Schweres Einsturzunglück in Kattowih.
kaltow 1 h, 15. Oft (DM23.) Lin schweres Linsturzunglück ereignete sich am Montagvormiltag am Meubau der kattowlher Kathedrale. Die Vauteilung halte am Montag etwa hundert Arbeiter neu eingestellt, da nach einer längerer Pause die Bauarbeilen fortgesetzt werden sollten, vor Arbeitsbeginn sollten die Arbeiter über den Stand der Bauarbeiten unterrichtet werden. Als sich etwa 70 Arbeiter auf dem zweiten Stockwerk des Baugerüstes befanden, st ü r z t e dieses zusammen und begrub die Arbeiter unter den Trümmern. Mach den vorläufigen Feststellungen wurden etwa 30 Arbeiter schwer verletzt, während die gleiche Anzahl leichtere Verletzungen davontrug. Zehn der Schwerverletzten liegen hoffnungslos darnieder. Unter den Schwerverletzten befindet sich auch der Bauführer sowie ein Geistlicher. Hebet die U r- s a ch e des Einsturzunglückes konnte bisher nur fest- gestellt werden, daß das Baugerüst anscheinend infolge der anhaltenden Regenfälle in seiner Standfestigkeit gelitten hat, so dah es unter der starken Belastung zusammenbrach.
Bei den Verunglückten handelt es sich durchweg um Arbeitslose. Wegen Mangels an Mitteln wurde der Bau der Kathedrale, dessen Vollendung von Bischof Adamski seit Jahren betrieben wird, auf dem Wege der freiwilligen Dienstleistung durchgeführt. Die verschiedenen Kirchensprengel stellten von
Zeit zu Zeit eine gewisse Anzahl von Arbeitslosen die in Kattowitz ohne Barentschädigung, nur gegen Verpflegung, die Bauarbeiten freiwillig leisteten.
Auf dem 7 Meter hohen Gerüst am Presbyterium sammelten sich die etwa 70 Arbeitslosen um den Priester Zajone und den Baumeister A f f a. Nach der Ansprache des Priesters sollte der Baumeister mit den Erklärungen über den Stand der Bauarbeiten beginnen. Da stürzte plötzlich dieser Teil des etwa 50 Meter langen Gerüstes unter furchtbarem Krachen zusammen.
Nach dem Bericht eines Augenzeugen war die Baustelle nach dem Einsturz in eine riesige Staubwolke gehüllt, aus der die Hilferufe und Schmerzensschreie der Verunglückten drangen. Die auf dem Bauplatz befindlichen übrigen Arbeiter machten sich sofort an die Bergung der Ver- u n g lü ck t e n und alarmierten die Rettungswache, die in kurzer Zeit mit Aerzten und Krankenwagen eintraf. Zur Zeit kann noch nicht gesagt werden, ob das Unglück bereits Todesopfer gefordert hat. Man spricht nach wie vor von 30 Schwerverletzten und ebensovielen Leichtverletzten. Von zehn Schwerverletzten, die mit dem Tode ringen, haben sechs Wirbelsäulenbrüche erlitten.
Wie verlautet, hat die Polizei zwei leitende Beamte, die für die Bauarbeiten verantwortlich sind, in Haft genommen. Kurz nach dem Unglück erschienen Vertreter der Staatsanwaltschaft auf dem Bauplatz, um die Untersuchung einzuleiten.
Oer Golfstrom macht Seitensprünge.
Was uns norwegische Meteorologen versprechen, ist wahrhaftig geeignet, uns — im wörtlichsten Sinne übrigens — eine sog. Gänsehaut über den Rücken zu jagen. Da haben nämlich einige Wissenschaftler den ganzen Sommer über nichts anderes getan, als täglich die Temperaturdes Meeres gemessen und genau registriert, und nun fühlen sie sich auf Grund dieser Forschungsergebnisse bemüßigt, uns einen sehr st r e n g e n Winter zu prophezeien. Die anhaltende Hitze im Frühjahr und im Sommer, sagen sie, habe gewaltige Di engen von Schmelzeis und Schnee von den Gletschern im hohen Norden ins Meer gebracht und dadurch sei die Wassertemperatur an der europäischen Westküste beträchtlich herabgesetzt worden. „Folglich" — das klingt bekanntlich immer sehr überzeugend — hätten wir mit einer mindestens ebenso großen Kälte zu rechnen, wie sie uns der Winter 1928/29 bescherte. Aber: Bangemachen gilt nicht!
