie dir alle zu Füßen liegen, ich werde dir die Maske herunter­reißen, hinter der du dein Geheimnis verbirgst. Dann wirst du nicht wissen, wohin du dich wenden sollst. Ich aber werde lachen!"

Am selben Morgen hatte sie von einem Aus­kunftsinstitut zweiter Klasse, das sie beauftragt hatte, eine Auskunft über die Vergangenheit der Bergmann einzuholen, so wichtige und interessante Mitteilungen erhalten, daß sie wußte, es würde ihr nun ein leichtes sein, die Bergmann unmöglich zu machen. z7i .,

Vorerst wollte sie noch schweigen. Günstiger noch mußte sich die Gelegenheit gestalten. Ihre Nieder­lage mußte ganz vernichtend wirken.

Aber jetzt wollte sie die Gelegenheit nutzen, die rosige Stimmung der Bergmann wenigstens durch ein paar feine, spitze Andeutungen gründlich zu verderben.

Ja, allerdings habe ich Sie nicht vorgelassen, Fräulein Bergmann", sagte sie langsam und die Wirkung ihrer Worte beobachtend.Ich war doch etwas zu mitgenommen und brauchte dringend Ruhe. Und dann ich bin ein etwas seltsamer Mensch. So leicht bin ich für neue Freundschaften nicht zu haben. Wir kennen uns doch noch zu wenig. Sie tauchten hier fo plötzlich in Berlin auf, ohne daß man recht wußte, aus welcher Atmosphäre Sie zunächst kamen. Ich verkehre nicht gern mit Menschen, deren Werdegang mir nicht restlos be­kannt ist. Man erlebt zu leicht Enttäuschungen. Aber bitte..." Als sie sah, daß Rosemarie blaß wurde, setzte sie boshaft hinzu:Ich spreche im allgemei­nen, liebes Fräulein Bergmann; es ist doch nicht auf Sie persönlich gemünzt. Daß Sie nicht aus Langfingersdorf kommen, kann man doch an­nehmen."

Rosemarie war es, als ob in diesem Augenblick eine würgende Hand nach ihrer Kehle griffe.

Sie fühlte, daß von Marion Tinius etwas Drohendes ausging, das mit langsamen Schritten, aber unaufhaltsam auf sie zukam und sie zu ver­nichten drohte.

Doch schon klingelte Regisseur Mendel wieder zur Fortsetzung der Probe.

(Fortsetzung folgt.) _________ 1

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