Wenn uns etwas in diesem Selbstvertrauen bestärken kann, so ist es der Bericht, den der Golf- st ro m-Forscher Dr. Sandström soeben veröffentlichte. Dieser immerhin menschenfreundlichere Gelehrte hat nämlich die schönen Sommermonate am Golfstrom zugebracht. Dabei hat er konstatiert, daß sein Beobachtungsobjekt „sich ganz merkwürdig benommen" habe. Während die oberste Wasserschicht unverhältnismäßig warm war, habe die Temperatur nach unten zu außerordentlich stark abgenommen. Dr. Sandström legt diese anormalen Temperaturunterschiede gleichfalls dem frühzeitigen Tauwetter als Folge der ungewöhnlichen Hitze im Frühjahr zur Last, aber — und das ist jedenfalls tröstlich — er glaubt daraus noch keine Schlüsse auf das Wetter im kommenden Winter ziehen zu dürfen.
Wer dabei nicht „gerade gefehlt" hat, weiß noch von der Geographiestunde in der Schule her, daß der Golfstrom wirklich ein etwas merkwürdiger Geselle ist, der nicht selten Seitensprünge macht, indem er heute anders fließt als er es noch gestern tat. Wir wollen unser Gedächtnis einmal etwas auffrischen: Der Golfstrom ist eine der am frühesten bekanntgewordenen großen Strömungen der Meere. Obgleich schon einige Jahre früher von Ponce de Leon durchfahren, wurde der Golfstrom recht eigent
lich er 1519 von dem Obersteuermann A l a m i n o s entdeckt, der mit seiner „Ferdinand Cortez" vom Golfstrom getragen, in der damals unerhört kurzen Zeit von zwei Monaten von Veracruz nach Spanien segelte. Der Golfstrom entsteht an der Nordküste von Süd- a m e ri f a und fließt, vom Nordost-Passat getrieben, a uf bie Kette der Kleinen Antillen zu. Durch den Golfvon Mexiko wälzt er sich dann zu den Engen von Bernini und gewinnt dort eine Oberflächengeschwindiakeit, die beispielsweise der Rhein nur bei Hochwasser erreicht. An der Ostküste der Neufundlandbank begegnet der Golfstrom an seiner nördlichsten Grenze schließlich dem Labrador st rom, einer kalten Polarströmung. Und hier wird's interessant: Die Grenzlinie zwischen diese beiden mächtigen ozeanischen Strömungen verschiebt sich nämlich mit den Jahreszeiten. Im Winter drängt der kalte Labradorstrom den warmen Golfstrom nach Süden zurück, und im Sommer macht dann umgekehrt der Golfstrom das Rennen.
Und damit sind wir nun auch bei unseren norwegischen Gelehrten angelangt, die uns auf Grund des diessommerlichen Seltensprungs des Golfstromes jene wenig schöne Aussicht auf einen grimmigen Winter eröffneten. Die außerordentliche Hitze im Frühjahr ist nämlich dem Golfstrom zu Hilfe gekommen und hat seinen Drang nach Norden noch unterstützt. Dort hat er dann gewaltige Schnee- und Eismassen vermöge seiner Wärme zum Abschmelzen gebracht und sich, indem er diese Schmelzwässer aufnahm, s e l b st „erkältet". Wenn also die große Auseinandersetzung mit dem Labradorstrom wieder beginnt, werden die in ihrer Temperatur beträchtlich herabgesetzten Wassermassen, die der Golfstrom vorwärts trieb, nun auch um so weiter nach Süden verdrängt. Und da ja der Golfstrom bekanntlich auf die Wetterbildung im skandinavischen Raum nicht ohne Einfluß ist, sollen auch wir, dieweil wir ja im Winter unser kaltes Wetter vorwiegend von dort her beziehen müssen, vor den Folgen des sommerlichen Golfstrom - Seitensprunges nicht verschont bleiben. Das sagen jedenfalls die norwegischen Meteorologen. Wir aber meinen: Bangemachen gilt nicht.
Zahlreiche Städte und Ortschaften der Gegend sind ohne Licht- und Telephonverbindung. In Neuyork betrug die Temperatur gestern noch 21 Grad Celsius. Heute ist sie hier stark gefallen, und ein eiskalter Wind läßt einen baldigen Schneefall befürchten.
Skurm über der Irischen See. — Schneefall In Schottland.
Auf der Irischen See herrschte in den letzten Tagen und Nächten ein heftiger Sturm, der zahlreiche Schiffe in Gefahr brachte. In den Rettungsstellen an der Westküste Mittelenglands liefen zahlreiche telegraphische Hilferufe ein worauf drei Rettungsbarkassen die Morecambe-Bucht und die Irische See durchsuchten. Die Boote kehrten jedoch unverrichteter Sache zurück. In den Bergen Schottlands und in Derbyshire fiel der erste Schnee und auch in London sind die Temperaturen erheblich gesunken.
Wirbelsturm über den Philippinen.
Die Stadt Manila auf den Philippinen ist von einem Wirbelsturm heimgesucht worden. Die Straßen der Stadt stehen 30 Zentimeter unter Wasser. Die Funkverbindung mit den Philippinen ist unterbrochen.
Lin großer Hof in Mordschleswig durch Brandstiftung in Asche gelegt.
Der große „Oxenwatthof" im Westen des Kreises Hadersleben (Nordschleswig) ist durch ein Groß- feuer völlig ein geäschert worden. Das Wohnhaus und fünf Wirtschaftsgebäude sind niedergebrannt. 13 Stück Rindvieh und 48 Schweine und Ferkel sind in den Flammen umgekommen. Neben der gesamten Ernte wurden auch fast alle landwirtschaftlichen Maschinen und das meiste Inventar ein Raub der Flammen. Der Futtermeister des Hofes hat gestanden, den Brand angelegt zu haben.
Jener im Pariser „Journal". — Lin Todesopfer.
In den Kellerräumen der Zeitung „Le Journal" in Paris ist ein Brand ausgebrochen. Man nimmt an, daß das Feuer in den Räumen entstanden ist, in denen sich die elektrischen Maschinen befinden. Der Brand griff auch auf einen Raum über, wo Oel lagerte. Infolge der starken Rauchentwicklung mußte das ganze Gebäude vom Personal geräumt werden. Nach mehrstündiger Tätigkeit der Feuerwehr hatte der Brand den Höhepunkt überwunden. Einer der Wächter konnte sich nicht mehr retten; er sand den Tod des Erstickens. Der Sachschaden, den der Brand verursacht hat, soll beträchtlich sein. Die Zeitung wird in einer befreundeten Druckerei gedruckt.
Die Höllenmaschine im Postpaket. — Line Tote, ein Schwerverletzter.
Das Ehepaar T u b i s ch in Klimontow bei Sos- nowice (Oberschlesien) erhielt dieser Tage ein Paket unbekannter Herkunft. Die Ehefrau öffnete in Gegenwart ihres Mannes sofort das Paket, wobei eine heftige Explosion erfolgte. Die Frau wurde in Stücke gerissen und war sofort t o t. Der Ehemann erlitt sehr schwere Verletzungen. Die Wohnungseinrichtung wurde völlig zertrümmert. Die Untersuchung ergab, daß das Paket eine Höllenmaschine enthielt. Man vermutet einen Rache- a k t. Der Täter konnte noch nicht ermittelt werden.
Blutiger Streit um eine Erbschaft. — Ein Toter, zwei Schwerverletzte.
In einer Gastwirtschaft in Bottrop (Wests.) kam es infolge von Streitigkeiten wegen einer Erbschaft zu einer blutigen Auseinandersetzung, in deren Verlaus eine Person getötet und zwei schwer verletzt wurden. Die Brüder Wilhelm und Heinrich R o h m a n n waren in einen Streit geraten, der immer schärfere Formen annahm. Plötzlich gab Wilhelm Rohmann auf seinen Bruder mehrer Schüsse ab, so daß dieser, von einem Kopf- und zwei Brustschüssen getroffen, schwer verletzt Zusammenbruch. Auch die herbeieilende Base der Brüder wurde durch einen Rückenschuß niedergestreckt. Der Täter begab sich sodann auf fein Zimmer und machte seinem Leben selbst ein Ende. Die beiden Schwerverletzten wurden dem Krankenhaus zugeführt, wo sie mit dem Tode ringen.
Der Finanzminister persönlich hebt einen Schmuggeltransport auf.
Der niederländische Finanzminister Oud, der sich zur Zeit auf einer Inspektionsreise entlang der holländisch-belgischen Grenze über die zur Bekämpfung des Schmuggels getroffenen Maßnahmen unterrichtet, stieß in der Höhe von Sas van Gent zufällig auf einen großen Schmuggeltransport. Zwei Lastwagen, die zum Schutze gegen eine etwaige
Beschießung mit Panzerplatten belegt waren, sollten unter Umgehung des holländischen Ausfuhrverbots über die belgische Grenze gebracht werden. Die Schmuggler waren so überrascht, daß sie keinen Widerstand leisteten. So konnte Finanzminister Oud mit der Genugtuung seinen Weg fortsetzen, persönlich einen Schmuggeltransport unschädlich g e - macht zu haben.
In seiner neuen Tauchermaske erstickt.
Der Marineleutnant Alberto C u n i b e r t i, der Erfinder einer neuen, mit einem Sauerstoffbehälter ausgestatteten Tauchermaske, die einen län- aeren Aufenthalt unter Waffer gestattet, ist bei einem Versuch mit seinem Gerät e r st i ck t. Er wurde beim Tauchen offenbar von einem Unwohlsein befallen
und hatte daher den Hahn des Sauerstoffbehälters nicht rechtzeitig geöffnet. Mit seinem Gerät war er schon häufig über eine Stunde unter Wasser geblieben.
„Graf Zeppelins" 10. Südamerikafahrl.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist Samstagabend 20.15 Uhr zu seiner 10. Südamerikasohrt gestartet. Die Führung hat Kapitän Lehmann übernommen. Das Luftschiff führt an Bord 25 Fahrgäste, 220 Kilogramm Fracht und 200 Kilogramm Post.
Sechslagige Flugverbindung Meuyork—Schanghai geplant.
Größte Aufmerksamkeit erregte in der Washingtoner Presse die Meldung, daß der amerikanische ! Luftfahrtkonzern Panamerican Airways, der bereits ein ausgedehntes Flugverkehrsnetz in China hat, eine sechstägige Flugverbindung zwischen Neuyork und Schanghai einrichten wolle. Der Plan, der bereits feste Form angenommen hat, wird hier nicht nur verkehrstechnisch, sondern auch politisch als von großer Bedeutung betrachtet.
Schneefall und Frost im Riesengebirge.
In der Nacht zum Montag trat im Riesen- und Jsergebirge Schneefall ein, der bei leicht zuneh- menbem F r o st auch am Montag anhielt. Die Schneehöhe hat in den höheren Lagen z. T. schon 10 Zentimeter erreicht.
Luis Trenker in der Reichsjugendführung.
Die Pressestelle der Reichsjugendführung teilt mit: Der Reichsjugendführer hat dem Abteilungsleiter Rundfunk der Reichsjugendführung, Gebietsführer Carl C e r f f, das Referat Film in der Reichsjugendführung übertragen. Als Referent und Mitarbeiter ist Luis Trenker gewonnen worden.
Kunst und Wisienschast.
Eine neue Mary Wigman-Tanzgruppe.
Mary W i g m a n hat eine neue Tanzgruppe von fünfzehn Tänzerinnen zusammengestellt und arbeitet an einer Gruppenkomposition, welche anläßlich der im Dezember in Berlin ftattfinbenben „Deutschen Tanzfestspiele 1 934" uraufgeführt wird. Die musikalische Leitung und Komposition liegt in den Händen von Hanns H a st i n g.
Alfred Rosenberg bei Frau Förster-Mlehsche.
Anläßlich des 90. Geburtstages Friedrich Nietzsches stattete der Beauftragte des Führers für die gesamte geistige und weltanschauliche Erziehung der NSDAP. Alfred Rosenberg der Schwester Nietzsches, Frau Dr. h. c. Förster-Nietzsche, in Weimar einen Besuch ab. Im Auftrage von Reichsleiter Rosenberg legte die Gauleitung Halle- Merseburg am Grabe Friedrich Nietzsches in Röcken einen Kranz nieder mit der Aufschrift: „Dem großen Kämpfer".
Der Münchner Maler Robert Schleich f.
Nach langem schweren Leiden ist der bekannte Münchener Genremaler Professor Robert Schleich, Mitglied der Münchener Akademie der bildenden Künste, im 90. Lebensjahr g e ft o r b e n. Don seinen kleinen Bildern, die ihm goldene Medaillen in München und Wien eingetragen haben, sind viele von öffentlichen und privaten Sammlungen erworben worden.
Wettervoraussage.
Mit der Verlagerung der Störung nach Nordosten geht ihr Einfluß zurück, und der hohe Druck gewinnt von Westen her weiter an Raum. Die noch zufließende polarmaritime Luft gibt zunächst Anlaß zu wechselhafter Bewölkung, wobei vereinzelt auch noch leichte Schauer fallen können, doch tritt bei weiter steigendem Luftdruck stärkere Aufheiterung ein. In aufklarender Nacht gehen infolge der Ausstrahlung in frostgefährdeten Lagen die Temperaturen bis zum Gefrierpunkt zurück.
Aussichten für Mittwoch: Wechselnd bewölkt mit Aufheiterung, nur noch vereinzelt leichte Schauer, nachts Temperaturen um den Gefrierpunkt.
Aussichten für Donnerstag: Weiterhin Beruhigung der Wetterlage und stellenweise Gefahr leichten Nachtfrostes.
Lufttemperaturen am 15. Oktober: mittags 7,5 Grad Celsius, abends 5,4 Grad; am 16. Oktober: morgens 5 Grad. Maximum 10 Grad, Minimum 4,3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 15. Oktober: abends 8,6 Grad; am 16. Oktober: morgens 7,4 Grad Celsius. — Niederschläge 3 mm. — Sonnenscheindauer 4,8 Stunden.
Hier ist ja auch alles Gute beisammen: die vornehme künstlerische Packung, das ansprechende Großformat und dann — die gleichbleibende Mischung hoch- wertiger Tabake—wirklich ein Genuß, Ä vom Anzünden bis zum Schluß!


